1989/11 Welche Kräfte sind in der Arbeit erforderlich?
Unsere Weisen sagten1, und dies sind ihre Worte: „Und Rabbi Yizchak sagte: Wenn jemand zu dir sagt: ‚Ich habe mich angestrengt und nicht gefunden‘, glaube nicht. ‚Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden‘, glaube nicht. ‚Ich habe mich angestrengt und gefunden‘, glaube.“ Man muss verstehen, was es mit dem „glauben“ auf sich hat. Sprechen wir hier denn von Menschen, die Lügen erzählen? Es ist doch von Menschen die Rede, die sich mit der Tora beschäftigen, und sicherlich sind das anständige Menschen. Warum sollte man denken, dass sie lügen? Was hat es also mit dem „glaube“ oder „glaube nicht“ auf sich?
Um das zu verstehen, muss man zuerst wissen, was Anstrengung ist. Wir haben schon oft darüber gesprochen, dass man von Anstrengung spricht, wenn ein Mensch Handlungen vollziehen muss, die gegen die Natur sind. Das heißt: Wir wurden mit dem Verlangen geboren, für uns selbst zu empfangen. Damit aber Anhaftung (Dwekut) und Angleichung der Form entstehen – denn gerade dadurch gibt es die Möglichkeit, Gutes und Genuss zu empfangen, ohne dass es Scham gibt –, wurde eine Korrektur eingerichtet: dass man alles um des Gebens willen tun muss. Andernfalls befinden wir uns in einem leeren, lichtlosen Raum, was „Verhüllung und Verborgenheit“ genannt wird, wo man keinerlei Heiligkeit spürt, solange man mit der Selbstliebe beschäftigt ist.
Wenn man daher beginnt, um des Gebens willen zu arbeiten, was gegen die Natur ist, dann wird das „Anstrengung“ genannt, weil der Körper sich dagegen wehrt. Denn gegen jede Bewegung, von der der Körper nicht sieht, dass sie zu seinem eigenen Nutzen ist, wehrt er sich mit aller Macht. Um ihn zu überwinden, braucht man große Kräfte. Hier beginnt die eigentliche Arbeit, von der gesagt wurde: „Ich habe mich angestrengt“ oder „Ich habe mich nicht angestrengt“.
Dazu haben wir gefragt: Wie lässt sich sagen, dass man – wenn Menschen kommen und sagen: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden“ – „nicht glauben“ soll? Es ist doch von Menschen die Rede, die bereits den Zustand des „Gefunden“ erlangt haben. Und sicherlich sind das anständige Menschen. Es lässt sich nicht sagen, dass sie lügen. Wie lässt sich dann zu ihnen sagen „glaube nicht“, als ob sie lügen würden? Die Wahrheit ist vielmehr, dass sie sehr wohl Anstrengung aufgewendet haben. Warum aber sagen sie dann, dass sie keine Anstrengung aufgewendet haben, wenn sie sagen: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden“?
Die Antwort ist wie gesagt: Wenn ein Mensch beginnt, in die Arbeit des Gebens einzutreten, dann beginnt der Körper, sich zu wehren. Und der Mensch beginnt, die Heilmittel der Tora und der Mizwot anzuwenden, um die Kraft zu haben, das Böse in sich zu überwinden. Doch bei der Hilfe, die er von der Tora und den Mizwot empfangen soll, sieht er das Gegenteil. Er hatte gedacht, dass er jedes Mal einen Schritt vorankommen und spüren würde, dass es sich nicht lohnt, für die Selbstliebe zu arbeiten. Er denkt, nun sei die Zeit gekommen, da das Böse ihm unterworfen sein wird. Und er glaubt, dieses Gefühl sei ihm gewiss von oben gegeben worden und er werde von diesem Tag an gewiss keinerlei Verbindung mehr mit dem Bösen haben.
Plötzlich sieht er, dass er sich erneut in tiefster Niedrigkeit befindet, dass er in die Selbstliebe versunken ist und erneut die Verborgenheit und Verhüllung vor dem Schöpfungsziel spürt, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und obwohl er glaubt, dass man, um dessen würdig zu werden, zuerst der Liebe zum Schöpfer würdig werden muss, sieht er doch nur, wie er sich selbst liebt. Sich aber vor dem Schöpfer zu annullieren und zu sagen, dass es keine andere Herrschaft in der Welt gibt, sondern dass alles dem Schöpfer gehört und der Untere nicht nennenswert ist – damit vermag sich der Mensch nicht abzufinden.
Wenn ihm daher der Gedanke kommt, sich vor dem Schöpfer zu annullieren, stellt sich der Körper gegen ihn und gibt ihm zu verstehen: Wie willst du dich vor dem Schöpfer annullieren, sodass du keinerlei eigene Wirklichkeit für dich hast, sondern es nur das alleinige Reich des Schöpfers gibt und du nicht nennenswert sein willst? Das ist doch gegen die Natur, denn der Mensch will, solange er lebt, bestehen und sein eigenes Dasein spüren. Wie sagt man ihm da, dass er sich vor dem Schöpfer annullieren und sein Dasein verlieren soll?
Dann sagt der Körper, dass er damit nicht einverstanden ist. Und das wird der Zustand des „Exils“ genannt. Das heißt, dass die „Völker der Welt“ im Menschen über den Aspekt „Israel“ in ihm herrschen. Bekanntlich bedeutet „Israel“ Yashar-El [direkt zu Gott]. Das heißt, dass der Mensch keine eigene Wirklichkeit für sich sein will, sondern sich direkt zu Gott annullieren will. So war es im Exil in Ägypten: Die Ägypter herrschten über das Volk Israel, und es konnte sich nicht aus ihrer Herrschaft befreien, sondern nur so, wie geschrieben steht: „Ich bin der Ewige, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten herausgeführt hat.“ Das heißt, es ist nicht möglich, dass der Mensch von sich aus die Kraft hätte, sich zu überwinden und sich aus der Herrschaft des Körpers zu befreien, sondern nur der Schöpfer selbst, in eigener Person, kann ihn aus diesem Exil erlösen.
Nun erhebt sich die Frage: Wenn ein Mensch viel Anstrengung investiert hat und Zustände vieler Aufstiege und vieler Abstiege durchlebt hat, und oft so weit kam, dass er in Verzweiflung geriet, das heißt, dass er zu dem Entschluss gelangte, dass die Sache „all deine Handlungen seien um des Himmels willen“ nichts für ihn ist, sondern dass sie zu Menschen mit außergewöhnlichen Begabungen und zu kraftvollen Menschen gehört, die beherzt sind.
Aber er selbst ist nicht imstande, dazu zu gelangen. Und er hat bereits beschlossen, dass er diesen Kampfplatz verlassen muss. Danach aber empfing er erneut eine Erweckung von oben, und zwar so sehr, dass er bereits vergaß, was er vor dem jetzigen Zustand beschlossen hatte. Und er sagte: Jetzt sehe ich, dass ich bereits wieder im Sattel sitze, dass auch ich zu einem Zustand des Gebens gelangen und aus der Selbstliebe herauskommen kann. Plötzlich fällt er erneut von seiner Stufe herab.
Dazu kommt das Vergessen. Das heißt, dass er bereits vergessen hat, was er zuvor gesagt hat, dass er sehr wohl zur Arbeit des Gebens gelangen kann. Und es kam ihm nicht in den Sinn, dass es noch eine Zeit geben würde, in der er von seiner Stufe fallen würde. Vielmehr war er sich sicher, dass er nun vorwärtskommen würde; und nun sieht er, dass es nicht so ist, wie er gedacht hatte. Solche Gedanken und Zustände erlebt er ohne Ende.
Aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Schöpfer selbst ihm hilft und ihn aus dem Exil herausführt, dann weiß er nicht, was er sagen soll, sondern er sieht, dass einerseits all die Anstrengungen, die er aufgewendet hat, keine Frucht getragen haben. Andererseits sieht er innerhalb des Verstandes, dass er den Kampfplatz bereits verlassen hätte, wenn der Schöpfer ihm nicht geholfen hätte. Denn er hatte oft solche Gedanken. Also kann er nicht sagen: „Ich habe mich angestrengt und gefunden.“ Er sieht doch, dass er mit der Anstrengung nichts gewonnen hat. Und dass er den Zustand des „Gefunden“ erlangt hat, lag allein an der Rettung durch den Schöpfer. Deshalb kommt er und sagt: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden.“ Das heißt, die Anstrengung, die er aufgewendet hat, macht keinen Unterschied.
Nun verstehen wir die Frage: Wie können wir ihn verdächtigen, dass er Lüge spricht? Nach dem Gesagten ist es einfach. Er sagt, was er sieht. Und er sieht, dass ihm seine ganze Anstrengung überhaupt nicht geholfen hat. Deshalb erhebt er eine wahre Behauptung: „Ich habe mich nicht angestrengt.“ Das heißt, was das Erreichen des Ziels betrifft, hat er nichts getan. Das heißt, dass er von all der Anstrengung, die er aufgewendet hat, in einem Zustand der Niedrigkeit geblieben ist, der noch niedriger ist als die Niedrigkeit, die er zu Beginn der Arbeit gespürt hatte. Denn als er die Arbeit des Gebens begann, dachte er, dass er ein wenig Böses habe und sicherlich die Kraft haben werde, es zu überwinden, und dass es in seiner Hand liege, in der Arbeit des Gebens zu arbeiten und nicht für sich selbst zu empfangen.
Was hat er von der Arbeit und Anstrengung gewonnen, die er investiert hat? Dass er zur tiefsten Niedrigkeit gelangt ist, die ihresgleichen sucht. Wie kann er also sagen: „Ich habe mich angestrengt und gefunden“? Die Anstrengung hat ihn doch dazu gebracht, dass er mehr Böses erlangt hat, und nicht, dass er die Heiligkeit fände und in die Heiligkeit einträte. Also weiß er, dass er eine wahre Behauptung erhebt. Das heißt, dass die Anstrengung nichts wert ist. Also ist die Anstrengung gewiss nicht die Ursache für das Erlangen des Fundes. Deshalb sagt er: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden.“ Und er spricht keine Lüge nach dem, was seine Augen sehen.
Nun ist zu fragen: Warum sagen sie „glaube nicht“? Er sagt doch die Wahrheit. Was also finden wir in seinen Worten, das nicht wahr ist, sodass die Weisen aus diesem Grund sagten „glaube nicht“?
Es gilt jedoch die Regel: „Es gibt kein Licht ohne Gefäß.“ Das heißt: „Es kann keine Füllung ohne Mangel geben.“ Wenn der Mensch daher Anstrengung aufwendet und Kräfte investiert, um dazu zu gelangen, dem Schöpfer ein Gebender zu sein, dann erwacht in ihm der Mangel an der Füllung umso stärker, je mehr Kräfte er investiert. Das heißt, in dem Maße, in dem er sich anstrengt, um zur Stufe des Gebens zu gelangen, sieht er, dass er weit davon entfernt ist.
Wer gibt ihm zu verstehen, dass er weit davon entfernt ist, ein Gebender zu sein? Es ist die Arbeit selbst. Und das gleicht einem Menschen, der einen Dieb gefasst hat, und der Dieb will ihm entkommen. Wenn der Mensch den Dieb daher festhält und der Dieb nicht viel Widerstand zeigt, muss der Mensch keine großen Kräfte aufwenden, um den Dieb festzuhalten. Und wenn der Dieb beginnt, größeren Widerstand zu zeigen, dann muss auch der Mensch mehr Kräfte aufwenden, damit ihm der Dieb nicht unter den Händen entkommt. Und wenn der Dieb größere Kräfte zeigt, als der Mensch hat, und er sieht, dass er ihm gleich entkommen wird, beginnt der Mensch um Hilfe zu schreien und ruft: „Rettet!“
Wann also schreit der Mensch um Hilfe? Gerade dort, wo der Mensch sich nicht aus eigener Kraft retten kann, dort beginnt er zu schreien: „Rettet!“ Wenn dagegen der Dieb ein kleines Kind ist und der Mensch es an der Hand gefasst hat, ist es nicht die Art der Welt, dass er schreit: „Rettet und helft mir, damit mir das diebische Kind nicht entkommt, denn ich habe nicht die Kraft, es festzuhalten, da es mir entkommen will.“
Denn sicherlich würden alle über ihn lachen, weil es nicht die Art der Welt ist, dort um Hilfe zu bitten, wo der Mensch die Sache selbst ohne irgendeine Hilfe von jemandem tun kann. Der Grund dafür ist die Ordnung der Welt: „Es gibt keine Füllung ohne Mangel.“ Da er daher kein Bedürfnis und keinen Mangel an Hilfe hat, lachen alle über ihn, wenn er ohne Bedürfnis um Hilfe bittet, weil das nicht in der Ordnung der Korrektur der Schöpfung liegt.
Daraus ergibt sich: Wenn ein Mensch nicht auf die Geschöpfe angewiesen ist und seinen Lebensunterhalt hat, aber um Hilfe und Unterstützung für seinen Lebensunterhalt bittet, lacht der, der es sieht, über ihn, obwohl er dasteht und um Hilfe bittet. Und wir sehen: In dem Maße, in dem er dasteht und fleht, dass man Erbarmen mit ihm habe, lachen die Menschen, die wissen, dass er nicht bedürftig ist, über ihn und geben ihm nichts.
Aus dem Gesagten verstehen wir, warum die Weisen, wenn er sagt „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden“, sagten „glaube nicht“. Wie wir erklärt haben, erhebt er eine wahre Behauptung. Doch es gilt: „Man gibt keine Füllung ohne Mangel.“ Und deshalb ist der Mensch gezwungen, zu arbeiten und Anstrengung zu investieren und alle Heilmittel zu tun, um zu der Stufe zu gelangen, dass all deine Handlungen um des Himmels willen seien. Und je nach der Anstrengung, die er in die Arbeit eingebracht hat, in eben diesem Maß wird er bedürftiger des Schöpfers, dass Er ihm helfe. Und dann, wenn er ein Gefäß hat, das heißt das Bedürfnis, dass der Schöpfer ihm helfe, das heißt, wenn er keinen Ausweg mehr sieht, dass es für ihn die Möglichkeit gäbe, zur Stufe des Gebens zu gelangen, dann ist es die Zeit, da er Hilfe von oben empfängt.
Demnach ergibt sich, dass beides wahr ist: Er ist gezwungen zu sagen „Ich habe mich nicht angestrengt.“ Das heißt, dass seine Anstrengung nichts wert ist, weil er sieht, dass er mit der Anstrengung, die er aufgewendet hat, nichts gewonnen hat, sondern im Gegenteil. Das heißt, dass er durch die Anstrengung, die er aufgewendet hat, zu der Erkenntnis gelangt ist, dass die Anstrengung nichts wert ist. Das heißt, dass man mit der Anstrengung nichts erwerben kann. Und dies sieht er innerhalb des Verstandes. Und es geht hier nicht darum, über dem Verstand zu glauben, dass die Anstrengung ihm nicht geholfen habe, sondern nur der Schöpfer ihm geholfen habe. Denn er sieht es mit eigenen Augen.
Dann lässt sich sagen: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden.“ Deshalb sagt er allen, dass die Anstrengung nichts wert ist. Und er sagt nach seiner Auffassung die Wahrheit. Und über ihn sagten die Weisen: „Glaube nicht, dass er sich nicht angestrengt hat.“ Und das hat den Grund: „Es gibt kein Licht ohne Gefäß, es gibt keine Füllung ohne Mangel.“ Deshalb braucht man die Anstrengung, denn sie vergrößert ihm den Mangel, sodass er jedes Mal des Schöpfers bedürftig wird, dass Er ihm helfe, bis er einen wahren Mangel empfängt – der Schöpfer weiß, worin die Vollendung des Mangels besteht, sodass er der Füllung würdig sei. Und dann gibt der Schöpfer ihm die Füllung.
Demnach ergibt sich: Wenn der Mensch keine Anstrengung aufwendet, gibt es keinen Ort, an dem der Schöpfer ihm Füllung geben könnte. Wir sehen also, dass die Anstrengung sehr wohl einen Wert hat, und zwar so sehr, dass es ohne Anstrengung keinen Ort für den Fund gibt, wie gesagt: „Denn es gibt keine Füllung ohne Mangel.“ Deshalb sagten sie: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden, glaube nicht.“ Vielmehr muss es Anstrengung geben, denn sie gibt uns das Bedürfnis nach der Rettung durch den Schöpfer.
Wenn der Mensch daher kommt und sagt „Ich habe mich angestrengt und nicht gefunden“, sagten sie „glaube nicht“. Das heißt: Wenn der Mensch sich wirklich angestrengt und ein Bedürfnis empfangen hätte, dass der Schöpfer ihm die Füllung gebe, hätte der Schöpfer ihm gewiss die Füllung gegeben. Vielmehr hat er sich gewiss nicht so sehr angestrengt, wie es nötig wäre, dass es ausreichte, um Füllung zu empfangen. Und wann das Bedürfnis vollkommen ist, das weiß der Schöpfer. Deshalb muss der Mensch die Anstrengung vermehren und darf nicht vom Kampfplatz fliehen, bis der Schöpfer ihm hilft.
Und damit versteht sich die Frage, die wir gestellt haben: Welcher Kräfte bedarf der Mensch, damit er zu der Stufe gelangen kann, dass „all deine Handlungen um des Himmels willen seien“? Muss der Mensch von großer Begabung sein und ein starkes Verlangen haben und beherzt sein und dergleichen? Das heißt, er müsste in all dem, was Menschen auszeichnet, die man „Erhabene unter dem Volk“ nennt, von großer Kraft sein. Denn es steht geschrieben: „Ich habe mich angestrengt und gefunden, glaube.“ Demnach scheint es also, dass man große Kräfte braucht.
Dazu sagten sie: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden, glaube nicht.“ Das heißt, dass man keine großen Kräfte braucht und keine großen Begabungen, sondern nur ein Verlangen allein, dass er das Verlangen habe, am Schöpfer zu haften. Dann bringt der Schöpfer ihn näher, ohne irgendeine Anstrengung und große Kräfte, wie gesagt: dass der Mensch, der den Aspekt „Fund“ erlangt hat, sagt „Ich habe mich nicht angestrengt“. Denn er sieht, dass die ganze Anstrengung nicht nennenswert ist; selbst wenn der Mensch die allergrößten Kräfte der ganzen Welt hätte, würde es ihm nicht helfen.
Denn um zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen und aus der Herrschaft der Selbstliebe herauszukommen, kann nur der Schöpfer ihn aus der Herrschaft des Empfangsgefäßes des Menschen herausführen. Wie geschrieben steht: „Ich bin der Ewige, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, um euch ein Gott zu sein.“ Und keinerlei Kräfte im Menschen helfen dazu.
Damit lässt sich auslegen, was geschrieben steht (im Lied „Mächtiger Fels meiner Rettung“): „Griechen versammelten sich gegen mich, damals in den Tagen der Hasmonäer, und durchbrachen die Mauern meiner Türme und verunreinigten alle Öle.“ Wir brauchen die Anstrengung, um den Mangel in uns zu offenbaren; erst danach gibt es einen Ort, den Mangel zu füllen. Daher: Um genau zu wissen, was uns fehlt, sieht man dies gerade in der Zeit, in der der Mensch sich der Heiligkeit nähern will, das heißt „all deine Handlungen um des Himmels willen“ zu tun. Das wird der Aspekt der „Hasmonäer“ genannt, deren Aufgabe es war, die Heiligkeit aus der Herrschaft der Klipot (Schalen) herauszuführen, die „Griechen“ genannt werden.
Gerade in der Zeit, in der der Mensch sich der Heiligkeit nähern will, was durch den Glauben über dem Verstand geschieht, dann offenbaren sich im Menschen die „Ansichten der Griechen“. Das ist eine Klipa (Schale) gegen den Glauben. Und dann sieht man, dass all die „Griechen“, bevor er die Arbeit des Gebens begonnen hatte, im Menschen nicht offenbart waren, und der Mensch dachte, dass er genügend Glauben an den Schöpfer habe und die Kraft habe, Tora und Mizwot zu erfüllen, und ihm nichts fehle, außer in Tora und Mizwot zuzunehmen.
Anders ist es in der Zeit, in der er ein „Hasmonäer“ sein will, das heißt, dass nur die Heiligkeit in der Welt herrschen soll. Dann offenbaren sich die „Griechen“, die die Klipa gegenüber dem Glauben sind, jedes Mal mit größerer Macht und wollen gerade „die Mauer meiner Türme“ durchbrechen; denn der Glaube ist „die Mauer“, da alle Größe vom Maß des Glaubens abhängt, das der Mensch an den Schöpfer hat. Im Sohar steht über den Vers „bekannt in den Toren ist ihr Mann“ geschrieben, dass jeder nach dem geht, was er in seinem Herzen ermisst. Denn was den Glauben an den Schöpfer betrifft, hat jeder ein anderes Maß, wie es in der „Einführung in Talmud Esser haSefirot“ geschrieben steht2.
Aus dem Gesagten verstehen wir, „wann die Mauern meiner Türme durchbrochen wurden“, das heißt, dass sie sahen, dass sie keinen Glauben hatten, das heißt, dass sie nicht über dem Verstand gehen können. Gerade in der Zeit, in der sie in die Arbeit eintreten wollten, die ganz dem Schöpfer zu geben ist, dann „versammelten sich Griechen gegen mich“, und es begannen Gedanken der „Griechen“ zu kommen, die nicht zuließen, weiterzugehen, sondern nur das, was der Verstand gebietet, ob es sich lohnt zu tun.
Anders ist es bei dem, was gegen den Verstand ist: Da stehen sie mit Macht und lassen einen kein Stück weichen. Und dann beginnt die Anstrengung. Das heißt, gerade in der Zeit, in der man beginnt, in der Arbeit des Gebens zu gehen, denn erst dann sieht man, dass der Mensch nichts gegen seine Natur tun kann, die das Verlangen zu empfangen für sich selbst ist.
Als der Schöpfer ihnen daher ein Wunder tat, das heißt, dass Er ihnen half, da sahen alle, dass die ganze Arbeit ihnen nichts gebracht hatte, das heißt, dass die ganze Arbeit umsonst war, denn sie konnten sie nicht bezwingen, wie geschrieben steht (in „Und für die Wunder“): „Du hast Starke in die Hand von Schwachen gegeben und Viele in die Hand von Wenigen.“
Das heißt: Nach Art der Natur und des Verstandes gibt es keine Möglichkeit, dass sie hätten siegen können. Denn dort waren sie schwach und wenige. Also sahen sie innerhalb des Verstandes, dass der Schöpfer ihnen half. Und das kommt, um uns zu lehren: Wenn der Schöpfer hilft, lässt sich nicht sagen, dass Er gerade einem starken Menschen helfen kann, einem schwachen Menschen dagegen nicht helfen kann.
Aus dem Gesagten können wir sehen, welche großen Kräfte und guten Eigenschaften sich im Menschen finden müssten, damit der Schöpfer ihm hilft, sodass er sich Ihm nähern kann. Und im Sinne der spirituellen Arbeit lässt sich auslegen: „Du hast Starke in die Hand von Schwachen gegeben.“ Das heißt: die starken Gedanken und die starken Verlangen der Griechen im Menschen in die Hand von Israel im Menschen, die schwach an Gedanken sind, die nicht begabt sind.
Und dass sie von starkem Verlangen wären, sodass sie die Verlangen der Völker der Welt im Menschen überwinden könnten – das haben sie nicht. Und dennoch hast Du diese Starken in die Hand von Schwachen gegeben. Und das wird „Wunder“ genannt, da es nicht in der Hand des Menschen von Natur aus liegt, dass er sie überwinden könnte.
Das kommt, um uns zu lehren, dass der Mensch nicht sagen kann, dass er nicht befähigt sei, ein Diener des Schöpfers zu sein, um zu geben. Denn er sieht, dass er nicht alle Voraussetzungen hat, dass er dazu befähigt wäre. Deshalb zeigt man uns, dass der Mensch nicht befähigt ist, die Natur zu überwinden, selbst wenn der Mensch der Stärkste unter den Starken wäre. Vielmehr ist es der Schöpfer, der die Hilfe gibt, wie gesagt: „Ich habe mich nicht angestrengt und gefunden, glaube nicht.“ Das heißt, dass der Fund, nämlich die Gefäße des Gebens zu finden, vom Schöpfer gegeben wird.
So steht es geschrieben3: „Nicht durch ein großes Heer wird der König gerettet, ein Held wird nicht durch große Kraft befreit. Siehe, das Auge des Ewigen ist auf die gerichtet, die Ihn fürchten, die auf Seine Gnade harren, um ihre Seele vom Tod zu erretten.“ Dessen Bedeutung ist: „Siehe, das Auge des Ewigen“, das heißt, dass der Schöpfer auf jene Menschen schaut, „die auf Seine Gnade harren“, das heißt, die erwarten, dass der Schöpfer ihnen die Eigenschaft Chessed gebe, was bedeutet, dass Er ihnen die Gefäße des Gebens gebe.
korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026