1991/01 Was bedeutet „Wir haben keinen König außer Dir“ in der Arbeit?
Wir sollten verstehen, was es bedeutet, wenn wir sagen: „Wir haben keinen König außer Dir“. Damit preisen wir den Schöpfer: „Wir haben keinen König außer Dir“, das heißt, wir sind nicht wie die Völker der Welt, die viele Götzen haben, sondern für uns bist allein Du unser König.
Es ergibt sich daraus, als ob der Schöpfer größer wäre als sie. Was aber ist daran so wichtig, ob der Schöpfer wichtiger ist als sie und wir uns für den Schöpfer entschieden haben? Das kann man in der Art dessen sagen, was im Sohar steht (Einführung in den Sohar, Blatt 161, Punkt 161), und dies sind seine Worte: „Rabbi Aba sagte: ‚Über diesen Vers, in dem geschrieben steht: Wer würde Dich nicht fürchten, König der Völker, denn es steht Dir zu? – was ist das für ein Lob?‘ Rabbi Shimon antwortete ihm: ‚Sieh, dieser Vers mehrt Seine Ehre gar nicht so sehr, denn es steht geschrieben: Denn unter allen Weisen der Völker und in all ihren Königreichen gibt es keinen wie Dich. Was ist das für ein Vergleich mit Menschen, die keinen Bestand haben?‘“ So weit seine Worte.
Obwohl es dafür viele Erklärungen gibt, wollen wir es im Sinne der spirituellen Arbeit erläutern. Bekanntlich beginnt die Ordnung der Arbeit vor allem auf der Grundlage des Glaubens. Gleich zu Beginn der Arbeit nehmen wir das Joch des Königtums des Himmels auf uns, nämlich zu glauben, dass der Schöpfer es ist, der die Welt lenkt. Das heißt, dass Er mit individueller Vorsehung über die Welt wacht, wie es im Artikel „Die Ordnung der Arbeit“ von Baal HaSulam angeführt wird.
Danach müssen wir wissen, dass die Sache des Glaubens, die wir auf uns nehmen, „niedrig an Bedeutung“ ist. Das heißt, wäre alles im Wissen und müsste man nicht glauben, so wäre dieses Wissen beim Menschen von höherer Bedeutung. Und der Mensch muss glauben, dass er sich, obwohl der Glaube für den Menschen eine Sache von niedrigerer Bedeutung ist, dennoch gerade dafür entscheidet, diesen Weg des Glaubens über dem Verstand zu gehen. Und zwar deshalb, weil der Mensch dem Glauben an die Weisen vertraut – dem, was sie erlangt und gesagt haben.
Wer dagegen keinen Glauben an die Weisen hat, der sagt, dass das Wissen für die Arbeit des Menschen erfolgreicher wäre als der Glaube – so denkt und sagt der Mensch –, und er sagt: Wäre der Dienst am Schöpfer im Zustand des Wissens und müsste man nicht glauben, so gäbe es gewiss weit mehr Diener des Schöpfers, und viele Menschen würden sich der Arbeit hingeben. Wenn der Mensch aber glauben muss, sowohl an den Schöpfer als auch an die Weisen, so hält dies – nämlich der Glaube, den man haben muss – die Menschen davon ab, Menschen der Arbeit zu sein.
Doch der Mensch, der sich dem Schöpfer nähern will, muss dem Glauben an die Weisen vertrauen, die uns sagten: Wäre der Weg des Wissens in Wahrheit besser für die Lenkung der Welt, so hätte der Schöpfer uns die Arbeit im Zustand des Wissens gegeben.
Doch der Schöpfer weiß, dass der erfolgreichste Weg, auf dem es dem Menschen möglich ist, das Ziel zu erreichen – das Sein Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, sodass der Mensch fähig wäre, das Gute und den Genuss ohne das Brot der Scham (Nahama deKisufa) zu empfangen –, gerade der Weg des Glaubens ist.
Da der Mensch jedoch mit der Natur der Selbstliebe geboren wird, genießt der Körper das, was der Selbstliebe näher ist. Wenn man daher dem Menschen sagt, dass er Tora und Mizwot auf der Grundlage des Glaubens einhalten muss, fällt ihm das schwer. Das heißt, der Mensch wäre zufriedener, wenn alles im Wissen wäre.
