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1989/21 Was bedeutet „Ein Betrunkener darf nicht beten” in der Arbeit?

Unsere Weisen (Eruwin, Blatt 64) sagten: „Ein Betrunkener darf nicht beten. Und wenn er betet, ist sein Gebet ein Gräuel.“

Besser also, er betet nicht – denn sein Gebet ist ein Gräuel. Doch was bedeutet „Gräuel“?

Den Ausdruck „Gräuel“ finden wir auch im Zusammenhang mit den verbotenen Verbindungen [verbotene Beziehungen wie Inzest]. Im Allgemeinen bezeichnet das Wort „Gräuel“ etwas Abscheuliches, wie es heißt: „Du sollst keinerlei Gräuel essen“ (5. Mose), „Komm und sieh die bösen Gräuel, die sie hier verüben“ (Ezechiel), und dergleichen. Für die Arbeit ist nun zu verstehen: Warum ist es besser, dass ein Betrunkener nicht betet, und warum ist sein Gebet eine abscheuliche Sache?

Der Sohar (Schmini, Blatt 20, und im Sulam (Leiter-Kommentar), Abschnitt 61) fragt zu dem Vers „Wein und Rauschtrank sollst du nicht trinken“ (3. Mose): „Rabbi Chija eröffnete: ‚Und Wein erfreut das Herz des Menschen‘ (Psalmen). Er fragt: Wenn der Priester (Kohen) sich freuen und mehr als alle im erleuchteten Antlitz befinden soll, warum ist ihm dann der Wein verboten? In ihm liegt doch Freude, und das erleuchtete Antlitz findet sich in ihm. Doch der Wein beginnt mit Freude und endet in Traurigkeit; der Priester aber soll immer in Freude sein. Und überdies kommt der Wein von der Seite der Leviten (Lewiim), denn die Tora und der Wein der Tora sind von der Seite der Gwura (Macht). Die Seite der Priester aber ist Chessed (Gnade).“

Weiter heißt es dort (in Abschnitt 66): „Deshalb ist es einem Priester, der in den Tempel (Mikdash) eintritt, um den Dienst zu verrichten, verboten, Wein zu trinken, denn seine Handlungen geschehen im Verborgenen, und der Wein enthüllt das Geheimnis. Und das ist das Geheimnis: dass er die Stimme erhebt.“ Dieses Erheben der Stimme gehört zu den Leviten.

Zu verstehen bleibt: Was heißt in der Arbeit „Priester“? Was bedeutet dort „der Dienst des Priesters geschieht im Verborgenen“? Was ist die Stufe „Levi“, und warum müssen gerade die Leviten die Stimme erheben, im Gegensatz zu den Priestern? Und warum bringt der Wein zuerst Freude und führt danach zur Traurigkeit? Anders gefragt: Was heißt hier „am Anfang“, was „am Ende“?

Zunächst müssen wir wissen, was „Arbeit“ bedeutet. Bekanntlich gibt es in der Arbeit für den Schöpfer zwei Arten:

a. lo liShma – nicht um zu geben, sondern zum eigenen Nutzen,

b. nicht, um eine Belohnung zu empfangen.

Das bedeutet: Er glaubt an den Schöpfer als König der Welt. Und je stärker er an die Größe des Schöpfers glaubt, desto mehr empfindet er es als großes Vorrecht, dem König zu dienen. Womit aber kann er dem König so dienen, dass der König Freude daran hat?

Die Antwort: Wir müssen glauben, dass der Schöpfer uns durch Moses, unseren Lehrer, Friede sei mit ihm, geboten hat, womit wir Ihm dienen können – nämlich dadurch, dass Er uns die Tora und die Mizwot gab. Und ebenso brauchen wir das Vertrauen in die Weisen (Emunat Chachamim), um alles zu erfüllen, was unsere Lehrer uns hinzugefügt haben – die „rabbinischen Mizwot“. Ebenso gab Er uns Bräuche, die zu befolgen die Weisen uns auftrugen. All dies erfüllen wir, damit Ihm durch das Erfüllen von Tora und Mizwot Wohlgefallen (Nachat Ruach) bereitet wird. Unser ganzer Genuss liegt in diesem großen Vorrecht, und daraus schöpfen wir unser ganzes Leben.

Denn ohne Genuss und Vergnügen kann man nicht leben. Das rührt bekanntlich daher, dass das Schöpfungsziel war, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Deshalb ist den Geschöpfen ein Verlangen eingeprägt, nach Genuss zu streben; ohne dieses Verlangen könnte der Mensch in der Welt nicht bestehen. Deshalb müssen alle Geschöpfe, sobald sie geboren werden, Genuss empfangen.

Der ganze Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen liegt in der Einkleidung: Genuss muss immer in etwas eingekleidet sein. Deshalb wechseln die Kleider, während der Mensch heranwächst. Zum Beispiel hat ein Kind Genuss an Spielen und dergleichen, und wenn es heranwächst, wechselt es die Kleider.

Ebenso beim Menschen, der mit der heiligen Arbeit beginnt: Auch er soll Genuss daran haben, Tora und Mizwot zu erfüllen. Deshalb muss man ihm einen Lohn für seine Arbeit zusichern. So ist es auch bei der materiellen Arbeit: Obwohl der Mensch die Ruhe sehr genießt, gibt er sie auf und geht arbeiten, weil ihm die Arbeit einen „Lohn“ einbringt – Dinge also, an denen er Genuss hat. Dieser Genuss aus der Arbeit hat zwei Quellen:

a. Lohn, der „Gehalt“ genannt wird. Von diesem Gehalt kann er Güter kaufen, an denen er Genuss hat.

b. Manche arbeiten nicht für ein Gehalt, sondern für Ehre. Daran haben sie Genuss, und daraus beziehen sie den Brennstoff für die Arbeit.

Ebenso arbeiten manche in der heiligen Arbeit für Lohn oder Ehre. Auch darin gibt es zwei Arten:

a. dass die Geschöpfe ihnen Geld oder Ehre geben.

b. dass der Schöpfer ihnen für ihre Arbeit Geld, Ehre und dergleichen gibt. Der Sohar schreibt, sie wollten für ihre Arbeit von Ihm die kommende Welt. All dies heißt „um eine Belohnung zu empfangen“.

Doch wer allein um zu geben arbeiten will, bezieht seinen Brennstoff daraus, dass er dem König dient. So heißt es im Sohar (Einführung in das Buch Sohar, Sulam, Abschnitt 191): „Die Ehrfurcht, die das Wesentliche ist, besteht darin, dass der Mensch sich vor seinem Herrn fürchtet, weil Er groß und herrschend ist, das Wesentliche und die Wurzel aller Welten, und alles gilt vor Ihm als nichts; und er soll sein Verlangen auf jenen Ort richten, der Ehrfurcht genannt wird.“

Hier beginnt die eigentliche Schwierigkeit. Denn der Mensch muss seinen Brennstoff anderswo finden als dort, wo ihn die meisten Menschen finden; die meisten können sich unter Lohn nur das vorstellen, was man als Gegenleistung für die Arbeit erhält. Danach besteht die Arbeit im Erfüllen von Tora und Mizwot, und der Lohn ist etwas davon Verschiedenes. Erst die Aussicht auf diese Gegenleistung bringt sie überhaupt dazu zu arbeiten. Und je mehr Gegenleistung sie erwarten, desto mehr Kraft wenden sie auf: Der Einsatz richtet sich nach dem Lohn, der ihm folgt.

Anders, wer nicht für eine Gegenleistung arbeiten will, sondern um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten: Für ihn ist die Größe des Schöpfers der Maßstab. Je größer er den König bei sich einschätzt, desto mehr Kraft hat er zur Arbeit. Die Einführung in Talmud Esser haSefirot (Abschnitt 14) spricht darum vom teilweisen Glauben: Jeder glaubt in einem eigenen Maß, und dieses Maß entscheidet, wie viel Kraft er in die Arbeit für den Schöpfer legen kann.

