<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1990/10 Was bedeutet es in der Arbeit, dass unsere Weisen sagten: „König David hatte kein Leben“?

1990/10 Was bedeutet es in der Arbeit, dass unsere Weisen sagten: „König David hatte kein Leben“?

Der Sohar (WaJishlach, Blatt 16, und im Sulam [Leiter-Kommentar], Punkt 52) sagt dort folgendermaßen: „Rabbi Shimon sagte: ‚Wir haben gelernt, dass König David, bevor er auf die Welt kam, überhaupt kein Leben hatte, außer den siebzig Jahren, die Adam haRishon ihm von sich aus gab. Eine andere Auslegung ist: Die Väter überließen ihm von ihrem Leben, jeder einzelne von ihnen. Abraham überließ ihm von seinem Leben, ebenso Jakob und Josef. Isaak überließ ihm nichts, weil König David von seiner Seite kam.‘“

Auslegung: „König David ist das Geheimnis von Nukwa auf der linken Seite, wo dann Dunkelheit herrscht und nicht Licht. Deshalb hatte er kein Leben, denn Leben gibt es nur auf der rechten Seite, dem Geheimnis von Seir Anpin, der „Baum des Lebens“ genannt wird. Auch Isaak war auf der linken Seite, doch er war in Abraham eingeschlossen, im Geheimnis des Verses: „Abraham zeugte Isaak“, und ebenso durch die Kraft der Fesselung. Deshalb hatte er Leben. Doch all das galt nur für ihn selbst. David aber konnte er kein Leben geben, weil sein Wesen aus der linken Linie stammte.“ So weit der Wortlaut.

Hier muss man verstehen, was „rechts“ ist, wenn er sagt, dass ‚es Leben nur auf der rechten Seite gibt‘, und was „links“ ist, wo ‚Dunkelheit herrscht und nicht Licht‘. Ebenso muss man verstehen, warum Isaak, der links ist, Leben hatte – nur dass er des Einschlusses in die Rechte bedurfte, also in Abraham. David dagegen hatte überhaupt kein Leben, sondern jeder musste David von seinem eigenen Leben abgeben.

Um dies im Sinne der spirituellen Arbeit zu verstehen, müssen wir uns daran erinnern, was wir gelernt haben: Vor uns liegen zwei Dinge.

1. Das Schöpfungsziel: Das Schöpfungsziel besteht darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das bedeutet, dass alle Geschöpfe das Ziel erreichen und mit dem Guten und dem Genuss gewürdigt werden müssen, die in dem Ziel des Schöpfers liegen, der es erschaffen hat.

2. Die Korrektur der Schöpfung: Sie dient dazu, dass es kein „Brot der Scham“ (Nahama deKisufa) gibt. Deshalb wurde eine Korrektur eingerichtet, die „Or Choser (zurückgeworfenes Licht)“ genannt wird. Das heißt, die Unteren kehren um und geben dem Schöpfer Genuss zurück. Sie wollen das Gute und den Genuss also nicht für sich selbst empfangen, sondern um zu geben.

Diese beiden Dinge sind einander entgegengesetzt. Denn der Schöpfer hat in den Geschöpfen ein Verlangen erschaffen, für sich selbst zu empfangen, also dass die Geschöpfe Genuss haben – und darin liegt nach allem, was wir lernen, Sein ganzer Zweck. Die Korrektur aber ist das genaue Gegenteil der Eigenschaft der Geschöpfe, die mit dem Verlangen erschaffen wurden, für sich selbst zu empfangen. Nun aber müssen die Geschöpfe etwas tun, was der Natur widerspricht, nämlich geben.

Das heißt: Die Arbeit beginnt damit, dass die Unteren Handlungen des Gebens vollbringen müssen, und zwar mit der Absicht zu geben. Danach beginnt die Arbeit, in der sie Genuss und Vergnügen empfangen können – ebenfalls mit der Absicht zu geben.

