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1989/23 „Was bedeutet ‚Wenn er das bittere Kraut verschluckt, wird er nicht herauskommen‘ in der Arbeit?“

In Shaar HaKawanot (Tor der Absichten, Blatt 171) steht geschrieben, und dies sind seine Worte: „Und dies ist das Geheimnis des Maror (bitteres Kraut), das in der Gematria (Zahlenwert) ‚Tod‘ ergibt; es sind die Geheimnisse der Urteile in ihm, an die sich die Klipot (Schalen) klammern, die ‚Tod‘ genannt werden, und es wird versüßt, indem man das Leben herabzieht. Und das ist der Grund, weshalb man den bitteren Geschmack spüren muss; und wenn man es verschluckt, hat man seine Pflicht nicht erfüllt, denn durch das Zermahlen mit den Zähnen wird es versüßt, durch die zweiunddreißig Zähne.“ So weit seine Worte. In der Arbeit sind hier drei Fragen zu klären: Was ist das Maror, das ‚Tod‘ genannt wird? Was bedeutet es, dass das Maror durch das Kauen mit den zweiunddreißig Zähnen versüßt wird? Und warum spürt man den bitteren Geschmack nicht mehr, wenn man es verschluckt?

Um dies zu verstehen, muss man zunächst wissen, wozu man die Arbeit überhaupt braucht. Wir sehen ja sogar in der Körperlichkeit, dass kein Mensch etwas ohne Anstrengung erreicht. Und die Antwort darauf ist bekannt. Jeder Zweig will seiner Wurzel ähnlich werden. Unsere Wurzel aber, die uns mit Absicht erschaffen hat, hat das Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun – also zu geben. Deshalb empfindet das Geschöpf ein Unbehagen, wenn es der Empfangende ist und das Gute von einem anderen empfängt. Darum wurde uns die Arbeit gegeben. Wenn der Mensch Lohn als Gegenleistung für seine Arbeit empfängt, gibt es hier keine Scham mehr. Man sagt ja: Der Mensch ist nicht bereit, das Brot der Scham zu essen – hier aber gibt er für das Brot eine Arbeit als Gegenleistung. Und das erscheint wie ein Tausch, bei dem beide etwas geben: Der eine gibt Arbeit, und der andere gibt ihm Brot, also Geld und dergleichen.

Das aber ist in der Körperlichkeit gut zu verstehen, also zwischen Mensch und Mensch. Doch zwischen dem Menschen und dem Schöpfer – wie lässt sich sagen, dass der Mensch in Tora und Mizwot arbeitet und dass Er ihm dafür als Gegenleistung Lohn gibt? Die Weisen haben doch gesagt, dass man arbeiten soll, ohne eine Belohnung empfangen zu wollen. Worin besteht dann der Nutzen der Arbeit in Tora und Mizwot? In der Körperlichkeit verstehen wir freilich, dass man arbeiten muss, denn wo es Lohn ohne Arbeit gibt, herrscht Scham; wenn man also Lohn empfangen will, gibt es eine Korrektur für den Lohn: Der Mensch gibt eine Arbeit als Gegenleistung, damit der Lohn beim Empfang nicht zum Brot der Scham wird.

Deshalb verstehen wir, dass die Arbeit eine Korrektur für den Lohn ist. Anders aber ist es bei der Arbeit, bei der man nicht arbeitet, um Lohn zu empfangen: Wozu muss man da die Arbeit überhaupt leisten? Hier gibt es doch nichts zu korrigieren, da man keine Gegenleistung empfängt – wozu also brauche ich diese Arbeit? Und noch etwas ist an der Arbeit zu verstehen: In der Körperlichkeit verstehen wir, dass der Mensch arbeiten muss, weil die Arbeit, die der Mensch für einen anderen leistet, von diesem anderen gebraucht wird. Zum Beispiel braucht der Besitzer einer Bäckerei Arbeiter, sonst kann er nicht die Menge an Brot herstellen, die er braucht. Beim Schöpfer aber ist es nicht so: Hat Er etwa einen Mangel, sodass die Geschöpfe durch ihre Arbeit ergänzen müssten, was Ihm fehlt?

Die Frage stellt sich also in zwei Hinsichten:

Erstens: Die Arbeit wurde uns gegeben, damit es eine Möglichkeit gibt, Lohn als Gegenleistung für die Arbeit zu empfangen, wodurch die Scham korrigiert wird, sodass es nicht so ist, als äße man das Brot der Scham. Bei der Arbeit für den Schöpfer aber lässt sich das nicht sagen, da man arbeitet, ohne Lohn empfangen zu wollen.

Zweitens: Zwischen Mensch und Mensch lässt sich sagen, dass der andere seine Arbeit braucht. Doch zwischen dem Menschen und dem Schöpfer – wie lässt sich sagen, dass der Schöpfer die Arbeit des Menschen braucht?

Und die Antwort ist: In Wahrheit muss man fragen, warum die Weisen gesagt haben, dass man arbeiten soll, ohne eine Belohnung empfangen zu wollen. Die Arbeit wurde doch überhaupt erst eingerichtet, damit es kein Brot der Scham gibt; deshalb sehen wir, dass auch in der Körperlichkeit, also zwischen Mensch und Mensch, ebenso die Regel gilt, das Brot der Scham nicht zu essen, eben weil es beschämt. Warum also muss man beim Schöpfer ohne Lohn arbeiten? Die Arbeit korrigiert doch das Gute und den Genuss, sodass beim Empfang keine Scham mehr daran haftet, denn nun heißt das nicht mehr Geschenk oder Almosen, sondern das Gute und der Genuss haben jetzt einen neuen Namen erhalten, den man Lohn nennt. Demnach – warum soll man arbeiten, ohne eine Belohnung empfangen zu wollen?

Und die Antwort darauf wird im Buch Talmud Esser haSefirot (Teil 1, Blatt 16, Punkt 7) erklärt, wo er zu dem fragt, was die Weisen gesagt haben: dass man, um zu korrigieren, dass es kein Brot der Scham gibt, eine Korrektur vorgenommen wurde, indem Er diese Welt erschuf, sodass es hier die Möglichkeit einer Arbeit gibt, „denn sie empfangen ihren Lohn voll als Gegenleistung für ihre Mühe und werden vom Makel der Scham gerettet“. Und er fragt dort dazu, und dies sind seine Worte: „Und ihre Antwort ist sehr verwunderlich. Womit lässt sich das vergleichen? Mit einem Menschen, der zu seinem Nächsten sagt: Arbeite einen kleinen Augenblick mit mir, und als Gegenleistung dafür gebe ich dir alle Genüsse der Welt für alle Tage deines Lebens. Es gibt doch kein größeres unentgeltliches Geschenk als dieses, denn die Arbeit findet in dieser Welt statt, einer vergänglichen Welt, die im Vergleich zum Lohn und Genuss der ewigen Welt keinerlei Wert hat.“ Und dort (in Punkt 20) antwortet er: „Da es einen Unterschied der Form zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen gibt, was die Scham verursacht, wie oben gesagt, verwandeln sich durch die Beschäftigung mit Tora und Mizwot in der Absicht, ihrem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, die Empfangsgefäße der Seele in Gefäße des Gebens. Das heißt, von sich aus begehrte sie die erhabene Fülle nicht, sondern sie empfängt die Fülle, um ihrem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, der will, dass die Seelen Seine Fülle genießen.“

Mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Zwischen Mensch und Mensch verstehen wir wohl, dass die Arbeit, die der Mensch um des Lohnes willen leistet, dazu dient, dass der Mensch nicht das Brot der Scham isst, denn bekanntlich verursacht dies Scham, und durch die Arbeit wird der Makel der Scham korrigiert, da er ja Lohn als Gegenleistung für die Arbeit empfängt. Anders aber beim Schöpfer: Was ist da die Korrektur durch die Arbeit, wenn man arbeiten muss, ohne eine Belohnung empfangen zu wollen? Und ebenso haben wir gefragt: Zwischen Mensch und Mensch braucht der andere wohl die Arbeit des Menschen, wie oben gesagt; doch beim Schöpfer – wozu braucht der Schöpfer die Arbeit des Menschen? Hat Er etwa einen Mangel, sodass Er die Arbeit des Menschen braucht?

Vielmehr ist es, wie oben gesagt: Zwischen dem Menschen und dem Schöpfer lässt sich nicht sagen, dass die Arbeit den Empfang von Gutem und Genuss korrigiert, sodass kein Makel der Scham gespürt wird. Denn nur zwischen Mensch und Mensch ist es so, da derjenige, der Arbeit gibt, ihm nach seiner Arbeit bezahlt. Arbeit und Lohn gleichen also einem Tausch, bei dem beide etwas geben, und hier gibt es keine Scham mehr, da beide zugleich empfangen, also der eine die Arbeit empfängt und der andere den Lohn. Anders aber beim Schöpfer: Hier gibt es nichts Gleichwertiges, also nichts, wovon wir sagen könnten, dass der eine die Arbeit empfängt und der andere den Lohn. Und das aus zwei Gründen:

Erstens: Man kann nicht sagen, dass der Schöpfer Arbeit vom Menschen empfängt, da der Schöpfer keinen Mangel hat, sodass Er die Arbeit des Menschen brauchte.

Zweitens: Wie er dort im Talmud Esser haSefirot sagt, ist der Lohn, den der für den Schöpfer Arbeitende empfängt, der Arbeit nicht gleichwertig, wie oben gesagt; denn die Arbeit gleicht im Verhältnis zum Empfang des Lohnes einem Menschen, der einen Augenblick bei seinem Nächsten arbeitet und als Gegenleistung dafür den Lebensunterhalt für alle Tage seines Lebens erhält. Denn der für den Schöpfer Arbeitende arbeitet nur in dieser Welt und empfängt als Gegenleistung dafür Lohn in Ewigkeit – anders als zwischen Mensch und Mensch, wo dies nicht so ist.

Deshalb ist, wie es dort geschrieben steht, die Sache der Arbeit des Menschen in Tora und Mizwot nicht zum Zweck des Tausches da, wie bei der Arbeit zwischen Mensch und Mensch. Vielmehr besteht die Arbeit darin, dass der Mensch durch die Arbeit in Tora und Mizwot etwas Neues empfängt, nämlich eine zweite Natur. Das heißt: Statt der Natur, mit der er geboren wurde, dem Verlangen, für sich selbst zu empfangen, empfängt er Lohn als Gegenleistung für seine Arbeit, indem er sich mit Tora und Mizwot in der Absicht zu geben beschäftigt und überhaupt keinen Lohn empfangen will. Doch worin besteht der Lohn, den er für seine Arbeit in Tora und Mizwot zu erlangen erhofft? Darin, dass der Schöpfer ihm eine zweite Natur gibt, also Gefäße des Gebens. Statt der Gefäße des Verlangens zu empfangen in der Absicht zu empfangen, die er bis jetzt hatte, wird er jetzt neue Gefäße erlangen, die man Gefäße des Gebens nennt. Deshalb muss er bei der Arbeit in Tora und Mizwot darauf ausgerichtet sein, dass er sich in der Absicht zu geben beschäftigt. Das heißt, er muss die ganze Zeit während der Arbeit darauf ausgerichtet sein, welchen Lohn er erhofft, den der Schöpfer ihm als Gegenleistung für seine Arbeit in Tora und Mizwot gibt.

Und in dieser Absicht, dass man in der Absicht zu geben ausgerichtet ist, liegen zwei Dinge:

Erstens: dass er weiß, welchen Lohn er erhofft.

Zweitens: dass er einen Geschmack am Lohn kennt, er genießt diesen Lohn. Denn die Größe des Lohnes hängt von der Sehnsucht nach ihm ab. So wie es auch in der Körperlichkeit einen großen und einen kleinen Lohn gibt, der sich nach der Wichtigkeit der Sache bemisst. Denn es ist die Art der Welt, dass etwas, das in der Wirklichkeit selten ist und was die meisten Menschen nicht haben, also etwas, das schwer zu erlangen ist, in der Körperlichkeit „wichtig“ genannt wird.

Ebenso denkt jeder Mensch, es liege in seiner Macht, dahin zu gelangen, alle seine Handlungen um des Schöpfers willen zu tun, da dies ja nur eine Absicht ist, also während der Handlung darauf ausgerichtet zu sein, dass er die Arbeit um des Schöpfers willen leisten will; und der Mensch denkt, nur die Handlung sei schwer zu vollbringen, die Absicht aber sei etwas sehr Leichtes, das nur von seinem Willen abhängt, und wenn er will, dann kann er es. Anders aber ist es bei jenen Menschen, die anfangen, diesen Weg zu gehen, die wollen, dass ihre Handlungen um des Schöpfers willen geschehen: Je mehr dieser Mensch die Handlungen und die Absicht zu geben mehrt, desto mehr enthüllt sich ihm die Wahrheit, wie weit der Mensch von dieser Sache entfernt ist. Das heißt, es gibt in dieser Arbeit eine Segula (besondere Kraft), dass man ihm von oben die Wahrheit offenbart, wie wenig der Mensch mit den Handlungen des Gebens zu tun hat. Doch bevor der Mensch in die Arbeit des Gebens eintritt, gibt es eine Korrektur, dass man die Wahrheit nicht sehen kann, wie weit der Mensch von diesem Weg entfernt ist, da dies gegen die Natur ist.

Denn der Mensch wurde erschaffen, alles zum eigenen Nutzen zu tun, und damit er nicht in die Lage der Scham gerät, ist er gezwungen, alles zum Nutzen des Schöpfers zu tun und sein ganzes Eigensein zu annullieren – wie kann der Körper dem zustimmen? Und das ist es, was der heilige Sohar zu dem Vers „oder seine Sünde wird ihm kundgetan“ sagt: dass der Schöpfer ihm dieses Wissen kundtut. Das bedeutet: Wenn man von oben sieht, dass der Mensch das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, korrigieren will, tut man ihm die Wahrheit kund, wie weit der Mensch davon entfernt ist. Dann beginnt er zu sehen, dass nicht jeder Mensch zu diesem Lohn gelangen kann, und er beginnt, die Wichtigkeit der Sache zu sehen.

Erst dann beginnt er zu sehen, wie dieser Lohn, der Gefäße des Gebens genannt wird, schwer zu erlangen ist, sodass nur der Schöpfer ihm diese Gefäße geben kann. Sein Lohn gewinnt für ihn also den Rang des Wichtigen, da dies etwas in der Wirklichkeit Seltenes ist, das nicht jeder erreichen kann.

Mit dem Gesagten sehen wir die Wichtigkeit dieses Lohnes, nämlich Gefäße des Gebens zu erlangen, deren Wichtigkeit man nicht verstehen kann, bevor der Mensch sieht, wie schwer dies zu erlangen ist. Und wenn er die Gefäße des Gebens erlangt, sieht er dann, wie er einen sehr großen Lohn erlangt hat, der eine in der Wirklichkeit so seltene Sache ist; denn es liegt nicht in seiner Macht, etwas so Großes aus eigener Kraft zu erlangen, sondern nur der Schöpfer Selbst kann ihm diese Gefäße als Geschenk geben.

Wenn sie also gesagt haben, dass es verboten ist, in der Absicht zu arbeiten, eine Belohnung zu empfangen, so ist das deshalb, weil er, wenn er Lohn als Gegenleistung für die Arbeit will, geradezu vor dem wahren Lohn flieht. Damit verstehen wir, wozu man arbeiten muss. Der Schöpfer braucht doch unsere Arbeit nicht, dass wir Ihm in irgendetwas helfen. Und die Antwort ist: Diese Arbeit ist nur für uns. Das heißt, durch die Arbeit gelangen wir dazu, die Wichtigkeit des Lohnes zu erlangen, und das ist nicht einfach irgendeine Wichtigkeit, sondern es ist etwas, das wir durch die Arbeit erlangen, wobei die Wichtigkeit daher rührt, dass dies unser ganzes Leben ist. Denn ohne Anhaftung an den Schöpfer sind wir von Ihm entfernt, und all das Gute und der Genuss, die der Schöpfer erschaffen hat, um Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, hängen davon ab, also davon, dass wir eine Angleichung an das Licht haben.

Und wie der heilige ARI sagt, war der Grund für das Zerbrechen der Gefäße der, dass die Gefäße das Licht nicht ertragen konnten; deshalb zogen sich die Lichter zurück, und die Gefäße zerbrachen. Das bedeutet: Da es ein umgekehrtes Verhältnis gibt zwischen dem Licht, das der Gebende ist, und dem Gefäß, das der Empfangende ist, wurde, damit zwischen ihnen eine Angleichung entsteht, eine Korrektur vorgenommen, dass der Empfangende nicht aus dem Grund des eigenen Nutzens empfängt, sondern aus dem Grund, dass er das Verlangen des Schöpfers erfüllen will, der Seinen Geschöpfen Gutes tun will, und nur aus diesem Grund empfängt er das Gute. Das nennt man Angleichung, denn nun sind beide gleich, da beide Gebende genannt werden. Das heißt: So wie das Licht der Gebende ist, indem es dem Gefäß gibt, so empfängt auch das Gefäß nur aus dem Grund, dass es dem Gebenden geben will.

Mit dem Gesagten verstehen wir, was mein Vater und Lehrer [Baal Sulam] zu dem gesagt hat, was Moses vom Schöpfer erbat (Wochenabschnitt Ki Tissa, vierter Abschnitt): „Und er sprach: Lass mich doch Deine Herrlichkeit sehen. Und der Schöpfer sprach: Siehe, es ist ein Ort bei Mir.“

Er fragte: Was bedeutet „es ist ein Ort bei Mir“? Und er antwortete: „Iti“ (bei Mir) ist ein Akronym für Emuna (Glaube), Tefilla (Gebet) und Jegia (Mühe). Das heißt, dies ist der Ort, durch den man dahin kommen und die Herrlichkeit des Schöpfers erlangen kann; und die Herrlichkeit des Schöpfers kann man auslegen, wie wir beten (im Achtzehngebet von Rosh HaShana): „Und so gib Herrlichkeit Deinem Volk“, was bedeutet, dass die Herrlichkeit des Schöpfers innerhalb des Volkes Israel offenbart wird, sodass jeder Einzelne die Größe des Schöpfers in einem solchen Maß spürt, dass der Mensch keinerlei Sorgen hat, sondern nur, wie er irgendein Wohlgefallen für den Schöpfer bereiten kann, und nichts anderes interessiert ihn. Anders aber, wenn es umgekehrt ist, also wenn „die Shechina im Staub ist“, wenn die Größe des Schöpfers verborgen ist und man die Wichtigkeit der Mizwa nicht sieht und nicht spürt, die Er uns geboten hat – nämlich Tora und Mizwot zu halten – und das nicht aus dem Grund, dass Er unsere Arbeit braucht, sondern weil Er uns würdigen wollte, gab Er uns das Halten von Tora und Mizwot, wie die Weisen gesagt haben: „Der Schöpfer wollte Israel würdigen, deshalb mehrte Er ihnen Tora und Mizwot“, wie es im Buch „Pticha le-Chochmat haKabbala“ (Einführung in die Weisheit der Kabbala) zu Beginn geschrieben steht. Um also zur Herrlichkeit des Schöpfers zu gelangen – darum ging es bei dem, was er sagte: „Lass mich Deine Herrlichkeit sehen“. Obwohl es dazu viele Auslegungen gibt, muss man den Vers im Sinne der spirituellen Arbeit so auslegen: dass „lass mich Deine Herrlichkeit sehen“ bedeutet, dass die Herrlichkeit des Schöpfers offenbart wird.

Und die Reihenfolge des Ortes – Aleph, Taw, Jud – lässt sich so auslegen: Zunächst muss man die Eigenschaft des Glaubens auf sich nehmen und glauben, dass jeder Einzelne dahin gelangen kann, die Eigenschaft der Herrlichkeit des Schöpfers zu erlangen, wie oben gesagt. Und wenn er daran glaubt, muss er wissen, warum die Herrlichkeit des Schöpfers nicht offenbart ist, noch bevor er mit der Arbeit begonnen hat, sondern nur die Verborgenheit offenbart ist; vielmehr muss er den Worten der Weisen glauben, dass dies eine Korrektur ist, damit der Mensch die Fähigkeit hat, die Eigenschaft der Angleichung der Form zu erlangen, die als Eigenschaft des Gebenden für den Schöpfer und nicht zum eigenen Nutzen bezeichnet wird. Zu dem Glauben, den er auf sich nehmen muss, gehört deshalb ebenso: Er muss glauben, dass es unmöglich ist, die Herrlichkeit des Schöpfers zu erlangen, also dass die Verhüllung und Verborgenheit von ihm weicht, wenn er nicht die Eigenschaft der „Ehrfurcht vor dem Himmel“ erlangt hat. Und Ehrfurcht bedeutet, wie geschrieben steht (in der „Einführung in das Buch Sohar“, Blatt 138): „Das heißt, er kann keinen Glauben haben, bevor er die Angleichung der Form hat.“ Und damit er die Angleichung der Form hat, muss er sich bemühen, dass er bei allem, was er tut, Ehrfurcht hat, wie geschrieben steht (ebenda, Blatt 191), und dies sind seine Worte: „Ehrfurcht ist es, dass er sich fürchtet, er könnte beim Bereiten von Wohlgefallen für seinen Schöpfer nachlassen.“

Der Mensch tritt also mit dem Glauben in die Arbeit ein. Doch der Körper widersetzt sich dieser Arbeit; dann kommt ein Zustand der Mühe, das heißt, dass er den Körper überwinden und zu allerlei Ratschlägen greifen muss, wie die Weisen gesagt haben: „Mit Kriegslisten sollst du deinen Krieg führen“, da der Körper nicht auf den eigenen Nutzen verzichten will. In dem Maß, in dem er sich müht, beginnt er zu spüren, dass es nicht in seiner Macht liegt, irgendetwas zu tun; denn er selbst hat nach seiner Ansicht bereits alles getan, was in seiner Macht zu tun stand, und gelangt nach der Mühe zu dem Wissen, dass nur der Schöpfer helfen kann und dass es nicht in seiner eigenen Macht liegt. Dann kommt der dritte Zustand, das Gebet, und dann kommt das Gebet aus der Tiefe des Herzens, denn nun weiß er mit voller Klarheit, dass es niemanden gibt, der ihm hilft, außer dem Schöpfer.

Doch selbst wenn er zu dem Wissen gelangt, dass der Schöpfer ihm helfen kann, und versteht, dass der wahre Rat nur das Gebet ist, kommt der Körper und gibt ihm zu verstehen: Du siehst doch, wie viele Gebete du schon verrichtet hast und keinerlei Antwort von oben empfangen hast; warum also solltest du beten, dass der Schöpfer dir hilft? Du siehst doch, dass du keinerlei Hilfe von oben empfängst. Dann liegt es nicht in seiner Macht zu beten; dazu braucht es noch einmal eine Überwindung, diesmal mit dem Glauben, und er muss glauben, dass der Schöpfer wirklich das Gebet jedes Mundes hört, und es ist nicht wichtig, ob der Mensch fähig ist und gute Eigenschaften hat oder umgekehrt; vielmehr muss er sich überwinden und über dem Verstand glauben. Sein Verstand drängt ihm nämlich auf: Du hast viele Male gebetet und noch nichts von oben empfangen – wie kannst du da noch einmal gehen und beten? Auch dazu braucht es eine Überwindung: über dem Verstand Mühe aufzuwenden und zu beten, dass der Schöpfer ihm hilft, seinen Verstand zu überwinden und dennoch zu beten.

Demnach zeigt sich: Obwohl Glaube, Gebet und Mühe drei Dinge sind, die nacheinander in Geltung stehen, und in Wahrheit auch wirklich drei sind, sind sie dennoch ineinander enthalten. Das heißt, bei jedem Ding arbeitet er mit allen dreien zugleich, wie oben gesagt. Also obwohl man mit der Eigenschaft des Glaubens beginnt, sind doch im Glauben alle übrigen Eigenschaften enthalten. Denn wenn er beginnt, sich zu überwinden, muss er den Glauben an die Weisen aufbringen, die gesagt haben, dass der Mensch sagen muss: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Das heißt, der Mensch muss arbeiten und aus eigener Kraft zum Ziel gelangen; und wenn er sieht, dass er sich nicht überwinden und sich mühen kann, muss er glauben, dass das Gebet hilft, wie geschrieben steht: „Denn Du hörst das Gebet jedes Mundes“, obwohl er keinerlei Veränderung sieht dadurch, dass er zum Schöpfer gebetet hat, dass Er ihm hilft. Es gibt also auch hier die Sache des über dem Verstand. Doch die allgemeine Reihenfolge ist, dass man mit Aleph, Taw, Jud beginnt: Glaube, danach Mühe, danach Gebet.

Die Hauptsache ist also der Glaube, denn ihn muss man bei allen Handlungen anwenden, die der Mensch tut, wie oben gesagt. Das heißt, die Grundlage aller Gefäße, mit denen der Mensch arbeitet, ist der Glaube; deshalb wird das Licht, das offenbart wird, „Licht des Glaubens“ genannt, nach dem Gefäß. Denn dieses Gefäß ist auf der Grundlage des Glaubens an die Weisen und des Glaubens an den Schöpfer gebaut, wie geschrieben steht: „Und sie glaubten an den Schöpfer und an Moses, Seinen Knecht.“

Mit dem Gesagten verstehen wir, was die Weisen gesagt haben: „Wenn er das Maror verschluckt, hat er seine Pflicht nicht erfüllt.“ Und der heilige ARI sagte, dass Maror in der Gematria ‚Tod‘ ergibt. Was deutet er uns damit an, dass Maror in der Gematria ‚Tod‘ ergibt und dass es die Urteile in ihm sind, an die sich die Klipot klammern? Man kann es so auslegen, wie wir sagen (in der Haggada von Pessach): „Dieses Maror, das wir essen – weshalb? Weil die Ägypter das Leben der Kinder Israels bitter machten und ihr Leben durch harte Arbeit verbitterten.“

Die harte Arbeit bestand in Folgendem: Das Volk Israel wollte aus der Herrschaft der Ägypter herauskommen, die Selbstliebe genannt wird; jedes Mal, wenn sie sich überwanden, etwas in der Absicht zu geben zu tun, kamen ihnen sofort die Gedanken der Ägypter, die die Frage des Bösen stellten: Wozu dient euch diese Arbeit, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten? Und sooft sie sich überwanden, kamen sofort die Fragen der Ägypter. Und das nennt man „harte Arbeit“, da es schwer war, aus ihrer Herrschaft herauszukommen, denn die Ägypter verbitterten ihr Leben.

Und dazu sagt der heilige ARI, dass Maror in der Gematria ‚Tod‘ ergibt, Die Ägypter wollten sie nämlich nicht aus ihrer Herrschaft herauslassen, sondern sie sollten so bleiben, wie jene es wollen – wie die Frage des Bösen es nahelegt –, also in der Eigenschaft der Bösen bleiben, die zu ihren Lebzeiten als tot gelten. Das ist also nicht einfach Maror, sondern wirklich die Eigenschaft des Todes. Wenn geschrieben steht „und sie verbitterten“, bedeutet das demnach: Sie wollten, dass das Volk Israel in der Eigenschaft der Toten bleibt.

Demnach gilt: Bei der harten Arbeit schmeckten sie den Geschmack des Maror – das heißt den Geschmack des Todes, weil sie zum eigenen Nutzen arbeiteten. Und das ist es, was er sagt, dass Maror die Eigenschaft des Todes ist und Urteile, an die sich die Klipot klammern. Die Urteile bedeuten bekanntlich, dass ein Urteil erging: Die Empfangsgefäße dürfen nicht gebraucht werden. Und alle Nahrung der Klipot kommt aus den Empfangsgefäßen, die in der Absicht zu empfangen empfangen wollen. Und wenn der Mensch sich in der Eigenschaft des Empfangens befindet, dann ist er in einem Zustand der Verhüllung und Verborgenheit gegenüber dem Spirituellen.

Seine Korrektur liegt in dem, was geschrieben steht: „Und das ist der Grund, weshalb man den bitteren Geschmack spüren muss; und wenn man es verschluckt, hat man seine Pflicht nicht erfüllt, denn durch das Zermahlen mit den Zähnen wird es versüßt, durch die zweiunddreißig Zähne.“ Auszulegen ist das so: Bekanntlich deuten die zweiunddreißig Zähne auf die zweiunddreißig Pfade der Weisheit hin. Das heißt, gerade dadurch, dass der Mensch in einen Zustand des Aufstiegs gelangt, der als ein Zustand des Lebens und der Weisheit bezeichnet wird, muss er dann das Maror kauen, damit er den bitteren Geschmack spürt; denn nur zur Zeit des Aufstiegs kann man spüren, was Maror ist, das heißt, welches der Geschmack des Abstiegs ist, und das ist wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis. Das heißt, man kann den wahren Geschmack am Leben und am Licht nicht schmecken, wenn man nicht den Geschmack des Todes und der Finsternis kennt. Das Maror wird also durch den Aufstieg versüßt, denn nur durch die Finsternis, die ein Abstieg ist, spürt er einen Geschmack am Licht. Die Finsternis hat nun also eine Korrektur erhalten, und das ist es, was geschrieben steht: und es wird versüßt, indem man das Leben herabzieht.

korrOp, EY, 28.07.2026, 07:15 Uhr, Ver3