1991/47 Was bedeutet es in der Arbeit, dass die Rechte und die Linke im Gegensatz zueinander stehen?
Der Vers sagt (Ki Tawo, Maftir [5. Buch Mose 29,8]): „Und ihr sollt die Worte dieses Bundes halten und danach handeln, damit ihr weise seid in allem, was ihr tut.“ Wir müssen verstehen, was er meint mit „Und ihr sollt sie halten und danach handeln, damit ihr weise seid in allem, was ihr tut.“ Daraus geht hervor, dass das Handeln dazu dient, dadurch „in allem, was ihr tut, weise zu sein“. Es zeigt sich also, dass das Handeln wie eine Vorbereitung ist: Durch die Kraft des Handelns können wir zur Einsicht in das gelangen, was wir tun. Das bedeutet, dass hier zwei Dinge in der Arbeit zu unterscheiden sind:
1) Die Ebene der Tat, wie geschrieben steht: „Und ihr sollt danach handeln.“
2) Die Einsicht, die in den Taten liegt, wie geschrieben steht: „Damit ihr weise seid in allem, was ihr tut.“ Auf den ersten Blick ist das ein Widerspruch. Denn einerseits geht daraus hervor, dass die Hauptsache die Tat ist, wie geschrieben steht: „Und ihr sollt sie halten und danach handeln.“ Und danach steht: „Damit ihr weise seid in allem, was ihr tut.“ Das bedeutet, dass die Tat nur ein Mittel ist, durch das wir zum Verständnis des Verstandes und der Erkenntnis gelangen können.
Nun sagt der Sohar, dass bei den 613 Mizwot zwei Aspekte zu unterscheiden sind:
1) Den ersten Aspekt nennt er „613 Ratschläge“ (Ejtin),
2) den zweiten Aspekt nennt er „613 Hinterlegungen“ (Pkudin).
Der Unterschied zwischen ihnen ist folgender: „Ratschläge“ heißt es, wenn diese Sache nicht das Ziel selbst ist, sondern nur ein Ratschlag, wie man zum Ziel gelangt. Da ist es schwer zu verstehen, wie er sagen kann, dass die 613 Mizwot nur Ratschläge seien, und danach sagt, dass sie „613 Hinterlegungen“ (Pkudin) genannt werden.
Wie er im Sulam [Leiterkommentar zum Sohar] („Einführung in das Buch Sohar“, Blatt 242) erklärt, und dies sind seine Worte: „Und wenn man des Aspekts würdig wird, auf die Stimme Seines Wortes zu hören, werden die 613 Mizwot zu Hinterlegungen (Pkudin). Und dies kommt vom Wort Hinterlegung (Pikadon). Denn es gibt 613 Mizwot, und in jeder Mizwa ist das Licht einer besonderen Stufe hinterlegt, die einem besonderen Organ unter den 613 Organen und Sehnen der Seele und des Körpers entspricht. Und so zieht man beim Ausführen der Mizwa auf das ihr entsprechende Organ in seiner Seele und seinem Körper die Stufe des Lichts herab, die zu diesem Organ und dieser Sehne gehört.“
Nach dem, was er dort im Sulam erklärt, ist es daher einfach so zu deuten, denn er sagt, und dies sind seine Worte: „Denn in jeder Sache gibt es eine Vorderseite und eine Rückseite; die Vorbereitung auf die Sache heißt ‚Rückseite‘, und die Erlangung der Sache heißt ‚Vorderseite‘. Und auf diese Weise gibt es bei Tora und Mizwot den Aspekt ‚Wir werden tun‘ und den Aspekt ‚Wir werden hören‘. Und wenn man Tora und Mizwot als ‚Täter Seines Wortes‘ erfüllt, bevor man würdig wird zu hören, werden die Mizwot ‚613 Ratschläge‘ genannt, und sie sind der Aspekt der Rückseite.“
Aus dem Gesagten verstehen wir nun, was wir gefragt hatten: Wie kann geschrieben stehen „Und ihr sollt sie halten und danach handeln“, woraus hervorgeht, dass die Hauptsache die Tat ist, und danach sagt er „damit ihr weise seid“? Das heißt: Wenn Ich euch sage „Und handelt danach“, ist das nur eine Vorbereitung, um die Taten zu erlangen. Es zeigt sich also, dass die Hauptsache die Einsicht, der Verstand und die Erkenntnis sind und nicht die Tat.
Und die Antwort ist wie oben gesagt: Die Hauptsache ist die Tat. Das heißt, ohne die Taten können wir überhaupt nichts erlangen. Vielmehr können wir durch die Kraft der Taten zur Anhaftung (Dwekut) gelangen, die „Angleichung der Form“ genannt wird, denn vom lo liShma (nicht um Ihretwillen) kommt man zum liShma (um Ihretwillen). Deshalb sind die Taten die Hauptsache. Und bei den Taten selbst sind zwei Unterscheidungen zu treffen:
1) Die Taten an sich, solange sie noch ein Mittel sind. Das heißt, sie sind nur eine Vorbereitung, durch die man die Gefäße des Gebens erlangen kann. Und nachdem man durch die Taten die Gefäße erlangt hat, die „Verlangen zu geben“ genannt werden, erlangt man danach das Licht, das in die Taten eingekleidet ist.
Das bedeutet: Bei allen Taten, die man vollbracht hat, bevor man der Gefäße des Gebens würdig wurde, war auch damals schon das Licht in Tora und Mizwot eingekleidet, aber es war als Hinterlegung in Tora und Mizwot eingekleidet. Das heißt, man konnte nicht sehen, was in Tora und Mizwot ist, weil man noch nicht die Gefäße hatte, die zum Licht passen. Anders danach: Wenn man der Gefäße des Gebens würdig wird, empfängt man das in Tora und Mizwot eingekleidete Licht. Dann sieht man, dass das Licht schon vor der Zeit, da man es zu sehen würdig wurde, in die 613 Mizwot eingekleidet war, nur dass es dort als Hinterlegung war.
Deshalb ist es kein Widerspruch, dass zuerst geschrieben steht, die Hauptsache sei die Tat, wie geschrieben steht „Und handelt danach“. Denn mit der Tat beginnt man und mit der Tat schließt man ab. Es gibt nur dazwischen eine Unterscheidung. Das heißt, ob man noch nicht der Gefäße des Gebens würdig wurde oder ob man der Gefäße des Gebens bereits würdig wurde. Das bedeutet: Durch die Taten wird man der Gefäße würdig, und danach wird man durch die Taten des Lichts würdig. Und das heißt „damit ihr weise seid in allem, was ihr tut“. Das heißt, danach wird man des Aspekts würdig „Sei klug und erkenne Mich“.
Man muss jedoch bedenken, dass es, bevor man der Gefäße des Gebens würdig wird – gerade dann, wenn man dazu gelangen möchte, zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten –, in dieser Arbeit viele Höhen und Tiefen gibt. Bekanntlich stellt sich der Körper gegen die Arbeit, die darauf abzielt, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Und mal gewinnt das Gute im Menschen die Oberhand, mal das Schlechte im Menschen; das nennt man „den Krieg des Triebes“. Das heißt, es gibt eine Arbeit auf der Ebene der Tat, und das ist die Arbeit der Allgemeinheit: Man muss darauf achten, dass die Taten, die der Mensch tut, nicht um der Ehre, des Geldes und dergleichen willen geschehen, sondern um des Himmels willen.
Deshalb verrichten jene Menschen, die um des Himmels willen arbeiten wollen, ihre Taten in Zurückgezogenheit. Und das Maß der Zurückgezogenheit, so sagte mein Vater und Lehrer, ist, dass der Mensch sich genau so verhalten muss wie die Menschen in seiner Umgebung; so muss auch er sich verhalten. Das heißt, er soll nicht aus seiner Umgebung herausstechen. Das heißt: Wenn er nach außen zeigt, dass er es in den Dingen, die in seiner Umgebung üblich sind, leichter nimmt, oder dass er in den Dingen strenger ist, als es in seiner Umgebung üblich ist, dann heißt die Arbeit dieses Menschen schon nicht mehr „Zurückgezogenheit“. Denn wenn unter Menschen, die in einer Umgebung leben, einer etwas an dieser Umgebung ändert, zieht dieser Mensch die Aufmerksamkeit der Gemeinschaft auf sich, und alle schauen auf ihn. Es zeigt sich also, dass seine Arbeit nicht in Zurückgezogenheit geschieht.
Und diese Menschen empfinden einen Geschmack in der Arbeit vom Aspekt des umgebenden Lichts, das der Allgemeinheit Israels leuchtet. Und das ist, wie geschrieben steht: „Ich bin der Schöpfer, der bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit wohnt.“ Das bedeutet: Auch wenn der Mensch noch nicht von der Selbstliebe gereinigt ist und seine ganze Arbeit darauf abzielt, dass der Schöpfer ihm Lohn in dieser Welt und in der kommenden Welt gibt, werden sie dennoch „die um des Himmels willen Arbeitenden“ genannt.
In dieser Arbeit kann der Mensch sehen, wie er Fortschritte macht. Denn Tag für Tag wächst er in Tora und Mizwot weiter, und so hat er etwas, woraus er Lebenskraft und Freude schöpfen kann. Und er kann erfüllen, was geschrieben steht: „Dient dem Schöpfer mit Freude.“ Und bekanntlich wird diese Arbeit „eine Linie“ genannt. Das heißt, der Mensch weiß nicht, dass die Sache „um des Himmels willen“ etwas ist, dem man besondere Aufmerksamkeit schenken müsste. Vielmehr hat er, wie die ganze Allgemeinheit, Glauben an die Worte unserer Weisen, die sagten: „Stets beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch lo liShma, denn aus dem lo liShma kommt man zum liShma.“ Aber dass man für diese Absicht Zeit und Arbeit aufwenden müsste, daran denkt niemand. Denn der Mensch denkt, dass es von selbst kommt, ohne besondere Arbeit dafür, wie es die Worte unserer Weisen sagen: „Aus dem lo liShma kommt man zum liShma.“ Deshalb wird diese Arbeit „eine Linie“ genannt.
Anders ist es, wenn der Mensch zu der Einsicht gelangt, dass die Sache „um des Himmels willen“ eine besondere Arbeit ist, dass diese Arbeit nicht der Allgemeinheit zukommt, sondern nur dem, der von oben ein Erwachen empfangen hat, dass auch die Absicht auf das Geben gerichtet sei, was etwas Besonderes ist. Dann beginnt er zu prüfen, ob es in seiner Macht liegt, zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten. Und gegen diese Arbeit gibt es einen Widerstand des Körpers. Denn es liegt in der Natur des Menschen, dass er nichts versteht, wenn es nicht zu seinem eigenen Nutzen ist.
Und hier beginnen die Höhen und Tiefen wie oben gesagt. Es zeigt sich also: Bei der Prüfung, die der Mensch an seinen Taten vorgenommen hat, ob sie zum Nutzen des Schöpfers oder zu seinem eigenen Nutzen sind, und wenn der Mensch seine Niedrigkeit sieht, wie fern er von dieser Arbeit ist, dann muss der Mensch ein Gebet an den Schöpfer richten, dass Er ihm die Kraft gebe, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu überwinden.
Und dann geschieht es manchmal, dass der Körper einwendet: „Du hast doch gesehen, wie oft du zum Schöpfer gebetet hast, dass Er dir helfe, und du hast keinerlei Hilfe erhalten. Also ist diese Arbeit gewiss nichts für dich.“ Solche Einwände kann der Mensch nicht immer überwinden. Es zeigt sich also, dass der Mensch in diesem Zustand wie tot bleibt, ohne jede Lebenskraft, und so kann der Mensch nicht bestehen und diese Arbeit nicht fortsetzen.
Und dieser Weg wird in der Arbeit „linke Linie“ genannt. Denn es gibt eine Regel: „Alles, was der Korrektur bedarf, wird links genannt.“
Deshalb darf sich der Mensch in der Arbeit nicht auf diesem Weg beschäftigen, das heißt, eine Prüfung anzustellen, ob seine Arbeit in Vollkommenheit ist. Vielmehr gilt, was dort angeführt wird („Ordnung der Arbeit“, Punkt 9): „Bei der Arbeit der Linken genügt eine halbe Stunde am Tag.“
Und die hauptsächliche Arbeit des Menschen muss in der rechten Linie sein, die „Vollkommenheit“ genannt wird. Das heißt, in dieser Arbeit muss der Mensch ohne Prüfung sein und nicht darauf sehen, ob seine Arbeit in Vollkommenheit ist. Vielmehr muss der Mensch sagen: Auch wenn meine Taten in Tora und Mizwot nicht vollkommen sind, danke ich dennoch dem Schöpfer, dass Er mir Verstand und Willen gegeben hat, ein wenig Halt in der Heiligkeit (Kedusha) zu haben.
Das heißt: Wie viel Halt ich auch habe, für mich ist das ein großer Reichtum. Denn ich sehe, dass es viele Menschen in der Welt gibt, die überhaupt keine Berührung mit Tora und Mizwot haben; deshalb freue ich mich über meinen Anteil, dass mir ein wenig Berührung gegeben wurde. Und da ich glaube, dass dies eine wichtige Sache ist, ist mir ein wenig Berührung mit der Spiritualität wichtiger als mein ganzes Leben in dieser Welt. Nur habe ich es nicht verdient, dass man mir mehr gibt, als ich habe, und für die übrige Zeit verwirrt man mich mit allerlei Unsinn, und ich habe nicht die Kraft, ihn zu überwinden. Deshalb bin ich den ganzen Tag froh und habe davon eine gute Stimmung. Denn ich kenne meine Niedrigkeit, deshalb danke ich dem Schöpfer für den kleinen Teil, dessen ich würdig wurde.
Und nach dem Gesagten lässt sich deuten, was geschrieben steht (Ki Tawo 1 [5. Buch Mose 26,11]): „Und du sollst dich über all das Gute freuen, das der Schöpfer, dein Gott, dir gegeben hat.“ Und man muss verstehen: Muss man dem Menschen denn befehlen, dass er sich freue, wenn er etwas Gutes hat? Es ist doch von Natur aus so, dass sich freut, wer etwas Gutes hat. Anders wäre es umgekehrt: Wenn er nichts Gutes hätte, ließe sich sagen, dass man einen Befehl geben müsste, dass er sich freue. Worauf also deutet uns das, was geschrieben steht: „Und du sollst dich über all das Gute freuen, das Er dir gegeben hat“?
Und das lässt sich im Sinne der spirituellen Arbeit deuten. Denn es gibt die Sache der Arbeit der Rechten und der Linken, da die Rechte „Vollkommenheit“ genannt wird, wie oben gesagt. Das heißt, zu der Zeit, da der Mensch bereits begonnen hat, den Weg zu gehen, um zur Erlangung der Gefäße des Gebens zu gelangen. Das bedeutet, dass er bereits in die linke Linie eingetreten ist, was heißt, dass er die Wahrheit sehen will, ob er zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen arbeiten kann. Das verursacht dem Menschen Höhen und Tiefen in der Arbeit, und daraus hat der Mensch keinen Treibstoff, um die Arbeit fortsetzen zu können; vielmehr zeigt ihm die linke Linie die Wahrheit, dass er sich nicht selbst täuschen soll, indem er sagt, er habe seine Vollkommenheit bereits erreicht.
Vielmehr kann der Mensch den Treibstoff für die Arbeit nur zu der Zeit erhalten, da er Vollkommenheit in der Arbeit empfindet, denn dann hat er Freude an dem, was er tut. Da aber die Rechte und die Linke einander entgegengesetzt sind – das heißt, entweder empfindet der Mensch, dass er Vollkommenheit hat, oder er ist mit einem Mangel behaftet –, wie können dann zwei Gegensätze in ein und derselben Sache sein?
Und die Antwort ist: Obwohl sie in ein und derselben Sache sind, sind sie dennoch in zwei Zeiten. Das heißt, es gibt eine Zeit, in der der Mensch in Niedrigkeit sein muss, und es gibt eine Zeit, in der der Mensch im Aspekt des Stolzes sein muss. Und das ist, wie mein Vater und Lehrer sagte, dass es in der Arbeit immer zwei Gegensätze gibt:
1) Wie unsere Weisen sagten: „Sei sehr, sehr demütig im Geist.“ Es zeigt sich also, dass die hauptsächliche Arbeit des Menschen darin besteht, dass sich der Mensch bemühen muss, in seinem Geist demütig zu sein.
2) Wie geschrieben steht: „Und sein Herz erhob sich in den Wegen des Schöpfers.“ Daraus geht hervor, dass der Mensch stolz sein muss, das heißt, sich zu bemühen, stolz zu sein, und nicht auf die Allgemeinheit zu schauen, sondern er muss sich bemühen, höher zu sein als die Allgemeinheit. Es zeigt sich also, dass man auch hier fragen muss, wie zwei Gegensätze in ein und derselben Sache sein können. Aber auch dort muss man antworten, dass die Absicht auf zwei Zeiten geht, eine nach der anderen, denn dann können beide bestehen.
Doch man muss fragen: Wozu brauche ich diese Gegensätze? Das heißt, wozu brauchen wir diese Gegensätzlichkeit, und warum genügt nicht ein einziger Weg, das heißt entweder Niedrigkeit oder Stolz?
Und die Antwort ist wie oben gesagt: Wir müssen auf zwei Linien gehen, auf der Rechten und ebenso auf der Linken, obwohl sie einander entgegengesetzt sind. Das heißt, gerade dadurch, dass sie im Widerspruch zueinander stehen, geben sie uns das Ergebnis, das wir brauchen, um das Schöpfungsziel zu erreichen, das Sein Wunsch ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das bedeutet, dass man das Gute und den Genuss vom Schöpfer nicht empfangen kann, bevor der Mensch sich mit den Gefäßen des Gebens korrigiert hat, was die Sache der Angleichung der Form ist.
Da nun der Mensch von Natur aus mit dem Verlangen geboren ist, zum eigenen Nutzen zu empfangen, muss man, wenn man dem Menschen sagt, er solle Tora und Mizwot erfüllen, ihm sagen, dass er durch das Erfüllen von Tora und Mizwot Lohn in dieser Welt und in der kommenden Welt haben wird. Und in dem Maße seines Glaubens an Lohn und Strafe, in diesem Maße erfüllt der Mensch Tora und Mizwot. Und obwohl er um des Himmels willen arbeitet – das heißt, dass er Lohn vom Schöpfer und nicht von den Menschen will, denn er beschäftigt sich nicht mit Tora und Mizwot, damit die Menschen sehen, wie er arbeitet, sondern seine ganze Arbeit ist um des Himmels willen, nämlich wegen des Gebots des Schöpfers –, wird dies dennoch lo liShma genannt.
Das heißt: Obwohl er sich auf der Ebene der Tat mit Tora und Mizwot nur um des Himmels willen beschäftigt, ist die Absicht dennoch zum eigenen Nutzen. Deshalb wird dies lo liShma genannt. Doch unsere Weisen sagten: „Stets beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot lo liShma, denn aus dem lo liShma kommt man zum liShma.“ Und der Mensch muss sagen: „Inmitten meines Volkes wohne ich.“ Das heißt, jeder Mensch muss arbeiten wie die ganze Allgemeinheit; ohne besondere Aufmerksamkeit aber wird der Mensch im lo liShma bleiben und niemals zur Erlangung des Schöpfungsziels gelangen.
Deshalb muss der Mensch dann sagen: Es steht geschrieben „Und sein Herz erhob sich in den Wegen des Schöpfers.“ Das heißt: Ich will nicht auf der Stufe der Niedrigkeit sein wie die Allgemeinheit, sondern ich muss sehr wohl dazu gelangen, das Schöpfungsziel zu erlangen. Und das heißt, dass er zu arbeiten beginnt auf der Ebene der Prüfung, und zu sehen, wie sehr er die Liebe zum Schöpfer der Liebe zu sich selbst vorzieht. Diese Prüfung macht ihn zu einem, der einen Mangel hat, und er beginnt, nach Ratschlägen zu suchen, wie er aus der Herrschaft der Selbstliebe herauskommt.
Doch hier, in diesem Zustand, wo ein Krieg herrscht zwischen dem Verlangen zu empfangen, das im Menschen ist, und dem Verlangen, das jetzt im Menschen ist, nämlich dass er dazu gelangen will, das Verlangen zu geben zu erlangen, gewinnt manchmal das Verlangen zu geben die Oberhand und manchmal umgekehrt das Verlangen zu empfangen. Das ist es, was dann die Sache der Höhen und Tiefen bewirkt. Und der Mensch muss wissen, dass er zu der Zeit, da er sich im Zustand des Mangels befindet, nichts hat, woraus er Leben schöpfen kann, und dann hat er keinen Treibstoff, um die Arbeit in Tora und Mizwot fortzusetzen. Deshalb muss er zur rechten Linie übergehen.
Und die Sache der rechten Linie ist im Grunde eine Linie. Das heißt, dieselbe Ordnung der Arbeit, die er zu der Zeit hatte, da er nur auf der Ebene der Tat arbeitete, was lo liShma genannt wird, muss er jetzt gehen. Das heißt, er soll nicht darauf achten, ob seine Arbeit liShma ist, sondern jetzt muss er sagen, dass er nicht wichtiger ist als die übrigen Menschen. Und so wie die übrigen Menschen, die im lo liShma arbeiten, Befriedigung aus der Arbeit haben und in gehobener Stimmung sind, so gebührt auch ihm, der schlechter ist als sie, gewiss kein wichtigerer Platz in der Arbeit.
Das heißt: Auch im Vergleich zu den übrigen Arbeitenden steht er auf einer geringeren Stufe als sie, sowohl der Menge als auch der Güte nach. Er muss dem Schöpfer danken, dass Er ihm einen Gedanken und ein Verlangen gegeben hat, etwas in der Spiritualität zu tun, denn das ist ein Geschenk vom Schöpfer, dass Er ihn mit ein wenig Arbeit in Tora und Mizwot gewürdigt hat, was ihm ebenfalls nicht zusteht. Denn er sieht, dass es viele Menschen gibt, die keinerlei Verbindung zu Tora und Mizwot haben. Und wenn der Mensch dann empfindet, dass er in Vollkommenheit ist, wird dieser Mensch „gesegnet“ genannt. Und mein Vater und Lehrer sagte dazu: Zu der Zeit, da der Mensch sich als gesegnet empfindet, dann kann der Mensch am Segnenden anhaften, wie geschrieben steht: „Denn der Gesegnete haftet am Segnenden.“
Deshalb erhält der Mensch gerade aus diesem Zustand Treibstoff für die Arbeit. Und da der Mensch zu der Zeit, da er in der linken Linie arbeitet, in einem Zustand ist, in dem er sagen muss „Und sein Herz erhob sich in den Wegen des Schöpfers“ – das heißt, nicht auf die Allgemeinheit zu schauen, sondern auf einer höheren Stufe als die Allgemeinheit zu sein –, gilt das nur zu der Zeit, da er sich mit der linken Linie beschäftigt.
Anders danach: Er muss zur rechten Linie übergehen und sagen, dass unsere Weisen gesagt haben: „Sei sehr, sehr demütig im Geist.“ Deshalb ist er wahrhaftig demütig im Geist. Dann muss der Mensch wissen, dass er nicht wichtiger ist als andere, sondern er freut sich darüber, dass man ihm von oben ein Verlangen und eine Sehnsucht gegeben hat, etwas in Tora und Mizwot zu tun. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und du sollst dich über all das Gute freuen“ – das heißt: sei es auch noch so wenig – daraus muss der Mensch Freude empfangen.
Und nach dem Gesagten verstehen wir, warum die Rechte und die Linke in der Arbeit im Gegensatz zueinander stehen müssen. Und das ist deshalb, weil der Mensch auf zwei Arten arbeiten muss:
1) Vom Aspekt der Vollkommenheit her. Denn dann kann er Treibstoff für die Arbeit erhalten, denn aus einem Mangel allein lässt sich nicht leben. Deshalb muss der Mensch die meiste Zeit in der Arbeit der Rechten sein. Aber zu der Zeit, da der Mensch Befriedigung in seiner Arbeit empfindet, wer bewirkt dann, dass er vorwärtsgeht? Es gibt doch die Regel: „Wenn der Mensch keinen Mangel empfindet, ändert er seinen Weg nicht“, wie oben gesagt, weil er Befriedigung hat.
Deshalb muss man zur linken Linie übergehen, zum Aspekt der Prüfung seiner Taten, ob sie mit der Absicht zu geben geschehen. Und daraus kann der Mensch sehen, was es zu korrigieren gibt, um zur Erlangung des Schöpfungsziels zu gelangen. Und der Mangel, den der Mensch in seiner Arbeit sieht, bringt ihn voran. Das heißt: Wenn er sieht, dass er nicht auf dem richtigen Weg geht, dann will der Mensch sich gewiss korrigieren, denn zur Zeit der Prüfung kann der Mensch die Wahrheit sehen. Denn wenn er nicht auf dem Weg der Wahrheit geht, dann fällt auf den Menschen der Fluch, wie geschrieben steht (Ki Tawo, Sechster [5. Buch Mose 28,41]): „Söhne und Töchter wirst du zeugen, aber sie werden dir nicht gehören, denn sie werden in die Gefangenschaft gehen.“
Und im Sinne der spirituellen Arbeit lässt sich deuten: „Söhne und Töchter“ – das sind die guten Taten der Gerechten, wie es zu dem gesagt wird, was geschrieben steht: „Dies sind die Nachkommen Noahs; Noah war ein gerechter Mann.“ Und sie fragten: „‚Dies sind die Nachkommen …‘ – es hätte doch der Name seiner Söhne geschrieben werden müssen. Warum also steht geschrieben ‚Noah war ein gerechter Mann‘?“ Vielmehr „lehrt dies, dass die hauptsächlichen Nachkommen der Gerechten die guten Taten sind“.
Und nach dem Gesagten lässt sich deuten: „Söhne und Töchter wirst du zeugen.“ Das heißt, du wirst gute Taten vollbringen, aber wenn du sehen willst, welche guten Taten du vollbracht hast, wirst du nichts zu sehen haben. Aber hast du dich denn nicht mit Tora und Mizwot beschäftigt? Und dennoch empfindest du nicht, dass du etwas in der Arbeit getan hast. Und man muss fragen: Du hast dich doch mit Tora und Mizwot beschäftigt – wohin sind die guten Taten verschwunden, die du getan hast?
Die Antwort ist: „Denn sie werden in die Gefangenschaft gehen.“ Das bedeutet, dass sie in die Gefangenschaft zu den Klipot (Schalen) gingen. Deshalb sind sie vom Horizont verschwunden, und du kannst sie nicht sehen. Und das gibt dem Menschen einen Anstoß, nach Ratschlägen zu suchen, wie er aus der Herrschaft des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, herauskommt. Und mein Vater und Lehrer sagte: Nachdem der Mensch Teshuwa (Umkehr) getan hat, holt er all seine Arbeit, die in die Klipot gefallen ist, in die Heiligkeit zurück, im Geheimnis des Verses: „Reichtum verschlang er, und er speit ihn wieder aus.“
Aber bevor er Teshuwa getan hat, wird aus seiner Arbeit ein Aspekt des Meeres der Sitra Achra (der anderen Seite), im Geheimnis des Verses: „Dies ist das Meer, groß und weit nach beiden Seiten, dort wimmelt es ohne Zahl, kleine Tiere samt großen.“ Und er sagte, dass es sowohl kleine Tiere als auch große Tiere sind, die der Mensch zu der Zeit hatte, da sie ihm verlorengingen; das fällt in dieses Meer. Aber danach nimmt er alles wieder zurück.
Und aus dem Gesagten ergibt sich, dass wir beide Linien brauchen. Und gerade dadurch, dass sie im Gegensatz zueinander stehen, geben sie das von ihnen geforderte Ergebnis, um zum Schöpfungsziel zu gelangen, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist. Und ferner muss man wissen, dass der Mensch die Sache der Rechten, die der Aspekt der Vollkommenheit ist, nur zu der Zeit gebrauchen kann, da er sich selbst erniedrigen kann. Anders die linke Linie, die er gerade zu der Zeit gebrauchen kann, da er im Aspekt des Stolzes ist.
korrOp, EY, 27.07.2026, 06:29 Uhr, Ver4