So sagt der Sohar zu dem Vers: „Bekannt in den Toren ist ihr Gatte“ (Sprüche) – „ein jeder nach dem, was er in seinem Herzen einschätzt“. Das bedeutet: Jeder Mensch trägt ein eigenes Maß der Größe des Schöpfers in sich, und zwar genau so viel, wie er in seinem Herzen einschätzt. Denn die Größe des Schöpfers selbst hat kein Maß, das ein Mensch je wahrhaft treffen könnte. Wie geschrieben steht: „Und Seine Größe ist unerforschlich, eine Generation preist der anderen Deine Werke“ (Psalmen); und die Sache von „eine Generation der anderen“ lernt man in der Arbeit an einem einzigen Menschen. Also: jeder einzelne Zustand wird „Generation“ genannt.

Im Aufstieg schätzt der Mensch die Größe des Schöpfers anders ein als im Abstieg. Dies wird „eine Generation der anderen“ genannt. Der Sinn: Durch diese Generationen – durch Aufstiege und Abstiege – legt der Mensch bei sich Rechenschaft ab, wie hoch er die Größe des Gesegneten in beiden Zuständen einschätzt, und stärkt sich in der Arbeit. So gelangt er zu dem Vorrecht, dass „Deine Werke gepriesen werden“. Sogar von den Abstiegen sieht er dann, dass sie zum Lobpreis gereichten und nicht zum Verlust.

Denn der Mensch kann nichts einschätzen außer durch eine Sache und ihr Gegenteil, wie es heißt: „Wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis“ (Prediger), wie mein Vater und Lehrer erklärt (Buch Shamati, Artikel „Wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis“). So gelangt „eine Generation der anderen“ – beide zusammen – zur Stufe „Deine Werke gepriesen werden“. Denn diese Zustände wiederholen sich immer wieder; sogar an einem einzigen Tag kann es mehrere geben, die „Generationen“ heißen. Aus all diesen „vielen Generationen“ erwächst die Vollkommenheit – vorausgesetzt allerdings, man flieht nicht mitten in der Arbeit vom Schlachtfeld.

Daraus sehen wir: Damit überhaupt Brennstoff da ist, um zu geben zu arbeiten und keine Gegenleistung zu empfangen – damit die Arbeit selbst der Lohn ist –, müssen wir an Ihn, den Gesegneten, glauben, das heißt an Seine Größe. Diesen Glauben zu erlangen kostet große Kraft und Mühe. Ohne ihn gibt es keine Kraft zur Arbeit um zu geben. Denn erst wenn der Mensch die Größe des Schöpfers spürt, ist er bereit, ohne jede Gegenleistung zu arbeiten.

Vielmehr ist die Arbeit selbst der Lohn. Denn einem großen König zu dienen wiegt für ihn so schwer, dass aller Reichtum der Welt daneben nichts gilt – dass der Schöpfer ihm überhaupt erlaubt einzutreten und Ihm zu dienen. Deshalb müssen alle unsere Gedanken darauf zielen, die Größe des Schöpfers zu spüren. Alles Übrige folgt dann diesem einen Punkt.

Bekanntlich muss man die Arbeit mit der rechten Linie beginnen, die „Vollkommenheit“ heißt. Das heißt, der Mensch muss sich bemühen, über dem Verstand zu glauben, so weit wie möglich. Und er soll sagen: Selbst wenn er nur einen kleinen Dienst in der Heiligkeit (Kedusha) verrichten kann, muss er glauben, dass dieser sehr wichtig ist; sein Gewicht einzuschätzen reicht sein Verstand nicht aus.

So sagten unsere Weisen: „Wer geht und nicht handelt, hat den Lohn des Gehens in seiner Hand.“ Der Mensch muss also schon die kleinste Berührung mit der Spiritualität schätzen, in welcher Form auch immer. Der Schöpfer nimmt alles an und schreibt es ihm gut, und Pfennig um Pfennig fügt sich zu einer großen Summe. Der Artikel „Die Ordnung der Arbeit des Baal HaSulam“ führt dazu an: Man schreibt die Arbeit dem Schöpfer zu und glaubt, dass Er sie annimmt, gleich in welcher Form sie erscheint.

Der Schöpfer achtet also auf jeden Einzelnen, ob er überhaupt etwas in der Arbeit tut. Auf die Absichten kommt es dabei nicht an; Er rechnet alles an. Dann muss gewiss auch der Mensch alles bedenken, was in der Arbeit für den Schöpfer geschieht, und aus allem Genuss und Freude schöpfen – schon weil er das Vorrecht hat, die Spiritualität überhaupt zu berühren.

Der Mensch schuldet dem Schöpfer vielen Dank dafür, dass Er ihn mit etwas Spirituellem begünstigt hat – schon wer geht und nicht handelt, hat den Lohn des Gehens in seiner Hand. Er muss also schon dafür danken, dass Er ihn wenigstens ins Bethaus gehen ließ. Und wenn er dankt – und nicht nur dankt, sondern sich darüber freut –, heißt das „rechts“ und „Vollkommenheit“: die Eigenschaft des Chessed, die rechte Linie.

Er sagt also: Der Schöpfer erweist mir Gnade, indem Er mir erlaubt, etwas in der Spiritualität zu tun. Diese Stufe heißt „Priester“ – von ihm heißt es, er verrichte die heilige Arbeit.

Wer in der rechten Linie geht, kann immer in Freude sein – das heißt „denn Er hat Gefallen an Gnade“ (Micha). Er freut sich mit seinem Anteil an dem, was er hat, und führt nicht, Gott behüte, üble Nachrede über den Schöpfer. Wo Freude ist, bleibt für üble Nachrede kein Raum: Wer sich freut, erhebt keine Beschwerde, der Schöpfer verfahre mit ihm nicht nach der Eigenschaft des Guten und Gutestuenden. Dann heißt der Mensch „gesegnet“.

Im Artikel „Der Glaube an seinen Lehrer“ steht: Dann ist die Zeit, in der der Mensch eine hohe Stufe erlangen kann, weil „Gesegnetes an Gesegnetem haftet“. Anders aber, wenn der Mensch üble Nachrede führt: Selbst wenn er vom Schöpfer will, dass Er ihm Spiritualität und nicht Materielles gibt, besteht dennoch kein Unterschied zwischen dem einen und dem anderen. Vielmehr gilt schon als „üble Nachrede“, wenn er Beschwerden hat, mit seinem Zustand unzufrieden ist und nicht sagen kann, dass der Schöpfer mit ihm auf der Stufe des Guten und Gutestuenden verfährt; und das Verbot der üblen Nachrede ist allen bekannt.

Wenn dem Menschen also Gedanken übler Nachrede kommen, während er in der rechten Linie geht, muss er sie zurückweisen und sagen: Übler Nachrede zu lauschen ist verboten. Er soll alles in seiner Macht Stehende tun, um solche bösen Gedanken von sich zu weisen. Zwar sagen sie, wenn sie kommen: Wir sind keine fremden Gedanken, sondern im Gegenteil, wir wollen, dass du dich nicht selbst betrügst, sondern siehst, dass es um deine Arbeit nicht gut steht, und hingehst und sie korrigierst; dann brächten wir dem Menschen gute Gedanken.

Darauf ist zu sagen: Wenn ihr es zu meinem Besten sagt – warum kommt ihr dann nicht, während ich in der linken Linie bin, also während der Mensch Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) hält? Denn der Mensch soll gehen und nicht in einem einzigen Zustand stehen bleiben. „Rechts“ heißt, dass er sich mit dem Wenigen begnügt; bekanntlich braucht es beides. Dann also sagt mir, woran es bei mir fehlt.

Ihr aber kommt gerade dann, wenn ich in der rechten Linie gehen will. Deshalb höre ich nicht auf euch. Und dies wird „Vollkommenheit der rechten Linie“ genannt. Diese Stufe ist immer vollkommen: Er freut sich mit seinem Anteil, und nichts liegt ihm näher, als dem Schöpfer vielen Dank zu sagen. Und diese Stufe wird die Stufe „Priester“ genannt, und sie ist eine beständige Freude.

Doch diese Arbeit geschieht im Verborgenen: Ihre Vollkommenheit tritt nicht nach außen. Sie heißt „bedeckte Gnaden“ (Chassadim Mechussim), weil er ihre Wichtigkeit nach außen nicht zeigen kann – den Äußeren gegenüber hat er nichts vorzuweisen. Denn sie fragen ihn sofort: Worauf blickst du? Wir sehen doch, wie du jubelst und dich mit deinem Anteil freust. Zeig uns lieber, was du in der Hand hast – welchen Besitz du in der Spiritualität erworben hast, dass du dich so freust.

Er antwortet: Ich freue mich mit meinem Anteil. Sie aber halten dagegen: Wir sehen doch, dass du in der Spiritualität nichts Greifbares hast, und dennoch freust du dich – also betrügst du dich selbst. Was ist die Wahrheit? Er sagt: Ich gehe über dem Verstand; auf Fragen, die ihr innerhalb des Verstandes stellt, schulde ich euch keine Antwort. Man muss aber wissen: Mit den Äußeren ist kein zweiter Körper gemeint; der Mensch selbst setzt sich aus vielen Gedanken zusammen, wie im Sohar geschrieben steht: „Der Mensch ist eine kleine Welt und aus allen Völkern der Welt zusammengesetzt.“

Nun wollen wir erklären, was „Levi“ ist: Warum erhebt er die Stimme, im Gegensatz zum Priester, dessen Arbeit im Verborgenen geschieht, also über dem Verstand? Dort nämlich ist Vollkommenheit, deshalb kann er immer in Freude sein. Nun sind die Leviten die Stufe links, und links ist die Stufe der Erleuchtung der Chochma (Weisheit); denn die Chochma kommt in den Gefäßen des Empfangens (Kelim deKabbala). Anders die Chassadim, die die Stufe des Priesters sind – sie kommen in den Gefäßen des Gebens (Kelim deHaschpaa).

Bei den Gefäßen des Empfangens braucht es immer Bewahrung, damit man nicht den Gefäßen nachgezogen wird, die mit dem Empfangen befasst sind. Diese Bewahrung besteht darin, dass man auch Chassadim herabzieht. Und diese Chassadim bewahren die Absicht, dass sie um zu geben sei, was „Empfangen um zu geben“ genannt wird. Sobald man aber der Handlung des Empfangens nachgezogen wird, fällt man von seiner Stufe, weil man sich von der Heiligkeit trennt. Deshalb ist die Arbeit der Leviten im Erheben der Stimme, das heißt, dass dort die Erleuchtung der Chochma leuchtet, was „Offenbarung der Chassadim“ genannt wird. Offenbarung heißt Erheben der Stimme, weil sie nach außen tritt, nämlich in den Gefäßen des Empfangens. Deshalb sagt er, der Wein bringe an seinem Anfang Freude und ende in Traurigkeit.

Wir fragten, was „Anfang“ und „Ende“ bedeutet. „Anfang“ heißt die Zeit, in der er mit Chassadim vermischt ist; dann kann er die Chochma gebrauchen. Anders an seinem Ende: Wenn die Chassadim aufgebraucht sind, mit denen er umgeben war, bleibt er mit dem Wesen allein, also mit der Chochma allein. Ohne Chassadim aber lässt sich die Chochma nicht gebrauchen, und das macht ihn traurig, weil er stets ein Kleid der Chassadim braucht und keines hat. Anders die Stufe „Priester“: Weil er immer in Freude sein soll, geht er nur in der rechten Linie, die Chessed ist – „denn Er hat Gefallen an Gnade“ –, „freut sich mit seinem Anteil“ und verlangt nicht nach Größe. So kann er immer in Freude sein.

Ähnlich steht in Talmud Esser haSefirot (Teil 14, Blatt 1528), dass es zwei Stufen gibt:

a. Segen,

b. die Stufe Chiru, das heißt Freiheit. Der Or Pnimi (inneres Licht) erklärt dort, dass „bedeckte Chassadim ein freier Mensch genannt werden“ – ihm fehlt nichts, weil er nichts benötigt. Deshalb fühlt er sich frei: Nichts, was er empfangen müsste, macht ihn zum Knecht. So ist er nichts und niemandem unterworfen – und das gerade dann, wenn er sich mit seinem Anteil freut. Und dies wird die Stufe „Priester“ genannt, dessen Arbeit im Verborgenen geschieht, denn was er hat, tritt nicht nach außen; er braucht es auch nicht, dass sein Besitz sichtbar wird, sondern glaubt über dem Verstand, dass ihm alles, was er hat, genügt.