Damit es Raum für die Arbeit gibt und der Mensch eine Wahl treffen kann, sich auf das Geben auszurichten, wurden eine Einschränkung (Zimzum) und eine Verhüllung geschaffen. Das bedeutet: Solange der Mensch sich nicht auf das Geben ausrichten kann, bleibt er unter der Verhüllung. Abgesehen davon, dass er sich nicht auf das Geben ausrichten kann, sondern sein ganzes Verlangen nur dem eigenen Nutzen gilt, bewirkt diese Verhüllung noch etwas anderes, das Schwerste überhaupt: Der Mensch muss harte Arbeit leisten, um des Glaubens über dem Verstand gewürdigt zu werden. Denn durch die Verhüllung sieht er innerhalb des Verstandes das Gute und den Genuss nicht, den die Geschöpfe vom Schöpfer empfangen – obwohl das ganze Schöpfungsziel allein darin lag, dass Er Seinen Geschöpfen Gutes tun will. Dieses Gute sieht er nicht, weder in Bezug auf sich selbst noch in Bezug auf andere Menschen.

Daraus folgt: Der Mensch muss nicht nur arbeiten, um die Übereinstimmung der Form zu erlangen, also Gefäße des Gebens zu haben, sondern auch, um des Glaubens gewürdigt zu werden, dass der Schöpfer Seine Welt als der Gute führt, der Gutes tut. Und wodurch wurde das alles bewirkt? All dies geschah durch die Kraft der Einschränkung und der Verhüllung, die ihrerseits durch die Korrektur der Schöpfung bewirkt wurden.

Hier aber stellt sich eine schwerwiegende Frage. Wir sagen, dass die Verhüllung um der Korrektur der Schöpfung willen geschah, und aus dieser Verhüllung ergeben sich zwei Aspekte.

1. der Mangel an Glauben,

2. das Verbot, das Verlangen zu benutzen, für sich selbst zu empfangen.

Dies wird allgemein „Mocha weLiba“ (Verstand und Herz) genannt. Es stellt sich die Frage: Was kommt zuerst? Muss der Mensch also zuerst des Glaubens gewürdigt werden und kann erst danach dazu gelangen, zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten – oder ist es umgekehrt?

Die Vernunft verlangt, dass der Mensch zuerst des Glaubens gewürdigt werden muss. Erst dann lässt sich sagen, dass er sich selbst annulliert, nicht für den eigenen Nutzen arbeitet und einzig zum Nutzen des Schöpfers arbeitet. Dass der Mensch alles allein zum Nutzen des Schöpfers tut, hängt davon ab, in welchem Maß er an die Größe des Schöpfers glaubt; in diesem Maß lässt sich sagen, dass er für Ihn arbeitet. Denn man kann sich nicht stark für etwas anstrengen, das nicht wichtig ist – es ist der Lauf der Welt, dass man für das Wichtigere mehr Mühe aufwendet.

Die Anstrengung, die ein Mensch aufbringen kann, hängt also von der Wichtigkeit des Begehrten ab. Es ist klar: Je wichtiger der Schöpfer für den Menschen ist, desto leichter fällt es ihm, für Ihn zu arbeiten, damit er das Verlangen aufgibt, für sich selbst zu empfangen, und einzig für den Schöpfer arbeitet. Demnach ergibt sich aus dem Gesagten: Damit der Mensch die Kraft hat, den eigenen Genuss aufzugeben und sich aufzumachen, um zum Wohl des Schöpfers zu handeln, muss er gewiss zuerst des Glaubens an den Schöpfer gewürdigt werden. Danach kann er sich vor dem Schöpfer annullieren und alles um des Himmels willen tun. So verlangt es die Vernunft, dass dies die Ordnung der Arbeit sein soll.

Aus dem aber, was im Sulam steht („Einführung in das Buch Sohar“, Blatt 138), geht das Gegenteil hervor: „Bevor der Mensch dazu gelangt, seine Gefäße so zu korrigieren, dass sie auf das Geben ausgerichtet sind – was Übereinstimmung der Form genannt wird –, kann dieser Mensch keinen Glauben haben. Denn dort heißt es: Solange der Mensch keine Gefäße des Gebens hat, kann er das Gute und den Genuss vom Schöpfer nicht empfangen. Deshalb kann er nicht glauben, dass der Schöpfer die Welt als der Gute führt, der Gutes tut. Daraus folgt, dass er schlecht über den Schöpfer redet. Zu eben dieser Zeit glaubt er also nicht mehr, dass der Schöpfer die Welt als der Gute führt, der Gutes tut.

Und noch schlimmer: Auf ihm lastet, Gott behüte, ein Leugnen Seiner Vorsehung, wie es heißt: „Denn vor der Korrektur wird Malchut ‚Baum von Gut und Böse‘ (Ilana Tow waRa) genannt. Das bedeutet: Malchut ist das Geheimnis Seiner Führung in dieser Welt. Solange die Empfänger nicht zur Vollendung gelangt sind, in der sie die Vollkommenheit Seines Gutestuns empfangen könnten, die Er im Schöpfungsgedanken für uns vorgesehen hat, muss die Führung notwendig den Weg von Gut und Böse nehmen.“

Das ist das Geheimnis des Verses: „Alles hat der Schöpfer zu Seinem Zweck geschaffen.“ Wir aber sagen genau das Gegenteil, von einem äußersten Ende zum anderen. Deshalb erscheint uns Seine Vorsehung als Gut und Böse, also als Lohn und Strafe – denn das eine hängt am anderen. Da wir Gefäße des Empfangens benutzen, spüren wir bei den Handlungen der Führung notwendig, dass sie für uns böse sind. Denn es ist ein Gesetz, dass das Geschöpf von Ihm nichts Böses offen empfangen kann, weil es, Gott behüte, Seine Ehre verletzte, wenn das Geschöpf Ihn als Urheber von Bösem erlebte; das gehört sich nicht für den vollkommen Handelnden. Wenn der Mensch daher Böses spürt, lastet im selben Maß, Gott behüte, ein Leugnen Seiner Vorsehung auf ihm, und der Handelnde wird ihm verborgen – das ist die größte Strafe auf der Welt.

So bringt das Empfinden von Gut und Böse in Seiner Vorsehung das Empfinden von Lohn und Strafe mit sich. Denn wer sich anstrengt, sich nicht vom Glauben an Ihn zu trennen, hat Lohn, auch wenn er einen schlechten Geschmack in der Vorsehung schmeckt. Wenn es ihm aber, Gott behüte, nicht gelingt, sich anzustrengen, hat er Strafe, weil er sich vom Glauben an Ihn getrennt hat. So zeigt sich: Obwohl Er allein alle Taten getan hat, tut und tun wird, bleibt dies denen verborgen, die Gut und Böse spüren. Denn zur Zeit des Bösen wird der Sitra Achra (der anderen Seite) die Kraft gegeben, Seine Vorsehung und den Glauben an Ihn zu verbergen, und man gerät in die große Strafe der Trennung und wird voller Grübeleien (Hirhurim) des Leugnens. Kehrt man aber in Umkehr (Teshuwa) zurück, so findet man sich dem gegenüber, dass man Lohn empfängt und sich erneut an Ihn anhaften kann.“

Aus dem Gesagten sehen wir, dass es keinen Glauben an den Schöpfer geben kann, bevor der Mensch der Gefäße des Gebens gewürdigt wird, denn nur dann hat der Mensch vollkommenen Glauben. Dann stellt sich die Frage: Wenn der Mensch keinen Glauben hat, wie kann es dann sein, dass er alles zum Nutzen des Schöpfers tut, bevor er Glauben an den Schöpfer hat?

Die Antwort lautet: Der Mensch hat einen teilweisen Glauben, nämlich aus dem, was er vonseiten der Allgemeinheit glaubt. In der Allgemeinheit Israels gibt es einen Glauben in Form des umgebenden Lichts (Or Makif), das Licht des Glaubens, das allgemein in der Allgemeinheit Israels leuchtet. Jeder Einzelne empfängt davon einen Glauben, der „teilweiser Glaube“ genannt wird; das heißt „Domem (Unbelebtes) der Heiligkeit“. Und alle beginnen ihre Arbeit auf der Stufe des Unbelebten.

So steht geschrieben („Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“, Punkt 14): „Ich habe den Ausspruch unserer Weisen gedeutet: ‚wessen Tora sein Handwerk (Omanuto) ist‘, dass sich nämlich an der Beschäftigung mit seiner Tora das Maß seines Glaubens zeigt. Denn ‚Omanuto‘ (sein Handwerk) hat dieselben Buchstaben wie ‚Emunato‘ (sein Glaube). Es ist wie bei einem Menschen, der seinem Freund vertraut und ihm Geld leiht: Möglicherweise vertraut er ihm eine Lira an; verlangt der aber zwei Lira, weigert er sich, sie ihm zu leihen. Und möglicherweise vertraut er ihm ohne den Schatten eines Zweifels sein ganzes Vermögen an. Dieser letzte Glaube gilt als vollkommener Glaube, während die vorherigen Formen als unvollkommener Glaube gelten, nämlich als teilweiser Glaube.“

Deshalb beginnt der Mensch seine Arbeit mit dem Glauben der Allgemeinheit Israels, die einen Glauben in Form des umgebenden Lichts hat. Von diesem Glauben empfängt jeder einen Teil, der ihm genügt, um seine Arbeit zu beginnen, damit er in die Arbeit auf der Stufe des Einzelnen eintreten will. Das heißt, der Mensch soll des Glaubens in Form des inneren Lichts (Or Pnimi) gewürdigt werden, was „Und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, lieben“ genannt wird. „Dein Gott“ bezeichnet eine einzelne Stufe – das heißt, sein Glaube baut nicht auf der Allgemeinheit auf, von der er nur einen Teil empfängt, den oben genannten teilweisen Glauben, sondern er wird eines einzelnen Glaubens gewürdigt. Das wird „vollkommener Glaube“ genannt, bei dem er die Allgemeinheit nicht benötigt.

Um des vollkommenen Glaubens gewürdigt zu werden, muss der Mensch zuerst in der Übereinstimmung der Form arbeiten, das heißt, seine ganze Arbeit muss auf das Geben ausgerichtet sein. Erst nachdem er Gefäße des Gebens erlangt hat, kann er des vollkommenen Glaubens gewürdigt werden. Dann kann er erfüllen, was geschrieben steht: „Und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen“, wie gesagt.

Wenn der Mensch jedoch beginnt, in der Übereinstimmung der Form zu arbeiten, um des vollkommenen Glaubens gewürdigt zu werden, verläuft die Arbeit in zwei Richtungen, die „Mocha weLiba“ (Verstand und Herz) genannt werden. Denn man kann nicht auf das Geben ausgerichtet arbeiten, wenn der, dem man geben will, kein großer und wichtiger Mensch ist, wie oben. Deshalb muss der Mensch einen Teil seiner Zeit an der Arbeit des Verstandes und einen Teil seiner Zeit an der Arbeit des Herzens arbeiten.

Und hier beginnt die eigentliche Arbeit, nämlich wenn er arbeiten will, um des Glaubens auf der Stufe des Einzelnen gewürdigt zu werden. Denn hier gibt es Aufstiege und Abstiege, weil die Grundlage dieser Arbeit darin besteht, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten, was der Natur des Menschen widerspricht, der mit einem Verlangen erschaffen wurde, zum eigenen Nutzen zu empfangen. Deshalb beginnt hier der eigentliche Kampf gegen den Trieb. Darum muss es eine Ordnung in der Arbeit geben, sonst kann er auf diesem Weg nicht weitergehen, nämlich zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen.

Denn wenn der Mensch sieht, dass die Arbeit schwer ist, weil er immer über dem Verstand gehen muss, so lässt ihn sein Verstand immer erkennen, dass es sich nicht lohnt zu arbeiten, wenn es nicht zum eigenen Nutzen ist. Jedes Mal lässt ihn sein Verstand erkennen: „Du siehst doch, dass du mit dem Verlangen geboren wurdest, zum eigenen Nutzen zu empfangen. Wie willst du dich da annullieren und nichts mehr zum eigenen Nutzen denken, sondern nur zum Nutzen des Schöpfers? Was hast du davon, dass du zum Nutzen des Schöpfers arbeitest?“ Verrichtet der Mensch dagegen die heilige Arbeit in Tora und Mizwot, um Lohn zu empfangen, so kann der Verstand das verstehen, denn so ist der Lauf der Welt: Man arbeitet bei jemandem, und es ist nicht wichtig, wer der Dienstherr ist; man denkt immer nur daran, wie viel Lohn man für die Arbeit erhält, denn der Lohn ist das Entscheidende. Und das ist die Arbeit der Allgemeinheit.

Wenn der Mensch aber um des Gebens willen arbeiten will, um dadurch des vollkommenen Glaubens gewürdigt zu werden, beginnen hier die Aufstiege und Abstiege. Denn man kann nicht ohne Gegenleistung arbeiten. Wann kann der Mensch ohne Gegenleistung arbeiten? Einzig dann, wenn er einem wichtigen Menschen geben will – das gilt ihm sehr wohl als Gegenleistung. Bekanntlich sagten unsere Weisen: „durch den Genuss, den er von ihm empfängt“ – es liegt also ein Genuss darin, dass ein wichtiger Mensch von ihm das Geschenk annimmt.

Das heißt, es liegt in der Natur, dass der Geringere Genuss empfindet, wenn er dem König dienen darf. So zeigt sich: Wenn der Mensch um des Gebens willen arbeiten will, muss er den Schöpfer hochschätzen, damit er die Fähigkeit hat, Ihm zu geben, und die Kraft hat, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Wenn ihm daher die Wichtigkeit des Schöpfers verloren geht – was im SoharShechina im Staub‘ genannt wird, wenn er nämlich keine Wichtigkeit in der Heiligkeit spürt, sondern sie ihm wie Staub gilt –, dann hat er keine Kraft, um des Gebens willen zu arbeiten. Deshalb gilt die Ordnung der Arbeit sowohl im Verstand als auch im Herzen.

Während der Arbeit jedoch, in der der Mensch arbeitet, um das Ziel zu erreichen, nämlich der Anhaftung an den Schöpfer gewürdigt zu werden, ist die Ordnung wie in der Körperlichkeit: Der Mensch kommt nur dann voran, wenn er beide Beine benutzt, das rechte und das linke. So sagten unsere Weisen (Sota 47): „Stets soll die Linke abstoßen und die Rechte heranziehen.“ „Rechts“ bezeichnet das, was zum Schöpfer annähert, wenn man also spürt, dass man dem Schöpfer nahe ist. Und selbst wenn er noch kein solches Gefühl hat, muss er über dem Verstand gehen, als ob er spürte, wie er in völliger Vollkommenheit vollkommen ist, wie es heißt (in Artikel 9 des Jahres 1990): „Und er freut sich seines Anteils“, und damit wird er „gesegnet“ genannt.

Dann „haftet der Gesegnete am Gesegneten“, und daraus empfängt er Leben, weil er dem Schöpfer nahe ist. Das wird „angehaftet am Baum des Lebens“ genannt, weil er Gefäße des Gebens benutzt, auf denen keinerlei Einschränkung und Urteil liegt. Deshalb zieht der Mensch von der rechten Seite, die „Vollkommenheit“ genannt wird, Leben aus dem Leben der Lebenden herab.

Dagegen wird „links“ „etwas, das der Korrektur bedarf“ genannt. Wenn der Mensch nämlich seine Arbeit kritisch prüft und seine Mängel (sieht), und da er nichts hat, worin er Vollkommenheit besäße, dann sieht er, wie er von der Heiligkeit abgestoßen wird. Damit sieht er, dass er auf der Stufe des „Verfluchten“ ist, und „kein Verfluchter haftet am Gesegneten“. Er ist dann also vom Schöpfer getrennt und hat damit kein Leben. Daraus folgt: Von der linken Seite her, wenn der Mensch seine Abrechnung innerhalb des Verstandes vornimmt, sieht er, dass er nackt und völlig mittellos ist. Deshalb gibt es kein Leben, wenn der Mensch auf der linken Linie geht.

Nach dem Gesagten lässt sich erklären, was wir zu den Worten des Sohar gefragt haben: „König David hatte kein Leben, bevor er auf die Welt kam.“ Der Grund ist: König David ist die Stufe von Malchut, auf der eine Einschränkung lag. David wird „die Gesamtheit von Malchut“ genannt, die eine Korrektur empfangen muss, sodass jedes Verlangen zu empfangen, das in den Gefäßen des Empfangens ist, korrigiert wird. Deshalb musste er in Gefäße eingeschlossen werden, in denen es Gefäße des Gebens gibt, damit dadurch auch das allgemeine Malchut korrigiert wird.

Das wird „Ende der Korrektur“ (Gmar Tikun) genannt. Der König Messias wird also „Ende der Korrektur“ genannt, was bedeutet, dass das allgemeine Malchut auf das Geben hin korrigiert wird. Deshalb sagte der Sohar, dass nur Abraham, Jakob und Josef, die nicht von der Eigenschaft des Urteils sind, David von ihrer Stufe gaben, damit er Leben hätte. Das heißt: Dadurch erhielt er Gefäße des Gebens, die zur rechten Stufe gehören, die Chessed (Gnade) ist – das Gegenteil der Eigenschaft des Urteils, die Gefäße des Empfangens sind. Deshalb empfing er nichts von Isaak, der die linke Stufe ist, die Eigenschaft des Urteils, die Gefäße des Empfangens sind.

Das ist die Erklärung von „auf der Linken gibt es kein Leben“: Wenn der Mensch auf der linken Stufe geht, sieht er, was ihm fehlt, und der Mangel wird „Eigenschaft des Urteils“ genannt; deshalb gibt es auf der Linken kein Leben. Vielmehr empfindet der Mensch gerade auf der Rechten, wenn er sich mit der Stufe „Denn Er hat Gefallen an der Gnade“ beschäftigt und ihm nichts fehlt, dass er lebendig ist. Befindet sich der Mensch aber in einem Zustand, in dem er nackt und völlig mittellos ist, so gilt das als kein Leben. Denn wenn der Mensch seine Mängel spürt und ihm die Zukunft nicht leuchtet, dass er einmal in der Lage sein wird, seine Mängel zu füllen, dann sagt der Mensch: „Besser ist mir mein Tod als mein Leben.“

Damit lässt sich erklären, was geschrieben steht: „König David hatte kein Leben.“ Das bedeutet: Da die ganze Erschaffung der Welt dazu diente, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen, ist die erste Ordnung in der Arbeit, dass der Mensch dann an das Schöpfungsziel glauben muss, dass es nämlich der Wille des Schöpfers ist, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen. Wenn er daran glaubt, so muss der Mensch nachdenken: Was ist der Grund, dass ich das Gute und den Genuss nicht habe, den der Schöpfer mir geben will?

So zeigt sich: Wenn er glaubt, dass er empfangen soll, spürt er in eben diesem Maß den Mangel. Und wenn er seinen Mangel spürt, macht er sich auf, den Grund zu sehen, „warum er seinen Mangel nicht korrigieren kann“. Dann muss man an die Worte unserer Weisen glauben, die sagten, dass uns die Anhaftung fehlt, also die Übereinstimmung der Form, wie geschrieben steht: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“

Daraus folgt: In dem Maß, in dem er glaubt, dass der Schöpfer der ganzen Welt alles Gute gibt, muss er in eben diesem Maß auch dem Schöpfer geben. Und wenn der Mensch glaubt, dass der Schöpfer der ganzen Welt gibt, soll er daraus die Wichtigkeit und Größe des Schöpfers gewinnen – ähnlich einem wichtigen Menschen in der Körperlichkeit, wo wir sehen, dass es ein großes Privileg ist, wichtigen Menschen dienen zu dürfen; aus dem Dienst selbst empfängt der Mensch Genuss und Vergnügen und braucht keine andere Gegenleistung. Wie gesagt: Im Maß des Glaubens auf der Stufe des Verstandes kann er auf der Stufe des Glaubens arbeiten.

Da der Mensch jedoch auf der Stufe des Verlangens geboren wird, für sich selbst zu empfangen, gibt es auf dieser Stufe kein Leben. Die Stufe von König David, die der Punkt im Herzen ist, hat also kein Leben. Das Licht des Lebens kann dort nämlich nicht leuchten. Deshalb wurde „die Verbindung der Eigenschaft der Barmherzigkeit mit dem Urteil“ geschaffen. So ist es geschrieben: „Von der rechten Seite, die die Stufe des Gebens ist und mit der Stufe von König David verbunden wurde, empfängt Malchut, das die Eigenschaft des Urteils ist, Leben. Deshalb wurde von der Stufe Abrahams, Jakobs und Josefs, die die Stufe von Chessed und Barmherzigkeit sind, in die Stufe von König David gegeben – und nicht von Isaak, der die linke Stufe ist, die ein Gefäß des Empfangens ist.“

korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver5