<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1988/33 Was ist der Unterschied zwischen Allgemeinem und Individuellem in der Arbeit des Schöpfers?

1988/33 Was ist der Unterschied zwischen Allgemeinem und Individuellem in der Arbeit des Schöpfers?

Unsere Weisen sagten (Makot 24) wörtlich: „Habakuk kam und brachte sie alle auf ein Einziges zurück, denn es heißt: ‚Und der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.‘“ Das bedeutet, dass man die ganze Tora und die Mizwot erfüllen muss, um zu diesem Einzelnen zu gelangen, nämlich zum Glauben. Mit anderen Worten: Was vom Menschen verlangt wird, der zu seiner Vollkommenheit gelangen soll, ist, dass er zum Glauben an den Schöpfer gelangt. Das heißt, nachdem er zum Glauben gelangt ist, ist er bereits ein vollkommener Mensch.

Diese Sache muss man verstehen. Es gibt ja den Punkt, dass der Mensch an der Korrektur der Schöpfung arbeiten muss, weil der Mensch mit der Natur des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, erschaffen wurde, die in der Form dem Schöpfer entgegengesetzt ist; denn der Schöpfer ist der Gebende, und durch die Verschiedenheit der Form wird der Mensch vom Schöpfer getrennt. Was nützt es ihm also, dass er Glauben hat, wenn er noch immer vom Schöpfer getrennt ist? Und wie konnten sie sagen: „Habakuk kam und brachte sie alle auf ein Einziges zurück, und der Gerechte wird durch seinen Glauben leben“? Das heißt ja, dass er, wenn er Glauben hat, bereits Vollkommenheit besitzt.

Die Antwort ist: Man muss wissen, dass hier eine wichtige Sache vorliegt, ein großer Grundsatz, der besondere Aufmerksamkeit erfordert, damit wir ihn aufnehmen können; denn dies ist das Tor, durch das der Mensch zum vollkommenen Glauben gelangen kann. Sonst hat der Mensch nur einen teilweisen Glauben. So heißt es in der „Einführung in das ‚Talmud Esser haSefirot‘“ (Punkt 14) wörtlich: „Vielmehr ist es ein teilweiser Glaube. Und so misst sich der eine Mensch aus dem Maß seines Glaubens an den Schöpfer nur eine einzige Stunde seines Tages zu, um sich mit der Tora und mit der Arbeit zu befassen; der Dritte vernachlässigt nicht einen einzigen Augenblick – denn nur beim Letzten ist der Glaube vollkommen.“

Und damit der Mensch zum vollkommenen Glauben gelangt, muss er zuerst aus der Selbstliebe heraustreten, sonst kann er nicht zum vollkommenen Glauben gelangen. Andernfalls gibt man ihm von oben nicht die Möglichkeit, vollkommenen Glauben zu haben. Doch dies geschieht zum Nutzen des Menschen. Und das ist so, wie es im Sulam (Leiter-Kommentar) geschrieben steht („Einführung in das Buch Sohar“, Blatt 138, Stichwort „Denn …“) wörtlich: „Denn dies ist ein Gesetz: Das Geschöpf kann von Ihm kein Übel in offenbarer Weise empfangen, denn es wäre ein Makel an Seiner Ehre, wenn das Geschöpf Ihn als einen wahrnähme, der Böses wirkt, denn das ziemt sich nicht für den vollkommenen Wirkenden. Darum ruht in dem Augenblick, in dem der Mensch Übel empfindet, in eben diesem Maß die Leugnung Seiner Vorsehung auf ihm, und der Wirkende verbirgt sich vor ihm.“

Bevor der Mensch also fähig ist, vom Schöpfer das Gute und den Genuss zu empfangen, kann er nicht zum Glauben gelangen. Und die Bedingung, die er erfüllen muss, damit man ihm Gutes und Genuss gibt, sind Gefäße des Gebens. Bei den Gefäßen des Empfangens dagegen gab es die Korrektur, sich ihrer nicht zu bedienen, weil man sich durch sie vom Schöpfer entfernt, aufgrund der Verschiedenheit der Form, die zwischen ihnen besteht. Es zeigt sich, dass der Mensch vor dem Glauben zur Korrektur der Gefäße gelangen muss, die „Korrektur der Schöpfung“ genannt wird.

Und so steht dort im Sulam geschrieben, wörtlich: „Und wisse, dass darin der ganze Unterschied liegt zwischen dieser Welt, die vor der Korrektur ist, und dem Ende der Korrektur. Denn vor dem Ende der Korrektur wird Malchut mit dem Namen ‚Baum des Guten und des Bösen‘ benannt, wie oben gesagt; das bedeutet, dass Malchut das Geheimnis Seiner Führung in dieser Welt ist. Und solange die Empfangenden nicht zur Vollendung gelangt sind, sodass sie die Vollkommenheit Seines Guten empfangen könnten, das Er im Schöpfungsgedanken über uns gedacht hat (das heißt, solange unsere Gefäße des Empfangens noch nicht korrigiert sind, sodass sie auf das Geben hin ausgerichtet wären, kann Er uns das Gute und den Genuss nicht geben, weil alles zu den Klipot (Schalen) ginge), muss die Führung auf dem Weg von Gut und Böse und von Lohn und Strafe verlaufen. Denn unsere Empfangsgefäße sind noch befleckt vom Empfangen für sich selbst, das in seinem Maß sehr stark einschränkt und uns überdies vom Schöpfer trennt; und das vollkommene Gute, in dem großen Maß, das Er über uns gedacht hat, fehlt.“

Aus dem Gesagten sehen wir, dass in Wahrheit das Eigentliche dieser Einzelpunkt ist, nämlich der Glaube. Und das war es, was wir gefragt haben: Wie können wir sagen, dass der Glaube die Vollkommenheit ist? Wir brauchen doch auch die Korrektur der Schöpfung, die „Gefäße des Gebens erlangen“ genannt wird. Sonst kann die Fülle wegen der Verschiedenheit der Form nicht zu den Unteren gelangen. Und die Antwort ist: Im Allgemeinen muss man Tora und Mizwot erfüllen, um zu den Gefäßen des Gebens zu gelangen. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, denn „das Licht in ihr bringt ihn zum Guten zurück.“

Es zeigt sich, dass die erste Stufe in der Ordnung der Arbeit darin besteht, dahin zu gelangen, dass das Böse, das „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird, zum Guten zurückkehrt – das heißt, dass er die Kraft hat, alles auf das Geben hin zu gebrauchen. Doch hierbei muss man unterscheiden, dass man Tora und Mizwot braucht, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass das Verlangen zu empfangen „böse“ genannt wird. Und bevor der Mensch zu dieser Erkenntnis gelangt, dass das Empfangende „böse“ genannt wird, wie könnte man es da zum Guten zurückbringen? Und das ist so, wie wir in den früheren Artikeln davon gesprochen haben, dass unsere Weisen sagten: „Warum wird die ToraTushia‘ (Kraftquelle) genannt? Weil sie die Kraft des Menschen erschöpft.“ Und wir haben gefragt: Sie sagten doch: „Schmerzt ihm der Kopf, soll er sich mit der Tora befassen; schmerzt ihm der Bauch, soll er sich mit der Tora befassen, denn es heißt: ‚und für sein ganzes Fleisch ist sie Heilung‘“ (Eruwin 54).

Und nach dem, was mein Vater, Lehrer und Meister sagte, wird die Tora „Heilmittel“ genannt. Das heißt, manchmal ist sie ein „Heilmittel des Lebens“ (Sama deChaje) und manchmal ein „Heilmittel des Todes“ (Sama deMota). Und er sagte, dass es sich beim Heilmittel um eine Arznei für den handelt, der krank ist. Nimmt dagegen ein gesunder Mensch Arzneien ein, so wird er krank. Das heißt, die Tora, die zu einem kommt, der einen Mangel hat, kann ihn heilen. Demnach ist also auszulegen, dass der Mensch zuallererst die Tora lernen muss, damit er sieht, dass er krank ist.

Darum sagten sie, die Tora erschöpft die Kraft des Menschen. Das bedeutet, dass er durch die Tora dahin gelangen und sehen kann, dass die Stufe des Menschen in ihm schwach ist und er keinerlei Kraft hat, sich zu überwinden. Dann sieht er, dass er spirituell krank ist. Und durch die Tora gelangt er zur Erkenntnis des Bösen, wie der heilige Sohar zum Vers „oder wird ihm seine Sünde bekannt“ sagt: Das bedeutet, dass die Tora ihm kundtut, dass er gesündigt hat. Und wenn die Tora es ihm nicht kundtut, kann der Mensch nicht wissen und nicht spüren, dass das Empfangen für sich selbst „böse“ genannt wird, aufgrund der Verschiedenheit der Form, die zwischen ihm und dem Schöpfer besteht. Denn die Erkenntnis, dass die Verschiedenheit der Form Trennung bewirkt, muss man ihm von oben kundtun, durch die Tora. Darum muss man sagen, dass die Ordnung diese ist:

1. Dass er Tora und Mizwot erfüllt, um zur Erkenntnis des Bösen zu gelangen.

2. Dass er Tora und Mizwot erfüllt, weil „das Licht in ihr ihn zum Guten zurückbringt“. Das ist dann die Zeit, in der er von oben eine Kraft empfängt, die „Verlangen zu geben“ genannt wird, und das ist die Stufe der Gleichheit der Form.

3. Die Stufe des Glaubens. Das ist die Bedeutung von „Habakuk kam und brachte sie alle auf ein Einziges zurück, und der Gerechte wird durch seinen Glauben leben“. Es zeigt sich, dass alles, womit man sich im Allgemeinen bei Tora und Mizwot befasst, dazu dient, zu diesem Einzelnen zu gelangen, nämlich zum Glauben, wie oben gesagt; denn dann kann er den vollkommenen Glauben empfangen. Es zeigt sich, dass seine ganze Arbeit nur dazu dient, dahin zu gelangen.

Doch vor den drei oben genannten Stufen gibt es eine Stufe, die im Allgemeinen bei ganz Israel üblich ist. Und das ist tatsächlich die allererste Stufe, mit der man beginnt, den Menschen in Tora und Mizwot zu erziehen: Die gesamte Welt muss wissen, zu welchem Zweck sie die Tora und die Mizwot einhalten soll, nämlich damit sie Lohn empfängt. Und wenn sie die Tora und die Mizwot nicht erfüllt, empfängt sie Strafe. Und das ist die Ordnung, die für jeden gleich ist. Und das ist so, wie der Rambam sagt, wörtlich: „Wenn man daher die Kleinen und die Frauen und das ganze einfache Volk unterrichtet, lehrt man sie nur, aus Furcht und um des Lohnes willen zu arbeiten, bis ihr Verstand zunimmt und sie sich übergroße Weisheit erwerben; dann enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach“ (Rambam, Gesetze der Teshuwa, Kapitel 10).

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Ordnung der Arbeit diese ist:

1. Ganz Israel. Man lehrt es, die Tora und die Mizwot in all ihren Einzelheiten und Feinheiten mit der Absicht der Selbstliebe einzuhalten. Und man darf ihm nicht enthüllen, dass man liShma (um ihretwillen) arbeiten muss, nämlich auf das Geben hin; vielmehr sollen sie arbeiten und sich mühen, alles auf das Empfangen zum eigenen Nutzen hin.

Und man muss wissen, dass dieser Mensch, der um der Selbstliebe willen arbeitet – also durch das Einhalten von Tora und Mizwot die Stufe der kommenden Welt erlangen will –, wenn er einen echten Eifer hat, zum eigenen Nutzen zu arbeiten, bereit ist, alles zu tun. Das heißt, eine Arbeit, die über dem Verstand liegt – also die der Verstand des Menschen nicht begreifen kann –, ist er bereit zu tun, wenn er voller Eifer ist und die kommende Welt erlangen will. So wie geschrieben steht (Re’e, vierter Abschnitt): „Und hüte dich, dass du nicht nach ihren Göttern fragst und sagst: Wie dienen diese Völker ihren Göttern? So will auch ich es tun. Tu nicht so, denn sogar ihre Söhne und ihre Töchter verbrennen sie im Feuer für ihre Götter.“ Und Rashi bringt die Auslegung unserer Weisen: „‚Sogar‘ schließt auch ihre Väter und ihre Mütter ein. Rabbi Akiwa sagte: Ich sah einen Heiden, der seinen Vater vor seinen Hund band, und der fraß ihn.“ Und der Verfasser des Buches „Siftei Chachamim“ erklärt: „Gemeint ist der Götzendienst; und ‚der fraß ihn‘ meint, dass sie ihn im Feuer verbrannten.“

Doch man muss wissen: Obwohl der Mensch bereit ist, zum eigenen Nutzen zu arbeiten – das heißt, wenn er glaubt, dass man ihm die kommende Welt verbürgt, die allergrößten Arbeiten zu verrichten, sogar wenn man sagt, ihre Söhne und ihre Töchter und ihre Eltern zu verbrennen, haben die Eifrigen die Kraft zu dieser Arbeit, weil das noch innerhalb des Gefäßes der Selbstliebe ist –, so zeigt sich, dass dies noch nicht „über dem Verstand“ genannt wird. Das heißt, man kann es aus der Natur begreifen, dass der Mensch um des Verlangens willen, für sich selbst zu empfangen, bereit ist, alles zu tun.

Und ebenso finden wir, dass zur Zeit der Zerstörung des Heiligtums, wie geschrieben steht (Klagelieder 4:10): „Barmherzige Frauen kochten ihre eigenen Kinder, sie wurden ihnen zur Speise.“ Und der heilige Alshich erklärt „sie wurden ihnen zur Speise“ so, dass nur sie selbst das Fleisch ihrer Kinder aßen. Und das ist es, was er sagt mit „ihnen“: nur die Mütter allein aßen davon und gaben nichts davon ihren übrigen Kindern, obwohl auch diese hungrig waren.

Das zeigt uns: Wenn es keine Heiligkeit gibt, sondern den Verfall der Heiligkeit, sodass allein das Verlangen herrscht, für sich selbst zu empfangen, wozu der Mensch dann zum Wohl der Selbstliebe fähig ist – „barmherzige Frauen kochten ihre eigenen Kinder“. Und wir haben zwei Beispiele:

1. Um des Verlangens zu empfangen willen, im Tausch für das Verbrennen von Kindern und Eltern die kommende Welt zu erlangen, oder um diese Welt zu empfangen – aus diesem Grund „kochten die barmherzigen Frauen ihre eigenen Kinder“. Es zeigt sich: Um das Verlangen zu empfangen zu erfüllen, mit dem der Mensch in dieser Natur geboren ist, ist der Mensch zu allem fähig.

Sobald man dagegen beginnt, den individuellen Weg zu gehen – nämlich die Anhaftung an den Schöpfer (Dwekut) zu erlangen, wozu man aus der Selbstliebe heraustreten muss –, ist der Mensch nicht einmal zu einer kleinen Arbeit fähig. Das heißt, wenn man dem Menschen sagt: Tu dasselbe, was du tust, aber lege darauf die Absicht, dem Schöpfer zu geben, ohne jeden Gegenwert – das ist sehr schwer zu tun, weil es gegen die Natur ist, die „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird.

Das heißt, für ebendieses Tun, also für ebendiese praktische Mühe, die der Mensch sich macht und vollbringt, ohne dass er irgendeine Mühe hinzufügen muss, sondern nur darauf ausrichten muss, dass er es zum Nutzen des Schöpfers tut, hat er schon keine Kraft mehr. Und es kommt ihm vor, als stünde ein hoher Berg vor seinen Augen, und es liege nicht in seiner Macht, den Berg auch nur um Haaresbreite zu rücken, und er fühlt sich, als sei die ganze Welt um seinetwillen zerstört. Und das alles, weil es gegen unsere Natur ist.

Und in diesem Zustand, wenn der Mensch zur Wahrheit gelangen will, zur Arbeit auf der Stufe des Individuellen, hier ist der Zustand, in dem man ihm von oben kundtut, wie sehr er sich in einem Zustand der Niedrigkeit befindet. Denn er sieht, dass er nicht fähig ist, irgendetwas zum Nutzen des Schöpfers zu tun. Und dieser Zustand wird „Erkenntnis des Bösen“ genannt. Und das wird „der erste Zustand in der Arbeit des Individuellen“ genannt, nämlich die Erkenntnis des Bösen.

Und danach beginnt der zweite Zustand, in dem er Tora und Mizwot erfüllen muss, damit „das Licht in ihr ihn zum Guten zurückbringt“, sodass er durch das Licht Gefäße des Gebens empfängt. Das bedeutet, dass er ein Verlangen hat, dem Schöpfer zu geben, und dass er daran Genuss findet.

Und danach gelangt er in den dritten Zustand, nämlich die Stufe des vollkommenen Glaubens, wie oben gesagt: „Habakuk kam und brachte sie alle auf ein Einziges zurück, der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.“ Das ist der Einzelpunkt, zu dem der Mensch gelangen muss. Und sobald er Glauben hat, dann hat er das Gute und den Genuss erlangt, die in Seiner Vorsehung liegen, auf der Stufe des Guten, der Gutes tut.

Und zu dem, was im Sulam geschrieben steht – „Denn dies ist ein Gesetz: Das Geschöpf kann von Ihm kein Übel in offenbarer Weise empfangen, denn es wäre ein Makel an Seiner Ehre, wenn das Geschöpf Ihn als einen wahrnähme, der Böses wirkt; darum verbirgt sich in dem Augenblick, in dem der Mensch Übel empfindet, der Wirkende vor ihm“ –, ist nicht zu fragen: Was kümmert es den Schöpfer, dass der Mensch Ihn als einen empfindet, der Böses wirkt? Sucht der Schöpfer denn Ehre von den Geschöpfen, dass sie Ihn zu Seinem eigenen Nutzen ehren? Er bedarf doch nicht der Dinge, die zu Fleisch und Blut gehören.

Vielmehr geschieht dies zum Nutzen des Menschen. Denn wenn man im Spirituellen von einem Makel spricht – wenn jemand zum Beispiel einen Makel an der Heiligkeit verursacht –, so ruht dort bereits die Stufe der Sitra Achra (die andere Seite) an der Seelenwurzel des Menschen, der den Makel oben verursacht hat. Das heißt, wir müssen glauben, dass der Name des Schöpfers „der Gute, der Gutes tut“ ist.

Es zeigt sich: In dem Augenblick, in dem der Mensch empfindet, dass der Zustand, in dem er sich befindet, böse ist, wie kann er da die höhere Vorsehung rechtfertigen und sagen, dass der Schöpfer mit ihm auf die Weise des Guten, der Gutes tut, verfährt? Es zeigt sich, dass der Mensch den Makel auf sich nimmt, den er am Heiligen Namen verursacht hat, der ein Name des Guten ist, der Gutes tut. Und wenn der Mensch von oben Gutes empfängt, dann ist der Mensch voller Freude und kann mit vollem Mund sagen: „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand.“

In der Zeit dagegen, in der der Mensch sich im Übel empfindet, kann er nicht sagen: „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand.“ Vielmehr sagt der Mensch, wie Hiob sagte (Hiob 3): „Und Hiob antwortete und sprach: Es vergehe der Tag, an dem ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: Ein Mann ist empfangen. Jener Tag sei Finsternis.“ Darum ist es eine Korrektur, dass der Mensch dann nicht glaubt, der Schöpfer habe ihm all das Übel verursacht; und so redet er nichts Böses über den Schöpfer.

Und davon gibt es eine Entsprechung im Stofflichen: Wir sehen manchmal einen Menschen, dessen Sohn arbeitet und einen Lohn empfängt, der ihm nicht zum Lebensunterhalt reicht. Als er die Arbeit antrat, war er zwar noch ledig, und damals war es ein guter Lohn. Jetzt aber kann er von diesem Lohn nicht mehr leben. Und der Vater redet zu seinem Sohn: Da du siehst, dass der Arbeitgeber dir nichts dazugibt, geh und such dir einen Arbeitsplatz, an dem man mehr Lohn gibt. Der Sohn antwortet ihm: Hier bin ich schon an den Arbeitgeber und an die Kollegen gewöhnt, darum kann ich diesen Ort nicht verlassen. Was tat der Vater? Er ging zum Arbeitgeber und erzählte ihm von der Lage seines Sohnes. Der Arbeitgeber sagte ihm: Ich kann ihm nicht mehr geben, aber ich schicke ihn an einen Ort, wo man ihm mehr geben wird. Da bat ihn der Vater: Sag meinem Sohn, dass du keine Arbeit für ihn hast, dann geht er an einen anderen Ort. Denn ich habe schon mehrmals mit ihm geredet, er solle den Arbeitsplatz verlassen, an dem man keinen guten Lohn zahlt, und an einen Ort gehen, wo man einen höheren Lohn zahlt; und ich sage dir die Wahrheit: Er hat mir gesagt, dass er dich und deine Kollegen liebt, darum will er diesen Ort nicht verlassen. Wenn du ihn also entlässt, bleibt ihm keine Wahl, dann ist er gezwungen, an einen anderen Ort zu gehen. Aber ich bitte dich um einen Gefallen: Sag ihm nicht, dass ich bei dir war und dich gebeten habe, ihn nicht bei dir arbeiten zu lassen. Sonst, was würde er sagen? Wie hat ein Vater ein so grausames Herz gegen seinen Sohn? Das heißt, er kann nicht begreifen, dass es, wenn ich mich bemühe, ihn aus der Arbeit zu entlassen, zu seinem Nutzen ist. Denn in dem Augenblick, in dem er von seinem Arbeitgeber hört, dass ich um seine Entlassung gebeten habe, was würde er sagen? Der Schöpfer segne meinen Vater, der sich nur zu meinem Nutzen um mich müht? Sicher wird er dann gegen seinen Vater aufbegehren.

Und so ist es im Spirituellen, dass der Schöpfer dem Menschen einen Zustand des Abstiegs schickt. Das heißt, aus dem Zustand, in dem er seinen Unterhalt empfing – obwohl der Vater begreift, dass dies kein ausreichender Unterhalt ist, sondern dass er fähig ist, mehr zu verdienen, der Sohn aber begreift das nicht –, darum schickt der Schöpfer ihm einen Abstieg, was bedeutet, dass man ihn aus der Arbeit hinauswarf. Und er ist dann zornig, warum der Schöpfer ihm Übel angetan hat. Er weiß ja, dass er zuvor in einer Zeit des Aufstiegs im Spirituellen war und dass der Schöpfer ihn hinauswarf – sicher wird er gegen den Schöpfer zornig sein. Und das wird „wer gegen die Shechina (göttliche Gegenwart) murrt, dessen Strafe ist sehr groß“ genannt. Darum hat er, wenn es eine Korrektur gibt, dass er dann nicht den hervortreten lässt, der Böses wirkt, niemanden, gegen den er aufbegehren könnte. Es zeigt sich: Dass ihm verloren geht, „wer der Wirkende all dieser Dinge ist“, das geschieht zu seinem Nutzen.

Und dort heißt es wörtlich: „Wer sich jedoch anstrengt, sich nicht von seinem Glauben an Ihn zu trennen, obwohl er in der Vorsehung Übel schmeckt, der hat Lohn. Und wenn es ihm nicht gelingt, sich anzustrengen, so hat er Strafe, weil er sich von seinem Glauben an Ihn getrennt hat. Und es zeigt sich: Obwohl Er allein alle Taten vollbracht hat, vollbringt und vollbringen wird, sie alle, so bleibt dies dennoch denen verborgen, die Gut und Böse empfinden.“

Wir sehen: Wer sich anstrengen und sagen kann, dass der Schöpfer ihm das Übel schickt und dass es zu seinem Nutzen ist, der bleibt im Glauben, in dem Maß, in dem er sagen kann, dass der Zustand, in dem er sich befindet, ihm der Schöpfer zu seinem Nutzen geschickt hat. In diesem Fall wird es nicht mit dem Namen „einer, der Böses wirkt“ benannt. Und so bleibt er im Glauben. Wenn er dagegen nicht sagen kann, dass der Schöpfer es ihm zu seinem Nutzen geschickt hat, sondern dass es zu seinem Schaden ist, dann wird dieser Zustand so benannt, dass der Schöpfer „Böses wirkt“. Darum muss er den Wirkenden vor sich verlieren. Und das wird so genannt, dass ihm die Stufe des Glaubens verloren geht, und das gilt als Strafe.

Aus dem Gesagten ergibt sich: Gäbe es nicht die Aufstiege und Abstiege, so könnte der Mensch nicht spüren, dass er einen Mangel hat – das heißt, er würde nicht spüren, dass er des Erbarmens des Himmels bedarf, dass es nicht in der Hand des Menschen, also in den Kräften des Menschen, liegt, aus der Selbstliebe herauszutreten und sein ganzes Verlangen darauf zu richten, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Vielmehr können alle seine Handlungen nur zu seinem eigenen Nutzen sein; und zum eigenen Nutzen hat er die Kraft, Taten zu vollbringen, die der Mensch sich nicht ausmalen kann. Oder so, wie es zur Zeit der Zerstörung des Heiligtums war, dass „barmherzige Frauen ihre eigenen Kinder kochten“, ebenso wie jene, die ihren Göttern dienten und ihre Söhne und ihre Töchter verbrannten.

Aber um des Himmels willen zu arbeiten – nämlich für ihre Arbeit keinerlei Gegenwert zu wollen, ja sogar nur die bloße Absicht über Handlungen des Empfangens zu legen –, dazu ist der Mensch nicht fähig. Das heißt, wenn der Mensch um des Himmels willen essen will und nicht zum eigenen Nutzen, so liegt es, obwohl die Stufe der Handlung ein Empfangen von Genuss ist, das, was er beabsichtigen muss, doch nicht in seiner Hand; und nur der Schöpfer allein kann ihm dabei helfen. Und das ist der Unterschied zwischen der allgemeinen Arbeit, die der Allgemeinheit zugehört, und der individuellen Arbeit.

korrOp, EY, 16.7.2026, Ver3