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1988/24 Was bedeutet „Das Verborgene gehört dem Ewigen, und das Offenbarte gehört uns“ in der Arbeit?

Es steht geschrieben (Wochenabschnitt Nizawim, dritter Teil): „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott, und das Offenbare gehört uns und unseren Kindern für immer, damit wir alle Worte dieser Tora erfüllen.“ Wir müssen verstehen, was uns dieses Wissen gibt. Könnte denn jemand auf den Gedanken kommen, dass es dem Menschen zusteht, das Verborgene zu erkennen? Und wenn es uns gegeben wäre, das Verborgene zu erkennen, warum hat der Schöpfer es dann vor uns verborgen? Außerdem müssen wir verstehen, was das Verborgene ist. Worauf deutet es uns hin, dass wir dies nicht ergründen sollen, sondern dass es dem Ewigen, unserem Gott, gehört?

Zum Vers „Wenn du die Lampen entzündest [wörtlich: aufsteigen lässt]“ erklärt Rashi, und das sind seine Worte: „‚Wenn du aufsteigen lässt‘ – so genannt, weil die Flamme aufsteigt; denn man muss so lange anzünden, bis die Flamme von selbst aufsteigt.“ Wir müssen verstehen, worauf uns das hindeutet, „dass man anzünden muss, bis die Flamme von selbst aufsteigt“. Offensichtlich gilt doch: Wenn die Lampe nicht richtig brennt, sondern nur so lange, wie der Mensch sie anzündet, dann muss man natürlich warten, bis sie von selbst brennt. Was sagt uns das also Neues, wenn es heißt: „bis die Flamme von selbst aufsteigt“?

Über die Herstellung der Menora (siebenarmiger Leuchter) sagt der Vers: „Und dies ist die Herstellung der Menora, getriebene Arbeit aus Gold.“ Rashi erklärt „getrieben“, und das sind seine Worte: „Es war ein Block (ein Stück) aus einem Klumpen Gold. Und man schlug mit dem Hammer und schnitt mit der Schere, um ihre Teile richtig auszubreiten. Und sie wurde nicht Teil für Teil durch Zusammenfügung hergestellt. So machte Er die Menora.“ Rashi erklärt: „Durch den Schöpfer wurde sie von selbst gemacht.“ Wir müssen verstehen: Wenn die Menora von selbst gemacht wird, warum musste man dann mit dem Hammer schlagen und mit der Schere schneiden? Wenn doch der Schöpfer die Menora macht, hätte es gewiss genügen müssen, einen Klumpen Gold zu nehmen, und sie wäre von selbst entstanden. Warum musste man dann schlagen?

Bekanntlich liegt es in der Natur des Menschen, dass er einzig und allein zum eigenen Nutzen empfangen will. Und der Mensch kann nichts tun, wenn er nicht sieht, dass etwas zu seinem eigenen Nutzen dabei herauskommt. So steht es im Sohar zum Vers „Der Blutegel hat zwei Töchter: Haw, Haw“ (Sprüche 30:15). Und der Sohar erklärt: „‚Und der Blutegel hat zwei Töchter‘, die wie Hunde schreien: ‚Haw, Haw [gib, gib]. Gib uns den Reichtum dieser Welt, und gib uns den Reichtum der kommenden Welt.‘“ Das heißt: Wo immer der Mensch sieht, dass er aus etwas einen Genuss ziehen kann, schreit er „Haw, Haw“, was bedeutet: „Gib, gib, ich nehme das mit Herz und Seele an.“

Und uns wurde die Mizwa der Liebe zum Schöpfer gegeben, wie geschrieben steht: „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ Doch wie kann man das erfüllen? Es ist doch gegen unsere Natur. Unsere Weisen deuteten den Vers „Und Er strahlte ihnen von Seir auf“ so: „Er eröffnete den Kindern Esaus, dass sie die Tora empfangen sollten. Doch sie wollten nicht. Er erschien vom Berg Paran, ging dorthin und eröffnete den Kindern Ismaels, dass sie sie annehmen sollten. Doch sie wollten nicht.“ Das heißt, sie alle fragten: „Was steht darin geschrieben?“ Esau wollte nicht, weil geschrieben steht: „Du sollst nicht morden“, und über Esau steht geschrieben: „Von deinem Schwert sollst du leben.“ Und ebenso die Kinder Ismaels: „Was steht geschrieben?“ – „Du sollst nicht ehebrechen“; da wollten sie nicht. Anders war es, als Er zum Volk Israel kam: Da sagten sie: „Wir werden tun und wir werden hören.“

Und wir müssen verstehen: Stimmt denn der böse Trieb im Volk Israel zu, auf die schlechten Eigenschaften zu verzichten? Wenn ja, was bedeutet es dann, dass sie sagten: „Wir werden tun und wir werden hören“? Man kann es so erklären: Als das Volk Israel sah, dass sein Böses sich der Tora widersetzt, das heißt, dass es die Mizwot der Tora nicht erfüllen will, da sagte es: „Wir werden tun, auch gegen unseren Willen“, das heißt durch Zwang, obwohl unser Böses nicht zustimmt.

Aber wir müssen verstehen: Welchen Wert hat es, wenn jemand einem anderen etwas durch Zwang gibt? Kann man sagen, dass er ihm aus Liebe gibt? Er liebt ihn doch nicht. Demnach ist dies kein Grund für das Geben. Denn Liebe erwirbt man dadurch, dass der eine dem anderen gute Dinge gibt; dann liegt es in der Natur, dass der Empfänger des Geschenks den Gebenden zu lieben beginnt – nicht aber, dass der Gebende durch das Geben den Empfänger zu lieben beginnt. Welchen Sinn hat es also, dass Israel sagte: „Wir werden tun, gegen unseren Willen“, obwohl das Böse nicht zustimmt? Und wie wird dadurch „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben“ erfüllt?

Unsere Weisen sagten: Als Israel sagte „Wir werden tun und wir werden hören“, sagte der Schöpfer: „Wer hat dieses Geheimnis Meinen Kindern offenbart, das Werkzeug, das die dienenden Engel benutzen, wie gesagt ist: ‚Mächtig an Kraft, die Sein Wort tun, und danach die Stimme Seines Wortes hören.‘“ Daraus geht hervor, dass das „Tun“ die „Mächtigen an Kraft“ meint, das heißt die Überwindung – obwohl der Körper, der die Natur des Empfangens für sich selbst in sich trägt, nicht zustimmt. Und danach, durch das Tun in Überwindung, obwohl der böse Trieb nicht will, wird man würdig, „die Stimme Seines Wortes zu hören“. Denn „hören“ bedeutet hier „mir einleuchten“, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe es nicht gehört – das heißt: Es leuchtet mir nicht ein“ (Eruwin 102).

Demnach ergibt sich folgende Auslegung: „Wir werden tun“ sagten sie im Sinne der Überwindung, in der Kraft des Zwangs; und danach werden wir „Wir werden hören“ würdig, das heißt, die Sache wird uns einsichtig und annehmbar. Denn wenn sie uns einsichtig und annehmbar ist, können wir gewiss alles mit Liebe und Freude tun, und dann geschieht alles aus freiem Willen und nicht durch Zwang.

Nach dem Gesagten kann man die Aussage „Wer hat dieses Geheimnis Meinen Kindern offenbart“ auslegen. Denn wir müssen verstehen, was das Geheimnis daran ist, dass sie sagten „Wir werden tun und wir werden hören“, wenn Er fragt: „Wer hat dieses Geheimnis offenbart?“ Wir müssen also verstehen, was in der Arbeit „Geheimnis“ genannt wird. „Geheimnis“ heißt das, was nicht offenbar ist. Aber wir müssen glauben, dass diese Sache vorhanden ist. Das heißt, es gibt hier etwas, das wir wissen wollen und wissen müssen; und wenn wir kein Bedürfnis haben, es zu wissen, dann heißt es für den Menschen nicht „Geheimnis“.

Das gleicht jemandem, der sieht, wie zwei Menschen leise miteinander reden. Gewiss wollen sie nicht, dass er es hört. Aber wenn sie nicht über ihn reden, will er gar nicht wissen, worüber sie sprechen. Deshalb gilt das, worüber sie reden, nicht als ein Geheimnis, das er hören möchte. Selbst wenn man es ihm sagte, wollte er es nicht hören, denn jeder Mensch hat seine eigenen Angelegenheiten, die ihn interessieren. Aber in dem Augenblick, in dem er denkt, dass sie über ihn reden, will er wissen, worüber sie sprechen – denn das ist ein Geheimnis, von dem sie nicht wollen, dass er es erfährt.

Auch in den Dingen der Arbeit gilt dieselbe Ordnung wie im Materiellen. Ein Beispiel: Wenn der Mensch Tora lernt, etwa die Gesetze, dann kann man sagen, dass die Tora kein Geheimnis spricht, nichts, was er nicht wüsste. Im Gegenteil, die Tora nennt ihm die Bestimmungen, wie er die Mizwot erfüllen soll. Anders ist es, wenn er die Erzählungen in der Tora oder einfach die Legenden unserer Weisen lernt. Wenn er glaubt, dass die Tora über ihn spricht, und nicht weiß, welche Verbindung zwischen den Worten der Tora, die er lernt, und ihm selbst besteht, und er wissen will, was dort geschrieben steht – dann heißt das, dass er jetzt ein „Geheimnis“ lernt. Damit eine Sache „Geheimnis“ genannt wird, gibt es also zwei Bedingungen:

1) Er glaubt, dass über ihn gesprochen wird.

2) Er ist daran interessiert zu wissen, was die Tora über ihn sagt – das heißt, dass das, wovon die Tora spricht, zu seinem Bedarf gehört. Nur auf diese Weise heißt es in der Arbeit „Geheimnis“.

Nach dem Gesagten können wir verstehen, was der Schöpfer sagte: „Wer hat dieses Geheimnis Meinen Kindern offenbart.“ Die Erklärung ist: Wer hat Meinen Kindern das Geheimnis offenbart, zu glauben, dass sie durch das Tun auf dem Weg des Zwangs das „mir einleuchten“ erlangen werden – dass also das, was zuvor erzwungen war, danach aus freiem Willen geschieht.

Es zeigt sich, dass das Tun „Glaube“ genannt wird. Das heißt: Weil sie glaubten, dass sie nach dem Tun das Hören erlangen würden, waren sie auch in der Zeit des Zwangs sicher, dass sie die Taten mit Freude und Liebe vollbringen können – dafür, dass sie das Hören erlangen würden.

Anders die „Völker der Welt“: So werden in der Arbeit die Teile im Menschen genannt, die nicht zu „Israel“ gehören, sondern in allem den Weg des äußeren Verstandes gehen wollen. Nur für das, was der Verstand versteht und erreichen kann – wovon er ihnen zwingend nahelegt, dass es sich zu tun lohnt –, sind sie bereit zu arbeiten. Aber nicht für das, was den Glauben über dem Verstand betrifft. Denn vom Verstand her sehen sie, dass der Mensch von sich selbst aus das Verlangen zu empfangen nicht annullieren kann. Vielmehr muss man glauben: Wenn der Schöpfer uns diese Arbeit gegeben hat – zu arbeiten, um zu geben –, dann wusste Er gewiss, dass sich diese Sache tun lässt. Nur wir mit unserem kleinen Verstand begreifen nicht, wie so etwas sein kann, denn es ist geradezu ein Wunder vom Himmel; aber der Schöpfer wusste gewiss, dass wir diese Stufe wirklich erreichen können.

Wir wissen zwar nicht, wie solche Dinge möglich sind; sie aber können es nicht glauben – und das wird „Völker der Welt“ genannt. Aber „Israel“ wird genannt, wer sich überwinden und über dem Verstand glauben kann. Daher glauben jene, die zu „Israel“ gehören, dass diese Sache des Gebens ein Geheimnis vor den Menschen ist. Das heißt, sie wissen nicht, wie sie zur Kraft des Gebens gelangen können, aber sie glauben, wie oben gesagt.

Anders die „Völker der Welt“, die im Menschen sind: Sie sagen, dass dies eine schwere Sache ist – dass das nichts für uns ist. Wenn sie daher sehen, dass von uns verlangt wird, im Glauben über dem Verstand zu gehen, haben sie kein Interesse daran; sie fliehen vom Schlachtfeld und sagen, dass dies für sie eine schwere Sache ist.

Daher wollten die „Völker der Welt“ im Menschen die Tora nicht empfangen. Denn wie wir lernen, geschieht das Empfangen der Tora im Sinne von „Ein Mensch, wenn er im Zelt stirbt“, worüber unsere Weisen sagten: „Die Tora besteht nur in dem, der sich für sie tötet.“ Das bedeutet, dass der Mensch seinen Eigennutzen annullieren muss, sodass all seine Sorgen nur dem Nutzen des Schöpfers gelten. Doch der Körper stimmt nicht zu, den Eigennutzen zu annullieren, den Weg des Zwangs zu gehen und zu glauben, dass wir durch „Wir werden tun“ zu „Wir werden hören“ gelangen – dieser Glaube leuchtet dem Verstand dessen, der für sich selbst empfängt, nicht ein. Das ist der ganze Unterschied zwischen den „Völkern der Welt“ und „Israel“.

Nach dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Worauf deutet es hin, dass sie sagten, man „muss anzünden, bis die Flamme von selbst aufsteigt“? Es verhält sich so: Das Anzünden gehört zum Menschen, der die Handlung vollbringen muss. Und wie lange muss er „die Handlung“ vollbringen, die „Weg des Zwangs“ genannt wird? Bis „die Flamme von selbst aufsteigt“.

Das heißt: „Von selbst“ bedeutet „ohne die Handlungen des Unteren“, die „Weg des Zwangs“ genannt werden. Vielmehr wird er würdig, dass der Schöpfer ihm das „Hören“ gibt, wie oben gesagt. Dann vollbringt der Mensch alle Taten mit Freude, mit Liebe und aus freiem Willen – nicht wie zu der Zeit, als er sich mit dem Tun befasste, das auf dem Weg des Zwangs geschah und bei dem sich der Körper widersetzte, wenn er dem Schöpfer geben wollte.

Jetzt aber ist er in dem Zustand von „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen – mit deinen beiden Trieben“. Denn auch der böse Trieb liebt den Schöpfer, weil er sich vor dem Schöpfer annulliert „wie eine Kerze vor einer Fackel“. Und dies ist die Auslegung: Der Mensch muss „anzünden“, also Taten vollbringen, bis „die Flamme von selbst aufsteigt“ – nicht aus der Kraft des Menschen, sondern „von selbst“, das heißt „aus der Kraft des Schöpfers“.

Auf diesem Weg lässt sich auch auslegen, was wir zu den Worten unserer Weisen über die Herstellung der Menora gefragt haben: „Und dies ist die Herstellung der Menora, getriebene Arbeit aus Gold; es war ein Block aus einem Klumpen Gold, und man schlug mit dem Hammer und schnitt mit der Schere, um ihre Teile richtig auszubreiten, und sie wurde nicht Teil für Teil durch Zusammenfügung hergestellt.“ Und wir fragten: Da doch die einfache Bedeutung lautet, dass die Menora durch den Schöpfer von selbst gemacht wurde – wozu musste man dann mit dem Hammer schlagen, wenn der Schöpfer die Menora machte, was „von selbst“ genannt wird? Und wozu muss auch der Mensch etwas tun?

Vielmehr ist es, wie oben gesagt: Der Mensch muss sagen „Wir werden tun und wir werden hören“. Das heißt, der Mensch muss unter Zwang beginnen, und er muss glauben, dass er „Wir werden hören“ erlangen wird. Und es gibt „kein Licht ohne Gefäß“ – das heißt, der Schöpfer gibt dem Menschen keine Erfüllung, wenn der Mensch keinen Mangel hat, den der Schöpfer ihm füllen kann. Deshalb muss der Mensch beginnen, sehen, dass es schwer ist, und zum Schöpfer beten, dass Er ihm hilft. Dann sieht der Mensch, dass alles von selbst gemacht wird, das heißt ohne die Hilfe des Menschen. Was also tut der Mensch bei der Herstellung der Menora, wenn alles der Schöpfer tut?

Die Antwort: Die Taten des Menschen sind nötig, denn ohne das Tun des Menschen hätten wir dieses Wissen nicht, dass alles der Schöpfer tut. Der Mensch würde vielmehr sagen, dass er auch selbst, ohne die Hilfe des Schöpfers, zur Vollkommenheit gelangen kann – „meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir dieses Vermögen verschafft“. Anders ist es, nachdem der Mensch sich gemüht und geplagt hat, alles getan hat, was in seiner Macht stand, und nicht einmal um Haaresbreite vorangekommen ist: Dann muss er sagen, dass der Schöpfer ihm diese Kraft, arbeiten zu können, um zu geben, als Geschenk gegeben hat. Das bedeutet, dass der Schöpfer dem Menschen die Erlaubnis gegeben hat, Ihm zu dienen. Und diese Erlaubnis besteht darin, dass Er ihm Genuss gegeben hat, wenn er dem Schöpfer gibt.

Und damit verstehen wir, was geschrieben steht: „Es war ein Block (ein Stück) aus einem Klumpen Gold.“ „Der Körper“ wird „ein Klumpen Gold“ genannt, wie oben gesagt und wie im Sohar geschrieben steht: „‚Und der Blutegel hat zwei Töchter‘, die wie Hunde schreien: ‚Haw, Haw. Gib uns den Reichtum dieser Welt, und gib uns den Reichtum der kommenden Welt.‘“ Und dieser Körper, der ein Klumpen Se-Haw [Gold; wörtlich: „das ist ‚gib‘“] genannt wird, wurde mit dem Hammer geschlagen.

Erklärung: Jede Arbeit, die der Körper auf dem Weg des Zwangs verrichtet, heißt, dass er mit dem Hammer schlägt und mit der Schere schneidet. Das heißt: Jeder einzelne Zwang, den der Mensch ausübt, ist, als hätte er einen Teil vom Se-Haw [Gold] abgeschnitten, das heißt vom Verlangen, für sich selbst zu empfangen. Und das ist es, was geschrieben steht: „um ihre Teile richtig auszubreiten“ – das bedeutet, von den Teilen das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, abzustreifen und sie zu korrigieren, um zu geben. Das wird „ihre Teile richtig auszubreiten“ genannt.

Doch so war es nicht. Das heißt, es wurde nicht ein Teil ganz fertiggestellt – ein Teil, der einer Eigenschaft in Vollkommenheit entspricht, und danach eine zweite Eigenschaft in Vollkommenheit. Vielmehr wird eine einzige Vollkommenheit für alle gemacht, nämlich „um zu geben“, und danach kommt die Zusammenfügung aller Teile zu einem einzigen vollkommenen Ganzen. Aber so geschah es nicht, sondern umgekehrt: Bei jedem Teil, den er korrigieren wollte, zeigte sich an seiner Stelle das Böse und nicht das Gute. Daher hatte er viele Teile, die nicht in Ordnung waren – bis er in einen Zustand kam, in dem er sah, dass es in seinem Empfangenden keinen einzigen Teil gibt, der bereit wäre, zu arbeiten, um zu geben.

Und dann sah er, dass alles getriebenes Se-Haw [Gold] ist. Erklärung: Er sah, dass Se-Haw, das heißt der Empfangende, schwer umzuwandeln ist, um zu geben. Und damit war das Gefäß vollendet, das heißt die Handlung vonseiten des Unteren. Denn er sah, dass es nicht in seiner Macht steht, ihn zu überwinden. Das ist im Sinne dessen, was geschrieben steht: „Und die Kinder Israels seufzten wegen der Arbeit, und ihr Schreien stieg wegen der Arbeit zu Gott auf.“ Und dann kam die Hilfe vom Schöpfer. Das ist es, was geschrieben steht: „So machte Er die Menora“, was Rashi erklärt: „Durch den Schöpfer wurde sie von selbst gemacht.“

Es zeigt sich: Wer machte die Menora? Der Schöpfer selbst. Wozu also braucht es dann die Arbeit Israels?

Und die Antwort ist: um den Bedarf zu offenbaren, dass nur der Schöpfer die Natur ändern kann, die Er erschaffen hat – nämlich dass in den Geschöpfen ein Verlangen ist, für sich selbst zu empfangen. Andernfalls würde der Mensch denken, dass er selbst den Empfangenden in einen Gebenden verwandeln kann.

Doch auch dies müssen wir verstehen: Was kümmert es den Schöpfer, dass die Geschöpfe die Wahrheit nicht kennen und denken, dass sie selbst diese Handlung vollbringen können, das Gefäß des Empfangens in Geben zu verwandeln? Oder stellen wir die Frage anders: Warum hat der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft gegeben, das Gefäß des Empfangens selbst in Geben zu verwandeln?

Die Antwort darauf gab mein Vater und Lehrer: Dies gehört zur Korrektur. Denn andernfalls wäre der Mensch auf seiner niedrigen Stufe geblieben. Das heißt, er hätte das Licht der Tora nicht gebraucht – und der Schöpfer wollte ihnen die Tora geben. Dadurch also, dass sie nicht von selbst zu den Gefäßen des Gebens gelangen können, werden sie den Schöpfer bitten, dass Er ihnen hilft. Und die Hilfe, die Er ihnen gibt, geschieht gerade durch die Tora, denn „das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück“. Es zeigt sich, dass der Mensch einen Bedarf hat, die Tora zu empfangen.

Denn es gibt eine zweite Stufe: Nachdem der Mensch zum Guten zurückgekehrt ist und die Gefäße des Gebens empfangen hat – das ist die erste Stufe –, empfängt er die Tora als „die Namen des Schöpfers“. Denn diese Stufe ist es, die „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt wird, eingekleidet in „die Namen des Schöpfers“; und das wird „die Tora und Israel und der Schöpfer sind eins“ genannt.

Nach dem Gesagten können wir auslegen, was geschrieben steht: „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott, und das Offenbare gehört uns und unseren Kindern für immer, damit wir alle Worte dieser Tora erfüllen.“ Und wir fragten: Was will uns das lehren? Die Antwort ist: Wenn der Mensch in die Arbeit eintritt, um zu geben, und sieht, dass er nicht vorankommt, Gefäße des Gebens zu erlangen, sondern im Gegenteil – dann beginnt der Mensch, seinen schlechten Zustand zu sehen: wie sehr er in der Eigenliebe versunken ist. Denn es gilt die Regel: In dem Maße, in dem der Mensch will, dass seine Kleidung rein von jedem Schmutz ist, sieht er den Schmutz umso mehr.

Denn es gibt eine Regel: „Eine Sache, die dem Menschen nicht begegnet ist [die sich ihm nicht gefügt hat], steht ihm nicht im Sinn [er achtet nicht darauf].“ Das bedeutet: Wo der Mensch auf eine Sache nicht achtet, sieht er nicht, was dort fehlt. Wenn er also beginnt, zu arbeiten, um zu geben, und darauf achtet, wie weit er bereit ist, zu arbeiten, um zu geben – dann ist das die Zeit, in der er sieht, wie weit er vom Geben entfernt ist. Und er sieht, dass er nicht fähig ist, irgendeine Handlung ohne Gegenleistung zu vollbringen.

Was kann der Mensch also tun, wenn er sieht, dass er in der Arbeit des Gebens keinerlei Fortschritt macht, sondern, wie oben gesagt, immer nur sieht, dass er nicht aus der Eigenliebe herauskommen kann? Zu Beginn der Arbeit dachte er nämlich: Sobald er sich nur entschließt, den Weg des Gebens zu gehen, kann er es sofort. Das heißt, er dachte, dass er Herr über sich selbst ist – denn wer sagt ihm, was er zu tun hat? Zwar stimmt es, dass bei Taten, die er tun will, eine Störung von Menschen von außen kommen kann.

Aber hier, bei der Arbeit des Gebens, geht es nur um die Absicht zu geben; denn er muss nicht mehr als die 613 Mizwot erfüllen, wenn er beabsichtigen will, um zu geben. Nach außen hin befasst er sich also wie alle, das heißt wie die ganze Allgemeinheit. Er fällt nicht aus der Allgemeinheit heraus, sodass man sagen könnte, dass die Allgemeinheit sich seinem Weg widersetzt – denn wer weiß schon, was im Herzen seines Nächsten ist? Er denkt also bei sich, dass er bald, nach einiger Zeit der Arbeit, in die Arbeit des Gebens eintreten wird. Und plötzlich sieht er: An jedem Tag, an dem er die Arbeit vermehrt, weil er Gefäße des Gebens erwerben will, sieht er, dass sie immer weiter von ihm entfernt sind und dass er keinerlei Möglichkeit hat, jemals aus der Eigenliebe herauszukommen.

Dazu kommt der Vers, um uns zu verkünden: „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott“ – das heißt die Absicht zu geben, die „der verborgene Teil“ genannt wird, wie oben gesagt, da der Mensch die Gedanken seines Nächsten nicht kennt. Der Mensch muss wissen: Es ist wahr, dass dies nicht in unserer Hand liegt. Vielmehr gehört der verborgene Teil, der „Absicht“ genannt wird, dem Ewigen, unserem Gott. Denn Er muss uns diese Kraft geben, und wir haben nichts in der Hand, womit wir Ihm helfen könnten. Womit wir Ihm dennoch helfen können, ist dies: Wir beginnen, in dieser Arbeit des Gebens zu arbeiten, und wir sehen, dass wir nicht aus der Eigenliebe in uns herauskommen können. Damit helfen wir Ihm, dass wir zu diesem Wissen gelangen, dass nur Er uns geholfen hat.

Hätten wir aber nicht begonnen und nicht gesehen, dass wir nicht weiter vorankommen können, dann hätten wir diese Korrektur nicht erreicht, durch die wir wissen, dass nur Er allein alles getan hat. Anders wäre es, wenn wir von allein aus der Eigenliebe herauskommen könnten.

Erklärung: Wir würden dann so denken, und uns würde das Wissen fehlen, dass „Er allein alle Werke getan hat, tut und tun wird“. Wenn wir aber an uns selbst sehen, dass wir nicht aus der Eigenliebe herauskommen können, dann brauchen wir nicht zu glauben, dass Er uns diese Kraft gegeben hat, denn wir sehen es im Wissen.

Es zeigt sich, dass der Vers uns verkündet, uns nicht davon erschrecken zu lassen, dass wir uns nicht überwinden und nicht aus der Eigenliebe herauskommen können – das wird „der verborgene Teil“ genannt. Dieser liegt in der Hand des Schöpfers, wie geschrieben steht: „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott, und das Offenbare gehört uns und unseren Kindern.“ Wie oben gesagt, wird „das Offenbare“ der Teil der Handlung genannt, den wir durch Zwang tun können. Daher verkündet uns der Vers: Dass wir sehen, dass es für uns schwer ist – das ist wahr. Aber dies, nämlich die Absicht, wurde uns nicht zu tun gegeben, sondern nur die Handlung. Doch dadurch, dass wir sehen, dass wir es nicht selbst tun können, entsteht das, was „Gebet“ genannt wird – das heißt der Bedarf, dass der Schöpfer uns dieses Gefäß gibt.

Nach dem Gesagten lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten (Menachot 29), und das sind ihre Worte: „Die Herstellung der Menora fiel Moses schwer, bis der Schöpfer sie ihm mit Seinem Finger zeigte, wie geschrieben steht: ‚Und dies ist die Herstellung der Menora.‘“ Man kann dies im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen: „Die Herstellung der Menora“ bedeutet, dass das Licht des Schöpfers leuchten soll. Dazu braucht man Gefäße des Gebens. Und woher soll man die Gefäße des Gebens nehmen? Das ist doch schwer, weil es gegen die Natur ist. Da zeigte der Schöpfer es ihm mit Seinem Finger und sagte ihm: „Und dies ist die Herstellung.“ Das heißt: Ihr werdet die Handlung tun, und Ich werde die Absicht geben. Das bedeutet: Den offenbaren Teil werdet ihr tun, und den verborgenen Teil werde Ich geben. Und das ist es, was geschrieben steht: „So machte Er die Menora“ – das heißt, von selbst.

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