1988/12 Was sind Tora und Arbeit auf dem Weg des Schöpfers
Unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter (Awot), Kapitel 2, Mishna 2), und das sind seine Worte: „Rabban Gamliel, der Sohn von Rabbi Yehuda HaNasi, sagt: ‚Gut ist das Tora-Studium zusammen mit Derech Erez1, denn die Anstrengung in beidem lässt die Sünde vergessen. Jede Tora, mit der keine Arbeit einhergeht, wird am Ende aufgehoben und zieht Sünde nach sich.‘“ So weit seine Worte.
Dieser Ausspruch ist in seiner einfachen Bedeutung sehr schwer zu verstehen. Ist es denn möglich? Bei einer Tora, mit der keine Arbeit einhergeht – warum sollte die Tora aufhören, Tora zu sein? Nicht nur das, sondern die Tora, mit der keine Arbeit einhergeht, zieht Sünde nach sich.
Und auch der vorhergehende Ausspruch ist schwer zu verstehen: Warum lässt gerade „die Anstrengung in beidem“ die Sünde vergessen? Unsere Weisen sagten doch: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe ihm die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.“ Und sie sagten nicht, dass die Tora, um den Bösen Trieb aufzuheben, auch Derech Erez zu Hilfe brauche.
Und dies ist auf dem Weg der Arbeit auszulegen. Es ist bekannt, dass das Böse und die Sünde vor allem die Natur sind, in der der Mensch erschaffen wurde, deren Ursprung der Staub ist, wie nach der Sünde am Baum der Erkenntnis geschrieben steht: „Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren.“23
Und Staub ist Malchut (Königreich; die Wurzel des Verlangens zu empfangen), das ist das Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen4. Auf dieses Verlangen hin geschahen eine Einschränkung und eine Verhüllung. Das bedeutet, dass dieser Ort zu einem vom Licht freien Raum wurde. Diese Einschränkung geschah, damit es kein „Brot der Scham“ gebe, sondern im Maß der Gleichheit der Form – in diesem Maß entfernt sich die Verhüllung, und an ihre Stelle tritt Höheres Licht.
Und aus diesem Grund sagt Maimonides: Wenn man beginnt, die Frauen, die Kinder und die Unwissenden zu unterrichten, gewöhnt man sie daran, in lo liShma (nicht um des Gebens willen) zu lernen. Bis ihr Wissen zunimmt und sie überragende Weisheit erlangen; [dann] enthüllt man ihnen dieses Geheimnis, nämlich liShma (um des Gebens willen). Denn die Sache des liShma ist gegen unsere Natur, da wir mit dem Verlangen geboren wurden, für uns selbst zu empfangen. Deshalb gibt es keinen anderen Rat, mit Tora und Geboten zu beginnen, als in lo liShma. Doch durch lo liShma kommt man zu liShma, wie geschrieben steht: „Indem sie sich damit befassen, korrigiert das Licht in ihr sie.“
Aus dem Gesagten folgt, dass unsere ganze Arbeit, die uns aufgetragen ist, darin besteht, unser Verlangen zu empfangen umzukehren, sodass es auf das Geben ausgerichtet sei. Diese Arbeit ist eine sehr schwere Sache. Das wird auch Derech Erez genannt (Weg der Welt, gebührendes Verhalten). Das heißt, es ist der Weg der Welt, dass der Kleinere sich vor dem Größeren annulliert und dass es ein großer Genuss ist, wenn der Kleinere dem Größeren dient. Demnach sollte jeder Einzelne das Verlangen haben, dem Schöpfer zu dienen, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Doch auch dieses Derech Erez ist schwer einzuhalten. Und das heißt: „Gut ist das Tora-Studium zusammen mit Derech Erez.“
Und die rührt von der Einschränkung und der Verhüllung her, die auf dem Verlangen zu empfangen waren. Deshalb leuchtet das Licht an diesem Ort nicht, sondern Dunkelheit und Verhüllung sind hier, in den Gefäßen des Empfangens für sich selbst. Daher liegt es am Menschen, alles im Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen. Doch auch das ist schwer, denn unser Verlangen zu empfangen ist es nicht gewohnt, Dinge zu tun, die gegen den Verstand sind. Damit die Möglichkeit besteht, aus der Herrschaft des Willens, für sich selbst zu empfangen, herauszukommen, sagten unsere Weisen: „Der Schöpfer sagte: ‚Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.‘“ Und das ist wie oben: „dass das Licht in ihr ihn korrigiert“.
Und zur Sache „das Licht in ihr korrigiert ihn“ heißt es im Buch Pri Chacham, und das sind seine Worte: „Die meisten Worte der Tora sind zum Studium da. Damit ist geklärt, wozu uns die Ausführlichkeit in der Tora dient usw., die nicht die Tat betrifft, sondern nur das Studium, das heißt die Voranstellung des Schöpfungswerks usw., und von den Legenden und Midrashim ganz zu schweigen. Vielmehr, da sie das Wesen sind, in dem das Licht eingeschlossen ist, wird sein Körper geläutert, und der Böse Trieb wird unterworfen, und er kommt zum Glauben an die Tora und an Belohnung und Strafe usw. Es ist klar: Wenn der Mensch über Worte der Tora nachdenkt und sie betrachtet, die von der Offenbarung des Schöpfers an unsere Väter sprechen und dergleichen, so bringen sie dem Betrachtenden mehr Licht, als wenn er praktische Dinge betrachtet. Obwohl diese hinsichtlich der Tat wichtiger sind, ist hinsichtlich des Lichts gewiss die Offenbarung des Schöpfers an unsere Väter wichtiger usw. Da die ganze Weisheit der Kabbala vom Geheimnis der Offenbarung des Schöpfers spricht, versteht sich von selbst, dass es für dich keine Weisheit gibt, die ihrer Segula wegen so wichtig und erfolgreich wäre wie sie. Darauf zielten die Kabbalisten, als sie sie ordneten, dass sie geeignet sei, sich mit ihr zu befassen.“5 So weit seine Worte.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Tora, mit der wir uns befassen, dazu da ist, dahin zu gelangen, den Bösen Trieb zu unterwerfen, das heißt, zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen, sodass all seine Handlungen einzig und allein auf das Geben ausgerichtet sind. Das heißt, aus eigener Kraft hat der Mensch keinerlei Möglichkeit, dass er die Kraft hätte, gegen die Natur zu gehen. Denn was Verstand und Herz betrifft, worin der Mensch vollkommen werden muss, ist er gezwungen, Hilfe zu empfangen. Die Hilfe kommt durch die Tora, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.“ Denn indem man sich mit ihr befasst, korrigiert das Licht in ihr sie.
Doch dies wurde gesagt – dass es hilft, das Licht aus der Tora zu ziehen –, wenn er sich zur Zeit seiner Beschäftigung mit der Tora darauf ausrichtet, dass er lernt, um die Belohnung der Tora zu empfangen, die „Licht“ genannt wird. Dann nützt ihm das Tora-Studium. Anders aber, wenn er sich vom Ziel des Tora-Studiums ablenken lässt: Dann hilft die Tora nicht, die Arbeit zu vollenden, die Gefäße des Gebens anzufertigen und die Gefäße des Empfangens nicht zum eigenen Nutzen zu gebrauchen. In diesem Fall schwindet seine Tora dahin und entschwindet ihm. Das heißt, die Kraft der Tora, die den Bösen Trieb hätte unterwerfen sollen – diese Kraft wird aufgehoben. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und jede Tora, mit der keine Arbeit einhergeht“ – das heißt, dass er sich nicht darauf ausrichtet, dass die Tora die Arbeit tue, die Gefäße des Empfangens umzukehren, damit sie auf das Geben ausgerichtet seien –, „wird am Ende aufgehoben“, das heißt, diese Kraft wird aufgehoben.
Doch ist zu verstehen, warum die Tora Sünde nach sich zieht. Ist es denn nicht genug, dass die Tora aufgehoben wird? Sie zieht auch noch Sünde nach sich! Ist das möglich? Diese Frage wird in der Einleitung zum Talmud Esser haSefirot angeführt, und das sind seine Worte: „Es bedarf der Erklärung, um zu verstehen, wie und wodurch ihm die heilige Tora zum Todestrank wird. Ist es zu wenig, dass er sich vergeblich und umsonst abmüht usw., sondern darüber hinaus verwandeln sich Tora und Arbeit selbst ihm zum Todestrank.“6
Und dort sagt er: „Und das ist es, was geschrieben steht, dass der Schöpfer Sich in der Tora verbirgt. Denn was die Qualen und den Schmerz betrifft, die der Mensch zur Zeit der Verhüllung des Angesichts erlangt, so gleicht ein Mensch, der Übertretungen begangen und wenig Tora und Mizwot [erfüllt] hat, nicht einem Menschen, der viel Tora und gute Taten getan hat. Denn der Erste ist eher fähig, seinen Schöpfer zu rechtfertigen. Dem anderen dagegen fällt es sehr schwer, seinen Schöpfer zu rechtfertigen, denn seiner Meinung nach verdient er nicht so harte Strafen usw.“7
Aus dem Gesagten verstehen wir, warum er sagt: „Jede Tora, mit der keine Arbeit einhergeht, wird am Ende aufgehoben und zieht Sünde nach sich.“ Denn einerseits sieht er, dass er sich mit Tora und Mizwot befasst – und warum nimmt der Schöpfer dann nicht so auf ihn Rücksicht, wie er meint, dass es ihm zusteht? Daher sind hier zwei Dinge:
1.) dass sie am Ende aufgehoben wird,
2.) dass sie auch Sünde nach sich zieht, wie oben.
Daher muss der Mensch vor dem Lernen prüfen, auf welches Ziel hin er das Gebot des Tora-Studiums erfüllen will. Das heißt, ob er sich mit der Tora um der Tora selbst willen befasst, um die Gesetze der Ausführung der Gebote zu kennen, wie sie einzuhalten sind, oder ob das Tora-Studium selbst seine ganze Absicht ist und die Halachot (Religionsgesetze) der Ausführung der Gebote zu kennen für ihn eine ganz andere Sache ist. Das heißt, er lernt Tora auf zwei Ziele hin.
Doch auch dann, wenn er Tora um des Tora-Studiums willen lernt, ist ebenfalls zu unterscheiden, mit welcher Absicht er lernt. Das heißt, ob er die Gebote des Schöpfers erfüllen will, wie geschrieben steht: „Und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht“, oder ob er lernt, um das Licht der Tora zu empfangen, da er das Licht der Tora braucht, um das Böse in sich aufzuheben, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.“ Es zeigt sich, dass er Tora lernt, um das Gewürz zu erlangen, wie unsere Weisen sagten: „Das Licht in ihr korrigiert ihn.“
Und gewiss muss sich der Mensch vor dem Tora-Studium über den Grund klar werden, um dessentwillen er jetzt Tora lernt. Denn jede Handlung braucht irgendein Ziel, das der Grund ist, der ihn jetzt die Handlung tun lässt. Und das ist, wie unsere Weisen sagten: „Ein Gebet ohne Absicht ist wie ein Körper ohne Seele.“ Daher muss er, bevor er zum Tora-Studium geht, die Absicht vorbereiten.
Und so sagt er dort in der Einleitung zum Talmud Esser haSefirot, und das sind seine Worte: „Deshalb ist der Lernende verpflichtet, sich vor dem Lernen im Glauben an den Schöpfer und an Seine Vorsehung in Belohnung und Strafe zu stärken usw. Auf diesem Weg wird er belohnt, vom Licht in ihr Nutzen zu haben, dass auch sein Glaube sich durch die Segula dieses Lichts stärken und wachsen wird usw. Sogar wer von sich selbst weiß, dass er, Gott behüte, noch nicht mit dem Glauben belohnt wurde, hat dennoch Hoffnung durch die Beschäftigung mit der Tora. Denn wenn er sein Herz und seinen Verstand darauf richtet, durch sie mit dem Glauben an den Schöpfer belohnt zu werden, so gibt es kein größeres Gebot als dieses usw. Nicht nur das, sondern es gibt für ihn keinen anderen Rat als diesen usw.“8 So weit seine Worte.
Demnach zeigt sich, dass der Mensch sich bemühen muss, eine große Anstrengung zu unternehmen, bevor er zum Lernen geht, damit sein Lernen Früchte und gute Ergebnisse hervorbringe. Das heißt, damit das Lernen ihm das Licht der Tora bringe, durch das die Möglichkeit besteht, ihn zum Guten zurückzuführen. Denn dann wird er durch die Tora zu einem weisen Schüler (Talmid Chacham).
Und was ist ein weiser Schüler? Baal HaSulam sagte: Schüler heißt, dass er von einem Weisen lernt. Das heißt, der Schöpfer wird „weise“ genannt, und der Mensch, der von Ihm lernt, wird „Schüler des Weisen“ genannt.9 Was muss der Mensch vom Schöpfer lernen? Er sagte, dass der Mensch vom Schöpfer nur eine einzige Sache lernen muss. Wie bekannt ist, will der Schöpfer nur geben; ebenso muss auch der Mensch von Ihm lernen, ein Gebender zu sein. Das nennt man einen „weisen Schüler“.
Aus dem Gesagten ist auszulegen, was unsere Weisen sagten, und das sind ihre Worte: „Warum ist es nicht üblich, dass aus den Söhnen der weisen Schüler weise Schüler hervorgehen? Rabina sagt: Weil sie nicht zuvor über die Tora den Segen sprechen.“10 So weit ihre Worte. Um diesen Ausspruch auf dem Weg der Arbeit zu verstehen – das heißt, dass alles in einem einzigen Körper vor sich geht –, ist die Frage auszulegen: Warum ist es nicht üblich, dass aus den Söhnen der weisen Schüler weise Schüler hervorgehen?
Es ist bekannt, dass „Vater“ und „Sohn“ „Ursache“ und „Wirkung“ genannt werden. Das heißt, der erste Zustand ist der Verursacher des zweiten Zustands. Demnach, wenn der Mensch Tora lernt, wird das „weiser Schüler“ genannt. Wir haben gelernt: „Das Licht in ihr korrigiert ihn.“ Und was ist „korrigieren“? Das ist, wie unsere Weisen sagten, dass der Schöpfer sagte: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen, das den Bösen Trieb aufhebt.“ Und wenn das Böse aufgehoben wird – denn „böse“ wird bekanntlich „das Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt –, dann wird er ein „weiser Schüler“, wie oben, gemäß der Auslegung von Baal HaSulam.
Daher ist die Auslegung der Frage: „Warum ist es nicht üblich, dass aus den Söhnen der weisen Schüler“ – das ist der erste Zustand, wie oben – „weise Schüler hervorgehen“, das heißt, dass aus ihnen der zweite Zustand nicht geboren wird, dass er nämlich dahin gelangen muss, ein Schüler des Weisen zu werden, wie oben, dass er damit belohnt werde, dass all seine Handlungen einzig und allein auf das Geben ausgerichtet sind.
Es gibt doch den Grundsatz: „Das Licht in ihr korrigiert ihn.“ Und wir sehen nicht, dass die weisen Schüler die Fähigkeit hätten, Söhne hervorzubringen, die weise Schüler sind, wie oben. Darauf lautet die Antwort, dass sie nicht zuvor über die Tora den Segen gesprochen haben.
Und auch diese Antwort ist schwer zu verstehen. Wir sehen doch, dass jeder, der zum Lernen geht, vor dem Lernen zuerst den Segen der Tora spricht. Wie kann man also auslegen, dass der Grund, weshalb sie keine Söhne zeugen, die weise Schüler sind, der ist, dass sie nicht zuvor über die Tora den Segen gesprochen haben?
Und es ist auszulegen, was geschrieben steht: „dass sie nicht zuvor über die Tora den Segen gesprochen haben“. Denn wir sehen: Wer einen bedeutenden Kauf tätigen will, bei dem er durch die Ware, die er erwerben wird, große Gewinne haben wird, den segnen die Freunde, dass er bei dieser Handlung Erfolg habe, das heißt, dass er großen Gewinn habe.
Ebenso hier in der Arbeit. Wenn der Mensch zum Tora-Studium geht, muss ihm das Ziel vor Augen stehen, das heißt der Grund, um dessentwillen er zum Lernen geht. Gewiss ist es, damit er aus dem Tora-Studium Gewinn habe, denn ohne Gewinn ist es unmöglich zu arbeiten. Daher muss er wissen, dass das Ziel, das heißt der Gewinn, den er aus der Tora erlangen muss, „das Licht in ihr, das ihn korrigiert“ ist.
Und in der Arbeit, wenn wir von einem einzigen Körper sprechen, zeigt sich, dass er sich selbst segnen muss, dass er in seinem Lernen Erfolg habe und viel Licht aus der Tora gewinne, die er jetzt lernen geht. Andernfalls, das heißt, wenn er vor dem Tora-Studium nicht zuvor den Segen gesprochen hat, erinnert er sich nicht an das Ziel, das er aus dem Lernen herausholen muss, was „Söhne“ genannt wird, denn die Söhne sind das Ergebnis des Lernens. Wie oben: Die Tora ist die Ursache, sie ist der Vater, und das Licht, das er aus der Tora zieht, ist der Sohn.
Und demnach muss jeder Einzelne vor dem Lernen für sich Rechenschaft ablegen, was das Ziel des Lernens ist, das heißt, wofür er sich in der Tora anstrengt. Gewiss soll man sich nicht ohne Lohn anstrengen. Gewiss glaubt der Mensch, wenn er Tora lernt, an „Vertrauenswürdig ist dein Arbeitgeber, dass er dir den Lohn deiner Arbeit zahlt“11. Auf welchen Lohn er ausgerichtet ist, darauf muss er achtgeben, damit der Lohn ihm immer vor Augen stehe. Das heißt, dass er Zuversicht und Glauben habe, dass der Schöpfer ihm seinen Lohn zahlt.
Und der Lohn, den er zu empfangen hofft, muss Kraft für die Arbeit geben. Das heißt, der Lohn ist der Brennstoff, auf dem seine Arbeit beruht. Gewiss: Je größer der Lohn ist, desto mehr Kraft zur Arbeit ist da. Anders aber, wenn der Lohn nicht so wichtig ist – dann taugt dieser Lohn nicht dazu und ist nicht imstande, ihm Kraft zu geben, mit Hingabe zu arbeiten. Das heißt, dass er versteht, dass die Tora so wichtig ist, wie geschrieben steht: „Denn sie sind unser Leben und die Länge unserer Tage.“ Und gewiss: Wenn der Mensch so empfindet, dass dies wirklich die Tora des Lebens ist, dann gäbe jeder Mensch, gemäß seiner Empfindung, sein ganzes Leben hin, um Leben zu erlangen.
Doch um das Leben, das in der Tora ist, zu empfinden, braucht der Mensch eine große Vorbereitung, um seinen Körper tauglich zu machen, dass er fähig sei, das Leben, das in der Tora ist, zu empfinden. Deshalb sagten unsere Weisen, dass man in lo liShma beginnen muss, und durch das Licht der Tora, das er erlangt, solange er noch in lo liShma ist, wird ihn dies zu liShma bringen, denn das Licht in ihr korrigiert ihn. Dann wird er die Fähigkeit haben, liShma zu lernen, das heißt um der Tora willen, die „Tora des Lebens“ genannt wird, weil er das Leben, das in der Tora ist, bereits erlangt hat; denn das Licht in der Tora wird dem Menschen die Tauglichkeit geben, dass er fähig sei, das Leben zu empfinden, das sich in der Tora findet.
Und in der Einleitung zum Talmud Esser haSefirot fragt er dort: „Warum wird die Beschäftigung mit Tora und Mizwot auf vollkommene Weise ‚Tora liShma‘ genannt?“ Und das sind seine Worte: „Nun ist dieser Name ‚Tora liShma‘ zu verstehen – warum die vollkommene, erwünschte Arbeit mit diesem Namen ‚liShma‘ bezeichnet wird usw. Denn nach der einfachen Bedeutung ist derjenige, der sich mit Tora und Mizwot befasst, verpflichtet, sein Herz darauf auszurichten, seinem Bildner Zufriedenheit zu bereiten und nicht zum eigenen Nutzen; man hätte dies ‚Tora liShmo‘ (um Seinetwillen) und ‚Tora lo liShmo‘ (nicht um Seinetwillen) nennen und definieren müssen, was ‚um des Himmels willen‘ bedeutet usw. Denn der Wortlaut beweist, dass ‚Tora liShmo‘, was bedeutet, seinem Bildner Zufriedenheit zu bereiten, noch nicht genügt, sondern dass die Beschäftigung darüber hinaus liShma sein muss, was ‚um der Tora willen‘ bedeutet usw. Denn es ist bekannt, dass der Name der Tora ‚Tora des Lebens‘ ist, wie gesagt wurde: ‚Denn sie sind Leben für die, die sie finden‘ usw. 12Wie gesagt wurde: ‚Denn es ist kein leeres Wort für euch, denn es ist euer Leben‘ usw. 13Da dem so ist, ist die Bedeutung von ‚Tora liShma‘ die, dass die Beschäftigung mit Tora und Mizwot ihm Leben und Länge der Tage bringt, denn dann ist die Tora wie ihr Name usw.“ So weit seine Worte.
Und aus dem Gesagten geht hervor, dass, nachdem der Mensch bereits zur Stufe gekommen ist, seinem Bildner Zufriedenheit zu bereiten – denn das nennt man, dass er sich mit Tora und Mizwot um Seinetwillen befasst –, dann eine zweite Stufe beginnt, dass er sich mit Tora und Mizwot liShma befasst, das heißt um der Tora willen, denn der Name der Tora ist „Tora des Lebens“.
Und damit der Mensch zur Stufe gelangen kann, alles um des Himmels willen zu tun, was „Tora liShmo“ genannt wird, wie oben, dazu braucht es das Licht der Tora, denn dieses Licht korrigiert ihn. Das heißt, dass er die Fähigkeit haben wird, aus der Eigenliebe herauszukommen und alles um Seinetwillen zu tun. Denn nur dieses Licht kann ihm helfen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.“ Das heißt, nachdem er mit dem Licht der Tora belohnt wurde, kann er mit der Tora selbst belohnt werden, die „Tora des Lebens“ genannt wird, wie oben.
Und aus dem Gesagten ist auszulegen, was unsere Weisen sagten: „Sagt dir jemand: ‚Es gibt Weisheit bei den Völkern‘ – glaube. ‚Es gibt Tora bei den Völkern‘ – glaube nicht“ (Eicha Rabba 2,17). Denn wenn der Mensch Tora lernt, sind zwei Dinge in ihr zu unterscheiden:
1.) die Weisheit und der Verstand, die in ihr sind, was „Gewand der Tora“ genannt wird,
2.) wer in die Gewänder der Tora gekleidet ist.
Und wir müssen an die Worte des Sohar glauben, dass die ganze Tora insgesamt die Namen des Schöpfers ist, das heißt, dass der Schöpfer in die Gewänder der Tora gekleidet ist. Daher sind in der Tora zwei Dinge zu unterscheiden:
1.) das Gewand,
2.) der Träger.
Und das ist, wie im Buch Pri Chacham geschrieben steht, und das sind seine Worte: „Doch der Schöpfer ist das Geheimnis des Lichts von Ejn Sof (das Unendliche), das in das Licht der Tora gekleidet ist, das in den obengenannten 620 Mizwot ist.“ Und das ist das Geheimnis dessen, was unsere Weisen sagten: „Die ganze Tora insgesamt sind die Namen des Schöpfers.“ Das bedeutet, dass der Schöpfer das Allgemeine ist und die 620 Namen Einzelheiten und Teile sind.
Und aus dem Gesagten folgt, dass, wer Glauben an den Schöpfer hat, glauben kann, dass der Geber der Tora in die Tora gekleidet ist. Anders aber einer aus den Völkern, der keinen Glauben an den Schöpfer hat: Wie kann er Tora lernen? Er glaubt doch nicht an den Geber der Tora. Er kann von der Tora nur das Gewand allein lernen und nicht den Träger, wie oben, weil er keinen Glauben hat. Das äußere Gewand der Tora wird als „Weisheit und nicht Tora“ bezeichnet, denn Tora ist gerade dann, wenn er mit dem Geber der Tora verbunden ist.
Und damit versteht sich, was unsere Weisen sagten: „Sagt dir jemand: ‚Es gibt Weisheit bei den Völkern‘ – glaube.“ Denn das Gewand ohne den Träger können sie lernen, und das wird „nur Weisheit“ genannt, die keinerlei Bezug zum Geber der Tora hat. Anders aber: „Sagt dir jemand: ‚Es gibt Tora bei den Völkern‘ – glaube nicht“, wie oben, denn sie haben keinerlei Bezug zum Geber der Tora.
Und da unsere hauptsächliche Arbeit darin besteht, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, wie geschrieben steht: „und Ihm anzuhaften“, folgt daraus, dass die Tora das Mittel ist, um dahin zu gelangen, Ihm anzuhaften. Das heißt, zur Zeit des Tora-Studiums muss die Absicht sein, dass wir damit belohnt werden, uns mit dem Träger zu verbinden. Das geschieht mittels des Gewandes, das die Tora ist, in die der Schöpfer gekleidet ist, wie oben.
Und was den obengenannten Ausspruch „Es gibt Weisheit bei den Völkern – glaube; es gibt Tora bei den Völkern – glaube nicht“ betrifft: Wenn wir dies auf dem Weg der Arbeit auslegen, müssen wir wissen, dass die Sache der „Völker“ und der „Israeliten“ sich in einem einzigen Körper findet. Das heißt, bevor der Mensch mit dem Glauben belohnt wird, wird er noch „einer aus den Völkern“ genannt. Erst nachdem er mit dem Glauben belohnt wurde, wird er „Israel“ genannt.
Wenn jedoch der Mensch den Weg gehen will, um zum vollkommenen Glauben zu gelangen, wird er, obwohl er noch nicht mit dem vollkommenen Glauben belohnt wurde, bereits als „Israel“ bezeichnet. Und das entspricht dem, was Baal HaSulam über „Er gibt Weisheit den Weisen“ sagte. Und er fragte: Hätte es nicht heißen müssen „Er gibt Weisheit den Toren“? Und er sagte: Der Mensch, der Weisheit sucht, wird bereits „weise“ genannt, denn jeder Mensch wird nach seinem Ziel beurteilt. Das heißt, wonach er strebt, danach wird der Mensch benannt. Demnach ist auszulegen, dass alle diese Menschen, die zum vollkommenen Glauben gelangen wollen, bereits „Israeliten“ genannt werden.
Wenn daher am Anfang seines Lernens, wenn der Mensch zum Lernen geht, nicht die Absicht vorhanden ist, dass er dadurch zum vollkommenen Glauben gelangen will – was er durch das Licht in der Tora erlangen kann, wie oben, dadurch, dass er dem Träger anhaften will, der in die Tora gekleidet ist, der das Licht der Tora gibt, und kein anderer –, so zeigt sich, dass er Tora lernt, die die Gewänder des Schöpfers sind, und durch sie will er zum vollkommenen Glauben gelangen, dem Träger anzuhaften, der der Geber der Tora ist.
Und hier gibt es bereits eine Vereinigung von drei Aspekten:
1.) die Tora, die die Gewänder des Schöpfers sind,
2.) der Schöpfer, der in die Tora gekleidet ist,
3.) Israel, der Mensch, der Tora mit der obengenannten Absicht lernt.
Und das wird „Vereinigung“ genannt, die „Die Tora und der Schöpfer und Israel sind eins“ heißt. Obwohl der Sohar zu jenen Menschen spricht, die bereits mit dem belohnt wurden, was „die Namen des Schöpfers“ heißt – das heißt, dass sie bereits mit der „Hand-Tefillin“, genannt „Glaube“, und der „Kopf-Tefillin“, genannt „Tora“, belohnt wurden –, so empfangen doch, wie oben, auch jene, die den Weg gehen, um zur Tora und zum Glauben zu gelangen, im Umgebenden Licht (Or Makif) dieser Vereinigung.
Und aus dem Gesagten verstehen wir, was geschrieben steht: „Es gibt Weisheit bei den Völkern – glaube.“ Das heißt, wenn der Mensch sich nicht darauf ausrichtet, dass er durch das Tora-Studium zum Glauben an den Schöpfer gelangen kann, dann hat er keinerlei Bezug zur Tora. Denn „Tora“ wird das Gewand zusammen mit dem Träger genannt, das ist die Tora zusammen mit dem Geber der Tora.
Und obwohl er den Geber der Tora noch nicht empfindet, ist doch das Ziel des Tora-Studiums, dahin zu gelangen, den Geber der Tora zu empfinden. Wenn der Mensch sich das Ziel nicht vor Augen stellt, zum Geber der Tora zu gelangen, gilt er als „einer aus den Völkern“, das heißt, dass er kein Bedürfnis nach Glauben hat, dass er nämlich das Bedürfnis hätte, Ratschläge zu finden, um zum Glauben zu gelangen. Deshalb wird er noch „einer aus den Völkern“ genannt und nicht „Israel“. Daher glaube ihm hinsichtlich der Weisheit, dass er sie hat, das heißt nur das Gewand ohne das Bedürfnis nach dem Träger. Und das ist es, was geschrieben steht: „Es gibt Tora bei den Völkern – glaube nicht“, wie oben, denn er hat keinen Bezug zur Tora.
Doch die Sache des „glaube“ oder „glaube nicht“ wird ebenfalls nicht in Bezug auf zwei Körper gesagt. Vielmehr meint „glaube“ und „glaube nicht“ den Menschen selbst, dass der Mensch selbst darauf achtgeben muss, ob er Tora hat oder, Gott behüte, keine Tora hat. Da der Mensch sich anstrengt und Kräfte aufwendet, ist die Absicht gewiss, mit der Tora belohnt zu werden. Der Mensch denkt, dass er auch ohne die Absicht, „zum vollkommenen Glauben zu gelangen“, mit der Tora belohnt werden kann. Dazu sagten unsere Weisen, dass der Mensch wissen muss, dass es unmöglich ist, mit der Tora ohne vollkommenen Glauben belohnt zu werden.
Daher muss der Mensch vor dem Tora-Studium achtgeben und für sich Rechenschaft ablegen, auf welches Ziel hin er seine Anstrengung im Tora-Studium aufwendet. Das heißt, was er durch das Tora-Studium erlangen will. Gewiss, wenn der Mensch sich anstrengt, so deshalb, weil ihm etwas fehlt. Durch die Anstrengung, die er aufwendet, wird man ihm dann geben, was er als seinen Mangel ansieht, und man wird seinen Mangel als Gegenwert für die Anstrengung füllen. Der Mensch muss glauben, wie geschrieben steht: „Ich habe mich abgemüht und gefunden.“
Und deshalb kommt es manchmal vor, dass der Mensch versteht, dass ihm die Kenntnis der Tora fehlt. Daher ist sein ganzes Denken darauf gerichtet, mit den Kenntnissen der Tora belohnt zu werden. Wie oben ist das der Aspekt des Gewandes des Schöpfers. Er empfindet, dass ihm nur die äußeren Gewänder der Tora fehlen. Das wird als „Weisheit“ bezeichnet, wie oben.
Anders aber wird „Tora“ das genannt, dass er den Träger braucht, der in die Tora gekleidet ist. Das heißt, dass ihm noch der vollkommene Glaube an den Schöpfer fehlt und er empfindet, dass Böses in seinem Herzen ist, und er will mit dem Aspekt von Verstand und Herz belohnt werden, die ganz um des Himmels willen sind.
Und da unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sagte: ‚Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen, weil das Licht in ihr ihn korrigiert‘“, zeigt sich, dass er die Tora als Mittel braucht, damit er durch die Tora mit vollkommenem Glauben an den Schöpfer belohnt werde. Danach wird er durch die Tora mit der Tora belohnt, die „Tora des Lebens“ genannt wird, wie oben, weil er den Träger zusammen mit dem Gewand erlangt.
Das heißt, dass er mit den Gewändern belohnt wird, die „Tora“ genannt werden, zusammen mit dem Träger, der „der Schöpfer“ genannt wird. Wie der Sohar sagt: „Die Tora und der Schöpfer und Israel sind eins.“
Und das ist es, was geschrieben steht, und das sind seine Worte: „‚Und sie sollen für Mich eine Hebe nehmen.‘ Und du hast einen Kauf, bei dem der, der ihn verkauft, mit ihm verkauft wird. Der Schöpfer sagte zu Israel: ‚Ich habe euch Meine Tora verkauft; gleichsam bin Ich mit ihr verkauft worden‘, wie gesagt wurde: ‚Und sie sollen für Mich eine Hebe nehmen.‘“14
Mit dem Obengesagten sind die Worte des Midrash auszulegen, wo er sagt: „Gleichsam bin Ich mit ihr verkauft worden.“ Da die Tora das ist, was „Die Tora und Israel und der Schöpfer sind eins“ heißt, weil die Tora das Gewand des Schöpfers ist, und der Mensch dahin gelangen muss, durch die Tora mit dem Träger belohnt zu werden, was „dem Schöpfer anzuhaften“ genannt wird, so zeigt sich, dass wir mit zwei Dingen belohnt werden müssen, das heißt mit der Tora und mit dem Schöpfer. Und das ist es, was geschrieben steht: „Gleichsam bin Ich mit ihr verkauft worden.“ Daher gibt es hier die Vollkommenheit von drei Dingen:
1.) Israel,
2.) der Schöpfer,
3.) die Tora.
Und wie im Buch Pri Chacham geschrieben steht: „Doch was kann der Mensch tun, um zur Empfindung des Bedürfnisses nach der Tora zu kommen, in die der Schöpfer gekleidet ist? Wie oben in den Worten unserer Weisen, dass der Schöpfer zu Israel sagte: ‚Ich habe euch Meine Tora verkauft; gleichsam bin Ich mit ihr verkauft worden.‘ Das ist: Und du hast einen Kauf, bei dem der, der ihn verkauft, mit ihm verkauft wird.“15
Daraus geht hervor, dass der Schöpfer will, dass der Mensch, wenn er die Tora nimmt, gleichsam den Schöpfer mit sich nimmt. Aber der Mensch empfindet dies nicht, dass er dessen bedürftig wäre. Vor allem wird der Mensch von der Mehrheit der Welt mitgezogen. Da Maimonides sagt, dass man, wenn man beginnt, Frauen und Kinder und die Unwissenden insgesamt zu unterrichten, in lo liShma beginnen muss, und da im Allgemeinen alle dem Anfang nachfolgen – das heißt, dass die Gründe, die man ihnen zu wissen gab, weshalb man die Tora braucht, Gründe des lo liShma sind und nicht aus dem Grund „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen“ –, versteht die Mehrheit der Welt folglich überhaupt nicht, dass es eine Sache des Lohnes gibt, die „Anhaftung an den Schöpfer“ genannt wird.
Daher beherrscht die Meinung der Vielen den Menschen, dass er das Tora-Studium nicht brauche, damit er dadurch die Fähigkeit habe, zur wahren Absicht zu gelangen. Das heißt, dass er durch die Tora imstande sein wird, sich auf das Geben auszurichten und nicht zum eigenen Nutzen, was ihm die Anhaftung bringen wird, dem Schöpfer anzuhaften. Um dessentwillen, das heißt um die Geschöpfe zu korrigieren, damit sie zur Anhaftung gelangen, wurden die Vielzahl der Welten und Parzufim (geistige Antlitze) und die Vielzahl der Seelen gemacht.
Und alles, um die Schöpfung zu korrigieren, die „Verlangen zu empfangen“ genannt wird. Denn durch das Empfangen entfernte sich die Schöpfung vom Schöpfer. Durch diese Korrekturen, die gemacht wurden, wird die Möglichkeit bestehen, alles zu korrigieren, sodass es auf das Geben ausgerichtet sei. Wenn alle allgemeinen Gefäße des Empfangens auf das Geben hin korrigiert sein werden, dann wird das Ende der Korrektur sein.
Und das wird „die Vollkommenheit Seiner Werke“ genannt, wie der heilige ARI sagte, und das sind seine Worte: „Als es in Seinem einfachen Willen aufstieg, die Welten zu erschaffen und die Emanationen zu emanieren, um die Vollkommenheit Seiner Werke und Seiner Namen und Seiner Benennungen ans Licht zu bringen, was der Grund der Erschaffung der Welten war – und siehe, da schränkte Ejn Sof Sich selbst ein, und siehe, da war bereits ein Ort, an dem die Emanationen sein konnten.“ Und dort erklärt er im Or Pnimi, und das sind seine Worte: „Und demnach zeigt sich gemäß dem Erläuterten, dass der ganze Hauptgrund der Einschränkung nur das Verlangen nach der neuen Form des Empfangens war, um zu geben, die durch die Erschaffung der Welten offenbart werden soll.“
Und aus dem Gesagten sehen wir, dass die ganze Erschaffung der Welten und der Seelen hauptsächlich auf eine einzige Absicht hin geschah, nämlich alles zu korrigieren, sodass es auf das Geben ausgerichtet sei, was „Anhaftung, Gleichheit der Form“ genannt wird. Über die Tora sagte der Schöpfer: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe ein Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.“ Das heißt, nachdem der Mensch die Tora als Gewürz empfangen hat, wird der Böse Trieb korrigiert sein, um zu geben, wie im Sohar geschrieben steht: „Der Todesengel ist bestimmt, ein heiliger Engel zu werden.“
Auf all dies Wesentliche vermag der Mensch nicht zu blicken, weil er von den Vielen mitgezogen wird, die „die Allgemeinheit Israels“ genannt werden. Wie oben: Den Anfang der Erziehung empfing jeder im Aspekt lo liShma. Das heißt, dass die Beschäftigung mit Tora und Mizwot dazu dient, Lohn in Kelim [Gefäße] des eigenen Nutzens zu empfangen. LiShma darf man beim ersten Eintritt des Menschen in das Einhalten von Tora und Mizwot nicht enthüllen, wie oben in den Worten von Maimonides.
Und das bewirkt beim Menschen, dass er von seinem Verstand her versteht, dass er die Tora nur deshalb lernen muss, um die Gesetze zu kennen, wie er die Gebote einhalten soll, wie unsere Weisen sagten: „Ein Unwissender (Am haAretz) ist kein Frommer (Chassid).“ Und obwohl man Tora sogar in dem lernt, was die praktischen Gebote nicht betrifft, lernt er diesen Teil der Tora doch um des Gebots des Tora-Studiums willen, wie geschrieben steht: „Und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht.“ Das heißt, er lernt aus dem Grund eines Gebotes, wie die übrigen Gebote.
Doch was das betrifft, was unsere Weisen sagten, wie oben – „Und du hast einen Kauf, bei dem der, der ihn verkauft, mit ihm verkauft wird“, dass der Schöpfer zu Israel sagte: „Ich habe euch Meine Tora verkauft; gleichsam bin Ich mit ihr verkauft worden“ –, dazu hat der Mensch keinerlei Bezug. Denn was gibt ihm diese Kenntnis, wenn er glaubt, dass der Schöpfer in die Tora gekleidet ist? Sollte denn, wer die Tora nimmt, wissen müssen, dass der Schöpfer in die Tora gekleidet ist, und die Anhaftung an den Schöpfer, der in sie gekleidet ist, erlangen müssen?
Und das rührt daher, dass seine ganze Arbeit auf der Absicht des lo liShma beruht. Alles, was er erhofft, ist nur, Tora und Mizwot mit der Absicht des eigenen Nutzens einzuhalten. Folglich hat er keinerlei Bezug zu dem, der in die Tora gekleidet ist, sondern ihm genügt nur eine Sache: In dem Maß, in dem er den Glauben an Belohnung und Strafe hat, in diesem Maß hängt seine Arbeit im Einhalten von Tora und Mizwot ab. Denn er blickt auf nichts anderes als auf den Lohn; aber die Tora und Mizwot selbst, die er tut, interessieren ihn nicht.
Anders aber, wenn der Mensch arbeiten und Tora und Mizwot ohne jeden Lohn einhalten will, nur aus dem Grund, dass er dem König dienen will: Dann bedarf er bereits der Kenntnis der Größe des Königs. Denn das Maß seiner Arbeit hängt von dem Maß ab, in dem er an die Größe des Königs glaubt, denn nur die Größe und Wichtigkeit des Königs gibt ihm Brennstoff für die Arbeit.
Und das ist, wie im Sohar über den Vers „Ihr Mann ist bekannt in den Toren“ geschrieben steht. Die Erklärung: jeder Einzelne gemäß dem, was er in seinem Herzen ermisst. Damit teilt er uns mit, dass der Mensch sich in dem Maß, in dem er in seinem Herzen die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers ermisst, in diesem Maß hingibt, dem König zu dienen.
Und deshalb: Menschen dieser Art, die nur auf das Geben hin arbeiten wollen, und der ganze Grund, der sie verpflichtet, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, ist nur die Wichtigkeit und Größe des Schöpfers, wie im Sohar geschrieben steht: „Die Grundlage der Ehrfurcht ist es zu dienen, weil Er groß und herrschend ist“ – diese Menschen, wenn sie glauben, dass der Schöpfer in die Tora gekleidet ist, und an das glauben, „was der Schöpfer zu Israel sagte: ‚Ich habe euch Meine Tora verkauft; gleichsam bin Ich mit ihr verkauft worden‘“, wenn sie Tora lernen, wollen sie das Licht der Tora herausziehen, das ihn korrigiert. Und das ist es, was unsere Weisen sagten: „Wer kommt, sich zu reinigen“ – durch die Tora –, „dem hilft man“, weil der Schöpfer in die Tora gekleidet ist.
Und aus dem Gesagten ist auszulegen, was wir im Gebet Ahawat Olam (Ewige Liebe) sagen, das dem Lesen des Shma vorangeht: „Und erleuchte unsere Augen in Deiner Tora.“ Auf den ersten Blick gehört der Ausdruck „und erleuchte unsere Augen“ an einen Ort der Dunkelheit und Verhüllung, aber bei der Tora hätte es heißen müssen: „und gib zu verstehen Deine Tora“. Was also bedeutet der Ausdruck „und erleuchte“?
Und mit dem Obengesagten ist auszulegen: Da man in der Tora die Gewänder der Tora unterscheiden muss, in die der Schöpfer gekleidet ist, und dies uns verborgen ist, weil wir nur die Gewänder sehen und nicht den Träger, deshalb bitten wir den Schöpfer, dass Er unsere Augen erleuchte, damit wir belohnt werden, den Schöpfer zu sehen und zu empfinden, der in die Tora gekleidet ist. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und erleuchte unsere Augen“, dass wir sehen, dass Du in Deine Tora gekleidet bist.
Und ebenso ist zu verstehen, was der Sohar über den Vers „und die Mich suchen, werden Mich finden“ sagt. Sie fragten dazu: Wo findet man den Schöpfer? Er sagt, dass man Ihn nur in der Tora findet. Ebenso sagten sie über den Vers „Fürwahr, Du bist ein Gott, der Sich verbirgt“, dass der Schöpfer Sich in der heiligen Tora verbirgt.
In der Einleitung zum Talmud Esser haSefirot wird angeführt – und das ist wie oben –, was unsere Weisen sagten: „Und du hast einen Kauf, bei dem der, der ihn verkauft, mit ihm verkauft wird.“ Das heißt, dass der Schöpfer in die Tora gekleidet ist. Nur muss der Mensch Ihn suchen und Ihn finden, weil Er Sich in der Tora verborgen hat, solange die Tora-Lernenden dessen nicht würdig sind. Durch die Anstrengung und das Gebet findet man Ihn.
Und darüber sagten sie: „Ich habe mich abgemüht und gefunden.“ Und die Frage ist: Welchen Bezug hat die Anstrengung zum Finden in der Tora? Vielmehr, wie oben: Durch die Anstrengung findet man den Schöpfer, wie Er in die Tora gekleidet ist. Das heißt, der Mensch soll nicht sagen: Ich habe doch viel Tora gelernt, und ich finde den Schöpfer nicht, wie Er in die Tora gekleidet ist. Vielmehr muss man Ihn suchen und nicht verzweifeln, sondern glauben, wie geschrieben steht: „und die Mich suchen, werden Mich finden“. Denn die Sache der Verhüllung ist eine Korrektur, damit sie Ihn nicht erlangen, bevor der Mensch Gefäße des Gebens hat, was „Gleichheit der Form und Anhaftung an den Schöpfer“ genannt wird.
Und aus dem Gesagten ist auszulegen, was unsere Weisen sagten: „Seid achtsam mit den Söhnen der Armen, denn von ihnen wird Tora ausgehen“16, wie gesagt wurde: „Wasser fließt aus seinen Eimern“ – denn von ihnen wird Tora ausgehen. Auf den ersten Blick scheint es zu bedeuten, dass gerade von den Söhnen der Armen Tora ausgehen wird, nicht aber von den Söhnen der Reichen. Ist es möglich, so zu sagen?
Und siehe, auf dem Weg der Arbeit ist „arm“ so auszulegen, wie unsere Weisen sagten: „Arm ist man nur an Erkenntnis.“ Und deshalb, wenn der Mensch Tora lernt und zur Tora gelangen will, wie oben, das heißt zu dem, was „Und erleuchte unsere Augen in Deiner Tora“ meint, wie oben, dessen Sache es ist, dem Schöpfer anzuhaften, der in die Tora gekleidet ist, denn „Deine Tora“ meint den Schöpfer, der in sie gekleidet ist. Er sieht, wie viel Arbeit und Anstrengung er auch investiert hat, um den Schöpfer in der Tora zu finden, dass er Ihn dennoch nicht findet, obwohl geschrieben steht: „und die Mich suchen, werden Mich finden“. Aber er sieht, dass er arm an Erkenntnis ist. Er will erfüllen, was geschrieben steht: „Erkenne den Gott deines Vaters und diene Ihm“, und ebenso, was geschrieben steht: „Auch eine Seele ohne Erkenntnis ist nicht gut.“ Aber er ist weit davon entfernt, denn jedes Mal sieht er, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, Ihn in der Tora zu finden. Das nennt man „arm an Erkenntnis“.
Und der Mensch versteht dann, dass diese Sache, den Schöpfer in der Tora zu finden, nicht für ihn gesagt wurde, weil er denkt, dass er Ihn bereits in der Tora gesucht und dabei nichts erreicht hat. Er will vom Kampfplatz fliehen.
Deshalb kamen unsere Weisen und sagten: „Seid achtsam mit den Söhnen der Armen, denn von ihnen wird Tora ausgehen.“ Und der Grund ist gemäß dem Grundsatz: „Es gibt keine Füllung ohne Mangel, keine Gadlut ohne Katnut.“ Das bedeutet: Wenn man jemandem etwas geben will und der Gebende befürchtet, dass, wenn er es ihm sogleich auf der Stelle gibt, sobald der Empfangende ihn darum bittet, der Empfangende die Gabe nicht zu schätzen wissen wird und sie gewiss verlieren wird, oder dass es Menschen geben wird, die ihm die Sache wegnehmen.
Und da der Gebende die Wichtigkeit der Sache kennt, will er nicht, dass der Empfangende sie verdirbt. Deshalb gibt er ihm die Sache, um die er ihn bittet, nicht sogleich auf der Stelle. Vielmehr will er, dass der Empfangende ihn viele Male darum bittet. Das heißt, dass durch das Bitten im Empfangenden ein Bedürfnis nach der Sache heranwächst. Andernfalls müsste er aufhören zu bitten.
Und dass er nicht davon ablässt, ihn zu bitten, ist nur auf die Weise möglich, dass er jedes Mal die Notwendigkeit der Sache verstehen muss. Das heißt, wenn er ihn noch einmal bitten will, dass der Gebende ihm gebe, muss der Mensch einen Gedanken darauf verwenden, ob ihm die Sache wirklich fehlt. Denn nur dann hat er die Kraft, noch einmal zu bitten, nachdem er bereits gebeten und keine Antwort auf seine Frage erhalten hat.
Und das rührt daher, dass der Mensch keine Bitten an jemanden richten kann, der sich für seine Bitten nicht interessiert. Doch da die Sache, um die er bittet, eine notwendige Sache ist – eine Sache, von der das ganze Leben abhängt –, lässt ihm die Notwendigkeit der Sache keine Ruhe. Er geht sogar über den Verstand hinaus, um jedes Mal aufs Neue zu bitten, weil er nirgendwohin gehen kann. Denn ohne diese Sache, von der er versteht, dass sie sein Leben ist, sagt er, dass das ganze Leben für ihn eine überflüssige Sache ist, weil er zu der Empfindung kommt, dass es sich für die übrigen Dinge nicht zu leben lohnt.
Und es zeigt sich, dass er keine Wahl hat, weil er keine Befriedigung in seinem Leben hat. Das heißt: Da es eine Regel gibt, dass der Mensch nicht ohne Versorgung leben kann, weil der Schöpfer die Geschöpfe mit der Absicht erschuf, dass sie Genuss haben, was „Sein Wille ist es, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt wird – und da die drei Dinge, aus denen der Mensch Versorgung empfangen kann, die den Körper versorgt, sodass er zufrieden ist, und die „der Neid“, „die Begierde“, „die Ehrsucht“ genannt werden17, ihn nicht befriedigen –, deshalb muss der Mensch Spiritualität suchen. Wenn er ein Jude ist, der glaubt, dass man durch die Anhaftung an den Schöpfer und an Seine Tora sehr wohl Versorgung erlangen kann, die den Körper versorgt, sodass er die Fähigkeit hat, mit vollem Mund zu sagen: „Gesegnet sei Er, der sprach, und die Welt ward“, weil er daran Genuss hat, dass er mit der Anhaftung an den Schöpfer belohnt wird, wie geschrieben steht: „Und ihr, die ihr dem Ewigen, eurem Gott, anhaftet, ihr alle seid heute am Leben“ – dann wird er mit dem wahren Leben belohnt.
Und das gibt ihm die Kraft, nicht zu verzweifeln, den Schöpfer zu bitten, dass Er ihn näher bringe und ihm die Augen in der Tora öffne. Wie in der Einleitung zum Talmud Esser haSefirot geschrieben steht, und das sind seine Worte: „Und siehe, die erste Stufe der Offenbarung des Angesichts kommt zum Menschen einzig und allein durch Seine Erlösung, wenn er mit der Öffnung der Augen in der heiligen Tora, mit wunderbarer Erlangung, belohnt wird und wie ein immer stärker werdender Quell wird.“
Aber das hängt von dem Glauben ab, den er hat, dass der Schöpfer das Gebet erhört. Er kann die Vorsehung rechtfertigen und sagen, was er denkt: warum er das Erbetene nicht empfangen hat – nicht deshalb, weil der Schöpfer auf seine Gebete nicht achtet, sondern er glaubt, dass der Schöpfer steht und auf seine Gebete wartet und sie sammelt, gemäß „Münze um Münze fügt sich zu einer großen Rechnung“.
Das heißt: Es ist bekannt, dass, wenn man einem Menschen eine wichtige Sache gibt und er ihren Wert nicht kennt, und es Menschen gibt, welche die Wichtigkeit der Sache sehr wohl kennen, diese Sache zu jenen Menschen übergeht, entweder durch Diebstahl oder durch Verlust, weil der Mensch sie nicht zu bewahren weiß; und es gibt Menschen, die ihren Wert kennen, und sie stehlen und finden und geben sie ihren Eigentümern nicht zurück.
Und es ist bekannt, dass es der Heiligkeit gegenüber die andere Seite gibt, die den Wert der Spiritualität sehr wohl kennt. Deshalb muss es darauf eine Bewahrung geben, damit es nicht in ihre Herrschaft gelange. Und das ist der Grund, dass der Schöpfer ihm das Erbetene nicht gibt, sondern steht und wartet, dass er dadurch jedes Mal mit dem Glauben über dem Verstand die Oberhand gewinnt, um den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm helfe, damit er mit der Öffnung der Augen in der Tora belohnt werde.
Und er glaubt den Weisen, was sie sagen: dass die Arbeit im Glauben die beste Segula ist, um zur Wichtigkeit des Ziels zu gelangen, das die Anhaftung an den Schöpfer ist. Wenn der Schöpfer weiß, dass er bereits weiß, die Gabe des Königs zu bewahren, wird der Schöpfer ihm gewiss helfen und sein Gebet annehmen, worum er bittet, dass der Schöpfer seine Augen öffne und er mit der Öffnung der Augen in der Tora belohnt werde. Und Er wird es ihm gewiss geben.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Seid achtsam mit den Söhnen der Armen.“ Das heißt, dass man den Zustand nicht geringschätzen soll, in dem er empfindet, dass er arm an Erkenntnis ist, dass er noch nicht mit der Öffnung der Augen in der Tora belohnt wurde und noch nicht damit belohnt wurde, dass „das Licht in ihr ihn korrigiert“ – „denn von ihnen wird Tora ausgehen“. Die Erklärung: Man muss glauben, dass er dadurch, dass er empfindet, wie arm er an Erkenntnis ist, und jedes Mal aufs Neue die Oberhand gewinnen muss – er muss glauben, dass ihm diese Abstiege vom Schöpfer kommen –, dadurch Gefäße und ein Bedürfnis erhält, wie er die Gabe des Schöpfers vor den Äußeren wertschätzen soll. Das heißt, dass nicht alles in die Gefäße des Empfangens falle, denn diese Gefäße gehören den Klipot [Schalen]. Durch das Überwinden im Glauben – zu glauben, dass der Schöpfer das Gebet erhört, und jedes einzelne Gebet, um das der Mensch den Schöpfer bittet, fügt der Schöpfer einer großen Rechnung hinzu –, bis der Mensch die Wichtigkeit der Sache erkennt.
Und das ist es, was im Buch Pri Chacham geschrieben steht, und das sind seine Worte: „Und deshalb wird diese Klipa ‚Paro‘ (Pharao) genannt, mit den Buchstaben ‚Pe Ra‘ (böser Mund). Im Exil Ägyptens hatte dieser ‚Pe Ra‘ die Herrschaft, und sie kehrten zu ihren üblen Wegen zurück. Obwohl sie deshalb mit irgendeinem Leuchten von den ersten Neun belohnt wurden, konnte es doch nicht im Guf (Körper) aufgenommen werden, weil der ‚Pe Ra‘, der das Gegenüber des Pe (Mund) der Kedusha ist, nämlich der Nacken, die Fülle unterbrach, die vom Rosh (Kopf) herabkam, und die ganze Fülle aufsaugte und aufsog, die für Israel herabzukommen begann.“18
Und aus dem Gesagten folgt, dass in der Tora mehrere Aspekte zu unterscheiden sind:
1.) dass er Tora lernt, um die Gesetze zu kennen, um zu wissen, wie die Gebote der Tora einzuhalten sind;
2.) dass er Tora lernt, um das Gebot des Tora-Studiums zu erfüllen, wie geschrieben steht (Josua 1): „Dieses Buch der Tora soll nicht von deinem Mund weichen, und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht.“ Und Rashi erklärte „und du sollst darüber sinnen“: und du sollst darin betrachten; alles Sinnen in der Tora ist im Herzen, wie es heißt: „und das Sinnen meines Herzens sei vor Dir“;
3.) dass er Tora lernt, um mit dem Licht der Tora belohnt zu werden. Und das ist es, was geschrieben steht: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen, weil das Licht in ihr ihn korrigiert.“ Dadurch wird er mit dem Glauben belohnt und damit, dem Schöpfer anzuhaften. Und dann tritt er in das ein, was „Israel“ heißt, weil er bereits mit vollkommenem Glauben an den Schöpfer glaubt;
4.) nachdem er bereits mit dem Glauben belohnt wurde, wird er mit der Tora belohnt, die „die Namen des Schöpfers“ ist, was im Sohar „Die Tora und Israel und der Schöpfer sind eins“ genannt wird. Denn dann wird er mit dem Ziel der Schöpfung belohnt, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, dass die Geschöpfe aus diesem Aspekt empfangen, was der Schöpfer den Geschöpfen geben will.
Und was Rashi über den Vers „und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht“ erklärte, wenn er sagt: „und du sollst darin betrachten; alles Sinnen in der Tora ist im Herzen“ – es ist zu verstehen, was er damit sagen will, dass das Sinnen im Herzen ist. Wenn wir aber Tora lernen, geschieht das doch im Verstand und im Kopf und nicht im Herzen. Was also teilt er uns damit mit, wenn er sagt: „Alles Sinnen in der Tora ist im Herzen“?
Und es ist auszulegen, dass hier nicht der Aspekt der Tora gemeint ist, der gerade die Halachot betrifft, die er lernt, um die Gesetze zu kennen, wie er die Gebote tun soll. Vielmehr will er sagen, dass die Tora auch die beiden letzten Aspekte umfasst, die oben genannt wurden:
1.) das, was er lernt, um das Licht der Tora zu empfangen,
2.) das, womit er danach belohnt wird, der Aspekt der Tora, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird.
Diese beiden gehören gerade zum Herzen, wie Rabbi Abraham Ibn Esra sagt, und das sind seine Worte: „Wisse, dass alle Gebote, die in der Tora geschrieben sind, oder die überlieferten, die die Väter eingesetzt haben – obwohl die meisten von ihnen in einer Handlung oder mit dem Mund geschehen –, alle dazu da sind, das Herz zu korrigieren. Denn alle Herzen erforscht der Ewige, und alles Sinnen der Gedanken versteht Er. Es steht geschrieben: ‚den Aufrichtigen in ihren Herzen‘, und das Gegenteil davon: ‚ein Herz, das Unheilspläne schmiedet‘. Wisse, dass die Tora nur den Menschen des Herzens gegeben wurde.“19
Und die Worte von Rashi sind so auszulegen, wie Rabbi Abraham Ibn Esra sagt. Aus dem Gesagten ist bei den obengenannten vier Aspekten zu unterscheiden, dass die beiden letzten zur Arbeit des Einzelnen gehören und die beiden ersten Aspekte zur Allgemeinheit. Und das ist, wie Maimonides sagt: „Wenn man die Kinder und die Frauen und die Unwissenden insgesamt unterrichtet, unterrichtet man sie nur, aus Furcht zu arbeiten und um Lohn zu empfangen. Bis ihr Wissen zunimmt und sie überragende Weisheit erlangen, enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie in Ruhe daran, bis sie Ihn erlangen und Ihm aus Liebe dienen.“
Wir sehen aus den Worten von Maimonides, dass der Anfang der Arbeit der Allgemeinheit in lo liShma beginnt, sondern um Lohn zu empfangen. Deshalb muss man Tora lernen, um die Gesetze zu kennen, wie die Gebote einzuhalten sind. Und das ist der erste Aspekt, wie oben. Und ebenso ist sein Tora-Studium dazu da, mit dem Verstand zu wissen, was dort geschrieben steht, sodass er durch das Gebot des Tora-Studiums Lohn empfangen wird. Und das ist der zweite Aspekt, wie oben. Und diese beiden haben keinen Bezug zur Arbeit des Herzens, wie oben in den Worten von Rabbi Abraham Ibn Esra.
Anders aber gehören die beiden letzten obengenannten Aspekte bereits zum Herzen, weil sie zum Aspekt liShma gehören. Denn wenn er den Weg des liShma gehen will, enthüllt man ihm, gemäß den obengenannten Worten von Maimonides: Was wir dir zuvor sagten, dass du „lo liShma, sondern um Lohn zu empfangen“ lernen sollst, hat den Grund, dass der Mensch von Geburt und Natur her nicht fähig ist, um des Himmels willen zu arbeiten, sondern nur zum eigenen Nutzen. Deshalb sagen wir dir jetzt, dass du wissen musst, dass unsere hauptsächliche Arbeit liShma ist. Aber wie gelangt man dahin? Der Rat lautet: „Aus lo liShma kommt man zu liShma, aus dem Grund, dass das Licht in ihr ihn korrigiert.“
Und es stellt sich die Frage: Was ist das Böse, das wir korrigieren müssen, damit es gut werde? Man sagt uns, dass es das ist, dass der Mensch nichts um des Himmels willen tun kann. Nur durch das Licht der Tora wird das Herz korrigiert, denn das Herz wird „Verlangen“ genannt. Von der Natur her ist es ein Verlangen, nur zu empfangen. Wie kann der Mensch gegen die Natur gehen?
Deshalb sagte der Schöpfer: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen.“ Es zeigt sich, dass er Tora nicht für den Verstand lernt, um zu verstehen, sondern dass dieses Lernen, um zu verstehen, dazu da ist, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, der in die Tora gekleidet ist, und das gehört zum Herzen. Und das Licht, das er empfangen wird, korrigiert ihn. Das heißt, dass das Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen, eine Kraft von oben empfangen kann, sodass es in seiner Hand liegt, Handlungen um des Himmels willen zu tun.
Es zeigt sich: Zu der Zeit, da er in die Arbeit des liShma eintreten will, was zur Arbeit des Einzelnen gehört, wie oben, dann enthüllt man ihm, dass die Sache des Lernens in lo liShma damit noch nicht abgeschlossen ist, wie er anfangs dachte, als man begann, mit ihm zu lernen. Vielmehr muss man beim Lernen in lo liShma darauf ausgerichtet sein, dass es ihn dazu bringe, liShma zu lernen. Nachdem er daher mit der Absicht gelernt hat, um des Himmels willen zu gelangen, dadurch, dass er das Licht der Tora empfing, gelangt er zum vierten Aspekt, den es im Tora-Studium gibt, wie oben, der „Tora des Lebens“ genannt wird.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Rabbi Meir sagt: Jeder, der sich mit der Tora liShma befasst, wird mit vielen Dingen belohnt, und man enthüllt ihm die Geheimnisse der Tora.“ Das heißt, dass er dann mit der Tora belohnt wird, die „die Namen des Schöpfers“ ist, was in der Sprache des Sohar, wie oben, „Die Tora und Israel und der Schöpfer sind eins“ genannt wird.
Und aus dem Gesagten sind in der Tora zwei Aspekte zu unterscheiden, die zum Herzen gehören:
1.) der Aspekt des Lichts der Tora, der zur Festigung des Glaubens im Herzen gehört; das ist die Sache „Das Licht in ihr korrigiert ihn“;
2.) der Aspekt der Tora, der zum Herzen gehört, wie geschrieben steht: „Und du sollst zu allen Weisen des Herzens reden, die Ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe“20, was in der Sprache des Sohar heißt: „Wer die Wege seines Herrn und die Gebote seines Herrn nicht kennt, wie soll er Ihm dienen?“
Und wie im Buch Pri Chacham geschrieben steht, und das sind seine Worte: „Deshalb ist es besser, dass du am Ziel festhältst, dich nach den Geboten deines Herrn zu sehnen, denn wer die Wege seines Herrn und die Gebote seines Herrn nicht kennt“, die die Geheimnisse der Tora sind, „wie soll er Ihm dienen?“
Und aus dem Gesagten: Die Sache „Tora und Arbeit“ bedeutet, dass er Tora lernt, damit die Tora ihm das Licht der Tora bringe, sodass er dadurch die Fähigkeit habe, die Gefäße des Empfangens umzukehren, damit sie auf das Geben ausgerichtet seien; denn mit diesen Gefäßen wird er mit der Anhaftung an den Schöpfer belohnt, was „er lernt Tora liShma“ genannt wird.
Und damit lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten: „Einen guten Gedanken fügt der Schöpfer der Tat hinzu.“ Wenn nämlich der Mensch Tora lernt, um zur Tat zu gelangen, was „die Tat, die Gefäße des Gebens anzufertigen“ bedeutet – und da der Mensch von sich aus nicht fähig ist, diese Tat zu tun, wegen des Bösen in seinem Herzen –, dann, wenn der Schöpfer sieht, dass der Mensch ein großes Verlangen nach dieser Tat hat, gibt der Schöpfer ihm das Licht der Tora, und das korrigiert ihn. Und das ist es, was geschrieben steht: „Der Schöpfer fügt ihn der Tat hinzu.“ Das heißt, Er vollbringt jetzt die Handlung: dadurch, dass Er ihm das Licht der Tora gibt, ergibt sich der Aspekt der Tat.
Und demnach sehen wir, dass in Wahrheit von Seiten des Menschen nicht mehr als ein guter Gedanke da war. Das heißt, er denkt an eine gute Sache, nämlich an Gefäße des Gebens. Aber wer vollbringt in Wahrheit die Handlung, dass der Mensch mit diesen Gefäßen belohnt wird? Nur der Schöpfer, dadurch, dass Er ihm das Licht der Tora gibt, das der Träger ist, der in die Tora gekleidet ist, wie oben.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Einen guten Gedanken, den der Mensch hat, macht der Schöpfer so, dass hier auch eine Tat sei.“ Und das ist, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“ Es zeigt sich, dass es von Seiten des Menschen nicht mehr gibt als das, dass er kommt, sich zu reinigen, was „guter Gedanke“ genannt wird. Danach gibt der Schöpfer ihm die Hilfe, indem Er „ihn der Tat hinzufügt“.
Und aus dem Gesagten ist auszulegen, was geschrieben steht: „Und du sollst zu allen Weisen des Herzens reden, die Ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe.“ Und wir fragten: Welchen Bezug hat die Weisheit zum Herzen? Die Weisheit gehört doch zum Verstand. Die Sache ist wie oben, dass in der Tora zwei Aspekte zu unterscheiden sind, die zum Aspekt liShma gehören, nämlich:
1.) das Kli,
2.) das Licht.
Das Kli, das tauglich sein soll, das Licht zu empfangen, muss in Gleichheit mit dem Licht sein, denn darauf geschahen die Einschränkung und die Verhüllung. Denn wir haben gelernt, dass Malchut de Ejn Sof, die die Wurzel der Geschöpfe ist, nach der Anhaftung verlangte, die „Gleichheit der Form“ genannt wird. Alle Korrekturen gehen nur darauf hinaus, diese Korrektur zu vollziehen: die Gefäße des Empfangens zu korrigieren, damit sie auf das Geben ausgerichtet seien.
Deshalb ist dem Menschen, der mit dem Verlangen zu empfangen geboren wird und ihn auf das Geben hin korrigieren will – und wie bekannt ist das gegen die Natur –, nur ein einziger Rat gegeben: dass er ihn allein durch das Licht der Tora umkehren kann, sodass er auf das Geben ausgerichtet sei, wie oben: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz [Gegenmittel] erschaffen“, und das Licht in ihr führt das Herz zum Guten zurück. Wie oben: „böse“ wird das genannt, was für sich selbst empfängt, und „gut“ wird es genannt, wenn sein Herz nur auf das Geben und nicht auf das Empfangen ausgerichtet ist.
Deshalb werden jene Menschen, die sich mit der Tora nicht gerade deshalb befassen, damit sie die Gesetze und Halachot kennen, damit sie wissen, wie die Gebote einzuhalten sind, sondern die noch eine erhabene Aufgabe haben, dass sie nämlich Tora lernen, um das Herz zu korrigieren – diese werden „Weise des Herzens“ genannt, weil jede Sache nach der Handlung benannt wird. Deshalb wird die Tora, die man mit dieser Absicht lernt, „Weise des Herzens“ und nicht „Weise des Verstandes“ genannt, weil sie die Tora zur Korrektur des Herzens brauchen.
Und auf diesem Weg ist auszulegen, was geschrieben steht: „die Ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe“. Das heißt, nachdem sie bereits Gefäße haben, die für das Licht geeignet sind, wie oben: Wie das Licht, das von oben kommt, zum Geben da ist, so muss auch das Kli auf das Geben ausgerichtet sein. Da sie dieses Kli bereits haben, das sie durch das Licht der Tora erlangten, und bereits „Weise des Herzens“ genannt werden, weil sie Tora um der Korrektur des Herzens willen lernten – das heißt, dass sie taugliche Gefäße haben –, deshalb müssen sie die Tora selbst empfangen, die „Tora des Lebens“ genannt wird.
Und das ist es, was geschrieben steht: „die Ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe“ – gemeint ist das Licht. Das heißt, dass auch das Licht zum Herzen geht, denn nachdem sie bereits neue Gefäße erworben haben, die „Gefäße des Gebens“ genannt werden, und dem Schöpfer Zufriedenheit bereiten wollen, dann sehen sie: Was fehlt im Haus des Königs? Nur eines, kann man sagen. Denn unsere Weisen sagten (Midrash Rabba, BeReshit), dass der Schöpfer zu den Engeln sprach, als Er ging, den ersten Menschen (Adam haRishon) zu erschaffen, und die Engel ihn verleumdeten: „Womit ist die Sache vergleichbar? Mit einem König, der einen Turm voll allen Guten hat, aber keine Gäste. Welchen Genuss hat er von dem, was er tut?“
Deshalb, wenn des Menschen Wille nur der ist, seinem Bildner Zufriedenheit zu bereiten, dann findet sein Herz, das Genuss daran haben will, dem König etwas zu geben, damit Er Genuss habe, nur eine einzige Sache, an der der König Genuss haben kann: dass sie von Ihm das Gute und den Genuss nehmen, was Er den Geschöpfen geben will. Da es einen Turm voll allen Guten gibt und er der Gast beim Schöpfer sein will, um in den Turm einzutreten und von Ihm Genuss zu empfangen – was der Genuss des Königs ist. Es zeigt sich, dass das Licht der Tora, das der Mensch in der „Tora des Lebens“ empfangen will, für das Herz des Menschen ist, das heißt, dass er etwas habe, womit er dem König Genuss bereiten kann.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Und du sollst zu allen Weisen des Herzens reden, die Ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe.“ Das heißt, dass der Geist der Weisheit ihn erfüllte. Wen? Die Weisen des Herzens, wie oben. Gemeint ist das Licht, denn das Licht kommt zu den Weisen des Herzens. Denn das Herz, das „Wille“ genannt wird, will die Tora des Lebens empfangen, um damit dem Schöpfer Genuss zu bereiten, wie oben im Gleichnis vom König, der einen Turm voll allen Guten hat, aber keine Gäste.
Und aus dem Gesagten ist auszulegen, was unsere Weisen sagten, und das sind ihre Worte: „Er pflegte zu sagen: Ein guter Gast – was sagt er? Wie viel Mühe hat sich der Hausherr für mich gemacht, und worum er sich auch mühte, er mühte sich nur für mich.“21
Es ist bekannt, dass man nur dort Gast sein kann, wo es einen Hausherrn gibt. Deshalb, wenn der Mensch an den Schöpfer glaubt, dass Er der Hausherr der Welt ist, und der Mensch empfindet, dass er ein Gast ist, und Ihm anhaften will, wie unsere Weisen über den Vers „und Ihm anzuhaften“ sagten, dessen Bedeutung ist: „Hafte an Seinen Eigenschaften: Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ – das nennt man einen „guten Gast“.
Und die Bedeutung von „gut“ ist, wie geschrieben steht: „Es regt mein Herz eine gute Sache; ich spreche: Meine Werke gelten dem König.“ Das bedeutet, dass all seine Handlungen, die er tut, nur dem König gelten, das heißt dem Schöpfer. Das nennt man eine gute Sache. Dann, wenn all seine Handlungen nur auf das Geben ausgerichtet sind, sodass er ein „Weiser des Herzens“ ist, wie oben, kommt er zur „Tora des Lebens“, das sind die Namen des Schöpfers, wo sich das Gute und der Genuss finden, die Er in Seinem Willen den Geschöpfen geben wollte.
Dann sagt er: „Worum der Hausherr sich auch mühte, er mühte sich nur für mich“ und, Gott behüte, nicht für sich selbst, wie oben im Gleichnis vom König, der einen Turm voll allen Guten hat, aber keine Gäste. Aus dem Gesagten ist auszulegen, was die Geheimnisse der Tora sind, das heißt, welches Geheimnis die Tora enthüllt. Und dies ist in zwei Aspekten auszulegen:
1.) dass die Tora dem Menschen eine neue Sache enthüllt, die er zuvor nicht wusste. Das rührt daher, dass der Mensch in der Natur des Verlangens zu empfangen erschaffen wurde. Wenn man ihm sagt, er solle sich mit dem Verlangen zu geben befassen, ist das für ihn eine unwichtige, niedrige Sache, sodass der Körper vor solchen Verlangen fliehen will, weil er nur verlieren kann, wenn er die Gefäße des Gebens gebraucht.
Aber wenn der Mensch Tora mit der Absicht lernt, mit dem Licht der Tora belohnt zu werden, weil dieses Licht ihn korrigiert, dann enthüllt ihm dieses Licht der Tora eine neue Sache, die er bis jetzt nicht wusste. Das heißt, jetzt weiß er genau das Gegenteil von dem, was er zuvor dachte. Denn bevor er mit dem Licht der Tora belohnt wurde, wusste er, dass die Hauptwichtigkeit des Menschen die Gefäße des Empfangens sind, denn mit den Gefäßen des Empfangens kann er die Lebensfreude der Welt empfangen. Anders aber mit Handlungen des Gebens: Damit kann er nur anderen Gutes tun, dass auch sie durch seine Hilfe etwas von der Welt genießen.
Doch das geschieht nur, weil es ein Gebot ist, das heißt, weil er Erbarmen mit anderen hat, die nicht alles haben, was sie brauchen, und er hilft ihnen. Gewiss erwartet er von jenen Menschen, denen er Gutes tut, dass sie nicht undankbar sind und dass sie ihn ehren und dergleichen.
Anders aber jetzt: Dadurch, dass er mit dem Licht der Tora belohnt wurde, das ihn korrigiert, wurde ihm eine neue Sache enthüllt. Nämlich dass er dadurch, dass er jetzt die Gefäße des Empfangens gebraucht, Leben und Gutes und Genuss für sich selbst verliert. Wenn er die Gefäße des Gebens zum Wohl des Nächsten gebraucht, empfängt er wahres Gutes und wahren Genuss für sich selbst. Nur durch die Gefäße des Gebens gewinnt er für sich selbst Gutes und Genuss; anders aber mit den Gefäßen des Empfangens: Da verliert er Gutes und Genuss. Dieses Geheimnis wurde ihm jetzt durch das Licht der Tora enthüllt.
Und damit lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten: „Eine verkehrte Welt habe ich gesehen: die Oberen unten und die Unteren oben.“ Und es ist auszulegen, dass ihm eine neue Sache enthüllt wurde: dass das, was in der Welt der Lüge „die Oberen“ genannt wird, nämlich die Gefäße des Empfangens, was eine wichtige Sache ist, „die Oberen“ genannt – in der Welt der Wahrheit, das heißt zu der Zeit, da man mit dem Licht der Tora belohnt wird, was „man wird mit der Wahrheit belohnt“ genannt wird, dann sieht man die Unteren oben.
Die Gefäße des Gebens, die in der Welt der Lüge in ihrer Wichtigkeit als Aspekt der Unteren gelten, die der Aspekt der Niedrigkeit sind – das heißt, wenn der Mensch manchmal gezwungen ist, mit ihnen zu arbeiten, schmeckt er in ihnen den Geschmack der Niedrigkeit, weil er nicht sieht, was das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, an ihnen gewinnt –, dort, in der Welt der Wahrheit, sind sie oben in der Wichtigkeit, weil man alles Gute und den Genuss nur durch sie erwerben kann. Deshalb zeigt sich, dass die Unteren oben in der Wichtigkeit sind.
Und das ist es, was geschrieben steht: „die Oberen unten“. Was man in der Welt der Lüge an den Gefäßen des Empfangens für wichtig hält, dass man nämlich nur die Gefäße des Empfangens für sich selbst gebraucht, weil man denkt, dass man dadurch das Leben gestalten kann. In der Welt der Wahrheit, wie oben, wenn man mit dem Licht der Tora belohnt wird, dann sieht man eine neue Sache, die enthüllt wurde: dass die Gefäße des Empfangens nur Verluste im Leben verursachen, dass sie es sind, die daran hindern, das Gute und den Genuss zu erlangen. Es zeigt sich, dass die Oberen unten in der Wichtigkeit sind. Und das ist das Geheimnis, weshalb die Tora „die Geheimnisse der Tora“ genannt wird, denn sie enthüllt dem Menschen die Wahrheit.
2.) dass die Tora enthüllt: Deshalb wird der Name „Geheimnisse der Tora“ gegeben, weil er, bevor er die Gefäße des Gebens durch das Licht der Tora erlangt hat, nur die Gewänder der Tora erlangt, in die der Schöpfer gekleidet ist. Jetzt wird dem Menschen auch der Träger enthüllt, der in die Tora gekleidet ist; und diese Tora wird „Tora des Lebens“ genannt, die der Aspekt der Namen des Schöpfers ist, was „Die Tora und Israel und der Schöpfer sind eins“ genannt wird.
Und damit versteht sich, was wir gefragt haben: Was sind Tora und Arbeit in der Arbeit? Die Antwort ist, dass er Tora lernt, damit er die Fähigkeit habe, die Arbeit zu tun, die „die Gott erschaffen hat, um zu tun“ genannt wird. Das heißt, dass die Geschöpfe die Arbeit tun müssen, „das Verlangen zu empfangen in ein Verlangen zu geben umzukehren“, wodurch sie Anhaftung haben werden, die der Aspekt der Gleichheit der Form ist. Sie werden auch das Gute und den Genuss empfangen können, was das Ziel der Schöpfung ist.
korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026
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Derech Erez, wörtlich „Weg der Erde“ oder „Weg der Welt“. Der Ausdruck hat im rabbinischen Sprachgebrauch zwei Bedeutungen: den bürgerlichen Broterwerb und das gebührende, sittliche Verhalten. Im Ausspruch der Väter wird er gewöhnlich im ersten Sinn verstanden: Das Tora-Studium soll mit einem Beruf einhergehen. Rabash liest ihn im zweiten Sinn und stützt sich dabei auf die wörtliche Bedeutung: Der Weg der Welt, also die natürliche Ordnung, ist es, dass der Geringere sich vor dem Größeren annulliert. Das gebührende Verhalten gegenüber dem Schöpfer ist deshalb, Ihm zu dienen. Eben dieses Verhalten ist gemeint, wenn es heißt, das Tora-Studium sei gut zusammen mit Derech Erez. ↩
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1. Mose 3,19. ↩
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Awoda, „Arbeit“, bezeichnet hier den Gottesdienst und die innere Arbeit des Menschen, nicht den Broterwerb. Im Ausspruch der Väter am Anfang des Artikels meint „Arbeit“ dagegen den Broterwerb. Beide Bedeutungen laufen im Artikel nebeneinander. ↩
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Talmud Esser haSefirot, Teil 16, Punkt 43, Or Pnimi (Inneres Licht). ↩
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Pri Chacham, Teil 1, Blatt 152. ↩
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Einleitung zum Talmud Esser haSefirot, Punkt 39. ↩
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in der Einleitung zum Talmud Esser haSefirot, Punkt 101. ↩
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Einleitung zum Talmud Esser haSefirot, Punkt 17. ↩
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Talmid Chacham heißt im Sprachgebrauch „Gelehrter“, wörtlich „Schüler eines Weisen“. Rabash greift mit Baal HaSulam die wörtliche Bedeutung auf: Der Weise ist der Schöpfer, der Mensch sein Schüler. ↩
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Traktat Nedarim 81a. ↩
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Awot 2,21. ↩
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Sprüche 4,22 ↩
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5. Mose 32,47 ↩
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Midrash Rabba, Truma, Kapitel 33. ↩
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Pri Chacham, Teil 2, Blatt 64. ↩
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Traktat Nedarim 81a. ↩
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Sprüche der Väter 4,21. ↩
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Pri Chacham, Teil 2, Blatt 49. ↩
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zitiert in der Einleitung zum Buch Panim Masbirot, Punkt 10. ↩
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2. Mose 28,3. ↩
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Traktat Brachot 58a. ↩