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1989/24 Was bedeutet „Du sollst den Segen eines Laien nicht gering schätzen“ in der Arbeit?

Der Sohar (Nasso, Blatt 3, und im Sulam [Leiter-Kommentar] Punkt 10) sagt: „Schätze den Segen eines Laien nicht gering.“ Und das ist gemeint mit: „Am Tag gebietet der Ewige Seine Gnade.“ Und in der Megilla (Blatt 15) heißt es dort: „Schätze niemals den Segen eines Laien gering.“

Man muss verstehen, was uns das in der Arbeit des Schöpfers lehren soll, das heißt, wenn man es auf den einzelnen Menschen anwendet, was hier „Laie“ bedeutet. Und zunächst müssen wir verstehen, was „Laie“ überhaupt bedeutet.

In der Massechet Megilla (Blatt 12b) sagte Raw Kahana: „Daraus folgt, dass ein Laie sich nach vorne drängt.“ Das bedeutet, dass „Laie“ hier ein abfälliger Ausdruck ist: Obwohl er ein einfacher Mensch ist, hebt er sich dennoch gerne hervor und gibt sich als weise. Wie also soll man „den Segen eines Laien“ in der Arbeit auslegen? Und ebenso muss man verstehen, was der Sohar sagt: „Schätze den Segen eines Laien nicht gering.“ Und das ist gemeint mit: „Am Tag gebietet der Ewige Seine Gnade.“ Was ist die Verbindung zwischen „dem Segen eines Laien“ und „Seiner Gnade“?

Es ist bekannt, dass die Arbeit des Menschen auf zwei Linien beruht, die „zwei Schriften, die einander widersprechen, bis die dritte Schrift kommt und zwischen ihnen entscheidet“ genannt werden. Und das geht in die Richtung dessen, was unsere Weisen sagten (Sota 47): „Immer soll die Linke wegstoßen und die Rechte heranziehen.“

Im Sinne der Arbeit ist „die Rechte zieht heran“ so auszulegen: Wenn ein Mensch in der Arbeit voranschreitet und sich in einem Zustand der Annäherung an den Schöpfer befinden will, will er keinen einzigen Mangel an sich sehen. Denn er will sich jetzt mit Liedern und Lobpreisungen für den Schöpfer befassen, und wenn er an sich einen Mangel sähe, könnte er dem Schöpfer nicht mehr von ganzem Herzen danken, weil er Mängel hat, die er vom Schöpfer ausgefüllt haben will.

Es zeigt sich, dass er jetzt um diese Mängel betet, dass der Schöpfer sie ausfüllt. Also ist seine Danksagung bereits mangelhaft. Das heißt, mitten im Sagen seines „Habe vielen Dank“ macht er geltend, dass der Schöpfer ihm noch nicht alles gegeben hat, was ihm fehlt. Wenn er sich daher mit der Vollkommenheit befassen will, damit der Dank, den er dem Schöpfer gibt, von ganzem Herzen kommt, darf er in diesem Augenblick keinen einzigen Mangel an sich sehen.

Doch man muss verstehen: Wie kann ein Mensch sagen, dass er keinen Mangel hat – dass er dem Schöpfer dankt und Ihn preist dafür, dass er Ihm dient –, während er sieht, dass seine Arbeit voller Mängel ist? Und wie kann er lügen, wo er doch seine eigene Unvollkommenheit in Tora und Arbeit vor Augen hat? Die Antwort ist: Wenn der Mensch über sich selbst Rechenschaft ablegt und seine Niedrigkeit sieht – wie er an Begabung wie an Charaktereigenschaften schlechter ist als die übrigen Menschen –, und der Schöpfer ihm trotzdem den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, etwas in Tora und Mizwot zu tun, und er selbst weiß, dass auch dieser kleine Dienst nichts wert ist, und er sieht, dass es viele Menschen gibt, die bedeutender sind als er, denen der Schöpfer aber dennoch keinen Gedanken und kein Verlangen gegeben hat, etwas in Dingen der Heiligkeit (Kedusha) zu tun, ihm aber sehr wohl einen Gedanken und ein Verlangen gegeben hat.

Und dafür dankt er dem Schöpfer und preist Ihn, als hätte er ein riesiges Vermögen im Materiellen erlangt – in welche Hochstimmung hätten ihn materielle Dinge versetzt. Aus dieser Vorstellung empfängt er Freude und Glück, und sie verschafft ihm eine Erweiterung des Geistes. Und das bewirkt bei ihm, dass er dadurch danach Ohren bekommt, um Dinge zu hören, für die seine Ohren zuvor verschlossen waren. Jetzt aber sind durch die Freude alle seine Glieder wach geworden, verstehen und denken über jede Sache nach; denn die Freude, die ihm durch die Freude an der Mizwa zukommt, bewirkt bei ihm, dass er nun auch im Materiellen ein völlig anderer Mensch wird. Und all das kommt ihm daher, dass er die Dinge der Heiligkeit hoch geachtet hat.

Doch der Mensch muss glauben, dass er, auch wenn er die Bedeutung der Heiligkeit mit seiner ganzen Kraft würdigt, dennoch noch nicht so weit gelangt ist, ihr das Maß an Bedeutung beizumessen, das ihrer wahren Bedeutung entspricht. Denn es liegt nicht in der Macht eines Menschen, das Maß der Bedeutung der Heiligkeit einzuschätzen; nur die, die „Aufgestiegene“ sind, wissen, wie man eine spirituelle Sache einschätzt.

Vielmehr verstanden unsere Weisen es, der Spiritualität Bedeutung beizumessen, wie unsere Weisen sagten (Berachot 7), und das sind ihre Worte: „Rabbi Sira sagte: ‚Der Lohn der Lehrstunde ist das Laufen.‘“ [Der Lohn des Lernens liegt im Laufen.] Und Rashi legte aus: Der Hauptlohn der Menschen, die laufen, um eine Predigt aus dem Mund eines Weisen zu hören, ist der Lohn für das Laufen, denn die meisten von ihnen verstehen ja gar nichts. Und der Maharsha legt aus, und das sind seine Worte: „Und ferner ist zu sagen, dass von den Weisen, die die Lehrstunde nicht nötig haben, weil sie die Worte der Halacha bereits kennen, gesagt wird, dass ihr Lohn dennoch das Laufen ist“, also der Lohn für das Laufen. [Von den Weisen, die keine neue Halacha lernen müssen, weil sie alle Worte der Halacha bereits kennen, wird gesagt, dass trotzdem auch ihr Lohn groß ist.] Abaje sagte: „Der Lohn der Kalla ist das Gedränge.“ [Der Lohn der Tora liegt im Gedränge.] Und Rashi legte aus, und das sind seine Worte: „Der Shabbat (Sabbat) vor dem Pilgerfest, an dem sich alle versammeln, um die Gesetze des Pilgerfestes zu hören.“

Gemeint ist: Auch wer die Gesetze nicht versteht, hat dennoch einen Lohn dafür, dass er gedrängt dasteht. Und der Maharsha sagt auch dazu: „Wenn der Zuhörer ein Tora-Gelehrter (Talmid Chacham) ist und es nicht nötig hat, so hat er den Lohn für das Gedränge.“ Und aus dem Gesagten sehen wir, wie unsere Weisen die Bedeutung der Spiritualität würdigten, denn sie sagten: „Auch wenn die Menschen nicht verstehen, was der Weise vorträgt, haben sie dennoch diesen Lohn dafür, dass sie laufen, um die Predigt des Lehrers zu hören.“ Und mehr noch sehen wir an dem, was der Maharsha sagt: Selbst jene Menschen, die selbst Tora-Gelehrte sind und die Gesetze schon allein kennen, haben dennoch einen Lohn, wenn sie kommen, um die Predigt des Lehrers zu hören. Und Lohn gibt es sicher nur für Arbeit.

Demnach zeigt sich, dass der Mensch sich darüber freuen muss, dass er der Arbeit des Schöpfers gewürdigt wurde. Auch wenn er ins Lehrhaus oder in die Synagoge kommt und nicht lernt, hat er den Lohn für das Gehen, was bedeutet, dass dies unter die Arbeit des Schöpfers fällt. Und der Beweis dafür ist, dass für diese Arbeit Lohn gezahlt wird. Es ergibt sich also: Wenn ein Mensch auf der rechten Linie geht und sich mit der Arbeit der Lieder und Lobpreisungen für den Schöpfer befassen will, dann muss er sehen, dass er Vollkommenheit hat. Das heißt, er muss seine Niedrigkeit würdigen und sehen, wie der Schöpfer ihm das Verlangen und die Lust gegeben hat, wenigstens ins Lehrhaus zu gehen, obwohl er gar nichts versteht. Und er soll sagen: „Es liegt nicht in meiner Kraft, die Bedeutung dessen einzuschätzen, was mir zuteilwurde, dass der Schöpfer mich wenigstens für irgendeinen Dienst erwählt hat.“ Und er soll voller Freude sein, als hätte er ein riesiges Vermögen im Materiellen gefunden – wie würde er sich da freuen. Und diese Freude gibt ihm die Kraft, an den Schöpfer zu glauben, dass Er gut ist und Gutes tut.

Anders aber, wenn der Mensch anfängt, Rechnungen aufzumachen, wie viel er in der Spiritualität durch die Mühe gewonnen hat, die er schon aufgebracht hat, und anfängt zu sehen, dass er nicht vorangekommen ist. Auch wenn das, was er sieht, nach seiner Erlangung wahr ist, trennt er sich in diesem Zustand dennoch von der Heiligkeit, weil er in diesem Zustand übel über Seine Vorsehung redet, denn er kann nicht sagen, dass die Führung des Schöpfers gut ist und Gutes tut.

Es zeigt sich, dass er sich dadurch immer weiter von der Heiligkeit entfernt. Das heißt: In dem Maße, in dem er sieht, dass er einen Mangel hat, und alles sieht, was ihm fehlt, und wie viele Male er zum Schöpfer gebetet hat und der Schöpfer ihm auf seine Bitte nichts gegeben hat, beschädigt er sofort den Glauben an: „Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes.“

Es zeigt sich, dass er in diesem Zustand sagt, er geht jetzt den Weg der Wahrheit und will sich nicht selbst betrügen, dass er ein Mensch ist, der Vollkommenheit hat. Und er ist sich sicher, dass der Weg, den er geht, der wahre Weg ist. Doch kein Mensch kann sich selbst Wege bahnen, sondern man muss den Weg so annehmen, wie unsere Lehrer ihn uns geordnet haben.

Und über solche Dinge fragte mein Vater und Lehrer, sein Andenken sei zum Segen, zu dem, was wir sagen (in „Du hast uns erwählt“): „Und Du hast uns über alle Zungen erhoben.“ Es gibt doch auf der Welt nur eine einzige Zunge, die des bösen Triebes (Jezer haRa). Daher hätte es heißen müssen: „Und Du hast uns über die Zunge erhoben.“ Was bedeutet „über alle Zungen“, in der Mehrzahl? Und er sagte: Es gibt heilige Engel, und ebenso gibt es unreine Engel. Das heißt: Manchmal hält der böse Trieb ihn davon ab, eine gute Sache zu tun, indem er ihn verführt und sagt: „Du hast es überhaupt nicht nötig, dich mit Tora und Mizwot zu befassen, denn du hast keinerlei Gewinn davon.“ Und manchmal kommt er zu ihm und sagt ihm: „Es lohnt sich nicht für dich, diese Sache zu tun, denn sie wird dich davon abhalten, dich mit Tora und Mizwot zu befassen.“ Es zeigt sich, dass er das Gegenteil zu ihm sagt: er will, dass der Mensch sich mit Tora und Mizwot befasst, und deshalb rät er ihm, diese Sache nicht zu tun, die er tun oder lernen oder denken will und dergleichen.

Es zeigt sich: Wenn der Mensch auf der „rechten Linie“ gehen soll, dann kommt der heilige Engel zu ihm und sagt ihm: „Sieh auf deine Niedrigkeit, sieh, dass es dir an Tora fehlt und dir am Glauben fehlt, und auch beim Erfüllen der Mizwot bist du nicht in Ordnung“, und er zieht ihn hinab in die unterste Hölle und spricht zu ihm wie ein heiliger Engel. Und was geschieht? Am Ende gerät der Mensch in einen Abstieg, sodass er dann keinen Kopf mehr hat, irgendetwas in der Heiligkeit zu tun. Wenn er deshalb auf der rechten Linie gehen soll, muss er gegen all jene kämpfen, die sich der Vollkommenheit der Rechten widersetzen, und über dem Verstand glauben, dass die Sitra Achra (die andere Seite) im Gewand eines heiligen Engels zu ihm spricht.

Danach aber muss der Mensch zum anderen Ende übergehen, das „linke Linie“ genannt wird. Und dort braucht es einen hervorragenden Schutz. Er muss bereit sein, sobald er seine Vergangenheit gesehen hat, die voller Mängel ist, dass er die Fähigkeit hat, ein Gebet über die Mängel zu sprechen; andernfalls darf er sich nicht in die Arbeit der Linken begeben. Und das ist, wie es im Sohar geschrieben steht, dass es „verboten ist, die Hände ohne Gebet und Bitte zu erheben“. Gemeint ist mit „Erheben der Hände“: Er schaut auf seine Hände, das heißt, was er an Spiritualität schon in Händen hat, ob er ein wenig vorangekommen ist oder nicht.

Und es ist verboten zu schauen, außer auf eine Weise, dass er bereit ist, sofort an Ort und Stelle ein Gebet und eine Bitte zu sprechen; andernfalls fällt er in Verzweiflung, Trübsinn und Schwermut und wird gezwungen sein, vom Schlachtfeld zu fliehen. Es zeigt sich: An der Stelle, an der er von der linken Linie einen Ort für das Gebet empfangen sollte – wozu allein er ja zur linken Linie übergehen muss –, gilt deshalb: Wenn er nicht sicher ist, dass er sofort an Ort und Stelle ein Gebet sprechen kann, muss er auf der rechten Linie bleiben, bis er sicher ist, dass er dadurch die Kraft schöpft zu beten, dass der Schöpfer ihm hilft, und er glaubt: „Denn der Schöpfer ist es, der das Gebet erhört.“ Andernfalls liegt in der Sache ein Verbot. Denn sicher kann er in diesem Zustand, in dem er sich befindet, kein „Habe vielen Dank“ sagen, und auch ein Gebet kann er nicht verrichten, dass man zum Schöpfer betet, Er möge ihn aus diesem Zustand befreien. Denn wenn der Mensch sich in einem Zustand befindet, in dem er anfängt, übel über die Vorsehung zu reden, geht ihm sofort die Kraft des Gebets verloren, weil der Körper nicht glauben kann, dass der Schöpfer „das Gebet eines jeden Mundes erhört“. Es zeigt sich, dass er weder hier noch dort etwas in Händen hält. Deshalb muss er auf der rechten Linie bleiben und nicht in die linke Linie eintreten.

Und das ist, was unsere Weisen sagten (Joma 16): „Bei allen Wendungen, die du machst, sollen sie nur nach rechts gehen“, wobei „alle“ bedeutet „in der Regel“. Das heißt: In der Regel muss der Mensch auf der rechten Linie gehen. Und auf der linken Linie zu gehen ist nur dann erlaubt, wenn er sicher ist, dass er fähig sein wird, über seine Mängel zu beten. Andernfalls muss er auf der Rechten bleiben, bis er selbst spürt, dass er dazu bereit ist.

Wenn daher gegen seinen Willen Gedanken in ihm aufkommen, dass er nicht in Ordnung ist und wie er Worte der Tora und ein Gebet zum Schöpfer sprechen kann, während seine Gedanken ihm sagen: „Du bist doch voller Schmutz, wie schämst du dich nicht, dich mit Dingen der Heiligkeit zu befassen“, dann muss der Mensch dazu sagen, dass geschrieben steht: „Ich, der Ewige, wohne bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit (Tuma).“ Das heißt: Auch wenn ich mich in der allerschlimmsten Niedrigkeit befinde, glaube ich dennoch an das, was geschrieben steht, dass der Schöpfer sogar in der allerschlimmsten Niedrigkeit wohnt.

Doch unter den Hochmütigen weilt Er nicht, wie unsere Weisen sagten: „Über jeden, der hochmütig ist, sagt der Schöpfer: ‚Ich und er können nicht in einer Wohnung beieinander wohnen.‘“ Wenn der Mensch sich daher nach der rechten Linie als vollkommen fühlt, indem er seine Niedrigkeit würdigt und sagt, dass der Schöpfer ihm trotzdem ein wenig irgendeinen Halt in der Heiligkeit gegeben hat – und dieses Wenige ist, gemessen an der Heiligkeit, die der Mensch erlangen soll, gewiss als ein bisschen Heiligkeit im Vergleich zur wahren Heiligkeit zu bezeichnen, also als „Laie“ –, und wenn er nach seiner Niedrigkeit sagt: „Ich danke und preise den Schöpfer dafür“,

dann kann man darüber sagen, was geschrieben steht: „Ich, der Ewige, wohne bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit.“ Und wenn er sich darüber freut, hat er die Gelegenheit, dem Zustand gewürdigt zu werden, dass „die Shechina (göttliche Gegenwart) nur aus Freude heraus weilt“. Es zeigt sich: Durch diese Niedrigkeit – dadurch, dass der Schöpfer ihm einen gewissen Halt in der Heiligkeit gegeben hat – kann er auf den Stufen der Heiligkeit emporsteigen, wenn er nur Freude daraus schöpft und es hoch achtet. Dann kann der Mensch sagen: „Der den Geringen aus dem Staub aufrichtet“, „der den Armen aus dem Unrat erhebt“. Das heißt: Wenn der Mensch seine Niedrigkeit spürt und gering ist, also arm, wie unsere Weisen sagten (Nedarim 41), und das sind ihre Worte: „Abaje sagte: ‚Wir halten an dieser Regel fest: Es gibt keinen Armen außer im Verstand‘“, was bedeutet: eine Überlieferung von unseren Vorfahren, ein Brauch von unseren Vorfahren, dass es „keinen Armen gibt außer im Verstand“.

Und wer sagt, dass er gering, also arm ist, weil er keinen Verstand in der Heiligkeit hat, der wird „arm und gering“ genannt. Und wenn er dann irgendeinen Halt in der Heiligkeit hat, sagt er, obwohl er gering ist: „Der den Geringen aus dem Staub aufrichtet.“ Das heißt, er spricht ein Loblied: Obwohl er gering ist, richtet der Schöpfer ihn dennoch auf. „Der den Armen aus dem Unrat erhebt“: Obwohl er fühlt, dass er arm ist, hat der Schöpfer ihn dennoch erhoben. Und dafür spricht er dem Schöpfer ein Loblied. Und ein Maß an Halt in der Heiligkeit muss es geben, sei es auch nur ein wenig – schon dann kann man ein Loblied sprechen und dem Schöpfer Lob geben.

Und man kann es in dem auslegen, was geschrieben steht (Psalm 97): „Freut euch im Ewigen, ihr Gerechten, und dankt dem Gedenken Seiner Heiligkeit.“

Denn „Gerechte“ (Zaddikim) ist so auszulegen: derjenige, der sagt, dass der Schöpfer gerecht ist. Denn jeder, der irgendeinen Halt in der Heiligkeit hat, sagt sofort: „Der Schöpfer ist gerecht“, weil Er einem so Armen und Geringen wie ihm irgendeinen Halt in der Spiritualität gibt. Und sie werden „Gerechte“ genannt, wie geschrieben steht: „Welcher Gerechte ist es, der seinen Schöpfer rechtfertigt.“

Und das Maß an Halt in der Spiritualität ist, dass er darüber sagen kann: „Ich freue mich darüber.“ Der Vers sagt: „Und dankt dem Gedenken Seiner Heiligkeit“, dass sie nämlich Dank geben für „das Gedenken Seiner Heiligkeit“ – dafür, dass sie sich Seiner Heiligkeit erinnern, dafür geben sie Loblied und Lob. Das ist es, was geschrieben steht: „Und dankt dem Gedenken Seiner Heiligkeit.“ Das heißt: Sobald sie sich nur an den heiligen Namen erinnern, geben sie schon allein dafür ein „Dankt dem Schöpfer“, das heißt, schon allein für die Erinnerung werden sie sofort erweckt, dem Schöpfer Dank zu geben.

Anders aber, wer ein wenig Hochmut hat und sagt: „Die übrigen Menschen, die keinen Verstand haben, können Diener des Schöpfers sein ohne jeden Verstand und ohne Erkenntnis; anders aber ein Mensch wie ich, der Verstand hat und nicht dumm ist wie die übrigen Menschen.“ Er sagt: „Wenn der Schöpfer will, dass ich für Ihn arbeite, muss Er auf mich Rücksicht nehmen und mir Geschmack an Tora und Gebet geben; sonst kann ich so dienen, wie ich es verstehe, und nicht so, wie Du es verlangst.“

Darüber steht geschrieben: „Der Ewige regiert, mit Hoheit hat Er Sich bekleidet.“ Das heißt, der Schöpfer begegnet diesen Menschen im Gewand der Hoheit und lässt Sich von ihnen nicht beeindrucken, und sie bleiben mit ihrem Hochmut zurück und mehr nicht. Deshalb steht geschrieben: „Erhaben ist der Ewige, und den Niedrigen sieht Er an.“ Mit seiner Niedrigkeit kann der Mensch sehen. Anders aber „und den Hohen“: Wer sich für höher hält als die übrigen Menschen, der wird „und den Hohen aus der Ferne“ genannt, das heißt, er entfernt sich von der Heiligkeit.

Und mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Was bedeutet „Du sollst den Segen eines Laien nicht gering schätzen“? Die Auslegung ist: Wenn der Mensch fühlt, dass er ein Laie ist und nur ein wenig Berührung mit der Heiligkeit hat – was im Vergleich zur Vollkommenheit, die der Mensch erreichen soll, „Laie“ genannt wird –, dann gilt dennoch, wenn er einen Segen spricht und dem Schöpfer Dank gibt: „Du sollst es nicht gering schätzen.“ Vielmehr muss der Mensch dies so hoch achten, als hätte er ein riesiges Vermögen erlangt, und dem Schöpfer Dank und Segen geben, als hätte er die wahre Vollkommenheit erlangt.

korrOp, EY, 8.7.2026, Ver3