1990/15 Was bedeutet es in der Arbeit, dass ihr Aufschrei nicht erhört wurde, bevor der ägyptische Minister fiel?
Was bedeutet es in der Arbeit, dass ihr Aufschrei nicht erhört wurde, bevor der ägyptische Minister fiel?
Der Sohar (Wochenabschnitt Schemot, Blatt 108, im Sulam [Leiter-Kommentar] Punkt 341) sagt: „Solange dem Minister jener Völker die Herrschaft über Israel gegeben war, wurde der Aufschrei Israels nicht gehört. Als ihr Minister fiel, steht geschrieben: ‚Und der König von Ägypten starb.‘ Und sogleich: ‚Und die Kinder Israels seufzten unter der Arbeit und schrien, und ihr Hilferuf stieg hinauf zu Gott.‘ Aber bis zu jener Stunde wurde ihr Aufschrei nicht erhört.“
Das ist zu verstehen: Wenn er sagt, dass ihr Aufschrei nicht erhört wurde, bevor ihr Minister fiel, wer hat dann bewirkt, dass ihr Minister fiel, sodass es danach möglich wurde, ihren Aufschrei zu hören? Und noch etwas ist zu verstehen: Warum ist es, wenn ihr Minister die Herrschaft hat, unmöglich, dass ihr Aufschrei erhört wird? Hat ihr Minister denn die Macht, die Gebete Israels aufzuhalten? Ebenso ist zu verstehen, was geschrieben steht (2. Mose, Schlussabschnitt): „Da kehrte Moses zum Schöpfer zurück und sprach: ‚Schöpfer, warum hast Du diesem Volk Übles getan? Warum hast Du mich überhaupt gesandt? Seit ich zum Pharao gekommen bin, um in Deinem Namen zu sprechen, hat er diesem Volk Übles getan, und gerettet hast Du Dein Volk nicht.‘ Da sprach der Schöpfer zu Moses: ‚Jetzt wirst du sehen, dass Er sie mit starker Hand entlassen wird.‘“
Zu verstehen ist der Vorwurf des Moses, als er sagte: „Seit ich zum Pharao gekommen bin, um in Deinem Namen zu sprechen, hat er diesem Volk Übles getan, und gerettet hast Du Dein Volk nicht.“ Daraus geht hervor, dass der Vorwurf des Moses ein wahrer Vorwurf war, denn aus der Antwort des Schöpfers geht hervor, dass das, was Moses sagte, richtig ist. Nur sagte der Schöpfer zu ihm: „Jetzt wirst du sehen, was Ich dem Pharao antun werde.“ Das heißt, er wird sehen, was der Schöpfer dem Pharao antun wird. Eigentlich hätte geschrieben werden müssen: „Du wirst sehen“, also dass Moses sehen wird, das heißt ‚Atah‘ mit einem Alef [du]. Warum aber steht geschrieben ‚Ata‘ mit einem Ajin [jetzt], was bedeutet, dass er jetzt sehen wird? Das deutet darauf hin, dass es vor dem Zeitpunkt, da er zum Pharao kam und dieser dem Volk Übles tat, keinen Auszug aus Ägypten geben konnte, sondern erst jetzt der Ort dafür da ist, dass Er sie mit starker Hand entlässt und vertreibt.
Zu verstehen ist, warum gerade jetzt der Ort des Auszugs aus Ägypten ist. Und hier sind zwei Dinge zu verstehen:
1) Warum sich die Lage des Volkes Israel verschlimmerte, als er im Auftrag des Schöpfers kam.
2) Warum gerade jetzt, also nachdem sich die Lage verschlimmert hatte, der Ort ist, an dem der Auszug aus Ägypten geschehen kann.
Das ist auf dem Weg der Arbeit auszulegen. Der heilige ARI sagt, dass das Exil in Ägypten darin bestand, dass der Verstand der Kedusha (Heiligkeit) im Exil war. Das heißt, dass die Klipa (Schale) Ägyptens über das Volk Israel herrschte. Das ist so auszulegen, dass „Volk Israel“ bedeutet, dass das ganze Volk zum Nutzen des Schöpfers arbeiten will und nicht zum eigenen Nutzen. Bekanntlich bedeutet „Israel“ ja Jaschar-El [direkt zum Schöpfer], alles um des Schöpfers willen.