Doch die Stufe der Leviten, die zur Stufe links gehören, das heißt zur Chochma, ist die Stufe „der Wein der Tora“. Die Tora aber muss gerade offenbart sein. Denn die Tora muss mit der Stufe Daat (Erkenntnis) versehen sein, und Daat wird „mittlere Linie“ genannt, die zwischen rechts und links entscheidet, sodass er nicht mehr Chochma nimmt, als er Chassadim hat. Anders aber, wenn er mehr Chochma als Chassadim empfangen will: Dies wird so genannt, dass er „mehr Wein trinkt, als er verträgt“. Dadurch wird er „betrunken“ und verliert Daat, die „mittlere Linie“, die abwägt, dass nicht mehr Chochma als Chassadim sei.

Damit lässt sich erklären, was unsere Weisen sagten: „Ein Betrunkener darf nicht beten. Und wenn er betet, ist sein Gebet ein Gräuel.“ Gemeint ist die Zeit, in der ihm Daat verloren geht, die mittlere Linie, und er dennoch betet, weil er will, dass man ihm mehr Chochma als Chassadim gibt; dies wird „Gräuel“ genannt. Denn das ist eine abscheuliche Sache: Er betet zum Schöpfer, dass Er ihm Chochma ohne Chassadim gibt, was zu den Äußeren und nicht zur Heiligkeit geht.

Hierher gehört auch, was unsere Weisen sagten (Wajikra Rabba 1,15): „Jeder Tora-Gelehrte (Talmid Chacham), in dem keine Erkenntnis ist – ein Aas ist besser als er.“ Es ist derselbe Fall wie zuvor: Er empfängt mehr Chochma als Chassadim. So fehlt ihm die mittlere Linie, die Daat genannt wird, „die zwischen rechts und links entscheidet“. Auch „ein Aas ist besser als er“ besagt, dass er abscheulich ist: Weil Daat in ihm fehlt, gilt er als „betrunken“, der „mehr Wein getrunken hat, als das Maß erlaubt“, also mehr als Chassadim. Betet er auf diese Weise, dass man ihm die Tora gebe, die „der Wein der Tora“ genannt wird, so ist sein Gebet ein Gräuel, und er selbst gilt als eine abscheuliche Sache.

Auf demselben Weg ist zu verstehen, was unsere Weisen sagten (Awot, drittes Kapitel): „Jeder, dessen Weisheit zahlreicher ist als seine Taten, wem gleicht er? Einem Baum, dessen Zweige zahlreich und dessen Wurzeln spärlich sind, und der Wind kommt und entwurzelt ihn.“ Tat wird „rechts“, „Chessed“ genannt. Man braucht nicht mit Erkenntnis und Verstand zu begreifen, dass es sich lohnt, die heilige Arbeit um zu geben zu verrichten; er kann stattdessen über dem Verstand gehen, obwohl der Verstand mit „den Fragen Pharaos“ zu ihm kommt, der fragt: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte“ (2. Mose), oder mit „der Frage des Frevlers“, der fragt: „Was soll euch dieser Dienst“ (2. Mose). Darauf antwortet er ihnen, dass er über dem Verstand geht. Dies wird „Tat“ genannt, weil er ihnen nicht mit Weisheit und Verstand antwortet, sondern damit, dass er mit der Tat und nicht mit dem Verstand arbeitet; und darin liegt seine ganze Freude, dass er die Stufe des Glaubens über dem Verstand erfüllt.

Wenn er danach die Stufe der Chochma erlangt, will er die Chochma nicht als Stütze gebrauchen, um zu sagen: Jetzt brauche ich die Stufe des Glaubens nicht mehr, weil ich schon eine Grundlage des Verstandes habe. Dies wird „seine Weisheit ist zahlreicher als seine Taten“ genannt. Er empfängt die Chochma nur deshalb, weil der Schöpfer will, dass er empfängt; er empfängt, und nicht zum eigenen Nutzen. Will er aber mehr Chochma empfangen als seine Taten, wird dies „betrunken“ genannt, und sein Gebet ist ein Gräuel. Vielmehr soll alles mit Daat geschehen, das heißt auf der Stufe der mittleren Linie, sodass nicht mehr links als rechts sei.

korrOp, EY, 10.08.2026, 04:15 Uhr, Ver6