1989/03 Was ist der Unterschied zwischen dem Tor der Tränen und den anderen Toren?
Unsere Weisen sagten (Berachot 59), und dies sind ihre Worte: „Rabbi Elasar sagte: ‚Seit dem Tag, an dem der Tempel zerstört wurde, sind die Tore des Gebets verschlossen. Und obwohl die Tore des Gebets verschlossen sind, sind die Tore der Tränen nicht verschlossen.‘“ So weit ihre Worte. Dazu fragt man allgemein: Wenn die Tore der Tränen nicht verschlossen sind, wozu braucht man dann Tore, wenn sie nicht verschlossen werden?
Wir sehen: Wenn kleine Kinder weinen, weil sie sich etwas wünschen, oder wenn jemand sieht, wie Kinder spielen und ein Kind dem anderen etwas wegschnappt und das Kind weint, dann achten die Menschen, die an ihnen vorbeigehen, nicht darauf – denn alle wissen, dass die Kinder sich zwar jetzt miteinander streiten, sich danach aber wieder versöhnen werden. Auf das Weinen der Kinder achtet also niemand.
Anders ist es, wenn ein Mensch auf der Straße geht, und zwar ein Erwachsener, und man sieht, dass er weint. Wer an ihm vorbeigeht, wird aufmerksam und möchte den Grund seines Weinens erfahren; denn ein Erwachsener weint gewiss nicht über Albernheiten. Deshalb weckt das Weinen eines Erwachsenen Interesse: vielleicht kann man ihm helfen.
Und ebenso ist es in der spirituellen Arbeit. Es gibt Menschen, die die Tora und die Mizwot in allen ihren Einzelheiten und Feinheiten erfüllen und bei sich selbst denken, sie seien gottesfürchtig und vollkommen. Aber gewiss muss man erfüllen, was unsere Weisen sagten: „Sei sehr, sehr demütig im Geiste.“ Das bereitet ihnen viel Mühe, denn sie müssen bei sich selbst irgendeinen Mangel suchen, der ihnen erlaubt zu sagen, dass sie demütig sind.
Zum Beispiel hörte ich von einem Mann, der einen Tora-Gelehrten (Talmid Chacham) fragte, wie er sagen kann, dass er demütig ist und Verfehlungen hat, wo er doch bei sich selbst sieht, dass es auf der Welt nicht viele Tora-Gelehrte und nicht viele so gottesfürchtige Menschen wie ihn gibt. Demnach sagt er etwas Unwahres, wenn er behauptet, demütig zu sein. Und jener antwortete ihm, dass er den Weisen glaubt, die sagten: „Kein Mensch entrinnt dem Staub der üblen Nachrede.“ Deshalb hat er bereits einen Mangel. Daraus folgt: Ein Mensch wie er, der bei sich selbst weiß, dass er vollkommen ist, weint – wenn er denn weint – nur darum, dass der Schöpfer ihm Kraft gebe, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen – er weint nicht über das Wesentliche, dass der Schöpfer ihn der Tora und den Mizwot näherbringe, sondern es fehlt ihm nur eine Ergänzung zu dem, dass er im Grunde ein vollkommener Mensch ist. Und obwohl er bittere Tränen weint, schaut niemand auf sein Weinen, weil er über Überflüssiges weint.
Es zeigt sich also: Vor diesem Menschen befinden sich Tore der Tränen, und sie sind verschlossen und lassen sein Gebet nicht hindurch. Und der Grund ist wie in der Körperlichkeit: Über Überflüssiges weint niemand; geweint wird nur über das Notwendige.
Und das gleicht dem folgenden Gleichnis: Ein Mann kam aus dem Ausland in eine kleine Stadt oder in eine Siedlung. Und der Rat der Siedlung verlangte von ihm, sagen wir, zehntausend Dollar, damit man ihm einen Platz zum Wohnen in der Siedlung gebe. Und dieser Jude hatte die geforderte Summe nicht. Er ging zum Rabbiner und schüttete ihm sein ganzes Herz aus, und der Rabbiner versprach ihm, dass er am Shabbat (Sabbat) vor der Tora-Lesung zur Gemeinde sprechen werde, und das Volk Israel gibt gewiss, wenn man es bittet. Und so geschah es. Der Rabbiner erhob seine Stimme im Weinen: Da sei ein Mensch mit vielen Kindern aus Russland gekommen, und wie sehr habe dieser Mensch gelitten, und jetzt sei er ohne Wohnung und ohne Lebensunterhalt – und wir können diesen Menschen retten. Und das Weinen des Rabbiners machte Eindruck auf die Gemeinde, und sie gaben ihm die geforderte Summe.
Und ein halbes Jahr später kam der Rabbiner erneut vor der Tora-Lesung zur Gemeinde und begann wieder zu weinen und zu rufen: „Barmherzige Juden, ich brauche jetzt ebenfalls zehntausend Dollar, denn meine Frau, die Rabbinerin, war auf einer Hochzeit, und dort war auch eine Rabbinerin aus Amerika, die einen Ring mit einem Diamanten im Wert von zehntausend Dollar trug, und meine Frau will, dass ich ihr auch so etwas kaufe.“ Und der Rabbiner erhob seine Stimme im Weinen. Doch niemand aus der Gemeinde wollte für den Ring der Rabbinerin spenden. Und der Rabbiner begann noch mehr zu weinen, bis die Gemeinde über sein Weinen in Gelächter ausbrach. Und er hielt der Gemeinde vor: Warum hat jeder nach der Freigebigkeit seines Herzens gegeben, als ich kam, um Geld für einen einfachen Menschen zu sammeln? Und jetzt bitte ich um Geld für einen Talmid Chacham, und ich bin außerdem ein Rabbiner – wo ist da die Ehre der Tora, und warum helft ihr mir nicht?
Die Deutung des Gleichnisses lautet: Wenn ein Mensch weint und seine Tränen über das Notwendige sind, das heißt, wenn er zum Schöpfer schreit und weint, dass Er ihm helfe, ein einfacher Mensch zu sein – er will nicht einmal ein Tora-Gelehrter sein, sondern einfach ein gewöhnlicher Jude, der an den Schöpfer glaubt, damit er die Möglichkeit habe, „und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele“ zu erfüllen, und damit er nicht in Eigenliebe versunken sei, sondern ein einfacher Mensch sein will, das heißt, dass er immer ein Verlangen habe, den Schöpfer zu lieben und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten – und er sieht, dass er keinerlei Kraft hat, mit der er die Eigenliebe überwinden könnte, sondern alles, was er tut, geschieht zum eigenen Nutzen. Und wodurch wird er ein „Jude“ genannt, wo er doch nicht einmal das Shma-Lesen (das zentrale jüdische Glaubensbekenntnis) erfüllen kann, sondern, wenn er sagt: „und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, lieben“, sieht, wie weit er davon entfernt ist – und darüber weint er. Und er sieht bereits, dass er schon alles getan hat, um etwas Wahrhaftiges zu erlangen, und er war mit seinem Gebet bereits bei allen Toren, und er sieht, dass alle Tore verschlossen sind.
Dann beginnt er vor lauter Kummer zu weinen. Wenn diese Tränen zum Tor der Tränen kommen, sieht er, dass dieses Tor nicht verschlossen ist – und zwar deshalb, weil er nicht um Überflüssiges bittet, das heißt nicht um eine Ergänzung zu dem Besitz an Tora und Mizwot, den er bereits hat, sondern er bittet darum, ein einfacher Jude zu sein, der an den Schöpfer glaubt und Ihn liebt und nicht in Eigenliebe versunken ist; und zum Nutzen des Schöpfers ist er nicht fähig, irgendetwas zu tun. Also fühlt er, dass er einfach kein Jude ist.
Das heißt, er fragt sich selbst: Ich glaube an den Schöpfer, und Er ist sehr groß – und dennoch sehe ich, dass ich nicht fähig bin, auf den eigenen Nutzen zugunsten des Nutzens des Schöpfers zu verzichten. Also schreit und weint er einfach darüber, dass ihm der Glaube fehlt, wahrhaftig an den Schöpfer zu glauben und nicht nur mit den Lippen nach außen. Und das ist bei ihm so, als ob er irgendeine Beschwörung aufsagt, indem er den Glauben an den Schöpfer auf sich nimmt, in Wirklichkeit aber keine Ergriffenheit von dem hat, was er gesagt hat: „Hiermit nehme ich das Joch des Königtums des Himmels auf mich“; und er tut alles zum eigenen Nutzen, und zum Nutzen des Schöpfers hat er keinerlei Kraft. Über einen solchen Menschen sagte man: „Die Tore der Tränen sind nicht verschlossen“ – aus dem Grund, dass er um das Notwendige und nicht um Überflüssiges bittet, wie im obigen Gleichnis vom Rabbiner, dem Tora-Gelehrten, der darum bat, dass man ihm Geld für einen Diamanten für seine Frau, die Rabbinerin, gebe.
Daraus ergibt sich die Antwort auf unsere Frage. Die Weisen sagten, die Tore der Tränen seien nicht verschlossen; wir aber fragten: Wenn sie nicht verschlossen sind, wozu braucht man dann überhaupt ein Tor? Die Antwort lautet: Das Tor der Tränen ist vor jenen verschlossen, die über Überflüssiges weinen. Denn ihre Tränen gleichen den Tränen eines Kindes, das über Belanglosigkeiten weint, oder denen aus dem obigen Gleichnis vom Rabbiner. Anders ist es bei dem, der über das Notwendige weint, das heißt über Dinge, die jeden Menschen betreffen, der sieht, dass er zwischen Leben und Tod steht – weil er glaubt, was unsere Weisen sagten: „Die Frevler werden zu ihren Lebzeiten ‚tot‘ genannt“, denn sie haben keine Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer, sondern sind in Eigenliebe versunken, was als Trennung vom Leben des Lebens gilt; deshalb werden sie „tot“ genannt. Es zeigt sich also, dass er darüber weint, dass man ihm einfach Leben gebe. Und wer um Leben betet, weil er sich vor dem Tod fürchtet, weint gewiss aus der Tiefe des Herzens, und sein Gebet ist nicht bloßes Weinen.
Doch von außen kann der Mensch nicht unterscheiden, ob jemand über Belanglosigkeiten weint, wie die Kinder, oder wie im obigen Gleichnis vom Rabbiner. Oben jedoch weiß man, worum der Mensch bittet, um ihm sein Begehren zu erfüllen. Denn von oben gibt man keine überflüssigen Dinge, weil er das, was man ihm gibt, gewiss nicht bewahren würde und die Sitra Achra (die andere Seite) alles empfangen würde. Wenn der Mensch also sieht, dass sein Gebet nicht angenommen wurde, dann muss er überprüfen, worum er eigentlich bittet, und sehen, ob er wirklich der Barmherzigkeit des Himmels bedarf oder ob ihm nur überflüssige Dinge fehlen. Und der Mensch muss glauben, dass sein Gebet, wenn er es auf das Notwendige ausrichtet, dann angenommen wird, wie oben gesagt, dass „die Tore der Tränen nicht verschlossen sind“, wenn der Mensch darum bittet, dass man sein Leben rette und er nicht im Zustand „die Frevler werden ‚tot‘ genannt“ bleibe, sondern dass er die Anhaftung an den Schöpfer erlange.
In diesem Sinne legte mein Vater und Lehrer [Baal Sulam] schlicht aus, was geschrieben steht: „Die Tore des Gebets sind verschlossen, die Tore der Tränen sind nicht verschlossen.“ Die Auslegung lautet: Wann sind die Tore der Tränen nicht verschlossen? Wenn der Mensch bereits alle Tore durchschritten hat und sieht, dass alle vor ihm verschlossen sind, dann bricht in einem solchen Zustand aus der Tiefe seines Herzens jenes Weinen und jene Tränen hervor, die sich in ihm offenbarten, nachdem er sah, dass alle Tore verschlossen sind und er keinerlei Hoffnung hat, zur Annäherung an den Schöpfer zu gelangen. Diese Tränen bewirken, dass die Tore der Tränen nicht verschlossen sind.
Anders verhält es sich mit bloßen Tränen, bevor der Mensch sah, dass alle Tore verschlossen sind: Diese Tränen können am Tor der Tränen nicht angenommen werden. Deshalb ist ihm gegenüber das Tor der Tränen verschlossen, weil er noch keinen wahren Mangel hat, der ihn wünschen ließe, dass der Schöpfer ihn näherbringe; vielmehr denkt er, dass er sich auch aus eigener Kraft der Heiligkeit (Kedusha) nähern kann. Also ist sein Gebet nicht vollkommen; vollkommen wird es erst, wenn er wahrhaftig der Hilfe des Schöpfers bedarf.
Und mit dem Gesagten können wir auslegen, worum wir (im Neila-Gebet, dem Schlussgebet des Versöhnungstages) bitten: „Öffne uns ein Tor zur Stunde des Verschließens des Tores.“ Doch warum müssen wir gerade zur Stunde des Verschließens des Tores darum bitten, dass Er uns ein Tor öffne? Wir haben doch den ganzen Tag gebetet. Warum reicht das nicht, damit unsere Bitte angenommen wird? Stattdessen bitten wir, dass Er uns erst jetzt, zur Stunde des Verschließens des Tores, öffne – als ob wir erst jetzt beten könnten, während vorher unsere Gebete nicht ausgereicht hätten?
Die Erklärung lautet: Wir müssen zwei Arten von Gebeten beten:
1) Wenn der Mensch kommt, um zum Schöpfer um seine Bedürfnisse zu beten, weiß er noch nicht, was ihm fehlt, wie oben gesagt. Es kann sein, dass er bittere Tränen zum Schöpfer weint, dass sein Begehren angenommen werde, aber er betet um Belanglosigkeiten, wie oben im Gleichnis von den Kindern oder im Gleichnis vom Rabbiner, dem Tora-Gelehrten. Deshalb ist das erste Gebet des Menschen, dass der Schöpfer ihm mitteile, was ihm wahrhaftig fehlt, damit er wisse, worum er bitten soll.
Ebenso sagen wir an Rosh HaShana (Neujahr) und am Versöhnungstag im Mussaf-Gebet (Zusatzgebet): „Sei mit dem Mund der Gesandten Deines Volkes, des Hauses Israel, die dastehen, um Gebet und Flehen vor Dir für Dein Volk, das Haus Israel, zu erbitten. Lehre sie, was sie sagen sollen; lass sie verstehen, was sie sprechen sollen; antworte ihnen auf das, was sie fragen werden; lass sie wissen, wie sie Dich verherrlichen sollen.“
Bekanntlich ist jeder Mensch, wenn man vom Standpunkt der spirituellen Arbeit spricht, eine „kleine Welt“. Deshalb bedeutet „Dein Volk, das Haus Israel“ den Menschen selbst. „Der Gesandte Deines Volkes, des Hauses Israel“ bedeutet jenen, durch den der Mensch betet und bittet, dass der Schöpfer ihm helfe; der Betende wird „Gesandter“ für den Menschen selbst genannt, denn der Mensch selbst wird „Dein Volk, das Haus Israel“ genannt, wie oben gesagt. Und wir müssen beten, dass unser Gesandter weiß, worum er beten soll, weil der Mensch nicht weiß, was ihm wahrhaftig fehlt; vielmehr muss der Schöpfer dem Menschen mitteilen, was wesentlich und was nebensächlich ist. Das heißt, was „das Notwendige“ und was „das Überflüssige“ genannt wird, wie gesagt.
Deshalb ist es uns aufgegeben, für die Betenden zu beten: „Lehre sie, was sie sagen sollen; lass sie verstehen, was sie sprechen sollen; antworte ihnen auf das, was sie fragen werden.“ Und damit beten wir, dass der Schöpfer uns mitteile, worum wir beten sollen. Und zur Stunde des Verschließens des Tores glauben wir, dass wir dieses Wissen bereits haben – das heißt, dass wir verstehen, worum wir beten sollen: nämlich um das Wesentliche, das uns fehlt.
2) Dann beginnt die zweite Art des Gebets, bei der er wahre Tränen weint, das heißt über ein wahres Bedürfnis. Und darüber beten wir: „Öffne uns ein Tor zur Stunde des Verschließens des Tores.“ Zur Stunde des Verschließens des Tores glauben wir, dass wir das Wissen von oben bereits empfangen haben, worum wir beten sollen. Deshalb sagen wir: Verschließe das Tor nicht. Als ob wir erst jetzt, am Ende des Tages aller Gebete, um ein wahres Gebet bitten könnten.
Und damit lässt sich auslegen, was wir an Rosh HaShana und am Versöhnungstag sagen: „Und alle glauben, dass Er das Flüstern erhört, der ein Tor öffnet denen, die in Teshuwa (Umkehr) anklopfen.“ Und es ist zu verstehen: Warum muss man beten, dass das Tor geöffnet werde? Das Tor steht doch offen – wozu also muss man bitten, dass Er es uns öffne? Es gibt doch einen ganz einfachen Rat, nämlich Tränen über das Gebet zu weinen, das man betet. Und es ist bekannt, dass das Tor der Tränen nicht verschlossen ist; also gibt es für den Menschen den Rat zu weinen, und er muss nicht darum bitten, dass Er ihm den Gefallen tue, ihm das Tor zu öffnen. Warum also muss der Mensch daran glauben, wie geschrieben steht: „Und alle glauben, dass Er das Flüstern erhört, der ein Tor öffnet denen, die in Teshuwa anklopfen“? Er hat doch einen guten Rat: dass der Umkehrende Tränen weine, und dieses Tor ist nicht verschlossen.
Vielmehr ist es, wie oben gesagt: Der Mensch muss zuerst beten, dass er wisse, was ihm wahrhaftig fehlt. Und dann teilt man ihm von oben mit, dass ihm keine überflüssigen Dinge fehlen, sondern wie der heilige Sohar zum Vers „oder es wird ihm seine Sünde bekannt gemacht“ sagt, dass der Schöpfer ihm die Sünde mitteilt. Dann weiß er, worüber er Teshuwa tun muss, das heißt, sich zurückzuholen, was ihm fehlt.
Es zeigt sich also: Wenn der Mensch bereits weiß, dass er ein Frevler im Sinne von „die Frevler werden zu ihren Lebzeiten ‚tot‘ genannt“ ist, wenn er bereits zur Erkenntnis gelangt ist, dass er, weil er unter der Herrschaft des Verlangens zu empfangen steht, vom Leben des Lebens getrennt ist – darüber klopft er nun an und will Teshuwa tun. Das heißt, er will Hilfe, dass man ihm von oben gebe, dass er die Fähigkeit habe, aus der Eigenliebe herauszutreten, und dass er die Fähigkeit habe, den Schöpfer von ganzem Herzen zu lieben. Daraus folgt: Er fühlt, dass er ein Frevler ist, weil er sich selbst liebt, wo er doch den Schöpfer lieben müsste.
Sein Anklopfen ist uns demnach so zu verstehen: Er tut, was in seiner Macht steht, damit der Schöpfer ihn näherbringe und ihn aus der Herrschaft seines eigenen Bösen herausführe. Das nennt man „wahre Tränen“. Und das ist, wie oben gesagt, was wir auslegten: „Öffne uns ein Tor zur Stunde des Verschließens des Tores.“ Das heißt: Weil er sieht, dass alle Tore verschlossen sind, beginnt er anzuklopfen. Es zeigt sich also: Zur Stunde des Verschließens des Tores, das heißt, wenn er bereits gebetet hat und man ihm den Grund der Sünde mitgeteilt hat, dann beginnt er, die wahren Tränen zu weinen, das heißt, dass er dann einfach ein Jude sein will. Dann gilt sein Anklopfen ans Tor als Tränen. Und das ist „der ein Tor öffnet denen, die in Teshuwa anklopfen“.
korrOp, EY, 27.07.2026, 07:07 Uhr, Ver4