Die „Herrschaft des Pharaos“ ist das Gegenteil, nämlich nur zum eigenen Nutzen zu arbeiten. Darum war der Verstand der Kedusha – also das, was bedeutet, dass man um des Himmels willen arbeiten muss, das heißt zu geben – im Exil unter der Herrschaft des Pharaos, des Königs von Ägypten. Denn „Mizraim“ [Ägypten] besteht aus den Buchstaben von Mezar-Jam [enges Meer], und bekanntlich bedeutet „eng“ (zar) beschränkt an Chassadim (Gnaden).
Das entspricht der Redewendung „engen Auges“ [missgünstig]. Das heißt, er versteht nur zu empfangen und gibt nichts. „Weite“ nämlich bedeutet Großzügigkeit, also viel zu geben, und „eng“ heißt das Gegenteil, nicht zu geben. Das bedeutet, dass die Klipa Ägyptens darin bestand, dass jeder nur Handlungen vollbringen konnte, um eine Gegenleistung dafür zu empfangen. Ohne Gegenleistung aber, also nur um zu geben, erlaubt er keine einzige Handlung zu vollbringen. Das nennt man, dass Ägypten in der Eigenschaft eines Bedrängers der Eigenschaft Israels ist.
Damit lässt sich auslegen, was unsere Weisen gesagt haben: „Jeder, der Israel bedrängt, wird zum Haupt.“ Das bedeutet: Wer kann über die Eigenschaft „Israel“ herrschen? Nur wer in der Eigenschaft „Haupt“ ist und herrscht – dann bedrängt er die Eigenschaft Israels, indem er nicht zulässt, um des Schöpfers willen zu arbeiten, was man „sich mit Gnade befassen“ nennt, sondern nur zum eigenen Nutzen, und das nennt man die „Klipa Ägyptens“.
Darum ist die Ordnung der Arbeit so, wie unsere Weisen sagten: „Stets befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot in lo liShma [nicht um ihretwillen], denn aus lo liShma gelangt man zu liShma [um ihretwillen], weil das Licht darin ihn zum Guten zurückführt.“ Das hat seinen Grund darin, dass der Mensch mit dem Verlangen erschaffen wurde, für sich selbst zu empfangen. Wenn man also will, dass er etwas tut, also aus dem Zustand heraustritt, in dem er gewohnt ist, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten –
das heißt, man sagt zu einem Menschen: „Bis jetzt wusstest du, dass alle deine Genüsse, mit denen du den Körper versorgst, damit er bestehen kann, nur aus körperlichen Dingen kamen, und nur aus körperlichen Dingen hast du Genuss gezogen, was man ‚Versorgung des Körpers‘ nennt. Befasse dich mit Tora und Mizwot, in die ein noch größerer Genuss eingekleidet ist. Darum lohnt es sich für dich, dich mit Tora und Mizwot zu befassen, denn dadurch wirst du einen noch größeren Genuss empfangen.“
Das gleicht dem, dass man zu einem Menschen sagt: „Hör auf, an dem Arbeitsplatz zu arbeiten, wo du gewöhnlich arbeitest. Hier gibt es eine Fabrik, dort kannst du den zehnfachen Lohn empfangen.“ Wenn er glaubt, was man ihm sagt, wird er gewiss seinen Arbeitsplatz verlassen, an dem er die ganze Zeit gewohnt war zu arbeiten, und geht an einem neuen Ort arbeiten, weil er eine größere Gegenleistung empfangen wird.
