1988/18 Wann gilt man als „Arbeiter des Schöpfers“ in der Arbeit?
Der Sohar (Tasria, Punkt 4, und im Sulam Punkt 10) fragt zu dem Vers „Wenn eine Frau Samen gibt und ein männliches Kind gebiert“. Und dort heißt es: „Rabbi Acha sagte: ‚und gebiert ein männliches Kind‘ – wenn sie doch Samen gibt, gebiert sie dann schon? Das hängt doch von der Schwangerschaft ab! Der Vers hätte sagen müssen: ‚Wenn eine Frau schwanger wird und ein männliches Kind gebiert.‘ Was bedeutet ‚wenn sie Samen gibt und gebiert‘? Rabbi Jossi sagte: ‚Eine Frau spricht vom Tag, an dem sie Samen gegeben hat und schwanger wurde, bis zu dem Tag, an dem sie gebiert, von nichts anderem als von ihrem Kind – ob es männlich sein wird.‘ Darum sagt der Vers: ‚Wenn eine Frau Samen gibt und ein männliches Kind gebiert.‘“
Es ist zu verstehen, was uns das lehren soll, wenn die Frau sagt: „Vom Tag, an dem sie Samen gegeben hat und schwanger wurde, bis zu dem Tag, an dem sie gebiert, spricht sie von nichts anderem als von ihrem Kind – ob es männlich sein wird“, sodass der Vers deshalb sagt: „Wenn eine Frau Samen gibt.“ Was nützt uns dieses Wissen? Gewiss gibt es Erklärungen nach dem einfachen Wortsinn.
Wir wollen es aber im Sinne der Arbeit erklären – worin die Bedeutung liegt, dass die Frau sich sofort, nachdem sie Samen gegeben hat, darum sorgt, ob das Kind männlich sein wird. Zunächst muss man wissen, was „Säen“ in der Arbeit ist. Im Körperlichen sehen wir: Sät man ein Samenkorn in den Boden, so verfault das Korn in der Erde, und danach bringt es Getreide hervor, das die Menschen ernährt. Das heißt, durch die Kraft des Säens bringt es uns Nahrung. Hat der Mensch keinen Samen gesät, wird er gewiss nicht ernten, wie geschrieben steht: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“
Und was ist das Säen in der Arbeit für den Schöpfer? Man kann es so erklären: Im Menschen gibt es zwei Kräfte:
erstens die Kraft des Gebens, also das, was der Mensch anderen geben will,
zweitens die Kraft des Empfangens, also von anderen zu empfangen und sich selbst zu erfreuen.
Welche dieser Kräfte er annullieren will, das nennt man „Säen“. Er legt diese Kraft in den Boden – so wie man Samen in den Boden legt, damit sie verfaulen. Sie lösen sich in der Erde auf, und danach wächst daraus Getreide: Speise, Nahrung und Leben für die Welt.
Ebenso ist es in der Arbeit: Wenn der Mensch das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, annullieren will, so heißt das, dass er es in den Boden legt – dass er es „wie Staub der Erde“ annullieren will –, und daraus wächst ein Verlangen zu geben. Denn „die Frau“, also das Verlangen, für sich selbst zu empfangen: Wenn man es annullieren und aus der Welt tilgen will, geht daraus ein Verlangen zu geben hervor, das der Welt Nahrung, Leben und Frieden bringt. Denn durch das Gefäß (Kli) des Verlangens zu geben, das „Gleichheit der Form“ genannt wird, empfangen wir das Gute und die Wonne, die der Schöpfer den Geschöpfen geben will. Das ist es, was geschrieben steht: „Wenn eine Frau Samen gibt und ein männliches Kind gebiert“ – das heißt, durch das Begraben des empfangenden Gefäßes wächst daraus eine Stufe, die „Verlangen zu geben“ genannt wird, und das ist die Stufe des Männlichen (sachar).
Doch das Männliche wird nicht sofort in der Stunde des Säens geboren; vielmehr gibt es neun Monate bis zur Geburt, die in der Arbeit „Aufstiege und Abstiege“ genannt werden. Manchmal kommt eine Regenflut und schwemmt alle Samen aus dem Boden heraus. In der Arbeit nennt man das „das Kommen der bösen Wasser“, das die Stufe von „Mi (wer) und Ma (was)“ ist. „Mi“ und „Ma“ zusammen heißen „Majim (Wasser)“, das alle Samen hinausschwemmt.
Das heißt: Nachdem er das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, schon viele Male in den Boden gelegt hat, kommen die Gedanken von „Mi und Ma“ – wobei „Mi (wer)“ das „Argument Pharaos“ ist, der sagte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte“, und „Ma (was)“ das „Argument des Bösen“ ist, der fragt: „Was soll euch dieser Dienst“ –, und diese Gedanken nehmen die Samen, die schon in äußerster Verachtung und Niedrigkeit im Boden lagen, wieder heraus und heben sie aus der Erde. Und erneut will man nur noch mit diesen Gefäßen arbeiten, den empfangenden Gefäßen. Wieder ist nichts zu erhoffen, womit wir uns mit der Fülle versorgen könnten, die das spirituelle Leben nähren soll; doch wir haben keine Gefäße, um die Fülle zu empfangen, denn „es gibt kein Licht ohne Gefäß“.
Danach jedoch kommt zum Menschen erneut ein Erwachen von oben, und er beginnt von Neuem, seine „Stufe der Frau“ zu säen, die „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird, und begräbt sie wieder im Boden; und wieder kommt ein böser Wind oder eine Regenflut. So geht es immer im Kreis, und das verursacht viele „Abstiege und Aufstiege“. Das ist es, was geschrieben steht: „Die mit Tränen säen.“ Sie werden „die Weinenden“ genannt, weil es ihnen scheint, sie stünden immer auf derselben Stufe wie zu der Zeit, als sie begannen, in die Arbeit für den Schöpfer einzutreten.
So ergibt sich, dass sie jedes Mal, wenn sie wieder zu säen gehen, „mit Tränen“ säen, weil sie sehen, dass sie jedes Mal an derselben Stelle beginnen und keinen Fortschritt machen, nicht einen Schritt voran, sondern im Gegenteil sehen, dass sie rückwärtsgehen. Darum geschieht all ihr Säen mit Tränen.
Wir haben schon darüber gesprochen, warum der Schöpfer es so eingerichtet hat, dass es viele Abstiege und Aufstiege gibt – also wer davon Nutzen hat. Die Antwort ist: Es ist zum Besten des Menschen. Denn „es gibt kein Licht ohne Gefäß“, was bedeutet: „es gibt keine Füllung ohne Mangel“. Und weil der Schöpfer will, dass der Mensch der Hilfe von oben bedarf – denn durch diese Hilfe gibt ihm der Schöpfer eine Erleuchtung von oben –, gilt das so, dass er jedes Mal einen Zuwachs an Heiligkeit (Kedusha) empfängt. Am Ende seiner Arbeit, nachdem er jedes Mal zu einem größeren Mangel gelangt ist, empfängt der Mensch schließlich eine „heilige Seele von oben“, und dadurch wird ihm zuteil, beständig in der Heiligkeit zu sein, wie der Sohar sagt: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“ Womit? Der Sohar sagt: „mit einer heiligen Seele“ – und all das kam ihm durch Aufstiege und Abstiege zu.
Damit verstehen wir, warum gerade „die mit Tränen säen, mit Jubel ernten“ werden. Denn dass sie mit Tränen säen – das heißt, dass er jedes Mal sieht, dass er von Neuem zu säen beginnen muss, als hätte er bis jetzt nichts getan, und dass er sieht, wie die Zeit vorwärtsgeht, er selbst aber zurück –, das bereitet ihm Kummer und Leiden. So wird er dadurch jedes Mal mehr auf den Schöpfer angewiesen, dass dieser ihm helfe.
Das heißt: Jedes Mal sieht er an sich selbst, wie wenig er von Natur aus fähig ist, aus der Selbstliebe herauszutreten – außer durch ein Wunder vom Himmel. Aus all diesen Leiden bildet sich in ihm ein wahres Bedürfnis und ein wahres Gefäß. Er sieht nun, was geschrieben steht (Psalm 127): „Wenn der Schöpfer das Haus nicht baut, mühen sich seine Erbauer vergebens daran.“ Nur der Schöpfer kann helfen.
So ergibt sich, dass der Mensch gerade durch „die mit Tränen säen“ das Bedürfnis nach der „Rettung des Schöpfers“ erlangen kann; dann erfüllt sich „mit Jubel ernten“. Denn „Säen“ heißt „das Gefäß bilden“, und „Ernten“ heißt „das Licht empfangen“ – das Licht kommt also in das Gefäß. Das heißt: Wenn der Mangel gefüllt wird, nennt man das „Ernten“.
Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was der Sohar sagt: „Eine Frau spricht vom Tag, an dem sie Samen gegeben hat und schwanger wurde, bis zu dem Tag, an dem sie gebiert, von nichts anderem als von ihrem Kind – ob es männlich sein wird.“ Und wir fragten: Was will uns das im Sinne der Arbeit lehren? Doch wie gesagt: Wenn der Mensch eintritt, die heilige Arbeit zu verrichten, auf der Seite der Reinheit – das heißt, dass er zum Wohlgefallen des Schöpfers arbeitet und nicht zum eigenen Nutzen –, so wird dieser Mensch „eine Frau, die zuerst Samen gibt“ genannt.
Das bedeutet: Der Anfang seiner Arbeit ist, dass er die „Stufe der Nukwa“, die „Frau“ genannt wird, in den Boden begraben will. Dieses Verlangen sät er in die Erde, so wie man Samen in die Erde legt. Dadurch wächst danach Nahrung, um die Geschöpfe zu versorgen. Ebenso, wenn man das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, in den Boden sät – damit es verfaule, das heißt, damit der Gebrauch des Verlangens zu empfangen aufhört, sofern er ohne die Absicht zu geben geschieht, und man es nur unter der Bedingung gebraucht, dass man empfangen kann, um zu geben –, dann „gebiert sie ein männliches Kind“. Das heißt, ihm wird die Stufe des Männlichen zuteil: Er hat nun schon die Kraft, Taten zum Wohlgefallen des Schöpfers zu vollbringen und nicht zum eigenen Nutzen.
Doch nicht mit einem Mal wächst das Korn sofort, wenn man es in den Boden sät. Vielmehr gibt es, wie gesagt, im Körperlichen manchmal eine Wasserflut, die die ganze Fläche überschwemmt, und alle Samen kommen heraus, noch ehe sie im Boden verfault sind. Ebenso in der Arbeit: Der Mensch will, dass sofort, sobald er den Samen in den Boden gesät hat, die „Stufe des Männlichen“ wächst – dass ihm also sofort das Verlangen zu geben zuteilwird.
Und weil die Ordnung so ist, dass man nicht mit einem Mal gegen die Natur gehen kann – denn der Mensch wird mit dem Verlangen geboren, für sich selbst zu empfangen –, gibt es immer wieder das Überwinden: Jedes Mal beginnt der Mensch, den Zustand des Abstiegs zu überwinden. Das heißt: Nachdem die „Winde der Welt“ gekommen sind und die Samen aus dem Boden geschwemmt haben – wobei die „Winde der Welt“ Gedanken sind, die dem Geist der Heiligkeit, dem Verlangen zu geben, fremd sind –, muss sich der Mensch überwinden und das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, erneut in den Boden säen.
Und jedes Mal sagt er sich, dass ihm nun gewiss ein männliches Kind geboren wird. Denn „Adama (Boden)“ kommt vom Ausdruck „Adame la Eljon (ich will dem Höchsten gleichen)“, was Gleichheit der Form bedeutet, also die Stufe des Männlichen. Und die Nukwa, das Verlangen zu empfangen, wird im „dem Höchsten Gleichen“ annulliert. So lässt sich erklären, was der Sohar sagt: „Eine Frau spricht, sobald sie Samen gegeben hat und schwanger wurde, bis zu dem Tag, an dem sie gebiert, von nichts anderem, als ob ihr Kind männlich sein wird.“ Das ist wie gesagt: Jedes Mal, wenn der Mensch sich überwindet, muss er sicher sein, dass ihm nun schon die Stufe des Männlichen zuteilwird.
So ergibt sich, dass bei jedem einzelnen Säen die Absicht nur ist, dass es männlich werde. Andernfalls, wenn seine Absicht nicht ist, dass es männlich werde, gilt es nicht als Säen. Das ist es, was geschrieben steht: „Wer auf den Wind achtet, sät nicht“ (Kohelet 11,4). Und der Sforno erklärt dort: „Wer auf den Wind achtet, sät nicht – auch wenn der Same zuweilen im Sturmwind verloren geht, der ihn zerstreut, soll man dennoch nicht aus Sorge davor vom Säen ablassen.“
Im Sinne der Arbeit lassen sich seine Worte so erklären: Der Mensch sieht, dass er viele Abstiege hat und sich schon viele Male überwunden und gesät hat, ohne darauf zu achten, dass der Wind – also fremde Gedanken, die „Winde der Welt“ genannt werden – sie zerstreut. Und wie der Sforno sagt: Man soll nicht auf den Sturmwind achten – denn das ist die härteste Klipa (Schale), die der Welt Assija entgegensteht, wie der ARI sagt: „Ihr Verlangen ist es, alle Samen zu zerstreuen, die man als Verlangen zu empfangen in den Boden legt, weil das ihrem Verlangen entgegensteht.“ Darum sagt der Vers, man solle nicht auf diesen Wind achten, der die Samen zerstreuen will, sondern sich überwinden und nicht vom Säen ablassen. Vielmehr muss man an den Schöpfer glauben, dass „die Rettung des Schöpfers im Nu kommt“.
Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) erklärte „Wer auf den Wind (Ruach) achtet, sät nicht“ so: Der Mensch soll nicht sagen: „Ich kann nichts tun; ich warte darauf, dass der Schöpfer mir einen Geist (Ruach) aus der Höhe sendet, dann werde ich Kraft zur Arbeit haben – und unterdessen sitze ich und warte.“ Dazu sagt der Vers „Wer den Wind hütet (schomer)“ – im Sinne von „und sein Vater behielt (schamar) die Sache“ –, was bedeutet: Wer sitzt und wartet, wird niemals säen. Vielmehr muss der Mensch ein „Erwachen von unten“ (Itaruta diLtata) bewirken, und dadurch kommt ein „Erwachen von oben“ (Itaruta diLeila). Das ist wie das Wort unserer Weisen: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man“ – aber der Mensch muss den Anfang machen.
Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was geschrieben steht (Maleachi 2): „Wenn ihr nicht hört und es euch nicht zu Herzen nehmt, meinem Namen Ehre zu geben, so sende ich den Fluch über euch; siehe, ich schelte euch die Saat und streue Dung auf eure Gesichter.“ Der Even Esra erklärt: „Siehe, ich schelte die Saat, dass sie nicht wachse, weil mein Tisch leer ist.“ Und die Mezudat David erklärt: „Siehe, um euretwillen schelte ich euch die Saat, dass sie nicht wachse; und ich streue Dung auf eure Gesichter – ich streue Mist auf eure Gesichter.“ Und weiter erklärt sie: „Den Mist von den Tieren, die ihr mir darbringt – das Verächtlichste am Tier –, den streue ich aus, um euch zu erniedrigen, so wie ihr meinen Namen erniedrigt.“
Das lässt sich wie oben erklären: Der Weg der Arbeit ist, dass man den Samen in den Boden sät, damit er in der Erde verfault und sich auflöst – in der Erde, die die Stufe „dem Höchsten gleichen“ ist –, sodass aus diesem Säen die Stufe des Männlichen wächst, wie gesagt. Doch mitten im Säen bereut der Mensch, „meinem Namen Ehre zu geben“, also alles zur Ehre Seines Namens zu tun; vielmehr empfängt der Mensch gleich beim Säen „von den Winden der Welt“, und sie fragen ihn: Was wird mit deiner eigenen Ehre?
Das heißt: Was wird der Mensch zum eigenen Nutzen aus dieser Arbeit gewinnen – aus dem Säen in den Boden, aus dem ein Verlangen zu geben wachsen soll? So ergibt sich: Dadurch, dass der Mensch die Ehre des Himmels geringer achtet als die eigene Ehre und sagt, es lohne sich nicht, die eigene Ehre um der Ehre des Himmels willen aufzugeben, sagt der Schöpfer deshalb: „Ich sende den Fluch über euch“, nämlich den Fluch, „dass die Saat nicht wachse“, sodass du dadurch keine gebenden Gefäße empfangen kannst. Denn in dem Augenblick, in dem ihr die Gedanken „von den Winden der Welt“ empfangen habt, habt ihr sofort gesagt, dass sie recht haben und es sich nicht lohne, um der Ehre des Himmels willen zu arbeiten.
Das ist es, was der Even Esra sagt: „Siehe, ich schelte die Saat, dass sie nicht wachse, weil mein Tisch leer ist“ – das heißt, dass man sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, doch die Absicht ist nicht um des Himmels willen. So bleibt der Tisch des Schöpfers leer; alles, was ihr in Tora und Mizwot tut, ist für den Tisch des Menschen, zum eigenen Nutzen. Dann habt ihr kein Bedürfnis und kein Gefäß, dass ich euch die Stufe des Männlichen, das Verlangen zu geben, geben könnte, denn „es gibt kein Licht ohne Gefäß“.
Doch hier erhebt sich eine Frage: Wenn der Mensch nicht mit hundert Prozent seiner Kraft um des Himmels willen arbeiten will, sondern nur ein kleiner Teil in ihm versteht, dass es sich lohnt, um des Himmels willen zu arbeiten, und in diesen kleinen Teil legt der Schöpfer einen Fluch, dass daraus keine gebenden Gefäße, die „Stufe des Männlichen“, wachsen – wie kann der Mensch dann jemals zu gebenden Gefäßen gelangen?
Das lässt sich nach der allgemeinen Regel erklären: Alles, was der Schöpfer tut, geschieht zum Zweck der Korrektur. Das heißt, auch der Fluch, die Samen nicht wachsen zu lassen, ist zum Wohl der Geschöpfe. Es ist so zu erklären, wie wir den Vers „Er führt in die Scheol hinab und führt herauf“ erklärt haben: Dadurch, dass der Mensch sieht, dass jedes Mal, wenn er sät, der Wind kommt und die Saaten zerstreut, versteht er, dass er zum Schöpfer beten muss, damit dieser ihm Kraft gebe, den Winden standzuhalten.
Das heißt: Der Schöpfer soll ihn die Bedeutung spüren lassen, die darin liegt, im Leben dazu zu gelangen, dem König der Welt zu dienen. Denn jedes Mal, wenn er sich überwindet und sät, zerstreut der Wind die Saat sofort und schwemmt sie aus dem Boden, und dadurch spürt er – während er sich mit Tora und Arbeit beschäftigt – einen Geschmack von Dung, wenn er an die Absicht zu geben denkt.
Und wie die Mezudat David erklärt: „Ich streue Dung auf eure Gesichter“ – „den streue ich aus, um euch zu erniedrigen, so wie ihr meinen Namen erniedrigt“. Das heißt: Wenn ihr beim Verrichten von Tora und Mizwot nicht achtgebt – wenn ihr nicht daran denkt, dass sie um meines Namens willen sein sollen, und den Makel dessen, was ihr tut, nicht spürt –, so will ich euch einen Geschmack von Dung spüren lassen. Dann werdet ihr nicht einmal shelo liShma (nicht um Ihretwillen) die Kraft haben, irgendetwas zu tun, weil ihr selbst beim Tun shelo liShma einen Geschmack von Dung spürt. Und das wird die Ursache dafür sein, dass ihr gebende Gefäße braucht, denn ihr habt keinerlei Lebendigkeit im shelo liShma.
So ergibt sich: Dieser Fluch kommt, wenn ihr beginnt, eure empfangenden Gefäße in den Boden zu säen, damit das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, im Boden annulliert werde. Und weil ihr nicht darauf achtet, die Sache des Gebens so hoch zu schätzen, wie es euch nottut, und diese Saaten ausbringt, ohne zu wissen, dass dies das Wesentliche ist – und unser Leben –, dass man andernfalls nicht zur Vollkommenheit gelangen kann, sondern es nicht mit dem nötigen Ernst tut: Darum heißt es „Ich sende“, das heißt, dass der Schöpfer selbst diese Gedanken gesandt hat und die Saaten zerstreut, damit ihr den Weg der Wahrheit geht und das Bedürfnis nach gebenden Gefäßen versteht.
Aus dem Gesagten verstehen wir, dass der Mensch glauben muss: Alle Abstiege, die er hat – sofern sie geschehen, während er den Weg der Wahrheit gehen will –, kommen vom Schöpfer. Das heißt, alle seine Abstiege sind zum Wohl des Menschen; andernfalls bliebe der Mensch in seinem gegenwärtigen Zustand und könnte nie zur Wahrheit gelangen, weil er sich mit dem zufriedengäbe, was er hat, und meinte, das sei die Vollkommenheit.
Darum hat der Mensch, gerade wenn er kommt, sich zu reinigen, Zustände von Abstiegen, damit er nicht in seiner Kleinheit (Katnut) bleibe, wie es seinem Verständnis entspricht. Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was der Sohar zu dem Vers „Denn der Anteil des Schöpfers ist Sein Volk“ sagt: dass der Schöpfer die „siebzig Völker“ in die Hand von Fürsten gab, die über sie herrschen, sich selbst aber das Volk Israel nahm, um über es zu herrschen. Das heißt, der Schöpfer ist der Herrscher über Israel, während Er die übrigen Völker der Herrschaft der Fürsten übergeben hat.
Auf den ersten Blick: Was bedeutet es, dass er – Gott behüte – nicht über die Völker der Welt herrscht? Ist es dem Schöpfer etwa zu schwer, über sie zu herrschen, weil sie zu gering sind, also nicht Seiner Ehre würdig, dass er über sie herrsche, sodass er jemanden brauchte, der ihm hülfe, über sie zu herrschen? Müssen wir nicht glauben, dass „er allein alle Werke tut und tun wird“?
Im Sinne der Arbeit muss man es so erklären, dass dies in einem einzelnen Menschen geschieht: Solange der Mensch unter der Herrschaft der „siebzig Völker“ liegt – was im Allgemeinen „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird –, ist er infolge der geschehenen Einschränkung (Zimzum) vom Schöpfer getrennt; das heißt, er hat nicht den Glauben, dass der Schöpfer „allein alle Werke tut und tun wird“. So empfängt der Mensch Leben und Lebendigkeit aus der Welt durch die Dinge, die der Schöpfer für die Geschöpfe bereitet hat – für die Zeit, in der sie noch nicht würdig sind, ihr Leben aus der Heiligkeit zu empfangen –, und dann sagen diese Menschen, der Schöpfer habe Sein Wirken aufgegeben, weil es sich für ihn nicht zieme, sich mit ihnen zu befassen.
Das ist auf dem Weg, wie es in der Einleitung zum Buch Sohar (Punkt 4) heißt: „Und ich weiß, dass es Klüglinge gibt, die das Joch von Tora und Mizwot abwerfen und sagen, der Schöpfer habe die ganze Wirklichkeit erschaffen und sie sich selbst überlassen; denn wegen der Nichtigkeit dieser Geschöpfe zieme es sich für den Schöpfer in Seiner großen Erhabenheit nicht, über ihre geringfügigen und schändlichen Wege zu wachen.“
Daraus folgt: Bevor der Mensch glaubt, dass alles vom Schöpfer kommt, sagt er, die ganze Welt sei der Leitung der „siebzig Fürsten“ übergeben – das sind „siebzig Stufen“ in der Natur oder „die übrigen Winde“ –, dass aber der Schöpfer darüber wache, glauben sie nicht. Das heißt, er sagt, der Schöpfer habe die Leitung der Welt „den siebzig Fürsten“ übergeben. Wer hingegen die „Stufe Israel“ ist und an den Schöpfer glaubt, sagt, dass allein der Schöpfer die Welt lenkt, wie gesagt: „dass Er allein alle Werke tut und tun wird“.
Mit dem Gesagten versteht sich, was wir gefragt haben: Wann wird der Mensch „Arbeiter des Schöpfers“ genannt – erst dann, wenn er schon um des Schöpfers willen arbeiten kann, oder schon zu Beginn seiner Arbeit? Dem entspricht, was mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) zu dem Wort „Er gibt den Weisen Weisheit“ erklärte. Die bekannte Frage lautet: Es hätte heißen müssen „Er gibt den Toren Weisheit“, denn die Weisen haben doch schon Weisheit. Er antwortete: „Weise“ heißt, wer nach Weisheit verlangt; wer dagegen nicht weise ist, verlangt nicht nach Weisheit, wie geschrieben steht: „Der Tor hat kein Verlangen nach Einsicht.“
Ebenso ist es hier zu erklären: „Arbeiter des Schöpfers“ heißt, wer um des Himmels willen arbeiten will – auch wenn es ihm nicht gelingt, denn dazu muss er ein wahres Gebet aufdecken, dass der Schöpfer ihm helfe. Aber sobald er begonnen hat, in der rechten Linie zu gehen – das heißt, sobald er schon eine „linke“ Stufe hat, die der rechten Linie entgegensteht –, beginnt schon die Ordnung der Arbeit auf dem Weg des Schöpfers. Darum wird er schon „Arbeiter des Schöpfers“ genannt, denn sein Ziel ist, zu einem Zustand zu gelangen, in dem alle seine Taten um des Himmels willen sind. Und obwohl es dazwischen viele Abstiege und viele Aufstiege gibt, geht doch alles nach Plan, das heißt, auch die Abstiege sind ein Teil der Arbeit; denn dadurch erlangt man das Bedürfnis nach der „Rettung des Schöpfers“. Durch die Abstiege gelangt der Mensch zu der Einsicht, dass man aus eigener Kraft nichts ausrichten kann, sondern dass nur der Schöpfer helfen kann. Und diese Erkenntnis erlangt der Mensch gerade durch die Abstiege.
Das ist auf dem Weg, wie es im Buch „Pri Chacham (Frucht des Weisen)“ (Teil 2, S. 161) heißt: „Es gibt keinen glücklicheren Zustand in der Welt eines Menschen als die Stunde, in der er an den eigenen Kräften verzweifelt – das heißt, wenn er sich schon abgemüht und alles getan hat, was in seiner Kraft vorstellbar war, und es doch kein Mittel gibt. Denn dann ist er zu einem vollkommenen Gebet um Seine Hilfe bereit, weil er mit Gewissheit weiß, dass seine eigene Arbeit ihm den Nutzen nicht bringen wird. Solange er aber noch irgendeine Arbeitskraft von seiner Seite spürt, ist sein Gebet nicht vollkommen. Darüber heißt es: ‚Erhaben ist der Schöpfer, doch den Niedrigen sieht Er.‘ Denn nachdem der Mensch sich mit allerlei Arbeiten abgemüht hat und enttäuscht wird, gelangt er zu wahrer Niedrigkeit: Er weiß, dass er der Niedrigste unter den Menschen ist und nichts Nützliches zum Aufbau seines Körpers hat. Dann ist sein Gebet vollkommen. Denn ganz Israel kam zu jener Zeit in einen verzweifelten Zustand, nämlich ‚durch die Arbeit‘ – wie einer, der mit einem durchlöcherten Gefäß schöpft: Den ganzen Tag schöpft er und hat doch keinen Tropfen Wasser, um seinen Durst zu stillen. So war es mit den Kindern Israels in Ägypten: ‚Soviel sie bauten, wurde das Gebaute an seiner Stelle vom Boden verschluckt.‘ Ebenso ist bei dem, der Seine Liebe noch nicht erlangt hat, alles, was er gestern in der Läuterung der Seele gewirkt hat, am nächsten Tag wie völlig verbrannt. Und Tag für Tag muss er von Neuem beginnen, als hätte er sein Leben lang nichts gewirkt. Aus dem Gesagten folgt: dass nichts, weder Kleines noch Großes, anders erlangt wird als durch die Kraft des Gebets.“
Aus dem Gesagten folgt, dass auch die Abstiege in die Rechnung der Korrektur eingehen, durch die der Mensch dazu gelangen kann, ein wahrer „Arbeiter des Schöpfers“ zu werden – das heißt, dass alle seine Taten einzig dem Geben dienen. Darum wird der Mensch, sobald er beginnt, den Weg zu betreten, der zur Arbeit „um zu geben“ führt, schon „Arbeiter des Schöpfers“ genannt – obwohl es dazwischen viele Versäumnisse gibt, die zu überwinden ihm schwerfällt. Denn er will Arbeiter des Schöpfers sein und nicht für sich selbst arbeiten, was bedeutete, dass alle seine Gedanken nur darum kreisen, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu füllen – sei es mit dem Reichtum dieser Welt, sei es mit dem Reichtum der kommenden Welt –, wie es im Sohar heißt: „die bellen wie ein Hund: Gib uns den Reichtum dieser Welt, und gib uns den Reichtum der kommenden Welt.“
Darum liegt es dem Menschen ob, sich immer zu überwinden und an den Schöpfer zu glauben, dass nur Er
korrOp, EY, 16.7.2026, Ver3