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1990/45 Was bedeutet „Die verhüllten Dinge gehören dem Ewigen, unserem Gott“ in der Arbeit?

Es ist bekannt, dass es beim Einhalten von Tora und Mizwot [Gebote] eine Handlung und eine Absicht gibt. „Handlung“ bedeutet, dass der Mensch Tora und Mizwot mit all ihren Einzelheiten und Feinheiten einhalten muss, und im Gegenzug dafür muss er glauben, dass er Lohn empfangen wird. So sagt es Rambam [Maimonides] am Ende der „Hilchot Teshuwa“ („Gesetze der Teshuwa“), und dies sind seine Worte: „Wenn man daher die Kinder, die Frauen und die Ungebildeten unterrichtet, lehrt man sie nur, aus Ehrfurcht zu dienen und um Lohn zu empfangen, bis ihr Verstand zunimmt und sie große Weisheit erlangen; dann offenbart man ihnen nach und nach dieses Geheimnis.“

Daraus folgt, dass sie die ausgeführte Mizwa als etwas betrachten, das denen zum Nutzen gereicht, die sich mit ihr beschäftigen. Das wird „der offenbarte Teil der Arbeit“ genannt. Der Mensch kann nämlich seine Handlungen sehen und prüfen, ob sie in Ordnung sind. Auch ein anderer Mensch kann es sehen, wenn er darauf achtet, wie jener Tora und Mizwot einhält. Das nennt man den „offenbarten Teil“, denn die Handlungen, die der Mensch ausführt, sind ihm selbst und auch anderen offenbart.

Anders verhält es sich mit der Absicht, also mit der Ausrichtung, dass diese Handlungen um des Himmels willen geschehen. Bei der Absicht sieht der Mensch die Wahrheit nicht. Er kann sich selbst täuschen, denn der Mensch ist nicht fähig, die Wahrheit über sich zu erkennen; denn „kein Mensch sieht eine Schuld an sich selbst“. Daraus folgt, dass die Absicht „der verborgene Teil“ genannt wird: Sie ist vor dem Menschen selbst verborgen, sodass er die Wahrheit nicht erkennen kann. Vor seinem Nächsten ist sie erst recht verborgen, denn der Mensch kann nicht sehen, worauf sein Nächster beim Ausführen der Mizwot abzielt. Deshalb nennt man dies „den verborgenen Teil der Arbeit“.

Nach dem Gesagten müssen wir in der Arbeit einen offenbarten Teil unterscheiden, der „Handlungen“ genannt wird, und einen verborgenen Teil, der „Absicht um des Himmels willen“ heißt. Ebenso müssen wir zwischen der Arbeit der Allgemeinheit und der Arbeit des Einzelnen unterscheiden. In der Arbeit der Allgemeinheit sieht der Mensch nämlich, dass er Fortschritte macht: Jedes Mal erwirbt er mehr Tora und mehr Mizwot, und damit hat er Treibstoff für die Arbeit, sodass er immer in Freude ist. Er kann nicht verstehen, warum sich nicht alle Menschen mit Tora und Mizwot verbinden, denn er empfindet einen Geschmack an Tora und Arbeit.

Dieser Geschmack leuchtet der Allgemeinheit aus der Ebene des umgebenden Lichts, und das wird „Unbelebtes der Kedusha (Heiligkeit)“ genannt. Wie in der Körperlichkeit alle Pflanzen aus dem Unbelebten hervorgehen, so kommt auch in der Arbeit alles „Pflanzliche“ aus der Ebene des „Unbelebten der Kedusha“. Ohne „Unbelebtes“ gibt es kein „Pflanzliches“. Dieses umgebende Licht leuchtet der Allgemeinheit, wenn sie das Joch von Tora und Mizwot auf sich nimmt.

Die Hauptsache ist, dass sie keine Absichten haben, die dem „Körper“ – genannt „Eigennutz“ – zuwiderlaufen; denn mit der Allgemeinheit muss man lernen, wie Rambam sagt: „nämlich, um Lohn zu empfangen“. In dem Maße, in dem sie an Lohn und Strafe glauben, haben sie bereits Treibstoff, um in Freude und mit Verlangen in der Arbeit voranzugehen.

Anders verhält es sich in dem Augenblick, in dem der Mensch den Weg gehen will, um die Stufe dessen zu erlangen, der gibt, um zu geben – was der Natur des Körpers zuwiderläuft. Dann beginnt der Körper sofort, sich seinem Weg zu widersetzen. Nun reicht ihm die Stufe des Glaubens nicht mehr aus, die ihm aus der Ebene des umgebenden Lichts geleuchtet hat. Vielmehr sieht er, dass ihm der Glaube an die Größe des Schöpfers fehlt, der ihm die Kraft gäbe, die Fragen des Körpers zu überwinden.

Dann beginnt eine Folge von Aufstiegen und Abstiegen. Der Mensch denkt nun, dass er nicht würdig ist, ein Diener des Schöpfers in der Absicht zu sein, sodass er alles um des Himmels willen tun könnte. Er sieht dies daran, dass jedes Mal fremde Gedanken zu ihm kommen, die er nicht überwinden kann.

Jedoch sagte mein Vater und Lehrer [Baal HaSulam]: „Wir müssen glauben, dass der Schöpfer uns diese Gedanken schickt. Und dies geschieht, damit wir dadurch ein Verlangen erhalten, zu Ihm zu beten, und zwar in dem Maße, dass dies aus der Tiefe des Herzens kommt“ – wie es im Maamar „Andere Götter“ aus dem Jahr 1945 geschrieben steht. Wenn dem so ist, liegt es uns nur ob, das Gebet zum Schöpfer zu mehren, dass Er uns das Verlangen zu geben gibt; denn wir sind nicht fähig, dieses Verlangen aus eigener Kraft zu erlangen. Wir müssen nur auf zwei Weisen Ratschläge anwenden:

1. Ratschläge anwenden, wie wir spüren, dass uns nur die Kraft zu geben fehlt.

2. dass wir Ihn bitten, uns diese Kraft zu geben. Das wird „613 Ejtin“ genannt, das heißt „613 Ratschläge“, wie man dahin gelangt, ein Gefäß zu haben – das „Mangel“ genannt wird – und eine Füllung, die „Licht“ genannt wird.

Das, was der Schöpfer gibt – das Verlangen zu geben –, wird „alles, was in deiner Hand und in deiner Kraft zu tun ist, das tue“ genannt. Dann gibt der Schöpfer ihm die zweite Natur, die „Verlangen zu geben“ heißt. Erst nachdem man das Verlangen zu geben erlangt hat, kann man dazu gelangen, der Stufe der 613 Pkudin (Hinterlegungen) gewürdigt zu werden, welche das Licht ist, das in den 613 Mizwot eingekleidet ist.

Nach dem Gesagten lässt sich erklären, was geschrieben steht: „Die verhüllten Dinge gehören dem Ewigen, unserem Gott.“ Gemeint ist der Teil der Absicht, die darauf ausgerichtet ist, dass alle Handlungen des Menschen um des Himmels willen geschehen – dieser Teil gehört dem Schöpfer. Es liegt nämlich nicht in der Hand des Menschen, diese Kraft aus sich selbst zu erlangen. Deshalb muss der Mensch Folgendes wissen: Wenn er sieht, dass er nie dahin gelangen kann, die Kraft zu haben, um des Himmels willen zu handeln, dann will er vom Schlachtfeld fliehen, weil er meint, dies nie zu erreichen. Deshalb sagt der Vers: „Die verhüllten Dinge gehören dem Ewigen, unserem Gott.“ Der verborgene Teil – nämlich die Absicht zu geben – liegt also nicht in der Hand des Menschen, sondern in der Hand des Schöpfers: Er gibt die zweite Natur, die „Verlangen zu geben“ genannt wird. Und das ist es, was geschrieben steht: „Die verhüllten Dinge“ – dies gehört dem Ewigen, unserem Gott, dass Er es gebe.

Jedoch soll der Mensch in der Zeit, in der er das Verlangen zu geben erlangt, nicht darum beten, dass das Verlangen zu empfangen sterbe. Denn stirbt das Verlangen zu empfangen, so kann der Mensch dessen Niedrigkeit nicht mehr sehen; das Verlangen zu empfangen, das er hat, würde ohne Teshuwa (Umkehr) sterben. Der Mensch aber will, dass das Verlangen zu empfangen umkehrt, denn dadurch nimmt er Rache an ihm.

Der Mensch sieht nämlich, wie das Verlangen zu empfangen nach dem Willen des Verlangens zu geben arbeiten muss; denn „Teshuwa“ bedeutet, dass sich das Verlangen zu empfangen dem Verlangen zu geben unterwirft und nun in der Form dessen arbeiten muss, der empfängt, um zu geben. Anders verhält es sich, wenn das Verlangen zu empfangen stirbt, bevor der Mensch es unterwerfen kann, dass es empfängt, um zu geben: Dann hat der Mensch das Verlangen zu empfangen nicht korrigiert.

Nach dem Gesagten lässt sich erklären, was geschrieben steht (Psalm 59,11): „Der Gott meiner Gnade wird mir zuvorkommen.“

Rashi erklärte: „‚Er wird mir mit Seiner Hilfe zuvorkommen‘, bevor die Hand meiner Feinde über mich herrscht. ‚Er wird mich an meinen Feinden sehen lassen‘, was ich zu sehen begehre. ‚Töte sie nicht‘, denn das ist keine erkennbare Rache. ‚Damit mein Volk nicht vergisst‘, denn alle Toten geraten in Vergessenheit. ‚Lass sie umherwanken durch deine Macht und stürze sie hinab‘ – vielmehr lass sie umherwanken, fort von ihrem Besitz, sodass sie arm werden. Und das ist eine Rache, an die man sich auf lange Zeit erinnern wird.“

Es ist zu verstehen, wen David so sehr verfluchte, indem er zum Schöpfer sagte, Er solle seine Feinde nicht töten, sondern sie am Leben lassen, und sie sollten arm sein. Denn würde Er sie töten, so würden sie nicht leiden. Deshalb bittet er, dass der Schöpfer sie am Leben lasse und sie arm seien. Nur auf diese Weise liegt es in seiner Hand, Rache an ihnen zu nehmen: dadurch, dass Er sie aus ihrer Herrschaft hinabstürzt, wie geschrieben steht: „und stürze sie hinab“.

Wie deutet man diese Sache in der Arbeit? Zuerst ist zu verstehen, wer David ist. Es ist bekannt, dass „David“ Malchut genannt wird, welche das Königtum des Himmels ist. Malchut der Kedusha ist nämlich das Verlangen zu geben, und ihr gegenüber steht das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, das „Sitra Achra“ (die andere Seite) genannt wird; sie ist das Gegenteil der Kedusha und deren Feind, wie geschrieben steht: „Der Frevler lauert dem Gerechten auf und sucht ihn zu töten.“ Das bedeutet, dass das Verlangen zu empfangen das Verlangen zu geben töten will.

Da betete David, der der Wagen (Merkawa) für Malchut der Kedusha ist, dass der Schöpfer mit Seiner Rettung zuvorkomme, sodass sein Feind nicht über ihn herrschen könne – jener Feind ist das Verlangen zu empfangen, das das Verlangen zu geben, welches Kedusha ist, töten will. Und das ist es, was geschrieben steht: „Der Gott meiner Gnade wird mir zuvorkommen.“

Gemeint ist: Der Schöpfer komme mir zuvor, mir Gnade zu erweisen. Das heißt, dass das Verlangen zu geben, das „Chessed (Gnade)“ genannt wird, über das Verlangen zu empfangen herrsche.

Jedoch „töte sie nicht“, denn das ist keine erkennbare Rache. „Damit mein Volk nicht vergisst“, denn alle Toten geraten in Vergessenheit. „Lass sie umherwanken durch deine Macht und stürze sie hinab“ – vielmehr lass sie umherwanken, fort von ihrem Besitz, sodass sie arm werden. Und das ist eine Rache, an die man sich auf lange Zeit erinnern wird.

Um diese Flüche auf dem Weg der Arbeit zu verstehen, lässt sich erklären, dass er den Feind – nämlich das Verlangen, für sich selbst zu empfangen – verfluchte, dass er nicht sterbe. Würde das Verlangen zu empfangen annulliert, so sähe es die Herrschaft des Verlangens zu geben nicht. Mit anderen Worten: „Rache“ bedeutet, dass der andere sieht, wie er sich als Unterer unterwerfen muss. Hier ist gemeint, dass die wesentliche Vollkommenheit die Versüßung der Strengen ist, was „erfreuende Gewurot [Kräfte der Überwindung]“ genannt wird.

Deshalb ist es nicht die Vollkommenheit des Ziels, wenn das Verlangen zu empfangen annulliert würde und nur das Verlangen zu geben der Herrschende wäre. Der Grund ist, dass das Ziel der Schöpfung war, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und nicht, dass die Geschöpfe dem Schöpfer Freude und Genuss spenden. Es ist nämlich bekannt, dass die Sache, dass die Geschöpfe ihrem Schöpfer Wohlgefallen bereiten müssen, nur eine Korrektur zum Nutzen der Geschöpfe ist. Wenn dem so ist, gibt es hier keine erkennbare Rache, da sich das Verlangen zu empfangen dem Verlangen zu geben nicht unterwirft – aus dem Grund, dass es schon nicht mehr existiert.

Anders verhält es sich, wenn das Verlangen zu empfangen lebt und gezwungen ist, die Herrschaft des Verlangens zu geben anzunehmen: Das wird „erkennbare Rache“ genannt. Für alle ist dann erkennbar, dass das Verlangen zu empfangen nur noch um seines Verdienstes willen dient – nämlich dadurch, dass es das Verlangen zu geben auf sich genommen hat. Das wird „Empfangen, um zu geben“ genannt. Der Mensch hat also das Ziel der Schöpfung angenommen, welches ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und zugleich damit ist er in der Anhaftung an den Schöpfer, denn seine Absicht ist, dass er seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten will. Er spürt dann, was er dem Schöpfer geben kann, woran Er Freude hat. Und er sieht: Allein dadurch, dass er vom Schöpfer Gutes und Genuss empfängt, hat der Schöpfer Freude – denn dies war das Ziel der Schöpfung.

Nach dem Gesagten ist die Sache der Versüßung der Gewurot zu verstehen. Gewurot bedeutet Überwindung, und das gehört vor allem in die Zeit, in der der Mensch sich mit Gefäßen des Empfangens beschäftigt und sie gebraucht. Im Allgemeinen lernt man nämlich, dass die Handlungen auf die Absicht einwirken. Deshalb braucht es zu der Zeit, in der er Gefäße des Empfangens gebraucht und sich zugleich in einer Absicht ausrichten will, die der Handlung entgegengesetzt ist – nämlich zu geben –, eine zusätzliche Überwindung. Im Allgemeinen werden die Gewurot „Strengen“ (Dinim) genannt, aus dem Grund, dass über die Gefäße des Empfangens eine Einschränkung und eine Strenge verhängt wurde, sodass es verboten ist, sie ohne die Absicht zu geben zu gebrauchen.

Deshalb bewirken diese Verlangen bei dem Menschen einen Zustand der Bitterkeit, solange er unter der Herrschaft des Verlangens zu empfangen liegt. Er will sie loswerden und denkt immerzu darüber nach, wie das möglich ist. Sie zermürben seinen Kopf. Läge es in seiner Hand, sie zu töten, sodass sie vom Horizont verschwänden – wie glücklich wäre er dann!

Das ist es, was David sagt: „Töte sie nicht, damit mein Volk nicht vergisst; lass sie umherwanken durch deine Macht und stürze sie hinab.“

Die Bedeutung von „lass sie umherwanken“ ist: lass sie von Ort zu Ort wandern. „Und stürze sie hinab“ von der Höhe ihres Reichtums, sodass sie arm seien. Sie sollen also nichts in ihre Gefäße des Empfangens aufnehmen, sondern arm sein, ohne irgendeine Fülle. Seine Rache wird sein, dass sich das Verlangen zu empfangen unterwirft und die Herrschaft, um zu geben, auf sich nimmt. Sein Fluch wird sein, dass alle in die Kedusha eintreten, die „Empfangen, um zu geben“ genannt wird. Das wird „versüßte Gewurot“ genannt.

Das ist die Sache von Rosh HaShana [Jahresanfang], das „die furchtgebietenden Tage“ genannt wird. Der heilige ARI sagt, dass Rosh HaShana die Sache des Aufbaus von Malchut ist, welche „die Eigenschaft der Strenge“ genannt wird. „Malchut“ wird deshalb so genannt, weil sich die ganze Welt nach ihrer Ebene richtet, da Malchut „Versammlung Israels“ (Knesset Israel) genannt wird, in der alle sechshunderttausend Seelen Israels eingeschlossen sind. Die ganze Arbeit von Rosh HaShana ist nämlich die Annahme des Jochs des Königtums. Deshalb beten wir: „Herrsche über die ganze Welt in Deiner Herrlichkeit.“

Das Königtum, das wir annehmen und über uns als Sein gepriesenes Königtum als König einsetzen müssen, soll nicht die Gestalt der Shechina (göttliche Gegenwart) im Staub haben, sondern eine Gestalt der Herrlichkeit. Deshalb beten wir an Rosh HaShana: „Und so gib Deinem Volk Herrlichkeit.“ Wir bitten also darum, dass der Schöpfer uns die Stufe der Herrlichkeit des Himmels empfinden lasse. Da Rosh HaShana die Stufe des Königtums des Himmels ist, welche auf der Ebene der Shechina im Staub ist, ist Rosh HaShana die Zeit, in der wir den Schöpfer bitten müssen, dass wir die Herrlichkeit des Himmels empfinden – das heißt, dass das Königtum des Himmels bei uns in Herrlichkeit sei.

In der Zeit, in der wir bitten wollen, dass das Königtum des Himmels über die ganze Welt offenbart werde – das heißt, dass „die ganze Erde voll Seiner Herrlichkeit“ in der ganzen Welt empfunden werde, wie geschrieben steht: „Und alle werden kommen, Dir zu dienen“ –, gilt dieses Gebet sowohl für die Allgemeinheit als auch für den Einzelnen. Da „der Mensch eine kleine Welt ist“, ist er nämlich aus der ganzen Welt zusammengesetzt. Dann bitten wir, dass in unserem Körper keinerlei Stufe eines Verlangens zurückbleibe, um des Eigennutzes willen zu arbeiten. Und ebenso bitten wir es für die ganze Welt, das heißt, dass „die ganze Erde voll der Erkenntnis des Ewigen“ sei. Auf diese Weise sind alle Gebete von Rosh HaShana allgemeine Gebete.

Die Ordnung der Schofarstöße verläuft ebenfalls nach der Ordnung der Arbeit, die in drei Linien geschieht. Wenn man die Arbeit für den Schöpfer beginnt, beginnt man von der Ebene einer Linie. Denn von „rechts“ und „links“ kann man nur dann sprechen, wenn wir zwei Linien haben. Eine Linie wird „Vollkommenheit“ genannt, was bedeutet, dass man von der Ebene der Handlung beginnt. Der Mensch muss nämlich sagen: Da geschrieben steht „Heute gebietet dir der Ewige, dein Gott“, und unsere Weisen legten aus: „Jeden Tag seien sie in deinen Augen wie neu, als ob sie dir heute geboten worden wären“ – daraus folgt, dass jeder Tag ein neuer Anfang ist. Deshalb soll er, wenn er mit einer Linie beginnt, in Freude darüber sein, dass er das Vorrecht hat, die Tora des Schöpfers einzuhalten.

Danach geht er zur Stufe der Absicht über: Er übt Kritik, inwieweit er das Bedürfnis hat, alles um des Himmels willen zu tun. Dann beginnt die wahre Arbeit. Denn nun sieht er, dass er nicht ein einziges Glied hat, das etwas um des Himmels willen tun möchte. Das wird bereits „linke Linie“ genannt, gemäß dem Ausspruch unserer Weisen: „die Linke stößt weg“. Er sieht also, wie weit er vom Schöpfer entfernt ist. Und er muss glauben, dass der Schöpfer ihn weggestoßen hat, aus dem Grund, dass er sich dadurch anstrengt, größere Kräfte aufzubringen.

Danach kehrt er zu einer Linie zurück, die „Vollkommenheit“ genannt wird. Nun aber wird die eine Linie bereits „rechte Linie“ genannt, aus dem Grund, dass die linke Linie die eine Linie dazu bringt, die rechte zu sein. Und danach wird der Mensch der mittleren Linie gewürdigt, die „der Heilige, gepriesen sei Er, gibt die Seele“ genannt wird.

korrOp, EY, 26.07.2026, 22:29 Uhr, Ver5