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1990/29 Was bedeutet „Die Tora schwächt die Kraft des Menschen“ in der Arbeit?

Die Weisen sagten (Sanhedrin 26b): „Rabbi Chanin sagte: ‚Warum wird die Tora Tushia genannt? Weil sie die Kraft des Menschen schwächt.‘“ Das gilt es zu verstehen. Denn die Weisen sagten ja (Awot, Kapitel 6:7): „Groß ist die Tora, denn sie gibt denen, die sie ausüben, Leben, wie gesagt wurde: ‚Denn sie sind Leben für die, die sie finden, und Heilung für seinen ganzen Leib.‘“ Ebenso sagten sie (Eruwin 54): „Tut ihm der Kopf weh, so befasse er sich mit der Tora. Tut ihm der Hals weh, so befasse er sich mit der Tora. Tut ihm der Bauch weh, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: ‚Und Heilung für seinen ganzen Leib.‘“ Das steht also im Widerspruch zum zuvor Gesagten.

Um das zu verstehen, müssen wir zuerst verstehen, was die Tora ist. Das heißt, zu welchem Zweck hat uns der Schöpfer die Tora gegeben. Die Weisen sagten (Kidduschin 30): „Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen.“ Daraus scheint hervorzugehen, als hätte Er die Tora nicht erschaffen, wenn es den bösen Trieb nicht gäbe, wie es heißt: „Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Kann man so etwas sagen, dass die Tora um des bösen Triebes willen erschaffen wurde?

Im Sohar heißt es (Teil 1, Einführung in das Buch Sohar, Marot haSulam, Blatt 242): „Die Mizwot in der Tora werden in der Sprache des Sohar Hinterlegungen (Pkudin) genannt. Und sie werden auch 613 Ratschläge (Ejtin) genannt. Der Unterschied zwischen ihnen ist: Bei jeder Sache gibt es eine Vorder- und eine Rückseite. Die Stufe der Vorbereitung auf die Sache wird Rückseite genannt, und die Stufe der Erlangung der Sache wird Vorderseite genannt. Auf diese Weise gibt es bei Tora und Mizwot die Stufe ‚Wir werden tun‘ und die Stufe ‚Wir werden hören‘.

Und wenn man Tora und Mizwot als ‚Täter Seines Wortes‘ einhält, bevor man das ‚Hören der Stimme Seines Wortes‘ verdient, werden die Mizwot 613 Ratschläge (Ejtin) genannt, und sie sind die Stufe der Rückseite. Und wenn man die Stufe des ‚Hörens der Stimme Seines Wortes‘ verdient, werden die 613 Mizwot zur Stufe der Hinterlegungen (Pkudin), vom Wort Pikadon (Hinterlegung). Denn es gibt 613 Mizwot, und in jeder Mizwa ist das Licht einer besonderen Stufe hinterlegt, das einem besonderen Organ unter den 613 Organen und Sehnen der Seele und des Körpers entspricht.“

Aus dem Gesagten geht hervor, dass Tora und Mizwot auf zwei Stufen erkannt werden:

a. Als Ratschlag, und das ist das Geschriebene: 613 Ratschläge (Ejtin). Das heißt, dadurch, dass man Tora und Mizwot einhält, wird man die Kraft haben, den bösen Trieb zu annullieren. Und damit lässt sich auslegen, was geschrieben steht: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, die Tora ist ein Gewürz für den bösen Trieb. Das wird im Sohar „613 Ratschläge (Ejtin)“ genannt.

b. Tora um der Tora willen, das ist die Stufe der 613 Hinterlegungen (Pkudin). Diese Tora ist die Stufe der Namen des Schöpfers. Und diese Stufe der Tora erlangt man, nachdem man sein Handeln korrigiert hat, sodass man bereits arbeiten kann, um zu geben, und nicht zum eigenen Nutzen.

Doch wenn man beginnt, sich auf den Weg zu machen, um die Gefäße des Gebens zu verdienen – und dafür sagten wir, dass man die Tora auf der Stufe der Ratschläge braucht, die „613 Ratschläge (Ejtin)“ genannt wird –, dann gibt es sicherlich auch davor eine Arbeit, nämlich die erste Stufe, von der aus man beginnt, in das Einhalten von Tora und Mizwot einzutreten. Und das wird lo liShma (nicht um ihretwillen) genannt. Das ist die erste Stufe.

Und die zweite Stufe ist die Zeit, in der man den Weg liShma beschreiten will. In dieser Zeit muss man alles tun, was in seiner Macht steht, um liShma zu erreichen. Das heißt, dass man die Kraft hat, dorthin zu gelangen, sodass man all sein Handeln verrichtet, um zu geben.

Und danach kommt man zum dritten Zustand, in dem man die Stufe der Tora verdient, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird und die der Sohar „613 Hinterlegungen (Pkudin)“ nennt, wie oben.

Wenn man also das Einhalten von Tora und Mizwot in der ersten Stufe beginnt, das heißt lo liShma, sondern um Lohn zu empfangen, wie es im Sohar geschrieben steht (im Maamar der Hinterlegungen, Teil 1, Einführung in das Buch Sohar, Marot haSulam, Blatt 242), dass der Anfang der Arbeit des Menschen in Tora und Mizwot aus dem Grund von Lohn und Strafe in dieser Welt oder von Lohn und Strafe in der kommenden Welt geschieht, dann zeigt sich, dass er in diesem Zustand die Tora und die Mizwot noch nicht als Ratschläge braucht. Vielmehr verpflichten ihn Lohn und Strafe, je nachdem, wie er an Lohn und Strafe glaubt, zum Einhalten von Tora und Mizwot.

Und nicht aus dem Grund der Ratschläge wie oben: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, dass die Tora ein Ratschlag gegen den bösen Trieb im Menschen ist, und der Mensch sich aus dessen Herrschaft befreien will. Das heißt, der Mensch will aus der Eigenliebe herauskommen und alles zum Nutzen des Schöpfers tun, und deshalb hält er Tora und Mizwot ein. Stattdessen ist es das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, das ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot verpflichtet.

Demnach also: Was bedeutet die Auslegung „Aus lo liShma gelangt man zu liShma“? Wir sehen ja keinerlei Zusammenhang zwischen dem, dass der Mensch Tora und Mizwot einhält, um Lohn zu empfangen, und dem, dass ihm dies ein Sprungbrett geben sollte, um von lo liShma zu liShma überzugehen. Und die Weisen sagten: „Denn das Licht darin bringt ihn zum Guten zurück.“ Das heißt, das Licht, das in der Tora ist, leuchtet dem Menschen, sodass er spürt, dass er nicht die Stufe eines Menschen hat, sondern allen Lebewesen gleicht. Und das ist wie geschrieben steht (Jewamot 61): „Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt, und die Götzendiener werden nicht ‚Mensch‘ genannt.“

Damit lässt sich auslegen, was wir gefragt haben: Was bedeutet die Aussage „Warum wird die Tora Tushia genannt? Weil sie die Kraft des Menschen schwächt“, wo sie doch das Gegenteil sagten: „Heilung für seinen ganzen Leib“?

Die Auslegung ist: Wenn der Mensch lo liShma lernt, vermittelt ihm diese Tora das Gefühl, dass die Stufe „Mensch“ in ihm sehr schwach ist. Das heißt, die Kraft des „Menschen“ ist in ihm geschwächt; vielmehr gleicht er den übrigen Lebewesen. Doch welches ist die Form, in der der Mensch sieht, wie die Stufe Mensch in ihm sehr schwach ist?

Bekanntlich ist das Hauptmerkmal, woran wir zwischen Mensch und Tier unterscheiden, dass das Tier kein Empfinden für den anderen hat, was „Verlangen, nur zum eigenen Bedarf und Nutzen zu empfangen“ genannt wird. Und das wird auch „böse“ genannt. Das heißt, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, wird „böse“ genannt, weil über ihm der Zimzum und die Verhüllung waren, sodass in dieses Verlangen zu empfangen kein Licht der Heiligkeit (Kedusha) gelangen kann.

Und da dieses Verlangen zu empfangen alles ist, was daran hindert, das Gute und den Genuss zu empfangen, die der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte, wird es deshalb „böse“ oder „böser Trieb“ genannt. Doch dies ist schwer zu verstehen: Warum hat ein Mensch, der Tora und Mizwot mit der Absicht „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“ einhält – wenn er also bereits zur Empfindung gelangt ist, dass er Böses in sich hat, das heißt, dass es ihm schon zur Zeit des Aufstiegs gut ging und er danach einen Abstieg erlitt und das Böse in sich spürt –, viele Abstiege?

Denn die Tora ist das Gewürz für den bösen Trieb. Warum sieht man also nicht, dass der böse Trieb seine Kraft verloren hat? Stattdessen offenbart sich das Böse jedes Mal aufs Neue. Denn wir sehen: Wenn man beginnt, den Weg zu gehen, um dahin zu gelangen, all sein Handeln zu verrichten, um zu geben, gibt es viele Abstiege. Das heißt, das Böse erneuert sich jedes Mal mit noch größerer Wucht als zuvor, ehe man die Arbeit mit der Absicht begonnen hat, einen Zustand zu erreichen, in dem all sein Handeln um des Himmels willen geschieht.

Vielmehr verhält es sich so: Jener Teil des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, der „böse“ genannt wird, ist in ihm bereits annulliert worden. Doch es gibt noch weitere Teile, die er durch das Licht in der Tora noch nicht annulliert hat. Und das lässt sich anhand eines Bildes verstehen. Sagen wir, im Verlangen zu empfangen gibt es ein Verlangen, hundert Kilo Genuss zu empfangen. Doch auf ein Verlangen von hundert Kilo kann der Mensch noch nicht auf einmal verzichten. Und wenn der Mensch die ganze Größe des Bösen in sich sähe, würde er sofort vom Schlachtfeld fliehen. Deshalb geschieht es nach Ordnung und Stufenfolge.

Das heißt, am Anfang spürt der Mensch, dass er von den körperlichen Genüssen ein Kilo Genuss empfangen kann. Und wenn er einen Aufstieg empfängt, dann wird die Kraft des Bösen in ihm annulliert. Das heißt, über das eine Kilo Genuss, das er an körperlichen Dingen empfunden hat, über dieses eine Kilo kann er sich bereits erheben. Und da er die Kraft empfangen muss, alle hundert Kilo Genuss zu annullieren, die es in der Körperlichkeit gibt – doch da er sich, wie oben, nicht sofort über hundert Kilo Genuss erheben kann –, fügt man ihm in der Körperlichkeit noch ein Kilo an Geschmack hinzu.

Folglich empfängt er einen Abstieg, weil er nur über ein Kilo Überwindungskraft hatte. Und wenn man ihm die Empfindung eines noch größeren Genusses hinzufügt, empfängt er deshalb daraus einen Abstieg, da er dem großen Genuss unterliegt. Und wenn er sich erhebt, was „Aufstieg“ genannt wird, lässt man ihn drei Kilo Genuss in der Körperlichkeit empfinden, bis er alle Überwindungen vollendet, die in der Arbeit „um zu geben“ bei den körperlichen Genüssen üblich sind.

Sagen wir, er kann sich bereits über alle körperlichen Gelüste erheben, sodass er sie verrichtet, um zu geben. Und dafür muss man sicherlich jedes Mal Hilfe von oben empfangen, sonst kann man sich nicht erheben, nicht einmal über einen kleinen Genuss. Wie geschrieben steht: „Der Trieb des Menschen erstarkt jeden Tag über ihn, und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht bezwingen.“

Doch der Mensch muss immer um Hilfe bitten. Und wenn sich ihm am Anfang die ganze Größe des Gelüstes im Verlangen zu empfangen offenbaren würde, sähe er sofort, dass diese Arbeit nichts für ihn ist. Deshalb zeigt man ihm am Anfang einen kleinen Geschmack an den körperlichen Gelüsten. Doch danach, wenn er bereits die Überwindungskraft über alle körperlichen Gelüste empfangen hat, dann verdient es der Mensch, geistige Gelüste zu empfangen. Dort gilt die Angelegenheit der Schirme (Massachim), das heißt die Angelegenheit der Überwindung über das Licht des geistigen Genusses.

Und auch dort geschieht es nach Ordnung. Das heißt, man beginnt zum Beispiel mit einer kleinen Stufe, nämlich dem Licht von Nefesh. Und wenn er dieses bereits empfangen kann, um zu geben, gibt man ihm das Licht von Ruach, bis er die ganze Stufe NaRaNChaY verdient. Wie es im Sohar steht: „Wenn er geboren wird, gibt man ihm Nefesh. Verdient er mehr, gibt man ihm Ruach.“

Und das ist so, wie die Weisen sagten (Sukka 52): „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ Denn „groß“ bedeutet, dass er bereits die Stufe des geistigen Aufstiegs verdient hat, das heißt, dass er sich bereits über ein bestimmtes Maß an Genuss erheben kann und ihn empfängt, um zu geben. Und erneut gibt man ihm Genuss, über dessen Maß er sich noch nicht erheben konnte.

Und wenn er es verdient, sich über diesen Genuss zu erheben, und wieder groß wird, das heißt zur Gadlut (Erwachsensein) gelangt, die „Aufstieg“ genannt wird, gibt man ihm wieder eine höhere Stufe. Und ihr gegenüber hat er sich noch nie erhoben. Deshalb sieht er, dass es ihm jetzt schlechter geht. Das heißt, dieser Stufe gegenüber kann er sich nicht erheben. Und auch jetzt verläuft dieselbe Ordnung, dass er bittet, der Schöpfer möge ihm die Kraft von oben geben, sodass es in seiner Macht steht, sich auch über dieses Maß des großen Verlangens zu empfangen zu erheben. Und das nennt man, dass der Untere zum Oberen aufsteigt, um die Kraft des Schirms (Massach) zu erbitten.

Und damit lässt sich auslegen, was die Weisen sagten: „Warum wird sie Tushia genannt? Weil sie die Kraft des Menschen schwächt.“ Das heißt, wie oben: Jedes Mal empfängt er, im Verhältnis zu seiner Gadlut, ein größeres Maß an Bösem. Das heißt, je größer der Genuss ist, desto schwerer ist es, sich über ihn zu erheben. So zeigt sich, dass die Stufe „Mensch“ (Adam) die Stufe des „Gebenden“ ist. Bekanntlich ist „Adam“ der Gematria nach MaH, und MaH heißt SA, ein Gebender. BaN heißt Malchut, die Empfangende. MaH ist die Stufe des Männlichen, Adam, ein Gebender. Anders das „Tier“ (Behema), das der Gematria nach BaN ist, das heißt die Stufe des Weiblichen, also das Empfangende, das nicht gibt.

So zeigt sich, dass es auf der Stufe der Gadlut, die das größere Licht ist, schwerer ist, sich zu erheben. So zeigt sich, dass die Stufe „Mensch“ jedes Mal schwächer wird, aus dem Grund, dass er jedes Mal ein größeres Licht hat.

Und damit lässt sich auslegen, was wir gefragt haben: „Tut ihm der Kopf weh, so befasse er sich mit der Tora.“ Und nach dem, was mein Vater und Lehrer sagt, wird die Auslegung sein:

„Tut ihm der Kopf weh“, das heißt, seine Gedanken sind nicht in Ordnung.

„Tut ihm der Bauch weh“, das heißt, alles, was in seinen Bauch eindringt, ist alles um seines Verlangens zu empfangen willen.

„Er befasse sich mit der Tora, denn es heißt: Heilung für seinen ganzen Leib.“ Das heißt, durch die Tora verdient er die Gadlut, denn „das Licht darin bringt ihn zum Guten zurück“. Und er verdient es, groß zu sein.

Und danach verdient er eine größere Stufe, über die er noch nicht die Kraft hatte, sich zu erheben. Und er muss den Schöpfer bitten, ihm Hilfe zu geben, sodass es in seiner Macht steht, sich auch über sie zu erheben. So zeigt sich, dass man jedes Mal von zwei einander entgegengesetzten Dingen sprechen muss. Und man muss auf jeder Stufe immer zwei Seiten unterscheiden:

a. Dass der Untere zur Gadlut aufgestiegen ist, was in der Stufe „Aufstieg“ genannt wird. Denn er hat das Empfinden empfangen, hochzuschätzen, was Annäherung an den Schöpfer ist, sodass er jetzt versteht, dass er sich nur um den Nutzen des Schöpfers sorgen darf und er selbst keinen Namen verdient. Das heißt, für sich selbst braucht er nichts, und er kann sowohl auf Körperliches als auch auf Geistiges verzichten; was den eigenen Nutzen betrifft, darauf verzichtet er. Und all sein Handeln, das er verrichtet, soll nur dazu dienen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Und das nennt man, dass die Tora allen Leben gibt. Wie geschrieben steht: „Groß ist die Tora, denn sie gibt denen, die sie ausüben, Leben, und Heilung für seinen ganzen Leib.“

b. „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ Das heißt, danach empfängt er einen größeren Genuss. Das bedeutet, solange er die Gefäße des Gebens noch nicht verdient hat, zeigt sich, dass er noch an den körperlichen Genüssen haftet. Dann empfängt er jedes Mal einen größeren Geschmack an körperlichen Dingen, damit er das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, überwinden muss, da man dem Menschen den Geschmack der ganzen Größe des Genusses, der in der Körperlichkeit ist, nicht zeigt, aus dem Grund, dass er sich nicht erheben könnte. Vielmehr gibt es ein bestimmtes Maß, das jeder an den körperlichen Genüssen empfindet.

Anders, wenn der Mensch beginnt, den Weg zu gehen, um dahin zu gelangen, alles zu tun, um zu geben, und nicht zum eigenen Nutzen: Dann gibt man ihm von oben mehr Geschmack an Süße in der Eigenliebe. So zeigt sich: Wenn er beginnt, in die Gadlut der Arbeit einzutreten, das heißt, dass er zu denen gehören will, die arbeiten, um zu geben, dann fügt man ihm jedes Mal mehr Geschmack an Eigenliebe hinzu. Und folglich sieht er jedes Mal, dass er mehr Böses hat.

Und aus dem Gesagten sehen wir: Sogar zur Zeit der Vorbereitung, wenn der Mensch in die Arbeit „um zu geben“ eintreten will, obwohl er es noch nicht verdient hat, beginnt bereits die Angelegenheit von „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er“. Das heißt, wie oben: Dadurch, dass der Mensch in die Arbeit der Großen eintreten will, die arbeiten, um zu geben, empfängt er viele Male Aufstiege aus der Stufe „das Licht darin bringt ihn zum Guten zurück“. Und dann ist er auf der Stufe „groß“.

Und danach lässt man ihn etwas mehr Böses kosten, wie oben, damit er den Schöpfer bittet, ihm Hilfe zu geben. So zeigt sich, dass es hier zwei Dinge zu unterscheiden gilt, wie oben:

a. Dass die Tora ihm Leben gibt und er groß wird,

b. und danach gibt man ihm Böses, wie oben: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“

So zeigt sich dann, dass er sich in einem Zustand befindet, in dem er durch die Tora „groß“ geworden ist. Er gelangt zur Schau der Wahrheit, dass die Stufe „Mensch“ in ihm an Kraft erschöpft ist und er dem Tier gleicht, insofern als das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, in ihm jedes Mal in einem größeren Maß erstarkt, entsprechend dem Maß des Guten, das er von der Tora empfangen hat, die ihn zum Guten zurückbringt. Deshalb lässt sich auslegen: „Warum wird die Tora Tushia genannt?“ Denn durch die Tora sieht er, dass die Kraft des „Menschen“ in ihm schwach ist, nur seine „tierische“ Kraft ist stärker geworden.

Und dasselbe gilt auch im Geistigen. Das heißt, nachdem der Mensch die Gefäße des Gebens verdient hat, gibt es jedes Mal eine Überwindung über seine Grobheit (Awiut). Und jedes Mal muss er zu seinem Oberen aufsteigen und die Kraft erbitten, sich über das Verlangen zu empfangen zu erheben, das jetzt in einem größeren Maß ist als die Überwindungskraft, die er aus dem hat, was er zuvor empfangen hat, da er jetzt eine größere Grobheit empfangen hat. Deshalb muss man auch dort, das heißt, nachdem man die Gefäße des Gebens bereits verdient hat, immer weiter vorangehen, um das Verlangen zu empfangen zu korrigieren, jeder nach seiner Stufe.

Und aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch in die Arbeit des Gebens eintreten will, dann sieht der Mensch, dass er nur wenig Böses hat. Das heißt, der Mensch weiß von sich aus, dass er ein wenig Böses hat. So zeigt sich, dass das Böse, das er hat, ihm aus seinem eigenen Wissen kommt. Deshalb versteht der Mensch, dass er seine Überwindungskraft aus eigener Kraft hat. Daher, wie oben: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“

So zeigt sich, dass man ihm von oben das Wissen um das Böse gibt. Das heißt, das Böse, das sich ihm jetzt offenbart hat, kommt von oben. Da steht der Mensch und denkt: „Woher kam mir dieses Böse, nachdem ich doch nach der Regel ‚Das Licht in der Tora bringt ihn zum Guten zurück‘ am Anfang bereits ein wenig gespürt habe, dass ich einen Aufstieg in der Geistigkeit empfangen habe? Was ist also der Grund, dass ich jetzt mehr Böses habe?“

Und dieses Böse, das er jetzt empfangen hat, erkennt er so, dass es ihm von oben, über dem Verstand, kommt. Das heißt, der Verstand kann nicht verstehen, wie er in einen Zustand der Niedrigkeit gefallen ist, der „böse“ genannt wird, das heißt, dass er jetzt eine gemeinsame Beziehung zu allen körperlichen Dingen empfangen hat. Wovon er, bevor er in die Arbeit des Gebens eintrat, bereits entfernt war. Und jetzt hat er eine größere Annäherung an die Eigenliebe empfangen.

Und das ist so, wie es im Buch Panim Meirot geschrieben steht (Blatt 68, Abschnitt beginnend mit „Lasset uns geben“): „Die Angelegenheit des guten Lohns für die Gerechten ist ihre eigene Erlangung jener Stufen, durch die sie mit ihren guten Taten die Lichter zu den oberen SoN zurückbrachten. Und die Angelegenheit der Strafe der Frevler ist das Geheimnis des Verses ‚dieses gegenüber jenem‘. Denn in eben dem Maß, in dem der Mensch von der Erlangung des ewigen Lichts zurückgewiesen wird, in eben dem Maß sinkt er hinab zu den Genüssen der verunreinigten Klipot (Schalen), die ‚Scheol und Awadon‘ genannt werden, weil in ihm eine Art Beziehung zu ihnen herangewachsen ist, sodass er sie ertragen kann.“

So zeigt sich, dass das Böse, das sich beim Menschen offenbart, nicht von ihm selbst kommt. Vielmehr sieht der Mensch, als käme ihm dieses Böse über seinen Verstand. Da sieht der Mensch, dass er keinerlei Möglichkeit hat, sich über dieses Böse zu erheben, das ihm jetzt dadurch hinzugefügt wurde, dass er Mühe und Arbeit gegeben hat. Und was war das Ergebnis? Dass er mehr Böses empfangen hat. Also fragt er: „Und was wird das Ende sein?“, da weder Arbeit noch Mühe helfen, dass man die Fähigkeit hätte, aus der Herrschaft des Bösen herauszukommen, die die Angelegenheit der Eigenliebe ist.

Und die Antwort ist: Der Mensch muss wissen, dass, so wie ihm das Böse von oben kommt, ihm ebenso auch das Herauskommen aus dem Bösen als Hilfe von oben kommen wird. Und folglich braucht sich der Mensch nicht davon beeindrucken zu lassen, dass er sieht, dass er keinerlei Möglichkeit hat, aus der Herrschaft des Bösen aus eigenen Kräften herauszukommen. Vielmehr muss er wissen: So wie das Böse in ihm, das ihm jedes Mal hinzugefügt wurde, nicht aus eigenen Kräften kam – da er ja keine Mühe gegeben hat, um mehr Böses zu erlangen, sondern es von oben kam, was über dem Verstand ist, sodass der Mensch dies nicht versteht –,

ebenso muss der Mensch glauben, dass er auch zum Herauskommen aus dem Bösen die Kraft von oben empfangen wird. Das heißt, alle Dinge, die über dem Verstand kommen, werden ebenso über dem Verstand annulliert. Man kann sagen: Dass der Mensch sich im Exil unter der Herrschaft des Verstandes befindet, das kam dem Menschen nicht aus eigenen Kräften, sondern von oben. Ebenso kommt auch die Erlösung von oben.

Und aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch in die Arbeit des Gebens eintritt und weiß, dass er ein wenig Böses hat, das heißt, dass er noch nicht so großen Geschmack an der Eigenliebe findet – doch wenn er seine Eigenliebe annullieren und arbeiten will, um zu geben, dann empfängt er von oben mehr Sehnsucht nach der Eigenliebe. Das heißt, man teilt ihm mit, was ihm verborgen war: die Größe der Herrschaft und ihre Kraft, die in der Eigenliebe ist.

Und dann sieht der Mensch, wie er buchstäblich von einem Ende zum anderen vom Schöpfer entfernt ist. Denn der Schöpfer ist ganz Geben, und der Mensch ist ganz Empfangen. Und wenn der Schöpfer ihm hilft, dann spürt der Mensch die Gadlut des Schöpfers, wie der Schöpfer Sich um ihn kümmert, um ihn aus der Herrschaft des Bösen herauszuführen. Und jedes Mal, wenn sich beim Menschen mehr Böses offenbart, das heißt, je niedriger der Mensch ist, dann sieht er, dass der Schöpfer Sich um den niedrigsten Menschen kümmert.

Und das lässt sich auslegen, was die Weisen sagten: „Rabbi Yochanan sagte: An jedem Ort, wo du die Gadlut des Schöpfers findest, dort findest du Seine Demut.“ Und die Auslegung wird sein: „An jedem Ort, wo der Mensch die Gadlut des Schöpfers sieht“, dann sieht der Mensch, dass der Schöpfer demütig ist, der Sich in der Einzelheit um ihn kümmert, in der besonderen Vorsehung. Deshalb sieht der Mensch, je größer der Schöpfer wird, dass der Schöpfer umso demütiger ist.

korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver4