1989/40 Was ist „Jeden Tag werden sie wie neu in deinen Augen sein“ in der Arbeit?
Über den Vers „An diesem Tag gebietet dir der Schöpfer, dein Gott, diese Gesetze und Rechtsbestimmungen zu tun; und du sollst darauf achten, sie zu erfüllen, von ganzem Herzen und von ganzer Seele“ legten unsere Weisen aus (Rashi, dritter Abschnitt zu Tawo, in Jitro 13,10): „An jedem Tag werden sie wie neu in deinen Augen sein, als hättest du sie heute am Berg Sinai empfangen, als wären sie dir an eben diesem Tag geboten worden.“
Man muss verstehen, was uns dieses „als wären sie dir heute geboten worden“ hinzufügt. Warum reicht es nicht einfach so, wie es am Berg Sinai war, als sie damals die Tora empfingen, sondern wir müssen auf uns nehmen „als wären sie dir heute geboten worden“. Was fügt uns das in der Arbeit hinzu?
In „Shaar haKawanot“ (Teil 2, Blatt 9) heißt es nämlich: „Was die Lesung des Shma und das Gebet betrifft, die man täglich immer dreimal betet – abends, morgens und mittags, an Wochentagen und am Shabbat (Sabbat) und an einem Festtag: Wisse, dass es einen Unterschied und einen großen Unterschied gibt zwischen den Gebeten der Wochentage und dem Gebet des Shabbat und des Monatsanfangs und dem Gebet des Festtags und der Zwischenfesttage. Und nicht nur das, sondern selbst an den Festtagen selbst ist das Gebet des Pessach-Festes nicht gleich dem Gebet des Shawuot-Festes. Und nicht nur das, sondern selbst an den Wochentagen gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Gebet des einen Tages und dem Gebet des Tages danach. Und es gibt kein einziges Gebet, vom Tag der Erschaffung der Welt bis zum Ende der Welt, das einem anderen gleicht. Und kein Mensch gleicht dem anderen, und der eine korrigiert, was der andere nicht korrigiert. Denn der Zweck des Gebots des Gebets ist es, die Aussonderungen der sieben Könige von Edom vorzunehmen, die gestorben sind. Und an jedem einzelnen Tag und in jedem einzelnen Gebet werden die Aussonderungen neuer Funken ausgesondert.“
Um die Angelegenheit des Zerbrechens zu verstehen, das bei den sieben Königen von Edom geschah, die wir durch Tora, Mizwot und Gebet aussondern müssen, müssen wir uns an zwei uns bekannte Dinge erinnern:
erstens das Schöpfungsziel,
zweitens die Korrektur der Schöpfung.
Das Schöpfungsziel ist es, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, das heißt, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen. Und die Korrektur der Schöpfung besteht darin, dass sie in dem Augenblick, in dem sie das Gute und den Genuss empfangen, nicht die Angelegenheit der Scham empfinden, die aus dem Unterschied der Form rührt, der zwischen dem Empfangenden und dem Gebenden besteht. Und der Ratschlag ist, dass eine Korrektur vorgenommen wird, durch die das Licht beim „Empfangen für sich selbst“ schon nicht mehr leuchtet. Wenn der Mensch daher in Gefäße der Selbstaufnahme versenkt ist, ruht auf ihm die Eigenschaft von Verhüllung und Verbergung, und er ist nicht fähig, die Bedeutung der Heiligkeit (Kedusha) zu empfinden, denn die Heiligkeit ruht gerade an dem Ort, wo man seinem Schöpfer Wohlgefallen geben will.
Doch zuvor, das heißt, solange er die Gefäße des Gebens noch nicht erlangt hat – denn nur in diesen Gefäßen ruht das höhere Licht –, muss der Mensch alles im Glauben annehmen: an den Schöpfer zu glauben, dass Er die Welt mit der Eigenschaft des Guten und des Gutes Tuenden lenkt; an die Größe des Schöpfers zu glauben, „weil Er groß ist und herrscht“; und zu glauben, dass es ein großes Vorrecht ist, einem großen König zu dienen. Diese Angelegenheit, zu sagen, dass es ein großes Vorrecht ist, bedeutet nicht, es mit dem Mund zu sagen, sondern der Mensch muss eine große Freude daran empfinden, dass er einem großen König dient. Wann aber kann der Mensch sagen, dass er einem großen König dient? Das ist dann, wenn er eine große Freude hat. Und wenn er noch keine Freude daran empfindet, dass er dem König dient, ist das ein Zeichen, dass er noch nicht zu einer Stufe gelangt ist, auf der er glaubt, dass er einem großen König dient.
Wir müssen dem glauben, was geschrieben steht: „Und Sein Königtum herrscht über alles.“ Mein Vater und Lehrer sagte, dass es keine andere Kraft in der Welt gibt, sondern dass Er allein alle Werke wirkt und wirken wird. Und die Heiligkeit belebt die Klipot (Schalen). Denn die Klipot haben keine Lebenskraft außer dem, was die Heiligkeit ihnen gibt. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und Du belebst sie alle.“ Und die Bedeutung von „Und Sein Königtum herrscht über alles“ ist, dass Malchut von Azilut ihnen Leben gibt, sonst könnten sie nicht bestehen.
Demnach ergibt sich, was wir lernen: dass der Schöpfer das Verlangen zu empfangen erschuf, damit es Genuss empfange, und es muss Genuss und Freude empfangen, sonst hat es kein Existenzrecht in der Welt. Denn obwohl eine Einschränkung und Verbergung über das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, vorgenommen wurde, sodass das Gute und der Genuss nicht dorthin gelangen, empfängt es dennoch eine geringe Lebenskraft, damit dieses Verlangen bestehen bleibe – denn würde es annulliert, gäbe es nichts zu korrigieren – und damit es nicht annulliert werde. Und diese Lebenskraft, die sie empfangen, kommt aus der Kraft des Zerbrechens der Gefäße, als heilige Funken in die Klipot fielen, damit sie Lebenskraft empfangen und nicht annulliert werden.
Aus dem Gesagten folgt, dass man ohne Genuss nicht leben kann. Doch solange der Mensch das Joch des Königtums des Himmels noch nicht auf sich genommen hat, empfängt dieser Mensch seine Lebenskraft nur vom Schöpfer. Aber der Mensch hat nicht den Glauben an den Schöpfer, dass er sagen würde, der Schöpfer gebe ihm das Leben. Daher sagt der Mensch, dass er das Leben aus der Natur hat. Und wir müssen sagen, dass die Wahrheit ist: Der Schöpfer verbirgt Sich in diesen Kleidern gegenüber den Weltlichen. Aber sie glauben nicht daran, das heißt, dass der Schöpfer Sich gegenüber diesem Menschen verbirgt, sodass der Mensch nicht glauben kann, dass der Schöpfer der Gebende ist. Vielmehr verbarg der Schöpfer Sich in einem Kleid der Trennung. Daher kommt der Genuss des Schöpfers zum Menschen in Kleider gehüllt, und in diesen Kleidern ist der Genuss verhüllt.
Dies gleicht dem, was wir sehen: Es gibt die Nahrung des Menschen, der sich hinsetzt und eine Mahlzeit aus Fleisch und Fisch und dergleichen isst. Daran erfreut sich der Mensch. Was an Abfall von der Nahrung übrig bleibt, wirft er in den Mülleimer für die Katzen, damit sie diesen Abfall fressen. Und gewiss erfreuen sich die Katzen an dem Abfall; wir sehen, dass sie volle Befriedigung an der Nahrung haben, die sie im Müll finden. Daher sehen wir, dass die Hunde und die Hühner und dergleichen, sie alle sich an der Nahrung erfreuen. Doch es gibt einen Unterschied: Die Freude des Menschen kommt nicht aus dem Abfall, während ihnen sehr wohl die Nahrung aus dem Abfall genügt.
Ebenso ist es in der Arbeit für den Schöpfer. Es gibt Menschen, die sich am Abfall erfreuen, das heißt an den Klipot, an dem feinen Licht, das die Heiligkeit ihnen gibt, und daraus haben sie volle Befriedigung. Es gibt aber auch Menschen, deren Freude das ist, was sie wie die ganze Allgemeinheit empfangen, die zur Eigenschaft des Abfalls der Heiligkeit gehören. Doch diese Nahrung befriedigt sie nicht, weil sie einen inneren Drang haben, durch den sie empfinden, dass es sich nicht lohnt, geboren zu werden und Freude aus dem Abfall zu empfangen.
Sie empfinden, dass es nicht sein kann, dass dieselbe Nahrung, die den Lebewesen gegeben wird, das heißt dem Vieh und den Tieren und dem Geflügel und dergleichen, dass diese die Nahrung für die Menschen sein soll, die die Eigenschaft des Sprechenden tragen, sodass er den Lebewesen gliche und sich der Sprechende von ebendem ernährte, wovon sich die Lebewesen ernähren. Dieses Empfinden lässt ihnen keine Ruhe, und sie beginnen, einen anderen Ort der Versorgung zu suchen, von dem sie sagen können, dass es sich dafür lohnt, geboren zu werden und sich am Leben zu erfreuen.
Dies bringt sie dazu, das Spirituelle zu suchen, und führt dazu, dass sie das Joch des Königtums des Himmels und das Joch von Tora und Mizwot auf sich nehmen. Auch hier, nachdem sie das Joch von Tora und Mizwot auf sich genommen haben, gibt es unter ihnen solche, die Befriedigung aus der Eigenschaft des lo liShma empfangen, das heißt aus einer Arbeit, die nicht um ihretwillen geschieht. Wie der Rambam sagt, dass man sie zunächst lehrt, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, um Lohn zu empfangen. Und so muss es sein, dass sie die Ordnung ihrer Arbeit nicht ändern, sondern „bis ihr Verstand sich mehrt und sie zu zusätzlicher Weisheit gelangen, weiht man sie nach und nach in dieses Geheimnis ein“.
Es stellt sich die Frage: Woher wissen wir, dass sie sich in der Eigenschaft „bis ihr Verstand sich mehrt“ befinden? Die Antwort ist dieselbe wie zuvor: dass er einen inneren Drang empfängt und empfindet, dass man nicht sagen kann, dies ist das, was geschrieben steht: „Denn es ist eure Weisheit und euer Verstand in den Augen der Völker.“ Dann sieht man, dass sich sein Verstand schon gemehrt hat. Und es ist bei ihm schon so, wie der Rambam sagt: „und sie gelangen zu zusätzlicher Weisheit“. Er ist also weise geworden, denn er begann zu empfinden, dass es auch eine Eigenschaft der Innerlichkeit in Tora und Mizwot gibt.
„Dann weiht man ihn in dieses Geheimnis ein.“ Man muss also auch an der Absicht arbeiten: Der Mensch muss sich bemühen, dass alle seine Handlungen darauf gerichtet sind, zu geben. Dann gelangt der Mensch zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer. Und dann erlangt der Mensch das Gute und den Genuss des Schöpfungsziels. Und dann ernährt sich der Mensch von der Nahrung, die der Nahrung des Menschen entspricht, und nicht von der Eigenschaft des Abfalls, den die Heiligkeit den Klipot zuwirft, damit sie etwas haben, wovon sie sich versorgen.
Aber das ist nur „ein feines Licht“ für ihren Bestand, das heißt, damit sie nicht aus der Welt annulliert werden. Denn wenn das Verlangen zu empfangen aus der Welt annulliert würde, gäbe es niemanden zu korrigieren. Und wie wir lernen, dass der Kern der Schöpfung das Verlangen zu empfangen ist, und das ist der ganze Stoff der Schöpfung, doch daneben steht, wie schon erwähnt, die Korrektur der Schöpfung. Die Schöpfung wird „Verlangen zu empfangen“ genannt, und diese Eigenschaft wurde aus der Kraft des Schöpfungsziels erschaffen: Das Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, erschuf aus dem Nichts ein Verlangen zu empfangen.
Die Korrektur der Schöpfung besteht darin, dass man auf es die Absicht legt, zu geben. Dann ist der Mensch geeignet, das Gute und den Genuss zu empfangen. Und dann, dadurch dass man die Anhaftung erlangt, die eine Angleichung der Form ist, gelangt man zur Stufe „Denn es ist eure Weisheit und euer Verstand in den Augen der Völker“. Nur wenn man aus der Herrschaft der Völker heraustritt, die „Herrschaft der Vielen“ genannt wird, und zur Herrschaft des Einzelnen gelangt, in der der Mensch nichts außer der Herrschaft des Schöpfers hat, dann erlangt man das Licht von Chochma und Bina.
Doch obwohl der Mensch schon einen inneren Drang empfangen hat, dass er arbeiten will, um zu geben, und nicht bloß in der Eigenschaft der Handlung, um Lohn zu empfangen, und der Verstand gebietet, dass der Mensch vorwärtsgehen muss und jeder Tag stärker sein müsste als der Tag von gestern – tatsächlich beginnt hier eine neue Ordnung, die wirklich gegen den Verstand ist. Das heißt, hier beginnt eine Ordnung von Aufstiegen und Abstiegen. Sodass der Mensch manchmal sagt: „Die ersten Tage waren besser als diese.“
An einem einzigen Tag kann es mehrere Aufstiege und Abstiege geben, oder in einer einzigen Woche mehrere Aufstiege und Abstiege. So sehr, dass der Mensch viele Male in Verzweiflung gerät und sagt, er sieht nicht, dass es jemals eine Möglichkeit geben wird, dass es in seiner Macht steht, aus der Herrschaft des Bösen herauszutreten, und dass er nur gezwungen ist, dem Verlangen zu empfangen unterworfen zu sein. Und bei der Hauptarbeit in Tora und Mizwot ist er schon zu der Erkenntnis gelangt, dass die bloße Handlung nicht so wichtig ist, denn die hauptsächliche Bedeutung der Erfüllung von Tora und Mizwot liegt darin, dass sie um des Himmels willen geschieht. Dadurch nämlich, dass er zur Erkenntnis gelangt, dass es vor allem darum geht, um des Himmels willen zu arbeiten, bewirkte dieses Wissen bei ihm, dass er die Eigenschaft der Geringschätzung empfängt, das heißt, dass es unwichtig ist, in der Eigenschaft der Handlung ohne Absicht zu arbeiten.
Obwohl er weiß, was unsere Weisen gesagt haben: „Immer lerne der Mensch lo liShma, denn aus dem lo liShma gelangt man zu liShma“, lässt das Böse im Menschen ihn verstehen: Das ist richtig, das ist wichtig, weil man aus dem lo liShma zu liShma gelangt; aber bei dir – so sagt ihm das Böse im Menschen – siehst du doch, dass du nicht fähig bist, zu liShma zu gelangen, und das siehst du an dir selbst.
Zuerst lässt das Böse in ihm ihn verstehen, dass er verzweifeln muss daran, zu einer Stufe zu gelangen, auf der es in seiner Hand liegt, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Und nachdem es ihm Gedanken der Verzweiflung gegeben hat, sagt es ihm: Nun, da du schon zu dem Wissen gelangt bist, dass es vor allem um des Himmels willen geht, verstehst du von selbst, dass das, was nicht um des Himmels willen ist, keinen Wert hat. Daher lässt es ihn verstehen, dass man nicht so viel Kraft aufwenden muss, um alle Handlungen zu erfüllen; du weißt doch schon selbst, dass das lo liShma nicht so wichtig ist. Daher kannst du es bei der Tora und beim Gebet und dergleichen leichter nehmen.
So gleitet der Mensch während des Abstiegs immer weiter ab, gemäß dem, was sein Verstand ihn verstehen lässt. Und der Mensch ist, wenn er sich im Zustand des Abstiegs mit all seiner Niedrigkeit befindet, noch überheblich. Und er sagt: Diese Menschen, von denen ich sehe, dass sie Tora und Mizwot mit aller Genauigkeit einhalten – obwohl ich sehe, dass sie es nicht um des Himmels willen tun –, ihnen kann ich nicht gleichen.
Dies rechtfertigt er mit dem Hochmut: Sie sind noch nicht zu einem so wichtigen Wissen gelangt, dass es vor allem darum geht, alles zum Nutzen des Schöpfers zu tun. Ich dagegen stehe auf einer höheren Stufe als sie, und ich weiß sehr wohl, dass es vor allem um des Himmels willen geht. Daher sehe ich darin, das heißt in der bloßen Erfüllung der Handlung ohne die Absicht des „um des Himmels willen“, nicht so viel Nutzen, dass es sich lohnen würde, Kräfte aufzuwenden, um sie mit aller Genauigkeit zu erfüllen. Und das wird „Übertretung zieht Übertretung nach sich“ genannt: Die Übertretung der Verzweiflung bringt ihn dazu, die Arbeit des lo liShma geringzuschätzen. Und nachdem er die Arbeit des lo liShma geringgeschätzt hat, bringt ihn das dazu, zu einer Stufe des Hochmuts zu gelangen, sodass er sich für eine Eigenschaft des Auserwählten unter dem Volk hält, der mehr versteht als die übrigen Menschen, die die Wahrheit nicht so verstehen, wie er sie versteht.
Wenn der Mensch zumindest nicht vom Schlachtfeld flieht, das heißt, dass er seine Sünden nicht öffentlich aufdeckt, vergeht einige Zeit, bis man sich seiner vom Himmel erbarmt und ihm noch ein Erwachen gibt, und er empfängt wieder einen Aufstieg. Und dann kommt das Böse noch einmal zu ihm, um mit ihm zu streiten. Und es beginnt dieselbe Ordnung von Neuem. Der Ratschlag ist, nicht vor den Handlungen zu fliehen, an die er gewöhnt war, sondern im Gegenteil noch mehr Handlungen zu tun.
Dies kann er nur über dem Verstand tun. Und der Mensch muss glauben, dass er mit dieser Arbeit, die er während des Abstiegs tut, indem er Handlungen im Äußeren auf der Grundlage von „über dem Verstand“ hinzufügt, große Schritte macht, um zum Ziel zu gelangen, das „Anhaftung an den Schöpfer“ genannt wird. Und über diesen Punkt sagte mein Vater und Lehrer, dass dies das ist, was geschrieben steht: „Denn gerade sind die Wege des Schöpfers, die Gerechten wandeln auf ihnen, und die Sünder kommen auf ihnen zu Fall.“
In diesem Zustand des Abstiegs, wenn er Handlungen auf der Grundlage von „über dem Verstand“ hinzufügen kann – da sein Verstand ihm, wie beschrieben, eine Ordnung von „Übertretung zieht Übertretung nach sich“ zeigt – und er sich über dem Verstand stärkt, dann bringt er die Zeit seiner Arbeit näher und kann in der allernächsten Zeit zum Ziel gelangen.
Daher liegt es dem Menschen während des Aufstiegs ob, die Angelegenheit der Handlung und die Angelegenheit der Absicht zu ordnen. Wenn er empfindet, dass es vor allem auf die Absicht ankommt, dann muss er denken, dass auch die Handlung eine sehr wichtige Sache ist, da der Mensch das Gebot des Königs erfüllt, und wir haben keine Erfassung davon, wie wichtig die Handlung vor Ihm, gepriesen sei Er, ist. Wie mein Vater und Lehrer sagte: So sehr wir auch die Bedeutung des liShma zu schätzen vermögen, so ist vor dem Schöpfer das lo liShma noch viel wichtiger, und die Bedeutung des liShma zu schätzen, steht nicht in unserer Hand. Daher muss der Mensch während des Aufstiegs daran denken, die Handlung, die er tut, nicht geringzuschätzen.
Doch zugleich muss der Mensch sich bemühen, seine Handlungen so zu tun, dass sie alle um des Himmels willen sind. Und es gibt eine Regel: Bei allem, woran der Mensch gewöhnt ist, ist es bei ihm schon wie ein Brauch geworden, das heißt, dass er nicht zu wissen braucht, wozu diese Handlung dient. Und das wird „eingeübtes Gebot der Menschen“ genannt, was bedeutet, dass er daran gewöhnt ist.
Da die Angelegenheit von Tora und Mizwot gegeben wurde, „um durch sie die Geschöpfe zu läutern“, muss er beim Tun der Mizwot darauf ausrichten, dass dieses Tun ihn zu einem Zustand der Anhaftung an den Schöpfer bringe. Der Mensch muss also wissen, was er von diesem Tun will.
Wenn der Mensch daher eine Handlung aus Gewohnheit tut, dann braucht er keinerlei Gegenleistung. Einerseits ist das Einhalten von Tora und Mizwot aus Gewohnheit ebenfalls eine hohe Sache, wie bekannt ist, was unsere Weisen gesagt haben: „Einen guten Gedanken fügt der Schöpfer der Handlung hinzu.“ Wenn der Mensch also einen guten Gedanken erlangt, das heißt, wenn er erlangt, dass er seine Handlungen schon darauf ausrichten kann, zu geben, dann fügt der Schöpfer alle Handlungen, die er getan hat, die noch nicht auf die Absichten des „um des Himmels willen“ gerichtet waren, zu all den Handlungen hinzu, die zuvor waren, und sie alle traten in die Heiligkeit ein. Je mehr gute Handlungen er also hat, desto mehr ruht danach auf ihnen der Gedanke „um des Himmels willen“.
Mit dem Gesagten werden wir verstehen, was unsere Weisen gesagt haben: „An jedem Tag werden sie wie neu in deinen Augen sein, als hättest du sie heute am Berg Sinai empfangen, als wären sie dir an eben diesem Tag geboten worden.“ Hier gibt es zwei Bedeutungen:
erstens: So wie sie damals eine Vorbereitung auf den Empfang der Tora hatten, so braucht der Mensch an jedem Tag eine Vorbereitung auf den Empfang von Tora und Mizwot, denn durch die Vorbereitung kann man dazu gelangen, sie zu erlangen. Wenn der Mensch dagegen ohne Vorbereitung handelt, sondern aus Gewohnheit, dann erlangt der Mensch dadurch nicht das Schöpfungsziel. Obwohl auch das eine große Sache ist, aber statt dass er dadurch in die Stufe „Erkenne den Gott deines Vaters“ eintreten könnte, die gewiss geradewegs zum Ziel führt – darum sagten sie: „Sie werden wie neu in seinen Augen sein“, damit er dadurch die Anhaftung an den Schöpfer erlange.
zweitens: Wenn sie nicht „wie neu in seinen Augen sein“ werden und es bei ihm wie ein „eingeübtes Gebot der Menschen“ wird, das heißt aus Gewohnheit, dann kann er Tora und Mizwot schon nicht mehr in der Eigenschaft von „über dem Verstand“ erfüllen, denn dadurch dass er über dem Verstand arbeitet, wird er danach würdig, den Verstand der Heiligkeit zu erlangen. Wenn er aber aus Gewohnheit arbeitet, das heißt, wenn er empfindet, dass er Tora und Mizwot wie einen Brauch erfüllen muss, den man üblicherweise in den Ablauf seines Tages einordnet, dann hat er keinen Raum, voranzukommen. Daher sagten sie: „An jedem Tag werden sie wie neu sein.“ Denn dadurch wird der Mensch dazu gelangen, die Eigenschaft des Schöpfungsziels zu erlangen, die dazu ist, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss zu empfangen erlangen.
Gemäß dem, was im Buch „Shaar haKawanot“ geschrieben steht, wird die Bedeutung von „An jedem Tag werden sie wie neu in deinen Augen sein“ die sein, dass es so die Wahrheit ist, das heißt, dass der Mensch an jedem Tag neue Eigenschaften korrigiert, von denen, die beim Zerbrechen der Gefäße gefallen sind, wie es dort im Buch erklärt wird. Der Mensch wiederholt also nicht das, was er am Berg Sinai von der Tora empfing; er wiederholt nicht dieselben Dinge. Vielmehr gilt: Die Tora, die am Berg Sinai gegeben wurde – mit eben dieser Tora muss er an jedem Tag neue Eigenschaften korrigieren. Bei ihm ist es also gleichsam „heute geboten worden“: An jedem Tag gibt es mit der Tora andere Eigenschaften zu korrigieren.
Von hier rührt es, dass der Mensch an jedem Tag essen muss, und es nicht genügt, was er einmal im Jahr gegessen hat, sodass es zumindest für ein Jahr genügte. Vielmehr werden nach den Worten des heiligen ARI bei jeder Mahlzeit neue Eigenschaften aus dem Zerbrechen ausgesondert, obwohl nicht jeder es empfindet. Doch dies ist der Allgemeinheit Israels gegeben. Und alle Einzelnen in der Allgemeinheit müssen zu dieser Stufe gelangen, wie geschrieben steht: „Denn sie alle werden Mich erkennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen.“
korrOp, EY, 28.07.2026, 17:27 Uhr, Ver3