1988/16 Was ist das Fundament, auf dem die Kedusha [Heiligkeit] erbaut wird?
Beim materiellen Bauen sehen wir: Wer ein Gebäude errichten will, muss zuerst ein Fundament ausheben, und auf dieses Fundament baut er dann das Gebäude. Schon beim Ausheben des Fundaments muss man unterscheiden, ob man ein einstöckiges Gebäude bauen will – also nur ein Erdgeschoss – oder ein mehrstöckiges. Je höher die Stockwerke werden sollen, desto tiefer muss das Fundament in den Boden reichen. Das Fundament wird nicht ein einziges Mal ausgehoben, sondern man arbeitet Tag für Tag daran, damit es immer tiefer wird. Erst dann kann man ein hohes Gebäude errichten.
Dieselbe Ordnung gilt auch im Spirituellen. Wenn ein Mensch nur ein Erdgeschoss bauen will, muss er nicht besonders tief graben; er gräbt ein wenig und kann sein Gebäude durch das Erfüllen von Tora und Mizwot errichten. Und was ist das Graben im Spirituellen? Es bedeutet, einen Mangel zu schaffen, denn man gräbt einen Mangel ins Herz. Das Herz wird nämlich „Wille“ genannt, und das Herz wird Malchut genannt, und das Herz wird „Land“ oder „Boden“ genannt.
Wie im Materiellen gräbt man einen Hohlraum in den Boden. Das heißt: Bevor man zu bauen beginnt, muss man zuerst in der Erde graben, also das herausholen, was an der Stelle der Grube liegt. Erst wenn der Ort, an dem man bauen will, leer ist, fängt man an zu bauen. Ist der Ort dagegen mit Erde gefüllt, kann man kein Gebäude darauf errichten, denn es würde einstürzen.
Ebenso im Spirituellen: Man muss in der Erde graben, also im Herzen, und von dort die Erde des Herzens herausholen. Dann bleibt das Herz leer, ohne jede Füllung, und nun beginnt die Zeit des Bauens. Solange das Herz mit materiellen Dingen gefüllt ist, kann man auf diesem Boden nichts errichten, denn das ganze Gebäude würde einstürzen: Nichts hat ein Daseinsrecht, wenn kein Bedürfnis danach besteht.
Nur dort, wo ein Bedürfnis ist und der Mensch den Mangel spürt – weil ihm das fehlt, wonach er sich sehnt –, hat die Sache, sobald er sie erlangt, ein Daseinsrecht, weil er sie braucht. Dann weiß er auch: Im Maß des Mangels liegt das Maß der Wertschätzung. Und er versteht, das Gebäude so zu hüten, dass seine Feinde es nicht zerstören.
Hier beginnt die Ordnung beim Ausheben der Fundamente: Wie tief man in den Boden gräbt, hängt davon ab, wie hoch der Mensch das Gebäude bauen will, das ihm vorschwebt. Manchmal sagt der Mensch nämlich, ihm genüge ein Gebäude im Erdgeschoss. Das heißt, er will Tora und Mizwot erfüllen und dadurch ein Gebäude erlangen, das im Erdgeschoss liegt – also sich nicht vom Boden entfernen.
Das heißt, er will im Irdischen bleiben, was dem Gefäß des Empfangens entspricht. Das ist sein Lohn, und darin möchte er wohnen: Wie man ein Haus zum Wohnen baut, so gleicht der Lohn dem Gebäude, in dem er wohnt. Bekanntlich will der Mensch nur um des Lohnes willen leben. „Lohn“ heißt, dass er als Gegenwert für seine Arbeit Freude und Genuss empfängt; das ist das Leben des Menschen, denn nur um des Genusses und der Freude willen will er leben.
Da man die Arbeit an Tora und Mizwot mit dem lo liShma (nicht um ihretwillen) beginnt, wie im heiligen Sohar steht: „Manche erfüllen Tora und Mizwot, damit sie Lohn in dieser Welt haben, und manche arbeiten an Tora und Mizwot, damit ihnen die künftige Welt zuteilwird.“ Doch sein ganzer Lohn ist, was er in den Gefäßen des Empfangens für sich selbst erhält, was dem Irdischen entspricht. Diese Stufe wird Am haAretz genannt (wörtlich „Volk der Erde“, ein Unkundiger) – das heißt, man rührt sich nicht von der Ebene der Erde, die „Verlangen zu empfangen“ heißt.
So sagte Rambam, seligen Andenkens (Gesetze der Umkehr, Kapitel 10): „Wenn man die Kinder, die Frauen und die Unkundigen unterweist, lehrt man sie nur, aus Ehrfurcht und um Lohn zu empfangen zu dienen.“
Ein Tora-Gelehrter (Talmid Chacham) zu sein bedeutet dagegen – nach dem Wort meines Vaters und Lehrers, seligen Andenkens (Baal HaSulam) –, dass „Tora-Gelehrter“ den nennt, der die Eigenschaften des Weisen lernt. Und der Schöpfer wird „der Weise“ genannt. Wer also die Wege des Gebens geht, von dem heißt es, dass er vom Weisen gelernt hat; darum wird er „Tora-Gelehrter“ genannt.
Es zeigt sich: Jene Menschen, die sich mit Tora und Mizwot befassen, um ein Gebäude zu erlangen, das „Lohn dieser Welt oder der künftigen Welt zum eigenen Nutzen“ heißt, gehören zur Kategorie der Unkundigen. Das nennt man: Er will nur ein Erdgeschoss bauen. Darum muss er kein tiefes Fundament ausheben, also nicht jeden Tag graben, damit die Grube in die Tiefe reicht. Wenn er einmal gräbt, genügt ihm das Graben.
Sobald er nämlich begreift, dass er ein Bedürfnis und einen Grund hat, Tora und Mizwot zu erfüllen – nämlich um Lohn zu erhalten –, ist er mit diesem Mangel, also sobald er diesen Grund versteht, schon fähig, auf das Gebäude des Lohnes hinzuarbeiten. Denn solange der Mensch nicht aus der Selbstliebe heraustreten will, widersetzt sich der Körper Tora und Mizwot nicht. Deshalb muss er nicht jeden Tag graben, also nicht nach Bedürfnis und Lust suchen, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, weil der Körper sich dem Bedürfnis nicht widersetzt, das er für lohnend zu seinem eigenen Nutzen hält.
Das nennt man: Sein Graben muss nicht so tief sein. Vielmehr genügt ihm das Verständnis, dass es sich lohnt, sich mit Tora und Mizwot zu befassen; dieses Bedürfnis reicht schon, um ihm Brennstoff für die Arbeit zu geben. Das eine Mal, das er gegraben hat, bleibt ihm also für immer, sodass er die Arbeit fortsetzen kann. Sein Graben muss demnach nicht in die Tiefe gehen.
Anders, wenn er ein mehrstöckiges Gebäude bauen will, also die Seele erlangen will, welche die fünf Stufen NaRaNChaY umfasst (Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida). Das kann er nur erlangen, wenn seine Absicht darauf gerichtet ist, zu geben – wenn also alle seine Gedanken und Wünsche allein dem Wohl des Schöpfers dienen und nicht dem eigenen Nutzen. In diesem Fall geschieht das Ausheben des Fundaments, also das Bedürfnis dazu, nicht in einem einzigen Mal, wenn er ein solches Gebäude bauen will.
Der Grund ist: Wenn der Mensch an sich selbst arbeitet und seinem Körper begreiflich macht, dass es sich lohnt, um des Gebens willen zu arbeiten, fällt ihm dieses Graben nicht leicht. Beim Graben stößt er nämlich auf Steine, und es ist hart, dort einen Hohlraum zu schaffen; selbst ein kleines Loch in einen Stein zu graben ist schwer. Das heißt: Wenn er begreifen will, dass er einen großen Mangel hat, wenn er sieht, dass er nichts im Geben zustande bringt, und den Schöpfer bitten will, ihm sein Begehren zu geben – nämlich ihm das Licht der Tora zu geben, das ihn zum Guten zurückführt –, dann fördert er mitten im Graben einen großen Stein zutage.
Das bedeutet: Ihm kommt der Gedanke, er wolle begreifen, warum er für den Schöpfer arbeiten soll und nicht für sich selbst. Es heißt doch: „Dein Leben und das Leben deines Nächsten – dein Leben geht vor.“ Auf diese Überlegung hat er keine Antwort. Da macht er eine Pause im Graben, denn der Stein ist zu hart, als dass er einen Hohlraum in ihn schlagen könnte.
Darum muss er ein kostbares Werkzeug nehmen, mit dem man den Stein spalten kann. Dieses Werkzeug heißt „Glaube über dem Verstand“. Nur dieses Werkzeug kann den Stein spalten, der „äußerer Verstand“ heißt – das heißt, dieser Verstand liegt außerhalb der Heiligkeit, denn er dient der Heiligkeit nur als „Schale, die der Frucht vorausgeht“.
Weil man den Stein nur durch den Glauben über dem Verstand spalten kann, gilt hier das Geschehen von Auf- und Abstiegen. Der Mensch ist nämlich nicht immer fähig, über dem Verstand zu gehen. So zeigt sich: Was immer er gegraben und an Mangel gefunden hat, um den Schöpfer um Kraft für die Wege des Gebens zu bitten, wird durch den Stein wieder verschlossen.
Darum muss er erneut graben, und es wiederholt sich von Neuem. Jedes Mal beginnt er zu graben und die Erde herauszuholen, und mitten im Graben fördert er wieder einen Stein zutage. Wieder beginnt er, Fragen innerhalb des Verstandes zu stellen. Wieder nimmt er sich zusammen und bedient sich des Glaubens über dem Verstand. Wieder erlangt er eine Stelle des Mangels und beginnt zum Schöpfer zu beten, dass er ihn seinem Dienst näherbringe – also den Dienst des Schöpfers zu verrichten, um des Himmels willen und nicht zum eigenen Nutzen.
Und weil sein ganzes Gebäude auf dem über dem Verstand errichtet ist, verschließt sich die Grube wieder. Das heißt, der Mangel verschwindet ihm aufs Neue, und er hat nichts mehr zu erbitten – er hat kein Bedürfnis mehr, dass der Schöpfer ihn näherbringe. Darum muss er wieder zu graben beginnen, also arbeiten, um einen Mangel zu finden, der ihm als Fundament dient, auf dessen Grund er den Schöpfer bitten und sein Gebäude errichten kann.
Beim Graben im Boden finden wir Erde und Steine. „Erde“ entspricht der Stufe des Herzens, das heißt dem Verlangen, für sich selbst zu empfangen. Das ist noch nicht so schlimm, denn mit großer Anstrengung kann der Mensch die Erde noch aus dem Boden holen. Anders aber, wenn er mitten im Graben Steine findet und der Verstand beginnt, Fragen zu stellen: Dann braucht er das Erbarmen des Himmels, dass es ihm Kraft gebe, sich über den Verstand zu erheben.
Darum ist es eine große Arbeit, sich mit dem Fundament zu befassen, weil man das Graben nicht an einem Tag vollendet. Vielmehr kommen nach dem Graben sofort die Steine und fallen ihm auf den Kopf, sodass er fremde Gedanken empfängt. Das heißt: Nachdem er sich für eine Weile über den Verstand erhoben hat, kann er nicht standhalten, sondern empfängt danach wieder einen Abstieg und muss von vorn beginnen. Doch der Mensch muss glauben, dass keine Arbeit verlorengeht und alles bestehen bleibt; nur mitten in der Arbeit gibt es eine Einrichtung, dass er nicht sieht, was er bereits getan hat.
Darum gilt: Jeden Tag, an dem der Mensch am Fundament gräbt, gräbt er tiefer in den Boden, und er arbeitet nicht von Neuem an dem, was er gestern getan hat. Das Vorankommen geschieht vielmehr in die Tiefe. Und das Maß der Grabungstiefe reicht, bis er ein echtes Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers empfängt, dass dieser ihm helfe, ein Verlangen zu haben, im Geben zu arbeiten. „Ein Pfennig zum andern fügt sich zu einer großen Summe.“ Aus all dem Graben gelangt er schließlich in eine Tiefe, auf der man bereits ein Gebäude errichten kann, das würdig ist, das NaRaNChaY der Seele zu erlangen, was der Mensch erlangen soll.
Das Gebäude der Heiligkeit verstehen wir auf zweierlei Weise:
a) als Gefäß,
b) als Licht.
„Gefäß“ heißt: Der Schöpfer gibt ihm ein Verlangen und eine Lust, dem Schöpfer zu geben.
„Licht“ heißt: Nachdem er bereits ein Verlangen zu geben hat, das „Anhaftung (Dwekut)“ genannt wird, empfängt er eine Stufe auf der Ebene der Seele, bis er das NaRaNChaY erlangt. So steht es in der Einführung zur Lehre von den Zehn Sefirot (Talmud Eser haSefirot, Punkt 133): „So ist es beim Dienst der vollkommenen Gerechten: Die freie Wahl, die zur Zeit der Verbergung des Angesichts gilt, gilt gewiss nicht mehr von dem Augenblick an, da sie die Pforte zur offenbaren Vorsehung geöffnet haben. Doch beginnen sie den eigentlichen Dienst Seiner, gepriesen sei Er, erst von der Offenbarung des Angesichts an. Dann beginnen sie, die vielen Stufen zu durchschreiten, im Geheimnis des Verses ‚und die Gerechten gehen von Kraft zu Kraft‘. Diese Arbeiten machen sie tauglich für das Begehren des Schöpfers, dass sich an ihnen Sein Gedanke in der Schöpfung erfülle, der lautet: ‚um Seinen Geschöpfen wohlzutun‘.“
Aus dem Gesagten sehen wir: Es gibt eine Stufe, um die Anhaftung an den Schöpfer zu erlangen – also bis zur Stufe des Verlangens zu geben zu gelangen. Und danach folgt die Ordnung, das Licht zu erlangen, das NaRaNChaY genannt wird, was die Stufen in der Offenbarung des Lichtes sind.
Im Lichte des Gesagten lässt sich erklären, was geschrieben steht (Toldot, dritter Abschnitt): „Und alle Brunnen, die die Knechte seines Vaters in den Tagen Abrahams gegraben hatten, verstopften die Philister. Und Isaak grub die Wasserbrunnen wieder auf, die man in den Tagen seines Vaters Abraham gegraben hatte und die die Philister verstopft hatten. Und die Knechte Isaaks gruben, und die Hirten von Gerar stritten mit den Hirten Isaaks: ‚Uns gehört das Wasser.‘ Und sie gruben einen anderen Brunnen, und auch um den stritten sie. Und er grub einen anderen Brunnen, und um den stritten sie nicht; und er nannte ihn Rechovot und sprach: ‚Nun hat der Schöpfer uns Raum geschaffen, und wir werden fruchtbar sein im Land‘; und von dort zog er hinauf nach Beer Sheva.“
Das Graben der Brunnen geschieht, um einen Mangel und ein Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers zu finden – und zwar in Bezug auf das Gefäß. Das heißt, den Schöpfer zu bitten, dass Er ihnen ein Bedürfnis zu geben verleihe. Doch sie sehen, dass sie es nicht können, weil der Körper sich dem von Natur aus widersetzt, da er mit dem Verlangen geboren wird, allein zu empfangen.
Doch auch hierbei sind zwei Stufen zu unterscheiden:
a) Er betet zum Schöpfer, dass dieser ihm Kraft gebe, das Verlangen zu empfangen zu überwinden und in der Absicht zu geben zu arbeiten. Und er möchte, dass der Schöpfer ihm diese Kraft gibt.
b) Manchmal kann der Mensch den Schöpfer nicht bitten, ihm das Verlangen zu geben zu schenken, weil der Körper sich sogar dem Gebet widersetzt. Der Körper fürchtet nämlich, der Schöpfer könnte ihm helfen, und er müsste das Verlangen zu empfangen aufgeben. So muss er beten, dass der Schöpfer ihm Kraft gebe, den Körper zu überwinden, damit er die Kraft habe, zum Schöpfer zu beten, dieser möge ihm helfen, das Verlangen zu empfangen zu überwinden und in der Absicht zu geben zu arbeiten.
Es zeigt sich: Er betet ein Gebet. Und worum bittet er? Dass er beten könne. Das nennt man „ein Gebet um das Gebet“. Und das heißt, dass der Schöpfer ihm in Bezug auf das Gefäß helfen muss – nämlich, dass er begreife, dass ihm die Kraft des Gebens fehlt. So hilft ihm der Schöpfer und gibt ihm ein Verlangen, danach zu streben, zu begreifen, dass dem Menschen nichts fehlt außer dem Verlangen zu geben, in Verstand und Herz.
Danach, wenn er das Bedürfnis hat, in der Absicht zu geben zu arbeiten, es aber nicht kann, gibt ihm der Schöpfer das Licht – ein Licht, das zur Korrektur des Gefäßes kommt, sodass er fähig wird, in der Absicht zu geben zu arbeiten. Dieses Licht trägt den Namen „Gefäß“. Bekanntlich wird das Licht nach seiner Wirkung benannt; und weil das Licht ihm das Verlangen gibt, das „Gefäß“ heißt, sagt man, der Schöpfer habe ihm das Gefäß des Gebens gegeben. Das nennt man „das Fundament“. Auf einem solchen Fundament kann man ein mehrstöckiges Gebäude bauen. Nachdem er also das Fundament erlangt hat, das das Gefäß des Gebens ist, beginnt er, das vollständige Stockwerk des NaRaNChaY seiner Seele zu erlangen.
Dass die Philister die Brunnen verstopften, die die Knechte seines Vaters in den Tagen Abrahams gegraben hatten, lässt sich im Sinne der Arbeit deuten. „Abraham“ entspricht der Stufe der Gnade (Chessed), und „Abrahams Knechte“ sind jene, die auf dem Weg der Eigenschaft der Gnade gingen, also jene, die die Wege des Gebens gehen wollten, was „Gnade“ heißt. Sie gruben für sich diesen Mangel, also die Notwendigkeit der Gefäße des Gebens, wie oben gesagt. Und sooft sie gruben, um einen Mangel zu finden, verstopfte man ihnen den Mangel. So hatten sie immer aufs Neue Arbeit, noch tiefer zu graben, und es wiederholte sich von Neuem.
Im Lichte des Gesagten lässt sich der Streit zwischen den Hirten von Gerar und den Hirten Isaaks deuten, wie geschrieben steht: „Und die Knechte Isaaks gruben, und die Hirten von Gerar stritten mit den Hirten Isaaks; und man nannte den Brunnen Esek (Streit), denn sie hatten mit ihm gestritten. Und sie gruben einen anderen Brunnen, und auch um den stritten sie; und man nannte ihn Sitna (Anfeindung). Und er grub einen anderen Brunnen, und um den stritten sie nicht; und man nannte ihn Rechovot (Weite). Und von dort zog er hinauf nach Beer Sheva.“
Es ist zu verstehen, was „Hirten“ im Spirituellen bedeutet, worin der Unterschied zwischen „Hirten von Gerar“ und „Hirten Isaaks“ in der Arbeit besteht, und warum es um die ersten beiden Brunnen Streit gab, um den dritten aber nicht, wie geschrieben steht: „und um den stritten sie nicht“.
Bekanntlich kann der Mensch nicht ohne Unterhalt leben. „Unterhalt“ ist das, was den Menschen ernährt, wodurch er sein Leben besteht und sagt: Dafür lohnt es sich zu leben. Und gewiss gibt es viele Stufen im Unterhalt des Menschen. Manche begnügen sich mit wenigem: Wenn der Mensch Nahrung hat wie die Nahrung der Tiere – also das, womit ein Tier sich begnügt –, sagt er: „Für mich ist das genug, und für solchen Unterhalt lohnt es sich zu leben.“ Verglichen mit dem Unterhalt anderer heißt von ihm, dass er sich mit wenigem begnügt.
Und manche sagen, es genüge ihnen, wenn sie Nahrung haben wie das, was kleinen Kindern reicht – das ist etwas mehr als bei den Tieren. Kinder haben nämlich noch etwas: Sie spielen Verstecken und mit Spielzeug und dergleichen. Damit begnügen sie sich und sagen: „Das, woran wir Freude haben, muss keine wahre Sache sein. Selbst aus einer Lüge schöpfen wir unseren Unterhalt; aus einer wahren Sache dagegen ziehen wir keinen Geschmack.“
Wie das Gleichnis, das ich oft erzählt habe: Wir beobachten bei kleinen Mädchen, dass die Eltern ihnen Stoffpuppen zum Spielen kaufen. Manchmal ist die Mutter in der Küche und bereitet das für den Shabbat (Sabbat) Nötige vor, und sie hat zu Hause ein einjähriges Kind, das weint. Da sagt die Mutter zu ihrem kleinen Mädchen: „Geh und spiel mit dem Kind. Dadurch hat das Kind Freude, und ich habe Freude, weil ich das für den Shabbat Nötige kochen kann.“ Und wir sehen in Wirklichkeit, dass das Mädchen nicht geht. Würden wir das Mädchen fragen: „Warum willst du nicht mit dem Kind spielen, sondern spielst nur mit deiner Puppe und küsst sie? Warum willst du nicht mit einem echten Kind spielen statt mit einem aus Lumpen? Du siehst doch, dass die Mama genau das Gegenteil tut: Sie küsst niemals deine Puppe, sondern das echte Kind“ – gewiss würde das Mädchen antworten: „Meine Mama will keine Freude am Leben haben, darum kann sie nicht mit einer Puppe spielen. Ich aber will noch Freude am Leben haben, darum bin ich nicht fähig, mit einem echten Kind zu spielen.“
Ebenso gibt es im Sinne der spirituellen Arbeit Menschen, die an einer wahren Sache in der Arbeit keine Freude haben können; nur von der Lüge sind sie ergriffen und empfangen daraus Freude und Lebendigkeit. Sagt man ihnen: „Es steht dir nicht an, in der Arbeit aus unwahren Dingen Freude zu schöpfen“, so antworten sie: „Ich will noch Freude an der Welt haben, darum begnüge ich mich mit wenigem in dem, womit ich mich an Tora und Mizwot befasse.“
In der Regel wählt sich von den vielen, die im heiligen Dienst arbeiten und Tora und Mizwot erfüllen, jeder das Maß selbst, wie viel Zeit er für Tora und Mizwot aufwenden muss. Jeder bemisst für sich – nach Menge und nach Güte –, was ihm ausreicht, und sagt, er begnüge sich mit wenigem. Er muss nicht zu den Reichen gehören, die großen Besitz haben; vielmehr versteht jeder mit gutem Sinn und Urteil sein Maß an Tora und Mizwot.
So sagt es der heilige Sohar zum Vers „Bekannt ist in den Toren ihr Gemahl“: „Ein jeder gemäß dem, was er in seinem Herzen ermisst.“ Das heißt: Je nachdem, wie er in seinem Herzen die Größe des Schöpfers ermisst, in diesem Maß weiß er, wie viel Zeit er Tora und Mizwot widmen muss und wie sehr er sich mühen muss, wenn ihm das Erfüllen von Tora und Mizwot schwerfällt.
Doch es gibt Auserwählte, die sich mit dem nicht zufriedengeben, womit die vielen sich nähren, und denen das nicht genügt, was jene empfinden. Nach dem Wort des ARI ist das eine Sache der Wurzel der Seele: Ein solcher muss in größerem Maß voranschreiten als die vielen. Er beginnt zu begreifen, dass die eigentliche Arbeit darin bestehen muss, sich von Menschennahrung zu ernähren und nicht von Tiernahrung oder von der Nahrung, die man Kindern gibt. So sagt Rambam, seligen Andenkens: „Wenn man die Kinder unterweist, lehrt man sie, um des Lohnes willen zu dienen, und offenbart ihnen nicht die Sache des liShma (um ihretwillen).“
Doch hier beginnt die eigentliche Mühe: dass er den Weg des Gebens an den Schöpfer gehen will und nicht zum eigenen Nutzen. Dem widersetzt sich der Körper. Und nun beginnt er, Gedanken zu empfangen, die ihm begreiflich machen wollen: „Du musst keine Ausnahme sein. Wie die vielen sich mit dem Unterhalt des Lohnes als Gegenwert für die Mühe in dieser und in der künftigen Welt begnügen, so soll auch dir das genügen. Was erschütterst du Welten, weil du gerade auf dem Weg des Gebens arbeiten willst? Du siehst doch, dass das eine schwere Sache ist, sonst würden auch die vielen im Geben arbeiten.“ Mit solchen Einwänden verstopfen diese Gedanken die Grube, also die Mängel und das Bedürfnis, das Verlangen zu geben zu erlangen.
Im Lichte des Gesagten erklären wir, was „Hirten von Gerar“ und was „Hirten Isaaks“ bedeutet und worin ihr Streit besteht. „Hirten“ heißt: Ernährer. „Hirten von Gerar“ bedeutet, dass ihr Unterhalt davon kommt, dass sie sich von den vielen mitziehen lassen (gerar, von „mitschleppen“). Das heißt, ihnen kamen Gedanken, sie müssten nicht so arbeiten, wie Einzelne arbeiten, die zur Wahrheit gelangen wollen, die „liShma“ heißt – also in der Absicht zu geben –, sondern es genüge ihnen, Tora und Mizwot zu erfüllen, um als Gegenwert Lohn in dieser und in der künftigen Welt zu empfangen. Das heißt, auch im Erfüllen von Tora und Mizwot könne man den Weg des Sich-Begnügens mit wenigem gehen.
„Hirten Isaaks“, also der Ernährer Isaaks, heißt das, was die Stufe Isaaks ernährt, welche die Stufe des Gebens ist. Solange er dem Schöpfer geben kann, ist das sein Unterhalt, und daraus macht er sich Leben.
Und das war der Streit mit den „Hirten von Gerar“: Sie sagten ihm, alles, was man grabe, um einen Mangel und ein Bedürfnis zu finden, sich nur auf dem Weg des Gebens zu befassen, lohne das Graben und Suchen solcher Mängel nicht. Und sie verstopften den Mangel, indem sie sagten: „Wir müssen uns von den vielen mitziehen lassen und keine Ausnahme sein.“
Die „Hirten Isaaks“ aber gruben und suchten ein Bedürfnis und einen Mangel, um Schmerz und Leid zu finden – darüber, dass sie keine Taten in der Absicht zu geben vollbringen können. Das heißt: Obwohl sie verstanden, dass das Wesentliche ist, im Geben zu arbeiten, empfanden sie über diesen Mangel keinen Schmerz und kein Leid. Darum gruben und suchten sie nach Rat, wie man Leid empfinden könne. Da kamen die „Hirten von Gerar“ und verstopften die Mängel, die sie gefunden hatten. Sie machten ihnen begreiflich: „Das ist nicht schlimm, wir können uns von den vielen mitziehen lassen, die sagen, dass wir uns mit wenigem begnügen.“
Das bereitete den Hirten Isaaks Leid. Denn nachdem sie viel Mühe darauf verwandt hatten, einen Weg zu finden, dass die Mängel – das Nicht-im-Geben-arbeiten-Können – ihnen Leid bereiten, war schon ein Ort, aus tiefem Herzen zu beten. Und sie hatten bereits einen Ort des Segens, also dem Schöpfer zu danken, dass Er ihnen einen Ort des Mangels offenbart hatte, was das Wesentliche im Dienst des Schöpfers ist. Das heißt: Wenn sie ihre Taten nicht auf das Wohl des Schöpfers ausrichten können, heißen sie nicht „Diener des Schöpfers“, sondern „Diener ihrer selbst“. Da kamen plötzlich die Hirten von Gerar und zogen sie dazu, sich am Unterhalt der vielen mitschleppen zu lassen, wie oben gesagt. So verstopften sie alle Brunnen der Hirten Isaaks. Das ist die Sache des Streits, den es um das Graben der Brunnen gab.
Nun erklären wir, was wir gefragt haben: Warum stritten die Hirten von Gerar um die ersten beiden Brunnen, um den dritten aber nicht? Bekanntlich ist die Ordnung der Arbeit in drei Linien: rechts und links, die einander entgegengesetzt sind, und danach kommt die mittlere Linie, und dann entsteht Friede.
Bekannt ist auch aus dem Gesagten, dass die vielen zu einer einzigen Linie gehören. Darum gibt es niemanden, der gegen sie stünde und entgegengesetzte Einwände erhöbe, da sie nur eine einzige Linie haben. Deshalb gilt bei ihnen die Sache der Auf- und Abstiege nicht so sehr. Anders bei der rechten Linie: Ihr steht die linke Linie entgegen, und darum gilt bei der rechten Linie bereits die Sache der Auf- und Abstiege.
Die rechte Linie ist bekanntlich die Linie der Wahrheit. Eine einzige Linie dagegen ist nicht so sehr Wahrheit. Und bekanntlich ist jede Sache, die fern von der Wahrheit ist, leichter zu erfüllen. Darum lehrt man auf dem Weg der vielen, in einer einzigen Linie zu gehen. Das heißt, sie sind noch nicht zu der Erkenntnis gelangt, dass es mehr gibt als die Taten; vielmehr ist, sobald man die 613 Mizwot erfüllt und beabsichtigt, dass der Schöpfer uns geboten hat, sie zu erfüllen, und wir dadurch Lohn empfangen, ein solcher schon ein vollkommener Gerechter.
Und alle Unterschiede zwischen den Arbeitenden bestehen in der Menge, also wie viel Zeit jeder seiner Beschäftigung mit Tora und Mizwot widmet. Weil dies nicht so nah an der Wahrheit ist – also dem lo liShma zugehörig –, gibt es darum in diesen Zuständen, die „Unterhalt der vielen“ heißen, nicht so viele Auf- und Abstiege. Denn solange der Mensch nur an Lohn und Strafe glaubt, stimmt der Körper seinem Glauben gemäß zu, zu arbeiten und sich Mühe zu geben, Tora und Mizwot zu erfüllen. Denn der Lohn, den er in ihre Gefäße des Empfangens zu erhalten erwartet, steht dem Körper nicht entgegen, der „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ heißt. So können sie mit großer Beharrlichkeit arbeiten.
Es gibt noch einen Grund, warum sie nicht so viele Abstiege haben: Sie sehen Erfolg in der Arbeit. Das heißt, sie sehen, dass sie jeden Tag in Tora und Mizwot voranschreiten. Denn es liegt in der Natur des Menschen: Wenn er sieht, dass er bei einer Arbeit Erfolg hat, hat er Kraft zur Arbeit. Und all das entspricht einer einzigen Linie.
Anders, wenn der Mensch beginnt, in der Absicht zu geben zu arbeiten. Das heißt, sein Lohn, den er als Gegenwert für seine Arbeit zu empfangen erwartet, ist, die Stufe der Anhaftung an den Schöpfer zu erlangen. Seine Absicht beim Erfüllen von Tora und Mizwot ist, ein Verlangen zu haben, einzig und allein dem Schöpfer zu geben und nicht zum eigenen Nutzen. Und sooft er sich auch müht, die Gefäße des Gebens zu erlangen, rührt er sich nicht ein Haarbreit von der Stelle. Im Gegenteil: Er sieht, dass er in der Arbeit keinen Erfolg hat – woher soll er dann Lebendigkeit empfangen, um die Arbeit fortsetzen zu können?
Die Korrektur ist nun, dass er die Wahrheit erkenne: dass er noch in der Selbstliebe versunken und noch fern vom Schöpfer ist. Doch dann muss er zu sich selbst sagen: Obwohl ich noch kein Vorankommen in der Arbeit sehe, habe ich dennoch ein großes Verdienst, dass ich überhaupt etwas in Tora und Mizwot tun kann.
Und er muss dann über dem Verstand glauben – obwohl er die Größe des Schöpfers noch nicht spürt –: Dass ich eine kleine Sache in Tora und Mizwot tue, wenn auch auf dem Weg des Zwangs, darüber freue ich mich dennoch, dass ich ein wenig Halt an Tora und Mizwot habe. Und dafür dankt er dem Schöpfer. Das nennt man: Der Dank, den er dem Schöpfer gibt, ist auf dem Weg der Wahrheit.
Das heißt, er kennt die Wahrheit, wie fern er vom Schöpfer ist, und freut sich dennoch, dass er die Kraft hat, etwas in Tora und Mizwot zu tun, obwohl er es nicht von ganzem Herzen tut. Doch es ist ihm wichtig, dass er dem Schöpfer dient, auch wenn er die Größe des Schöpfers noch nicht spürt. Dass er ihn überhaupt etwas für ihn tun ließ, dafür dankt er dem Schöpfer. Und das ist Wahrheit, denn er täuscht sich nicht selbst, sich für einen der Diener des Schöpfers zu halten; er kennt ja die Wahrheit, dass alles, was er tut, aus Zwang geschieht und nicht aus dem Willen des Herzens.
Anders bei jenen, die in einer einzigen Linie gehen: Dass sie dem Schöpfer dafür danken, dass Er sie würdig gemacht hat, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, hat zwei Mängel:
a) Er hält sich für einen Diener des Schöpfers. Und das ist nicht wahr, da er sich selbst dient.
b) Nicht der Schöpfer ist in seinen Augen wichtig, sodass es sich lohnte, zu Seinem Wohl zu arbeiten; vielmehr besteht die ganze Bedeutung der Arbeit darin, wie viel Lohn er als Gegenwert für seine Mühe empfangen wird. Das heißt, er blickt auf den Lohn, ob er einen ansehnlichen Lohn empfangen wird – und nicht darauf, ob der „Geber des Lohnes“ von Bedeutung ist.
Anders jene, die in der rechten Linie gehen: Sie blicken auf den „Arbeitgeber“, wie wichtig Er ihnen ist. Und ihr Begehren ist immer, dass der Arbeitgeber bei ihnen immer mehr an Bedeutung gewinne. Das ist ihr Lohn. Das nennt man: Sie sehnen sich immer danach, die Größe des Schöpfers zu sehen.
Es zeigt sich: Sie sehnen sich nicht nach dem Gegenwert, den sie für ihre Arbeit empfangen. Vielmehr blicken sie, während sie Seine Mizwot erfüllen, immer darauf, dass die Mizwa – also der, der die Gebote gibt – in ihren Augen jedes Mal wichtiger werde. Das ist ihr Gegenwert in Tora und Mizwot für ihre Mühe. Darum sagen sie selbst von einer kleinen Sache, dass sie Halt an Tora und Mizwot haben, das sei etwas Großes. Und sie frohlocken und freuen sich und empfangen Lebendigkeit.
Damit erklären wir den Streit, der um die erste Grabung war. Denn die drei Grabungen, die es dort gab, umfassen die ganze Ordnung der Arbeit. Das heißt, es gibt viele Grabungen, die zur rechten Linie gehören, viele, die zur linken Linie gehören, und viele, die zur mittleren Linie gehören. Der Grund dafür ist, dass man die Grabungen nicht in einem Mal vollendet; vielmehr gibt es in jeder Linie viel zu graben, bis man die Linien in Vollkommenheit erwirbt.
Vom ersten Brunnen, den sie gruben, steht geschrieben: „Und man nannte den Brunnen Esek (Streit), denn sie hatten mit ihm gestritten.“ „Esek“ lässt sich so deuten: Mit dem ersten Brunnen, der auf die rechte Linie hindeutet, befassten sie sich mit Tora und Mizwot in diesen Grabungen. Denn die rechte Linie heißt Vollkommenheit, die linke heißt Mangel. „Rechts“ heißt Vollkommenheit, das heißt, auf der Stufe der rechten Linie hatten sie die Kraft, sich mit Tora und Mizwot in Freude zu befassen – aus dem oben genannten Grund: dass sie, so viel Halt sie an Tora und Mizwot haben, glauben, dies komme ihnen von oben, dass der Schöpfer ihnen ein Verlangen und eine Lust gegeben habe, sich ein wenig mit Tora und Mizwot zu befassen. Das war der Einwand der Hirten Isaaks: „Soviel Halt wir auch nur ein wenig haben, es ist uns wichtig, und wir danken dem Schöpfer dafür.“
Dem gegenüber kamen die Hirten von Gerar, die sich von den vielen mitziehen lassen. Die vielen sagen: „Wir erfüllen Tora und Mizwot aus eigener Kraft, und darum fordern wir vom Schöpfer, dass Er uns für unsere Mühe an Tora und Mizwot entlohne.“ Damit verstopfen sie den Brunnen, den die Knechte Isaaks gruben, die sagten: „Von hier können wir Leben empfangen, denn uns ist sogar eine kleine Sache wichtig, dass der Schöpfer uns ein Verlangen und eine Lust gegeben hat, etwas im Dienst des Schöpfers zu tun. Und wir sehen, dass es Menschen gibt, die kein Verlangen und keine Lust haben, sich ein wenig mit der Arbeit zu befassen, weil der Schöpfer ihnen dieses Verlangen nicht gegeben hat.“
Darum empfingen die Knechte Isaaks aus diesem Brunnen Leben. Da kamen die Hirten von Gerar und verstopften diesen Brunnen, sodass sie von dort kein Leben mehr empfangen konnten. Und sie sagten ihnen: „Womit ihr euch in dieser geringen Arbeit abmüht, ist nichts wert. Ihr werdet keinerlei Lohn dafür empfangen, denn diese Arbeit ist gar nicht von Bedeutung, weil sie eine geringe Sache ist – so ist es ja bei den vielen gebräuchlich.“
Darum sagten sie vom ersten Brunnen, den man „Esek“ nannte: „Das ist kein ‚Esek‘ (Sache), für das es sich lohnte, sich über diese geringe Arbeit zu freuen, aus der ihr ein Geschäft macht. Es gibt ja nichts, worauf man schauen könnte, wie ihr selbst sagt, dass es nur eine Arbeit von Geringem ist. Und dass ihr auf den Geber blickt, das ist uns nicht verständlich.“
Danach gingen die Hirten, die Knechte Isaaks, dazu über, in der linken Linie zu arbeiten – also Kritik an ihrem Zustand zu üben, dass sie noch in der Selbstliebe versunken sind. Sie wollen um des Himmels willen arbeiten und sehen, dass sie aus eigener Kraft dazu nicht fähig sind. Darum graben sie in der Tiefe des Herzens, um einen Mangel und Schmerz zu finden. Das heißt, sie suchen Rat, wie sie Leid darüber empfinden können, dass sie vom Weg des Gebens fern sind. Und gewiss werden sie, wenn sie Leid haben, Hilfe vom Schöpfer empfangen – wie es beim Auszug aus Ägypten war, wie geschrieben steht: „Und die Kinder Israels stöhnten unter der Arbeit, und der Schöpfer hörte ihr Wehklagen.“
Durch das Graben in der Tiefe des Herzens fanden sie also einen Brunnen, das heißt, sie fanden einen Ort, an dem sie beten konnten. „Und auch um den stritten sie, und man nannte ihn Sitna (Anfeindung).“ Das bedeutet: Die Hirten von Gerar waren ihnen ein Widersacher (Satan), der ihnen nicht erlaubte zu beten, dass der Schöpfer ihren Mangel fülle – nämlich dass der Schöpfer ihnen Kraft gebe, das Gefäß des Empfangens zu überwinden, sodass sie zum Wohl des Schöpfers arbeiten könnten und nicht zum eigenen Nutzen.
Es zeigt sich: Durch ihren Streit verstopften sie die Grabungen, die sie in der linken Linie gegraben hatten, damit sie das Bedürfnis hätten, dass der Schöpfer ihre Bitten zum Guten erfülle. Denn „gut“ heißt: in der Absicht zu geben, wie geschrieben steht: „Mein Herz wallt von guter Rede, mein Werk gilt dem König.“ „Mein Werk gilt dem König“ bedeutet, dass alle Taten, die er tut, für den König sein sollen, dass seine Absicht ist, dem König zu geben.
Und die Hirten von Gerar waren ihnen ein Widersacher, sodass sie nicht beten konnten. Denn sie ließen sich von den vielen mitziehen, die sagen: „Das Wesentliche ist die Tat. Und die Absicht, liShma zu handeln, betrifft uns nicht. Das betrifft nur Menschen, die von Geburt reiner Seele und mit Begabungen ausgestattet sind. Die Arbeit des Gebens betrifft uns nicht.“ So verstopften sie das Bedürfnis zum Gebet. Darum nannte man den zweiten Brunnen „Sitna“, von „Satan“. Auch in dieser Linie machten sie den zweiten Brunnen nicht in einem Mal, sondern sie gruben viele Male in jeder einzelnen Linie. Doch alle Grabungen fallen unter den Namen der „drei Brunnen“.
Danach jedoch, nachdem sie den Prozess der Arbeit in zwei Linien durchlaufen hatten, erlangten sie die mittlere Linie. Das ist, wie wir in den früheren Artikeln gesprochen haben: Die rechte Linie heißt „sein Vater“, die linke Linie „seine Mutter“, und die mittlere Linie heißt „der Schöpfer“, wie geschrieben steht: „Drei Teilhaber sind am Menschen – sein Vater, seine Mutter und der Schöpfer.“
„Sein Vater gibt das Weiße.“ Das heißt, dort ist kein Mangel, sondern alles ist weiß, wie oben gesagt: Er freut sich an seinem Anteil, dass er ein wenig Halt im Spirituellen hat.
„Und seine Mutter gibt das Rote.“ Das bedeutet, dass er sich nicht in einem guten Zustand befindet, sondern voller Mängel ist; und dann hat er einen Ort zum Gebet.
Und danach „gibt der Schöpfer die Seele“. Und wenn der Schöpfer ihm hilft, indem Er ihm die Seele gibt, gibt es keinen Ort mehr für den Widersacher, an dem er anfeinden könnte. Das ist es, was geschrieben steht: „Und er grub einen anderen Brunnen, und um den stritten sie nicht; und man nannte ihn Rechovot (Weite). Und er sprach: Nun hat der Schöpfer uns Raum geschaffen; und von dort zog er hinauf nach Beer Sheva.“
Wir fragten, was der Grund ist, dass die Hirten von Gerar um den dritten Brunnen nicht stritten. Die Sache ist: Dort, wo in der Heiligkeit ein Mangel ist, hat die Sitra Achra (die andere Seite) Halt. Wenn der Mensch in der rechten Linie geht, in der Zeit, da er von sich selbst weiß, dass er in der Selbstliebe versunken ist und alle seine Taten nicht um des Himmels willen geschehen, sondern er ein Diener des Schöpfers sein will und unterdessen sich selbst dient – und zugleich mit all seiner Niedrigkeit will er dem Schöpfer danken dafür, dass dieser ihm ein wenig Berührung mit dem Dienst des Schöpfers gegeben hat, auch wenn es lo liShma ist.
Und er glaubt über dem Verstand, dass der Schöpfer ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, sich ein wenig mit der Arbeit zu befassen. Und weil er, soweit es ihm über dem Verstand möglich ist, an die Größe und Bedeutung des Schöpfers glaubt, darum dankt und lobt er den Schöpfer, auch wenn ihm das Verdienst nicht zuteilwird, die Bedeutung innerhalb des Verstandes zu spüren – dennoch, dass ihm das Verdienst zuteilwird, einfache Taten zu tun. Und er frohlockt und freut sich und will dem Schöpfer danken, wie jene Menschen, die auf der Stufe einer einzigen Linie sind.
Das heißt, sie spüren, dass die Arbeit, die sie tun, in Wahrheit vollkommen ist. Und was ihrer Arbeit hinzuzufügen bleibt, betrifft nur die Menge; in der Güte aber fühlen sie sich vollkommen. So sehr, dass sie sich – weil sie eine Arbeit in der Demut haben, wie unsere Weisen sagten: „Sei sehr, sehr niedrigen Geistes“ – große Mühe geben, an sich selbst irgendeine Niedrigkeit zu finden. Und das alles, weil sie nur von einer einzigen Linie wissen. Das ist die Arbeit der vielen.
Doch wer in der rechten Linie gehen will – also weiß, dass es auch eine linke Linie gibt, die die rechte Linie schwächt –, der muss viel Kraft aufwenden, um über dem Verstand zu glauben, dass ein wenig Arbeit im Spirituellen wichtig ist, auch wenn keine Vollkommenheit darin liegt, wie jene es bei sich selbst empfinden. Er muss dem Schöpfer danken, frohlocken und sich freuen und spüren, dass er jetzt Leben hat – ein Leben, für das es sich zu leben lohnt.
Das heißt: Dadurch, dass er über dem Verstand glaubt, dass die Größe des Schöpfers kein Ende hat, und es ihm sehr wichtig ist, dass er dem König dienen kann – das nennt man „rechte Linie“. Und das ist eine große Arbeit. Der Mensch muss die Bedeutung der Arbeit in der rechten Linie spüren. Und er muss sich bemühen, dass er Leben hat, wie zu der Zeit, da er in einer einzigen Linie arbeitete – in demselben Maß, jedenfalls nicht weniger, als er sich mit der einen Linie befasste, bevor er zur Arbeit in der rechten Linie kam.
Doch hier in der rechten Linie gibt es viel Arbeit, und sie kommt nicht so leicht, wie er sich mit der einen Linie befasste. Der Grund ist: Dort wusste er, dass seine Taten, die er tut, große und wichtige Taten sind. Darum war es leichter zu handeln. Anders in der rechten Linie: Da sieht er an sich selbst, dass seine Taten für sich genommen keinen Wert haben, weil er sie nicht mit ganzem Willen tut. Also kann er nicht sagen, dass er wichtige Dinge tut und der Schöpfer ihm gewiss viel Lohn als Gegenwert für seine Arbeit geben werde.
Anders in der einen Linie: Da hat er keinen Widerstand vom Körper, darum kann er leicht ohne jede Störung arbeiten. Anders in der rechten Linie: Da hat er große Arbeit, weil er sagt, er wolle zum Wohl des Schöpfers arbeiten und nicht zum Wohl des Körpers. Folglich widersetzt sich der Körper, und jedes Mal hat er einen Kampf mit dem Körper. Und immer muss er an ihm arbeiten und ihn besiegen.
Hier kommt noch etwas hinzu: Jedes Mal, wenn er in der rechten Linie gehen will und Kraft zur Arbeit haben soll, muss er immer den Schöpfer groß machen und viel Arbeit leisten, nach Rat zu suchen, wie er die Größe und Bedeutung des Schöpfers erlange. Denn wenn er seine Taten für wichtig hielte – also sagte, meine Taten seien oben sehr bedeutend –, wäre das gewiss eine Lüge, weil sie nicht liShma sind. Denn in jeder Tat, die er tut, ist Selbstliebe anstelle der Liebe zum Schöpfer beigemischt.
In der einen Linie aber halten sie die Taten sehr wohl für wichtig, denn in der einen Linie spricht man nur von den Taten und nicht von der Absicht. Das heißt: Ob seine Absicht in der Absicht zu geben ist oder nicht, dort gibt es in der Ordnung der Arbeit kein genaues Prüfen der Taten. Anders, wenn man beginnt, an der Absicht zu geben zu arbeiten, was „rechte Linie“ heißt: Da kann man nicht sagen, dass die Taten in Ordnung seien, sodass er Freude an der Arbeit hätte, die er tut.
Wenn er aber den Schöpfer groß macht, so viel ihm über dem Verstand möglich ist, wird er seinen Glauben an die Größe des Schöpfers niemals übertreiben. Denn gewiss muss man sagen, dass der Schöpfer größer ist, als der Mensch Ihn groß machen kann. Wer also sagt, der Schöpfer sei wichtig, sagt damit die Wahrheit, und folglich geht er auf dem Weg der Wahrheit.
Und dann kann der Mensch sagen: Wie wir im Materiellen sehen, dass ein Mensch sich freut und in gehobene Stimmung gerät, wenn er einem bedeutenden Menschen auch nur einen kleinen Dienst erweisen darf. Das heißt: Nicht die Tat ist das Wesentliche, also welchen Dienst er leistet, sondern wem er den Dienst leistet. Darum ist, wenn der Mensch in der rechten Linie geht, dies eine Linie der Wahrheit.
Doch weil die rechte Linie eine Linie der Wahrheit ist, gibt es großen Widerstand seitens der Sitra Achra, die nicht erlaubt, auf dem Weg der Wahrheit zu gehen, der zur Stufe der Korrektur der Welt führt. Denn der Aufbau der Klipot (Schalen) stammt aus der Welt des Zerbrechens und des Verderbens. Darum gibt es bei allen Dingen in der Welt, sofern sie zur Stufe der Zerstörung und des Verderbens gehören, Kraft, diese Taten zu tun. Und wir sehen, dass dies bei kleinen Kindern hervortritt: Sie sind fähig, an Zerstörung und Verderben zu arbeiten, und nicht fähig, an Dingen zu arbeiten, die zur Korrektur führen – wie oben im Gleichnis vom kleinen Mädchen.
Das rührt vom Zerbrechen her, das in den oberen Welten stattfand. Darum gehen die irdischen Zweige nach denselben Wegen. Darum hat das Verderben und Zerbrechen Kraft zu wirken. Anders die Korrektur: Weil die Korrektur oben noch nicht vollendet ist, fällt es darum in den irdischen Zweigen schwer, an Dingen zu arbeiten, die zur Korrektur der Welt führen.
Darum ist es sehr schwer, in der rechten Linie zu gehen. Das heißt, der Mensch muss darauf schauen, wie Menschen auf dem Weg der einen Linie Kräfte aufwenden. Und dieselben Kräfte und dieselbe Erhebung müssen wenigstens auch dann vorhanden sein, wenn man in der rechten Linie geht.
Und sobald der Mensch die rechte Linie für wichtig halten will, kommen die „Hirten von Gerar“ und stiften Streit. Das heißt, sie machen ihm begreiflich: „Dieser Weg ist nicht in Ordnung. Wie kannst du dem Schöpfer für eine so geringe Arbeit danken? Was soll das, dass du dem Schöpfer für eine wertlose Sache dankst? Nun gut, jene vielen, die in einer einzigen Linie gehen und wissen, dass ihre Taten wichtige Taten sind – dafür kann man dem Schöpfer danken. Aber für belanglose Dinge? Du sagst doch selbst, dass deine Taten keinerlei Wert haben, weil sie nur ‚von den Lippen nach außen‘ sind, da du selbst sagst, dass du nicht um des Himmels willen handelst. Dann ist dein Dank wie Heuchelei. Und wie nimmst du Freude und Erhebung des Geistes aus einer Lüge?“
Und die Hirten von Gerar ziehen ihn zur Meinung der vielen, dass man dem Schöpfer nur für wichtige Taten danken könne, und das sei die Wahrheit; du dagegen gehst in der Lüge. Diese Klipa ist eine große Klipa, die dem Menschen nicht die Möglichkeit gibt, in Freude zu sein und Leben aus der Wahrheit zu empfangen. Vielmehr will sie den Menschen gerade in Traurigkeit und seelische Niedergeschlagenheit bringen. Und manchmal bringt sie ihn in einen Zustand, in dem er keinen Geschmack am Leben hat. Und dann kann der Mensch von allem nur an einer einzigen Sache Freude empfangen: am Schlaf. Denn wenn er schläft, hat er Freude daran, dass er sich nicht in einem Zustand der Verzweiflung und der Geschmacklosigkeit des Lebens befindet.
Das gleicht einem Menschen, an dem man im Krankenhaus eine Operation vornehmen will. Da gibt es einen besonderen Arzt, den „Narkosearzt“. Von diesem Arzt erwartet der Mensch, dass er ihm ein Mittel gebe, um einschlafen zu können, wenigstens für drei Monate. Diese Klipa zerstört die Heiligkeit gänzlich, denn es gibt keine Wirklichkeit, in der der Mensch die Möglichkeit hätte zu sagen, dass der Schöpfer „gut und gütig“ heißt. Und der Mensch nennt diesen Zustand „Abstieg“. Es stellt sich die Frage: Wohin steigt er ab?
Die Antwort ist: Er steigt hinab „in die tiefste Unterwelt“. Und wenn der Mensch sich in diesem Zustand stärkt, sagt er (im Chanukka-Lied): „Schöpfer, Du hast meine Seele aus der Unterwelt heraufgeführt.“ Darum liegt es dem Menschen ob, wenn die „Hirten von Gerar“ zu ihm kommen und ihn in den Bereich der vielen ziehen wollen – nämlich wie sie auf den Menschen blicken, der eine kleine Tat tut, und da sie wissen, dass sie klein ist, eine solche Tat nicht achten –: Und wie tust du eine Sache und ihr Gegenteil? Einerseits gibst du zu, dass eine solche Tat, die man tut und von der man im Augenblick des Tuns weiß, dass sie voller Mängel ist – weil beim Tun viele fremde Gedanken dabei sind, jeder gemäß seiner Stufe.
Zum Beispiel: Man spricht einen Segen und dankt dem Schöpfer und sagt: „der uns geheiligt hat durch Seine Mizwot.“ Und man weiß während des Segens, dass man keinerlei Geschmack beim Vollziehen der Mizwa spürt. Und dafür gibt man großen Dank. Dann sagt er: Dass er einen Segen spricht und Dank gibt, geschieht nicht, weil er jetzt eine wichtige Sache tut – und danach sagst du, der Mensch müsse Leben empfangen und in Freude sein, dass ihm das Verdienst zuteilwurde, eine Mizwa zu vollziehen, auch wenn sie unbedeutend ist, und dem Schöpfer danken, dass Er ihn würdig gemacht hat; und man sagt: „der uns erwählt hat.“ Und ferner sagt ihr: „Mit ewiger Liebe liebst Du Dein Haus Israel, mit Liebe zu Tora und Mizwot.“
Es erhebt sich die Frage: Wenn du in der Mizwa, die du tust, nichts siehst – wie kannst du dann sagen, der Schöpfer habe uns gute Dinge gegeben, weil Er uns liebt? Welchen Geschmack hat diese Mizwa, von der du sagst, Er habe sie dir aus Liebe gegeben? Wir, die vielen, sagen, Er habe uns Tora und Mizwot gegeben, weil Er uns liebt. Das ist es, was Rabbi Chananja ben Akashja sagte: „Der Schöpfer wollte Israel würdig machen, darum mehrte Er ihm Tora und Mizwot.“
Das bedeutet: Weil Er uns würdig machen wollte, dass wir die künftige Welt und diese Welt hätten – also dass wir viel Lohn empfangen und es nicht mit Scham verbunden sei. Bekanntlich schämt sich der Mensch, wenn er „Brot der Gnade“ isst. Darum „mehrte Er ihm Tora und Mizwot“, damit wir viel Lohn empfangen können. Und folglich wissen wir: Bei einer kleinen Tat, in der keine Vollkommenheit ist, wäre dies auf der Stufe des „Brotes der Scham“.
Darum, wenn der Mensch in der rechten Linie geht und Leben und Erhebung des Geistes empfangen will – daraus, dass er eine kleine Sache getan hat – und dem Schöpfer dafür dankt, dass dieser ihn würdig gemacht hat, etwas für den Schöpfer zu tun, und er über dem Verstand glaubt, dass der König ein großer König ist, der „der große, mächtige und furchtgebietende Gott“ genannt wird.
Und man sagt: Gemäß der Bedeutung des Königs ist, auch wenn nur die Erlaubnis gegeben wird, dem König einen kleinen Dienst zu erweisen, und auch wenn die Sache nicht so wichtig ist und viele Mängel an ihr sind – nach der Bedeutung des Königs ist es, wenn er ein wenig Berührung mit dem König hat, in seinen Augen wichtig, weil er keinen Lohn begehrt.
Denn die Ordnung ist: Wenn man jemandem eine Sache bringt und Lohn dafür will, prüft man die Sache, ob sie den Lohn wert ist, den man für sie verlangt, oder nicht. Anders jene, die in der rechten Linie gehen: Sie wollen keinerlei Lohn. Vielmehr ist, dass sie etwas für den König tun, ihr ganzer Lohn. Darum glauben sie über dem Verstand, dass sie dem König irgendeinen Dienst erweisen. Und daraus empfangen sie Lebendigkeit, Freude und Erhebung des Geistes, dass ihnen das Verdienst zuteilwurde, dem König ein wenig zu dienen.
Und weil dies Wahrheit ist – sowohl von der Seite, dass sie sagen, der Schöpfer sei sehr wichtig und wir hätten keine Kraft, Seine Größe zu ermessen, als auch umgekehrt, dass sie von der Seite der Tat sagen, es könne keine geringere und zugleich wichtigere Tat geben als die, die sie tun –, zeigt sich, dass es von beiden Seiten Wahrheit ist, und alles ist auf der Grundlage des Glaubens über dem Verstand aufgebaut. Und mein Vater und Lehrer, seligen Andenkens, sagte: „Jede Sache, die über dem Verstand aufgebaut ist, tritt in die Heiligkeit ein und gilt als das Innere. Und innerhalb des Verstandes gilt sie als das Äußere.“
Darum, weil die rechte Linie auf der Grundlage der Wahrheit aufgebaut ist, erwachen sofort die Hirten von Gerar und wollen den Menschen zur Meinung der vielen ziehen. Und dann beginnt diese Klipa, den Menschen anzugreifen, und macht ihm die Meinung der vielen begreiflich, dass das, was sie sagen, die Wahrheit sei. Und der Mensch beginnt, dieser Klipa zu glauben, während sie ihn töten und ihm alle Lebendigkeit der Heiligkeit entziehen und ihn in die tiefste Unterwelt werfen will. Denn diese Klipa kleidet sich in das Gewand der Heuchelei und sagt, alles, was sie ihm jetzt sage, geschehe nur, damit der Mensch sich nicht auf dem Weg der Lüge selbst täusche.
Darum bleibt dann nichts anderes zu tun, als auf der Hut zu stehen, wenn die Gedanken der Hirten von Gerar wie scharfe Pfeile in seinen Sinn kommen, die mit Gift bestrichen sind, das den Menschen auf der Stelle tötet, sodass er ohne Lebensgeist der Heiligkeit zurückbleibt.
Diese Klipa kommt zum Menschen und sendet ihm ihre Vorstellungen und Meinungen. Und sie kommen, Gott behüte, nicht, damit er kein Diener des Schöpfers sei. Im Gegenteil: Sie machen dem Menschen begreiflich – da du nun klar weißt, was wahre Arbeit ist, dass man beabsichtigen muss, um des Himmels willen zu handeln, und du selbst weißt, dass es nicht in deiner Macht liegt, um des Himmels willen zu beabsichtigen –, dass dann gewiss dein Gebet keinen Wert habe, und ebenso die Tora, die du lernst. Und du vergeudest deine Mühe ins Leere. Darum sei es besser, dass du dich mit der Arbeit der Absicht befasst, die man verrichten muss. Darum sei es besser, statt zu beten oder zu lernen und belanglose Dinge zu tun, alles liShma zu tun. Und weil er in ihrer Gewalt ist, hat er gewiss keine Kraft, irgendetwas liShma zu tun. Und damit tötet sie ihn. „Besser, du denkst über das Ziel der Arbeit nach und befasst dich mit dem Gedanken und nicht mit der Tat. Darum ist es besser, dass du dich mit der Arbeit der Absicht befasst, dass man alles liShma tun muss.“
Und weil er in ihrer Gewalt ist, hat er gewiss keine Kraft, irgendetwas liShma zu tun. Und damit tötet sie ihn. „Darum musst du, wenn du betest, dich nicht zusammennehmen, falls dir mitten im Gebet die Lust kommt, mit jemandem zu reden. Denn dein Gebet oder deine Tora haben keinerlei Wert. Wenn du also nicht lernst und jemanden hast, mit dem du reden kannst, oder mitten im Gebet jemanden hast, mit dem du reden kannst, ist es schade um die Kraft, die du aufwenden willst, um nicht zu reden – denn so oder so verlierst du nichts, weil weder dein Gebet noch deine Tora irgendeinen Wert haben. Beim Gebet siehst du ja, dass du keinerlei Verbindung zu den Worten hast, die du mit deinem Mund hervorbringst.
Und bei der Tora – was verlierst du dabei, wenn du mitten im Lernen aufhörst? Sag dir doch selbst: Du sagst ja, das Wesentliche sei, um des Himmels willen zu beabsichtigen. Was gewinnst du also, wenn du einige Seiten Gemara oder andere Worte der Tora kennst? Und ebenso bei den Taten – warum bist du so genau bei den Taten? Gott behüte, ich sage dir nicht, du sollest, Gott behüte, Verbotenes essen. Sondern ich rede von den Strengen der Bräuche, die du befolgen willst. Das Wesentliche weißt du ja: um des Himmels willen zu beabsichtigen. Darum lass diese Taten und tue das, von dem du verstehst, dass du es tun musst. Was aber die strengen Bräuche und dergleichen betrifft, das ist nichts für dich. Diese Taten passen vielmehr zu einfachen Menschen, die nicht des Denkens fähig sind und nicht wissen, was wahre Arbeit ist. Darum ist es für dich besser, über den Gedanken nachzudenken, wie man dem Schöpfer gibt.“
Und wenn der Mensch auf die Stimme dieser Klipa hört, die „Hirten von Gerar“ heißt, wie sie nur zum Wohl der wahren Arbeit redet, dann glaubt der Mensch dem, was sie sagt. Und er beginnt, das Gebet und die Tora-Lernzeiten zu vernachlässigen, und beginnt, auf die Stimme dieser Klipa zu hören. Und weil der Mensch jetzt kein Leben hat – weil ihm die Stufe der Tat fehlt, durch die er Leben der Heiligkeit empfangen könnte – und er beginnt, daran zu denken, etwas um des Himmels willen zu tun, lacht ihn der Körper aus und zeigt ihm dann nur schwarze Bilder von der Arbeit um des Himmels willen.
Dadurch bleibt der Mensch ohne Leben. Und er hat schon nicht mehr die Kraft, über dem Verstand zu sagen, dass der Schöpfer auf der Stufe des „gut und gütig“ ist. Und er fällt unter die Herrschaft des Unglaubens, und es ist keine Kraft mehr in seiner Hand, auch nur ein wenig auf das Spirituelle zu blicken. Und dann gelangt er in einen Zustand, in dem die Welt ihm finster wird. Das ist es, was geschrieben steht: Die Hirten von Gerar stritten mit den Hirten Isaaks. Das heißt, sie nährten die Knechte Isaaks mit ihren Meinungen, bis sie sie in ihren Bereich zogen. Und sie töteten sie und nahmen ihnen alle Lebendigkeit.
Das heißt: Den wenigen Glauben, den sie hatten, sogen sie aus ihnen heraus. Und sie blieben nackt und ohne alles zurück. Das nennt man „die Klipa der rechten Seite“, die ihnen nicht erlaubt, auf dem Weg der Wahrheit zu gehen – nämlich zu sagen: Obwohl ihre Taten keine Vollkommenheit haben, glauben sie dennoch über dem Verstand, dass der Schöpfer so wichtig ist, dass selbst ein kleiner Dienst am König als etwas Großes gilt.
Und weil die kleine Tat Wahrheit ist und das, was sie über dem Verstand glauben, dass der Schöpfer ein großer und wichtiger König ist, ebenfalls Wahrheit ist, zeigt sich, dass sie in jenem Augenblick an der Eigenschaft der Wahrheit haften. Und sie können frohlocken und sich freuen, dass sie den Willen ihres Schöpfers in einem Geringfügigen erfüllen, weil die Wahrheit selbst eine große Sache ist.
Darum muss man sich vor dieser Klipa hüten, wenn man beginnt, in der rechten Linie zu gehen. Und nur wenn der Mensch stark in der Überwindung ist, die Klipa der rechten Seite zu überwinden, dann beginnt die Arbeit in der linken Linie. Das nennt man: Der Mensch selbst erweckt die Kritik an sich, und nicht die Klipa.
Darum darf der Mensch, wenn er nicht die Lebendigkeit hat, die rechte Linie nehmen zu können, nicht in der rechten Linie gehen. Vielmehr kommt erst, nachdem er voll Leben und Freude aus der Arbeit der rechten Linie ist, die Zeit, sich mit der linken Linie zu befassen – also die Niedrigkeit seines Zustands zu sehen: warum ihm noch nicht das Verdienst zuteilwurde, dass der Schöpfer ihn in den Palast des Königs eintreten lasse.
Mein Vater und Lehrer, seligen Andenkens, sagte zu dem, was geschrieben steht (Psalm 57): „Wache auf, meine Ehre; ich will das Morgenrot wecken“, und unsere Weisen deuteten: „Ich wecke das Morgenrot, und nicht das Morgenrot weckt mich.“ Er sagte: „Der einfache Sinn ist, dass König David sagte, er empfange nicht ‚Morgenrot‘ – im Sinne von ‚Schwarz und Finsternis‘ –, das zu ihm kommt und von dem er erweckt würde, sondern ‚ich wecke das Schwarz‘: Wenn er spürt, dass es ihm gut geht, dann erweckt er selbst das Schwarz.“
Seine Worte, seligen Andenkens, lassen sich wie oben deuten: Der Mensch empfängt keine Kritik, dass seine Taten nicht in Ordnung seien und alles, was er tut, keinen Wert habe, in der Zeit, da die Klipa zu ihm kommt und sich in das Gewand der Gerechtigkeit kleidet und gleichsam will, dass der Mensch sich in der Arbeit nicht selbst täusche, sondern um des Himmels willen arbeite.
Vielmehr muss er wissen: Wenn solche Gedanken kommen und er sie nicht selbst erweckt, dann kommt das nicht von der Seite der Heiligkeit. Sondern weil die Klipa von Gerar sieht, dass der Mensch Lebendigkeit aus einer kleinen Sache empfängt und sich mit wenigem begnügt und sagt, er glaube über dem Verstand, dass die Bedeutung des Schöpfers keine Grenze hat, Seine Größe zu ermessen, und dass es ein großes Verdienst sei – er sagt, ihm sei das Verdienst zuteilgeworden, dass der Schöpfer ihm einen Gedanken und ein Verlangen, ihm im Geringsten zu dienen, gegeben hat, und er sieht, dass es viele Menschen in der Welt gibt, denen ein solches Verdienst nicht zuteilwird. Darum dankt und lobt er und gibt dem König großen Dank. Und er frohlockt und freut sich. Und aus diesem Zustand empfängt er Erhebung des Geistes.
Da kommt die genannte Klipa und will ihn töten und ihm alle Luft der Heiligkeit entziehen, die in ihm ist. Und sie erlaubt ihm nicht, dem Schöpfer Lob zu geben, sondern stürzt ihn in die tiefste Unterwelt. Und so viel Maß an Glauben er hatte, nimmt sie ihm. Und dann gilt der Mensch als tot, weil er keinerlei Leben der Heiligkeit hat. Und wer war an allem der Urheber? Nur die Klipa, die im Gewand der Heuchelei zum Menschen kam und die nur zum Wohl der Heiligkeit redet. Das nennt man „nicht das Morgenrot weckt mich“. Das bedeutet, dass er nicht die Stufe der Finsternis und des Schwarz von den Klipot empfangen wollte, wie oben gesagt.
Vielmehr „ich wecke das Morgenrot“. Das bedeutet: „Ich, wann ich will, wecke das Morgenrot.“ Das heißt, ich erwecke selbst die Finsternis und das Schwarz, das in mir ist – dass ich noch in der Selbstliebe versunken bin und noch keine Liebe zum Schöpfer in mir ist und mir noch die Ehre der Tora fehlt, dass noch keine Wertschätzung der Tora in mir ist, dass ich wüsste, es lohne sich, alles zu tun, um des Lichtes der Tora würdig zu werden. Und ebenso, wie ich die Bedeutung des Vollziehens der Mizwot, die der Schöpfer uns geboten hat, schätzen soll.
Und wenn ich irgendeine Mizwa vollziehen muss und beabsichtige, dass dies in der Absicht zu geben geschehe, erwacht sofort der Widerstand im Körper in seiner ganzen Stärke. Und er hat einen großen Kampf, um etwas zu tun. Und er sieht jedes Mal die Auf- und Abstiege. Dann hat er einen Ort zum Gebet. Und das deshalb, weil der Mensch selbst erweckt, zur rechten Zeit. Das heißt, in der Zeit, da er spürt, dass er die Fähigkeit haben wird, an Ort und Stelle ein Gebet darzubringen, und nicht, dass das Schwarz ihm Traurigkeit und Niedergeschlagenheit bringt, sodass er nicht die Fähigkeit hätte, ein Gebet über das Schwarz darzubringen.
Und der Mensch kann an sich selbst sehen, ob es von der Seite der Klipa kommt oder nicht. Das Zeichen dafür ist: Eine Sache, die von der Seite der Heiligkeit kommt, ist immer auf der Stufe „man steigt in Heiligem hinauf und nicht hinab“. Das heißt, man bittet immer den Schöpfer, dass Er ihn aufwärts auf eine höhere Stufe hebe, als er sich befindet. Anders, wenn das Schwarz von der Seite der Klipa kommt: Da ist der Mensch nicht in der Lage, den Schöpfer zu bitten, ihn über den Zustand, in dem er sich befindet, emporzuheben.
„Sondern man steigt hinab.“ Das heißt, sie senkt ihn in die tiefste Unterwelt hinab, sodass ihm der Teil des Glaubens verlorengeht, den er ein wenig hatte. Und er bleibt wie ein Toter ohne Lebensgeist. Und seine ganze Lebendigkeit besteht nur darin, ob er schlafen kann – also vor dem Zustand der Niedergeschlagenheit, in dem er sich befindet, zu fliehen und ihn zu vergessen.
Im Lichte des Gesagten lassen sich die Worte des heiligen Sohar deuten, der sagt: „Es ist verboten, die Hände ohne Gebet und Bitte zu erheben.“ Es ist zu verstehen, was die Absicht ist, dass unsere Weisen das Erheben der Hände im Leeren verboten haben. Nur wenn man Gebet und Bitte darbringen kann, gibt es kein Verbot; nur im Leeren besteht ein Verbot.
Nach dem Obigen lässt sich deuten: „Hände“ bedeutet, sprachlich verwandt mit „wenn die Hand erreicht“. Die Absicht ist: Wenn der Mensch die Hände erhebt, um zu sehen, was er im Dienst des Schöpfers erlangt hat – ob er Tora und Gottesfurcht und gute Taten hat und ob er mit vollkommenem Glauben glaubt, dass der Schöpfer gut und gütig ist.
Und wenn er bereit ist und die Kraft in seiner Hand hat sich zu überwinden, dann wird er, falls er sieht, dass er nichts von den Dingen hat, von denen er dachte, dass er sie durch seine Mühe an Tora und Mizwot erlangen würde, nicht in Verzweiflung geraten. Vielmehr wird er im Gegenteil die Kraft haben zu beten, dass der Schöpfer ihm helfe.
Und er wird die Kraft haben, zu sich selbst zu sagen: „Dies, was ich sehe, dass ich nichts Gutes in der Hand habe, ist es, was der Schöpfer mir jetzt gegeben hat – die Wahrheit zu sehen, wie ich in Wahrheit ein leeres Gefäß bin und weder Tora noch Gottesfurcht noch gute Taten in mir sind. Vielmehr sind alle Taten, die ich tue, nur zu meinem eigenen Nutzen. Und jetzt habe ich ein Gefäß und ein echtes Bedürfnis aus der Tiefe des Herzens, dass der Schöpfer meine Bitte erfülle. Denn die Hilfe, die ich brauche, die Er mir geben soll, ist eine Notwendigkeit und kein Überfluss. Anders als bisher, da ich dachte, ich brauchte, dass der Schöpfer mir bei Überflüssigem helfe und nicht beim Notwendigen. Denn ich wusste: Gelobt sei der Schöpfer, ich gleiche nicht den übrigen Menschen, die keinerlei Halt im Spirituellen haben. Anders jetzt: Jetzt sehe ich innerhalb des Verstandes, dass mein Zustand schlechter ist als der der übrigen Menschen, weil ich spüre, dass ich nichts habe. Also leide ich Leid und Schmerz an meinem Zustand. Und den vielen ist es nicht so schlecht, weil sie nicht spüren, was ich spüre. Darum kann ich keine Befriedigung daraus empfangen, dass auch sie nichts haben – so denke ich, und so gibt mir mein Verstand zu verstehen, dass dies die Zustände der anderen seien.“
Das heißt, es kann sein, dass sie gute Zustände haben. Denn kein Mensch weiß, was im Herzen seines Nächsten ist. Aber nach dem, was der Mensch spürt, dass dies der Zustand seines Nächsten sei, nach dem, was sich seinen Augen zeigt, danach bestimmt der Mensch für sich, wie er sich verhalten soll. Ist sein Nächster zum Beispiel ein verborgener Gerechter, so denkt er über ihn, dass er nicht so fromm sei.
Und was kann der Mensch von diesem verborgenen Gerechten lernen? Nur Leichtfertigkeit. Darum ist, wenn der Mensch auf die vielen blickt, nicht wichtig, was die Stufe der vielen wirklich ist, sondern wichtig ist, was der Mensch über die vielen denkt. Darum sieht der Mensch dann, dass sein Zustand schlechter ist als der der vielen. Darum sagt er, der Schöpfer müsse ihm helfen, weil er mehr leidet als die vielen.
Es zeigt sich: Wenn er bei sich ermessen kann, dass er in der Zeit, da er die Hände erhebt, um zu sehen, was er in den Händen hat, wie oben gesagt, die Fähigkeit zu beten haben wird, dann weiß er, dass seine Abrechnung von der Seite der Heiligkeit kommt. Und dann ist es ihm erlaubt, von der rechten Linie zur linken Linie überzugehen. Andernfalls, wenn er in seiner Seele nicht weiß, dass er die Kraft zu beten haben wird, ist es ihm verboten, zur linken Linie überzugehen, weil dann die Klipa gegen ihn steht, die „Hirten von Gerar“ heißt, wie oben gesagt.
Im heiligen Sohar (Wajikra, Blatt 131, und im Sulam (Leiter-Kommentar), Punkt 401) heißt es: „Rabbi Jehuda eröffnete und sagte: ‚Oder es wird ihm seine Sünde kundgetan.‘ Er fragt: ‚Wird ihm kundgetan‘ – von wem? Wer tat es kund? ‚Oder er erkannte seine Sünde‘ hätte er sagen müssen. Was bedeutet ‚wird ihm kundgetan‘? Und er antwortet: Vielmehr hat der Schöpfer der Versammlung Israels (Knesset Israel) aufgetragen, dem Menschen die Sünde, die er begangen hat, kundzutun.“
Im heiligen Sohar (Wajikra, und im Sulam, Punkt 404) heißt es dort: „Auch hier sagte der Schöpfer: Es werde ihm seine Sünde kundgetan, die er begangen hat. Und wer in der Nacht aufsteht, um sich mit der Tora zu befassen, dem tut die Tora seine Sünde kund. Und zwar nicht auf dem Weg des Gerichts, sondern wie eine Mutter, die ihren Sohn mit sanften Worten unterrichtet. Und er kehrt um in Teshuwa vor seinem Herrn.“
Es ist zu verstehen: Warum heißt es gerade dann, wenn der Schöpfer ihm kundtut, dass er gesündigt hat, dass er jetzt das Wissen um die Sünde hat? Anders, wenn sein Freund gesehen hat, dass er gesündigt hat, und sein Freund sieht, dass er noch nicht in Teshuwa umgekehrt ist, und ihm kundtut, dass er gesündigt hat – das gilt offenbar nicht als „Wissen“. Und was ist der Grund, dass er gerade dann, wenn der Schöpfer ihm kundtut, dass er gesündigt hat, weiß, dass er gesündigt hat, und dann die Zeit ist, in Teshuwa umzukehren? Anders, wenn der Schöpfer es ihm nicht kundtut: Da ist noch nicht die Zeit gekommen, dass er über die Sünde Teshuwa tue.
Ferner ist zu verstehen, was der heilige Sohar sagt, dass demjenigen, der in der Nacht aufsteht, um sich mit der Tora zu befassen, die Tora es kundtut. Und wer den ganzen Tag lernt, dem tut die Tora nicht kund, dass er gesündigt hat. Anders, wenn er in der Nacht lernt: Selbst wenn er am Tag nicht lernt, tut ihm die Tora dennoch kund. Es ist also zu verstehen, worin der Vorzug des Lernens in der Nacht gegenüber dem Tag liegt. Und ebenso ist zu verstehen, was geschrieben steht, dass die Tora ihm die Sünde kundtut, „nicht auf dem Weg des Gerichts, sondern wie eine Mutter, die ihren Sohn mit sanften Worten unterrichtet“. Worin liegt der Unterschied zwischen Gericht und sanften Worten?
Rashi deutet zu dem, was geschrieben steht „Oder es wird ihm kundgetan [wenn es ihm bekannt wird]“: „Als er sündigte, meinte er, es sei erlaubt. Danach wurde ihm bekannt, dass es verboten war.“ Es ist im Sinne der Arbeit zu verstehen, was diese Sünde ist. Bekanntlich ist die ganze Arbeit, die den Unteren gegeben wurde, von der Stufe „was der Schöpfer erschaffen hat, um zu wirken“.
Bekanntlich wird die Schöpfung danach benannt, dass Er „Etwas aus Nichts“ erschaffen hat, was „Verlangen zu empfangen und Sehnsucht, Genuss zu empfangen“ heißt. Und wegen der Angleichung der Form, die „Anhaftung“ heißt, muss man ein anderes Gefäß machen, damit wir das Licht des Genusses empfangen können. Das heißt, man muss eine Absicht in der Absicht zu geben hinzufügen, sonst ist es verboten, die Fülle zu empfangen.
Und obwohl einem, selbst wenn man will, ohnehin nichts gegeben wird, gilt dennoch schon der bloße Wunsch, in der Absicht zu empfangen zu empfangen, als „Sünde“ in der Ordnung der Arbeit. Denn durch dieses Verlangen wird der Mensch dem Schöpfer ferner, und es wird ihm schwerer, dass es in seiner Macht stehe, Teshuwa zu tun, was „zur Wurzel zurückkehren“ heißt, die der Gebende ist.
Und der Mensch muss zu seinem Ursprung zurückkehren. Denn durch die Formverschiedenheit hat er sich von der Wurzel entfernt, deren Wesen das Geben ist. Wenn der Mensch also Taten tut und sie nicht darauf ausrichtet, dass sie in der Absicht zu geben seien, sondern im Gegenteil seine ganze Absicht nur ist, für sich selbst zu empfangen, ist er ferner. Und das ist seine Sünde.
Doch nach der Ordnung der Arbeit, mit der man zu arbeiten beginnt, beginnt man mit dem lo liShma. Und darum versteht man dann anders. Das heißt: Was dem Menschen in der Ordnung der Arbeit erscheint, da liegen vor ihm nur zwei Dinge:
a) das Tun, das die 248 Gebote (Mizwot Asse) sind,
b) das Nicht-Tun, das die 365 Verbote (Mizwot Lo Taasse) sind.
Das heißt, es gibt die Stufe der Übertretung und die Stufe der Mizwa. Da weiß der Mensch genau, solange er an den Schöpfer und Seine Tora glaubt, was Sünde ist und was nicht. Und falls er irgendeine Handlung vergessen oder sich darin geirrt hat, ohne zu wissen, dass es verboten war, kann sein Freund, wenn er es sieht, ihm kundtun, dass er eine Sünde begangen hat. So weiß er selbst es zwar nicht, aber sein Freund, der es gesehen hat, kann es ihm kundtun. Und dann kehrt der Mensch über die Sünde, die er begangen hat, in Teshuwa um.
Doch wenn man von den Wegen der Arbeit auf dem Weg der Wahrheit spricht, der mit der Absicht zu geben verbunden ist – was nur eine Absicht ist und gegenüber dem Freund ein Geheimnis, weil der Mensch nicht wissen kann, was im Herzen seines Nächsten ist –, darum kann der Freund ihm nicht kundtun, dass er gesündigt hat, indem er nicht in der Absicht zu geben beabsichtigt hat.
Im Lichte des Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt haben: dass offenbar gerade der Schöpfer kundtun kann, dass er gesündigt hat, und der Freund nicht kundtun kann, dass er gesündigt hat. Denn der Freund kann die Absicht seines Nächsten nicht sehen. Darum weiß nur der Schöpfer, welche Absicht er hatte, während er sich mit Tora und Mizwot befasste.
Doch in Wahrheit liegt hier eine sehr tiefe Sache darin, dass der heilige Sohar deutet, der Schöpfer tue ihm kund, dass er gesündigt habe. Denn wie oben gesagt: Wenn der Mensch in der Tora sieht, was er an Geboten des Tuns und Verboten erfüllen muss, weiß er bereits, was Sünde ist und was nicht. Und das ist zu Beginn seines Lernens, wie Rambam sagt: „Wenn man die Frauen und die Kinder unterweist, lehrt man sie, um Lohn zu empfangen.“ Erst danach, „wenn ihr Verstand sich mehrt, offenbart man ihnen“, dass man liShma lernen muss, was in der Absicht zu geben bedeutet.
Es zeigt sich: Der Mensch kann nicht begreifen, dass es, wenn er nicht die Absicht zu geben hat, in der Arbeit auf dem Weg der Wahrheit „Sünde“ heißt, wie oben gesagt. Denn die vielen blieben noch im lo liShma, und er ist es, der liShma gehen will. Sagen wir, dass es, wenn er nicht die Absicht zu geben hat, „Sünde“ heißt: Der Mensch ist nicht fähig, dies bei sich selbst zu spüren. Das wäre so, als hätte der Mensch eine Übertretung der Tora begangen – Entweihung des Shabbat und das Essen verbotener Speisen und dergleichen –, das heißt, dass er dieselbe Empfindung hätte, wenn er irgendeine Mizwa vollzieht und nicht in der Absicht zu geben beabsichtigt hat, wie zu der Zeit, da ein Mensch eine schwere Übertretung begangen hat.
Es erhebt sich also die Frage: Wer kann dem Menschen kundtun, dass es, wenn man nicht in der Absicht zu geben handelt, „Sünde“ heißt und man darüber Teshuwa tun muss – also dass er den Schöpfer bittet, dass er nicht mehr sündige? Das heißt, hier ist zweierlei zu verstehen:
a) dass es, wenn keine Absicht zu geben da ist, Sünde ist,
b) dass er das Verlangen habe, Teshuwa zu tun, dass er nicht mehr sündige, wie unsere Weisen sagten: „Teshuwa heißt Reue über das Vergangene und die Annahme für die Zukunft.“
Diese Sache, dass der Mensch spürt, dass dies Sünde ist, kann nur der Schöpfer begreiflich machen – dass er spüre, dass dies eine umfassende Sünde ist, dass dies das ganze Böse ist, das im Menschen ist. Und Tora und Mizwot, die uns gegeben wurden, sind dazu da, dieses Böse zu korrigieren, das „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ heißt. Und es liegt nicht in der Hand des Menschen zu begreifen, dass dies das ganze Böse ist, das die Geschöpfe vom Schöpfer trennt.
Das ist es, was der heilige Sohar zu dem sagt, was geschrieben steht: „Oder es wird ihm seine Sünde kundgetan, die er begangen hat.“ Das bedeutet: Der Schöpfer tut ihm seine Sünde kund, die er begangen hat – nämlich der Schöpfer macht ihm kund, was die Sünde ist, die er begangen hat. Denn dem Menschen fällt es von sich aus schwer, sich damit abzufinden zu sagen, dass es, wenn er zum eigenen Nutzen arbeitet, in der Arbeit auf dem Weg der Wahrheit „Sünde“ heißt.
Nur wenn der Schöpfer ihm dieses Wissen gibt, kann er spüren, dass dies Sünde ist. Gleich einer Übertretung, bei der ein Mensch einen Menschen tötet: Gewiss spürt der Mensch, dass er eine große Sünde begangen hat. Zum Beispiel hat jemand einen Privatfahrer, und der Fahrer fuhr mit dem Wagen über einen Menschen und tötete ihn. Und es war bei Nacht, und niemand weiß davon. Nicht nur der Fahrer hat die Empfindung, einen Menschen getötet zu haben, sondern selbst der Besitzer, der mit ihm fuhr, spürt ebenfalls seine Schuld. Und im Spirituellen, dass der Schöpfer ihm kundgetan hat, dass er gesündigt hat und mit dem Verlangen zu empfangen jeden Tag die Stufe des Menschen tötet – eine solche Empfindung im Spirituellen kann nur der Schöpfer geben, dass er so empfindet. Anders der Mensch von sich aus: Es ist ihm unmöglich, diese Sache zu wissen und zu begreifen.
Im Lichte des Gesagten verstehen wir, was Rashi zu dem deutet, was geschrieben steht „Oder es wird ihm kundgetan [wenn es ihm bekannt wird]“: „Als er sündigte, meinte er, es sei erlaubt. Danach wurde ihm bekannt, dass es verboten war.“ Um seine Worte im Sinne der Arbeit zu verstehen, lässt sich deuten: „Als er sündigte“ – nämlich zu der Zeit, da er sich mit Tora und Mizwot in der Absicht zu empfangen befasste, wusste er noch nicht, dass dies verboten ist; vielmehr meinte er, wenn er nur Tora und Mizwot in der Tat erfülle, sei es erlaubt. Erst danach wurde ihm bekannt, dass darin ein Verbot lag, dass seine Absicht in der Absicht war, Lohn zu empfangen. Doch wer tat ihm kund, dass dies ein Verbot war – nämlich dass der Gebrauch des Gefäßes des Empfangens ein Verbot ist? Dazu deutet der heilige Sohar, dass der Schöpfer es ihm kundtat. Denn ohne die Hilfe des Schöpfers ist es unmöglich, dies zu spüren, wie oben gesagt.
Daraus folgt: In der Arbeit ist das eigentliche Böse und die Sünde das Verlangen zu empfangen, denn nur es ist der Grund, dass man das Gute nicht empfängt, das der Schöpfer den Geschöpfen geben will, und dass man die Anhaftung an den Schöpfer nicht erlangen kann. Und wie wir lernen, kleidet sich das Licht der Seele, das sich in fünf Stufen teilt, die NaRaNChaY heißen, nicht in den Menschen, außer in den Gefäßen des Gebens.
Darum, damit der Mensch die Empfindung des Bösen und der Finsternis habe – dass alles von diesem Schädling kommt, der „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ heißt –, kann nur der Schöpfer ihm dies kundtun, nämlich dass dies Sünde ist. Aus dem oben genannten Grund: weil der Mensch gewohnt ist, sich des Verlangens zu empfangen zu bedienen, selbst wenn er in den Dienst des Schöpfers eintritt.
Das ist, wie unsere Weisen sagten: „Immer lerne der Mensch lo liShma.“ Damit hat er also schon die Erlaubnis der Weisen, dass es erlaubt ist zu lernen, weil man dadurch zum liShma gelangt. Weil es also die Erlaubnis der Weisen gibt, dass man lo liShma lernen muss, fällt es dem Menschen darum schwer, danach zu sagen, dass dies Sünde sei. Sie sagten ja, es sei erlaubt, lo liShma zu lernen. Also gibt es hier keinen Raum zu glauben, dass dies in Wahrheit die größte Sünde ist, weil nur sie die Anhaftung an den Schöpfer hindert.
Im Lichte des Gesagten können wir erklären, was wir in den Worten des heiligen Sohar gefragt haben, wo geschrieben steht: „Und wer in der Nacht aufsteht, um sich mit der Tora zu befassen, dem tut die Tora seine Sünde kund.“ Und wir fragten: Warum gerade derjenige, der in der Nacht lernt? Und warum muss gerade die Tora ihm seine Sünde kundtun?
Die Antwort ist wie oben: Damit der Mensch spüre, dass das Empfangen für sich selbst „Sünde“ heißt, kann er gerade durch die Tora zu der Empfindung gelangen, dass das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, „Sünde“ heißt. Anders der Unkundige: Es ist ihm unmöglich, dies zu wissen, wie Rambam, seligen Andenkens, sagt, dass man die Sache des liShma den Frauen, den Kindern und den Unkundigen nicht offenbart – wobei „man offenbart nicht“ bedeutet, weil sie es nicht begreifen können. Vielmehr gerade durch die Tora, denn die Tora kann diese Empfindung in den Menschen bringen, sodass er begreift, dass das Empfangen für sich selbst „Sünde“ heißt.
Und warum hat gerade durch die Tora, die man in der Nacht lernt, sie die Kraft, ihm die Sünde kundzutun? Das heißt, worin liegt der Vorzug der Nacht gegenüber dem Tag, da es offenbar gerade die Nacht ist, wie geschrieben steht: „Und wer in der Nacht aufsteht, um sich mit der Tora zu befassen, dem tut die Tora seine Sünde kund.“ Um dies zu verstehen, müssen wir zuvor verstehen, was die Sache von „Tag“ und „Nacht“ in der Arbeit ist.
Die Sache der „Nacht“ ist, wie unsere Weisen sagten (Pessachim 2b) zu dem, was geschrieben steht: „Beim Licht steht der Mörder auf, und in der Nacht ist er wie ein Dieb.“ Daraus, dass es heißt „beim Licht“, sieht man, dass dort gesagt wird: Ist dir die Sache klar wie das Licht der Sonne, dass er kommt, um zu töten, so ist er ein Mörder. Und ist dir die Sache zweifelhaft wie die Nacht, sei er in deinen Augen wie ein Dieb. Wir sehen, dass unsere Weisen „Tag“ und „Nacht“ für Gewissheit und Zweifel verwenden.
Damit lässt sich deuten: „Tag“ heißt in der Arbeit die Zeit, da der Mensch, während er sich mit Tora und Mizwot befasst, die Zuversicht hat, als Gegenwert für seine Mühe Lohn zu empfangen. Dann freut er sich an seinem Anteil und hat keinen Ort zum Gebet, dass der Schöpfer ihm helfe. Denn was fehlt ihm? Höchstens sagt der Mensch, vielleicht müsse er sich in größerer Menge befassen. Und gewiss hat er Ausreden, da es ihm aus mehreren Gründen an Zeit mangelt oder an Gesundheit. Aber im Großen und Ganzen ist er in Ordnung, denn er glaubt, dass er Lohn empfangen wird, und er glaubt an Lohn und Strafe in dieser und in der künftigen Welt. Das nennt man „den, der am Tage Tora lernt“.
Und „den, der in der Nacht Tora lernt“ nennt man den, der Zweifel hat. Denn Zweifel heißt „Nacht“. Und das gilt zu der Zeit, da der Mensch auf dem Weg der Wahrheit gehen will, nämlich mit der Absicht zu geben. Das heißt, er will sich mit Tora und Mizwot in einer anderen Güte befassen, als er auf dem Weg der vielen arbeitete, mit der Absicht, Lohn in dieser und in der künftigen Welt zu empfangen. Vielmehr will er sich mit Tora und Mizwot befassen, „nicht um Lohn zu empfangen“. Und diesem Weg widersetzt sich der Körper. Darum kommen ihm immer fremde Gedanken, die ihm immer Zweifel in seiner Arbeit bringen.
Und was sind die Zweifel? Manchmal denkt er, man müsse auf dem Weg des Gebens gehen, und dann beginnt der Körper, sich zu widersetzen. Und dann kommen ihm Gedanken, vielleicht hätten die vielen recht. Das heißt, man müsse nicht auf dem Weg des Gebens arbeiten, weil es schwer ist, mit dem Körper zu kämpfen. Darum sei es besser, der Meinung der vielen zu folgen, denn die vielen sind gewiss von edlerer Gestalt und nehmen einen wichtigeren Platz in der Welt ein. Und wenn sie gewählt haben, den Weg zu gehen zu beabsichtigen, dass nur die Taten um des Himmels willen seien, und nicht die Absicht zu geben – was bedeutet, dass sie Tora und Mizwot erfüllen, weil der Schöpfer uns geboten hat, Seine Mizwot zu erfüllen und Seine Tora zu hüten, und nicht, Gott behüte, um Geld oder Ehre willen, das heißt, dass man ihn dadurch, dass er sich mit Tora und Mizwot befasst, ehre und „Rabbi“ nenne, sondern dass sie Tora und Mizwot um des Schöpfers willen erfüllen, weil Er uns geboten hat, und wir als Gegenwert dafür Lohn empfangen werden –, so ist dies gewiss der allerrichtigste Weg.
Und weil dies nicht gegen die Selbstliebe ist, fällt es darum nicht so schwer, diesen Weg zu gehen. Anders, den Weg des Gebens zu gehen: Weil dieser Weg bei den vielen nicht angenommen ist, hat der Mensch immer Zweifel, da der Körper von Natur aus zur Meinung der Klipot gezogen wird, deren Wesen es ist, allein zu empfangen. Darum hat er immer Arbeit, gegen diese Gedanken zu kämpfen.
Und selbst wenn der Mensch den Körper überwindet und ihm begreiflich macht: „Du siehst doch, dass von Natur aus eine Kraft gezogen wird, dem Großen zu dienen, ohne jeden Gegenwert, nur reines Geben“, dann stellt sich der Körper ihm entgegen und bringt ihm einen wahren Einwand vor: „Im Materiellen, da du einen ‚Großen‘ siehst und siehst, dass alle ihn ehren, kannst du von den vielen beeinflusst werden, weil die vielen ihn für groß halten. Darum lohnt es sich dort, im Geben zu arbeiten. Anders aber hier: Du weilst doch in der Verbergung, in der die Größe und Bedeutung des Schöpfers nicht offenbar ist; du willst nur glauben, dass es in Wahrheit so ist, dass der Schöpfer wichtig ist und es sich lohnt, Ihm ohne jeden Gegenwert zu dienen.“
Und darum wird der Mensch dann schwach gegenüber dem Körper, und er hat nichts zu erwidern. Denn nur eines kann er dann sagen: dass er über dem Verstand geht. Es zeigt sich, dass er mit der Stufe des Verstandes den Körper und seinen Einwand nicht überwinden kann. Und dann bedarf der Mensch des Erbarmens des Himmels, dass er nicht vom Schlachtfeld fliehe.
Das nennt man „Nacht“ – dass der Mensch sich aufgrund des Einwands des Körpers in Zweifeln befindet. Und dann offenbart ihm diese Tora seine Sünde. Das heißt, dass seine Sünde eine ursprüngliche und wurzelhafte Sünde ist. Denn dann sieht er, dass ihm der Glaube an den Schöpfer fehlt, dass er nicht in der Lage ist zu glauben, dass der Schöpfer groß und herrschend ist und es sich lohnt, Ihm zu arbeiten und zu geben, sodass Er Wohlgefallen von ihm habe.
Das heißt, der Mensch hat kein Wohlgefallen daran, dass er einem großen König dient. So sagt es der heilige Sohar (Einführung in den Sohar, Blatt 185, und im Sulam, Punkt 195): „Vielmehr ist die Ehrfurcht das Wesentliche – nämlich dass er den Schöpfer, gepriesen sei Er, fürchtet, weil Er groß ist und über alles herrscht, weil Er die Wurzel ist, von der alle Welten ausgehen, und Seine Größe sich an Seinen Werken zeigt.“
Und ohne Tora ist der Mensch nicht fähig zu spüren, was ihm fehlt, weil es eine Regel gibt: „Der Mangel muss dem Dasein vorausgehen.“ Und es ist unmöglich, einen Mangel zu spüren – also dass ihm etwas fehlt –, wenn er nicht spürt, dass es eine Sache in der Welt gibt, die eine gute Sache ist und ihm fehlt. Dann ist es angebracht, „Mangel“ zu sagen, nämlich dass es einen gibt, der den Mangel spürt. Dann ist es angebracht zu sagen, dass man sich bemühen muss, das zu füllen, was fehlt.
Und der erste Mangel, der erschaffen wurde – und wer erschuf ihn? Der Schöpfer, in der Welt Ejn Sof (Unendlichkeit). Wir lernen: „Er und Sein Name sind eins.“ Und der erste Mangel ist der Zimzum, dass sich das Licht zurückzog und ein Mangel blieb. Und das Licht der Linie muss den Mangel füllen, den der Schöpfer machte. Denn Er ist das Seiende, und Er hat eine neue Sache gemacht, indem Er den Mangel erschuf.
Darum, wenn der Mensch Tora lernt und durch die Tora spürt, dass es einen Schöpfer und Lenker gibt – denn dadurch, dass er Tora lernt, kommt ihm das Licht der Tora, das ihn zum Guten zurückführt –, beginnt er durch die Tora zu spüren, dass es einen Geber der Tora gibt. Und dann beginnt er zu begreifen, dass es ein großes Verdienst ist, ihm zu dienen.
Und wenn er beginnt, mit dem Körper darüber zu reden, und der kleinen Empfindung, die er zu spüren begann, dass es sich lohne, dem Schöpfer zu dienen, stellt sich dem die Überwindungskraft des Körpers entgegen, und bekämpft mit aller Macht die Empfindung, von oben das „Licht, das in ihr ist“ zu empfangen. Das heißt, man empfängt das Licht der Tora nicht in einem Mal, sodass es ausreichte, den Körper zum Guten zurückzuführen, sondern es kommt eines nach dem anderen. Darum gibt es dazwischen Auf- und Abstiege. Darum kommt bei jedem Aufstieg, den er empfängt und bei dem er zu begreifen beginnt, dass man auf dem Weg des Gebens gehen muss, sofort der Widerstand seitens der Natur des Körpers. Aber das geschieht mit Absicht, so ist es von der Seite des Schöpfers her.
Und der Grund ist „dass es kein Licht ohne Gefäß gibt“. Denn was ihm von oben kommt, heißt „Erweckung von oben“. Das heißt, das Bedürfnis und die Füllung kommen zugleich. Und er hat dann nicht von sich aus das Bedürfnis, dass in ihm die Lust erwache, es lohne sich, dem Schöpfer zu dienen. Darum beginnt, wenn sich die Empfindung zurückzieht, die von oben kam, sich in seinem Herzen allmählich ein wenig Bedürfnis zu bilden, im Geben zu arbeiten. Und dann beginnt er, den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm diese Kraft gebe. Dann heißt dieser Zustand „Licht und Gefäß“.
Und es gibt noch einen Grund, warum man eine Erweckung von unten braucht: Weil das, was der Obere gibt, ohne die Vorbereitung seitens des Unteren, der Empfangende nicht als wichtig empfinden kann. Und nach der Regel hängt alles, woran der Mensch Freude haben will, von der Bedeutung der Sache ab. Darum kann man, bevor der Obere ihm etwas spüren lässt, nicht sagen, dass er etwas will.
Vielmehr muss man, nachdem dem Menschen irgendeine Erweckung zum Dienst des Schöpfers gekommen ist, glauben: Dass der Mensch erweckt wurde, dass man sich mit dem Dienst des Schöpfers befassen muss, ist es der Schöpfer, der ihm diese Gedanken sendet, ohne Boten. Das heißt: Wenn niemand ihm gesagt hat, dass man sich mit der Arbeit befassen muss – dann sagt der Mensch gewiss, dass es ihm vom Himmel kam –, aber selbst wenn irgendein Mensch kommt und ihm zu verstehen gibt und ihm erklärt, dass es sich lohnt, in den Dienst des Schöpfers einzutreten, und der Mensch dadurch erweckt wird, soll er auch dann nicht sagen, dass der und der ihm die Lohnenswürdigkeit, die im Dienst des Schöpfers liegt, gegeben hat. Vielmehr war auch dieser Mensch ein Bote des Schöpfers, um ihn zu erwecken. Das heißt: Manchmal muss der Mensch sagen, dass der Schöpfer ihm das Verlangen ohne Boten gegeben hat, und manchmal muss der Mensch sagen, dass dieses Verlangen vom Schöpfer durch einen Boten kam.
Und weil dieses Verlangen ihm ohne Vorbereitung von seiner Seite kam, weiß er darum nicht, die Bedeutung der Sache zu ermessen. Folglich ist der Mensch nicht so sehr ergriffen und kann an jener Sache keine Freude haben, weil er ihren Wert nicht kennt. Das gleicht dem, dass ein Mensch seinem Freund ein Geschenk sendet und der Freund die Sache nicht zu schätzen weiß.
Sagen wir zum Beispiel, dass der Empfänger des Geschenks meinte, es sei hundert Dollar wert, der Geber aber zehntausend Dollar dafür bezahlt hat. Und der Geber weiß, dass der Empfänger des Geschenks es nicht zu schätzen versteht, nur nach seinem eigenen Verständnis. Gewiss verstehen wir, dass der Geber des Geschenks Mittel und Wege ersinnt, damit der Empfänger des Geschenks die Bedeutung des Geschenks begreifen könne und die Fähigkeit habe, an dem Geschenk Freude zu haben, so wie der Geber es will.
Und das ist der Grund, dass es in der Ordnung der Arbeit Auf- und Abstiege gibt, die „Tag“ und „Nacht“ genannt werden. Denn durch die Tora, die man in der Zeit der „Nacht“ lernt, durch diese Überwindung sieht der Mensch, wie fern er vom Schöpfer ist, dass er nicht fähig ist, aus der Selbstliebe herauszutreten. Und die Tora bringt ihm die Empfindung der Bedeutung, in der Zeit, da er Aufstiege hat, in der er sagen muss, dass der Schöpfer ihn Sich nähert – das heißt, dass der Schöpfer sich nicht vor ihm verbirgt –, darum spürt er die Lohnenswürdigkeit, dass er Anhaftung an den Schöpfer haben wird.
Und das ist nach der Art dessen, was wir in der Lehre von den Zehn Sefirot gelernt haben, wo er eine Erklärung über die vier Stufen des direkten Lichtes gibt. Er sagt dort: Worin liegt der Unterschied zwischen Chochma des direkten Lichtes und Malchut des direkten Lichtes? Obwohl in der Sefira Chochma und in der Sefira Malchut dasselbe Licht ist – warum heißt dann das eine „Chochma“ und das andere „Malchut“?
Und die Antwort ist: Weil es in der Sefira Chochma noch keinerlei Vorbereitung seitens des Unteren gab, denn es gab noch keine Wirklichkeit eines Unteren, der spürte, dass er als Unterer gilt, dem etwas fehlt und der vom Oberen empfangen muss, dass dieser ihm seinen Mangel fülle. Darum hat der Untere keine Freude, wenn er die Fülle vom Oberen empfängt, so wie es im Willen des Oberen liegt, dass der Untere an ihm Freude habe. Denn der Wille des Oberen ist, Seinen Geschöpfen wohlzutun, dass der Untere Freude habe. Und das ist wegen des Mangels an Vorbereitung seitens des Unteren, denn zur Zeit, da der Untere geboren wurde, wurde er zugleich mit der Fülle geboren – das heißt, es gab keine Zeit, dass er sich mit einem Mangel vorbereitete, dass ihn nach der Fülle verlangte.
Anders Malchut, deren Zustand kam, nachdem die Fülle von den Sefirot oberhalb ihrer sich zurückgezogen hatte. Sie hatte bereits eine Vorbereitung, nämlich ein Bedürfnis nach dem Licht, das in der Sefira Chochma geleuchtet hatte. Darum kann nur Malchut Freude von der Fülle empfangen, so wie der Geber will, dass der Untere Freude habe. Aus dem Gesagten sehen wir zweierlei, das in der Sache des Geschenks des Gebers zu unterscheiden ist:
a) dass er wisse, wonach er sich sehnen soll, das heißt, dass er wisse, was ihm fehlt,
b) dass er seinen Mangel füllen wolle, das heißt, dass er alle Vorbereitungen treffe, dass er fähig sei, das Geschenk zu empfangen.
Darum: Wie beginnt der Mensch, einen Mangel für den Dienst des Schöpfers zu spüren, in der Zeit, da er überhaupt nicht von der Sache des Dienstes des Schöpfers weiß, dass es so etwas gibt? Das heißt, wenn er von dieser Sache nicht weiß, wie kann in ihm Lust danach erwachen?
Und die Antwort ist: Wie wir bei der Sefira Chochma gelernt haben, dass der Schöpfer, der „Wille wohlzutun“ genannt wird, das Licht und das Gefäß zugleich erschuf, so kommt auch dem Menschen eine spirituelle Empfindung von oben. Und er empfängt das Licht und die Lust nach dem Licht zugleich. Und das gilt: Entweder kommt ihm die Erweckung unmittelbar vom Schöpfer, oder es kommt ihm eine Erweckung zur Arbeit durch einen Boten, den der Schöpfer gesandt hat, um dem Menschen zu verstehen zu geben, und der Mensch wird von ihm beeinflusst, dass es sich lohne, ein Diener des Schöpfers zu sein. Aber alles kommt ihm von der Seite der Erweckung, ohne jede Vorbereitung des Unteren. Und wie oben gesagt: Daraus folgt, dass es unmöglich ist, dass der Untere eine wahre Freude am Dienst des Schöpfers habe, wegen des Mangels an Vorbereitung.
Vielmehr, wie wir bei der Sefira Malchut gesagt haben, dass sie sich nach der Fülle sehnte, die in der Sefira Chochma war: Darum empfing sie, als die Vorbereitung seitens des Unteren da war, die Freude, die der Geber geben will. So auch hier, im Dienst des Menschen: Ihm kommt ein Abstieg von der Erweckung, die er hatte, und er beginnt, sich nach dem zu sehnen, was er hatte. Dann hat der Untere die Möglichkeit, eine Vorbereitung zu treffen, um die Fülle zu empfangen.
Doch das Verlangen und die Lust nach wahrer Anhaftung, dass er schon tauglich sei, wenn er empfängt, dass er die Bedeutung der Sache habe, so wie der Schöpfer es will – das geschieht nicht in einem Mal. Darum gibt es viele Abstiege und viele Aufstiege. Doch wäre die erste Erweckung seitens des Oberen nicht gewesen, so wäre es niemals möglich gewesen, dass der Untere Lust auf eine Sache hätte, von der er nicht weiß, was sie ist.
Nun erklären wir, was wir gefragt haben: Was bedeutet es, dass die Tora ihm die Sünde kundtut, und zwar nicht auf dem Weg des Gerichts, sondern „wie eine Mutter, die ihren Sohn mit sanften Worten unterrichtet“? Und was ist Gericht, und was sind sanfte Worte? Wie wir die Sache des Streits zwischen den Hirten von Gerar und den Hirten Isaaks erklärt haben, dass das, was nährt, „Hirten“ heißt.
Und die Hirten Isaaks sagten: „Wir können den Unterhalt nur von der Stufe der Wahrheit empfangen und nicht von der Lüge.“ Darum, wenn sie in der rechten Linie arbeiten wollten – das heißt, sie sagten: „Wir begnügen uns mit wenigem; obwohl es wahr ist, dass die Taten, die wir tun, keinen Wert haben, weil sie nicht mit wahrer Absicht getan sind, so genügt uns dennoch, wenn wir darauf blicken, wem wir geben wollen – einem großen und herrschenden König, wie oben gesagt –, eine Arbeit von Geringem; auch das gilt als großes Verdienst, weil wir einem großen und sehr wichtigen König dienen. Darum loben und preisen wir Ihn, soviel man uns dem König zu dienen gibt, auch wenn es ein kleiner Dienst ist.“
Und das nennt man „Hirten Isaaks“, die dem Schöpfer mit Selbsthingabe dienen wollen wie Isaak. Aber der Körper stimmt dem nicht zu. Dennoch freuen sie sich darüber, dass sie wissen, dass man wie Isaak arbeiten muss, und preisen den Schöpfer dafür.
Und wenn die Klipa der Hirten von Gerar sieht, dass sie sich am Schöpfer freuen, beginnt sie sofort, mit den Hirten Isaaks zu streiten, und sagt: „Was ist eure Freude am Schöpfer? Ihr sagt doch selbst, dass der Dienst, den ihr tut, nicht so ist, wie er sein müsste, wenn man dem König dient. Der Weg ist, dass man alles in Vollkommenheit tut.“
Also fragen sie: „Was soll die Freude? Nun gut, wir, die wir uns von den vielen mitziehen lassen, haben etwas, worüber wir uns freuen können, denn wir sagen, es genüge uns, wenn wir die Taten erfüllen, weil der Schöpfer es uns geboten hat. Und dafür, weil wir glauben, dass wir als Gegenwert für das Erfüllen von Tora und Mizwot Lohn empfangen, freuen wir uns. Aber ihr, die ihr sagt, das Wesentliche sei, dass man liShma sein müsse, und ihr seht selbst, dass ihr euch nicht in der Absicht zu geben befassen könnt – dann seht ihr, dass ihr nichts zustande bringt. Seht euch doch selbst an, wie viel Mühe ihr schon aufgewendet habt, und ihr seid nicht ein Haarbreit vorangekommen. Und warum arbeitet ihr umsonst? Ihr seid ja der Nähe des Schöpfers nicht würdig, weil ihr zu sehr in der Selbstliebe versunken seid. Darum ist es schade um die Zeit, die ihr umsonst aufwendet.“
Es zeigt sich, was diese Klipa tat: Sie zog über diesen Menschen die Eigenschaft des Gerichts herab und tötete ihn. Das nennt man: Die Klipa tut die Sünde mit der Eigenschaft des Gerichts kund. Und dann liegt es nicht in seiner Macht, irgendetwas zu tun, und er gerät in Verzweiflung und flieht vom Schlachtfeld. Und sie nimmt ihm wirklich so viel Glauben, wie er hatte, und er bleibt ohne spirituellen Lebensgeist zurück. Und materielle Befriedigung kann er nicht empfangen wie vor seinem Eintritt in die Arbeit. Darum befindet er sich in einem Zustand der Melancholie und Niedergeschlagenheit. Und das alles, weil diese Klipa im Gewand der Gerechtigkeit kam, die sich angeblich nur um sein Wohl sorgt.
Das ist es, was geschrieben steht, dass die Klipa ihm seine Sünde auf dem Weg des Gerichts kundtut. Anders, wer in der Nacht aufsteht, um sich mit der Tora zu befassen, wie oben gesagt: Dem tut die Tora seine Sünde kund, „wie eine Mutter, die ihren Sohn mit sanften Worten unterrichtet, und er kehrt um in Teshuwa vor seinem Herrn“.
Und es ist zu verstehen, was „mit sanften Worten“ bedeutet. Darauf kommt der Schluss des Artikels und deutet: „Und er kehrt um in Teshuwa vor seinem Herrn.“ Das heißt: Sie tut ihm die Sünde kund, nicht weil sie ihn vom Dienst des Schöpfers entfernen will, gleich der Klipa von Gerar, die ihm die Sünde mit der Eigenschaft des Gerichts kundtut – das heißt, dass es unmöglich sei, Teshuwa zu tun und in der Absicht zu geben zu arbeiten, und ihn dadurch entfernt.
Vielmehr tut sie ihm kund „wie eine Mutter ihrem Sohn“, indem sie ihm „mit sanften Worten“ begreiflich macht, dass er nicht denke, er sei nicht fähig, Teshuwa zu tun und im Geben zu arbeiten. Vielmehr „mit sanften Worten“, dass es nicht so schwer ist, wie du denkst, weil der Schöpfer dem Menschen helfen will, in der Zeit, da der Mensch spürt, dass es ihm schwerfällt.
Doch ist zu verstehen, dass der Schöpfer selbst es so eingerichtet hat, dass es schwer sei, wie geschrieben steht: „Geh zum Pharao, denn ich habe sein Herz verstockt, damit ich diese meine Zeichen setze.“ Das heißt, die Tora gibt zu verstehen, dass das, was der Mensch spürt, dass es schwer ist, den Weg des Gebens zu gehen, nicht am Menschen liegt, der nicht fähig wäre, sondern „denn ich habe sein Herz verstockt“. Und warum? „Damit ich meine Zeichen setze.“
Und mein Vater und Lehrer, seligen Andenkens, deutete: Damit ein Bedürfnis nach den Buchstaben der Tora entstehe, machte der Schöpfer das Herz schwer, sodass der Mensch dadurch der Tora bedürftig werde. Sonst gäbe es kein Bedürfnis nach der Tora. Vielmehr, weil der Mensch den Weg des Gebens gehen will und die Tora ihm kundtut, dass das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, die Sünde ist, die der böse Trieb (Jezer haRa) selbst ist, und der Mensch den Weg des Gebens gehen will, wie geschrieben steht (Psalm 1): „Wohl dem Mann, der nicht im Rat der Frevler wandelt und nicht auf dem Weg der Sünder steht.“
Und es lässt sich wie oben deuten: „der nicht im Rat der Frevler wandelt“ – nämlich der Hirten von Gerar, die wollen, dass er sich von ihnen mitziehen lasse zu dem, was sie begreiflich machen, dass es sich nicht lohne, den Weg des Gebens zu gehen. Vielmehr wollen sie auf die Hirten Isaaks hören, die sagen: „Wer den Weg geht, Lohn zu empfangen, heißt Sünde.“ Und sobald sie begreifen, dass dies Sünde ist, schreien sie sofort zum Schöpfer, dass Er sie aus diesem Zustand herausführe, und wollen das erfüllen, was geschrieben steht: „und nicht auf dem Weg der Sünder steht“.
Das heißt, sie wollen nicht im Zustand der Sünder bleiben und bitten den Schöpfer um Hilfe, dass Er ihnen das Licht der Tora gebe, denn „das Licht, das in ihr ist, führt ihn zum Guten zurück“. Und er will auch dem König dienen, und er will in Wahrheit ein Diener des Schöpfers sein. Und der heilige Sohar sagt, dass der Mensch die Wege der Tora kennen muss, denn „wer das Gebot seines Herrn nicht kennt, wie soll er es tun?“ Es zeigt sich: Dadurch, dass er nicht aus dem Verlangen, für sich selbst zu empfangen, heraustreten kann und spürt, dass er der Hilfe des Schöpfers bedarf, wird in ihm das Bedürfnis geboren, dass er des Beistands des Schöpfers bedürftig ist.
Und Seine Hilfe, gepriesen sei Er, geschieht durch die Tora, wie oben gesagt, in der zweierlei liegt:
a) „Das Licht, das in ihr ist, führt ihn zum Guten zurück“, das heißt, dass er die Gefäße des Gebens empfängt.
b) Wenn er die Gefäße des Gebens hat und dem Schöpfer geben will, weiß der Mensch aber nicht, was der Schöpfer braucht, dass der Mensch es Ihm gebe. Das nennt der heilige Sohar: „Wer das Gebot seines Herrn nicht kennt, wie soll er es tun?“
Damit ist zu unterscheiden:
a) zwischen dem, dass die Klipa ihm kundtut, dass er sündigt, mit der Eigenschaft des Gerichts, deren Absicht ist, den Menschen von der Arbeit zu entfernen,
b) und dem, dass die Tora dem Menschen kundtut, dass er gesündigt hat, „wie eine Mutter, die ihren Sohn mit sanften Worten unterrichtet, und er kehrt um in Teshuwa vor seinem Herrn“.
Die Tora tut kund, dass er diese Sünde durch die Tora korrigieren kann, auf zweierlei Weise wie oben:
a) auf der Stufe „das Licht, das in ihr ist, führt ihn zum Guten zurück“,
b) dass ihm das Verdienst der Geschmäcke der Tora und der Geschmäcke der Mizwot zuteilwerde, denn „wer das Gebot seines Herrn nicht kennt, wie soll er es tun?“
Und damit schließt der heilige Sohar: „und er kehrt um in Teshuwa vor seinem Herrn“. Anders, wenn die Klipa ihm die Sünde kundtut: Da ist er nicht fähig, Teshuwa zu tun, sondern fällt in Verzweiflung und in eine völlige Entfernung vom Dienst des Schöpfers.
Aus dem Gesagten folgt: Wenn der Mensch in der rechten Linie geht, ist es verboten, auf die Gedanken der Klipa der Hirten von Gerar zu hören, wie oben gesagt, nach den Worten unserer Weisen, dass David sagte „nicht das Morgenrot weckt mich“. Vielmehr muss der Mensch danach zur linken Linie übergehen, was „ich wecke das Morgenrot“ heißt.
Das bedeutet, dass er das Morgenrot erweckt – das heißt, der Mensch hat eine besondere Vorbereitung, dass er das Schwarz erwecken will. Das heißt, dass er es herbeiruft, und nicht, dass die Gedanken des Schwarz, die die Klipa ihm kundtut, dass der Mensch nicht in Ordnung sei. Es zeigt sich also, dass er die linke Seite herbeiruft und sehen will, wie er seine Taten korrigieren soll; dabei sieht er das Maß der Entfernung seines Zustands von der Angleichung der Form und das Maß des Schmerzes und Leides, das er spürt, wenn er den Zustand seiner Niedrigkeit sieht. Und er sieht, dass es bei ihm manchmal Zeiten gibt, in denen es ihm gleichgültig ist, dass er von der Anhaftung an den Schöpfer fern ist. Und dann ist die Zeit, ein Gebet zum Schöpfer darzubringen, dass Er ihn aus dem Exil herausführe, in dem er sich befindet. Auch hier sind zwei Weisen zu unterscheiden:
a) Dass er überhaupt nicht spürt, dass er sich im Exil befindet. Das heißt, er will nicht zur Selbstliebe fliehen, sondern befindet sich in einem Zustand, der in der Sprache des heiligen Sohar „hav – hav“ (gib – gib) heißt, wie ein Hund, zu dem Vers „Der Blutegel hat zwei Töchter: Gib, gib!“ deutet er: „Gib uns den Lohn dieser Welt, und gib uns den Lohn der künftigen Welt.“
Das bedeutet, dass sie Tora und Mizwot erfüllen wollen, aber in der Absicht, alles in das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu empfangen. Das nennt man: Er spürt kein Exil, sodass er aus dem Exil heraustreten wollte. Und all das spürt er, wenn er in die linke Linie eintritt. Anders, wenn er in der rechten Linie geht: Da ist es ihm verboten, Kritik zu üben, ob seine Arbeit vollkommen ist oder nicht. Vielmehr dankt er dem Schöpfer für das wenige, an dem er Halt hat.
Und dieser Zustand heißt „Verbergung innerhalb der Verbergung“, wie geschrieben steht (WaJelech, fünfter Abschnitt): „Und ich werde mein Angesicht an jenem Tag gänzlich verbergen.“ Das lässt sich so deuten, dass er sich in einer Verbergung befindet, in der er nicht spürt, dass er sich im Exil befindet. Und was ist Exil? Wie geschrieben steht: „Und um unserer Sünden willen wurden wir aus unserem Land vertrieben und von unserem Boden entfernt.“
Und das ist wie oben „um unserer Sünden willen“. Denn die Sache der Sünde ist der Gebrauch des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, was uns die Entfernung von „unserem Land“ verursacht hat. Bekanntlich werden „Wille“ und „Land“ Malchut genannt, deren Wesen das „Königtum des Himmels“ (Malchut Schamajim) ist. „Königtum des Himmels“ bedeutet, dass der Mensch das Joch auf sich nimmt und sich dem „Himmel“ unterordnet, nämlich dem Schöpfer, der „Himmel“ genannt wird, wie geschrieben steht: „Erhebt eure Augen zur Höhe und seht: Wer hat diese erschaffen?“
Und das ist die Deutung von „wir wurden aus unserem Land vertrieben“ – das heißt, aus unserem Land, das „Königtum des Himmels“ genannt wird, zu arbeiten und Mühe aufzuwenden, damit die Ehre des Himmels sei: Aus diesem Willen sind wir vertrieben worden. Und in welchen Willen sind wir eingetreten? In den Willen der „Völker der Welt“, der „in der Absicht zu empfangen empfangen“ genannt wird.
Und das ist es, was geschrieben steht: „und von unserem Boden entfernt“. „Boden“ (Adama) ist sprachlich verwandt mit „ich will dem Höchsten gleichen (edame)“, was die Stufe der Angleichung der Form ist. Und weil wir uns mit unserem Verlangen zu empfangen befasst haben, sind wir folglich „von unserem Boden entfernt“, davon, dem Oberen in der Form gleich zu sein. Und in der Zeit, da der Mensch das Exil nicht spürt, das die Stufe der Verbergung ist – es zeigt sich, dass das „Exil“, das Verbergung genannt wird, vor ihm verborgen ist –, befindet er sich also im Zustand der Verbergung innerhalb der Verbergung.
Doch „Verbergung innerhalb der Verbergung“ heißt auch eine Offenbarung im Geringsten. Denn es gibt eine Verbergung innerhalb der Verbergung, aber man muss fragen: Woher kommt dieses Wissen, dass er sich innerhalb der Verbergung befindet? Dazu ist zu sagen, dass auch dieses Wissen von der Seite des Schöpfers kommt – unmittelbar oder durch einen Boten.
Und dazu lässt sich deuten, was geschrieben steht: „der das Licht bildet und die Finsternis erschafft“. Das bedeutet: Diese „Finsternis“, die der Mensch spürt, dass er sich innerhalb der „Verbergung“ befindet, dass er nicht spürt, dass der Schöpfer Sich vor ihm verbirgt, und er kein Verlangen hat, den Schöpfer zu suchen, wo Er Sich befindet, von welchem Ort aus er sich vor Ihm beugen könnte und ihm das große Verdienst zuteilwürde, dass er vor Ihm dient.
Und er spürt auch keine Verbergung darüber, dass die Tora Gewänder des Schöpfers ist, und betrübt sich darüber. Vielmehr befindet er sich in einer völlig anderen Welt. Das heißt, die Sache, dass es einen Schöpfer gibt und der Schöpfer den Geschöpfen Gutes und Genuss geben wollte, interessiert ihn überhaupt nicht. Diese Empfindung, die „Verbergung innerhalb der Verbergung“ heißt, heißt „Finsternis“. Und der Schöpfer hat ihm diese Finsternis erschaffen und gegeben.
Und beim Menschen von sich aus sehen wir, dass er in der Regel kein Böses an sich selbst sieht. Und er weiß immer, dass er in Ordnung ist, ob er fromm ist oder, Gott behüte, nicht fromm. Und das ist, wie geschrieben steht: „Denn die Bestechung blendet die Sehenden.“ Und weil „der Mensch sich selbst nahe ist“, kann er niemals die Wahrheit sehen. Darum muss der Mensch, wenn er sieht, dass er nicht in Ordnung ist, sagen, dass der Himmel es ihm kundgetan hat.
b) Dass er sich in der ersten Verbergung befindet. Das heißt, dass er spürt, dass er sich in einer Verbergung befindet. Das heißt, es schmerzt ihn, dass er fern vom Schöpfer ist, dass der Schöpfer Sich vor ihm verbirgt und er den Schöpfer nicht in dem Maß spürt, in dem er sich Ihm hingeben wollte. Aber zugleich schmerzt es ihn, dass er fern ist. Da hat er keinen anderen Rat, als dass der Schöpfer ihm Hilfe gebe, sodass er die Fähigkeit habe, sich dem Schöpfer zu nähern, was „Anhaftung und Angleichung der Form“ heißt.
Und diese ganze Kritik, die er übt und die „linke Linie“ heißt, muss zu einer bestimmten Zeit geschehen. Das heißt, gerade nachdem er an jenem Tag in der rechten Linie gegangen ist und den Schöpfer viel gepriesen hat, dass dieser ihm einen Dienst von Geringem gegeben hat, und er darüber frohlockt und sich freut. Und das ist der Weg der Wahrheit, wie oben gesagt. Und danach kann er für kurze Zeit zur linken Linie übergehen und nicht lange dabei verweilen. Das heißt, in der Zeit, da er sich mit Tora und Gebet befasst, muss er sich hüten, dass er nicht zur linken Linie hinaustritt, sondern gerade in der rechten bleibt, denn das heißt „Gesegnetes haftet an Gesegnetem“, wie oben gesagt.
Und dann ist die Zeit, da er einer höheren Stufe würdig werden kann, wie geschrieben steht: „Die Shechina (göttliche Gegenwart) weilt nur inmitten der Freude.“ Anders, wenn er sich auf der Stufe der linken Linie befindet: Dann ist die Zeit der Kritik, und in dieser Zeit ist der Ort, nur Mängel zu sehen. Und die Arbeit der linken Seite muss ihm das Bedürfnis zum Gebet geben. Und Gebet gilt nur an einem Ort, wo ein Mangel ist. Und der Ort des Mangels heißt „verflucht“. Und dann „haftet Verfluchtes nicht an Gesegnetem“. Aus diesem Grund gibt es keinen Ort, zu einer höheren Stufe aufzusteigen. Vielmehr im Gegenteil: In der rechten Linie ist der Ort des Aufstiegs, denn dann ist er im Zustand der Vollkommenheit.
korrOp, EY, 21.7.2026, Ver8