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1990/09 Was ist “Eine Leiter steht auf der Erde und ihre Spitze reicht bis zum Himmel“ in der Arbeit?

Der Heilige „Sohar“ (WaJera, Blatt 29, im „Sulam“ Punkt 52) sagt, und dies sind seine Worte: „Und siehe, eine Leiter steht auf der Erde.“ Was ist eine Leiter? Es ist eine Stufe, von der alle übrigen Stufen abhängen, nämlich Nukwa, die das Tor zu allen Stufen ist. (Und in Punkt 53, siehe dort) „Und siehe, Engel des Schöpfers steigen an ihr auf und nieder. Das sind die Beauftragten aller Völker, die an dieser Leiter auf- und absteigen. Und wenn Israel sündigt, sinkt die Leiter, und diese Beauftragten steigen auf. Und wenn Israel seine Taten bessert, erhebt sich die Leiter, und alle Beauftragten steigen herab, und ihre Herrschaft wird annulliert. Alles hängt von dieser Leiter ab.“ So weit seine Worte.

All dies muss man im Sinne der Arbeit verstehen:

1. Warum hängt alles von der Leiter ab? Denn wenn „Israel sündigt, sinkt die Leiter“, und wenn „Israel seine Taten bessert, erhebt sich die Leiter“.

2. Was bedeutet es, wenn er sagt, dass die Leiter aufsteigt oder absinkt? Was lehrt uns dies im Sinne der Arbeit?

Bekanntlich muss der Mensch sich bemühen, die Stufe der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu erreichen, deren Wesen die Angleichung der Form ist. Und was geschieht, wenn der Mensch der Anhaftung an den Schöpfer gewürdigt wird, siehe im Buch „Matan Tora“ („Die Gabe der Tora“, Blatt 130, im Artikel zum Abschluss des „Sohar“), und dies sind seine Worte: „Die Erhabenheit des Menschen, der gewürdigt wurde, sich wieder an Ihn zu heften – was bedeutet, dass er der Angleichung der Form an den Schöpfer gewürdigt wird –, indem er durch die Kraft der Tora und der Mizwot das in ihm eingeprägte Verlangen zu empfangen, das ihn vom Wesen des Schöpfers getrennt hatte, umwandelte und es zu einem Verlangen zu geben machte: Er ist dann tatsächlich jenem Glied gleich, das einst vom Körper abgetrennt war und sich wieder mit dem Körper verband, sodass es die Gedanken des gesamten Körpers wieder erkennt, so wie es sie kannte, bevor es vom Körper getrennt wurde. Ebenso ist es mit der Seele: Nachdem sie die Angleichung an Ihn erworben hat, erkennt sie Seine Gedanken wieder, so wie sie sie kannte, bevor sie von Ihm getrennt wurde. Und dann erfüllt sich an ihr das Geschriebene: ‚Erkenne den Gott deines Vaters.‘ Denn dann wird sie der vollkommenen Erkenntnis gewürdigt, die göttliche Erkenntnis ist. Und sie wird aller Geheimnisse der Tora gewürdigt, denn Seine Gedanken sind die Geheimnisse der Tora.“

Damit der Mensch überhaupt zur Angleichung der Form gelangen kann – und da dies eine sehr schwere Sache ist, weil sie gegen die Natur steht, die der Schöpfer erschaffen hat: Denn wie wir gelernt haben, schuf Er die Schöpfung, damit die Geschöpfe das Gute und das Vergnügen genießen, das Er ihnen geben will, was der Grund für die Erschaffung der Welt war, weil Er Seinen Geschöpfen Gutes tun wollte; und ohne Verlangen und Sehnsucht kann der Mensch nicht genießen. Darum ist das Wesentliche der Schöpfung, die Er als „Etwas aus dem Nichts“ erschuf, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen. Und dies steht der Form des Schöpfers entgegen, dessen Verlangen es ist, den Geschöpfen zu geben. Darum bestand die Korrektur in einem Zimzum (Einschränkung) und einer Verhüllung, sodass der Mensch zuallererst an den Schöpfer glauben muss; und erst danach kann man davon sprechen, zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten.

Und in der Arbeit des Glaubens gibt es viele Stufen, wie er in der „Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“ (Punkt 14) schreibt, siehe dort: „Das heißt, es gibt einen teilweisen Glauben und einen vollständigen Glauben.“ Darum hängt die wesentliche Arbeit des Menschen – dass es in seiner Macht steht, sich selbst zu annullieren und das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen – davon ab, wie sehr er die Größe des Schöpfers schätzt, wie es im Heiligen „Sohar“ geschrieben steht: „Die wesentliche Ehrfurcht muss daher rühren, dass Er groß ist und herrscht.“ Das bedeutet, dass der Mensch Tora und Mizwot erfüllen muss, um einem großen König zu dienen. Darum besteht die wesentliche Arbeit des Menschen einzig darin, zu arbeiten, um der Stufe des vollständigen Glaubens gewürdigt zu werden; denn nur dann, wenn der Mensch weiß, dass er einen großen König hat, annulliert sich der Körper vor Ihm, und er hat ein großes Vergnügen daran, einem großen König zu dienen.

Und diese Arbeit wird im Heiligen „Sohar“ so bezeichnet, dass der Mensch die heilige Arbeit verrichten muss, um „die Shechina (göttliche Gegenwart) aus dem Staub aufzurichten“. Und wie es in den Selichot (Vergebungsgebeten) geschrieben steht: „Ich gedenke des Schöpfers und stöhne, wenn ich jede Stadt auf ihrem Hügel erbaut sehe, die Stadt des Schöpfers aber bis zur untersten Unterwelt erniedrigt.“ Denn die „Stadt des Schöpfers“ bezeichnet die Stufe des Königtums des Himmels, das bei den Geschöpfen in äußerster Niedrigkeit liegt. Und wenn sie folglich in Niedrigkeit liegt, wie kann man dann für einen niedrigen König arbeiten? Ist der König hingegen ein großer König, dann entsteht ein Verlangen: Je nach der Bedeutung und Größe des Königs gibt es Menschen, die ihm dienen wollen und ihren eigenen Nutzen für das Wohl des Königs annullieren.

Aus dem Gesagten verstehen wir, dass die wesentliche Arbeit des Menschen darin besteht, wie er zur Stufe des Glaubens gelangt, dass er einen großen König hat. Und das nennt man, dass die Shechina in Gadlut (Erwachsensein) ist. Es zeigt sich also, dass die Arbeit des Menschen darin besteht, „die Shechina aus dem Staub aufzurichten“. Und dann können alle seine Handlungen darauf gerichtet sein, zu geben. Wenn der Mensch aber nicht in Tora und Mizwot arbeitet, um die Shechina aus dem Staub aufzurichten, sondern das Königtum des Himmels für ihn so unwichtig ist wie Staub, dann hat die Sitra Achra (die andere Seite) Raum, über die Stufe Israels zu herrschen, sodass sie den Menschen zwingt, für einen alten und törichten König zu arbeiten und nicht für den König der Könige der Könige.

Es zeigt sich also, dass die wesentliche Arbeit des Menschen darin besteht, dass er auf die Absicht und das Ziel achten muss: Was will der Mensch dadurch gewinnen, dass er sich mit Tora und Mizwot befasst? Darauf kommt die Antwort, dass das Wesentliche an dem, womit der Mensch zu ringen hat – die Arbeit mit dem bösen Trieb (Jezer haRa), der aus der Kraft der Herrschaft der Sitra Achra kommt –, der Mangel an Glauben an die Größe des Schöpfers ist, wie oben gesagt; und das wird in der Sprache des Heiligen „Sohar“ so bezeichnet, „die Shechina aus dem Staub aufzurichten“, wie unsere Weisen sagten: „Habakuk kam und gründete sie alle auf eines: Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben“ (Makkot 24).

Und der Glaube wird in der Sprache des Heiligen „Sohar“ als die Stufe Malchut bezeichnet. Und Malchut wird als die Stufe der Ehrfurcht bezeichnet. Und dies entspricht dem, was unsere Weisen sagten: „Was fordert der Schöpfer, dein Gott, von dir, als dass du Ihn fürchtest?“ Das bedeutet, dass der Mensch wissen muss, dass ihm nichts fehlt, was in seiner Macht stünde, um in der Arbeit für den Schöpfer voranzukommen, außer der Stufe der Ehrfurcht, die als Glaube bezeichnet wird. Und dies entspricht dem, was unsere Weisen sagten (Berachot 6): „Jeder Mensch, in dem Gottesfurcht ist, dessen Worte werden gehört.“

Im einfachen Sinn ist es schwer zu verstehen: Gab es nicht viele Gerechte in Israel? Und warum brachten sie diese nicht zur Umkehr? Denn die Worte dessen, der Gottesfurcht hat, werden doch gehört. Im Sinne der Arbeit aber lässt es sich so auslegen, dass dies über einen einzelnen Menschen in Bezug auf sich selbst gesagt ist: wenn er sieht, dass alles, was er seinem Körper sagt, dieser nicht hören will, und er alles tut, was in seiner Macht steht, und dennoch den Körper nicht überwinden kann. Dann sagen ihm unsere Weisen, was ihm fehlt, damit es in seiner Macht stehe, den Körper zu beherrschen, und das ist nur eine einzige Sache: die Gottesfurcht. Denn nur dann, wenn er Gottesfurcht hat, werden seine Worte gehört, nämlich von seinem Körper.

Nach dem Gesagten lassen sich die Worte des Heiligen „Sohar“ auslegen, nach denen wir gefragt haben, was das Geschriebene bedeutet: „Was ist eine Leiter? Es ist eine Stufe, von der alle übrigen Stufen abhängen, nämlich Nukwa, die das Tor zu allen Stufen ist.“ Die Antwort ist: Die Leiter, die Nukwa ist, weist auf das Königtum des Himmels hin, das als Glaube bezeichnet wird und als Gottesfurcht. Das heißt, alle Stufen, deren der Mensch gewürdigt werden kann, hängen einzig von der Leiter ab, denn sie ist das Tor zu allen Stufen. Das bedeutet: Alles hängt von dem Glauben ab, den er hat, wie oben gesagt. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen dem, der nur einen teilweisen Glauben hat, und dem, der einen vollständigen Glauben hat. Es zeigt sich also, dass alles von der Leiter abhängt, womit auf das Königtum des Himmels hingewiesen wird, das die ganze Grundlage der Heiligkeit (Kedusha) ist. Und dieses ist das Tor zu allen Stufen.

Und was er zu dem Vers sagt – „Und siehe, Engel des Schöpfers steigen an ihr auf und nieder. Das sind die Beauftragten aller Völker, die an dieser Leiter auf- und absteigen. Und wenn Israel sündigt, sinkt die Leiter, und diese Beauftragten steigen auf“ – bedeutet Folgendes: Wenn Malchut, die die heilige Shechina ist, infolge der Sünden absinkt – wobei „Sünden“ bedeutet, dass man sich einzig und allein mit dem eigenen Nutzen und nicht mit dem Nutzen des Schöpfers befasst –, dann bewirken sie, jeder in der Wurzel seiner Seele, die Stufe der Trennung.

Das heißt: Statt dass sie durch die Arbeit in Tora und Mizwot eine Vereinigung bewirken sollten, bewirken sie Trennung. Mit anderen Worten: All jene, nämlich „die Beauftragten der Völker der Welt“, deren ganzes Verlangen im Verlangen liegt, für sich selbst zu empfangen, steigen in ihrer Bedeutung auf. Darum herrschen sie. Denn wer bedeutend ist, der herrscht. Wenn das Volk Israel sich hingegen mit dem Geben befasst, bewirkt es die Stufe der Erweckung von unten (Itaruta de Letata), sodass die Heiligkeit sich offenbart, nämlich Malchut: Aus der Stufe, dass sie in Vereinigung mit der Stufe des Heiligen, gepriesen sei Er, sein will, steigt sie auf. Und so sinkt die Sitra Achra, die die Stufe des Empfangens für sich selbst ist, von ihrer Bedeutung herab.

Und das nennt man: „Und alle Beauftragten steigen herab, und ihre Herrschaft wird annulliert, und alles hängt von der Leiter ab.“ Das bedeutet, wie oben gesagt, dass alles von der Größe des Glaubens abhängt, der als Leiter bezeichnet wird. Und wenn er sagt: „Und wenn Israel sündigt, sinkt die Leiter“, so bedeutet das, dass sie bewirken, dass die Shechina erniedrigt wird, was man so nennt, dass die Leiter sinkt, „und die Sitra Achra und die Klipot (Schalen) steigen in ihrer Bedeutung auf“. Das bedeutet: Alles, was zur Selbstliebe gehört, steigt in seiner Bedeutung auf, und bei allem, was zum Nutzen des Schöpfers gehört, empfindet der Mensch einen Geschmack der Niedrigkeit und einen Zustand des Unbehagens, und es ist ihm unmöglich, irgendetwas zu tun, was einzig zum Nutzen des Schöpfers gehört. Und das nennt man, dass die Leiter sinkt.

„Und wenn sie ihre Taten bessern, erhebt sich die Leiter.“ Das heißt, durch die Erweckung von unten bewirken sie die Stufe, die Shechina aus dem Staub aufzurichten. Und alle Beauftragten steigen herab, was bedeutet, dass alle Gedanken, Verlangen und Handlungen, die zur Sitra Achra gehören, also alles, was zum Empfangen für sich selbst gehört, in seinen Augen als etwas Niedriges erscheint, als eine widerwärtige Sache und als eine verächtliche Sache, falls er sich mit diesen Dingen befasst, die zum Empfangen für sich selbst gehören.

Aus dem Gesagten folgt, dass die Leiter wie eine Waage ist: Steigt die eine Waagschale auf, sinkt die andere herab. Wenn es also gute Taten gibt, nämlich dass man sich darum bemüht, dass die Handlungen nach oben zum Schöpfer aufsteigen, so nennt man das, dass die Leiter aufsteigt, das heißt, das Königtum des Himmels befindet sich bei ihm im Aufstieg. Und dann sinkt die andere Schale, die zum Empfangen für sich selbst gehört und die die Stufe des Gegenteils der Heiligkeit ist. Das heißt, die Beauftragten der Völker der Welt sinken herab. Mit anderen Worten: Sie sinken von dem Wert herab, der es wert wäre, dass man für sie arbeitet, was man so nennt, dass die Stufe Israels im Menschen über sie herrscht, nämlich über die Gedanken und Verlangen der Völker der Welt, die die Stufe des Empfangens für sich selbst sind.

Und dann gilt für den Menschen: All seine Sorge ist, wie er dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten kann. Und wenn ihm Gedanken des Empfangens für sich selbst kommen, annulliert der Glaube, der die Stufe der Leiter ist, sie sofort kraft seiner Herrschaft. Darum muss der Mensch bei aller Arbeit, die er tut, darauf abzielen, dass sie Glauben bringt, dass er an die Größe des Schöpfers glauben kann. Und dadurch wird er zum Ziel gelangen, denn dies ist das Tor zu allen Stufen, deren der Mensch gewürdigt werden will.

Und im Heiligen „Sohar“, in der „Idra Suta“ (Blatt 59, im „Sulam“ Punkt 135), sagt er dort: „Je nach der Art der Handlungen, die die Unteren tun, so zeigt es sich unten, entweder zum Guten oder zum Bösen.“ Und dies sind seine Worte: „Die Augen von Seir Anpin sind das Geheimnis der Vorsehung in Lohn und Strafe. Und einmal ist sie offenbart und einmal ist sie verborgen. Denn wenn die Unteren ihre Taten bessern, werden sie gewürdigt, Seine Vorsehung zu erlangen (das heißt, dass Seine Vorsehung in der Stufe ‚gut und gütig‘ ist), und Er ist wach und schlummert nicht und schläft nicht. Und wenn sie ihre Taten verschlechtern, verbirgt sich die Vorsehung, und sie sagen: ‚Jah sieht es nicht, und der Gott Jakobs versteht es nicht‘, was als Schlaf betrachtet wird, im Geheimnis von ‚ihr Gott schläft‘. Denn wenn sie ihre Taten verschlechtern, stärken sie die linke Linie über die rechte, und dann verbergen sich die Augen vor ihnen, und sie sagen: ‚Jah sieht es nicht.‘ Und darum hüten sie sich nicht vor ihnen, denn sie fürchten sich nicht zu sündigen. Und das ist es, was er sagt: ‚die schlafen und nicht schlafen‘ – dass sie für die Bösen schlafen und für die Gerechten nicht schlafen.“

Wir sehen, dass die Sache Seiner Vorsehung von Seiten des Oberen im Zustand der Ruhe ist, wie es geschrieben steht (Klagelieder 3): „Aus dem Mund des Höchsten geht nicht das Böse und das Gute hervor, sondern alles hängt von den Handlungen der Unteren ab.“ Und das ist es, was er sagt: „Je nach der Art der Handlungen, die die Unteren tun, so zeigt es sich unten, entweder zum Guten oder zum Bösen.“ Das bedeutet, dass eine Mizwa eine Mizwa nach sich zieht. Das heißt: Wenn sie ihre Taten bessern, also wenn die Unteren gute Taten tun, nämlich dass ihre Absicht auf den Nutzen des Schöpfers gerichtet ist, was gewiss als Mizwa gilt, so zieht dies eine weitere Mizwa nach sich, nämlich dass sie fühlen, dass der Schöpfer ihnen nur Gutes gibt, was man als offenbarte Vorsehung bezeichnet. Mit anderen Worten: Sie sehen das Gute und das Vergnügen, das sie vom Schöpfer empfangen. Dann stehen alle da und preisen den Schöpfer.

Wenn die Unteren ihre Taten hingegen verschlechtern, das heißt, jeder sorgt sich einzig darum, Handlungen zu tun, aus denen ihm selbst Nutzen erwächst, dann zieht eine Übertretung eine Übertretung nach sich. Das heißt, sie sprechen von der Vorsehung so, dass sie nicht in der Stufe „gut und gütig“ ist. Und sie fühlen nur die Verbergung des Antlitzes. Und sie sagen, dass der Schöpfer – Gott behüte – das Gebet nicht hört, da sie Ihn viele Male gebeten und keine Antwort erhalten haben. Darum sagen sie: „Jah sieht es nicht, und der Gott Jakobs versteht es nicht.“ Und das rührt daher, dass die Übertretung, die sie zuvor begangen haben – nämlich dass sie alles in der Absicht wollen, für sich selbst zu empfangen –, die Ursache für die Verbergung des Antlitzes ist.

Und obwohl der Mensch zu sich selbst sagt: Ich sehe, dass ich schon viele Gebete gesprochen habe, dass der Schöpfer uns das Verlangen zu geben schenken möge – das heißt, dass wir den Schöpfer bitten, Er möge uns ein Verlangen geben, sodass wir in der Absicht zu geben handeln wollen; wir bitten also nicht, dass der Schöpfer uns helfe, zu unserem eigenen Nutzen zu arbeiten, sondern wir bitten, dass wir zum Nutzen des Schöpfers arbeiten können –, und warum antwortet Er uns dann nicht auf unsere Gebete? Wie können wir dann sagen, dass Er das Gebet jedes Mundes hört?

Vielmehr müssen wir über dem Verstand glauben, dass der Schöpfer das Gebet jedes Mundes sehr wohl hört. Und innerhalb des Verstands gilt, wenn der Mensch die Ordnung des Weges der Arbeit verstehen will: Dann muss der Mensch sagen, dass man ihm vom Himmel kundgetan hat, was „um des Himmels willen“ ist und nicht zu seinem eigenen Nutzen. Mit anderen Worten: Es wurde ihm von oben gegeben zu fühlen, was „nicht zum eigenen Nutzen“ ist. Und wenn der Mensch dies fühlt, dass man nämlich nichts für sich selbst zurückbehalten darf, dann sieht der Mensch, dass er dazu nicht fähig ist. Denn solange der Mensch nicht weiß, was „nicht zum eigenen Nutzen“ ist, bittet er den Schöpfer um Hilfe, dass es in seiner Macht stehe, zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten.

Wenn er hingegen von oben das Gefühl empfängt, was es bedeutet, alles ganz und gar für den Schöpfer zu tun, dann will der Mensch nicht, dass der Schöpfer ihm diese Kraft gibt, und er widersetzt sich mit aller Kraft. Darum hat der Mensch, wenn er anfängt, den Schöpfer zu bitten, Er möge ihm die Kraft geben, das Verlangen zu empfangen zu überwinden, noch nicht die ganze Widerstandskraft von Seiten des Körpers, da er noch nicht weiß, was „alles für den Schöpfer“ bedeutet.

Wenn ihm darum von oben auf sein Gebet geantwortet wird, auf das, worum er betet – es zeigt sich also: Was antwortet man ihm? Die Antwort kommt von oben so, dass man ihm zeigt, dass er erkennen soll, worum er bittet, sodass hier kein Betrug vorliegt, sodass es in seiner Macht stünde, danach zu sagen: „Ich wusste nicht, worum ich bitte.“ Darum muss der Mensch wissen, dass der Schöpfer das Gebet hört. Und das, was er sieht – dass es ihm jetzt schlechter geht als zu der Zeit, da er noch nicht um die Kraft gebetet hatte, das Verlangen zu empfangen zu überwinden –, das ist die Antwort von oben auf sein Gebet.

Der Mensch darf also nicht sagen, dass sein Gebet nicht gehört wird. Vielmehr muss er sagen, dass die Antwort von oben kommt – nicht das, was der Mensch versteht, sondern das, was man oben versteht, was zu seinem Besten ist, dass er es wisse. Das heißt, der Mensch muss wissen, wie weit er vom Geben entfernt ist und dass alle Glieder des Körpers sich dem widersetzen. Und der Mensch bittet den Schöpfer um eine Sache, für die er kein einziges Element im Körper findet, das der Bitte zustimmen würde, die er an den Schöpfer richtet. Und dann sieht der Mensch etwas Neues, was er nicht wusste, bevor er anfing, den Schöpfer zu bitten, man möge ihm die Kraft geben, den Körper zu überwinden, sodass es in seiner Macht stünde, Handlungen einzig und allein zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu tun.

Und die neue Erkenntnis, die der Mensch erlangt, ist diese: Er sieht, dass der Körper nicht zustimmt, ein solches Gebet um die Annullierung des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, zu sprechen. Es stellt sich also die Frage: Warum will der Mensch dann doch manchmal die Annullierung des Verlangens, für sich selbst zu empfangen? Das heißt, oft sieht der Mensch, dass, wenn er den Schöpfer bittet, Er möge ihm Kelim (Gefäße) des Gebens geben, der ganze Körper sich widersetzt, und dass das, worum er betet, nur von den Lippen nach außen kommt, nämlich bloß leere Worte. Und dennoch sieht er, dass es Zeiten gibt, in denen er sehr wohl mit ganzem Herzen beten kann. Die Antwort ist: Dies ist bereits die Erhörung des Gebets, nämlich dass der Schöpfer ihm die Kraft gegeben hat, darum mit ganzem Herzen zu beten. Darum liegt es dem Menschen ob, in der Hoffnung zu sein, dass der Schöpfer ihn sich nähern lässt.

korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver4