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1991/16 Warum wir in der Arbeit „Antworte Deinem Herz“ brauchen, um zu wissen, dass “Der Ewige Gott ist”

Der heilige Sohar (Waera, Punkt 89) fragt, und dies sind seine Worte: „Und du sollst heute erkennen und es dir zu Herzen nehmen, dass der Ewige der Gott ist. Er fragt: Dieser Vers hätte sagen müssen: ‚Und du sollst heute erkennen, dass der Ewige der Gott ist‘, und erst am Ende: ‚und nimm es dir zu Herzen‘. Denn das Wissen, dass der Ewige der Gott ist, befähigt ihn, es sich auch zu Herzen zu nehmen; und wenn er es sich bereits zu Herzen genommen hat, dann hat er das Wissen erst recht. Außerdem hätte es ‚auf dein Herz‘ (libcha, mit einfachem Bet) heißen müssen und nicht ‚auf deine Herzen‘ (levavcha, mit doppeltem Bet). Und er antwortet: Vielmehr sagte Moses: Wenn du daran festhalten und erkennen willst, dass der Ewige der Gott ist, dann ‚nimm es dir zu Herzen‘ (auf deine Herzen, levavcha, mit doppeltem Bet). Und dies sollst du wissen: ‚deine Herzen‘ (levavcha) bedeutet, dass der gute Trieb und der böse Trieb, die im Herzen wohnen, ineinander eingeschlossen wurden und eins sind – dass er die schlechten Eigenschaften des bösen Triebs in gute verwandelt, das heißt, dass er mit ihnen dem Schöpfer dient und durch sie nicht sündigt. Und dann wirst du finden, dass der Ewige (HaWaYaH) der Gott (Elokim) ist – dass die Eigenschaft des Gerichts, die Elokim genannt wird, im Namen HaWaYaH enthalten ist, der die Eigenschaft der Barmherzigkeit ist.“ So weit seine Worte.

Und man muss verstehen, was uns dies lehren will – dass der Sohar sagt, man könne nicht dazu gelangen zu erkennen, ‚dass der Ewige der Gott ist‘, bevor der Mensch die Stufe ‚und nimm es dir zu Herzen‘ erreicht hat. Das heißt, man muss wissen, was die Ebene Elokim und was die Eigenschaft der Barmherzigkeit, die HaWaYaH genannt wird, in der spirituellen Arbeit sind. Ebenso muss man verstehen, was der böse und was der gute Trieb in der Arbeit sind – also: Wenn der Mensch zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer gelangen will, was ist dann der böse und was der gute Trieb?

Denn auf der Ebene der Allgemeinheit ist es einfach: Wer Tora und Mizwot einhält, von dem heißt es, dass er dem Weg des guten Triebs folgt; und wer – Gott behüte – Tora und Mizwot übertritt, von dem heißt es, dass er dem Rat des bösen Triebs folgt. In der Arbeit aber, auf dem Weg zur Anhaftung an den Schöpfer – was sind dann der böse und der gute Trieb?

Es ist bekannt, dass die Geschöpfe mit einer Natur geboren werden, die man ‚Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen‘ nennt. Deshalb ist der Mensch nicht fähig, irgendetwas zu tun, wenn er nicht selbst einen Nutzen davon hat. Darum sagt uns die Tora: Wenn ihr Tora und Mizwot einhaltet, zahle Ich euch Lohn – wie geschrieben steht: ‚Und es wird geschehen: Wenn ihr auf Meine Mizwot hört, so gebe Ich eurem Land Regen zu seiner Zeit, und du wirst essen und satt werden.‘

Und wie Maimonides sagt (Gesetze der Teshuwa (Umkehr), Kapitel 5), und dies sind seine Worte: ‚Man lehrt sie nur, aus Ehrfurcht und um Lohn zu empfangen zu dienen, bis ihr Verstand wächst und sie zu größerer Weisheit gelangen; dann offenbart man ihnen dieses Geheimnis nach und nach.‘ Es zeigt sich also: Für die Allgemeinheit beziehen sich der böse Trieb und der gute Trieb nur auf das Einhalten der Tora und Mizwot. Vom Verbot aber, zu arbeiten, um Lohn zu empfangen, ist überhaupt nicht die Rede.

Sobald aber von der Arbeit des Gebens die Rede ist, haben der böse Trieb und der gute Trieb eine völlig andere Bedeutung. Der gute Trieb bedeutet, dass er den Menschen dazu bringt, das Gute und den Genuss zu erlangen, die der Schöpfer in Seinem Willen den Geschöpfen geben wollte – wie es heißt, dass das Ziel der Schöpfung in Seinem Wunsch liegt, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Doch damit keine Scham entstünde, kam es zu einer Einschränkung (Zimzum) und Verhüllung, sodass die Geschöpfe das Gute nicht empfangen können, bevor sie eine Angleichung der Form besitzen, die Anhaftung genannt wird und die man dadurch erlangt, dass man alle Handlungen um des Himmels willen tut. Dann wird die Einschränkung aufgehoben, und es entsteht Raum, in dem das Gute sich ausbreiten kann. Das nennt man ‚guten Trieb‘.

Und ‚böser Trieb‘ heißt es, wenn der Trieb dem Menschen rät, nur zum eigenen Nutzen zu arbeiten, also nur zu empfangen. Und dies ist eine Verschiedenheit der Form gegenüber dem Schöpfer, dessen Wille allein das Geben ist. Diese Verschiedenheit der Form bewirkt, dass der Mensch niemals dahin gelangen kann, das Gute und den Genuss zu empfangen. Darum wird dieser Trieb ‚böse‘ genannt: weil er dem Menschen Böses zufügt, indem er ihn nicht um des Gebens willen arbeiten lässt – und das bewirkt, dass er das Gute und den Genuss nicht empfangen kann.

Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was es damit auf sich hat, dass der Mensch an sich arbeiten muss, um den Schöpfer mit seinen beiden Trieben zu lieben. Solange der Mensch zwei Triebe hat, liegen sie im Streit: Mal gewinnt der gute die Oberhand, mal der böse. Es zeigt sich, dass zwei Kräfte im Menschen durcheinander wirken. Das nennt man ‚Licht und Finsternis, die zusammen wirken‘. Und solange das Böse nicht überwunden ist, herrschen über ihn die Einschränkung und die Verbergung, die auf den Gefäßen des bösen Triebs lagen – dem ‚Verlangen, für sich selbst zu empfangen‘. Und darum ist er nicht würdig, das Gute und den Genuss zu empfangen.

Es zeigt sich also, dass der Mensch das Gute nicht erlangt. Deshalb befindet er sich in einem Zustand des Gerichts – das heißt, er sagt, dass er das Erbarmen des Schöpfers nicht sieht, sodass er sagen könnte, der Schöpfer lenke die Welt mit der Eigenschaft der Barmherzigkeit; vielmehr sieht er sie in der Eigenschaft des Gerichts, weil der Mensch nicht fähig ist, Seine Führung im Aspekt von Gutem und Genuss zu sehen.

Es zeigt sich: Solange der Mensch keine Gefäße des Gebens hat, hat er auch keine Gefäße, in denen er das Gute und den Genuss empfangen könnte. Und so bleibt er ohne das Gute und den Genuss.

Und der Mensch sagt: Wer ist daran schuld? Nur der Schöpfer – weil Er den Geschöpfen nicht gibt, was Er geben müsste. Denn die Schöpfung geschah ja, um Seinen Geschöpfen Wohl zu tun. Doch die Korrektur, die eingesetzt wurde, damit es kein ‚Brot der Scham‘ (Nahama deKisufa) gebe – diese Korrektur können die Geschöpfe nicht betrachten, wegen des Bösen, das von Natur aus im Menschen ist und das in der Arbeit ‚böser Trieb‘ genannt wird.

Mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Was sind Gericht und Barmherzigkeit im Weg der Arbeit, und was sind guter und böser Trieb in der Arbeit? Denn ‚Gericht‘ bedeutet, dass über die Gefäße des Empfangens, die ‚Verlangen, für sich selbst zu empfangen‘ heißen, ein Gericht ergeht, sodass das Licht nicht in ihnen leuchtet. Wenn wir also sagen, es gebe – Gott behüte – ein Gericht in der Welt, so bedeutet das: In der Welt gibt es keine Gefäße des Gebens, die das Gute und den Genuss empfangen könnten. Deshalb herrschen Leid und Mangel in der Welt.

Anders aber, wenn es in der Welt Gefäße des Gebens gibt, die man ‚Barmherzigkeit‘ nennt – wie unsere Weisen zum Vers ‚und Ihm anzuhaften‘ sagten: ‚Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.‘ Das heißt: So wie der Schöpfer der Gebende ist, so muss der Mensch darauf achten, Gefäße des Gebens zu haben. Und wenn der Mensch Gefäße des Gebens hat, dann wird die Eigenschaft der Barmherzigkeit des Schöpfers erkennbar – das heißt, dass der Schöpfer den Geschöpfen das Gute und den Genuss gibt, in den Gefäßen der Barmherzigkeit, die die Geschöpfe haben.

Demnach zeigt sich: Nachdem der Mensch die Gefäße des Gebens erlangt hat – das heißt, nachdem der böse Trieb dem Guten bereits gewichen ist, sodass auch der böse Trieb schon um des Gebens willen arbeiten will, was ‚und nimm es dir zu Herzen‘ genannt wird, also mit zwei Herzen –, kommt er zur Erkenntnis, ‚dass der Ewige der Gott ist‘. Das heißt, dass auch bis dahin nur Barmherzigkeit war und nicht Gericht: Was der Mensch als Seine Führung in der Eigenschaft des Gerichts sah, das sieht er nun als die Ursache, um zur Eigenschaft der Barmherzigkeit zu gelangen. Darum sieht man jetzt, ‚dass der Ewige der Gott ist‘ – dass die Eigenschaft des Gerichts im Ewigen (HaWaYaH) enthalten ist, der ganz Barmherzigkeit ist. Bevor er aber zum Zustand ‚und nimm es dir zu Herzen‘ kam, erschien ihm Seine Führung im Aspekt von Gut und Böse.

Damit lässt sich erklären, was geschrieben steht: ‚Und Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat.‘ Das heißt: Dass die Klipot (Schalen) Herrschaft haben, das hat der Schöpfer mit voller Absicht bewirkt, ‚damit man Ehrfurcht vor Ihm hat‘ – nämlich damit ein Bedürfnis entsteht, die Größe des Schöpfers zu erlangen. Sonst wären alle im Zustand des Unbelebten geblieben, ohne Erkenntnis der Heiligkeit (Kedusha), und hätten sich mit der Arbeit des Einhaltens von Tora und Mizwot begnügt, ohne jedes Bedürfnis, sich um die Größe des Schöpfers zu mühen; sie wären bei demselben Verstand geblieben, den sie als kleine Kinder hatten, und hätten keinerlei Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers gehabt, dass Er ihnen hilft.

Denn man muss wissen und verstehen, was unsere Weisen sagten: ‚Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.‘ Das bedeutet: Nur weil der Mensch einen bösen Trieb hat, braucht er das Gewürz, das in der Tora ist. Sonst bräuchte er die Tora nicht, denn dann könnte er die Mizwot auch ohne die Tora einhalten. Wenn er aber den bösen Trieb hat, der kommt und fragt: ‚Was soll euch dieser Dienst?‘, oder der die Frage Pharaos stellt: ‚Wer ist der Ewige, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?‘, dann muss er ihn überwinden – und dann braucht er die Hilfe des Schöpfers.

Und die ‚Hilfe des Schöpfers‘, sagt der Sohar, ist der Aspekt des Lichts der Tora. Das heißt, es wird ihm gleichsam eine Seele von oben gegeben, durch die er das Böse in sich überwinden kann. Es zeigt sich: Gäbe es die Klipot nicht, hätte der Mensch kein Bedürfnis, die Hilfe der Tora von oben zu empfangen. Und das ist gemeint mit dem, was geschrieben steht: ‚Und Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat.‘

Zur Hilfe, die von oben kommt, gibt es mehrere Aspekte:

1) Die einfache Hilfe: dass der Schöpfer ihm das Königtum des Himmels gibt, das ‚beständiger Glaube‘ genannt wird. Und da es unmöglich ist, dass der Mensch Glauben hat, bevor er die Gefäße des Gebens erlangt – weil eine Verschiedenheit der Form zwischen dem Geschöpf und dem Schöpfer besteht –, ist der Mensch noch nicht würdig, das Gute zu empfangen. Wenn er darum Böses empfängt, muss er das Maß an Glauben verlieren, das er hatte; denn dies ist eine Korrektur, damit er nicht – Gott behüte – Übles über den Schöpfer redet. Deshalb muss der Mensch, bevor er des Glaubens würdig wird, zuerst Gefäße des Gebens haben. Denn wenn er die Angleichung der Form hat, weicht die Einschränkung von ihm, die auf den Gefäßen des Empfangens lag, und so empfängt er das Gute und den Genuss. Und erst dann kann er auf der Stufe des beständigen Glaubens sein. Es zeigt sich: Der Schöpfer muss die erste Hilfe geben, nämlich ihm Gefäße des Gebens zu geben, die ‚zweite Natur‘ genannt werden.

2) Dadurch, dass er ständig Störungen vonseiten der Klipot hat, braucht er immer die Hilfe des Schöpfers. Und dadurch hat der Mensch ein Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers, und durch die Hilfe, die er jedes Mal von oben empfängt, wird es möglich, dass sich dem Menschen die NaRaNChaJ (die fünf Stufen der Seele) offenbaren, die er in seiner Seele hat. Denn bekanntlich gibt es keine Füllung ohne Bedürfnis; es zeigt sich also, dass die Klipot die Ursache dafür sind, dass sich die Heiligkeit offenbart. Und das ist gemeint mit ‚Und Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat.‘

Aus dem Gesagten ergibt sich: Die Gedanken, die die Klipot dem Menschen senden, verursachen Mängel im Menschen. Und Mängel heißen ‚Gefäße, um Füllungen zu empfangen‘ – nämlich um den Mangel zu füllen, der in den Gefäßen ist. Das heißt: Die Fragen, die die Klipot stellen – die ‚Fragen des Bösen‘ und die ‚Fragen Pharaos‘, ‚Wer‘ und ‚Was‘ genannt –, verursachen einen Mangel im Menschen, der ihn dazu drängt, den Schöpfer zu bitten, ihm zu helfen, diese Fragen zu überwinden. Es zeigt sich: Diese Klipot bewahren den Menschen davor, den rechten Weg zu verlassen, der den Menschen dazu bringt, der Anhaftung an den Schöpfer würdig zu werden. Und dann sieht man, dass die Klipot nicht die Gegner der Heiligkeit waren, wie es während der Arbeit schien, sondern dass sie es waren, die dazu verhalfen, der Heiligkeit würdig zu werden.

Und Ähnliches wird im Sohar gebracht (Bereshit, Teil 2, Blatt 156, im Sulam (Leiter-Kommentar) Punkt 175), und dies sind seine Worte: Das Wort ‚und es gibt keinen Gott außer Mir‘ zielt auf ‚andere Götter‘, nämlich Sam (das Todesgift) und die Schlange. Denn dann wird sich offenbaren, dass Sam und die Schlange niemals zwischen dem Schöpfer und Seiner Shechina (göttliche Gegenwart) getrennt haben, sondern nur ein Knecht war, um die Erlösung unserer Seele zu beschleunigen – sodass sich Seine Führung rückwirkend in der ganzen Welt offenbart. Und dann ‚werden die Sünden von der Erde verschwinden, und Frevler wird es nicht mehr geben‘. Das heißt: Damit wird aufgehoben, was uns während der sechstausend Jahre erscheint: dass es eine Lenkung gäbe, die sich der Heiligkeit widersetzt – nämlich Sam und die Schlange.

Wir sehen daraus: Die Sache mit den Klipot, die von der Heiligkeit im Geheimnis von ‚das eine hat Gott dem anderen gegenüber gemacht‘ aufrechterhalten werden müssen, besteht darin, dass die Klipot Knecht und Gehilfe der Heiligkeit sein müssen. Und das offenbart sich erst am Ende der Korrektur bei der Allgemeinheit, und bei einzelnen Menschen am Ende ihrer Arbeit. Dann ‚stellt sich die Sache rückwirkend heraus‘, wie es heißt: ‚und war nur ein Knecht, um die Erlösung unserer Seele zu beschleunigen‘.

Und im heiligen Sohar (Tazria, Blatt 2, im Sulam Punkt 6) heißt es, und dies sind seine Worte: ‚Und ferner als Perlen ist ihr Verkaufspreis (michrah). Er fragt: Es heißt ‚ihr Verkaufspreis (michrah)‘ – es hätte ‚ihr Kaufpreis (mikcha)‘ heißen müssen, das heißt, dass sie schwerer zu erwerben ist als Perlen. Was bedeutet ‚ihr Verkaufspreis‘? Und er antwortet: Vielmehr verkauft sie all jene, die sich nicht in Vollkommenheit an sie halten und nicht ganz bei ihr sind, und liefert sie in die Hände anderer Völker aus; und dann sind alle fern von jenen oberen, heiligen Perlen, die die Geheimnisse und das Innere der Tora sind, sodass sie keinen Anteil an ihnen haben. Das ist gemeint mit ‚und ferner als Perlen ist ihr Verkaufspreis‘.‘

Und demnach ergibt sich: Die Sache mit den Klipot ist der Aspekt ‚andere Völker‘. ‚Sie verkauft sie‘ bedeutet: Es gibt andere Völker. Und wenn der Mensch beginnt, den Weg zu gehen, um zur Anhaftung zu gelangen, mitten in der Arbeit aber nachlässig wird – das heißt, in die Herrschaft der ‚Völker der Welt‘ fällt, sodass sie über ihn herrschen und er nicht aus ihrer Herrschaft herauskommen und zur Anhaftung an den Schöpfer gelangen kann, die Angleichung der Form genannt wird –, dann denkt der Mensch, dies liege daran, dass er zu dieser Arbeit nicht fähig ist, und deshalb stehe er unter ihrer Herrschaft.

Da sagt uns die Schrift: Dass er in die Herrschaft ‚anderer Völker‘ gefallen ist, ist zu seinem Besten – damit der Mensch sich nicht selbst täuscht und denkt, er gehe den geraden Weg und könne in diesem Zustand weitergehen, ohne jedes Gefühl, dass er nicht den rechten Weg geht. Deshalb gibt es Klipot, die ‚andere Völker‘ heißen und außerhalb der Heiligkeit stehen. Dann sieht der Mensch, dass er sich im Zustand des Abstiegs befindet und keine Verbindung zur Heiligkeit hat. Dann sucht der Mensch nach Rat, wie er sich aus ihnen retten und auf den rechten Weg gelangen kann, der zur Anhaftung an den Schöpfer führt. Es zeigt sich: Die Klipa (Schale) bewahrt die Heiligkeit.

Das heißt: Gäbe es keine Klipa, an die die Shechina ihn verkaufen könnte, sodass er unter ihre Herrschaft gerät, dann bliebe der Mensch in seiner Niedrigkeit und dächte, er komme auf dem Weg voran, der zur Anhaftung führt. Wenn ihm aber von oben die Mängel offenbart werden, in denen er sich befindet, dann hat er Raum zu spüren, dass er seinen Weg korrigieren muss. Und das ist gemeint mit ‚und ferner als Perlen ist ihr Verkaufspreis‘ – dass die Shechina den Menschen der Herrschaft der Klipa übergibt.

Das heißt, dann sieht er, wie sehr er in Selbstliebe versunken ist und keinerlei Verlangen hat, ein Gebender zu sein. Er ist so sehr in Selbstliebe versunken, dass er nie gedacht hätte, ein so niedriger Mensch zu sein, wie es keinen zweiten gibt. Es zeigt sich, dass sich damit erklären lässt, was geschrieben steht: ‚Und Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat‘ – nämlich gerade durch die Klipa, die er über sich herrschen sieht, erhält er den Anstoß, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen.

Doch wenn der Mensch sieht, dass er unter der Herrschaft der Klipot steht – weil er sieht, dass sie ihm die Erkenntnisfragen gesandt haben, ‚Wer‘ und ‚Was‘ genannt, und er ihnen keine richtigen Antworten geben kann, die sich im Herzen festsetzen –, dann denkt er, er sei gewiss so niedrig, dass er ihnen nicht einmal diese einfachen Fragen beantworten kann. Da muss der Mensch wissen, dass es nicht so ist, wie er denkt, denn ihre Fragen sind in Wahrheit stark.

Und das kommt aus dem oben genannten Grund: Der Schöpfer gab den Klipot die Kraft, starke Fragen zu stellen, damit der Mensch seinen wahren Zustand erkennt – wie der Mensch in einer Verschiedenheit der Form gegenüber dem Schöpfer erschaffen wurde und wie er zur Angleichung der Form gelangen muss. Und mit voller Absicht wurde es so gefügt, dass der Mensch diese Fragen nicht beantworten kann, damit er den Schöpfer nötig hat – das heißt, dass nur der Schöpfer sie ihm beantworten kann; denn der ganze Verstand des Menschen ist darauf aufgebaut, alles innerhalb des Verstandes zu tun, und der Verstand des Menschen versteht nur das, was den eigenen Nutzen betrifft – und in diesem Fall ist das Recht auf Seiten der Klipot.

Vielmehr muss der Mensch wissen, dass uns der Weg gegeben ist, Tora und Mizwot über dem Verstand einzuhalten – denn unser ganzer Verstand versteht nichts außer dem, was den eigenen Nutzen betrifft. Und das nennt man ‚Glaube über dem Verstand‘. Und bevor der Mensch über dem Verstand gehen kann, ist es gewiss, dass man dem, der zu ihm kommt und Fragen stellt, die auf dem Verstand des Körpers aufgebaut sind, keine Antwort geben kann, die der Verstand begreift.

Wenn dem so ist – weshalb kommt dann die Klipa und stellt diese Fragen, die der Mensch gewiss nicht beantworten kann? Das heißt, die Klipot wissen, dass das Recht auf ihrer Seite ist und dass sie gewiss keine Antwort darauf erhalten werden. Und die Antwort liegt in der Regel, die in der Arbeit bekannt ist: Dass die Klipa kommt und diese Fragen stellt, kommt von der Seite der Heiligkeit, wie oben gesagt – ‚Und Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat.‘

Wozu also kommen ihm diese Fragen? Die Antwort ist, wie gesagt: Man hat ihm diese Fragen von oben gesandt, damit er gerade durch diese Fragen die Mizwa des Glaubens über dem Verstand erfüllen kann. Und das ist die Deutung von ‚Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat‘: Dass die Fragen zu ihm kamen, geschieht, um dem Menschen die Gelegenheit zu geben, die Sache des Glaubens über dem Verstand zu enthüllen. Hat er dagegen keine Fragen, kann der Mensch nicht wissen, dass er über dem Verstand geht. Wenn er aber die Fragen sieht und keine Antworten geben will – das heißt, obwohl der Verstand ihn drängt, sie zu beantworten –, sondern sagt: ‚Jetzt, da diese Fragen zu mir gekommen sind, kann ich die Mizwa des Glaubens erfüllen, die über dem Verstand ist – diese Gelegenheit will ich nutzen.‘

Mit dem Gesagten lässt sich verstehen, warum – wenn der Schöpfer weiß, dass diese Fragen stark sind und der Mensch sie mit dem Verstand nicht beantworten kann – der Schöpfer sie überhaupt sendet. Die Antwort ist, wie gesagt, wie geschrieben steht: ‚Und Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat.‘ Das heißt: Gerade durch diese Fragen kann er die Mizwa des Glaubens erfüllen, die Gottesfurcht (Jirat Shamajim) genannt wird. Das heißt, gerade jetzt hat er die Gelegenheit, die Mizwa des Glaubens über dem Verstand zu erfüllen.

Wie unsere Weisen sagten: ‚Eine Mizwa, die dir in die Hand kommt, versäume sie nicht.‘ Das lässt sich so deuten: ‚Eine Mizwa, die dir in die Hand kommt‘ ist die Mizwa des Glaubens, die dir durch die Fragen ‚Wer‘ und ‚Was‘ zukommt. ‚Versäume sie nicht‘ – nimm sie sofort an und streite nicht mit diesen Fragen und sinne nicht darauf, Antworten auf sie zu geben, sondern nimm die Fragen, wie sie sind; denn jetzt hast du die Gelegenheit, die Mizwa des Glaubens zu erfüllen. Und ‚versäume sie nicht‘ bedeutet: die Mizwa anzunehmen, wie sie ist – das heißt, mit der ganzen Schärfe der Fragen.

Und das kommt daher: Alles, was gegen den Verstand ist – wenn der Verstand einwendet, es lohne sich nicht, diesen Weg zu gehen –, dann ist der Glaube über dem Intellekt und dem Verstand umso größer. Deshalb sagten sie: ‚Versäume sie nicht‘ – nämlich verpasse nicht die Gelegenheit, die der Mensch jetzt durch die Fragen der Klipot hat.

Deshalb: Durch die Frage ‚Was‘, die die Frage des Bösen ist, der sagt: ‚Was soll euch dieser Dienst?‘ – das heißt: Ihr wollt nur um des Gebens willen arbeiten; er fragt: Was gewinnt ihr dabei? Man solle doch nur zum eigenen Nutzen arbeiten. Diese Frage ist ein Gefäß, also ein Mangel, den der Schöpfer ihm gibt: An der Stelle des Mangels, den die Frage des Bösen ihm bereitet, gibt Er ihm die Kraft, um des Gebens willen zu arbeiten – was heißt, dass er der zweiten Natur würdig wird, ‚um des Gebens willen‘ genannt. Und das ist gemeint mit ‚und nimm es dir zu Herzen‘ – nämlich, dass auch der böse Trieb um des Gebens willen arbeiten wird.

Und durch die Frage Pharaos, der sagte: ‚Wer ist der Ewige, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?‘ – wenn er diese Frage überwindet, wird er des beständigen Glaubens würdig. Und das ist es, was der Sohar sagt: nachdem er ‚und nimm es dir zu Herzen‘ erlangt hat, kommt er zur Stufe ‚dass der Ewige der Gott ist‘.

korrOp, EY, 20.7.2026, Ver3