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1991/28 Was sind Heiligkeit und Reinheit in der Arbeit?

Der heilige Sohar (Kedoshim, Seite 5, und im Sulam (Leiter-Kommentar), Punkt 13) sagt, und dies sind seine Worte: „Und die Tora wird ‚heilig‘ genannt, denn es steht geschrieben: ‚Denn heilig bin Ich, der Ewige.‘ Und das ist die Tora, die der heilige obere Name ist. Darum wird der, der sich mit ihr beschäftigt, gereinigt und danach geheiligt, denn es steht geschrieben: ‚Heilig sollt ihr sein.‘ Es steht nicht geschrieben ‚Heilig wart ihr‘, sondern ‚sollt ihr sein‘ – gewiss werdet ihr es sein. Das heißt, es ist ein Versprechen, dass ihr durch die Tora heilig sein werdet“ – so weit seine Worte.

Und man muss verstehen, was er sagt, dass „ihr durch die Tora heilig sein werdet“, und danach sagt er: „Darum wird der, der sich mit ihr beschäftigt, gereinigt und danach geheiligt.“ Daher muss man verstehen, weshalb er damit beginnt, dass man durch die Tora heilig wird, und danach sagt, dass man durch die Tora zur Reinheit gelangt und erst danach die Tora einem die Heiligkeit bringt. Und ebenso muss man verstehen, was es mit den Versprechen auf sich hat, dass man gewiss zur Heiligkeit gelangt, das heißt, was der Beweggrund und die Ursache für die Sicherheiten sind, die zur Heiligkeit führen.

Bekanntlich besteht das Ziel der Schöpfung darin, dass Sein Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und demnach sollten die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen. Und gewiss muss man verstehen, dass das Gute und der Genuss, die der Schöpfer den Geschöpfen geben will, nicht jenes Gute und jener Genuss sind, die zu den Tieren passen, sondern das, was zum Menschen passt. Denn wir müssen glauben, was der heilige ARI sagt, dass „alle körperlichen Genüsse nur von dem herrühren, was durch das Zerbrechen der Gefäße herabfiel (das in der Welt der Nekudim geschah), wobei von dort heilige Funken in die Klipot (Schalen) herabfielen; doch die eigentlichen Genüsse liegen in der Kedusha (Heiligkeit), und sie werden ‚die heiligen Namen‘ genannt.“

Und damit die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen können und beim Empfang des Genusses keine Scham herrscht, wurde dafür eine Korrektur geschaffen. Und die Korrektur ist Zimzum (Einschränkung) und Verbergung über dem oberen Licht. Das heißt, bevor der Mensch die Korrektur über das Verlangen zu empfangen erhält, die darin besteht, um des Gebens willen zu wirken, ist keinerlei Offenbarung des oberen Lichtes wahrnehmbar. Und bei den Mizwot, die wir einhalten, bei denen wir den Geschmack des Guten und des Genusses kosten sollten, können wir aus dem genannten Grund diesen Geschmack nicht empfinden – damit beim Empfang des Genusses keine Scham herrsche; deshalb wurde eine Korrektur geschaffen, die darin besteht, dass man beim Empfang des Genusses auf das Geben ausgerichtet sein muss, da andernfalls Verborgenheit und Verbergung auf den Handlungen ruhen.

Und darum müssen wir Tora und Mizwot einhalten, damit uns das zur Reinheit bringt. Denn das Wesen der Reinheit bedeutet die Reinigung der Gefäße vom Verlangen, für sich selbst zu empfangen, was „Schmutz“ genannt wird, weil es eine Verschiedenheit der Form vom Schöpfer ist, der ganz und gar gebend ist. Daher kann man, bevor man die Gefäße reinigt, nichts Gutes in sie hineingeben, denn alles, was man in ein schmutziges Gefäß gibt, verdirbt.

Daher brauchen wir gute Ratschläge, Dinge, die uns die Gefäße reinigen, was „Befähigung und Vorbereitung“ genannt wird, damit wir das Gute und den Genuss empfangen können. Und deshalb wurden uns die 613 Mizwot gegeben, die in der Sprache des heiligen Sohar „613 Ratschläge“ genannt werden, denn sie sind Ratschläge, uns selbst vom Schmutz unseres Gefäßes des Empfangens zu reinigen.

Und das ist, wie er in der „Einführung in das Buch Sohar“ (Seite 242) schreibt, und dies sind seine Worte: „Die Mizwot in der Tora werden in der Sprache des Sohar Pikudin (Hinterlegungen) genannt. Und sie werden allerdings auch ‚613 Ejtin (Ratschläge)‘ genannt. Und der Unterschied zwischen ihnen ist: In jeder Sache gibt es eine Vorder- und eine Rückseite; die Vorbereitung auf die Sache heißt ‚Rückseite‘, und die Erlangung der Sache heißt ‚Vorderseite‘. Und auf diese Weise gibt es in Tora und Mizwot die Ebene ‚wir werden tun‘ und die Ebene ‚wir werden hören‘ und so weiter. Und wenn man Tora und Mizwot als ‚Ausführende Seines Wortes‘ einhält, bevor man verdient zu hören, werden die Mizwot ‚613 Ejtin‘ genannt, und sie sind die Rückseite. Und wenn man verdient, die Stimme Seines Wortes zu hören, werden die 613 Mizwot zu Pikudin, und das ist von der Sprache ‚Hinterlegung‘.“

Seine Worte sind wie oben zu deuten: Damit der Mensch das Gute und den Genuss empfangen kann und damit sie auf der Ebene der Anhaftung (Dwekut) sind, die Gleichheit der Form ist – und da der Mensch mit dem Verlangen erschaffen wurde, für sich selbst zu empfangen –, muss der Mensch sich vom eigennützigen Empfangen reinigen. Und das liegt nicht in der Macht des Menschen, da es gegen die Natur ist. Daher braucht man Seine Hilfe, dass Er uns diese Kraft gibt, die „Verlangen zu geben“ genannt wird. Und wie erhält man dieses Verlangen? Das geschieht durch die Tora, wie unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sagte: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“

Daraus folgt, dass wir die 613 Mizwot mit der Absicht einhalten, dass Tora und Mizwot uns die Reinheit bringen, was „613 Ratschläge“ genannt wird. Und die 613 Ejtin sind Ratschläge für zwei Dinge: sowohl für das Licht als auch für das Gefäß, das „Bedürfnis“ genannt wird. Das heißt, man kann nichts empfangen, wenn man kein Bedürfnis dafür hat. Daher muss der Mensch Tora lernen, damit er das Böse empfindet, damit er versteht, dass das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, böse ist. Das heißt, der Mensch muss vom Schöpfer erbitten, dass Er ihm ein Bedürfnis gibt, das Verlangen zu geben zu erlangen. Denn dass der Mensch versteht, dass er das Verlangen zu geben erlangen muss, das wird noch nicht „Bedürfnis“ genannt, denn der Mensch muss zuvor wissen, wozu er das Verlangen zu geben braucht, das heißt, was er dadurch verliert, dass er das Verlangen zu geben nicht hat. Und wenn er den großen Verlust nicht sieht, der daraus entsteht, dass er dieses Verlangen nicht hat, dann kann er gewiss nicht aus der Tiefe des Herzens erbitten, dass der Schöpfer ihm das Verlangen zu geben gibt.

Und mehr noch: Manchmal will der Mensch nicht, dass der Schöpfer ihm dieses Verlangen gibt. Und wie kann der Mensch um etwas beten, dessen Notwendigkeit ihm zweifelhaft ist? Und der Beweis, dass es ihm nicht so notwendig ist, ist, dass er ja oftmals gar nicht will, dass man ihm dieses Verlangen gibt. Und aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Mensch zum Schöpfer beten muss, dass Er ihn das Bedürfnis nach diesem Verlangen empfinden lasse, das heißt, dass er sich nach dem Schöpfer sehne, dass Er ihm dieses Verlangen gebe – denn nicht immer versteht er, dass ein Bedürfnis nach diesem Verlangen besteht.

Und damit lässt sich deuten, was wir im Mussaf-Gebet (zu Rosch HaSchana und Jom Kippur) sagen: „Lege in die Münder Deines Volkes, des Hauses Israel, die dastehen, um zu bitten; gewähre ihnen, worum sie bitten.“ Das heißt, dass der Schöpfer es den Gesandten Deines Volkes gebe. Das bedeutet: Jeder Mensch ist eine Gemeinde für sich, und er hat einen Vorbeter, das heißt den Menschen, der für sich selbst zu beten geht. Bekanntlich wird der Mensch eine „kleine Welt“ für sich genannt. Daher muss man zuerst bitten, dass der Schöpfer ihm sende, worum er bitten soll; das heißt, der Mensch muss zuerst bitten, dass er das Bedürfnis nach dem Verlangen zu geben empfinde, und dieses Bedürfnis kann ihm nur der Schöpfer geben.

Demnach ist der Beginn seiner Arbeit das Erkennen des Bösen, das heißt, dass der Mensch vom Schöpfer erbittet, dass er empfinde, wie böse das Verlangen zu empfangen ist. Und dieses Erkennen, dass das Verlangen zu empfangen „böse“ genannt wird, kann ihn nur der Schöpfer empfinden lassen; und das wird so genannt, dass der Mensch durch die Tora zum Erkennen des Bösen gelangen kann, was bedeutet, zu erkennen, wie böse das Verlangen zu empfangen ist. Und dann kann er danach bitten, dass Er das Verlangen zu empfangen austausche und ihm stattdessen das Verlangen zu geben gebe.

Anders verhält es sich, wenn er keinen Mangel hat, das heißt, dass er Qualen davon hat, dass er schmutzig und in den Schmutz des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, versunken ist. Dann erbittet der Mensch vom Schöpfer, dass Er ihm andere Mängel erfülle, von denen er Qualen hat, das heißt, deren Fehlen er empfindet. Und er will, dass der Schöpfer alles erfülle, wonach sein Herz begehrt. Und obwohl der Mensch dem Schöpfer nicht mit dem Mund sagt, dass Er all seine Wünsche erfülle, so ist es doch, wie wir im vorigen Artikel besprochen haben, dass die Sache der Bitte nicht das ist, was der Mensch mit dem Mund sagt; denn die Bitte des Menschen an den Schöpfer ist nur ein Mangel, und ein Mangel wird im Herzen erkannt und nicht im Mund. Vielmehr muss man wissen, dass man das, worum man den Schöpfer bittet, nicht mit dem Mund auszusprechen braucht, denn nur das, was das Herz fordert, wird berücksichtigt, was „Bitte“ genannt wird. Selbst wenn der Mensch dem Schöpfer also nicht sagt: „Erfülle mir all meine Begierden, die mein Herz fordert“, gilt schon allein die Forderung, die das Herz stellt, als „Bitte“.

Daher muss der Mensch wissen, dass der Schöpfer nur das berücksichtigt, was im Herzen des Menschen ist. Und da der Mensch nicht ohne Genuss leben kann, weil Sein Verlangen ist, Gutes zu tun, muss der Körper, wenn der Mensch keinen Genuss aus der Heiligkeit empfangen kann, Genuss aus körperlichen Begierden empfangen. Und wenn der Mensch gewohnt ist, manchmal Genuss aus Tora und Mizwot zu empfangen, so ergibt sich für die Zeit des Abstiegs Folgendes: Er empfindet den Mangel an Spiritualität nicht – er spürt ihn nicht in dem Maße, dass er daran arbeiten würde, diesen Mangel überhaupt erst zu empfinden, und auch nicht in dem Maße, dass er darunter litte, kein Bedürfnis nach dem Spirituellen zu haben. Stattdessen empfängt er ein umso größeres Bedürfnis nach körperlichen Begierden, das ihm ersetzen soll, was er sonst manchmal als Genuss aus Tora und Mizwot empfing.

Daher muss der Mensch in der Zeit des Abstiegs achtsam sein, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, damit das Licht der Tora ihm leuchtet, sodass er sein Fehlen empfindet, das heißt, dass er Qualen davon hat, dass er keine Liebe zum und keine Ehrfurcht vor dem Schöpfer hat. Und damit der Mensch im Herzen Qualen davon empfindet, dass er von der Heiligkeit entfernt ist – und dieses Empfinden kann man durch die Beschäftigung mit Tora und Mizwot erhalten, die ihn zum Empfinden der Wahrheit bringen, zu wissen, was dem Menschen fehlt, sodass er dadurch zur Vollkommenheit gelangen kann. Und dann empfängt der Mensch dies durch die Tora, was so genannt wird, dass er den Mangel von oben empfängt, das heißt durch die Kraft der Tora. Und danach empfängt der Mensch die Füllung, die das Licht ist, das heißt die Kraft des Verlangens zu geben, das eine zweite Natur ist. Und das wird so genannt, dass er die Reinheit empfangen hat, denn durch das Verlangen zu geben, das er empfangen hat, befindet er sich nun auf der Ebene der Reinheit der Gefäße.

Und mit dem Gesagten lässt sich deuten, was wir bezüglich dessen fragten, was der heilige Sohar sagt, dass „ihr durch die Tora heilig sein werdet“ und danach sagt: „Darum wird der, der sich mit ihr beschäftigt, gereinigt und danach geheiligt.“ Die Antwort ist, dass die Tora zwei Wirkungen bewirkt:

1) Sie reinigt, das heißt, sie gibt das Gefäß, also den Mangel.

2) Und danach gibt die Tora ihm das Licht.

Und es gibt eine Regel: Wenn man einem Menschen sagt „Ich werde dir etwas Gutes geben“, so sagt man ihm, was das Gute ist, und danach sagt man ihm die Einzelheiten. Das heißt, zuerst sagt man dem Menschen: „du wirst der Heiligkeit gewürdigt werden“, und danach sagt man ihm die Einzelheiten. Das bedeutet: du kannst die Heiligkeit nicht genießen, denn du sollst wissen, dass dies eine sehr wichtige Sache ist. Daher muss dir zuerst die Tora das Gefäß geben, um die Heiligkeit zu empfangen. Und bevor der Mensch das Gefäß hat, kann er die Füllung nicht empfangen. Also gibt die Tora dem Menschen das Licht und auch das Gefäß. Aber vom Gefäß spricht man nicht zu Beginn, sondern vom Licht, und danach spricht man auch vom Gefäß. Daher steht geschrieben: „Heilig sollt ihr sein.“

Und nun können wir verstehen, was wir fragten: Was es mit der Sicherheit von „Heilig sollt ihr sein“ auf sich hat, wo er sagt, „dass ihr gewiss heilig sein werdet“, „dass ihr durch die Tora heilig sein werdet“. Das ist so zu deuten: Da Sein Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wurde jedoch wegen der Verschiedenheit der Form die Korrektur des Zimzum und der Verbergung geschaffen, sodass das Licht den Unteren nicht leuchtet, bevor sie Gefäße haben, die zum Empfangen befähigt sind, das heißt, dass in den Gefäßen die Korrektur des Wirkens um des Gebens willen sei, was „Reinheit“ genannt wird. Da sie also durch die Tora die Reinheit empfangen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, zeigt sich, dass die Gefäße durch die Tora gereinigt werden können, aufgrund dessen, dass „das Licht in ihr ihn zum Guten zurückführt“.

Daher, wenn sie reine Gefäße haben, werden sie gewiss des Lichtes gewürdigt, denn das Licht wird „Heiligkeit“ genannt. Und an Lichtern mangelt es nicht, nur an Gefäßen mangelt es. Die Reinheit ist demnach das Gefäß, das heißt die Korrektur des Empfangens um des Gebens willen. Und die Arbeit an den Gefäßen ist eine Ordnung für sich, das heißt, dass die ganze Arbeit, die der Mensch zu tun hat, nur die Gefäße betrifft, damit sie zum Empfangen befähigt seien. Und das ist, wie man sagt: „Mehr als das Kalb saugen will, will die Kuh säugen.“ Das Wesentliche ist also die Reinigung der Gefäße.

Daher, nachdem der Mensch sich mit der Tora beschäftigt hat und die Tora ihn zur Reinheit bringt, wie oben „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, dann wird er gewiss der Heiligkeit gewürdigt, denn die Heiligkeit wird „das Licht“ genannt, das die Namen des Schöpfers sind. Und das ist, was er sagt, dass die Tora „heilig“ genannt wird, denn es steht geschrieben: „Denn heilig bin Ich, der Ewige.“ Und das ist, was er sagt: „Es steht nicht geschrieben ‚wart ihr‘, sondern ‚sollt ihr sein‘ – gewiss; das heißt, es ist ein Versprechen, dass ihr durch die Tora heilig sein werdet.“ Und dann wird der Mensch der Vollkommenheit gewürdigt, sodass er erfüllen kann „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen“, das heißt mit deinen beiden Trieben, mit dem guten Trieb und mit dem bösen Trieb, aufgrund der Heiligkeit, die er von oben empfangen hat; dann ist der ganze Körper der Heiligkeit untergeordnet. So willigt auch der böse Trieb ein, um des Himmels willen zu arbeiten. Und damit lässt sich deuten, was unsere Weisen sagten (Berachot 35b): „Zu der Zeit, da Israel den Willen des Schöpfers tut, wird ihr Werk durch andere verrichtet.“

Wie gesagt: Zu der Zeit, da der Mensch bereits gewürdigt wurde, den Willen des Schöpfers zu tun – das heißt, so wie das Verlangen des Schöpfers ist, zu geben, ebenso will der Mensch dem Schöpfer geben –, dann gilt „ihr Werk“, das heißt, dass er will, dass seine Arbeit, also sein Werk, in Vollkommenheit sei; und das kommt ihm daher, dass er mit dem guten Trieb arbeitet. Aber nachdem der Mensch bereits des Verlangens zu geben gewürdigt wurde, wird das Werk des Himmels durch andere verrichtet. Und wer sind die „anderen“? Das ist der böse Trieb, der das andere als die Heiligkeit ist, das heißt die andere Seite, die gegen die Heiligkeit ist. Doch zu der Zeit, da der Mensch für den Willen des Schöpfers arbeitet, der das Verlangen zu geben ist, arbeitet auch der andere, das heißt der böse Trieb, ebenfalls am Werk des Schöpfers.

Doch bevor der Mensch gewürdigt wird, zu den Menschen zu gehören, die den Willen des Schöpfers tun, kann auch der gute Trieb nicht wirken, weil der böse Trieb über ihn herrscht. Daher wird der böse Trieb „ein alter und törichter König“ genannt; und er wird „König“ genannt, weil er über den Menschen herrscht, und jedes Mal kommen dem Menschen Gedanken und Verlangen aller Arten, die es in der Welt gibt. Daher muss der Mensch, wenn ihm ein guter Gedanke oder ein gutes Verlangen kommt, glauben, dass es ihm von oben kommt, und er muss dem Schöpfer dafür danken; denn dadurch, dass der Mensch dem Schöpfer dankt, gewinnt das Spirituelle bei ihm jedes Mal mehr an Wichtigkeit.

Und der Mensch muss wissen, dass die Sache des Exils im Spirituellen darin besteht, dass die Wichtigkeit der Heiligkeit von uns gewichen ist, was „Shechina im Staub“ genannt wird. Daraus folgt, dass er dem Schöpfer auch für eine kleine Sache der Heiligkeit danken muss – die Menge ist nicht wichtig, da schon dies dem Spirituellen irgendeine Hilfe gibt. Mit dem Gesagten lässt sich deuten, was unsere Weisen sagten (Awot, Kapitel 1, 15): „Empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesicht.“

Daher, da dem Menschen immer Gedanken und Verlangen kommen, sowohl tierische als auch solche der Ebene des Menschen – das heißt ein Gedanke und ein Verlangen, das nicht zur Ebene des Tieres gehört –, ist es der Weg der Welt, dass der Mensch den Nutzen der Sache abwägt, das heißt, dass man abwägt, was vor was zurücktreten soll. Das bedeutet: Der Mensch ist fähig, tierische Begierden zurückzustellen, um Begierden zu empfangen, die zur Ebene des Menschen passen. Doch der Mensch sagt: Ich will auf tierische Begierden verzichten, aber im Gegenzug eine große und wichtige Ebene des Menschen empfangen. Das heißt: Wenn ich durch den Verzicht auf das Tierische einen Geschmack in der Tora und einen Geschmack im Gebet empfinde, dann lohnt es sich für mich zu verzichten; aber bei einer kleinen Ebene des Menschen – das heißt, dass er keinerlei Geschmack in Tora und Mizwot empfindet, und dafür soll ich auf körperliche Bedürfnisse verzichten, an denen ich mich noch mehr erfreue als am Tierischen – dazu sagt der Mensch, dass es sich für ihn nicht lohnt zu verzichten.

Dazu sagten unsere Weisen: „Empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesicht.“ Das heißt: Zu der Zeit, da dem Menschen ein Gedanke und ein Verlangen kommt, ein Mensch zu sein – was so genannt wird, dass „der Mensch jetzt die Ebene des Menschen empfangen hat“ –, soll der Mensch nicht sagen: Ich will zuerst die Größe dieses Menschen sehen, was mir dieser Mensch verspricht. Darauf kommt die Antwort „jeden Menschen“, was bedeutet, dass man nicht zwischen einem großen und wichtigen Menschen und einem einfachen Menschen unterscheiden soll; „jeden“ – um jeden Menschen einzuschließen, ohne Unterschied: Wenn es nur die Ebene des Menschen ist, das heißt, dass der Gedanke und das Verlangen dazugehören, ein Mensch zu sein, muss man ihn bereits mit freundlichem Angesicht empfangen, das heißt, sich mit ihm zu freuen, das heißt mit diesem Gedanken und Verlangen, als ob man ihn als einen großen Menschen empfände, wie oben.

Und er muss dem Schöpfer danken, dass Er ihm dieses Verlangen gesandt hat. Und dass er dem Schöpfer dankt, geschieht nicht deshalb, weil der Schöpfer es nötig hätte, dass man Ihm dankt, sondern deshalb, weil der Mensch dadurch, dass er seinen Gedanken bündelt, während er dem Schöpfer dankt, ein wenig Anhaftung an den Schöpfer hat, das heißt, weil man jemandem nicht danken kann, wenn man diesen Menschen nicht liebt.

Da es ja üblich ist, dass man dem dankt, der einem eine Wohltat erwiesen hat. Und es liegt in der Natur, dass der, der irgendeine Wohltat empfängt, ihn liebt. Demnach bewirkt es die Liebe zum Schöpfer, wenn der Mensch an den Dank denkt, den er dem Schöpfer gibt. Daher ist die Größe und Wichtigkeit der Ebene des Menschen, die er empfangen hat, nicht wichtig (doch man muss sich erinnern, dass mit der Ebene des Menschen das gemeint ist, was unsere Weisen sagten: „Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt und nicht die Völker der Welt“), sondern das „freundliche Angesicht“ drückt sich darin aus, wie viel Freude er beim Empfang der Ebene des Menschen hat. Das bedeutet, dass der Mensch sich anstrengen muss, damit er die Kraft hat, die Wichtigkeit der Sache zu erweitern. Und er muss glauben, dass der Schöpfer ihm dieses Verlangen gesandt hat; daher muss er sich in seinem Gedanken vorstellen, als ob der Schöpfer zu ihm spräche und ihm sagte: Mein Sohn, verhalte dich so, wie Ich dir sage.

Doch in der Zeit, da der Mensch den Gedanken und das Verlangen, die ihm gekommen sind, wichtig nehmen und in die Tat umsetzen will, kommen die Verlangen und Gedanken der siebzig Völker, die im Körper des Menschen sind, und lachen über ihn: Wegen eines so kleinen Geschmacks, den du empfindest, dass es etwas im Spirituellen gibt, willst du schon die körperlichen Bedürfnisse verraten? Und sie sagen ihm: Willst du wegen einer kleinen Sache, die keinen Wert hat, schon den eigenen Nutzen nicht mehr wichtig nehmen?

Und der Mensch beginnt zu sagen: Ich hoffe und glaube an die Worte unserer Weisen, die sagten „eine Mizwa zieht eine Mizwa nach sich“; wenn dem so ist, werde ich gewiss dadurch verdienen, zur Vollkommenheit zu gelangen, denn darauf hoffe ich. Und der Mensch muss sich stärken und sagen, wie es geschrieben steht (im Tachanun, nach dem Schmone Esre): „Blicke vom Himmel und sieh, dass wir zu Spott und Hohn unter den Völkern geworden sind“, wobei die Bedeutung von „Völkern“ die „siebzig Völker im Körper des Menschen“ ist, und sie verhöhnen „den Menschen“ zu der Zeit, da der Mensch die heilige Arbeit verrichten will; und er muss Hilfe vom Schöpfer erbitten.

Und mit dem Gesagten lässt sich deuten, was unsere Weisen sagten: „dass er sich nicht vor den Menschen schäme, die ihn bei der Arbeit des Schöpfers verhöhnen.“ Die Erklärung: Da der Mensch aus der ganzen Welt zusammengesetzt ist, gibt es daher in ihm eine Ebene, die darüber spottet, dass der Mensch kleine Dinge und Handlungen, die er tun will, wichtig nehmen will, und sie sagen über eine so kleine Handlung – das heißt über eine Mizwa, bei der man keinerlei Absichten ausrichten kann –, dass es sich nicht lohne, sich anzustrengen und Kräfte aufzuwenden, um sie einzuhalten. Daher sagten die Weisen, dass „er sich nicht vor den Spöttern schäme“, sondern dass der Mensch glauben muss, dass jede Sache der Arbeit des Schöpfers eine wichtige Sache ist, und gewiss, wenn er beim Verrichten der Mizwot die Absicht ausrichten kann, ist es besser; doch die allerkleinste Handlung ist oben wichtig, und es liegt nicht in der Macht des Menschen, sie zu bemessen.

Und wir haben bereits davon gesprochen, dass Baal HaSulam sagte, der Mensch müsse Folgendes glauben: So groß und wichtig er eine Handlung liShma [um Ihretwillen] für den Himmel einzuschätzen weiß – umso mehr muss er glauben, dass eine Handlung lo liShma [nicht um Ihretwillen] im Himmel noch größer und wichtiger ist, als er die Handlung liShma überhaupt für groß und wichtig hält. Deshalb muss sich der Mensch bemühen, bei jeder Handlung, die er tun will, im Glauben an die Weisen darauf zu vertrauen, dass er sich glücklich schätzen darf, Handlungen der Heiligkeit zu vollbringen – selbst ohne jede Absicht – und dass auch dies eine große und wichtige Sache ist, für die er dem Schöpfer danken soll.

korrOp, EY, 7.7.2026, Ver5