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1989/10 Was bedeutet es, dass die Leiter in der Arbeit schräg steht?

Die Schrift sagt (WaJeze, 1. Buch Mose 28,12): „Und er träumte, und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze reichte bis zum Himmel. Und siehe, Engel Gottes stiegen auf ihr auf und nieder.“ Wir müssen verstehen, worauf es uns hinweist, dass die Leiter schräg stehen muss – so, wie wir es bei uns sehen: Wenn die Leiter senkrecht steht, ist es unmöglich, sie zu besteigen. So zitiert Rashi die Auslegung unserer Weisen mit folgenden Worten: „Es sagte Rabbi Elasar im Namen von Rabbi Jossi ben Simra: ‚Diese Leiter steht in Beer Scheva, und die Mitte ihrer Neigung reicht dem Tempel gegenüber.‘“ Das heißt, die Leiter muss in ihrer Neigung stehen. Worauf weist uns das in der Arbeit hin? Ebenso müssen wir die Frage der Kommentatoren verstehen: Warum steht geschrieben „Engel Gottes steigen auf“ und danach „nieder“? Es hätte umgekehrt geschrieben werden müssen.

Um all dies zu verstehen, müssen wir zunächst begreifen, worin in der Schöpfung überhaupt die Arbeit besteht, die uns mit dem Einhalten von Tora und Mizwot gegeben wurde. Das Ziel der Schöpfung war doch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Wenn dem so ist, wozu brauchen wir dann diese Arbeit, wie geschrieben steht: „Hast du dich angestrengt und gefunden – glaube; hast du dich nicht angestrengt, aber gefunden – glaube nicht.“ Wozu brauche ich diese Anstrengung, und was fügt sie uns in Bezug auf das Ziel der Schöpfung hinzu, das darin besteht, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“?

Doch nach dem, was im Buch „Ez Chaim“ (an seinem Anfang) geschrieben steht: „Um die Vollkommenheit Seiner Handlungen ans Licht zu bringen, geschah die Korrektur des Zimzum.“ Das heißt, es entstand eine Verhüllung und Verborgenheit am Ort von Malchut, die „Empfangende mit der Absicht zu empfangen“ genannt wird. Und am Ort des Verlangens zu empfangen, das Awiut (Grobheit) genannt wird, entstand die Korrektur des Massach (Schirm). Ihre Bedeutung ist, nicht mehr zu empfangen, als man mit der Absicht zu geben ausrichten kann. Das hat uns die Arbeit verursacht, und deshalb sagten die Weisen gerade: „Hast du dich angestrengt und gefunden – glaube.“

Und was ist die Anstrengung? Da der Mensch von Natur aus mit dem Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen erschaffen wurde, und da auf diesem Kli (Gefäß) ein Zimzum und eine Verborgenheit geschah, der Mensch aber mit der Absicht zu geben arbeiten muss, und da dies der Natur widerspricht, deshalb ist dies eine Anstrengung, denn diese Arbeit ist schwer. Wenn also jemand sagt, dass er dem Schöpfer dient und keinerlei Anstrengung spürt, dann ist das gewiss deshalb, weil er zum eigenen Nutzen arbeitet und nicht zum Nutzen des Schöpfers. Denn wer zum Nutzen des Schöpfers arbeitet, bei dem ist es ein Zeichen, dass der Körper, der „Verlangen zu empfangen“ genannt wird, sich dem widersetzt. Und deshalb ist es so schwer, aus eigener Kraft mit der Absicht des Gebens zu arbeiten, sodass man der Hilfe des Schöpfers bedarf. Darüber sagten sie: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag, und würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden.“ Es zeigt sich, dass das, was man zum Nutzen des Schöpfers arbeiten muss, Arbeit genannt wird.

Dass man zum Nutzen des Schöpfers arbeiten muss, ist nicht wirklich zum Nutzen des Schöpfers, als ob der Schöpfer die Arbeit des Menschen bräuchte. Vielmehr gehört dies, wie gesagt, zur Vollkommenheit Seiner Handlungen. Das heißt, dadurch, dass der Mensch zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen arbeitet, wird der Mensch fähig, das Gute und den Genuss ohne jede Scham zu empfangen, was Nahama deKisufa (Brot der Scham) genannt wird, da er mit der Absicht zu geben empfängt und nicht für sich selbst.

In der Ordnung der Arbeit jedoch, in der der Mensch die Stufe der Anhaftung (Dwekut) erreichen muss, wie geschrieben steht „und an Ihn anzuhaften“, kann der Mensch nicht auf einem Bein aufsteigen. Vielmehr braucht er zwei Beine, das rechte und das linke. So sagten unsere Weisen (Sota 47): „Die Linke soll immer wegstoßen und die Rechte heranziehen.“ Dies ist so auszulegen: Einerseits muss der Mensch sehen, dass er vom Schöpfer weggestoßen und entfernt wird, das heißt sehen, wie weit er von der Anhaftung an den Schöpfer, die „geben“ genannt wird, entfernt ist und in Eigenliebe versunken ist.

Je mehr er sich in der Arbeit des Gebens überwinden will, desto mehr sieht er, dass er rückwärts geht, das heißt, dass das Böse in ihm jeden Tag in größerem Maß stärker wird, bis er zu der Entscheidung gelangt, dass es keine Möglichkeit gibt, dass je ein Zustand eintritt, in dem er sich von der Eigenliebe befreien könnte. Und er sagt: Wenn der Schöpfer ihm nicht hilft, ist er verloren. Und er sagt: Jetzt muss ich nicht glauben, dass der Schöpfer hilft – vielmehr wird er, wenn er der Anhaftung an den Schöpfer würdig wird, sagen, dass er innerhalb des Verstandes sieht, dass der Schöpfer ihm geholfen hat.

Wie geschrieben steht (Psalm 127): „Wenn der Ewige nicht das Haus baut, mühen sich seine Erbauer vergeblich daran.“ Und er kann nichts tun, als den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm hilft, aus der Herrschaft des Verlangens zu empfangen herauszukommen. Und manchmal hat er nicht einmal die Kraft, den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm hilft. Und das wird „linkes Bein“ genannt, wenn er auf einem Weg geht, auf dem er sieht, wie er voller Schäden und Mängel ist. Und bekanntlich wird in der Arbeit „links“ das genannt, was der Korrektur bedarf. Und das wird „Die Linke soll immer wegstoßen“ genannt.

Das zweite Bein wird „rechts“ genannt, denn etwas, das keiner Korrektur bedarf, wird in der Arbeit „rechts“ genannt. Das heißt, der Mensch muss wissen, welch großes Verdienst er hat, dass er würdig wurde, zu denen zu gehören, die dem König dienen. Das heißt, er muss glauben: Wenn er ein wenig Zeit von seiner Arbeit, die er für die eigenen Bedürfnisse aufbringt, abzweigen kann, um sich mit Tora und Mizwot zu befassen – was Arbeit für den Schöpfer genannt wird –, so sagt er nicht, dass dies aus eigener Kraft geschieht, weil er die heilige Arbeit verrichten will, sondern der Schöpfer gab ihm Gedanke und Verlangen, sodass er ein wenig Halt an Tora und Mizwot hat. Und er freut sich darüber, dass er ein wenig würdig ist, dem König zu dienen.

Er dankt dem Schöpfer dafür, denn er sieht, dass es viele Menschen auf der Welt gibt, die kein solches Verdienst haben. Und er fühlt, wie nahe er dem Schöpfer ist. Das ist es, was geschrieben steht: „und ziehe die Rechte heran“, das heißt, dass das rechte Bein dies ist, dass er sich dem Schöpfer nahe fühlt.

Denn gerade durch die zwei Beine kann man höher und höher gehen und zum Palast des Königs gelangen. Und damit können wir auslegen, was geschrieben steht: „Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze reichte bis zum Himmel.“ Das bedeutet, dass die Leiter, durch die man hinauf zum Palast des Königs steigt, dort zwei Enden hat:

a. „Eine Leiter war auf die Erde gestellt“ – das ist der Aspekt der linken Linie, die „auf die Erde“ genannt wird, denn der Mensch muss sehen, wie er in der Irdischkeit liegt, dass er in Eigenliebe versunken ist, wie gesagt, was der Aspekt von „die Linke stößt weg“ ist. Dann gibt es Raum, aus der Tiefe des Herzens zu beten, denn dann blickt der Mensch innerhalb seines Verstandes, wie er nichts zum Nutzen des Schöpfers tun kann, und nur der Schöpfer kann ihn aus der Herrschaft des Bösen in ihm herausführen. Und darüber wurde gesagt: „Würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden.“

b. Wie geschrieben steht: „und ihre Spitze reichte bis zum Himmel“ – und das andere Ende der Leiter ist im Himmel, als hätte er die vollständige Vollkommenheit, weil er sich seines Anteils freut, dadurch, dass er ein wenig Berührung mit der Arbeit für den Schöpfer hat. Und er fühlt sich dadurch glücklich, denn dies ist ein großes Verdienst, dass er würdig wurde, dem König zu dienen und mit Ihm zu sprechen – sogar ein einziger Augenblick am Tag genügt ihm, dass er gehobene Stimmung hat. Und dafür dankt er dem König und preist Ihn.

Demnach zeigt sich, dass diese Leiter, auf der man zum Palast des Königs hinaufsteigt, schräg steht. Das heißt, dass das „Unten“ an der Leiter, das die „auf die Erde gestellte Leiter“ ist, nicht ein wirkliches Unten ist, wie bei einer Leiter, die senkrecht steht, die man nicht besteigen kann, so wie wir es in der Materialität sehen. Das zeigt, dass sogar in der Materialität die Leiter in der Neigung stehen muss. Und die Neigung zeigt, dass „oben“ nicht ein wirkliches Oben ist.

Auch „unten“ ist nicht ein wirkliches Unten, sondern wie gesagt. Das heißt, zu der Zeit, da „ihre Spitze bis zum Himmel reicht“, da er in der rechten Linie geht, die der Aspekt der Vollkommenheit ist, ist das noch nicht alles, sondern er muss ebenso im Aspekt „auf die Erde“ gehen, nämlich sehen, dass er sich noch auf der Erde befindet. Und wenn er im Aspekt „auf die Erde“ geht, der der Aspekt der Linken ist, muss er ebenso wissen, dass er in der Rechten gehen muss, was „und ihre Spitze reichte bis zum Himmel“ genannt wird. Das heißt, obwohl es zwei einander entgegengesetzte und widersprüchliche Dinge sind, sind sie dennoch nicht so weit voneinander entfernt, dass es ein großer Abstand wäre, von einem Ende zum anderen zu gehen. Das heißt, man muss in zwei Linien gehen. Und das wird Neigung genannt. Das ist wie gesagt, denn das zeigt, dass man in zwei Linien gehen muss.

Dies geht aus der Korrektur hervor, die Zimzum Bet (Zweiter Zimzum) genannt wird und die das Wesen der Verbindung der Eigenschaft der Barmherzigkeit mit dem Urteil ist. So sagten unsere Weisen: „Zuerst erschuf Er die Welt mit der Eigenschaft des Urteils, die ‚gerade Linie‘ genannt wird, in der es ein Oben und Unten gibt. ‚Oben‘ wird ‚höher an Bedeutung‘ genannt, das der reinste Aspekt ist, der ‚Sefira Keter‘ genannt wird, die die reinste ist, in der es keinen Mangel gibt. Und ‚Unten‘ wird genannt, was niedriger an Bedeutung ist, das das gröbste ist und ‚Sefira Malchut‘ genannt wird, die das Verlangen zu empfangen ist. Und Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann, da stand Er auf und verband mit ihr die Eigenschaft der Barmherzigkeit.“ Da Malchut der Eigenschaft des Urteils, die „Verlangen zu empfangen“ genannt wird, die Wurzel der Geschöpfe ist, war es schwer, sie in die Absicht zu geben umzuwandeln, was „die Welt kann nicht bestehen“ genannt wird.

So sagt er in der „Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Ot 58) mit folgenden Worten: „Und Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann, denn auf diese Weise gäbe es für den Menschen, der aus diesem Bchina Dalet (vierte Phase) erschaffen werden sollte, keinerlei Möglichkeit, sich Handlungen des Gebens anzueignen. Deshalb stellte Er die Eigenschaft der Barmherzigkeit voran und verband sie mit der Eigenschaft des Urteils. Und der Emanierende erhob die Eigenschaft des Urteils, die die Kraft des Abschlusses ist, die in der Sefira Malchut geschieht, und erhob sie zu Bina, die die Eigenschaft der Barmherzigkeit ist. Und Er verband sie miteinander, das eine mit dem anderen, wodurch eine Eignung für den Körper des Menschen geschaffen wurde, der aus Bchina Dalet hervorgeht, dass er auch von der Eigenschaft des Gebens umfasst sei.“

Es zeigt sich, dass gerade durch den Aufstieg von Malchut zu Bina die Welt bestehen kann. Und den Aufstieg von Malchut zu Bina nennt der heilige ARI mit dem Namen „schräge Linie“. Und er sagte, dies ist das Geheimnis dessen, was geschrieben steht (im Talmud Esser haSefirot, Teil 6, Blatt 401) mit folgenden Worten: „Und siehe, nachdem der Zimzum selbst eine Parsa (Trennwand) gesetzt hat. Und dies ist das Geheimnis von ‚Es werde ein Firmament inmitten der Wasser, und es scheide zwischen Wasser und Wasser.‘“

Denn dies ist das Geheimnis des Alef, dass die Linie des Alef schräg ist, wie er sagt (im Talmud Esser haSefirot, Blatt 463) mit folgenden Worten: „Denn die Verbindung der zwei Punkte im Zimzum ist die Linie des Alef, wie diese. Und der oberste Aspekt jeder Stufe ist ein Jud, das über der Linie oben steht und Keter und Chochma der Stufe einschließt, im Geheimnis der oberen Wasser, wie dieses Jud.“ Somit wird die Verbindung der Eigenschaft der Barmherzigkeit mit dem Urteil „schräg“ genannt. Und dies ist die Wurzel dafür, dass auch im materiellen Zweig die Leiter – der Aspekt, mittels dessen man aufsteigt – nur dann eine Leiter ist, wenn sie schräg steht, was der Aspekt des Zimzum Bet ist. Im Unterschied dazu kann eine Leiter, die senkrecht steht und der Aspekt der Eigenschaft des Urteils ist, nicht bestehen.

Man muss jedoch von den zwei Enden wissen, dass sie der Aspekt von „zwei Schriftworten, die einander widersprechen, bis das dritte Schriftwort kommt und zwischen ihnen entscheidet“ sind. Die Auslegung ist, dass man die zwei Linien braucht, denn durch beide gelangt man zur mittleren Linie. Denn es kann keine mittlere Linie geben, wenn vor ihr nicht zwei Linien sind. Deshalb kann man zu der Zeit, da es einen Streit gibt, sagen, dass „das Dritte kommt und zwischen ihnen entscheidet und Frieden stiftet“. Im Unterschied dazu gibt es, wenn es keinen Streit gibt, keinen Bedarf, Frieden zu stiften. Das heißt, wenn wir den Aspekt des Friedens brauchen, dann müssen wir zuerst einen Streit hervorbringen, sonst gibt es keinen Raum für Frieden.

Die Frage ist jedoch: Wozu brauchen wir den Frieden? Es wäre doch besser, wie wir meinen, wenn es keinen Streit gäbe und wir keinen Frieden bräuchten – so verlangt es die Vernunft.

Die Antwort ist: Da diese zwei Gegensätze in unserer Natur in uns sind, zeigt sich demnach, dass der Streit etwas Wirkliches ist, denn die Natur hat uns so gemacht. Das bedeutet: Vom Ziel der Schöpfung her ist in uns eine Natur, dass der Schöpfer uns das Verlangen gab, Freude und Genuss zu empfangen. Und von der Korrektur der Schöpfung her müssen wir in die entgegengesetzte Richtung gehen, nämlich zu geben, nach dem Vorbild des Schöpfers: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“

Wenn dem so ist, dann sind diese zwei Enden in uns vorhanden. Und das, was wir sagen, dass man einen Streit erzeugen muss, ist wie das, was unsere Weisen sagten: „Immer reize der Mensch den guten Trieb gegen den bösen Trieb auf.“ Und wie Rashi erklärte: „dass er mit ihm Krieg führe“. Die Absicht ist, dass er das Böse in sich enthülle. Und es ist nicht so, dass der Streit das Böse erst erzeugt und daraus dann der Streit entstünde; vielmehr ist das Böse im Menschen verborgen. Und wenn dorthin das Licht der Heiligkeit (Kedusha) eintritt, erwacht sofort das Verlangen zu empfangen, das in ihm ist, und es empfängt alles im Empfangen für sich selbst. Und das geht sofort auf die Seite der Unreinheit (Tuma) und der Schalen (Klipot) über.

Deshalb muss man Krieg führen, damit dadurch das Böse aus seinem Versteck herauskommt und mit dem guten Trieb kämpft.

Es zeigt sich, dass es gerade durch den Krieg enthüllt wird, da es mit dem guten Trieb kämpfen will. Und wenn es sich in seiner wahren Gestalt enthüllt, dann sieht der Mensch, wie es ein „hoher Berg“ ist. Und dann gelangt er zu der Erkenntnis, dass es keinen anderen Rat gibt, als den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm hilft, das Böse zu unterwerfen, und dass er die Fähigkeit hat, nur mit der Absicht des Gebens zu arbeiten.

Damit verstehen wir die Auslegung von „zwei Schriftworten, die einander widersprechen, bis das dritte Schriftwort kommt und zwischen ihnen entscheidet“. Denn das Wesen der zwei Enden der Leiter zeigt, dass sie einander entgegengesetzt sind. Denn einerseits ist sie „auf die Erde gestellt“, was auf die Niedrigkeit hinweist, dass er innerhalb des Verstandes sieht, wie er vom Schöpfer entfernt ist, da er in Eigenliebe versunken ist, was ein Formunterschied ist.

Von der anderen Seite „und ihre Spitze reichte bis zum Himmel“, als hätte er die vollständige Vollkommenheit, dass er sich seines Anteils freut und sich freut, als wäre er nur im Himmel und hätte keinerlei Verbindung zur Irdischkeit, was „die Leiter steht in ihrer Neigung“ genannt wird. Das ist es, was geschrieben steht: „zwei Schriftworte, die einander widersprechen, bis das dritte Schriftwort kommt und zwischen ihnen entscheidet“.

Dies ist die mittlere Linie. Das heißt, dass diese zwei Linien das dritte Schriftwort hervorbringen, das der Schöpfer ist, der „mittlere Linie“ genannt wird. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten (Nida 31a): „Drei Partner sind am Menschen beteiligt: der Schöpfer, sein Vater und seine Mutter. Sein Vater gibt das Weiße, seine Mutter gibt das Rote, und der Schöpfer gibt in ihn Geist und Seele.“

Dies ist so auszulegen: „sein Vater gibt das Weiße“ – dass der Vater der erste Aspekt in der Arbeit ist, der der Aspekt der rechten Linie ist, nämlich Vollkommenheit. Der zweite ist die linke Linie, nämlich der Aspekt des Mangels wie gesagt, was „sie gibt das Rote“ genannt wird, das der Aspekt des Mangels ist. Und der Schöpfer gibt dann die Seele und den Geist, denn dann gewährt der Schöpfer ihm die nötige Hilfe, wie es im Sohar heißt: „dass sie ihm mit der heiligen Seele beistehen“. Und das wird „der Schöpfer gibt den Geist und die Seele“ genannt. Und damit ist auszulegen, was Rashi sagt: „Die Leiter steht in Beer Scheva, und die Mitte ihrer Neigung reicht dem Tempel gegenüber.“ Das ist wie gesagt: Die Mitte, nämlich die mittlere Linie, ist dem Tempel gegenüber, der der Aspekt des Schöpfers ist.

Mit dem Gesagten lässt sich erklären, warum geschrieben steht „Und siehe, Engel Gottes steigen auf“ und danach „nieder“. Es hätte umgekehrt geschrieben werden müssen, zuerst „nieder“ und danach „auf“. Es ist im Sinne der spirituellen Arbeit so zu erklären: Da jene Menschen, die zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen arbeiten wollen, „Engel Gottes“ genannt werden. Das heißt, dass sie in diese Welt im Auftrag Gottes kamen, nämlich um für Gott zu arbeiten.

So sagten unsere Weisen (Sukka 72): „Wir sind Boten einer Mizwa.“ Und Rashi erklärte dort: Da sie gingen, um das Oberhaupt des Exils zu begrüßen, weil der Mensch verpflichtet ist, seinen Rav am Wallfahrtsfest zu begrüßen – das heißt: Wir, die wir uns mit Mizwot befassen, sind „Boten einer Mizwa“, und das bedeutet „Boten des Gebietenden“. Das heißt, sie kamen in die Welt, um Boten des Schöpfers zu sein, denn alle müssen all das tun und einhalten, was der Schöpfer zu tun geboten hat. Das bedeutet, wie geschrieben steht: „was Gott erschaffen hat, um zu tun“, wie im Sulam (Leiter-Kommentar, in der „Einführung in das Buch Sohar“) erläutert wird: dass das Wesen von „erschaffen“ der Aspekt von „Sein aus Nichts“ ist, womit das Verlangen zu empfangen gemeint ist, das von der Seite des Schöpfers kommt. „Tun“ – das gehört zu den Geschöpfen, nämlich dass sie zum Nutzen des Schöpfers arbeiten müssen. Es zeigt sich, dass jene Menschen, die zum Nutzen des Schöpfers arbeiten, „Engel des Schöpfers“ genannt werden, wie gesagt „Boten des Schöpfers“.

Damit lässt sich auslegen, was geschrieben steht (Moed Katan 17a): „Wenn der Rav einem Engel des Schöpfers gleicht, sollen sie Tora aus seinem Mund erbitten. Und wenn nicht, sollen sie nicht Tora aus seinem Mund erbitten.“ Und sie fragen dazu: Muss denn jemand, der bei einem Rav Tora lernen will, zuerst einen Engel des Schöpfers sehen, und danach, nachdem er bereits die Gestalt eines Engels des Schöpfers gesehen hat, ist dann die Zeit, dass er einen Rav suche, der einem Engel des Schöpfers gleicht?

Nach dem Gesagten ist auszulegen: Wenn der Rav die Schüler die Arbeit lehrt, die mit der Absicht zu geben sein soll – das heißt, wozu der Mensch in diese Welt gekommen ist, nämlich den Auftrag des Schöpfers zu erfüllen, dass er zum Nutzen des Schöpfers arbeite –, dann zeigt sich, dass der Mensch ein Bote des Schöpfers ist und nicht ein Hausherr in dieser Welt, sondern dass er ein Knecht des Schöpfers ist; denn „Bote des Schöpfers“ bedeutet „Engel des Schöpfers“. Und das ist die Auslegung: „Wenn der Rav einem Engel des Schöpfers gleicht, sollen sie Tora aus seinem Mund erbitten.“

Aus dem Gesagten verstehen wir, warum zuerst geschrieben steht „Und siehe, Engel Gottes steigen auf“. Der Grund ist, dass man im Sinne der spirituellen Arbeit, um ein Engel des Schöpfers zu sein, nämlich um zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten, zuerst die Leiter hinaufsteigen muss, was der Aspekt der Rechten genannt wird, der „und ihre Spitze reichte bis zum Himmel“ heißt. Und danach hinabsteigen, was der Aspekt der Linken ist, was „auf die Erde gestellt“ ist. Und danach noch einmal, was „auf und nieder steigen“ genannt wird. Und danach wird man der mittleren Linie würdig, nämlich dass der Schöpfer die Seele gibt. Und dann wird man der Anhaftung an den Schöpfer würdig.

 

Zusammenfassung:

Der Artikels von Rabash, „Was bedeutet es, dass die Leiter in der Arbeit schräg steht?“, befasst sich mit der spirituellen Interpretation der biblischen Geschichte von Jakobs Leiter und beginnt mit der Erörterung der Frage, warum die Leiter schräg stehen muss, und was dies für die spirituelle Arbeit bedeutet. Dies wird anhand der Geschichte von Jakobs Traum und der darin vorkommenden Leiter, die vom Himmel zur Erde reicht und von Engeln bestiegen wird, veranschaulicht.

Rabash erklärt, dass die menschliche Existenz und spirituelle Arbeit einen ständigen Kampf zwischen dem Streben nach Selbstinteresse (Eigenliebe) und dem Wunsch, im Sinne des Gebens zu handeln, darstellen. Diese Arbeit wird als notwendig für die Erfüllung des Schöpfungszwecks angesehen, nämlich Gutes zu tun. Der Artikel betont die Bedeutung von Anstrengung und der Notwendigkeit der Hilfe des Schöpfers, um das eigene Selbstinteresse zu überwinden.

Es wird die Vorstellung von zwei „Beinen“ oder Wegen in der spirituellen Arbeit vorgestellt: das linke Bein, das den Mangel und die Entfernung vom Schöpfer repräsentiert, und das rechte Bein, das die Annäherung an den Schöpfer und die Freude am Dienst für ihn symbolisiert. Rabash betont, dass beide Wege notwendig sind, um spirituell voranzukommen.

Der Artikel geht weiter darauf ein, wie diese beiden Wege durch eine „mittlere Linie“ verbunden werden, die die Integration von Geben und Empfangen symbolisiert. Diese mittlere Linie wird als Weg gesehen, der es dem Menschen ermöglicht, gleichzeitig die eigene Unzulänglichkeit und die Nähe zum Schöpfer zu erkennen und anzunehmen.

Schließlich wird erläutert, warum die Engel in Jakobs Traum zuerst aufsteigen und dann absteigen. Dies wird als Symbol dafür interpretiert, dass Menschen, die im Sinne des Schöpfers handeln wollen, beide Aspekte der spirituellen Arbeit durchlaufen müssen – sowohl das Streben nach persönlicher Vollkommenheit (Aufsteigen) als auch die Anerkennung der eigenen Unzulänglichkeit (Absteigen) –, um eine tiefere Verbindung mit dem Göttlichen zu erreichen.

korrOp, EY, 10.08.2026, 02:50 Uhr, Ver4