1990/35 Was bedeutet „Wer die Mahlzeit eines Bräutigams genießt“, in der Arbeit?
Unsere Weisen sagten (Brachot 6b): „Wer die Mahlzeit eines Bräutigams genießt und ihm keine Freude bereitet, übertritt fünf Stimmen. Und wenn er ihm Freude bereitet, was ist seine Belohnung? Rabbi Jehoshua ben Levi sagte: Er wird der Tora gewürdigt, die in fünf Stimmen gegeben wurde.“
Warum muss er den Bräutigam gerade dann erfreuen, wenn er die Mahlzeit eines Bräutigams genießt – und muss es nicht, wenn er sie nicht genießt? Und worum geht es überhaupt, wenn man ihn erfreuen soll? Ist der Bräutigam etwa traurig, wenn er zum Bräutigam wird, sodass man sich um seine Freude mühen müsste? Und schließlich: Womit erfreut man den Bräutigam so, dass der Mensch danach der Tora gewürdigt wird?
Sagt man einem Menschen, er solle eine bestimmte Mizwa erfüllen, so verspricht man ihm üblicherweise die kommende Welt als Lohn. Hier aber heißt es, sein Lohn sei, dass er der Tora gewürdigt wird. Ist das ein Lohn, der dazu verpflichtet, den Bräutigam zu erfreuen? Und wie ist das alles in der Arbeit zu verstehen?
Ebenso: Warum ist man nur verpflichtet, den Bräutigam zu erfreuen, und nicht die Braut? Bei der Braut finden wir eine ganz andere Verpflichtung; über sie heißt es (Ketubot 16b): „Wie tanzt man vor der Braut? Beit Shammai [Haus Shammai, eine Auslegungs-Tradition] sagt: ‚Die Braut, so wie sie ist.‘ Und Beit Hillel [Haus Hillel, eine weitere Auslegungs-Tradition] sagt: ‚Eine schöne und anmutige Braut.‘ Beit Shammai sagte zu Beit Hillel: ‚Wenn sie nun lahm oder blind war, sagt man da zu ihr: eine schöne und anmutige Braut? Die Tora aber sagte: Halte dich fern von falschen Worten.‘ Beit Hillel sagte zu Beit Shammai: ‚Nach euren Worten – wer auf dem Markt eine schlechte Ware gekauft hat, soll man sie in seinen Augen loben oder sie in seinen Augen tadeln? Du musst sagen: Man soll sie in seinen Augen loben.‘ Von hier sagten die Weisen: ‚Der Sinn eines Menschen sei stets mit den Menschen verbunden.‘“
Warum spricht man bei der Braut nur vom Tanzen? Es heißt gerade nicht, dass man die Braut erfreuen müsse; zur Zeit des Tanzes geht es allein darum, welchen Namen man ihr gibt – ob so, wie sie ist, oder ob man ihr einen schönen Namen gibt, obwohl er nicht wahr ist.
Auch der Shabbat (Sabbat) heißt „Braut“, wie es heißt: „Komm, mein Geliebter, der Braut entgegen.“ Vor dem Shabbat liegen die sechs Werktage; an ihnen müssen wir uns mühen und alles für den Shabbat vorbereiten. Und wir essen auch die Mahlzeit des Shabbat.
Der Shabbat nun heißt Malchut. Auch „Braut“ heißt Malchut, ebenso das „Land Israel“ und ebenso „die Schöpfung“ im Allgemeinen. Wir sprechen also im Grunde über zwei Themen:
a. den Schöpfer,
b. die Geschöpfe.
Der Schöpfer heißt „Bräutigam“ (Chatan), die Geschöpfe heißen „Braut“ (Kalah). „Bräutigam“ heißt Er, nachdem Er eine Stufe herabgestiegen ist, wie unsere Weisen sagten: „Steige eine Stufe herab und nimm dir eine Frau.“ Denn „Bräutigam“ kann man den Schöpfer erst nennen, wenn Er eine „Braut“ hat. In der Körperlichkeit ist es ebenso: Sagen wir, dieser Mensch sei ein Bräutigam, so heißt das, dass er eine Braut hat. Worauf aber deutet uns das in der Spiritualität hin?
Von einem Schöpfer ohne Geschöpfe lässt sich nicht sprechen. Wer sagt denn, dass es einen Schöpfer gibt? Erst nachdem Geschöpfe erschaffen sind und Ihn erlangen – nämlich erkennen, dass Er sie erschaffen hat –, sagen sie, dass es einen Schöpfer gibt. Gibt es niemanden, der Ihn erlangt, so gibt es auch niemanden, der von Ihm spricht. Als Er daher die Geschöpfe erschuf – und das tat Er, indem Er Sich in mehreren Zimzumim (Einschränkungen) selbst einschränkte –, wurde es möglich, dass Geschöpfe hervorgehen, die Empfangende sind und die von Ihm, gepriesen sei Er, in der Gegensätzlichkeit der Form entfernt sind. Denn Sein Verlangen, gepriesen sei Er, ist nur zu geben, das Verlangen der Geschöpfe aber nur zu empfangen. Und eine Formverschiedenheit bewirkt in der Spiritualität Entfernung und Trennung.
Daraus folgt: Erst weil Er Sich selbst erniedrigte, damit die Geschöpfe Ihn erlangen, lässt sich davon sprechen, dass der Schöpfer „Bräutigam“ heißt. Und die Erlangenden heißen „Braut“, die weiß, dass es einen „Bräutigam“ gibt. Würden die Geschöpfe Ihn nicht erlangen, so hieße Er gewiss nicht „Bräutigam“, und die Erlangenden trügen nicht den Namen „Braut“.
Sprechen wir über die Gesamtheit der Welten, so unterscheiden wir zwei Aspekte:
a. das gebende Licht, das durch Zimzum (Einschränkung) und Massach (Schirm) in die Welten hineinleuchtet – es wird „Bräutigam“ genannt;
b. das Kli (Gefäß), das das Licht und die Fülle empfängt – es wird „Malchut der Gesamtheit der Welten“ genannt.
Im Einzelnen gibt es viele Unterscheidungen im Licht; diese Vielheit stammt jedoch aus dem Kli, das es empfängt. Vom Licht selbst sagt man nämlich: „Es gibt keine Veränderung im Licht, sondern alle Veränderungen sind im Kli.“ Der Grund ist der eben genannte: Das Licht leuchtet nur durch Einschränkungen und nur in dem Maß, in dem Licht und Kli einander gleich sind.
Alles hängt also von der Arbeit des Empfängers ab: davon, wie weit er sich selbst korrigieren kann, bis er dem Licht gleich ist. Vom Empfänger her – er wird „Kli“ genannt – ergeben sich daher die vielen Unterscheidungen im Licht. Bei aller Vielfalt der Einzelheiten bleibt es im Allgemeinen dennoch ein Licht und ein Kli, wie wir vom Ende der Korrektur lernen: „Der Schöpfer wird Einer sein und Sein Name Einer.“
Der Shabbat nun heißt „Braut“. Vor ihm liegen die sechs Werktage, eine Zeit der Mühe, wie es heißt: „Sechs Tage machte der Schöpfer Himmel und Erde, und am siebten Tag ruhte Er.“ Denn „Shabbat“ bezeichnet die Vollendung des Werkes – und „Braut“ ebenso, wie es heißt: „Kalat Moshe [die Vollendung des Moses], denn das Werk wurde vollendet.“
Was aber ist das „Werk“, und was ist die „Vollendung des Werkes“, die in der Arbeit „Shabbat“ genannt wird? Die Schrift sagt: „Was Gott erschuf, um zu tun.“ Der Sulam (Leiter-Kommentar) erklärt: Die sechs Werktage sind die Korrektur der sechs Eigenschaften, die CHaGaT NeHJ genannt werden. Der Grund dafür: Der Schöpfer erschuf die Welt mit dem Aspekt des Verlangens, für sich selbst zu empfangen – und genau das wird „erschaffen“ genannt, nämlich Sein aus Nichtsein.
Diese Formverschiedenheit aber verursacht Entfernung und Trennung. Darum wurde das Kli, das der Schöpfer erschaffen hat, den Unteren übergeben, damit sie daran arbeiten und es korrigieren: Dem Akt des Empfangens soll die Absicht zu geben beigefügt werden – und das wird Anhaftung (Dwekut), Gleichheit der Form genannt. So wird die Schöpfung korrigiert, die „für sich selbst empfangend und getrennt“ genannt wird: durch eine Korrektur der Anhaftung, bei der das Empfangen die Form des Gebens annimmt.
Sobald die Unteren dieses Kli geben, kann das Licht zu den Unteren gelangen. Dann kommt der Gedanke der Schöpfung – „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ – zur vollen Verwirklichung. Und das wird „Vollendung des Werkes“ am Kli genannt, das nun geeignet ist, die ihm zustehende Fülle zu empfangen.
Die sechs Werktage sind also die Arbeit, die Absicht zu geben herzustellen. Und „Shabbat“ heißt der Zustand, in dem das Kli bereits vorbereitet ist und geben will. „Wenn der Shabbat kommt“ bedeutet daher: Das Licht kommt zu einem Kli, das für das Licht bereit ist. Dann heißt es „Shabbat“ – Er hat bereits von Seinem Werk geruht, nämlich vom Werk, das Kli herzustellen, denn Er hat das Kli bereits korrigiert.
Leuchtet das Licht in den Kelim, so hat das Kli nichts mehr zu tun, als das Licht zu genießen; denn das ist das Schöpfungsziel: „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Darauf zielt das Wort unserer Weisen: „Kommt der Shabbat, kommt die Ruhe.“ Denn wenn das Licht in den Kelim leuchtet, bleibt kein Raum mehr für Arbeit – dann heißt es „die Mahlzeit des Shabbat genießen“. Und ebenso sagten unsere Weisen: „Wer am Vorabend des Shabbat sich nicht gemüht hat (Kelim zu machen), was wird er am Shabbat essen?“
Der Shabbat wird also „Mahlzeit“ genannt, er ist somit eine Zeit, Gutes und Genuss zu empfangen. Hat der Mensch keine Kelim, die vom Vorabend des Shabbat her vorbereitet sind, so fehlen ihm beim Kommen des Lichts die Kelim, um die Mahlzeit darin zu empfangen. Deshalb heißt der Shabbat „Braut“ – von der Bedeutung Vollendung, Abschluss, Vollständigwerden, wie es heißt: „Und Gott vollendete am siebten Tag Sein Werk, das Er getan hatte.“ Die Mahlzeit ist demnach bereits vorbereitet, weil die Kelim zum Empfangen der Mahlzeit bereits vollendet sind. Bekanntlich lässt sich vom Licht nicht sagen, dass es fehle, wie es heißt: „Die ganze Erde ist voll Seiner Herrlichkeit.“ Man sieht das Licht vielmehr erst, wenn vorbereitete Kelim da sind – dann kommt es in den Kelim zur vollen Offenbarung.
Auch das Land Israel heißt „Braut“, weil es einen Bräutigam hat, wie es heißt: „Ein Land, auf das die Augen des Schöpfers, deines Gottes, gerichtet sind, vom Anfang des Jahres bis zum Ende des Jahres.“ Auf den ersten Blick ist schwer zu verstehen, warum gerade das Land Israel so ist. Es steht doch geschrieben: „Die Augen des Schöpfers schweifen über alles“ – und eben nicht nur über das Land Israel.
Auszulegen ist das so: Die Tora gibt uns ein Zeichen für jene, die für den Schöpfer arbeiten und wissen wollen, ob sie den Aspekt „Land Israel“ bereits erreicht haben. Das Zeichen lautet: Fühlt der Mensch, dass „die Augen des Schöpfers“, nämlich Seine Vorsehung, gepriesen sei Er, im Aspekt des Guten und Wohltuns über ihm wachen, dann befindet er sich im „Land Israel“. Denn dann wird das „Land Israel“ „Braut“ genannt, weil es weiß, dass es einen Bräutigam hat.
Und wie gesagt: Bei wem ist der Bräutigam? Wer also weiß, dass es einen Bräutigam gibt? Derjenige, der den Bräutigam erlangt. Diese Stufe heißt „Braut“: Er wurde bereits der Erlangung der Göttlichkeit gewürdigt. Denn das Licht ist der Aspekt der Göttlichkeit, und wer das Licht empfängt, ist der Erlangende. Darum bezeichnet man das „Land Israel“ als Aspekt „Braut“ – in ihm ist der Bräutigam offenbart, nämlich dass der Schöpfer der Wachende ist.
Um nun das Land Israel zu erlangen, das „Land, das der Aspekt Braut ist“ genannt wird, verfährt man ebenso, wie man es in der Körperlichkeit gewohnt ist: Man geht hin und sucht eine Braut, an der kein Mangel ist. So steht es von den Kundschaftern geschrieben, die üble Nachrede über das Land Israel führten: Sie sagten, die Braut, nämlich das Land, sei es aus vielen Gründen nicht wert, dass man sie nehme.
Manche sagten, sie sei hochmütig, denn sie stelle viele Forderungen an den Menschen: Er soll seinen Sinn und sein Verlangen vor ihr annullieren. Nur mit dem, der mit geschlossenen Augen gehen und auf alle ihre Befehle hören kann, spricht sie. Will er aber innerhalb des Verstandes verstehen, was sie ihm sagt, so flieht sie sofort vor ihm.
Wie also, sagen sie, kann ein Mensch sein ganzes Selbst um ihretwillen annullieren? Sie ist in ihrem Sinn so fest, dass sie sofort vor ihm flieht, wenn er dem, was sie ihm sagt, auch nur ein einziges Mal zuwiderhandelt. Beim „Land Israel“ geht es nämlich um den Aspekt des Königtums des Himmels. Dieses Königtum muss man im Aspekt über dem Verstand annehmen und nicht warten, bis der Körper zustimmt, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen. Und man muss es so annehmen, dass der Mensch zur Liebe des Schöpfers gelangt: „mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ All das auf der Grundlage dessen, was über dem Verstand ist – also Hingabe ohne Bedingung, auch wenn der Körper sie nicht versteht.
Der Mensch muss hingehen und das Land mit geschlossenen Augen annehmen, nämlich über dem Verstand. Sagt er nun mitten in der Arbeit – wenn er eines Aufstiegs in der Spiritualität gewürdigt wurde und Geschmack an der Arbeit empfindet –: „Jetzt brauche ich nicht mehr an den Schöpfer zu glauben, da ich bereits Geschmack an der Arbeit empfinde, und diesen Geschmack nehme ich zur Grundlage“ –
dann steht es um ihn wie im obigen Gleichnis: In dem Augenblick, da er die Sache des Glaubens über dem Verstand verstehen will – „wozu brauche ich ihn?“ – und sagt: „Jetzt habe ich bereits ein Fundament, um an den Schöpfer zu glauben“, flieht sie sofort vor ihm. Der ganze Aufstieg, den er empfunden hatte, fällt also augenblicklich von ihm ab. Das heißt: Malchut, die „Land Israel“ genannt wird, flieht vor ihm, und er bleibt im Aspekt „außerhalb des Landes“.
Dazu sagten unsere Weisen: „Das Land der Völker – ihre Luft ist unrein.“ Zur Zeit des Abstiegs steigt der Mensch aus dem „Land Israel“ herab und tritt in das „Land der Völker“ ein, dessen Luft unrein ist. Das heißt: Alle Gedanken der „Völker der Welt“ dringen in seinen Verstand und sein Herz ein, und das Verlangen „Israels“, das „Verlangen Yashar-El [geradewegs zum Schöpfer]“ genannt wird, weicht von ihm. An seine Stelle tritt das Verlangen der „Völker der Welt“, die das Gegenüber der Kedusha (Heiligkeit) sind.
Im Zustand des Abstiegs sagt der Mensch daher: „Was habe ich davon gewonnen, dass ich so viele Mühen aufgewendet habe, um Kedusha zu erlangen? Ich sehe jetzt: Ich habe nicht nur nichts gewonnen, ich bin sogar schlechter daran als vor dem Eintritt in die Arbeit um des Himmels willen. Nicht nur, dass mir die Absicht zu geben fehlt – selbst im Aspekt der Handlung ist der Zustand jetzt schwerer zu erfüllen, also in der Handlung ohne Absicht. Bevor ich in das ‚Land Israel‘ eintreten wollte, konnte ich Tora und Mizwot mühelos erfüllen.“
Und so steht es im Heiligen Sohar (Schlach, Blatt 22, und im Sulam Punkt 63): „Das ist es, was geschrieben steht: ‚Und sie kehrten zurück vom Erkunden des Landes.‘ ‚Und sie kehrten zurück‘, das heißt, dass sie zur Seite des Bösen zurückkehrten und vom Weg der Wahrheit umkehrten. Denn sie sagten: Was haben wir davon? Bis zum heutigen Tag haben wir nichts Gutes in der Welt gesehen, wir haben uns mit der Tora gemüht, und das Haus ist leer. Und wer wird jener Welt gewürdigt, und wer wird in sie eintreten? Besser wäre es für uns, wir hätten uns nicht so sehr gemüht. Wir haben uns doch gemüht und gelernt, um den Teil jener Welt zu kennen, wie du uns geraten hast. Und auch fließt sie von Milch und Honig. Gut ist jene höhere Welt, wie wir aus der Tora wissen. Aber wer kann ihrer gewürdigt werden? Die Söhne des Glaubens – was sagten sie? Wenn der Schöpfer Gefallen an uns hat, so wird Er es uns geben. Sobald ein Mensch sich mit dem Verlangen des Herzens um den Schöpfer bemüht, wird er ihrer gewürdigt, denn Er will nichts von ihm außer dem Herzen.“
Wir sehen also: Das „Land Israel“ ist der Aspekt Malchut, also der Aspekt „Braut“. Denn man schickt Menschen aus, um zu sehen, ob „die Braut“ gut ist und ob sie hochmütig ist. Auch der Shabbat wird im Aspekt der Vollendung des Werkes „Braut“ genannt. Deshalb liegen vor dem Shabbat die sechs Werktage: Ihre Arbeit und Mühe besteht darin, sich an die Bedingungen zu gewöhnen, die die Braut stellt, wenn man sie nehmen will. Und diese Mühe der sechs Werktage gleicht der Sache mit den Kundschaftern: Manchmal denkt man, die Braut sei gut, wer sie nehme, sei der glücklichste Mensch der Welt, und es lohne sich, alles zu tun, nämlich alle ihre Bedingungen anzunehmen, die sie fordert.
Und was fordert sie? Der Mensch soll zuerst sagen, dass er alle seine Bedürfnisse annulliert: Die Verlangen, die sein Körper fordert und die nur seinem eigenen Nutzen dienen, gibt er auf. Und er soll sich nur noch um den Nutzen „der Braut“ sorgen, die „Malchut“ genannt wird.
„Braut“ ist der Aspekt des Königtums des Himmels. Erst wenn der Mensch sich selbst annulliert, gilt für ihn, was unsere Weisen sagten: „Die Tora besteht nur in dem, der sich selbst für sie tötet.“ Das heißt: Er tötet alle Gedanken und Verlangen, die seinen eigenen Bedarf betreffen, und sorgt sich nur noch um den Nutzen des Schöpfers.
Ebenso hat der Mensch in den „sechs Werktagen“ Aufstiege und Abstiege. Manchmal sagt er, die Kundschafter hätten recht mit dem, was sie sagten: Man müsse von der Front fliehen, das sei nichts für sie. Und manchmal überwinden sie sich und sagen, Josua und Kaleb hätten recht mit ihrem Wort: „Wenn der Schöpfer Gefallen an uns hat, so wird Er es uns geben.“
Hat man die Arbeit aber vollendet – stimmt der Mensch also allen Forderungen der Braut zu –, dann wird er gewürdigt, dass „Shabbat“ „Shabbat Malketa [Shabbat-Königin]“ genannt wird. Sie gibt dann alles Gute und allen Genuss, den sie vom Bräutigam empfängt, dem Menschen, der sich vor ihr annulliert hat. Und das sind die Forderungen, die sie stellt: Erst nachdem er ihre Bedingungen auf sich genommen hat, zeigt sie, was der Mensch in seinem Leben gewinnt, wenn er sie als „Braut“ annehmen kann. Dann erhält „die Braut“ den Namen „Königstochter“ – und im „Haus des Königs“ fehlt nichts.
Mit dem Gesagten können wir nun unsere Frage auslegen: Worum geht es dabei, dass man den Bräutigam erfreuen muss? Die Antwort: Im Aspekt von Zweig und Wurzel wird „der Bräutigam“ der Schöpfer genannt und „die Braut“ die Geschöpfe, die vom Schöpfer empfangen sollen. Und da der Schöpfer die Welt zu dem Ziel erschuf, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, heißt es „Freude des Bräutigams“, wenn die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen. So sagten unsere Weisen: „Es gab vor Ihm keine Freude wie an dem Tag, da Himmel und Erde erschaffen wurden.“
Daraus folgt: Jeder Mensch genießt von „der Mahlzeit eines Bräutigams“. Denn alle Genüsse, die es in der Welt gibt, kommen vom Schöpfer – und das wird „Mahlzeit eines Bräutigams“ genannt. „Und ihm keine Freude bereiten“ ist demnach so auszulegen: Er führt üble Nachrede über „die Braut“, indem er sagt, sie sei nicht schön und voller Mängel. Denn die Sache „Braut“ bezeichnet die Geschöpfe, die das Gute und den Genuss vom Schöpfer empfangen sollen. Und sie sagen, „die Braut“, die als Aspekt Malchut bezeichnet wird und die Gesamtheit aller Seelen ist, gebe den Geschöpfen weder Gutes noch Genuss.
Damit ist es so, als gäbe der Schöpfer ihr nichts. Sagt also der Mensch, Malchut habe den Geschöpfen nichts zu geben, so führt er üble Nachrede über „die Braut“, sie sei arm und mittellos. Und er führt zugleich üble Nachrede über den Schöpfer: Er gebe ihr nichts, was sie den Geschöpfen weitergeben könnte.
Darum „übertritt“ jeder Mensch, „der die Mahlzeit eines Bräutigams genießt und ihm keine Freude bereitet, fünf Stimmen“. Denn die Sache mit der Fünf ist bekanntlich die, dass in der Spiritualität jede vollständige Sache „fünf Sefirot“ oder „fünf Welten“ genannt wird. „Übertritt“ heißt also: Er geht an ihnen vorüber und empfängt sie nicht. „Und wenn er ihm Freude bereitet“ – da fragt die Gemara: „was ist seine Belohnung?“ Rabbi Jehoshua ben Levi sagte: „Er wird der Tora gewürdigt, die in fünf Stimmen gegeben wurde.“
Warum aber verspricht man ihm nicht, dass er des Aspekts der kommenden Welt gewürdigt wird, wie man es sonst an allen Stellen verspricht? Die Antwort: Weil er den Bräutigam erfreut, das heißt, weil er an das Königtum des Himmels glaubt, den Aspekt „die Braut“. Denn er sagt, sie sei eine schöne und gute „Braut“. Er glaubt im Aspekt des Glaubens, dass sie einen „Bräutigam“ hat. Und man sieht bereits, dass er sich bei „der Braut“ befindet.
Und das wird „Mahlzeit des Shabbat“ genannt. Die Erklärung ist wie gesagt: Am Shabbat ist in Malchut, der Gesamtheit der Seelen, bereits das vorhanden, was der Schöpfer, der „Bräutigam“ genannt wird, für die Seelen geben wollte. Darum ist „Shabbat“ der Aspekt eines „Abbilds der kommenden Welt (Olam Haba)“: Dann ist die Zeit, da man von „der Mahlzeit des Bräutigams“ genießt.
Mit dem Gesagten verstehen wir nun auch unsere zweite Frage: Warum ist der Lohn dessen, der „den Bräutigam“ erfreut, dass er der Tora gewürdigt wird, und nicht, dass er der „kommenden Welt“ gewürdigt wird, wie es an vielen Stellen geschrieben steht? Die Antwort: Womit kann der Mensch „den Bräutigam“ in der Arbeit erfreuen, wenn „der Bräutigam“ der Schöpfer genannt wird? Damit, dass er sagt, „die Braut“ sei schön und ohne jeden Mangel.
Daran erfreut sich der Bräutigam, wie gesagt, dass die Braut im Aspekt des Glaubens über dem Verstand Malchut genannt wird. Er sagt: Malchut, die die Welt mit ihrer Herrschaft führt, führt sie im Aspekt des Guten und Wohltuns. So heißt es (Hohelied 4): „Du bist ganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.“ Dann wird der Mensch des Aspekts „Tora“ gewürdigt, die „Mahlzeit des Königs“ genannt wird und die der Aspekt „Tora im Aspekt der Namen des Schöpfers“ ist. Denn diese Tora offenbart sich erst, wenn der Mensch des Aspekts „Glaube“ gewürdigt wurde, den man als Aspekt „Königtum des Himmels“ bezeichnet.
Bevor man jedoch des Aspekts des Glaubens gewürdigt wird, der Malchut im Aspekt „Braut“ genannt wird, gibt es dort Aufstiege und Abstiege – und die werden als Aspekt „Tanz“ bezeichnet. Dort liegt die ganze Arbeit: wie man es verdient, dass der Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt. Er tut dann nichts mehr, was seinen eigenen Nutzen betrifft, sondern all seine Handlungen sind um des Himmels willen.
Darum sagten unsere Weisen: „Wie tanzt man vor der Braut?“ – das heißt: Wie wird man des Aspekts „Braut“ gewürdigt? Hierin streiten Beit Shammai und Beit Hillel. Beit Shammai sagt: „Die Braut, so wie sie ist.“ Wie auch immer der Mensch also fühlt – ob es ihm gut geht oder, Gott behüte, schlecht –, über all das muss er über dem Verstand glauben, nämlich dass alle seine Empfindungen zu seinem Guten sind. Und das ist sehr schwer.
Beit Hillel dagegen sagt: Der Mensch muss zu dem, was er in seinem Zustand empfindet – dass es ihm nämlich nicht gut gehe –, sagen, dass es dennoch gut ist; er sieht das Gute nur nicht, weil er noch nicht würdig ist, es zu sehen. Was er empfindet, ist demnach nicht wahr, aus dem Grund: „Augen haben sie, doch sie sehen nicht.“
Beide aber sagen: Der Mensch muss über dem Verstand gehen und den Bräutigam erfreuen. Es gibt daher zwei Arten von Arbeit:
a. die der sechs Werktage, denn dann ist die Zeit der Arbeit;
b. die des Shabbat, denn dann ist die Zeit der Mahlzeit. (Siehe Artikel 12, 5749.)
korrOp, EY, 26.07.2026, 17:52 Uhr, Ver4