1990/12 Warum wird die Tora in der Arbeit als "Mittlere Linie" bezeichnet? - 1
Der Heilige Sohar schreibt im Wochenabschnitt Mikez (Blatt 64, im Sulam Punkt 238) wörtlich: „Komm und sieh: An jedem einzelnen Tag, wenn das Licht aufgeht, erwacht ein Vogel auf dem Baum im Garten Eden und ruft dreimal. Und der Verkünder ruft mit Macht: ‚Wer von euch sieht und sieht doch nicht? Die in der Welt sind und nicht wissen, wozu sie da sind, die nicht auf die Ehre ihres Herrn achten. Die Tora steht vor ihnen, und sie mühen sich nicht um sie. Besser wäre es für sie, nicht erschaffen worden zu sein, als erschaffen worden zu sein.‘“
Dort erklärt der Sulam wörtlich: „‚Sehen‘ meint das Geheimnis der Chochma (Weisheit). Die aber an der linken Linie haften und nicht an der rechten, die sehen und sehen doch nicht. Denn die Chochma der Linken kann nicht leuchten, solange sie nicht in das Licht von Chassadim (Gnaden) der Rechten gekleidet ist. Obwohl dort also Chochma vorhanden ist – das Geheimnis des ‚Sehens‘ –, empfangen sie dennoch keine Chochma, weil ihnen das Gewand der Chassadim fehlt. Darum sehen sie nicht. Und das ist gemeint mit den Worten: ‚die in der Welt sind und nicht wissen, wozu sie da sind‘ [die Geschöpfe, die in der Welt sind und nicht wissen, wozu sie da sind]. Dies wird über jene gesagt, die an der Rechten haften und nicht an der Linken: Sie haben durch das Licht von Chassadim Bestand in der Welt, doch sie wissen nicht, wozu sie da sind. Das heißt, ihnen fehlt GaR, denn die Erleuchtung der Rechten ohne die Linke ist WaK ohne Kopf. ‚Und sie achten nicht auf die Ehre ihres Herrn, die Tora steht vor ihnen, und sie mühen sich nicht um sie.‘ ‚Orajta‘ (die Tora) bedeutet die mittlere Linie, das Geheimnis von Seir Anpin, der Tora genannt wird und die beiden Linien miteinander vereint.“
Nun ist zu verstehen: Wenn sie auf der Rechten gehen – dem Geheimnis der Chassadim –, also damit beschäftigt sind, zu geben, warum heißt es dann von ihnen, sie achteten nicht auf die Ehre ihres Herrn? Sie sind doch einzig darauf bedacht, dem Schöpfer zu geben, weil Er groß ist und herrscht, und nicht, um Lohn zu empfangen. Und ihre ganze Lebenskraft besteht darin, die Ehre des Himmels zu mehren – weshalb sie alles, was sie tun, in der Absicht tun, zu geben.
Ebenso ist zu verstehen: Jene Menschen, die bereits die Chochma erlangt haben – das Ziel der Schöpfung –, warum heißt es von ihnen, sie achteten nicht auf die Ehre ihres Herrn? Nur dann, wenn sie die Stufe der Tora auf sich nehmen – die Tora wird „mittlere Linie“ genannt –, nur dann heißt es von ihnen, sie achteten auf die Ehre ihres Herrn. Denn allein durch die Tora kommen sie dazu, ihren Herrn zu ehren.
Wir haben schon viele Male über die zwei Dinge gesprochen, die vor uns liegen:
1. Das Ziel der Schöpfung: dass die Unteren Gutes und Genuss empfangen. Das heißt, dass alle Geschöpfe spüren, wie der Schöpfer mit ihnen umgeht in der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut – so wie unsere Weisen ausgelegt haben: „gut“ bedeutet, dass Er gut zu ihm selbst ist [zu ihm], nämlich dass der Mensch spürt, er empfängt vom Schöpfer nur Gutes; und „der Gutes tut“ bedeutet „zu anderen“ [zum anderen], nämlich dass er sieht, wie der Schöpfer auch anderen Gutes tut.
2. Die Korrektur der Schöpfung: Damit es kein „Brot der Scham“ gibt – das heißt, damit die Geschöpfe keine Scham empfinden, wenn sie Gutes und Genuss empfangen –, wurde eine Korrektur vorgenommen. Auf das Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen, sollen der Genuss und das Gute nicht leuchten; sondern nur dann, wenn die Geschöpfe sich darauf ausrichten können, zu geben, strömen Gutes und Genuss auf die Geschöpfe ein.
Damit aber die Welt Bestand hat, bevor man zu der Korrektur gelangt, sich auf das Geben auszurichten – damit die Geschöpfe überhaupt bestehen können –, ist Folgendes nötig: Haben sie kein Gutes und keinen Genuss, so haben sie kein Recht, in der Welt zu bestehen, denn das Bedürfnis nach Gutem und Genuss kommt den Geschöpfen aus dem Ziel der Schöpfung, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Der heilige ARI sagt, dass dies – nämlich Gutes und Genuss – aus dem Zerbrechen der Gefäße kommt, das in der Welt der Nekudim geschah, als sie hinab zu den Klipot (Schalen) fielen. Im Sohar wird dieses Licht „nehiru dakik“ (feines Licht) genannt, ein im Vergleich zu jenem Guten und Genuss sehr feines Licht, das denen zuströmt, die sich in der Kedusha (Heiligkeit) befinden – das heißt, verglichen mit dem Guten und Genuss, der sich in Tora und Mizwot offenbart. So steht es im Sohar: Es gibt 613 Mizwot entsprechend den 613 Gliedern der Seele. Zu den Klipot hingegen fielen Funken der Kedusha nur, um sie überhaupt am Leben zu erhalten.
In der Ordnung der Arbeit beginnt man jedoch von rechts. Doch „rechts“ hat viele Bedeutungen, und wir verstehen alles je nach Zusammenhang. Das heißt: Die Vollkommenheit wird im Vergleich zum Unvollkommenen immer „rechts“ genannt. Was aber vollkommen und was unvollkommen ist, hängt vom jeweils besprochenen Zusammenhang ab. Mit anderen Worten: Was man im jeweiligen Zustand gerade braucht, das wird „rechts“ genannt.
Wenn ein Mensch also weit von Tora und Mizwot entfernt ist, heißt es von ihm, er befindet sich „auf der linken Seite“. Das bedeutet: Die Kedusha wird „rechts“ genannt, denn sie ist die Vollkommenheit des Menschen, wenn er Tora und Mizwot einhält. Wenn wir aber von der Kedusha sprechen, sprechen wir nicht von jenen Menschen, die weit davon entfernt sind, Tora und Mizwot einzuhalten; und von jenen, die weit von der Religion entfernt sind, den Säkularen, sprechen wir überhaupt nicht.
Der Zustand, von dem wir zu sprechen beginnen, ist also der: Sie halten Tora und Mizwot noch allein auf der Ebene der Handlung. Dann gelten sie als „eine einzige Linie“. Bekanntlich kann man nicht von rechts sprechen, wenn es kein Links dazu gibt, und umgekehrt. Deshalb werden in dieser Hinsicht jene, die mit der Arbeit auf der Ebene der Handlung beginnen, „eine einzige Linie“ genannt, denn hier ist der Anfang. Im Vergleich zu den Säkularen jedoch, die keine Verbindung zum Verstand haben, werden sie „rechts“ genannt, weil sie Vollkommenheit besitzen; die Säkularen aber werden „die Linken“ genannt.
Anders ist es, wenn wir von jenen Menschen zu sprechen beginnen, die mit der Absicht zu geben arbeiten wollen. Dann muss man sagen: Die Menschen, die nur auf der Ebene der Handlung arbeiten, sind unvollkommen. Dann muss man sie „links“ nennen, das heißt, sie besitzen keine Vollkommenheit. Jene aber, die in der Absicht zu geben arbeiten wollen, muss man „rechts“ nennen.
Sprechen wir jedoch vom Empfinden des Arbeitenden selbst – von seiner eigenen Sicht und nicht von der Wahrheit der Stufenordnung –, dann muss man sagen: Dieser Mensch, der allein auf der Ebene der Handlung arbeitet, empfindet seinen eigenen Zustand, in dem er Tora und Mizwot einhält, als den eines vollkommenen Menschen. Deshalb gilt ihm dieser Zustand als ein Gehen auf dem rechten Weg, also als Vollkommenheit.
Bei der Arbeit auf der Ebene der Absicht aber empfindet er sich als mangelhaft, weil er sieht, dass er der Herrschaft des Empfangens für sich selbst nicht entkommen kann. So spürt er seinen Mangel. Deshalb muss man sagen, dass dies als „links“ gilt. Das heißt: Im Allgemeinen sagt man, dass eine Sache, die der Korrektur bedarf, „links“ genannt wird. So sagten unsere Weisen: „Dass man die Tefillin (Gebetsriemen) auf die linke Hand legt, gründet darin, dass geschrieben steht ‚jad-cha‘ (deine Hand) – ‚jad keha‘ (schwache Hand), weil ihre Kraft erlahmt ist und sie Hilfe braucht.“
Wer also die heilige Arbeit verrichten will und in ihr Vollkommenheit erreichen will, sodass er alles in der Absicht zu geben tut: Wenn er seine Arbeit prüft und sieht, dass er noch nicht in Ordnung ist, dann wird dieser Zustand „links“ genannt – im Vergleich zur Arbeit auf der Ebene der Handlung ohne Absicht. Das heißt, der Mensch muss auch die Ebene der Handlung nutzen.
Der Mensch muss sich nämlich sagen: Auch wenn er nichts in der Absicht zu geben tun kann, fühlt er sich auf der Ebene der Handlung dennoch vollkommen. Er sagt, es ist ein großes Verdienst, dass er wenigstens Handlungen der Kedusha vollbringen kann, auch ohne Absicht – ein großes Verdienst, dessen ihn der Schöpfer gewürdigt hat, indem Er ihm Gedanke und Verlangen gab, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, sei es auch nur auf der Ebene der Handlung ohne Absicht. Das wird „rechts“ genannt, wie oben gesagt – weil er sich vollkommen fühlt und es sich darum lohnt, dem Schöpfer dafür großen Dank zu sagen.
Wenn er danach also zur Ebene der Absicht übergeht und sieht, dass er mangelhaft ist, bleibt ihm nur, zu beten, dass der Schöpfer ihm hilft und ihm die Kraft gibt, Handlungen mit der Absicht zu geben zu vollbringen. Und das wird „links“ genannt im Vergleich zum vorigen Zustand.
Wenn er aber bereits gewürdigt wurde, dass der Schöpfer ihm half und er bereits Handlungen in der Absicht zu geben vollbringen kann – jedoch nur bei Handlungen des Gebens, weil es bei Handlungen des Gebens leichter ist, sich auf das Geben auszurichten, während er bei Handlungen des Empfangens von Genuss noch nicht fähig ist, sich auf das Geben auszurichten –, dann wird dieser Zustand „rechts“ genannt. Und er heißt „rechts“ im Vergleich zum vorigen Zustand.
Und der vorige Zustand, in dem er in der Absicht zu geben arbeiten wollte, es ihm aber nicht gelang, wird „links“ genannt. Dort hatte er Raum für ein Gebet, dass der Schöpfer ihm helfe, sich auf das Geben auszurichten. Anders nun, da der Schöpfer ihm bereits half und er sich bei Handlungen des Gebens auf das Geben ausrichten kann: Jetzt muss er für die Vollkommenheit danken, die er nun hat – und das wird „rechts“ genannt. Dieses Licht heißt „Licht von Chassadim“; es ist die Korrektur der Schöpfung, denn er hat nun die Kraft, Handlungen in der Absicht zu geben zu vollbringen.
Doch auch dieser Zustand: Zwar gilt er von der Korrektur her als Vollkommenheit, doch im Hinblick auf das Ziel der Schöpfung gilt er noch nicht als Vollkommenheit, weil er erst noch das Ziel der Schöpfung erreichen muss. Daher gilt er von der Vollkommenheit her als „rechts“ – denn er muss dem Schöpfer dafür danken, dass er bereits der Gefäße des Gebens gewürdigt wurde, sich auf das Geben auszurichten.
Doch insofern ihm die Korrektur des Schöpfungsziels noch fehlt, gilt er als mangelhaft. Wenn er deshalb bereits gewürdigt wurde, die Stufe des Schöpfungsziels zu empfangen – genannt „Licht von Chochma“ –, so gilt dies gewiss als vollständige Vollkommenheit im Vergleich zu dem Zustand, in dem er nur des Lichts von Chassadim gewürdigt wurde, genannt „Licht der Korrektur der Schöpfung“, und er hätte „rechts“ genannt werden müssen. Dennoch gilt auch dieser Zustand als unvollkommen. Darum wird er „links, das der Korrektur bedarf“ genannt. Denn obwohl sie das Licht von Chochma in der Absicht zu geben herabgezogen haben, bedarf es dennoch einer Bewachung – weil die Handlung des Empfangens von Genuss der Absicht widerspricht, die ja in der Absicht zu geben bestehen soll.
Deshalb muss man die mittlere Linie herabziehen, das heißt das Licht von Chassadim, das nun beides umfasst: die Chochma und zugleich eine Beimischung der Chassadim. Es gibt also zwei Dinge:
1. die Korrektur der Schöpfung,
2. das Ziel der Schöpfung.
Und das wird „Tora“ oder „mittlere Linie“ genannt, die rechts und links in sich vereint. Dann kann man das Licht des Schöpfungsziels nutzen – das Gute und den Genuss, den der Schöpfer Seinen Geschöpfen zugutekommen lassen will, was eben das Ziel der Schöpfung ist. Das heißt: Solange dort keine Beimischung der Chassadim vorhanden ist, kann das Licht des Schöpfungsziels nicht leuchten, denn es müssen beide Stufen zugleich da sein – und das wird „Tora“ genannt.
Mit dem Gesagten verstehen wir nun, was wir gefragt haben: Warum heißt es von jenen Menschen, die auf der rechten Seite gehen, deren ganzes Tun nur dem Geben dient und die bereits die Fülle erlangt haben, genannt „Licht von Chassadim“, sie achteten nicht auf die Ehre ihres Herrn? Und ebenso von jenen, die bereits aus der rechten Seite herausgetreten sind und schon die Chochma erlangt haben, genannt „links“ – warum heißt es auch von ihnen, sie achteten nicht auf die Ehre ihres Herrn und „die Tora steht vor ihnen, und sie mühen sich nicht um sie“? Das ist sehr schwer zu verstehen: Wenn von Menschen die Rede ist, die bereits die Chassadim erlangt haben, und von Menschen, die bereits die Chochma erlangt haben – wie kann man sagen, dass sie sich nicht um die Tora mühen?
Doch nach dem, was wir zuvor erklärt haben, gilt: Die rechte Seite ist das Licht von Chassadim, das nur die Korrektur der Schöpfung ist. Daraus folgt: Solange sie nicht damit beschäftigt sind, das Licht des Schöpfungsziels herabzuziehen – das, was der Schöpfer den Geschöpfen geben will, nämlich das Gute und den Genuss, worin sich Seine Größe offenbart, genannt „die Offenbarung Seiner Göttlichkeit an Seine Geschöpfe“, wodurch sich Seine Ehre den Geschöpfen offenbart –, so lange achten sie nicht auf die Ehre ihres Herrn, die sich den Geschöpfen offenbaren soll.
Dies ist der eigentliche Mangel, für den alles geschah: dass nämlich Seine Göttlichkeit in der Welt offenbart wird. Denn das ist das Ziel der Schöpfung – dass sich Seine Göttlichkeit den Geschöpfen offenbart und dass die Geschöpfe dieses Ziel empfangen. Dafür geschahen alle Einschränkungen und Korrekturen. Daraus folgt: Bei jenen, die nur auf der Rechten gehen – das ist die Korrektur der Schöpfung –, fehlt gewiss das Eigentliche. Das heißt, sie haben alles getan, und nur das Wesentliche fehlt: das Ziel. Darum gilt es, dass sie nicht auf die Ehre ihres Herrn achten.
Und ebenso bei jenen, die bereits das Licht von Chochma erlangt haben, welches das Ziel der Schöpfung ist – und wir haben gefragt, was ihnen noch fehlt. Die Antwort ist: Es gibt die Regel „Das Licht von Chochma kann den Unteren nicht leuchten ohne ein Gewand des Lichts von Chassadim“. Der Grund ist, dass das Licht von Chochma in den Gefäßen des Empfangens kommt. Und obwohl er das Licht in der Absicht zu geben herabgezogen hat, bedarf er dennoch einer Bewachung, damit er nicht der Handlung nachgezogen wird, da er sich ja der Gefäße des Empfangens bedient.
Deshalb muss er ein Gewand herabziehen – das Licht von Chassadim, das sich in die Gefäße des Gebens kleidet und die Korrektur der Schöpfung ist. Obwohl er also das Licht des Schöpfungsziels herabgezogen hat, kann er es nicht nutzen, weil es ohne ein Gewand der Chassadim nicht leuchtet; und so achtet auch er nicht darauf. Das heißt, das Ziel der Schöpfung offenbart sich ihm nicht, sodass er die Offenbarung Seiner Göttlichkeit sehen könnte. Das ist gemeint mit den Worten, dass auch jene, die auf der linken Seite gehen, ebenfalls nicht auf die Ehre ihres Herrn achten.
Und das ist gemeint mit den Worten: „Die Tora steht vor ihnen, und sie mühen sich nicht um sie. ‚Orajta‘ bedeutet die mittlere Linie, das Geheimnis von Seir Anpin, der ‚Tora‘ genannt wird und die beiden Linien miteinander vereint.“ Das heißt: Durch die Tora, die „mittlere Linie“ genannt wird, sind dort zwei Stufen zugleich vorhanden – nämlich das Ziel der Schöpfung, das die Offenbarung Seiner Göttlichkeit an die Geschöpfe ist, genannt „Ehre ihres Herrn“, und zugleich das Gewand der Korrektur der Schöpfung, genannt „Licht von Chassadim“, das die rechte Seite ist. Solange diese beiden also getrennt sind, kann das Ziel der Schöpfung den Geschöpfen nicht leuchten. Das wird „sie achten nicht auf die Ehre ihres Herrn“ genannt. Erst wenn sie sich um die Tora mühen, leuchtet das Ziel der Schöpfung. Und das heißt in den Worten des Sohar: „Die Tora, Israel und der Schöpfer sind eins.“
Damit verstehen wir, was wir gesagt haben (in Artikel 11, 5750): dass die Chanukka-Kerze auf der linken Seite steht und es verboten ist, ihr Licht zu benutzen. Denn die Linke ist die Stufe der Chochma, die bereits zu den Geschöpfen herabgezogen wurde; doch solange man nicht die mittlere Linie herabgezogen hat – die Stufe der Tora, in der rechts und links zusammen sind –, leuchtet das Licht nicht in dem Maß, dass man es benutzen könnte, weil das Gewand der Chassadim fehlt, das durch das Licht von Chassadim kommt.
An Purim hingegen zog man das Licht von Chassadim herab, das die rechte Seite genannt wird, durch das Fasten und Schreien, wie es im Talmud Esser haSefirot (am Ende von Teil 15) erklärt wird. Es zeigt sich also: An Chanukka waren sie zwar von der rechten Seite her vollkommen; doch als sie zur linken Seite übergingen, das heißt die Chochma herabzuziehen, hatten sie die Chassadim der Rechten nicht mehr.
Das bedeutet: Die Chassadim, die man nach dem Herabziehen der Chochma herabzieht – wobei die Chochma „links“ genannt wird, wie oben –, werden „mittlere Linie“ genannt. Daraus folgt: Damals, an Chanukka, herrschte der Zustand von „Chanu-Koh“ [hier rasteten sie]. Das heißt, sie hatten die Stufe „rechts“, und das Wunder war, dass sie das Rechte vollkommen besaßen. Doch die Stufe „links“ besaßen sie nicht vollkommen, denn ihnen fehlte die mittlere Linie, die die Stufe der Tora ist.
Am Schabbat dagegen, der die mittlere Linie ist, sind die Kerzen zum Gebrauch bestimmt. Das wird „Frieden im Haus“ genannt, im Geheimnis von „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut“. Darum heißt es: „Schabbatkerze und Chanukka-Kerze – die Schabbatkerze geht vor“, weil der Schabbat auf Vollkommenheit hinweist. Denn es gibt die Stufe Jessod, genannt „mittlere Linie“, die Malchut gibt, die „Haus“ genannt wird. Darum deutet die Schabbatkerze auf Vollkommenheit hin. Deshalb wird der Schabbat „Schabbat des Friedens“ (Shabbat Shalom) genannt, weil Jessod, der die mittlere Linie ist, Frieden zwischen den Linien stiftet, die „rechts“ und „links“ genannt werden.
Aus dem Obigen ergibt sich: Das Wunder von Chanukka geschah an der rechten Seite, die „Korrektur der Schöpfung“ genannt wird; dort besaßen sie Vollkommenheit. Und das heißt, dass das Wunder an der Spiritualität geschah – aufgrund der Gefäße des Gebens, die von den Gefäßen her „Spiritualität“ genannt werden, denn diese Gefäße gehören zum guten Trieb.
Anders die Gefäße des Empfangens: Sie werden der Körperlichkeit zugeordnet, das heißt dem bösen Trieb – so wie wir erklärt haben: „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen“, das heißt mit deinen beiden Trieben. Also sowohl mit dem guten Trieb, der die Gefäße des Gebens sind und um des Himmels willen wirken soll, als auch mit den Gefäßen des Empfangens, die zum bösen Trieb gehören: Auch sie muss man um des Himmels willen einsetzen, das heißt: empfangen in der Absicht zu geben.
So zeigt sich an Chanukka, wovon der heilige ARI sagt, dass Chanukka und Purim beide die Stufe „links“ sind, weshalb die Chanukka-Kerze auf der linken Seite steht. Denn obwohl die rechte Seite „Vollkommenheit von den Gefäßen des Gebens her“ genannt wird, leuchtete hier die linke Seite – Chochma ohne Chassadim –, und es ist verboten, Chochma ohne Chassadim zu benutzen. Doch dies an sich ist schon etwas Großes, denn man hatte bereits die Stufe des Schöpfungsziels herabgezogen. Dennoch ist es noch verboten, ihr Licht zu benutzen.
Darum gilt Chanukka als ein Wunder, das an der Spiritualität geschah, weil es verboten ist, Chochma ohne Chassadim zu benutzen. Darum gilt es als ein spirituelles Wunder, das noch nicht herabgestiegen ist, sodass wir es benutzen könnten. In dieser Hinsicht wird Chanukka ein „spirituelles Wunder“ genannt – sowohl von den Chassadim der Rechten her als auch von der Chochma der Linken her –, weil die mittlere Linie noch fehlte.
korrOp, EY, 24.07.2026, 15:46 Uhr, Ver4