1990/37 Was bedeutet „Die Shechina ist ein Zeugnis für Israel“ in der Arbeit?
Im Sohar heißt es (Pinchas, Blatt 192; Sulam-Kommentar [Leiter-Kommentar], Punkt 491): „‚Dem Anführer, auf Shoshan Edut [Rosen-Zeugnis].‘ Der treue Hirte [Moses] sagte: ‚Shoshan Edut‘ – das ist das Zeugnis der Shechina (göttliche Gegenwart). Sie heißt so, weil sie ein Zeugnis ist, das über uns steht und vor dem König für uns aussagt. Und sie ist uns eine heilige Hilfe, Ihn mit Lobpreisungen zu preisen; darum wird sie ‚Shoshan Edut‘ genannt. Der treue Hirte sagte: Sie wird ‚Shoshan Edut‘ genannt, weil die Shechina ein Zeugnis für Israel ist, das ihre Glieder sind, und weil sie eine Seele über ihnen ist. Sie ist eine Hilfe vom Himmel, von der geschrieben steht: ‚Und Du wirst den Himmel hören.‘ Sie ist eine heilige Hilfe.“
Hier ist zu verstehen, warum die Shechina „Shoshan“ (Rose) genannt wird: Worauf deutet uns diese Farbe der Shechina hin? Ebenso ist zu verstehen, was es heißt, dass die Shechina vor dem König für uns Zeugnis ablegt. Denn ein Zeugnis muss bekanntlich auf eigenem Sehen beruhen und nicht auf Hörensagen. Was also hat die Shechina gesehen, sodass man sagen kann, sie lege als Augenzeugin Zeugnis für uns ab?
Bekanntlich gibt es in der Arbeit für den Schöpfer zwei einander entgegengesetzte Aspekte:
1. Zum einen lernen wir, dass das Schöpfungsziel darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Aus diesem Grund erschuf Er in ihnen ein Verlangen, Freude und Genuss zu empfangen; denn das Empfinden der Freude bemisst sich nach dem Maß der Sehnsucht nach der Sache. Das Ziel der Schöpfung war also, dass die Geschöpfe Freude an der Welt haben: Er erschuf ein Verlangen, Genuss zu empfangen, damit die Geschöpfe genießen.
2. Zum anderen sagt man uns, es sei verboten, zum eigenen Nutzen zu empfangen. Der Mensch soll in Gedanken, Wort und Tat nichts zu seinem eigenen Nutzen tun, sondern darauf bedacht sein, alles um des Himmels willen zu tun – und das steht dem Schöpfungsziel scheinbar ganz und gar entgegen.
Die Antwort lautet: Der Mensch muss nicht deshalb zum Nutzen des Schöpfers arbeiten, weil der Schöpfer es nötig hätte, dass man für Ihn arbeitet und Ihm – Gott behüte – etwas gibt. Vielmehr ist dies eine Korrektur für die Geschöpfe. Der heilige ARI sagt dazu: Um die Vollkommenheit Seiner Handlungen ans Licht zu bringen. Damit also jene Handlung, die „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt und in der die Geschöpfe genießen, in diesem Genuss vollkommen sei – damit sie dabei keine Scham empfinden –, wurden ein Zimzum (Einschränkung) und eine Verhüllung über das Gute und den Genuss gelegt, die der Schöpfer geben will.
Nur wenn sie die Absicht um des Himmels willen haben, schwindet die Scham, die der Formunterschied mit sich bringt, von selbst. Denn der Schöpfer hat Wohlgefallen daran, dass man Seinen Willen erfüllt und das Gute von Ihm empfängt, weil Er es so will. Es gilt ja die Regel: „Jeder Zweig will seiner Wurzel gleichen.“ So wie der Schöpfer der Gebende ist, so hat auch der Untere Genuss, wenn er gibt.
Muss der Untere dagegen empfangen, so schämt er sich. Deshalb wurde jene Korrektur über das Verlangen gelegt, zum eigenen Nutzen zu empfangen, das von Seiten der Schöpfung kommt: Der Mensch muss über das Verlangen zu empfangen eine Absicht legen, um zu geben.
Will der Mensch nun aber Tora und Mizwot mit dieser Absicht einhalten, sodass ihm daraus das Verlangen erwächst, alles zu tun, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, so stößt er auf Widerstand. Denn dieses Verlangen ist gegen die Natur des Menschen, der von Natur aus als Verlangen erschaffen wurde, nur zum eigenen Nutzen zu empfangen. Sagt er also: „Ich will gute Taten tun, damit ich durch ihre besondere Kraft alles um des Himmels willen ausrichten kann und nicht zum eigenen Nutzen“, dann schreit das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, das in seinem Körper wohnt und „der Böse“ heißt: „Was ist das für eine Arbeit für euch?“
Welche Antwort muss man ihm auf diese Frage geben? Sie steht in der Pessach-Haggada (Pessach-Erzählung): „Der Böse – was sagt er? ‚Was ist das für eine Arbeit für euch?‘ Für euch und nicht für ihn. Und da er sich selbst aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hat, hat er das Wesentliche verleugnet. Und auch du schlage ihm die Zähne ab.“
Diese Antwort ist schwer zu verstehen. Er stellt doch eine Frage, weil er begreifen will, warum wir das Verlangen zu empfangen annullieren wollen – jenes Verlangen, das der Schöpfer selbst erschaffen hat. Man müsste ihm also antworten, denn nach seiner Auffassung ist das Recht auf seiner Seite. Warum heißt es dann: „Schlage ihm die Zähne ab“?
Mein Vater und Lehrer sagte dazu: Auf die Frage „Was ist das für eine Arbeit?“ – also „Wozu muss man zum Nutzen des Schöpfers arbeiten und nicht zum eigenen Nutzen?“ – gibt es nichts zu antworten. Man gibt einem Menschen eine Antwort auf das, wonach er fragt, damit er es mit seinem Verstand begreift. Hier aber kann man ihn nicht begreifen lassen. Denn er fragt, was das Verlangen zu empfangen davon habe, wenn er arbeitet, um zu geben. Könnte man sagen: „Du wirst geben, und als Lohn dafür wirst du danach empfangen können“, so wäre das „geben, um zu empfangen“ – und das heißt lo liShma (nicht um ihretwillen).
Will der Mensch dagegen den Weg liShma (um ihretwillen) beschreiten, also ein Gebender sein, um zu geben, so gibt es ihm nichts zu antworten. Genau das heißt „Schlage ihm die Zähne ab“: Die Antwort besteht darin, mit Kraft zu gehen, also über dem Verstand – denn innerhalb des Verstandes ist das Recht beim Bösen. Und er sagte, der Mensch könne den Bösen nicht mit einem Mal besiegen; es ist eine Arbeit in Abstiegen und Aufstiegen, bis er es verdient, ihn zu besiegen und das Joch des Königtums des Himmels im Aspekt des Glaubens über dem Verstand auf sich zu nehmen.
Deshalb wird Malchut „Shoshana“ [Rose], „Shoshanim“ [Rosen] oder „Shoshan“ [ein weiterer Name für die Rose] genannt. Der Name wird immer nach dem Geschehen vergeben, und da man das Königtum des Himmels nicht ohne das „Schlage ihm die Zähne ab“ verdient, heißt Malchut nach dieser Handlung „Shoshana“.
Daraus ergibt sich: „Shoshan“ bedeutet den Aspekt „Schlage ihm die Zähne ab“. Da es auf seine Frage nichts zu antworten gibt, muss man mit Kraft gehen, also mit Zwang, obwohl der Böse – das Verlangen, für sich selbst zu empfangen – nicht einverstanden ist. Das nennt man Hakaa (Schlagen): Der Mensch führt Krieg mit sich selbst. Sagt er nun zu seinem Bösen, es lohne sich, einem großen König zu dienen, und man brauche dafür keinerlei Gegenleistung, sondern diene, „weil Er groß ist und herrscht“ – also allein wegen Seiner Größe –, dann entgegnet das Böse: „Wie willst du einem großen König dienen? Spürst du denn Seine Größe, gepriesen sei Er, aufgrund derer du sagst, es lohne sich, Ihm zu dienen?“
In solchen Zuständen kann sich der Mensch dann manchmal keinerlei Größe des Schöpfers vorstellen. Er spürt vielmehr die Niedrigkeit innerhalb der Heiligkeit (Kedusha) – den Aspekt „Shechina im Exil“ oder „Shechina im Staub“. Er empfindet also keinerlei Wichtigkeit des Königs. Im Gegenteil: Es kommen ihm Vorstellungen, die ihn von der Arbeit für den Schöpfer entfernen, so sehr, dass er sie manchmal sogar vergessen will. Dass man dem Schöpfer dienen und keinerlei Gegenleistung für die Arbeit empfangen soll, sondern die Arbeit selbst zum Ziel werden soll – das lässt sich sagen, solange der Mensch einen Geschmack in der Arbeit spürt; dann verpflichtet ihn dieser Geschmack, die Arbeit fortzusetzen, und er braucht keinerlei Gegenleistung.
Was aber soll der Mensch tun, wenn er zur heiligen Arbeit geht und sagt, er wolle keinerlei Gegenleistung für seine Arbeit? Dann hat er keinen Lohn, der ihn verpflichten und aus dem heraus er arbeiten könnte. Mit Freude zu arbeiten, weil er danach großen Lohn empfängt, kommt nicht in Betracht – er arbeitet ja gerade nicht, um Lohn zu empfangen. Und dass er für einen großen König arbeitet, spürt er ebenfalls nicht. Wie also soll ein Mensch Taten ganz ohne Freude vollbringen? Man sagt ihm: auf dem Weg des Zwanges, also gegen die Zustimmung des Körpers. Genau das heißt „Schlage ihm die Zähne ab“.
Doch woher soll der Mensch Kräfte nehmen, um sich selbst zu zwingen und Taten zu vollbringen, die dem Geben dienen? Und selbst wenn er sich überwindet – mit Freude kann er eine solche Arbeit nicht verrichten. Seine Arbeit gleicht dann der eines Gefangenen, den man zur Arbeit zwingt und der jedes Mal denkt: „Vielleicht gibt es einen Rat, von hier zu fliehen, damit ich nicht für andere arbeiten muss.“ Die einzige Freude, die ihm bleibt, ist der Blick auf die Uhr, der ihm zeigt, dass er sich bald von der Arbeit befreit.
Die Zeit der Arbeit ist also voller Kummer und Leid, weil er für andere arbeiten muss und für sich selbst nichts davon hat. Und kann ein Hausherr mit ansehen, wie seine Diener bei der Arbeit weinen und fragen: „Wann kommt die Zeit, dass ich von der Arbeit frei werde?“
Der Mensch fragt sich also: „Will der Schöpfer denn, dass wir unter Zwang für Ihn arbeiten?“
Er spürt dabei, dass er fern vom Schöpfer ist – er empfindet Seine Liebe nicht. Zur Zeit der Arbeit sollte der Mensch den Schöpfer doch lieben; er betrachtet sich selbst und weiß nicht, was da plötzlich mit ihm geschehen ist. Denn dort, wo die Arbeit um des Himmels willen geschieht, sollte er eine Annäherung an den Schöpfer spüren und jedes Mal ein größeres Verlangen haben, Ihm nahe zu kommen.
Jetzt aber ist es genau umgekehrt: Er empfindet jedes Mal eine Entfernung vom Schöpfer, als stießen ihn die Taten, die er vollbringt, hinaus. Jede einzelne Handlung fühlt sich an, als schöbe sie ihn nach außen. Statt dass man ihn näherkommen und die Wichtigkeit von Tora und Mizwot spüren ließe, statt dass er einen kleinen Geschmack an diesen Handlungen fände, entsteht zwischen ihnen wie eine Kluft, als könnte keiner den anderen ertragen. Alle Handlungen, die er unter Zwang vollbringt, sind ihm Joch und Last, und er denkt ständig daran, aus diesen Zuständen zu fliehen. Doch er hat keinen Ort, wohin er fliehen könnte, außer in den Schlaf – nur dort findet er noch Geschmack.
Dann stellt sich die Frage, warum das eigentlich so ist. Der Mensch muss fragen: Warum widerfährt mir das? Ist das die Tora und das ihr Lohn? Werde ich, weil ich begonnen habe, auf dem Weg der Wahrheit zu arbeiten – also darauf hinzuarbeiten, dass alles um des Himmels willen geschieht –, gerade deshalb aus der heiligen Arbeit hinausgestoßen?
Warum hatte ich Geschmack an der Arbeit und Geschmack am Gebet, solange meine Arbeit die der ganzen Allgemeinheit war, also darin bestand, gute Taten zu vermehren? Damals dachte ich über die Absicht um des Himmels willen überhaupt nicht nach, sondern stützte mich auf die Allgemeinheit, die nur an die Taten denkt und nicht an die Absichten. Ich wusste: Jetzt bete ich zum Schöpfer, und Er hört mein Gebet. Ich hatte die Kraft, das Gebet fortzusetzen, und achtete nie darauf, ob der Schöpfer mein Gebet auch wirklich hört. Ich hatte also keinerlei Kritik an meinen Taten und ging in Lauterkeit, sicher, dass alles in Ordnung sei.
Und nun, da ich in den Stufen der Heiligkeit aufsteigen sollte, weil ich um des Himmels willen arbeiten und zur Annäherung an den Schöpfer gelangen will – was habe ich jetzt? Nur Entfernung, dort, wo ich Annäherung empfangen sollte.
In Wahrheit müssen wir mit dem Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) glauben und dürfen nicht dem Verstand folgen, mit dem der Mensch begreift; wir müssen uns in allem auf das stützen, was die Weisen uns gesagt haben. Mein Vater und Lehrer sagte, der Mensch müsse glauben, auch wenn er nicht sieht, dass es so ist. Er hat zu glauben, dass der Schöpfer das Gebet hört, wie geschrieben steht: „Denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes.“ Und da der Mensch den Schöpfer bittet, ihn näher zu bringen, will der Schöpfer ihm wahre Annäherung geben: Er will ihm das Gute und den Genuss geben, die das „Schöpfungsziel“ ausmachen. Dafür bereitet Er ihm Gefäße (Kelim) vor, und Gefäße heißen „Bedürfnis und Mangel“. Soweit wir sehen, gibt es dabei nicht mehr als drei Dinge:
1. Der Mensch meint: Wenn er ein Diener des Schöpfers sein will, muss er sich kasteien und nichts genießen; dann sei er ein Diener des Schöpfers. Als Gegenleistung dafür werde er Lohn in dieser Welt und in der kommenden Welt empfangen.
2. Er meint, er müsse zu einer Stufe gelangen, auf der er Taten zum Nutzen des Schöpfers vollbringen kann, also alle seine Taten um des Himmels willen tun – und damit gibt er sich zufrieden.
3. Der Mensch hat zum Schöpfungsziel zu gelangen: dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen und nicht, dass sie geben. Denn dass man seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten muss, ist lediglich die Korrektur der Schöpfung.
Nach dem Gesagten lässt sich nun verstehen, wonach wir gefragt haben: Warum empfängt der Mensch von oben ein größeres Verlangen zu empfangen als zuvor, gerade wenn er den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben?
Die Antwort ist, wie in den vorangegangenen Artikeln besprochen: Empfinge der Mensch sogleich ein Verlangen zu geben – wäre er also fähig, das kleine Verlangen zu empfangen zu überwinden –, so gäbe er sich damit zufrieden. Sein Verlangen zu empfangen bliebe dann ohne Korrektur, weil es ihm gar nicht offenbart wäre und er folglich nicht um Kraft der Überwindung dafür bitten könnte.
Der Mensch sieht also, dass man ihm gerade dann, wenn er um Kraft der Überwindung über das kleine Verlangen zu empfangen bittet, als Antwort auf sein Gebet ein großes Verlangen zu empfangen gibt. Das ist aber nicht so, wie er denkt – als wäre sein Verlangen zu empfangen zuvor klein gewesen und als hätte man ihm danach vom Himmel ein großes gegeben.
Vielmehr verhält es sich, wie der Heilige Sohar zu dem Vers sagt: „Oder es wird ihm bekannt gemacht, dass er gesündigt hat.“ Er fragte: „Wer hat es ihm bekannt gemacht?“, und antwortete: „Der Schöpfer hat es ihm bekannt gemacht.“ Das heißt: Der Schöpfer ließ ihn jedes Mal in größerem Maß erkennen, wie groß die Kraft jenes Verlangens zu empfangen ist, mit dem der Mensch schon im Augenblick der Geburt geboren wird. So steht geschrieben: „An der Tür lauert die Sünde.“ Es ist also von Geburt an in seiner ganzen Stärke da; darum heißt es „ein alter und törichter König“.
Der Mensch braucht das ganze Maß dieses Verlangens allerdings nicht zu kennen. Die Offenbarung seiner Kraft geschieht schrittweise, denn das Böse muss dem Guten, das er hat, die Waage halten. In dem Maß also, in dem der Mensch Kräfte aufbringt, um das Verlangen zu empfangen zu annullieren, offenbart man es ihm von oben.
Dazu passt, was wir zu der Aussage erklärt haben: „Bei den Bösen erscheint er ihnen wie ein Haar, und bei den Gerechten erscheint ihnen der böse Trieb (Jezer haRa) wie ein hoher Berg.“ Wir erklärten: Gutes und Böses müssen einander die Waage halten, wie unsere Weisen sagten: „Immer sehe der Mensch sich selbst zur Hälfte gut und zur Hälfte böse.“ Beides geht stets zusammen – und zwar, damit es eine Wahl gibt, was den Ausschlag geben soll.
Das Böse ist demnach im Menschen; es offenbart sich nur in dem Maß, in dem das Gute in ihm da ist. Beginnt der Mensch also, auf der Linie der Wahrheit zu gehen, so tritt das Böse jedes Mal deutlicher hervor. Doch bei jedem Zustand des Bösen, den er spürt, bleibt ihm nichts zu tun, als den Schöpfer um Hilfe zu bitten. So steht geschrieben: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag; würde der Heilige, gepriesen sei Er, ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht bezwingen.“ Der Mensch hat also keine Kraft, das Böse zu überwinden – der Heilige, gepriesen sei Er, muss ihm helfen.
Auch das ist eine Korrektur, wie man wissen muss: Dass der Mensch das Böse nicht ohne Hilfe von oben überwinden kann, ist von vornherein beabsichtigt. Denn läge es in seiner Hand, mit eigenen Kräften um des Himmels willen zu handeln, so bliebe er im Zustand der Katnut (Kleinheit): Er hätte kein Bedürfnis, in den Stufen der Heiligkeit aufzusteigen. Der Mensch muss aber dahin gelangen, den Aspekt der Tora zu erlangen, in dem das Gute und der Genuss verborgen sind, die der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte.
Denn solange der Mensch spürt, dass er in Ordnung ist, hat er kein Bedürfnis nach der Tora. Anders liegt es, wenn er das Böse nicht überwinden kann und aus diesem Aspekt keine Befriedigung empfängt: Er sieht ja, wie das Böse über ihn herrscht, sieht also, dass er keinen Halt in der Heiligkeit hat – woher sollte da Befriedigung kommen?
Je mehr er sich dann überwindet, desto klarer sieht er die Wahrheit: dass er aus eigener Kraft keinerlei Aussicht hat, aus der Herrschaft des Bösen herauszukommen. Bittet er dann den Schöpfer um Hilfe, so bittet er von ganzem Herzen. Mehr noch: Oft gerät er in Verzweiflung und braucht eine zusätzliche Überwindung, um über dem Verstand daran festzuhalten, dass der Schöpfer ihm sehr wohl helfen kann.
Der Mensch überwindet sich also und erbittet Hilfe vom Schöpfer. Und womit hilft man ihm? Der Heilige Sohar sagt: „mit einer heiligen Seele“ – man hilft ihm jedes Mal mit einem größeren Leuchten. Genau darum kann er nicht aus eigenen Kräften aus der Herrschaft des Bösen heraustreten, sondern der Schöpfer muss ihm helfen. Dadurch werden ihm die NaRaNChaY [Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida] seiner Neshama (Seele) offenbart.
Nach dem Gesagten lässt sich nun erklären, wonach wir gefragt haben:
1. Warum wird die Shechina „Shoshan“ [Rose] genannt?
2. Was bedeutet es, dass die Shechina vor dem König für uns Zeugnis ablegt – was also muss sie bezeugen?
3. Was bedeutet es, dass er sagt, die Shechina werde „Hilfe vom Himmel“ genannt, wie geschrieben steht: „Und Du wirst den Himmel hören“?
Sie heißt „Shoshan“, weil sich das Königtum des Himmels – der Glaube über dem Verstand – nur dann erwerben lässt, wenn der Böse kommt und fragt: „Was ist das für eine Arbeit für euch?“ Er will eine Antwort innerhalb des Verstandes: was er davon habe, wenn der Mensch um des Himmels willen arbeitet und nicht zum eigenen Nutzen.
Innerhalb des Verstandes hat man ihm darauf nichts zu erwidern, denn von dieser Seite her ist das Recht bei ihm. So steht geschrieben: „Und da er sich selbst aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hat, hat er das Wesentliche verleugnet.“ Er hat nämlich das Wesentliche jener Korrektur verleugnet, die dafür da war, dass beim Empfangen des Guten und des Genusses keine Scham entsteht. Denn der Schöpfer hat es nicht nötig, dass man für Ihn arbeitet; vielmehr dient das, was wir zum Nutzen des Schöpfers tun müssen, unserem eigenen Nutzen.
Durch diese Korrektur nämlich wird es für uns keine Scham geben – und genau das hat er verleugnet. Deshalb nützt es nichts, ihn irgendetwas verstehen zu lassen; man muss mit Kraft gehen, also auf dem Weg des Zwanges, was „Schlage ihm die Zähne ab“ heißt. Und da diese Arbeit eine beständige Sache ist, heißt es „Schlage ihm oft die Zähne ab“. Darum wird das Königtum des Himmels „Shoshan“ oder „Shoshana“ genannt – von dem Ausdruck „Schlage ihm die Shinajim (Zähne) ab“.
Zu der Frage, wo die Shechina denn sieht, dass wir in Ordnung sind, wenn sie das für uns bezeugt:
Die Antwort lautet: Sie sieht es daran, dass sie uns hilft. Denn Malchut wird „Hilfe des Himmels“ genannt, das heißt, Malchut selbst gibt die Hilfe. So steht geschrieben: „Dem, der kommt, um sich zu reinigen, hilft man.“ Sie kann also für uns bezeugen, dass wir in Ordnung sind, denn sie hat uns dabei geholfen.
Auch die Frage, wozu sie bezeugen muss, lässt sich nun erklären: Nachdem der Mensch das Königtum des Himmels verdient hat und seine Taten bereits um des Himmels willen tun kann, muss er den Aspekt der Tora verdienen, der als SA (Seir Anpin) bezeichnet wird, der Aspekt „König“. Eben das muss sie bezeugen: dass er das Königtum des Himmels bereits hat und deshalb nun des Aspekts der Tora würdig ist, der „die Namen des Heiligen, gepriesen sei Er“ genannt wird. Und das ist das Schöpfungsziel.
korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver4