1990/41 Was sind leichte Gebote, die ein Mensch mit seinen Fersen tritt, in der Arbeit?
Zu dem Vers (5. Mose 7,12) „Und es wird geschehen, weil ihr auf diese hört und sie bewahrt und tut, da wird der Ewige, dein Gott, dir den Bund und die Gnade bewahren, die Er deinen Vätern geschworen hat“, erklärt Raschi, und dies sind seine Worte: „Wenn ihr auf die leichten Mizwot hört, die ein Mensch mit seinen Fersen [hebr.: Ekev] tritt, so wird der Ewige dir Sein Versprechen bewahren“, so weit seine Worte.
Man muss verstehen, was uns damit gesagt wird: dass der Ewige dir den Schwur bewahrt, wenn der Mensch die leichten Mizwot bewahrt. Was bedeutet diese Bedingung? Sie legt ja nahe, dass es Ihm andernfalls, Gott behüte, nicht möglich wäre, den Schwur zu erfüllen, den Er deinen Vätern geschworen hat. Außerdem muss man verstehen, was die Ausleger fragen: warum der Vers im Plural beginnt, „und ihr bewahrt und tut“, und im Singular schließt, „und Er bewahrt dir“.
Um dies zu verstehen, müssen wir zunächst ganz allgemein verstehen, was es mit den 613 Mizwot auf sich hat, die uns gegeben wurden. In der Einführung zum Buch Sohar (Blatt 242) steht geschrieben, und dies sind seine Worte: „Die Mizwot der Tora werden in der Sprache des Sohar Pkudin (Hinterlegungen) genannt. Und sie werden zugleich 613 Ejtin (Ratschläge) genannt. Und der Unterschied zwischen ihnen ist: In jeder Sache gibt es ein Vorderes und ein Hinteres, denn die Stufe der Vorbereitung auf die Sache heißt das Hintere, und die Stufe des Erlangens der Sache heißt das Vordere. Auf diese Weise gibt es in Tora und Mizwot die Stufe ‚wir werden tun‘ und die Stufe ‚wir werden hören‘. Und wenn man Tora und Mizwot in der Stufe der Täter Seines Wortes erfüllt, bevor man würdig wird zu hören, so werden die Mizwot 613 Ejtin genannt. Und sie sind die Stufe des Hinteren. Und wenn man würdig wird, die Stimme Seines Wortes zu hören, so werden die 613 Mizwot zu 613 Pkudin. Denn es gibt 613 Mizwot, und in jeder Mizwa ist das Licht einer besonderen Stufe hinterlegt, das einem besonderen Glied unter den 613 Gliedern und Sehnen der Neshama [Seele] entspricht, und so weiter, und das ist die Stufe des Vorderen der Mizwot.“
Die Stufe „Täter Seines Wortes“ wird zur Zeit der Vorbereitung so genannt, das heißt, bevor der Mensch der Stufe „die Stimme Seines Wortes hören“ würdig wird. Denn das „Hören“ gehört erst dazu, nachdem der Mensch Kelim [Gefäße] des Gebens erlangt hat; nur dann hat er ein Gefäß für die Fülle, das sich in die Kelim des Gebens kleidet. Dann hat er „Ohren“, um auf die Stimme des Ewigen zu hören.
Anders verhält es sich, solange er noch in den Kelim des Empfangens versunken ist: Dann liegt es dem Menschen ob, in der Stufe des „Tuns“ zu arbeiten, die „Tat“ genannt wird, obwohl der Körper nicht einwilligt, um des Schöpfers willen zu arbeiten. Vielmehr muss er glauben, dass der Schöpfer daran dennoch Gefallen findet, obwohl er sich in einem Zustand der Niedrigkeit befindet – das heißt, obwohl der Körper in diese Arbeit nicht einwilligt. Denn im Zustand der Niedrigkeit spürt der Mensch, dass er des Schöpfers bedarf, damit Er ihm hilft. Darum hat er dann engen Kontakt mit dem Schöpfer: Er spürt, dass er keinen anderen Ausweg hat, sondern nur der Ewige ihn retten und aus dieser Niedrigkeit herausführen kann.
Doch der Mensch fragt sich, wo die Gerechtigkeit und die Redlichkeit des Schöpfers sind. Denn er gibt Anstrengung, er erfüllt Tora und Mizwot und will dafür keinerlei Lohn; er will vielmehr um des Schöpfers willen arbeiten – wie es im Sohar steht: zu arbeiten, weil er einem großen König dienen will, also aus dem Grund, „weil Er groß ist und herrscht“. Er bittet den Ewigen, ihn die Größe Seiner Erhabenheit spüren zu lassen, er glaubt, dass der Ewige die Gebete jedes Mundes erhört, und er steht und wartet Tag für Tag, dass ihm ein größeres Empfinden von der Größe des Ewigen zuteil wird. Am Ende aber sieht er, dass er zu noch größerer Niedrigkeit gelangt ist. Das heißt, er spürt, dass die Menschen von der Straße nicht so sehr in der Eigenliebe versunken sind.
Der Mensch fragt: Warum geht es den Menschen von der Straße gut, die kein einziges Gebet darum haben, dass der Ewige sie aus der Eigenliebe herausführt? Er sieht, dass sie die Ordnung der Arbeit in vollkommener Vollständigkeit empfinden. Sie wissen, dass sie jeden Tag vorankommen, dass ihr Besitz also wächst. Wie ich einmal sagte: Jeder von ihnen hat ein Tagebuch, in dem er sieht, wie viele Mizwot jeden Tag auf seinen Namen verzeichnet wurden und wie viele Blätter Gemara [Teil des Talmuds, der die Tora auslegt] er in sein Tagebuch eintragen kann. Er hingegen sieht das Gegenteil: dass er jeden Tag schlechter ist als gestern.
Selbst wenn der Mensch für sich Abrechnung hält, sieht er, dass er an jedem Tag einige Aufstiege hat, sodass er manchmal denkt: Jetzt bin ich gewiss schon zur Ruhe und zum Erbe gelangt, nicht mehr wie es bisher war. Plötzlich aber kommen ihm Gedanken, die seinen Kopf verwirren, und er vergisst alles. Er vergisst sogar die Sache der Aufstiege überhaupt und spürt nur Niedrigkeit. Nach all der Arbeit, die er gegeben hat, ist er jetzt schlechter geworden als je zuvor. Er beginnt, sich selbst zu betrachten, findet an sich keine einzige gute Tat und spürt, als hätte er nie Tora und Mizwot erfüllt.
Es erhebt sich die Frage: Wie kann der Mensch sich diese Empfindungen erklären – sind sie wahr oder falsch? Von der Wirklichkeit her lässt sich ja nichts auslöschen: Gewiss hat er Anstrengung gegeben, gewiss hat er Tora und Mizwot erfüllt. Doch nach dem Empfinden des Menschen ist alles verschwunden. Wohin sind sie gegangen, wer hat sie genommen, sodass er sie nicht spürt? Man kann nicht sagen, dass er an Vergesslichkeit leidet und deshalb alles vergessen hat. Sieht der Mensch doch, dass er sich an die hässlichen Dinge, die er getan hat, sehr wohl erinnert.
Die Antwort ist, dass man im Glauben an die Weisen glauben muss, wie der Sohar sagt, der das auslegt, was geschrieben steht: „Oder es wird ihm bekannt gemacht, dass er gesündigt hat.“ Er fragt: Wer hat es ihm bekannt gemacht? Und er antwortet: die Tora. Wie wir einmal erklärt haben: Der Mensch lernt die Tora mit der Absicht, zur Wahrheit zu gelangen – das heißt, in Wahrheit ein Diener des Ewigen zu sein. Bei seinem Erfüllen von Tora und Mizwot hat er also nicht die Absicht, für sich selbst zu arbeiten und Lohn zu empfangen; er will Tora und Mizwot vielmehr auf die Weise erfüllen, wie unsere Weisen gesagt haben: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Er lernt die Tora also als Ratschlag, durch den er dahin gelangt, in Wahrheit ein Diener des Ewigen zu sein und zum Nutzen des Ewigen zu arbeiten. Deshalb macht ihm die Tora bekannt, „dass er gesündigt hat“.
Die Ordnung der „Tora als Gewürz“ ist demnach diese: Zuerst macht sie ihm bekannt, „dass er gesündigt hat“, das heißt, in welchem Maß er in der Eigenliebe versunken ist. Das nennt man, dass die Tora, die die Stufe des Gewürzes ist, ihm das Kli [Gefäß] gibt, also den Mangel, sodass er es nötig hat, dass der Schöpfer ihm hilft. Es zeigt sich, dass die Tora ihm bekannt macht: Sein Glaube an den Ewigen ist ihm etwas Fremdes. Er spürt, wie fern er vom Ewigen ist, sodass der Schöpfer ihm wie etwas Fremdes gilt. Mein Vater und Lehrer sagte zu dem Vers „Es soll kein fremder Gott in dir sein“: Die Auslegung von „Gott“ ist, der Ewige soll dir nicht wie etwas Fremdes sein, mit dem du keinerlei Verbindung hast.
Das ist aus dem Grund so, weil der Mensch in der Eigenliebe versunken ist, was eine Formverschiedenheit vom Schöpfer bedeutet. Denn das Verlangen des Schöpfers ist nur zu geben, der Mensch hingegen ist seiner Natur nach nur zum Empfangen. Darum können „Ich und er“ nicht in einer Wohnung wohnen. Es zeigt sich: Anstatt die Nähe des Ewigen zu spüren, spürt der Mensch Ferne vom Ewigen. Das macht ihm die Tora bekannt. Dem Menschen, der Tora lernt, geben diese Gewürze zu spüren, wie fern er vom Ewigen ist – weil er an die Worte unserer Weisen glaubt, die gesagt haben: „Der Heilige, gepriesen sei Er, sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“
Es zeigt sich, dass die Tora dem Menschen ein Kli gegeben hat, also einen Mangel, damit der Mensch den Ewigen bittet, ihn aus dem Exil herauszuführen, das „Exil Ägypten“ genannt wird. Bekanntlich bedeutet Mezar-Jam (Ägypten) „eng von Auge“ [hebr.: Zar-Ajin – schmaläugig, das heißt neidisch]. Der Mensch hat also keinerlei Kraft zu geben, sondern nur zu empfangen. Zwar sieht er, dass es unmöglich ist, zur Nähe des Ewigen zu gelangen, bevor all seine Taten in der Absicht zu geben geschehen; doch ebenso sieht er, dass es keine Möglichkeit gibt, ohne Seine Hilfe dahin zu gelangen.
Wir haben schon viele Male darüber gesprochen, warum der Ewige es so gemacht hat, dass es von Seiten des Menschen keine Möglichkeit gibt, aus der Herrschaft Pharaos herauszukommen. Die Antwort darauf ist, wie mein Vater und Lehrer zu dem sagte, was Abraham den Ewigen fragte, als der Ewige ihm das Erbe des Landes versprach: „Woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde?“ „Und Er sprach zu Abram: Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das ihnen nicht gehört.“
Er sagte, Abrahams Frage sei diese gewesen: Abraham sah, was das Erbe des Landes ist, nämlich die Sache von Malchut [Königreich], die die höhere Fülle trägt, welche die fünf Stufen NaRaNChaY [Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida] der Heiligkeit umfasst. Bekanntlich gibt es kein Licht ohne Kli, also keine Erfüllung ohne Bedürfnis. Abraham aber sah, dass Israel kein Bedürfnis hat, die Vollständigkeit der Stufe zu erlangen. Erlangen sie ein wenig Erleuchtung von oben, so genügt ihnen das schon. Folglich haben sie kein Bedürfnis, das NaRaNChaY der Neshama zu erlangen, das in Malchut enthalten ist und „Erbe des Landes“ genannt wird.
„Wie also“, sagte Abraham, „werden sie das Licht empfangen, wenn sie keine Kelim haben, die ‚Bedürfnis‘ genannt werden?“ Da sprach der Ewige zu ihm: „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das ihnen nicht gehört.“ Das Volk Israel wird also in einem Land [hebr.: Erez] sein, das heißt in einem Verlangen [hebr.: Razon], das dem Volk Israel nicht gehört; sie werden unter der Herrschaft des Verlangens zu empfangen sein, das Pharao, dem König von Ägypten, gehört.
„Und sie werden sie quälen.“ Das heißt, das Volk Israel wird darunter leiden, dass es keine Taten in der Absicht zu geben tun kann, die ihm Anhaftung an den Ewigen bringen würden. Dann werden sie es nötig haben, dass der Ewige hilft, wie geschrieben steht: „Und ihr Schreien stieg empor zu Gott aus der Arbeit, und Gott hörte ihr Stöhnen, und Gott gedachte Seines Bundes mit Abraham.“
Bekannt ist, was unsere Weisen gesagt haben: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“ Der Sohar fragt: „Womit hilft man ihm? Und er antwortet: mit einer heiligen Neshama. Das heißt, zuerst gibt man ihm eine Nefesh; reinigt er sich weiter, gibt man ihm eine Ruach.“ In dem Maß also, in dem er daran geht, sich zu reinigen, und Hilfe verlangt, ist die Hilfe, die er von oben empfängt, die Stufe eines Teils vom Erbe des Landes.
Nach dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt haben: Der Mensch beginnt, die Tora zu lernen, weil die Tora die Stufe des Gewürzes genannt wird; er hat begonnen, den Weg der Wahrheit zu gehen, auf dem die Tora die Stufe der Ejtin ist, also Ratschläge, wie man den bösen Trieb bezwingt. Warum aber beginnt er dann zu sehen, dass er jedes Mal, anstatt sich dem Ewigen näher zu fühlen, spürt, dass er sich entfernt hat?
Wir fragten: Ist denn das der Weg der Tora, dass man sich durch sie weiter vom Ewigen entfernt? Die Antwort darauf war, dass die Tora ihm zuerst das Kli gibt, also den Mangel, zu sehen, wie und in welchem Maß er fern vom Ewigen ist. Das ist es, was der Sohar sagt: dass die Tora ihm bekannt macht, dass er gesündigt hat.
Es zeigt sich: Der Mensch soll nicht sagen, dass er die Tora auf dem Weg der Wahrheit lernt und dass die Tora ihm trotzdem nicht in der Stufe des Gewürzes hilft. Die Antwort ist, dass der Mensch im Glauben an die Weisen glauben muss: Die Tora hilft ihm sehr wohl, indem sie ihm offenbart, dass er gesündigt hat, das heißt, wie fern er vom Ewigen ist. Deshalb hat er einen Ort, um aus der Tiefe des Herzens zu beten, weil er spürt, dass er schlechter ist als die übrigen Menschen.
Wenn er sich fragt, sieht er zwar, dass er mehr Kräfte in das Erfüllen von Tora und Mizwot gibt – warum also spürt er, dass er schlechter ist? Darauf hat der Mensch nichts zu erwidern; er sagt nur: Vom Empfinden her spüre ich, dass ich jetzt schlechter bin als damals, als ich mich mit Tora und Mizwot befasste, bevor ich begann, den Weg der Wahrheit zu gehen. Alles, was er tut, sieht er, ist nicht von ganzem Herzen, wie es zuvor war.
Das ist so, wie mein Vater und Lehrer sagte: Dies ist es, was der Ewige zu Abraham sagte: „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das ihnen nicht gehört, und sie werden sie quälen.“ Dadurch werden sie ein Bedürfnis nach dem Erbe des Landes haben – durch den Mangel, den sie haben werden, dass sie nackt und ohne alles sind. Dann werden sie in der Stufe sein: „Und die Kinder Israel seufzten aus der Arbeit, und ihr Schreien stieg empor zu Gott aus der Arbeit.“
Die Arbeit selbst – dies, dass man in der Arbeit nicht vorankommt, sondern im Gegenteil – wird ihnen ein Bedürfnis verursachen. Dann wird der Ewige ihnen Hilfe geben, jedes Mal, wenn sie reiner sein wollen. Dadurch werden sie Kelim haben, um das Erbe des Landes zu empfangen.
Nach dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt haben: „Und es wird geschehen, weil ihr auf diese hört, da wird der Ewige, dein Gott, dir den Bund und die Gnade bewahren, die Er deinen Vätern geschworen hat.“ Raschi erklärte dazu: „Wenn ihr auf die leichten Mizwot hört, die ein Mensch mit seinen Fersen tritt, so wird der Ewige dir Sein Versprechen bewahren.“ Man muss verstehen, was diese Bedingung bedeutet: dass der Ewige Sein Versprechen bewahrt, wenn ihr auf die leichten hört, andernfalls aber den Schwur nicht erfüllt.
Die Sache ist diese: „Leichte Mizwot“ bedeutet das, was die Menschen geringschätzen; gemeint sind damit der Verstand und das Herz (Mocha und Liba). Alle Mizwot, die man in der Absicht erfüllt, Lohn zu empfangen, schätzt der Mensch nicht gering. Diese Mizwot werden vielmehr „schwere“ genannt, weil man den Lohn verlieren kann. Darum bewirkt der Lohn, den man als Gegenwert zu empfangen erwartet, dass es wichtige Mizwot sind: Der Lohn macht sie wichtig.
Anders verhält es sich zu der Zeit, in der der Mensch um des Schöpfers willen arbeiten muss, was für ihn über dem Verstand ist: Darin schätzt der Mensch gering, weil der Körper sich widersetzt, ohne Lohn zu arbeiten. Sagt man dem Körper, dass man nur in der Absicht arbeiten muss, dem Ewigen zu geben, so sagt der Körper, diese Sache sei fern vom Verstand und es lohne sich nicht, sich in dieser Arbeit anzustrengen. Der Mensch sieht, dass es nicht in seiner Hand liegt, den Körper zu überwinden. Mein Vater und Lehrer erklärte dazu: Der Schöpfer hat es mit Absicht so gemacht, dass es nicht in der Hand des Menschen liegt, aus der Herrschaft des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, herauszukommen – damit der Mensch dadurch ein Bedürfnis nach der Hilfe des Ewigen bekommt, denn andernfalls ist er verloren.
Bittet der Mensch darum den Ewigen, ihm zu helfen, so empfängt er dadurch Hilfe von oben. Das ist die Sache des Lichtes der Tora, „denn das Leuchten in ihr bringt ihn zum Guten zurück“, wie oben in den Worten des Sohar. Dadurch empfängt er Kelim und ein Bedürfnis nach dem Erlangen des NaRaNChaY der Neshama. Das war die Antwort des Ewigen auf das, was Abram fragte: „Woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde?“
Es zeigt sich: Gerade dann, wenn der Mensch die leichten Mizwot bewahren will, hat er den Ewigen nötig, dass Er ihm Hilfe gibt. Hat der Mensch hingegen kein Bedürfnis, die leichten Mizwot zu bewahren, die verachtete Mizwot sind, dann hat er folglich auch die Hilfe des Ewigen nicht nötig. Da es so ist, hat er kein Bedürfnis, dass der Ewige ihm hilft, indem Er ihm das NaRaNChaY der Neshama gibt, denn er hat es ja nicht nötig. Darum kehrt die Frage Abrams wieder: „Woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde?“, wie oben. Er hat es ja nicht nötig, das Erbe des Landes zu erlangen. Demnach zeigt sich, dass der Ewige den Schwur über das Erbe des Landes nicht erfüllen kann. Nach der Auslegung Raschis, der sagt: Wenn ihr auf die leichten Mizwot hört, kann der Ewige darum „und der Ewige bewahrt“ erfüllen; dann also bewahrt der Ewige Sein Versprechen, andernfalls ist es unmöglich, Sein Versprechen zu erfüllen.
Nach dem Gesagten lässt sich ebenfalls erklären, was wir gefragt haben: dass der Vers im Plural beginnt, „und ihr bewahrt und tut“, und im Singular schließt. Die Antwort ist: Wenn der Mensch zu arbeiten beginnt, hat er zwei Herrschaftsbereiche – sein eigenes Wesen, das das Verlangen zu empfangen ist, und zugleich den Wunsch, für den Schöpfer zu arbeiten. Sieht der Mensch, dass er zwei Herrschaftsbereiche hat, dann bittet er den Ewigen, ihm Hilfe zu geben, um seinen eigenen Herrschaftsbereich zu annullieren, sodass nur der Herrschaftsbereich des Einzigen bleibt, also der Herrschaftsbereich des Ewigen. Dann gibt der Ewige ihm Hilfe zur Annullierung des Herrschaftsbereichs, sodass der Mensch nur im Herrschaftsbereich des Einzigen bleibt. Das ist es, was im Singular geschrieben steht: „Und der Ewige, dein Gott, bewahrt dir“, das heißt, dass der Ewige ihn bewahrt, sodass er nur den Herrschaftsbereich des Einzigen hat.
Nach dem Gesagten verstehen wir, was geschrieben steht (5. Mose 9,5, Wochenabschnitt Ekev): „Nicht um deiner Gerechtigkeit und der Redlichkeit deines Herzens willen kommst du, um ihr Land in Besitz zu nehmen, sondern wegen der Bosheit dieser Völker vertreibt der Ewige, dein Gott, sie vor dir, und um das Wort aufzurichten, das der Ewige deinen Vätern, Abraham, geschworen hat.“
Man muss verstehen: Wenn der Ewige Israel das Erbe des Landes geben will, weil der Ewige es deinen Vätern, Abraham, geschworen hat, so legt das nahe, dass Er dem Volk Israel das Erbe des Landes aus dem Grund gab, dass Er Abraham versprochen hat, das Erbe des Landes zu geben. Hier aber sagt der Vers, dass der Grund, weshalb Er Israel das Erbe des Landes gab, die Bosheit der Völker war. Daraus geht hervor, dass der Ewige Sein Versprechen an die Väter nicht hätte erfüllen können, wäre die Bosheit der Völker nicht gewesen. Man muss verstehen, was es damit auf sich hat: dass der Ewige den Schwur erfüllen kann, wenn die Bosheit der Völker da ist, und dass Er ihn aufgrund deiner Gerechtigkeit und der Redlichkeit deines Herzens nicht erfüllen kann.
Nach dem oben Gesagten ist die Bosheit der Völker, auf dem Weg der Arbeit, das Böse, das im Herzen des Menschen ist. Der Mensch ist nicht fähig, es zu besiegen, und muss zum Ewigen schreien, dass Er ihm hilft und ihn in die Freiheit herausführt aus der Herrschaft Pharaos, des Königs von Ägypten. Womit hilft Er ihm? Wie der Sohar sagt: mit einer heiligen Neshama. Jedes Mal, wenn er um Hilfe bittet, empfängt er eine heilige Neshama. Denn er befindet sich im Exil und will aus dem Exil herauskommen – das heißt, der Mensch spürt, dass er die Bosheit der Völker hat, die ihm nicht gestatten, Taten um des Schöpfers willen zu tun, sondern ihn zum eigenen Nutzen arbeiten lassen, was so gewertet wird, dass er für die Völker der Welt, die in seinem Körper sind, arbeiten muss.
Das ist, wie geschrieben steht (2. Mose 1,11, Wochenabschnitt Schemot): „Und sie bauten dem Pharao Vorratsstädte, Pitom und Ramses.“ Mein Vater und Lehrer erklärte: Zu der Zeit, in der sie um des Schöpfers willen arbeiten wollten, überwanden sie die Herrschaft der Ägypter – das ist die Auslegung von „Ramses“: dass sie die Eigenliebe überwanden, wie Ra’am-Sus [hebr.: Ra’am – Donner, Sus – Pferd], das heißt mit großer Kraft wie ein Pferd. Sie meinten, sie seien schon aus der Herrschaft der Eigenliebe herausgekommen. Danach aber kamen sie zu Pi-Tehom (Schlund des Abgrunds): Alle Bauten, die sie bauten, sind ganz und gar im Abgrund verschluckt und versunken, und von all der Arbeit blieb keine Spur übrig – was „Pitom“ genannt wird.
Jedes Mal war ihre Arbeit also in der Stufe von „Pitom und Ramses“: An jedem Tag hatten sie die Arbeit von neuem. An jedem Tag fühlten sie, als ob sie heute erst beginnen, die heilige Arbeit zu verrichten, und als hätten sie sich bis jetzt nie mit der Arbeit befasst. Sie fragen sich: Wohin sind die Arbeit und die Anstrengung verschwunden, die sie bis jetzt getan haben? Sie wissen nicht, was sie darauf erwidern sollen, sondern nur, wie oben, dass alles im Boden verschluckt und versunken ist.
Sie konnten zu ihrem Körper nicht sagen: Warum willst du heute keine Anstrengung geben? Du hast doch gestern gesehen: Als du Anstrengung gabst, kam dir danach Kraft zur Arbeit. Doch von gestern kannst du nichts empfangen, denn er spürt nicht, dass er gestern etwas getan hat, wie oben, denn alles ist im Boden verschluckt. Und warum ist es so? Vielmehr ist das eine Korrektur.
Demnach zeigt sich: Betrachtet der Mensch sich selbst und hat gute Taten, dann hat er kein Bedürfnis, den Ewigen zu bitten, dass Er ihm hilft; folglich hat er keinen Ort, um Hilfe vom Ewigen zu empfangen, denn es gibt keine Erfüllung ohne Mangel. Wenn dem so ist, kann der Ewige den Schwur in der Sache des Erbes des Landes nicht erfüllen, da sie ja kein Bedürfnis haben, dass Er ihnen als Hilfe das Erbe des Landes gibt.
Das ist es, was Er sagt: „Nicht um deiner Gerechtigkeit und der Redlichkeit deines Herzens willen kommst du, um ihr Land in Besitz zu nehmen.“ Warum? Weil sie kein Bedürfnis haben, wenn es ihnen gut geht. Darum sagt Er: „Sondern wegen der Bosheit der Völker vertreibt der Ewige, dein Gott, sie“ – wie oben: dass durch das Böse, das in seinem Körper ist, ein Bedürfnis nach Hilfe da ist.
Zusammenfassung:
Der Artikel von Rabash behandelt tiefgehend die spirituelle Bedeutung der Beachtung scheinbar weniger wichtiger Gebote. Er bezieht sich auf einen Vers aus Deuteronomium und eine Auslegung von Raschi, die betonen, dass die Einhaltung von Geboten, die oft als unbedeutend angesehen werden, wichtig ist, um den Bund mit dem Schöpfer aufrechtzuerhalten.
Rabash diskutiert die 613 Gebote der Tora und ihre Bedeutung im spirituellen Prozess. Er erklärt, dass die Gebote zwei Aspekte haben: Vorbereitung (Achor) und Erlangung (Panim). Die Vorbereitung entspricht dem Befolgen der Gebote, bevor man eine spirituelle Erleuchtung (das „Hören“) erreicht. Dieser Zustand wird als „Handelnder Seines Wortes“ beschrieben. Die Gebote dienen in diesem Stadium als Wegweiser, um die innere Natur zu transformieren, die primär auf Selbstempfang ausgerichtet ist.
Rabash betont, dass in diesem Stadium der spirituellen Entwicklung der Mensch oft mit Widerständen und inneren Konflikten konfrontiert wird. Er fühlt sich möglicherweise entfernt vom Schöpfer und kämpft mit dem Gefühl eigener Unzulänglichkeit. Diese Erfahrung wird als notwendiger Teil des spirituellen Weges betrachtet, der den Menschen dazu bringt, die Hilfe des Schöpfers zu suchen und sich mehr auf die spirituelle Entwicklung zu konzentrieren.
Der Artikel beleuchtet weiterhin die Idee, dass wahre spirituelle Entwicklung nicht durch äußere Erfolge oder das bloße Befolgen von Geboten erreicht wird, sondern durch eine innere Transformation, die oft durch Herausforderungen und Schwierigkeiten ausgelöst wird. Dies wird am Beispiel von Israels Exil in Ägypten illustriert, wo die Herausforderungen und Leiden dazu dienten, ein tieferes Verlangen nach Gott und spiritueller Befreiung zu wecken.
Schließlich kehrt Rabash zum Konzept der „leichten Gebote“ zurück und argumentiert, dass gerade diese oft vernachlässigten Gebote entscheidend sind, um eine tiefere Verbindung zu Schöpfer zu entwickeln. Sie repräsentieren Handlungen, die über den Verstand hinausgehen und reine Hingabe erfordern, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Indem man sich diesen Herausforderungen stellt, entwickelt man einen Mangel oder ein Bedürfnis nach göttlicher Hilfe, was wiederum den Weg für spirituelle Erfüllung und die Einhaltung des göttlichen Bundes ebnet.
korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver5