1989/07 Was bedeutet „Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht bemüht hat, was wird er am Shabbat essen?“
Unsere Weisen sagten (Awoda Zara 3), und dies sind ihre Worte: „Sie sagten vor Ihm: ‚Herr der Welt, gib uns im Voraus, und wir werden es tun (gib uns jetzt die Tora, und wir werden sie befolgen).‘ Der Schöpfer sagte zu ihnen: ‚Ihr Unvernünftigen der Welt, wer sich am Vorabend des Shabbat bemüht hat, wird am Shabbat essen. Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht bemüht hat, wovon wird er am Shabbat essen?‘“ – so weit ihre Worte. Und dies ist im Sinne der Arbeit zu verstehen:
1) Was ist „die Mühe am Vorabend des Shabbat“,
2) Was wird im Sinne der Arbeit „Shabbat“ genannt,
3) Und warum braucht man „Mühe“, um den Zustand des „Shabbat“ zu erlangen.
Bekanntlich wird „Shabbat“ das Ziel des Werkes von Himmel und Erde genannt. Das heißt, das Ziel der Erschaffung von Himmel und Erde geschah um des „Shabbat“ willen. Mit anderen Worten: Wenn der Zustand der Offenbarung Seines Verlangens, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, sich vor aller Augen offenbart, dann wird das Shabbat genannt. Es heißt also: „Er ruhte von all Seinem Werk [shavat]“, weil ein großes Werk darin besteht, vor aller Augen zu offenbaren, dass Seine Führung gut ist und Gutes tut.
Und dann gibt es kein Werk mehr, das man im Sinne der Wochentage [Jomin deChol] verrichten müsste. Denn die Arbeit besteht darin, „aus dem Weltlichen Heiliges zu machen“. Und die Kedusha (Heiligkeit) ist der Zustand des Heiligen, in dem der Mensch sich von jedem Gefäß des Empfangens absondert und all sein Tun mit der Absicht zu geben verrichtet. Wie geschrieben steht: „Seid heilig, denn Ich bin heilig.“ Das bedeutet: So wie der Schöpfer der Gebende ist, ebenso müssen die Geschöpfe zur Angleichung der Form gelangen.
Im Materiellen sehen wir, dass der Mensch nur um seines Lebensunterhalts willen arbeitet. Und Lebensunterhalt nennt man die Nahrung, von der sich der Körper ernährt. Gemeint ist: Die Nahrung ist das, was er dem Körper gibt, sowohl das körperliche Leben, das man Essen, Trinken und dergleichen nennt, als auch die spirituelle Nahrung, die man Ehre, Bildung, Macht, Herrschaft und dergleichen nennt.
Um diese Nahrung zu erwerben, muss der Mensch Mühe aufwenden, sonst empfängt er sie nicht. Das heißt: Die Nahrung, die der Mensch als Gegenleistung für seine Arbeit zu empfangen wünscht, gleicht einem Mahl. Und die Mühe gleicht der Vorbereitung des Mahls. Mit anderen Worten: Wer nicht fähig ist, Mühe aufzuwenden, empfängt weder körperliche noch seelische Nahrung. Denn wenn jemand etwas möchte, das man ihm gibt, wird der Gebende nicht geben, solange ihm nicht die Bedingungen erfüllt werden, die der Gebende verlangt.
Deshalb wird in der Kedusha, die „um zu geben“ genannt wird, anders gehandelt. Denn der Mensch wurde mit einem Verlangen erschaffen, für sich selbst zu empfangen, der Gebende aber verlangt, dass er für Ihn arbeitet, was „all dein Tun soll um des Himmels willen sein“ genannt wird. Andernfalls, wenn der Gebende dem Empfangenden in die Gefäße der Eigenliebe gäbe, würde alles zur Sitra Achra (die andere Seite) gehen, die der Kedusha die Fülle raubt. Denn Kedusha nennt man das, was er zum Nutzen des Schöpfers tut. Und wenn die Absicht für ihn selbst ist, was „Veränderung der Form“ genannt wird, ist das das Gegenteil der Kedusha.
Da dies jedoch gegen die Natur ist, sowohl im Verstand [Mocha] als auch im Herzen [Liba], wird es „Mühe“ genannt. Und das ist die Vorbereitung des Mahls. Mit anderen Worten: Dass der Mensch sich auf den Nutzen des Schöpfers ausrichten muss und nicht auf den eigenen Nutzen, um dieses Gefäß zu erlangen, das „um zu geben“ genannt wird, ist große Arbeit und Mühe. Und das nennt man die „Vorbereitung des Mahls“, wobei „das Mahl“ den Zustand des „Shabbat“ bezeichnet.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Arbeit „Zeit des Weltlichen“ genannt wird. Das heißt, man muss daran arbeiten, das Weltliche, das im Herzen des Menschen ist, hinauszuschaffen und dort Kedusha einzubringen. Denn „Kedusha“ nennt man die Anhaftung [Dwekut] an den Schöpfer, und „Weltliches“ nennt man die Trennung vom Schöpfer. Denn die ganze Arbeit besteht darin, dem Verlangen zu empfangen die Absicht zu geben aufzulegen. Dann haftet der Mensch am Schöpfer, wie schon zitiert: „Seid heilig, denn Ich, der Ewige, bin heilig.“ Und dadurch erlangt er Gefäße, die fähig sind, das zu empfangen, was der Schöpfer geben will, das Gute und den Genuss, die „das Mahl“ genannt werden, wie zuvor gesagt. Und das ist das Shabbat-Mahl. Und das ist „Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht bemüht hat, was wird er am Shabbat essen?“
Und mein Vater und Lehrer [Baal Sulam] erzählte ein Gleichnis über die Arbeit zum Nutzen des Schöpfers und darüber, nicht zu arbeiten, um den eigenen Nutzen zu erlangen, sondern dass alles um des Himmels willen sein soll, weil sonst die ganze Fülle zu den Klipot (Schalen) geht. Und dies ist im Buch Pri Chacham [Frucht des Weisen, Schriftensammlung von Baal Sulam] (Teil 2, Seite 89) angeführt, und dies sind seine Worte: „Ein großer König, gut und Gutes tuend, der keinerlei Dienst benötigte, dass man ihm diente, sondern dessen ganzes Streben es war, seinen Landeskindern Gutes zu tun, gab allen Bürgern des Landes ein Gebot und bestimmte dafür einen Ort in seinem Palast.
Und er bestimmte ausdrücklich, dass es verboten ist, außerhalb des vorgesehenen Ortes zu arbeiten, und ihr Lohn sei bei ihnen am Ort ihres Wirkens, wo er ihnen große Festmähler bereitet hatte. Und als die Arbeit begann, meinten sie, der König habe Aufseher über die Art ihrer Arbeit eingesetzt, um zu wissen, wer ihm dient und wer ihm nicht dient. Doch der König verbarg sich, und es gab keinerlei Aufsicht. Und sie wussten nichts von der wunderbaren Erfindung, dass er eine Art schlechtes Pulver in die Leckereien und Süßigkeiten gegeben hatte. Und dem entgegen gab er ein heilendes Pulver in das Haus der Arbeit.
Und dadurch klärte sich die Aufsicht von selbst. Denn die, die ihn liebten, hielten das Gebot des Königs peinlich genau ein und achteten auch sorgfältig darauf, gerade an dem dafür vorgesehenen Ort zu arbeiten. Und so sogen sie das heilende Pulver in ihre Körper auf. Und als auch die Zeit des Essens kam, schmeckten sie die Süßigkeiten, und nie zuvor in ihrem Leben hatten sie solche Geschmäcker erfahren. Und deshalb priesen sie den König.
Aber die Niedrigen, die überhaupt nichts vom Wert des Königs verstanden, weswegen es sich gehörte, ihn zu lieben, hielten das Gebot des Königs nicht gebührend ein, da sie sahen, dass es keine Aufsicht gab. Und als die Zeit des Essens kam, füllte sich ihr Gaumen, da sie die Süßigkeiten schmeckten, mit bitterem Geschmack wegen des erwähnten Pulvers, und sie schmähten und verachteten den König.“
Und nach dem Gesagten gilt: Das Gute und den Genuss, die in Tora und Mizwot sind, kann man nicht empfinden – wegen der Zimzum (Einschränkung) und des Gerichts, die vollzogen wurden. Denn es ist unmöglich, irgendein Licht in den Gefäßen des Empfangens zu empfinden, da in den Gefäßen des Empfangens nichts ist als Finsternis und Tod, wegen der Veränderung der Form, die zwischen dem Licht und dem Gefäß besteht. Wenn man daher in Tora und Mizwot mit den Gefäßen des Empfangens Geschmack erfahren will, ist dort keinerlei Geschmack. Und in den Gefäßen des Empfangens kann man nur Geschmack an den körperlichen Genüssen erlangen, wo sich tatsächlich der Geschmack der Süße offenbart, wenn der Mensch die körperlichen Genüsse erlangt.
Der Grund ist, dass dies absichtlich so gemacht wurde, damit der Bestand der Schöpfung gesichert ist und es etwas zu genießen gibt, noch bevor der Mensch Gefäße des Gebens erlangt, die „Gefäße der Vereinigung mit dem Schöpfer“ genannt werden. Das heißt, dass der Mensch beim Empfangen der Genüsse nicht vom Schöpfer entfernt wird. Und damit der Mensch etwas hat, woraus er Lebenskraft und Genuss empfangen kann, haben wir deshalb gelernt, dass durch das Zerbrechen der Gefäße ein feines Leuchten leuchtet, ein kleines Leuchten der Kedusha, das innerhalb der Klipot leuchtet, woraus sich alle körperlichen Genüsse ernähren.
Deshalb kann der Mensch bei den körperlichen Genüssen Genuss und gehobene Stimmung empfangen. Nicht aber, wenn es darum geht, den wahren Genuss zu empfinden, der das eigentlich Bezweckte im Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun; dort lagert das Pulver der Verbergung und der Verhüllung und der Finsternis und der Bitterkeit, sodass es dort keinerlei Geschmack in Tora und Mizwot gibt. Mit anderen Worten: Das bittere Pulver ist der Zustand der Verhüllung und der Verbergung, die dort kraft der Korrektur der Zimzum sind.
Und das heilende Pulver – das gab Er in die Mühe in Tora und Mizwot. Das heißt, dass man gerade in der Mühe in Tora und Mizwot das heilende Mittel findet. Und warum gerade in der Mühe und nicht einfach dadurch, dass man sich mit Tora und Mizwot befasst? Das genügt nicht, um das heilende Mittel zu empfangen, das den Menschen von dem bitteren Mittel heilt, das im Mahl ist.
Um dies zu verstehen, müssen wir zunächst wissen, was das heilende Mittel ist, das das bittere Pulver heilt, das der Schöpfer in das Mahl gegeben hat. Und was die Mühe in Tora und Mizwot ist, durch die man gerade vermöge der Mühe einen Ort finden kann, um das heilende Mittel zu erlangen.
Bekanntlich besteht die hauptsächliche Mühe dann, wenn man gegen den Verstand arbeitet. Das heißt, dass der Mensch nicht weiß, wofür er arbeiten muss, und dass er gegen den Verstand arbeiten muss. Das ist sehr schwer. Und das wird „Mühe in Tora und Mizwot“ genannt. Doch warum muss der Mensch in Tora und Mizwot gegen den Verstand arbeiten, was sehr schwer ist und wozu nicht jeder Mensch fähig ist? Und warum kann man nicht in Tora und Mizwot innerhalb des Verstandes arbeiten, sodass es für jede Seele gleich wäre?
Dies ist so zu verstehen: Man muss wissen, was das Über-dem-Verstand ist, das „Mühe“ genannt wird, in der man sich bei der Beschäftigung mit Tora und Mizwot abmühen muss. Vielmehr verhält es sich so: Da der Mensch mit einem Verlangen erschaffen wurde, für sich selbst zu empfangen, und da an diesem Verlangen zu empfangen eine Korrektur vollzogen wurde, damit beim Empfangen der Fülle keine Veränderung der Form entsteht, sondern damit er auch beim Empfangen der Fülle in Anhaftung ist, was „Angleichung der Form“ genannt wird, deshalb wurden Zimzum und Verbergung vollzogen.
Das heißt: Wenn der Mensch das Gute und den Genuss in den Gefäßen des Empfangens empfangen will, sieht er kein Licht, sondern nur Finsternis, die „vom Licht leerer Raum“ genannt wird. Vielmehr muss der Mensch sich selbst Gefäße des Gebens verschaffen, was der Zustand von „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ ist.
Und wie erlangt man diese Gefäße? Durch die Mühe in Tora und Mizwot – nämlich dadurch, dass man sich mit Tora und Mizwot befasst, um die Gefäße des Gebens zu erlangen. Das bedeutet, dass der Mensch keine Gegenleistung für seine Arbeit in Tora und Mizwot empfangen will, sondern seine Gegenleistung und sein Lohn soll darin bestehen, dass er die Kraft hat, alles zum Nutzen des Schöpfers zu tun und nicht zum eigenen Nutzen.
Das heißt: Wenn der Mensch Tora und Mizwot erfüllt, um eine Gegenleistung zu empfangen, um Gutes und Genuss zum eigenen Nutzen zu erlangen, nennt man das „wer Tora und Mizwot innerhalb des Verstandes erfüllt“. Der Körper widersetzt sich dem also nicht. Denn in dem Maß, in dem er glaubt, dass er daraus Genuss zum eigenen Nutzen empfangen wird, nennt man das „innerhalb des Verstandes“.
Und über diesen Zustand sagt Rambam: „Wenn man die Kleinen, die Frauen und die Ungelehrten insgesamt unterrichtet, lehrt man sie nur, aus Furcht zu dienen und um Lohn zu empfangen. Bis ihr Verstand wächst und sie sehr weise werden, offenbart man ihnen dieses Geheimnis nach und nach“ (Rambam, Hilchot Teshuwa, S. 60b).
Wir sehen aus den Worten des Rambam, dass es beim Erfüllen von Tora und Mizwot zwei Zustände gibt:
1) Zum eigenen Nutzen. Das heißt, um Lohn zu empfangen, und nicht über dem Verstand zu arbeiten. Denn in dem Maß, in dem er an Lohn und Strafe glaubt, da alles zum eigenen Nutzen ist, wird diese Arbeit „die Arbeit der Ungelehrten insgesamt“ genannt, die innerhalb des Verstandes ist. Und im Sinne der Arbeit nennt man das nicht Mühe. (Doch im Sinne der Allgemeinheit nennt man auch das Mühe.)
2) Die Mühe in Tora und Mizwot. Er befasst sich also mit Tora und Mizwot, nicht um dafür irgendeinen Lohn zu empfangen, sondern er arbeitet ganz zum Nutzen des Schöpfers. Und das ist gegen den Verstand. Denn der Verstand verlangt, dass der Mensch um seines eigenen Nutzens willen arbeitet. Wenn er deshalb sagt, dass er Tora und Mizwot erfüllt, um dadurch die Kraft zu empfangen, nur zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten und nicht zum eigenen Nutzen, dann beginnt der Körper sich mit aller Kraft zu widersetzen und schreit: „Was, bist du verrückt geworden? Du willst dich vor dem Schöpfer annullieren? Sag du mir, was wirst du davon haben?“
Diesen Zustand nennt man große Mühe, da er gegen seinen eigenen Körper kämpfen muss, während das Recht und der gesunde Verstand auf der Seite des Körpers stehen, weil das seine Natur ist. Es zeigt sich also, dass man dies Mühe nennt, weil es über dem Verstand ist, wie erwähnt, da der Körper nicht damit einverstanden ist, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten.
Und das nennt man, dass er sich mit Tora und Mizwot im Zustand der Mühe befasst. Das heißt, dass er durch seine Beschäftigung mit Tora und Mizwot den Zustand des Gebens zu erringen wünscht. Und das kann man gerade dadurch erlangen, dass man im Zustand der Mühe lernt, wie gesagt, da er sich mit Tora und Mizwot mit der Absicht befasst, von der die Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen, denn das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück.“
Die Bedeutung ist: Da er sieht, dass er keine Liebe zum Schöpfer hat, sondern nur Eigenliebe, und dass er um des Himmels willen nicht fähig ist, auch nur die kleinste Regung zu tun, weil der Körper sich dem widersetzt, und obwohl er sich jedes einzelne Mal überwindet, kommt er dennoch nicht voran, sondern im Gegenteil: Nach all der Mühe, die er in der Überwindung aufgewendet hat, sieht er, dass er rückwärts geht und nicht vorwärts.
Und diese Mühe schafft ihm einen Ort des Gebets, dass der Schöpfer ihm helfe. Demnach zeigt sich, dass er jedes Mal, wenn er sieht, dass er rückwärts geht, dem entgegen jedes Mal im Gebet vorankommt. Denn je nachdem, wie weit er sich vom Ziel entfernt sieht, hat er einen Ort, aus tieferem Herzensgrund zu beten, da er den Ort der Gefahr sieht.
Das heißt, dass er sich fürchtet, das Böse könnte ihn vielleicht überwältigen und ihm zu verstehen geben, dass er vom Kampfplatz fliehen wird. Denn der Körper redet ihm ein, dass diese Arbeit Menschen mit starkem Charakter gegeben wurde und nicht der Allgemeinheit. Der Mensch hat nun zwar auf sich genommen, den Weg der Wahrheit zu gehen, das heißt zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen. Doch da es ihm nicht gelingt, sondern er rückwärts geht, fürchtet er, das Böse könnte ihn überwältigen und ihm innerhalb des Verstandes zu verstehen geben, dass das Recht auf der Seite des Körpers ist. Der Grund dafür ist, dass er die Wirklichkeit vor Augen hat und keinerlei Zweifel an dem hegt, was der Körper ihm sagt: dass diese Arbeit für einzelne Auserwählte ist.
Deshalb gibt ihm das die Möglichkeit, von ganzem Herzen zum Schöpfer zu beten, dass Er ihn aus dieser Gefahr errette, vom Kampfplatz fliehen zu müssen. Deshalb sagt er: „Herr der Welt, hilf mir jetzt, denn jetzt habe ich noch die Kraft, zu Dir zu beten. Aber ich kann nicht wissen, was danach sein wird. Vielleicht gibt es nicht einmal mehr jemanden, der Dich um Hilfe bittet.“
Deshalb sagt er: „Herr der Welt, hilf mir, solange die Seele noch in mir ist, denn ich fürchte, vielleicht sterbe ich danach und sinke an einen Ort der Trennung hinab, der Verzweiflung ist, und dort ist kein Glaube an den Schöpfer, nicht einmal ein kleines Maß, sodass er einen Ort hätte, zum Schöpfer zu beten.“ Denn der Mensch, der an einen Ort der Verzweiflung fällt, bittet schon um keine Hilfe mehr. Denn solange der Mensch das Vertrauen hat, dass er aus seinem Zustand herauskommt, tut er noch Handlungen im Sinne von „Alles, was deine Hand zu tun findet, das tue mit deiner Kraft.“
Es zeigt sich also, dass die Mühe – darin, dass er im Zustand des Gebens arbeiten will – ihm Mühe bereitet. Und das veranlasst ihn zum Gebet, dass der Schöpfer ihm helfe, und den Glauben an die Weisen [Emunat Chachamim] zu haben, da die Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“
Es zeigt sich also, dass das heilende Mittel in der Mühe zu finden ist. Nämlich dadurch, dass er sich in Tora und Mizwot abmüht, um zu liShma zu gelangen – das heißt um des Gebens willen und nicht zum eigenen Nutzen –, bewirkt das liShma, das er erlangt, dass er danach fähig sein wird, das Mahl zu genießen, das „das Gute und der Genuss“ genannt wird. Da er bereits das Gefäß des Gebens hat, das die Verhüllung und die Verbergung beseitigt, die auf dem Mahl lasten. Denn diese Verbergung hält jeden fern, der vom Mahl kosten möchte, und sagt über das Mahl, dass es bitteren Geschmack habe. Und damit lässt sich erklären, was die Weisen sagten, dass der Schöpfer spricht: „Ihr Unvernünftigen der Welt, wer sich am Vorabend des Shabbat bemüht hat, der wird am Shabbat essen.“
Wir fragten, was im Sinne der Arbeit das „Shabbat-Mahl“ ist. Es lässt sich erklären, wie die Weisen sagten, dass der Schöpfer bei der Erschaffung von Adam haRishon sprach: Womit lässt sich das vergleichen? Mit einem König, der einen Turm hat, der mit allem Guten gefüllt ist, aber keine Gäste hat. Denn das Mahl wird „ein mit allem Guten gefüllter Turm“ genannt.
Und das wird „Shabbat-Mahl“ genannt. Gemeint ist die Zeit nach dem Abschluss der Arbeit, also nach der Erlangung der Gefäße des Gebens. Darin besteht die ganze Mühe an den Wochentagen; das Weltliche wird „die sechs Tage des Wirkens“ genannt, und das meint die Anfertigung tauglicher Gefäße, die fähig sein sollen, das Mahl zu empfangen, das ganz Israel umfasst. Das wird beim Ende der Korrektur [Gmar Tikun] sein, das die Weisen als den Zustand „Israel“ bezeichnen. Denn sie legten aus, dass die Erschaffung der Welt um Israels willen war, wie geschrieben steht: „Im Anfang erschuf“ – und „Anfang“ ist nichts anderes als Israel, wie geschrieben steht: „Anfang Israels“. Der mit allem Guten gefüllte Turm ist also für die ganze Allgemeinheit.
Im Einzelfall gilt das Mahl zu der Zeit, wenn der Mensch sein Tun korrigiert und in den Zustand „Israel“ kommt, der Yashar-El [direkt zum Schöpfer] genannt wird, was bedeutet, dass all sein Tun um des Himmels willen ist, das El genannt wird; dann erringt er den Zustand des „Mahls“ im Einzelfall. Und beim Ende der Korrektur wird es so sein, dass alle einzelnen mit Gefäßen kommen, die fähig sind, das Mahl zu empfangen, wie erwähnt, da der Schöpfer sagte: Wer sich am Vorabend des Shabbat bemüht hat, der wird am Shabbat essen, wie zuvor im Gleichnis vom heilenden Mittel. Durch die Mühe in Tora und Mizwot also, dort in der Mühe, werden sie das Heilmittel finden, das die Zimzum und die Verbergung annulliert, die auf dem Mahl lasten.
Damit erklärt sich auch, was in der Massechet Shabbat (S. 119) angeführt ist, und dies sind die Worte: „Der Kaiser sagte zu Rabbi Jehoshua ben Chananja: ‚Weshalb duftet das Shabbat-Gericht so wohlriechend?‘ Er sagte ihm: ‚Ein Gewürz haben wir, und Shabbat ist sein Name, das wir hineingeben, und sein Duft ist wohlriechend.‘ Er sagte: ‚Gib uns davon.‘ Er sagte ihm: ‚Jedem, der den Shabbat hütet, nützt es, und wer den Shabbat nicht hütet, dem nützt es nicht.‘“
Obwohl die einfache Auslegung die ist, dass es derjenige ist, der den Shabbat hütet, lässt sich im Sinne der Arbeit „der den Shabbat hütet“ doch so erklären: „hütet“ im Sinne von „und sein Vater bewahrte die Sache“, was bedeutet, dass er sitzt und harrt und sagt: Wann kann ich die Gefäße erlangen, die fähig sind, das Shabbat-Mahl zu empfangen, sodass sein Duft wohlriechend ist, da das Shabbat-Mahl „das Gute und der Genuss, eingekleidet in die 613 Mizwot im Zustand der 613 Pikudin (Hinterlegungen)“ genannt wird.
Und wie im Sulam [Leiterkommentar zum Sohar] geschrieben steht (Teil 1, S. 242, Punkt 1): „Dass in jeder einzelnen Mizwa dort als Hinterlegung [Pikadon] ein besonderes Licht ist. Und das wird bereits der Zustand des Shabbat-Mahls genannt, das man gerade nach der Arbeit und Mühe empfangen kann, was dadurch kommt, dass man die 613 Mizwot im Zustand der Ejtin, also der Ratschläge, erfüllt, wie man zum Zustand des Lichtes in ihr gelangt, das ihn zum Guten zurückführt.“
Deshalb ist die Auslegung von „wer hütet“ die: dass er die 613 Mizwot im Zustand der Ratschläge hütet, wie man zum Zustand des Gebens gelangt. Denn gerade in den Gefäßen des Gebens kann man das Shabbat-Mahl genießen, da dann die Zimzum und die Verbergung sich bereits vom Guten und Genuss entfernt haben. Und das ist wie das obige Gleichnis vom heilenden Mittel, das heißt: Das Pulver, das sich im Erfüllen der 613 Mizwot im Zustand der Ratschläge findet, heilt das bittere Mittel, das auf dem Guten und Genuss lagert. Wenn man daher die Gefäße des Gebens, die in Tora und Mizwot zu finden sind, nicht durch die Mühe erlangt, bleibt die Verbergung auf dem Guten und Genuss.
Damit lässt sich erklären, was die Weisen sagten (Awot, Kapitel 2, 21), und dies sind ihre Worte: „Und zuverlässig ist der Meister deines Wirkens, dass er dir den Lohn deines Tuns zahlen wird. Und wisse, dass die Gabe des Lohnes der Gerechten in der Zukunft ist.“ Und das ist verwunderlich: Muss man denn nicht arbeiten, ohne eine Belohnung zu erwarten? Wenn dem so ist, wie kann man dann sagen: „Und wisse, dass die Gabe des Lohnes der Gerechten in der Zukunft ist“? Und nach dem oben Gesagten lässt sich erklären, dass die Weisen uns erläutern, was der Lohn der Gerechten in der Zukunft ist.
Das heißt: Hinsichtlich der ganzen Mühe, die man aufwendet, um Lohn zu empfangen, sagen sie uns, was ihr Lohn ist – in der Zukunft. Nämlich, dass sie es erringen werden, nur im Zustand von „all dein Tun soll um des Himmels willen sein“ zu arbeiten, was die Gefäße des Gebens sind. Und dafür wenden sie all die Mühe auf, um „in der Zukunft“ andere Gefäße zu erlangen als die, die sie jetzt haben, die Gefäße des Empfangens sind. Und in der Zukunft werden sie die Gefäße des Gebens erringen. Und das ist „Und wisse, dass die Gabe des Lohnes der Gerechten in der Zukunft ist.“
korrOp, EY, 27.07.2026, 08:37 Uhr, Ver4