Und das nennt man „lo liShma“. Aber „aus lo liShma gelangt man zu liShma“. Darum lohnt es sich, sogar in lo liShma zu beginnen, weil er am Ende zu liShma gelangen wird. So sagt auch Maimonides: „Wenn man daher die Kleinen, die Frauen und die Ungebildeten unterrichtet, dann geschieht es, um Lohn zu empfangen, bis ihr Verstand zunimmt.“
Und all dies hat seinen Grund darin, dass der Körper nur die Muttersprache versteht. Das heißt: die Mutter, die erste Sprache, die die Mutter zu ihm sprach, ist die Sprache des Empfangens, also nur für das Verlangen zu arbeiten, für sich selbst zu empfangen, das heißt, Handlungen nur zum eigenen Nutzen zu vollbringen. Die Sprache des Gebens aber ist etwas Neues für ihn. Er versteht sie nicht, und es ist sehr schwer, diese Sprache zu erlernen. Das heißt, um diese Sprache zu verstehen, braucht man Hilfe von oben, damit er diese Sprache des Verlangens zu geben erfassen kann.
Und dazu sagten sie: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man“ – nämlich diese Sprache zu verstehen. Und das nennt man die „Generation der Zerstreuung“, denn es steht geschrieben (1. Mose, siebter Abschnitt): „dass keiner die Sprache des anderen versteht.“ Das heißt, als ihnen gegeben wurde, die Arbeit des Gebens zu verrichten, dass jeder für seinen Nächsten arbeitet, da löste sich das Bündel sofort auf.
Das heißt, wie geschrieben steht: „Und sie hörten auf, die Stadt zu bauen.“ Denn als ihnen gesagt wurde, dass jeder für seinen Nächsten arbeiten solle, war ihnen diese Sprache nicht vertraut, und keiner wollte für seinen Nächsten arbeiten. Darum sofort „und sie hörten auf, die Stadt zu bauen“, weil es keinen Brennstoff gibt, um zum Wohl des anderen zu arbeiten.
Als daher das Volk Israel, das im Exil Ägyptens war, das unter der Herrschaft des Pharaos, des Königs von Mezar-Jam [enges Meer], stand und sich seiner Herrschaft entziehen wollte, dazu nicht fähig war – allerdings war ihnen noch nicht so ganz klar, was die Auslegung „zu arbeiten, um zu geben, und nicht zum eigenen Nutzen“ bedeutet. Obwohl ihr Verlangen war, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten, sahen sie, dass sie es nicht konnten. Aber sie hatten immer Ausreden dafür, dass sie sich nicht auf die Absicht ausrichten konnten, um zu geben. Und sie fühlten nicht, dass sie so weit vom Schöpfer entfernt waren.
Doch als Moses zum Volk Israel kam und zur Eigenschaft Pharao jedes Einzelnen sprach, also zu dem Verlangen zu empfangen, das in ihren Herzen ist, und ihnen sagte, dass er wolle, dass ihre Eigenschaft Pharao nicht über ihre Eigenschaft Israel herrsche, sondern zulasse, um des Himmels willen zu arbeiten und nicht zum Nutzen des Körpers – als der Pharao des Volkes hörte, was Moses ihnen sagte, dass sie nur um des Himmels willen arbeiten sollten, da begriffen sie, was es heißt, zu geben und nicht zu empfangen, und wurden sofort in der Arbeit geschwächt. Denn der Körper widersetzte sich mit aller Kraft, dass sie keine einzige Handlung der Kedusha vollbrächten.
Das heißt, sogar das lo liShma fiel ihnen nun schwer zu tun, wie oben gesagt. Denn bevor Moses kam, hatten sie Kraft zur Arbeit, weil sie noch nicht wussten, was „um des Himmels willen“ bedeutet. Aber als Moses kam und ihnen erklärte, was es heißt, zu geben und gar nichts zu empfangen, da begann der Pharao jedes Einzelnen, Fragen zu stellen:
1) Wie geschrieben steht, dass der Pharao fragte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“
2) Danach kam die Frage des Frevlers, der fragte: „Was soll euch diese Arbeit?“
Es zeigt sich, dass beim Volk Israel, nachdem es aus dem Mund des Moses gehört hatte, dass man um des Himmels willen arbeiten muss, da der wahre Widerstand des Bösen im Menschen begann. Und das ist es, was geschrieben steht: „Da kehrte Moses zum Schöpfer zurück und sprach: ‚Schöpfer, warum hast Du diesem Volk Übles getan? Seit ich zum Pharao gekommen bin, um in Deinem Namen zu sprechen, hat er diesem Volk Übles getan.‘“ Das heißt, der Körper, der „Pharao“ genannt wird, begann sich der Arbeit zu widersetzen.
Es zeigt sich, dass die Frage des Moses in Ordnung war. Das heißt, vom Verstand her versteht man: Wenn man Tora und Mizwot hält, was der Schöpfer geboten hat, müsste die Ordnung so sein, dass die Arbeit, wenn man sich auf dem Weg der Wahrheit damit befasst, gewiss stärker sein muss, weil man auf dem Weg der Wahrheit geht.
Anders verhält es sich mit lo liShma, das nicht auf dem Weg der Wahrheit ist. Darum hätte die Arbeit, als Moses kam, um im Namen des Schöpfers zu sprechen, stärker sein müssen, also das Böse aus der Eigenschaft der Wahrheit heraus zu überwinden. Doch was sah Moses? Es steht geschrieben: „Seit ich zum Pharao gekommen bin, um in Deinem Namen zu sprechen, hat er diesem Volk Übles getan.“ Das heißt, die Arbeit, das Böse zu überwinden, wurde schwerer. Das heißt, nicht dass sie besser wurden, also dass er eine größere Kraft hätte, das Böse zu überwinden, sondern im Gegenteil: Das Böse empfing eine größere Kraft.
Doch die Wahrheit ist: Bevor man weiß, was es bedeutet, alles zu tun, um zu geben, offenbart das Böse im Menschen seinen Widerstand nicht so sehr, weil man ihm einen Ort des Festhaltens lässt, solange man sich mit Tora und Mizwot befasst. Aber in dem Augenblick, da der Körper hört, was es heißt, dem Schöpfer zu geben und gar nichts zum eigenen Nutzen zu empfangen, also dass man das Böse völlig ausmerzen und ihm keinerlei Halt in seiner Tora und seinen Mizwot lassen will, da bäumt es sich gewiss mit aller Kraft auf und lässt keinen Raum, es aufzulösen.
Es zeigt sich demnach, dass im Bösen nichts Neues entstanden ist. Das heißt, nicht dass er jetzt das Böse empfangen hat, sondern das Böse, das in ihm war, hatte nichts zu tun und saß bei ihm nahezu untätig da. Aber in dem Augenblick, da der Mensch all seine Handlungen dem Schöpfer geben und seinem Körper, der „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird, nichts geben will, da beginnt es seine Kraft zu zeigen und widersetzt sich, von der Herrschaft, die es über den Körper ausübt, verdrängt zu werden.
Wie im Sohar geschrieben steht, dass der böse Trieb im Menschen „ein alter und törichter König“ genannt wird. Und er fragt: Warum wird er „König“ genannt? Weil er über den Körper herrscht. Und warum wird er „alt“ genannt? Weil er gleich vom Tag der Geburt an im Menschen vorhanden ist. Anders der gute Trieb, der erst nach dreizehn Jahren zum Menschen kommt.
Es zeigt sich demnach, dass es, solange das Böse nicht offenbart ist, noch nichts gibt, was man auflösen könnte. Erst nachdem seine ganze Kraft offenbart wurde, kann ein Ort entstehen, es aufzulösen. Denn wenn er es dann auflöst, löst er es völlig auf. Anders verhält es sich, wenn das Böse nicht offenbart ist: Dann kann man nur einen Teil davon auflösen, und das ist keine Vollkommenheit. Denn was man von oben dem Menschen gibt, das gibt man ihm als eine vollständige Sache.
Denn andernfalls, wenn man dem Menschen eine Kraft gäbe, sodass er fähig wäre, um des Himmels willen zu handeln, und im Menschen ein böser Teil verbliebe, der noch nicht offenbart ist, so zeigt sich, dass im Menschen ein böser Teil verbleibt, der noch nicht offenbart ist und gemeinsam mit der Absicht um des Himmels willen arbeitet. Und das nennt man keine Vollkommenheit. Und das ist, wie unsere Weisen sagten (Sukka 48): „Jeder, der den Namen des Himmels mit etwas anderem verbindet, wird aus der Welt entwurzelt.“
Das ist auf dem Weg der Arbeit so auszulegen, dass es bedeutet: Wenn der Mensch Tora und Mizwot um des Himmels willen erfüllt, aber einen Teil der Arbeit auch dem Bedürfnis des Körpers beimischt, also dass daraus auch etwas zum eigenen Nutzen erwachse, so wird er aus der Welt entwurzelt, also aus der spirituellen Welt, weil alles um des Himmels willen sein muss und gar nichts zum eigenen Nutzen.
Es zeigt sich, dass es, bevor das Böse in seiner wahren Gestalt offenbart ist, unmöglich ist, dem Menschen Kraft zu geben, es auszumerzen, weil er noch nicht das Maß des Bösen besitzt, für das man ihm Kraft gäbe, es zu überwinden. Denn bekanntlich gibt es „kein Licht ohne Gefäß“, also „keine Füllung ohne Mangel“.
Mit dem Gesagten verstehen wir die Antwort des Schöpfers, der zu ihm sagte: „Jetzt wirst du sehen, was Ich dem Pharao antun werde.“ Wir fragten: Hätte es nicht ‚Atah‘ mit einem Alef [du] heißen müssen, also dass Moses sehen wird, was der Schöpfer dem Pharao antun wird? Und warum steht geschrieben ‚Ata‘ mit einem Ajin [jetzt]?
Vielmehr ist es so, wie wir erklärt haben, dass man keine halbe Sache geben kann, sondern zuerst muss das ganze Böse offenbart werden, und danach kommt die Hilfe von oben für eine vollständige Sache. Darum, nachdem Moses gesagt hatte: „Warum hast Du diesem Volk Übles getan, und gerettet hast Du nicht“, vielmehr das Böse sich in seiner ganzen Kraft offenbart hatte, zeigt sich, dass jetzt die Zeit ist, da die Erlösung von oben kommen wird. Darum sagte der Schöpfer „jetzt“, also: jetzt wirst du sehen, dass Ich ihnen die nötige Hilfe geben werde, wie geschrieben steht: „Denn mit starker Hand wird Er sie entlassen, und mit starker Hand wird Er sie aus seinem Land vertreiben.“ Denn erst jetzt, also jetzt, ist die Zeit gekommen, weil bereits das ganze Böse bei ihnen offenbart ist.
Mit dem Gesagten verstehen wir, warum sich die Lage bei ihnen verschlimmerte, als Moses im Auftrag des Schöpfers kam. Und der Grund ist, dass dies nicht heißt, dass sie schlechter geworden wären. Vielmehr entstand dadurch, dass Moses zu verstehen gab, was es bedeutet, dass man um des Himmels willen arbeiten muss – wie geschrieben steht: „Seit ich zum Pharao gekommen bin, um in Deinem Namen zu sprechen“, also dass man um des Himmels willen arbeiten muss und die Eigenschaft Pharao von ihrer Herrschaft herabsteigen muss –, da entstand ein Ort für die Offenbarung des Bösen.
Es zeigt sich, dass sie dadurch, dass Moses ihnen die Sache des „um des Himmels willen“ erklärte, in der Arbeit voranschritten und zur Stufe der Wahrheit gelangten, zu erkennen, wie das Böse über sie herrscht. Anders war es vor dem Kommen des Moses zu ihnen im Auftrag des Schöpfers: Da sahen sie die Wahrheit noch nicht, wie weit sie vom Schöpfer entfernt sind. Es zeigt sich: Obwohl sie in der Tat schlechter wurden, schritten sie dennoch in der Eigenschaft der Wahrheit voran, denn erst jetzt haben sie Gefäße, die der Schöpfer mit Seiner Hilfe füllt, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“
Und jetzt verstehen wir auch die zweite Frage: Warum gerade, nachdem sie schlechter geworden waren, die Zeit kam, da der Schöpfer die Hilfe gibt. Und das ist, wie oben gesagt, weil sie erst jetzt Gefäße haben, die bereit sind, eine vollständige Sache zu empfangen, wie oben gesagt. Darum steht geschrieben „jetzt wirst du sehen“ mit einem Ajin.
Und zu der Sache, die wir fragten, zu dem, was der Sohar sagt, dass der Aufschrei Israels nicht gehört wurde, bevor ihr Minister fiel, wie geschrieben steht: „Und der König von Ägypten starb. Und sogleich schrien sie, und ihr Hilferuf stieg hinauf zu Gott.“ Aber bis zu jener Stunde wurde ihr Aufschrei nicht erhört. Und wir fragten:
1) Wer hat bewirkt, dass ihr Minister fiel?
2) Warum hat ihr Minister die Kraft, ihr Gebet aufzuhalten?
Das lässt sich auf dem Weg verstehen, den mein Vater und Lehrer sagte, angeführt im Buch „Pri Chacham“ (Teil 2, Blatt 57): „Und die Sache ist, dass die Kinder Israels in dem Maß, in dem sie dachten, dass Ägypten sie zur Arbeit zwinge und sie vom Dienst am Schöpfer abhalte, in eben dem Maß tatsächlich im Exil Ägyptens waren. Und alle Mühe des Erlösers galt nur dem, ihnen zu offenbaren, dass hier keine andere Kraft beigemischt ist, und ‚Ich bin es und kein Bote‘, denn es gibt keine Kraft außer Ihm – und das war in Wahrheit das Licht der Erlösung.“
Es zeigt sich, dass das Wesentliche des Exils darin besteht, dass man denkt, es gebe einen Minister Ägyptens. Das heißt, dass ihrem Minister Herrschaft gegeben wurde und er über Israel gebietet. Und solange der Mensch so denkt, herrscht ihr Minister. Und das Volk Israel will sich der Herrschaft des Ministers Ägyptens entziehen. Und sie sehen, dass sie den Schöpfer bitten, sie aus seiner Herrschaft herauszuführen, und der Schöpfer führt sie nicht aus dem Exil heraus, in dem sie unter seiner Herrschaft stehen. Dann sagen sie, dass der Schöpfer, Gott behüte, ihr Gebet nicht erhört.
Und der Beweis dafür, dass Er nicht auf die Stimme ihres Aufschreis hört, ist, dass sie sehen, wie sie jedes Mal rückwärts gehen und nicht vorwärts. Das heißt, sie sehen jedes Mal, wie sie weiter von der Arbeit des Gebens entfernt sind, weil der Verstand es verlangt, dass es entsprechend der Arbeit und Mühe, die der Mensch aufbringt, und seinem Gebet zum Schöpfer, ihn aus der Herrschaft des Pharaos herauszuführen –
und er sieht jeden Tag das Gegenteil. Das heißt, jeden Tag sieht er, dass der Pharao mit noch größerer Kraft über ihn herrscht. Das heißt, er sieht, wie er eine stärkere Verbindung zum Verlangen zu empfangen hat und ebenso weiter vom Verlangen zu geben entfernt ist. Darum sagt der Mensch, dass der Schöpfer, Gott behüte, das Gebet nicht erhört.
Und das ist die Auslegung dessen, was der Sohar sagt: „Solange dem Minister jener Völker die Herrschaft über Israel gegeben war, wurde der Aufschrei Israels nicht gehört.“ Und das nennt man, dass ihr Minister die Gebete Israels aufhält. Das heißt, das Volk Israel sagt so – denn warum sonst sollte der Schöpfer ihren Aufschrei nicht hören?
Und was geschieht am Ende? Das heißt, nachdem ihnen die ganze Gestalt des Bösen offenbart wurde und sie nicht mitten in der Arbeit vom Schlachtfeld geflohen sind, da wurden sie gewürdigt, die Wahrheit zu sehen, dass es hier gar keinen Minister von ihnen gibt, der die Gebete aufhielt, sondern der Schöpfer selbst hat all die Handlungen getan, wie geschrieben steht: „Denn Ich habe sein Herz verstockt.“ Das heißt, der Schöpfer bewirkte, dass sie jedes Mal sahen, wie weit sie von der Kedusha entfernt sind. Das heißt, der Schöpfer offenbarte ihnen das Böse, „damit Ich diese Meine Zeichen setze“. Denn gerade dadurch, dass das ganze Böse offenbart wird, kann der Schöpfer ihnen die Hilfe für eine vollständige Sache geben.
Es zeigt sich demnach folgende Auslegung: Als sie gewürdigt wurden zu sehen „Und der König von Ägypten starb“, was der Sohar mit dem Namen „Fall ihres Ministers“ bezeichnet, da fiel jenes Wissen, jene Vorstellung, dass es einen Minister Ägyptens gebe und er Herrschaft habe und ihren Aufschrei aufhalte, sodass er oben nicht gehört werde – diese Auffassung fiel vom Volk Israel ab.
Vielmehr wurden sie jetzt gewürdigt zu sehen, dass es gar keinen Minister Ägyptens gab, der das Gebet Israels aufhielt, sodass es nicht angenommen würde. Vielmehr erhörte der Schöpfer ihr Gebet sehr wohl, und der Schöpfer verstockte ihr Herz. Das heißt, der Schöpfer wollte, dass die wahre Gestalt des Bösen, die „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird, offenbart werde.
Es zeigt sich, dass Er ihren Aufschrei sehr wohl erhört hat. Und gäbe es nicht die Eigenschaft des Erwachens von unten (Itaruta deLetata) vonseiten des Volkes Israel, das sich der Herrschaft Ägyptens entziehen will – das heißt, dass sie sahen, dass all ihre Arbeit zum Wohl des Verlangens war, für sich selbst zu empfangen, das „Pharao, König von Ägypten“ genannt wird –, und ohne dieses Erwachen hätte der Schöpfer ihnen die Gestalt des Bösen nicht offenbart.
Denn nur jenen Menschen, die sich der Herrschaft des Bösen entziehen wollen, offenbart der Schöpfer die Gestalt des Bösen. Und sie denken, dass sie jedes Mal schlechter werden. Doch die Wahrheit ist: Der Verstand verlangt, dass man bei allem, worin man Mühe aufbringt, mehr oder weniger voranschreitet, aber nicht rückwärts geht.
Und die Auflösung ist, dass sie nicht rückwärts gehen, sondern zur Gestalt der Wahrheit voranschreiten, so weit das Böse in ihnen wirken kann, wie oben gesagt. Und dann, wenn sie ein vollständiges Gefäß des Bösen haben, gibt ihnen der Schöpfer die Hilfe. Dann sehen alle, dass der Schöpfer die ganze Zeit das Gebet erhört hat.
Und mit dem Gesagten wird verständlich, was sie dachten, dass es einen Minister Ägyptens gebe, der die Gebete aufhält. Wir fragten: Warum hat dieser Minister die Kraft, über die Gebete Israels zu herrschen? Und die Antwort ist, dass sie so dachten.
Und die zweite Frage: Wer hat bewirkt, dass ihr Minister von seiner Herrschaft fiel? Dadurch, dass sie die ganze Zeit arbeiteten und nicht vom Schlachtfeld flohen, bis ein Ort für die Offenbarung des ganzen Bösen entstand, da wurden sie von selbst der Wahrheit gewürdigt: dass es auch bis hierher keinen Minister von ihnen gab, sondern dass sie nur so dachten. Es zeigt sich demnach, dass zwei Dinge auf einmal kamen, was unsere Weisen mit dem Ausdruck „sein Scheidebrief und seine Hand kommen als eines“ bezeichnen.
Und mit dem Gesagten bedarf es einer großen Bestärkung, nicht vom Schlachtfeld zu fliehen, sondern zu glauben, dass „der Schöpfer das Gebet jedes Mundes erhört“. Und es gibt keine andere Kraft in der Welt, sondern nur eine einzige Kraft, und das ist die Kraft des Schöpfers. Und Er hört immer auf alles, womit man sich an Ihn wendet.
korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver3