1991/10 Was bedeutet "Der König steht auf seinem Feld, wenn die Ernte reif ist" in der Arbeit?
Unsere Weisen sagten über den Vers „Und der Schöpfer stand über ihm“ (angeführt im Kommentar ‚Daat Skenim‘ der Tossafisten, Wochenabschnitt WaJeze), und das sind ihre Worte: „Bei den übrigen Vätern haben wir das nicht gefunden. Rabbi Simon sagte: Der König steht nicht auf seinem Feld, weder wenn es gepflügt, noch wenn es besät wird, sondern erst, wenn das Getreide in Garben steht. So hat Abraham es gepflügt, wie es heißt: ‚Mache dich auf, durchwandere das Land.‘ Isaak hat es besät, wie es heißt: ‚Und Isaak säte.‘ Jakob kam, und er ist der Garbenhaufen des Getreides, wie es heißt: ‚Heilig ist Israel dem Schöpfer, der Erstling Seines Ertrags‘ – da stand Er über ihm.“
Man muss verstehen, was uns das in der Arbeit lehren will: Was ist ein ‚Feld‘, und was ist ‚Getreide in Garben‘? Und was bedeutet das Gleichnis vom König, der auf seinem Feld steht? Bekanntlich liegt der Kern unserer Arbeit allein auf dem Aspekt des Königtums des Himmels, das ‚Glaube‘ genannt wird – wie die Weisen sagten: „Habakuk kam und stellte sie alle auf eine einzige: ‚Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.‘“ Glaube bedeutet: Man muss an den Schöpfer glauben, dass Er die Welt durch eine Vorsehung lenkt, die gut ist und Gutes tut.
Und obwohl der Mensch noch nicht sieht, dass er dieses Gefühl hätte, muss er dennoch glauben und sagen: Dass er das Gute nicht sieht, wie es in der Welt offenbar ist, muss er über dem Verstand annehmen. Dass er das Gute nicht vor seinen Augen offenbart sieht, kommt nämlich daher, dass der Mensch, solange er nicht aus der Herrschaft der Eigenliebe herausgetreten ist, nicht die Kraft hat, es zu sehen; denn über den empfangenden Gefäßen lag eine Einschränkung (Zimzum), sodass das Licht dort nicht leuchtet – wegen der Ungleichheit der Form, wie es im Sulam (Leiter-Kommentar) steht (in der „Einführung in das Buch Sohar“, Punkt 138).
Aus diesem Grund ist der Mensch nicht imstande, die Wahrheit zu sehen; er muss vielmehr glauben, dass es so ist. In der Ordnung der Arbeit der Allgemeinheit treten die Zustände der Führung von Lohn und Strafe noch nicht so deutlich hervor. Anders in der Arbeit des Einzelnen: Wenn der Mensch sich bemühen will, jene Stufe zu erreichen, auf der all sein Handeln um des Himmels willen geschieht, dann beginnt er, Kräfte aufzuwenden, um auf die Stufe des Gebenden zu gelangen. Dann muss seine ganze Grundlage auf der Größe des Schöpfers aufgebaut sein – wie der heilige Sohar sagt: „Der Mensch muss Ehrfurcht vor Ihm, gepriesen sei Er, haben, weil Er groß ist und herrscht.“ Dann beginnt die Arbeit vor allem an diesem Glauben, dass der Schöpfer die Welt als der Gute, der Gutes tut, lenkt.
Dann kommen ihm Zustände von Aufstiegen und Abstiegen. Das heißt: Manchmal hat er Lohn – der Mensch kann an den Schöpfer glauben, dass Er der Gute ist, der Gutes tut, und er kann den Schöpfer lieben wegen Seiner Größe. Das kommt dem Menschen durch besondere Anstrengung im Glauben an Lohn und Strafe. Das bedeutet: Arbeitet der Mensch im Glauben über dem Verstand, so empfängt er Lohn – und der Lohn besteht darin, dass er die Liebe des Schöpfers zu ihm spüren darf. Die Strafe aber ist: Will er ausgerechnet innerhalb des Verstandes gehen, so entfernt er sich dadurch von der Liebe des Schöpfers.
Und schlimmer noch: Manchmal gerät er sogar ins Gegenteil, nämlich dazu, ein Hasser des Schöpfers zu werden. Denn er hat viele Vorwürfe gegen den Schöpfer, weil er schon viele Male zum Schöpfer gebetet hat und sieht, dass der Schöpfer – Gott behüte – das Gebet nicht erhört. Daraus kommt der Mensch in Zustände von Aufstiegen und Abstiegen. Doch wenn der Mensch sich überwindet und über dem Verstand geht und sagt: „Augen haben sie, doch sie sehen nicht“, dann wird ihm für den Augenblick der Lohn zuteil, dass er fühlt, er sei dem Schöpfer nahe.
Das geschieht auf die Weise, wie es in der „Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“ (Punkt 132) heißt, und das sind seine Worte: „Man muss wissen, dass das genannte Maß der Mittleren auch dann gilt, wenn der Mensch sogar unter der Vorsehung der Verhüllung des Angesichts steht. Denn durch besondere Anstrengung im Glauben an Lohn und Strafe offenbart sich ihnen ein Licht großer Zuversicht in den Schöpfer, gepriesen sei Er, und sie werden für ihre Zeit der Offenbarung Seines Angesichts gewürdigt, gemäß dem Maß der Mittleren. Doch ein Mangel besteht darin, dass sie sich nicht auf ihren Stufen halten können, um darauf beständig zu bleiben; denn beständig zu bleiben ist nur durch Umkehr aus Ehrfurcht möglich.“
Aus dem Gesagten ergibt sich die Ordnung der Arbeit in drei Zeiten, bis man dahin gelangt, aus der Arbeit herauszutreten – das ist der Aspekt ‚Mensch‘ (Adam). Das entspricht dem, was die Weisen sagten (Nidda 31): „Drei Teilhaber sind am Menschen: der Schöpfer, sein Vater und seine Mutter. Sein Vater sät das Weiße, seine Mutter sät das Rote, und der Schöpfer legt Geist und Seele in ihn.“ Im Sinne der Arbeit erklärt sich das so, wie wir lernen, dass es drei Linien gibt: Chessed (Gnade), Din (Gericht) und Rachamim (Erbarmen). Das ist so, wie wir es in den früheren Artikeln besprochen haben: Damit der Mensch gehen kann, braucht er zwei Beine – ein rechtes und ein linkes – und das sind zwei Schriftverse, die einander widersprechen, bis der dritte Vers kommt und zwischen ihnen entscheidet. Mit anderen Worten: Die beiden Linien haben die entscheidende Linie hervorgebracht.
Damit lässt sich das Pflügen, das Säen und das ‚Getreide in Garben‘ im Sinne der Arbeit deuten. Die rechte Linie ist das ‚Pflügen‘: Das ist die Ordnung der Arbeit des Menschen, der in die Arbeit des Gebens eintreten will. Denn der Mensch ist von Natur aus so erschaffen, dass er einzig und allein für den eigenen Nutzen sorgt. Und weil über dem Verlangen, für sich selbst zu empfangen, eine Korrektur lag – damit es nicht zur Scham komme wegen der Ungleichheit der Form gegenüber dem Schöpfer, denn Er, von dem wir sprechen, ist allein der Gebende für die Geschöpfe, und ein Empfangen für sich selbst gibt es bei Ihm nicht, Gott behüte –, darum wurden eine Einschränkung und eine Verhüllung über das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, gelegt, sodass die Geschöpfe das Gute und den Genuss, den Er den Geschöpfen geben will, nicht empfangen können.
Und das geschah, damit die Möglichkeit bestehe, dass der Mensch das empfangende Gefäß korrigieren kann, sodass es nur noch mit der Absicht zu geben wirkt. Das heißt: Der Mensch muss das Verlangen zu empfangen, das in ihm ist, umkehren und an seiner Stelle ein Verlangen zu geben annehmen. Anders gesagt: Was ihm zuvor von hohem Wert war, das Verlangen zu empfangen, soll nun von geringem Wert sein, und er soll es nicht gebrauchen wollen. Umgekehrt soll das Verlangen zu geben, das bei ihm von geringem Wert war und das er nicht gebrauchen wollte, nun von hohem Wert sein. Das heißt: Nun ist ihm das Verlangen zu geben eine wichtige Sache, und er will nur noch das Verlangen zu geben gebrauchen.
Und das nennt man ‚Pflügen‘: dass man die Erde umwendet – was oben war, kommt nun nach unten, und was unten war, kommt nun nach oben. Und das nennt man die rechte Linie, den Aspekt Abrahams, Chessed – das heißt, er will sich nun nur noch mit dem Aspekt Chessed befassen, der ‚Verlangen zu geben‘ genannt wird. Und die rechte Linie wird ‚Vollkommenheit‘ genannt. Das heißt: Obwohl der Mensch sieht, dass es noch nicht in seiner Hand liegt, Chessed zu üben, muss er sich dennoch Bilder ausmalen, als hätte er bereits den Aspekt des Gebens, der Chessed genannt wird, erlangt – und dem Schöpfer dafür danken, dass Er ihn gewürdigt hat, Taten mit der Absicht zu geben zu vollbringen.
Und all das nur über dem Verstand. Denn obwohl er, wenn er auf seinen Zustand blickt, in dem er sich befindet, etwas anderes sehen würde, ist dies eine Sache, die über dem Verstand liegt. Das heißt: Er muss sich vorstellen, als hätte er bereits den Aspekt des Verlangens zu geben erlangt, als hätte er bereits den Aspekt des ‚Pflügens‘ erlangt. Auch muss der Mensch sich selbst gering machen und sagen: ‚Über jeden Gedanken und jedes Verlangen, etwas im Spirituellen zu tun, das der Schöpfer mir gibt, freue ich mich, und ich danke dem Schöpfer dafür, dass Er mich gewürdigt hat, dem Schöpfer ein wenig zu dienen, das heißt, dass ich etwas zum Wohl des Schöpfers tun kann.‘ Und darüber soll er sich freuen, denn er sieht, dass der Schöpfer den übrigen Menschen die Gelegenheit, Ihm zu dienen, nicht gegeben hat; darum freut er sich darüber. Und das gilt als Vollkommenheit, weil er nun über dem Verstand glaubt, dass der Schöpfer die Welt als der Gute, der Gutes tut, lenkt. Und so kann er nun seine Liebe zum Schöpfer zeigen und immer froh sein.
Doch zugleich muss der Mensch mit dem zweiten Bein gehen, dem Aspekt der linken Seite – das heißt, Kritik an seinen Taten zu üben. Und er soll das Verlangen und den Wunsch haben, die Wahrheit zu sehen: wie viel Kraft er mit der Absicht zu geben aufbringen kann und wie groß der Wert des Spirituellen ist. Denn wenn er wirklich versteht, dass es sich lohnt, nur zum Wohl des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten, dann sieht er es ganz anders: nämlich dass er bei all seinen Taten – zu der Zeit, da er in der rechten Linie ging und meinte, er sei wahrhaftig ein Mann des Friedens – nun, da er zur linken Linie übergegangen ist, sieht, dass er nichts hat, was wirklich um des Himmels willen wäre.
Und das nennt man ‚Säen‘. Zum Beispiel: Wenn man gute Weizenkörner nimmt und sie auf dem Feld aussät, dann blickt einer, der die Feldarbeit nicht gewohnt ist, auf den Menschen, der Weizen genommen und ihn in den Boden gesät hat, als wäre er nicht bei klarem Verstand. Ebenso ist es hier: Man nimmt gute Zustände, in denen Vollkommenheit liegt und für die man dem Schöpfer schon gedankt hat, und nun hebt man sie auf. Das gleicht einem Menschen, der schönen Weizen nimmt und ihn auf dem Feld aussät.
Doch in Wahrheit kann man nicht auf einem Bein gehen. Diese beiden Beine aber gelten als zwei Schriftverse, die einander widersprechen. Darum heißt es von Isaak, dass er ‚sein Feld besäte‘, was der Aspekt der linken Seite ist. Wie die Weisen sagten: „Stets stoße der Mensch mit der Linken ab und ziehe mit der Rechten heran“ (Sota 47). Das lässt sich so deuten: Wenn der Mensch fühlt, dass er dem Schöpfer nahe ist, heißt das ‚mit der Rechten heranziehen‘. Und ‚mit der Linken abstoßen‘ bedeutet: Wenn er Kritik übt, dann sieht er, dass er von der Arbeit des Gebens abgestoßen wird. Das heißt, die Weisen wollen uns lehren, dass der Mensch zweierlei braucht, nämlich rechts und links, wie gesagt; denn auf einem Bein kann man nicht gehen. Und das ist der Aspekt Isaaks, der ‚Säen‘ genannt wird.
Es zeigt sich also, dass Abraham der Aspekt der rechten Seite ist, nämlich Chessed, Vollkommenheit. Und das wird das ‚Weiße‘ genannt, wie gesagt: Die drei Teilhaber sind sein Vater, seine Mutter und der Schöpfer. Sein Vater ist der erste Aspekt, also die erste Linie, das ist Chessed, das auf Vollkommenheit weist. Und Vollkommenheit wird ‚weiß‘ genannt, wie es heißt: „Wären eure Sünden auch wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee.“ Und das nennt man ‚die Rechte zieht heran‘ – das heißt, er fühlt, dass er dem Schöpfer nahe ist.
„Und seine Mutter sät das Rote“ – das ‚Rote‘ weist auf einen Mangel hin, den Aspekt Nukwa (weibliche Seite). Das heißt, dort sieht er, dass er überhaupt von der Arbeit des Gebens abgestoßen wird; darum ist er in einem Zustand von Aufstiegen und Abstiegen. Und das nennt man, dass er nur einen teilweisen Glauben hat, wie es heißt (in der „Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“, Punkt 14) – weil er viele Abstiege hat. Und zur Zeit des Abstiegs ist er ohne Glauben, wie gesagt.
Doch der Mensch soll nicht viel Zeit auf der linken Linie verbringen, die ‚zweite Linie‘ genannt wird, denn dann befindet sich der Mensch in einem Zustand der Trennung. Darum soll der Mensch die meiste Zeit seiner Arbeit im Zustand der Vollkommenheit sein. Und das nennt man ‚die Erneuerung des Mondes‘. Das heißt, der Mensch muss jedes Mal das ‚Weiße‘ in sich erneuern, das die rechte Linie ist, der Aspekt des Weißen, wie gesagt.
Anders ist es zur Zeit des Abstiegs: Dann weicht der Aspekt des Glaubens von ihm, und er bleibt zuweilen ohne Bewusstsein zurück – wie ein Mensch, der unter einen Lastwagen gerät und verletzt wird und nicht weiß, dass er gefallen ist. Das Gleichnis bedeutet: Der Mensch liegt unter seiner Last, wie es heißt: „Wenn du den Esel deines Feindes unter seiner Last liegen siehst“ – weil er nicht über dem Verstand gehen kann, da ihm die Arbeit, über dem Verstand zu gehen, zum Joch und zur Last wird, die er nicht ertragen kann. Lenkt er darum seine Aufmerksamkeit davon ab, fällt er sofort unter den Lastwagen. Und das nennt man, dass er bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde. Darum muss der Mensch sich hüten, stets die rechte Seite zu bewahren.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Korrektur, wenn der Mensch in der linken Linie geht, darin besteht, dass er nicht wartet, bis er einen Abstieg empfängt und fällt und dann darauf wartet, dass ihm ein Erwachen von oben zuteilwird. Vielmehr zieht er das ‚Links‘ über sich herab. Und dann sieht er, dass er sich in einem Zustand des Abstiegs befindet – das heißt, dass er keinen einzigen Funken hat, der zu geben arbeiten möchte und nicht zum eigenen Nutzen. Dann hat er bereits einen Ort für das Gebet.
Und das ist auf die Weise zu verstehen, wie mein Vater und Lehrer seligen Andenkens zu dem sagte, was die Weisen über David berichteten, der sprach: „Ich erwecke die Morgenröte, und nicht die Morgenröte erweckt mich.“ Die Deutung ist: König David wartete nicht, bis die Morgenröte – die ‚das Schwarze‘ genannt wird, also der Aspekt der Finsternis – ihn erweckte; das heißt, dass die Finsternis ihn weckt. Vielmehr erweckte er selbst die Finsternis und betete über sie, dass der Schöpfer ihm Sein Angesicht erleuchte. Und so gewinnt er Zeit dadurch, dass er die Vorbereitung auf die Finsternis hat – dann ist es leichter, sie zu korrigieren.
Und aus den beiden genannten Linien, nämlich rechts und links, wird die dritte Linie geboren, die der Aspekt der mittleren Linie ist. Das ist es, was sie sagten: „Der Schöpfer legt Geist und Seele in ihn.“ Das heißt: Danach, nämlich nachdem der Mensch die Arbeit in den beiden Linien vollendet hat und nun bereits all das Böse in ihm offenbar ist – was ihm daher kommt, dass diese beiden Linien der Aspekt ‚zweier Schriftverse, die einander widersprechen‘ sind, und der Mensch sieht, dass die Aufstiege und Abstiege kein Ende nehmen –, darum bringt er dann ein wahrhaftiges Gebet dar, dass der Schöpfer ihm helfe, das Verlangen zu geben zu empfangen.
Und wenn der Schöpfer ihm hilft, dann wird ihm der Aspekt des beständigen Glaubens zuteil, weil er bereits die Gefäße des Gebens hat. Denn bevor der Mensch die Gefäße des Gebens erlangt, ist es ihm unmöglich, beständigen Glauben zu haben; denn zur Zeit des Abstiegs geht ihm der Glaube verloren. Es zeigt sich also, dass der Mensch nicht beständig an den Schöpfer glauben kann.
Und das ist so, wie es erklärt wird (in der „Einführung in das Buch Sohar“, Seite 138), und das sind seine Worte: „Weil wir die empfangenden Gefäße im Gegenteil dessen gebrauchen, wozu sie erschaffen wurden, empfinden wir notwendigerweise die Handlungen der Führung, die für uns als böse erscheinen. Und darum: In dem Maß, in dem der Mensch Böses empfindet, ruht in eben diesem Maß ein Leugnen Seiner Vorsehung auf ihm, Gott behüte, und der Wirkende, gepriesen sei Er, ist ihm verborgen.“
Aus dem Gesagten sehen wir, dass es dem Menschen, bevor er die Gefäße des Gebens erlangt hat, unmöglich ist, beständigen Glauben zu haben. Es zeigt sich also: Dadurch, dass der Mensch das Verlangen zu geben erlangt, das aus der Arbeit in den beiden Linien hervorgeht – durch die sich all das Böse vollständig offenbart, bis der Mensch zu der Entscheidung kommt, dass nur der Schöpfer ihm helfen kann –, und er sich in dieser Arbeit anstrengt und nicht aus der Schlachtreihe flieht, dann wird ihm die mittlere Linie zuteil, die ‚der Schöpfer legt Geist und Seele in ihn‘ genannt wird, wie gesagt; und das nennt man ‚Offenbarung des Angesichts‘. Und das ist, wie geschrieben steht: „Was ist Umkehr? Bis der Kenner der verborgenen Dinge über ihn bezeugt, dass er nicht wieder zu seiner Torheit zurückkehrt.“
Damit lässt sich deuten, was wir gefragt haben: Was bedeutet im Sinne der Arbeit, was geschrieben steht: „Jakob kam, und er ist der Garbenhaufen des Getreides, wie es heißt: ‚Heilig ist Israel dem Schöpfer, der Erstling Seines Ertrags‘ – über ihm stand Er“? Dazu gaben die Weisen ein Gleichnis: „Der König steht nicht auf seinem Feld, sondern erst, wenn das Getreide in Garben steht.“ Und das lässt sich so deuten: Dass der König auf seinem Feld steht, zielt auf den Menschen. Denn der Mensch geht aus dem Aspekt Malchut hervor, und Malchut wird ‚Feld‘ genannt. Und der Mensch muss zum Aspekt „ein Feld, das der Schöpfer gesegnet hat“ gelangen – und das geschieht durch die Mühe in den beiden genannten Linien, nämlich dem Aspekt des ‚Pflügens‘ Abrahams und dem Aspekt des ‚Säens‘ Isaaks, wie gesagt.
Und danach kommt der Aspekt ‚Getreide in Garben‘, wenn man bereits den Lohn aus der Arbeit sieht, nämlich das Getreide, das der Aspekt Jakobs ist. Und das ist, wie gesagt, nachdem ihm die Hilfe vom Schöpfer zuteilwurde, dass der Schöpfer ihm den Aspekt der Seele gab, der ‚Offenbarung des Angesichts des Schöpfers, gepriesen sei Er‘ genannt wird. Und das nennt man, dass der Schöpfer beständig über ihm steht – das heißt, dass ihm dann beständiger Glaube zuteilwird. Und das ist, was geschrieben steht: „Und der Schöpfer stand über ihm“, nämlich nachdem der Mensch die Stufe der mittleren Linie erreicht hat, die der Aspekt Jakobs ist; dann steht ‚der Schöpfer bereits über ihm‘, wie im Gleichnis gesagt, dass der König auf seinem Feld steht zu der Zeit, wenn das Getreide in Garben steht.
Und das ist, wie es angeführt wird (in der „Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“, Punkt 54), und das sind seine Worte: „Doch nachdem der Schöpfer, gepriesen sei Er, sieht, dass der Mensch das Maß seiner Mühe vollendet und alles beendet hat, was ihm zu tun oblag durch die Kraft seiner Wahl und seiner Stärkung im Glauben an den Schöpfer, gepriesen sei Er, dann hilft ihm der Schöpfer, gepriesen sei Er, und er wird der Erlangung der offenbaren Vorsehung gewürdigt, das heißt der Offenbarung des Angesichts, und dann wird ihm die vollkommene Umkehr zuteil.“
Und (in der „Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“, Punkt 56) sagt er dort: „Aus dem Erklärten ergibt sich, dass der Mensch in Wahrheit nicht völlig sicher ist, dass er nicht wieder sündigt, bevor ihm die Erlangung der Vorsehung von Lohn und Strafe zuteilwird, die erklärt wurde, das heißt die Offenbarung des Angesichts. Und diese Offenbarung des Angesichts, die von der Errettung des Schöpfers, gepriesen sei Er, herkommt, wird mit dem Namen ‚Zeugnis‘ bezeichnet; sie verbürgt ihm, dass er nicht wieder sündigt.“ Das bedeutet, dass ihm dann beständiger Glaube zuteilwird, wie gesagt.
Und aus dem Gesagten lässt sich deuten, was geschrieben steht: „Es lebt der Schöpfer, und gepriesen sei mein Fels, im Schöpfer rühme sich meine Seele.“ Man muss verstehen, was die Deutung von „Es lebt der Schöpfer“ ist. Was für ein Lobpreis ist das für den Schöpfer? Im Sinne der Arbeit lässt sich „lebendig“ deuten: Wer wird „Es lebt der Schöpfer“ genannt? Nämlich wer an den Schöpfer glaubt, dass Er die Welt als der Gute, der Gutes tut, beaufsichtigt – dieser Mensch wird „lebendig“ genannt.
„Und gepriesen sei mein Fels“ – das heißt: wer vom Schöpfer die Gestalt dieses Glaubens empfängt, dass der Schöpfer der ist, dessen Wille es ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und dieser Mensch preist den Schöpfer dafür, dass Er ihm den Glauben gegeben hat; denn aus eigener Kraft ist der Mensch nicht imstande, den Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen, weil dies ein Geschenk Gottes ist.
Und ebenso lässt sich „im Schöpfer rühme sich meine Seele“ deuten, dessen Sinn ist: „im Schöpfer“ – das heißt, dass der Schöpfer ihn sich nähergebracht hat; darüber „rühme sich meine Seele“, dass die Seele des Menschen dem Schöpfer großen Dank darbringt dafür, dass Er ihn nähergebracht hat, wie gesagt, was man so nennt: „dass der Schöpfer Geist und Seele gibt“. Und aus eigener Kraft wäre der Mensch dazu nicht imstande gewesen. Dafür preist er den Schöpfer: dass der Mensch nun, da er Glauben hat, dies nur dem verdankt, was der Schöpfer ihm gegeben hat – dafür preist er den Schöpfer, der ‚mittlere Linie‘ genannt wird, wie gesagt; denn nur durch die Arbeit in den beiden vorangehenden Linien wird dem Menschen danach der Aspekt ‚der Schöpfer gibt Geist und Seele‘ zuteil.
Aus dem Gesagten folgt, dass nur der Schöpfer helfen kann, der Herrschaft des empfangenden Gefäßes zu entkommen. Darum soll der Mensch zur Zeit des Abstiegs nicht mit seinem Verlangen zu empfangen rechten und es nicht bitten, dass es für ihn besser sei, wenn das Verlangen zu empfangen den Platz verlässt und seinen Platz dem Verlangen zu geben überlässt, und ihm zu verstehen geben, dass es sich vor ihm beuge. Der Mensch muss wissen, dass der Körper dem niemals zustimmen wird, und schade um die Worte. Vielmehr soll er den Schöpfer bitten, denn nur Er, gepriesen sei Er, hat die Kraft, ihn aufzuheben, und kein anderer. Das heißt: Der Körper wird dem niemals zustimmen, und deshalb gibt es nichts, worüber man mit dem Körper rechten sollte. Nur zu der Zeit, da er etwas um des Himmels willen tun will, muss er den Schöpfer bitten, dass Er ihm die Kraft gebe, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu überwinden.
Und aus dem Gesagten lässt sich deuten, was sie sagten (Awot, Kapitel 1,5): „Und führe nicht viel Gespräch mit der Frau. Über die eigene Frau sagten sie es; umso mehr über die Frau seines Freundes.“ Obwohl die wörtliche Bedeutung die wesentliche ist, lässt es sich im Sinne der Arbeit so deuten, dass die Frau und der Mensch in einem Leib sind: Die Frau des Menschen wird das Verlangen zu empfangen genannt, das ‚weiblich‘ (Nekewa) heißt, und sie will stets nur empfangen.
Darum gibt es zuweilen, dass der Mensch etwas mit der Absicht zu geben tun will – was der Aspekt des Männlichen (Sachar), der Aspekt des Mannes (Ish) genannt wird – und das Verlangen zu empfangen widersetzt sich. Und der Mensch will viele Worte mit seinem Verlangen zu empfangen wechseln und ihm zu verstehen geben, dass es sich lohnt, ihn mit der Absicht zu geben arbeiten zu lassen. Dazu sagten die Weisen: schade um die Worte. Und das meinten sie mit „über die eigene Frau sagten sie es“, nämlich über das Verlangen zu empfangen in ihm selbst. „Und umso mehr über die Frau des Freundes“ – nämlich mit dem Verlangen zu empfangen der Freunde zu rechten, dass er mit ihnen rechtet und ihnen zu verstehen gibt, dass es sich lohnt, alles mit der Absicht zu geben zu tun; denn nur der Schöpfer kann ihnen helfen, der Herrschaft des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, zu entkommen.
Darum dürfen jene Menschen, die den Weg gehen wollen, um zu dem Zustand zu gelangen, dass all ihr Handeln um des Himmels willen geschehe, ihrem Freund keine Moralpredigt halten, warum er sich nicht mit der Arbeit des Gebens befasst. Denn wenn er das Verlangen zu empfangen seines Freundes korrigieren will, ist das so, als hätte dieser Mensch selbst die Kraft dazu; in Wahrheit aber geschieht das, was der Mensch je einmal an Geben vollbringt, nur durch die Kraft des Schöpfers. Darum darf man dem Freund keine Moralpredigt halten.
korrigiert, EY, CO4.8, 25.06.2026