1991/41 Was sollte man tun, wenn man mit schlechten Eigenschaften geboren wurde?
Der Sohar (Naso, Abschnitt 42) sagt dort, und dies sind seine Worte: „An den Handlungen des Menschen erkennt man den Parzuf (die geistige Gestalt), der auf ihm ruht. Das ist es, was gesagt wird: dass ihr Antlitz Zeugnis über sie ablegte – über die Gestalt, die auf ihnen ruht, oder über die Zusammensetzung der vier Elemente der Welt, nämlich Feuer, Wind, Wasser und Staub (Aram’a), in denen es weder den guten Trieb noch den bösen Trieb gibt, sondern die wie die Tiere der Welt sind.“ So weit seine Worte.
Das bedeutet: Die Vermischung des Körpers bringt im Menschen die Eigenschaften hervor, und diese gehören nicht zum bösen Trieb. Hat er zum Beispiel mehr vom Element Wasser, so ist er begierdenhaft. Hat er mehr vom Element Feuer, so ist er jähzornig. Hat er mehr vom Element Wind, so ist er hochmütig. Und hat er mehr vom Element Staub, so ist er träge. Dies alles hat nicht das Geringste mit dem bösen Trieb zu tun. Daraus folgt, dass alle Eigenschaften, die im Menschen aus den vier Elementen (Feuer, Wind, Wasser, Staub) hervorgehen, nicht das Geringste mit dem bösen Trieb zu tun haben.
Es stellt sich die Frage: Was ist dann der böse Trieb? Dazu muss man sagen: Der böse Trieb ist das, was den Menschen dazu verleitet, Handlungen zu begehen, die gegen den Willen des Schöpfers sind. Der Mensch muss zuerst an den Schöpfer glauben, und erst danach kann man sagen, dass er Handlungen begeht, die gegen den Willen des Schöpfers sind. Und dann beginnt er, wegen des bösen Triebes Sünden zu begehen, und will nicht auf die Stimme des Schöpfers hören, der Seinem Volk Israel die Tora gegeben hat.
Vielmehr geschieht alles, was jene (die keinen Glauben an den Schöpfer erlangen) anderen an Bösem antun, aus der Kraft der Vermischung der vier Elemente, wie oben in den Worten des Sohar gesagt wurde: „oder über die Zusammensetzung der vier Elemente, in denen es weder den guten Trieb noch den bösen Trieb gibt, sondern die wie die Tiere der Welt sind“, bei denen es keinen Bezug zum Glauben an den Schöpfer gibt. Anders ist es beim Menschen: Dort, wo der Glaube gilt, dort beginnt die Sache des bösen Triebes – der nicht an den Schöpfer glaubt – und des guten Triebes – der sehr wohl an den Schöpfer glaubt. Das heißt: Bei dem, der an den Schöpfer glaubt, also an Lohn und Strafe glaubt, beginnt die Arbeit des bösen Triebes und des guten Triebes. Anders sind jene Menschen, die keinen Bezug zum Glauben an den Schöpfer haben; sie gleichen den Tieren.
Doch gewiss muss man sagen: Was der Sohar sagt, nämlich dass sie zu den vier Elementen gehören und keinen Bezug zum bösen Trieb und zum guten Trieb haben, das bezieht sich auf die Angelegenheiten der Arbeit. Anders ist es auf der Ebene des Offenbarten, also nach der Halacha (dem religiösen Gesetz): Dort gelten für sie alle Strafen und Urteile, die das Gericht ihnen auferlegt. Denn dort kann der Mensch nicht sagen, er hat keinen bösen Trieb und ihm gebührt keine Strafe, indem er behauptet, er stammt aus den vier Elementen.
Und man muss sagen: Der Sohar spricht von den Angelegenheiten der Arbeit und nicht von der Ebene der offenbarten Tora, wo man von der Ebene der Halacha in ihrer praktischen Anwendung spricht. Der Sohar spricht vielmehr von der Ordnung der Arbeit; dort kann man sagen, dass der Mensch zur Ebene der vier Elemente gehört und noch keinen Bezug zum bösen Trieb hat. Denn in der Arbeit beginnt man von jenem Zeitpunkt an, vom bösen Trieb zu sprechen, an dem der Mensch anfängt, an den Schöpfer zu glauben; dann erst spricht man vom guten Trieb oder vom bösen Trieb.
Doch beim Glauben an Lohn und Strafe sind ebenfalls zwei Auffassungen zu unterscheiden:
1) Lohn und Strafe werden so ausgelegt: Geht er auf dem geraden Weg, so erhält er dafür Lohn in dieser Welt, sodass es ihm gut geht, und auch in der kommenden Welt wird es ihm gut gehen. Und geht er nicht auf dem geraden Weg, so wird es ihm schlecht ergehen.
2) Lohn und Strafe werden so ausgelegt: Geht er auf dem geraden Weg, so wie die Weisen es uns geordnet haben, und glaubt er an ihre Worte, so wird der Lohn darin bestehen, dass sie der Annäherung an den Schöpfer gewürdigt werden. Und glauben sie nicht mit dem Glauben an die Weisen, die uns festgelegt haben, wie wir auf den Wegen des Schöpfers gehen sollen, so wird es für sie eine Strafe geben. Und die Strafe besteht darin, dass sie vom Schöpfer entfernt bleiben und ihnen keine Hilfe gegeben wird, sich dem Schöpfer annähern zu können. Das heißt: Ihr Lohn wird darin bestehen, dass ihnen von oben ein Verlangen zu geben gegeben wird, das eine zweite Natur ist. Und ihre Strafe wird darin bestehen, dass sie in der Selbstliebe versunken bleiben und es ihnen wehtut, dass sie nicht vorankommen.
Und dies nennt man, dass sie „der Herrschaft des bösen Triebes unterstellt sind“: dass sie vom Schöpfer getrennt sind und sich nicht mit Ihm verbinden können, und es tut ihnen weh, dass sie der Herrschaft des Bösen unterstellt sind. Das heißt: Man kann nicht sagen, dass man dem Menschen eine Strafe gibt und er nicht spürt, dass es eine Strafe ist – also dass er keine Leiden spürt, dadurch dass er sich unter der Herrschaft des Bösen befindet.
Vielmehr ist die Bedeutung der Strafe die, dass er Leiden spürt, dadurch dass er der Herrschaft des bösen Triebes unterstellt ist – also dass er durch Leiden spürt, dass dies böse ist. Das nennt man, dass „der Mensch der Herrschaft des bösen Triebes unterstellt ist“, nämlich dass es ihm dadurch wehtut. Anders ist es bei jenen, die der Herrschaft des Bösen unterstellt sind, aber keine Leiden spüren; das nennt man in der Arbeit, dass „sie noch keinen bösen Trieb haben“, dass sie noch nicht spüren, dass es böse genannt wird, der Herrschaft des Verlangens zu empfangen unterstellt zu sein.
Doch ist Folgendes zu verstehen: Wenn es dem Menschen gemäß der Vermischung seines Körpers nicht möglich ist, Gutes zu tun, sondern er sich weit mehr als die übrigen Menschen anstrengen muss, um Gutes zu tun – was bringt es uns dann, wenn der Sohar sagt, dass das Böse, das er tut, wie das eines Tieres sei? Was ist dann der Rat, wie es ihm möglich sein wird, Gutes zu tun? Anders gesagt: Was hilft es ihm, wenn er danach den guten Trieb und den bösen Trieb erlangt?
Unsere Weisen sagten (Rosh HaShana 17), und dies sind ihre Worte: „‚Die Augen des Ewigen, deines Gottes, sind auf sie gerichtet‘ – zu Zeiten zum Guten, zu Zeiten zum Bösen. Zu Zeiten zum Guten – wie das? Waren die Israeliten zu Rosh HaShana völlige Frevler, und es wurde ihnen wenig Regen zugeteilt, doch kehrten sie am Ende um: Ihnen etwas hinzuzufügen ist unmöglich, denn das Urteil ist bereits ergangen; vielmehr lässt der Schöpfer den Regen zu seiner Zeit auf das Land herabkommen, das ihn benötigt – alles gemäß dem Land.“ (Und RASHI erläutert „auf das Land, das ihn benötigt“: auf die Felder, die Weinberge und die Gärten.) „Zu Zeiten zum Bösen – wie das? Waren die Israeliten zu Rosh HaShana völlige Gerechte, und es wurde ihnen viel Regen zugeteilt, doch kehrten sie am Ende um: Ihnen etwas zu mindern ist unmöglich, denn das Urteil ist bereits ergangen; vielmehr lässt der Schöpfer den Regen nicht zu seiner Zeit auf das Land herabkommen, das ihn nicht benötigt.“ (Und RASHI erläutert „nicht zu seiner Zeit“: vor der Aussaat, und „auf das Land, das ihn nicht benötigt“: auf die Wälder und die Wüsten.)
Und es gilt, diese Sache in der Arbeit zu verstehen: Was will uns dies lehren? Nach dem, was der Sohar sagt, gibt es Menschen, die gemäß der Vermischung der vier Elemente erschaffen wurden und keinen Bezug zum guten Trieb und zum bösen Trieb haben, sondern wie die Tiere der Welt sind. Das heißt: Die Sache des guten Triebes und des bösen Triebes bedeutet, dass es die Sache der Wahl gibt, dass der Mensch das Böse überwinden kann. Bei den Tieren aber bedeutet es, dass die Eigenschaften, die sie haben, nicht zu ändern sind. Was soll also der Mensch tun, wenn er mit schlechten Eigenschaften geboren wurde und seine Natur nicht ändern kann? Wie kann er zur Wahl gelangen, die die Arbeit der Überwindung des guten Triebes über den bösen Trieb ist?
Aus dem Gesagten lässt sich Folgendes erklären: Obwohl der Mensch mit schlechten Eigenschaften geboren wurde, in denen nicht viel Gutes ist, gibt ihm der Schöpfer doch – in der Zeit, in der der Mensch auf dem geraden Weg geht, also den Schöpfer bittet, ihm zu helfen, das Böse zu besiegen, obwohl das Böse bei ihm größer ist als bei den übrigen Menschen und es unmöglich ist, die Natur zu ändern – Kraft, damit er seine Eigenschaften nutzt, in denen nicht viel Gutes ist; doch das wenige Gute, das er hat, wirkt bei ihm. Das heißt: Der Schöpfer gibt ihm Hilfe von oben, sodass er die Kräfte, die er hat, an der richtigen Stelle einsetzt.
Zum Beispiel: Wenn er nur die Kraft hat, eine einzige Stunde zu lernen, so lernt er gerade in Büchern, die ihm das Licht der Tora bringen, das heißt, durch die er die Bedeutsamkeit der Arbeit für den Schöpfer erhält und ein Erwachen empfängt, dass es sich lohnt, sich an den Schöpfer anzuhaften. Und wenn er ein wenig an die Arbeit denkt, so denkt er nicht daran, was er selbst von dieser Arbeit haben wird, sondern er denkt: „Was habe ich dem König zu geben, damit ich eine Verbindung mit Ihm habe?“ und dergleichen. Wenn er betet – da er weiß, dass er nur geringe Begabung hat und nicht imstande ist, große und tiefe Gedanken zu denken –, so stellt er sich beim Beten einfach vor, zu Wem er betet, also zu Wem er spricht, und worum er Ihn bittet, dass Er es ihm gebe. Und er sagt: „Da ich meine Niedrigkeit kenne, dass ich schlechter bin als die übrigen Menschen – deshalb können die übrigen Menschen ihr Böses überwinden und bedürfen Deiner Hilfe nicht so sehr; ich aber für mich habe keinerlei Kraft und keinerlei Verstand, darum erbarme Dich meiner.“ Und weil er von ganzem Herzen betet, darum erhört der Schöpfer sein Gebet. Deshalb setzt der Mensch alle geringen Kräfte, die er hat, an der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit ein.
Anders ist es, wenn dem Menschen kraft der vier Elemente bestimmt ist, dass er Vorzüge und gute Eigenschaften hat, er aber nicht gewürdigt wird – das heißt, dass er nicht auf dem geraden Weg geht, um den Schöpfer zu bitten, ihm zu helfen, auf dem richtigen Weg zu gehen –, dann werden seine Begabungen an einer Stelle verbraucht, wo man sie nicht braucht. Das heißt, wie oben: All die Kräfte und Begabungen gehen an eine Stelle, wo für die Spiritualität, auf der Ebene der Arbeit, nichts daraus erwächst, wie geschrieben steht: „nicht zu seiner Zeit, vor der Aussaat“. Das heißt: Aus seiner Arbeit, in die er große Kraft und große Tiefe hineingibt, kann dennoch nichts erwachsen. Und das ist gemeint mit „auf das Land, das ihn nicht benötigt, auf die Wälder und die Wüsten“. Das heißt: All die Kräfte und Begabungen und alle guten Eigenschaften werden an einer Stelle verbraucht, aus der nichts erwächst – nämlich, dass es ihn nicht zur Anhaftung an den Schöpfer bringt; das heißt, dass er sich nicht die Mühe macht, den richtigen Führer zu finden, und nicht darauf achtet, gerade in solchen Büchern zu lesen, die zur Annäherung an den Schöpfer führen, und dergleichen.
Es zeigt sich also: Dass der Mensch aus den vier Elementen erschaffen ist, hat keinen Bezug zum bösen Trieb oder zum guten Trieb. Sondern danach, wenn er mit der Arbeit beginnt, das heißt, sich dem Schöpfer annähern will, dann beginnt die Sache des bösen Triebes, das heißt, der Mensch beginnt zu sehen, dass er Böses in sich hat, und es tut ihm weh. Und wenn er dann sieht, dass er keine guten Eigenschaften hat, betet er zum Schöpfer, dass Er ihm helfe. Dann sammelt der Schöpfer alle seine Kräfte und die geringe Begabung, die er hat; der Schöpfer sammelt alles und bündelt all die Kräfte, die zu tun in seiner Fähigkeit steht, damit alles dazu diene, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen.
Es zeigt sich also: Obwohl man sagt, „das Wesen des Menschen ist keiner Veränderung zugänglich“, kann der Mensch doch durch den bösen Trieb, mit dem er zu arbeiten beginnt und dabei sieht, dass es ihm schlecht geht, weil er vom Schöpfer entfernt ist – durch das Gebet, das der Mensch zum Schöpfer betet, wobei er an das Geschriebene glaubt: „denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes“, also selbst des Mundes, der von einem Menschen kommt, der unbegabt ist und dem die Kraft zur Überwindung fehlt, und der zugleich schlechte Eigenschaften hat, wie die übrigen Menschen sie nicht in so bösem Maße haben wie er. Und das kommt ihm daher, dass der Mensch aus den vier Elementen (Feuer, Wind, Wasser, Staub) erschaffen ist, und gemäß der Vermischung seines Körpers aus den vier Elementen ergibt sich, dass er schlechte Eigenschaften hat. Es zeigt sich also, dass der Mensch dem nichts hinzuzufügen hat.
Vielmehr bewirkt es die Zeit, in der der Mensch beginnt, in Tora und Mizwot zu arbeiten, dass er weiß, dass es die Sache des guten Triebes und des bösen Triebes gibt, wie es im Sulam (Bereshit, Teil 3, S. 64) geschrieben steht, und dies sind seine Worte: „dass, wenn der Mensch sich mit Tora und Mizwot befasst, sei es auch zum eigenen Vergnügen, er dennoch durch das Licht in ihr die Geringheit und die schreckliche Verderbnis spüren wird, die in der Natur des Empfangens für sich selbst liegt. Und dann wird er es sich zu Herzen nehmen, sich von dieser Natur des Empfangens loszulösen, und wird sich ganz hingeben, nur zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Und dann wird der Schöpfer ihm die Augen öffnen, und er wird vor sich eine Welt sehen, erfüllt von höchster Vollkommenheit, in der es keinerlei Mangel gibt.“
Aus dem Gesagten sehen wir: Obwohl der Mensch aus den vier Elementen geboren ist, sodass er weder zum guten Trieb noch zum bösen Trieb einen Bezug hat, sondern wie die Tiere der Welt ist, und diese Eigenschaften nicht zu ändern sind, gelangt er dennoch durch seine Beschäftigung mit Tora und Mizwot zu der Erkenntnis und der Empfindung, dass es die Sache des guten Triebes und des bösen Triebes gibt. Und dann hat er einen Ort, um zum Schöpfer zu beten, dass der Schöpfer ihm helfe, aus der Herrschaft des bösen Triebes herauszukommen. Und dann werden alle Kräfte, die der Mensch hat, gebündelt, um sie an der richtigen Stelle einzusetzen – das heißt, wie viele Kräfte er auch hat, es genügt ihm, sie in dem Maße einzusetzen, dass er die Fähigkeit hat, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen.
Und das ist gemeint mit „Zu Zeiten zum Guten – wie das? Waren die Israeliten zu Rosh HaShana völlige Frevler, und es wurde ihnen wenig Regen zugeteilt.“ Dies lässt sich so auslegen: Wenn er gemäß der Vermischung des Körpers geboren wurde, hatte er schlechte Eigenschaften; das nennt man „und es wurde ihnen wenig Regen zugeteilt“, denn die Sache des „Regens“ ist die Kraft, die Früchte hervorbringt und in der Arbeit „Treibstoff“ genannt wird. Und das ist gemeint mit „doch kehrten sie am Ende um: Ihnen etwas hinzuzufügen ist unmöglich, denn das Urteil ist bereits ergangen“. Das bedeutet: Sie wurden bereits gemäß der Vermischung des Körpers aus den vier Elementen geboren. „Vielmehr lässt der Schöpfer den Regen zu seiner Zeit auf das Land herabkommen, das ihn benötigt.“ Das heißt, wie oben: Der Regen, das ist der Treibstoff, das sind die Kräfte, mit denen man arbeitet – sie werden gebündelt, um nur für das Notwendige eingesetzt zu werden.
Nehmen wir zum Beispiel das Feuer. Einerseits hat der Mensch Nutzen vom Feuer: Wenn der Mensch Feuer hat, kann er kochen, und er kann es gebrauchen, damit es ihm in der Nacht leuchtet, und ebenso kann er sich im Winter am Feuer wärmen. Vor allem kann der Mensch sagen, dass das Feuer zur Korrektur der Welt in die Welt gekommen ist. Andererseits: Wenn der Mensch nicht achtsam ist und es nicht auf die gebührende Weise gebraucht, so bringt dieses Feuer Schaden und Zerstörung über die Welt, sodass ein Mensch dadurch manchmal arm und bedürftig wird, auch wenn er zuvor sehr reich war; und manchmal bringt das Feuer den Tod in die Welt, und dergleichen.
Ebenso ist es in der Arbeit: Die Kräfte des Menschen können der Welt Korrektur bringen; und wenn der Mensch die Kräfte auf die gebührende Weise, in der Ordnung der Korrektur, gebraucht, so bringen die Kräfte der Welt Nutzen. Und das ist wie oben gesagt: Wenn der Mensch auf den Wegen der Korrektur geht, genügen ihm die wenigen Kräfte, die er hat, um zu seiner Vollkommenheit zu gelangen. Wir sehen also: Selbst aus einer Sache, aus der Schaden für die Welt hervorgehen kann, wenn man sie gebraucht – also diese Kraft, die zum Beispiel „Feuer“ heißt, auf dem Weg der Korrektur –, hat die ganze Welt Nutzen davon.
Und ebenso ist es in der Arbeit, wie oben: Wenn der Schöpfer ihm die nötige Hilfe gibt, so genügen ihm einige Kräfte an Treibstoff, die auf der Ebene des „Regens“ genannt werden, wie oben, damit sie Früchte hervorbringen; denn in der Heiligkeit gilt die Regel, dass der Mensch aus der Arbeit Früchte hervorbringen muss, wohingegen es in der Sitra Achra (der anderen Seite) heißt: „Ein anderer Gott ist unfruchtbar und trägt keine Frucht.“
Aus dem Gesagten lässt sich erklären, was unsere Weisen sagten (Nida 16b), und dies sind ihre Worte: „Denn Rabbi Chanina bar Papa lehrte: Jener Engel, der über die Empfängnis gesetzt ist, sein Name ist Laila (Nacht). Und er nimmt einen Tropfen und stellt ihn vor den Schöpfer und sagt vor Ihm: Herr der Welt, dieser Tropfen – was soll aus ihm werden? Ein Starker oder ein Schwacher, ein Weiser oder ein Tor, ein Reicher oder ein Armer? Ob aber ein Frevler oder ein Gerechter, das sagte er nicht – gemäß Rabbi Chanina; denn Rabbi Chanina sagte: Alles ist in den Händen des Himmels, außer der Gottesfurcht.“
Und mein Vater und Lehrer stellte dazu die Frage: Wenn doch über den Tropfen bestimmt wurde, dass er ein Tor sein soll – wie kann es danach eine Wahl zum Guten geben? Es gibt doch die Regel: „Kein Mensch sündigt, es sei denn, ein Geist der Torheit ist in ihn eingedrungen.“ Wie kann der Mensch dann eine Wahl treffen und das Gute wählen? Er ist doch mit einem Geist der Torheit geboren, und wie kann er sich davor bewahren, zu sündigen, solange der Geist der Torheit in ihm ist?
Und gemäß dem, was wir über den Menschen ausgelegt haben: Wenn er gemäß der Vermischung der vier Elemente geboren wird, sodass er deswegen schlechte Eigenschaften hat und keinen Bezug zum bösen Trieb oder zum guten Trieb hat, sondern wie die Tiere der Welt ist, so wird er dennoch dadurch, dass er sich mit Tora und Mizwot befasst – sei es auch zum eigenen Vergnügen –, durch das Licht in ihr die Geringheit und die schreckliche Verderbnis spüren, die in der Natur des Empfangens für sich selbst liegt, und wird sich ganz hingeben, nur zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Und dann wird der Schöpfer ihm die Augen öffnen.
Ebenso lässt sich hier erklären: Obwohl über den Tropfen bestimmt wurde, dass er ein Tor sein soll, wird ihn dennoch dadurch, dass er sich mit der Tora nicht um ihretwillen (lo liShma) befasst, das Licht in ihr zum Guten zurückkehren lassen; denn das Licht in der Tora des lo liShma hat die Kraft, ihm zu leuchten, sodass er das Böse in sich spürt. Das heißt: Obwohl die Regel gilt, „ein Tor spürt nicht“ – und wie sollte jemand, der aus einem Tropfen geboren wurde, über den bestimmt wurde, dass er ein Tor sein soll, das Empfinden für Gut und Böse haben? Das kommt aus der Geburt selbst, also, wie oben, aus dem Tropfen selbst, über den bestimmt wurde, dass er ein Tor sein soll; dann ist er auf der Ebene „ein Tor spürt nicht“. Doch durch das Licht der Tora erhält er das Empfinden für Gut und Böse, und zwar in solchem Maße, wie oben, dass er durch das Erkennen des Bösen, das er durch das Licht der Tora empfangen hat, danach der Öffnung der Augen gewürdigt wird.
Doch ist zu fragen: Warum bestimmt der Schöpfer über den Tropfen, dass er ein Tor sein soll? Das sieht doch so aus, als würde der Schöpfer von vornherein bewirken, dass es ihm nicht möglich ist, die Eigenschaften zu überwinden, mit denen er geboren wurde. Dies lässt sich erklären, wie mein Vater und Lehrer sagte: Es gibt viele Male, in denen der Schöpfer an einem Menschen eine Handlung vollzieht, die so aussieht, als würde der Schöpfer selbst zum Nachteil des Menschen wirken. Man muss doch gemäß der Regel einwenden: „Der Schöpfer kommt nicht mit Vorhaltungen (also mit Anklagen) über Seine Geschöpfe.“ Warum also handelt der Schöpfer so, dass es dem Menschen scheint, der Schöpfer hat bewirkt, dass es nicht in seiner Kraft steht, zu überwinden?
Und die Antwort lautet: Der Schöpfer will, dass die Geschöpfe wissen, dass Er in Seinen Handlungen nicht eingeschränkt ist. Das heißt: Da die Sache, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, nicht in der Hand des Menschen liegt, sondern gerade durch Hilfe von oben zustande kommt, indem der Schöpfer dem Menschen eine zweite Natur gibt, die „Verlangen zu geben“ genannt wird – und beim Schöpfer gibt es keinen Unterschied, ob Er ihm große oder kleine Hilfe geben muss. Ebenso lässt sich auch hier erklären, nämlich dass der Schöpfer deshalb über den Tropfen bestimmt, dass er ein Tor sein soll, damit der Mensch weiß, dass es beim Schöpfer keinen Unterschied macht, ob er große oder kleine Kräfte hat, ob er ein großer Weiser oder ob er ein Tor ist. Nur wenn der Mensch zur Einsicht gelangt, dass er den Schöpfer bitten muss, ihm zu helfen, hilft ihm der Schöpfer, wie oben: dass er, nachdem er das Licht der Tora empfangen hat – durch die Tora, mit der er sich zu seinem eigenen Vergnügen befasst hat, was „Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen“ genannt wird –, dann, wenn er den Schöpfer bittet, gewürdigt wird, dass der Schöpfer ihm die Augen öffnet und er vor sich eine Welt sieht, erfüllt von höchster Vollkommenheit.
Aus dem Gesagten lässt sich erklären, was unsere Weisen sagten (Taanit 7): „Jedem, der sich mit der Tora um ihretwillen (liShma) befasst, wird seine Tora zum Trank des Lebens. Und jedem, der sich mit der Tora nicht um ihretwillen (lo liShma) befasst, wird sie zum Trank des Todes.“
Und demnach wäre es schwierig: Der Mensch kann doch, bevor er gewürdigt wird, dass seine Handlungen um des Himmels willen sind, noch nicht liShma lernen. Wie also sagten sie (Pesachim 50): „Stets befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot nicht um ihretwillen (lo liShma), denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma“? Wie kann man sagen, dass der Mensch zuerst lo liShma lernen soll? Er nimmt doch damit einen Trank des Todes in sich auf.
Und dies lässt sich auf die oben genannte Weise erklären: Denn der Mensch, der aus den vier Elementen geboren ist, hat noch keinen Bezug zum bösen Trieb und zum guten Trieb. Sondern, wie oben in den Worten des Sulam, wo er sagt: Dadurch, dass der Mensch die Tora zu seinem eigenen Vergnügen lernt, was „nicht um ihretwillen (lo liShma)“ genannt wird, also zum eigenen Nutzen, wird er dennoch durch das Licht in ihr, wie oben im Sulam: „durch das Licht in ihr die Geringheit spüren, die in der Natur des Empfangens für sich selbst liegt. Und dann wird er es sich zu Herzen nehmen, sich von der Natur des Empfangens loszulösen, und wird sich ganz hingeben, nur zu arbeiten, um zu geben. Und dann wird der Schöpfer ihm die Augen öffnen.“
Demnach wird die Auslegung so sein: Nur durch das Licht der Tora, in der Zeit, in der er lo liShma lernt, wird ihm das Licht in der Tora zu verstehen und zu spüren geben, dass er, wenn er liShma lernt, also um zu geben, dann des Lichtes des Lebens gewürdigt wird und eine Welt sieht, erfüllt von allem Guten. Und wenn nicht, sondern er im Empfangen für sich selbst bleibt, so wird sein Zustand der „Trank des Todes“ sein; das heißt: Er spürt dann die Verderbnis, die im Empfangen für sich selbst liegt, dass er getrennt bleibt vom Leben des Lebens.
Es zeigt sich also: Gerade wenn er begonnen hat, lo liShma zu lernen, dann gibt ihm das Licht in der Tora zu verstehen, was der „Trank des Lebens“ und was der „Trank des Todes“ ist. Und dadurch wird er danach der Öffnung der Augen gewürdigt und wird eine Welt sehen, erfüllt von allem Guten.
korrOp, EY, 16.7.2026, Ver2