Doch auch in der Sache des Glaubens gibt es ebenfalls viele Unterscheidungen, nämlich was der Mensch glauben muss. Die Sache ist einfach: Der Mensch muss nur an Lohn und Strafe glauben. Das heißt, hält er Tora und Mizwot ein, so wird ihm Lohn zuteil; und hält er sie nicht ein, so empfängt er Strafe.
Und die Sache von Lohn und Strafe gilt auf allen Stufen. Der ganze Unterschied liegt nur darin, was der Lohn und was die Strafe ist – darin gibt es Unterschiede von Stufe zu Stufe. Und auch in irdischen Angelegenheiten gilt dies. Zum Beispiel sagt man einem Kind: Wenn es nicht essen will, wird es bestraft. Etwa so: Alle Kinder, die essen, fahren auf einen Ausflug, und das Kind, das nicht essen will, bleibt zu Hause. Und manchmal drücken sich Lohn und Strafe im Essen selbst aus: Wer nicht tut, was die Eltern ihm gebieten, bekommt heute kein Essen und bleibt hungrig, und dergleichen. Es zeigt sich, dass es bei allen Menschen dasselbe ist: Lohn und Strafe geben dem Menschen den Anstoß zum Fortschritt.
Daher gibt es Menschen, die glauben, dass ihnen durch das Einhalten von Tora und Mizwot Lohn in dieser Welt zuteilwird, wie es im Sohar geschrieben steht: „Es gibt Menschen, deren Ehrfurcht im Lohn und in der Strafe dieser Welt liegt, nämlich langes Leben, Gesundheit und dergleichen. Und es gibt solche, deren Lohn und Strafe in der kommenden Welt liegt, nämlich dass ihnen der Garten Eden zuteilwird. Und es gibt Menschen, deren Ehrfurcht liShma (um ihretwillen) ist, nämlich ‚weil Er groß ist und herrscht‘, denen die Würde zuteilwird, dem König zu dienen.
Und dies ist ihr Lohn, und sie benötigen keinen weiteren Gegenwert. Das heißt, sie heben ihre eigene Herrschaft auf, sorgen sich nicht um den eigenen Nutzen, sondern ihre ganze Sorge gilt allein dem, dem Schöpfer Wohlgefallen (Nachat Ruach) zu bereiten.“ Und da der Körper, der „Verlangen zu empfangen“ genannt wird, dies nicht annimmt, widersetzt er sich dieser Arbeit. Daher gilt gerade hier, in der Arbeit, in der der Mensch arbeiten will, um zu geben, die Sache der Auf- und Abstiege.
Und in dieser Arbeit heißt „Lohn und Strafe“ etwas völlig anderes als das, was „Lohn und Strafe“ in der Arbeit um des Lohnempfangs willen bedeutet. Denn wenn der Mensch einen gewissen Geschmack in der Arbeit hat und spürt, dass er ein wenig Annäherung an den Schöpfer hat, so ist das sein Lohn. Und wenn er spürt, dass man ihn aus dem Dienst am Schöpfer hinausgeworfen hat, das heißt, er spürt keinerlei Geschmack in der Arbeit, so heißt das beim Menschen „die allergrößte Strafe“.
Das heißt, er hat keinerlei Empfindung der Arbeit. Und der Mensch muss sagen, dass diese Entfernung, die er spürt, gewiss daher rührt, dass er vom Schöpfer entfernt ist. Denn der Mensch versteht: Wäre er dem Schöpfer nahe, so müsste er eine andere Empfindung verspüren als jene, die er jetzt verspürt, wie es geschrieben steht: „Stärke und Freude sind an Seiner Stätte.“
Das heißt: Wenn der Mensch spürt, dass er sich an einem Ort der Heiligkeit (Kedusha) befindet – und über die Heiligkeit steht geschrieben „Stärke und Freude“ –, er aber jetzt spürt, dass er keinerlei Lebenskraft hat und nun alles schwarz sieht und es nicht in seiner Macht steht, den Zustand zu überwinden, in dem er sich befindet, so heißt das bei einem Menschen, der zur Arbeit um des Himmels willen gelangen will, „die allergrößte Strafe“.
Und wenn der Mensch den Zustand überwinden will, in dem er sich befindet, dann sieht er, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, zur Annäherung an den Schöpfer zu gelangen. Und manchmal verfällt er in Verzweiflung, das heißt, er will aus dem Kampf fliehen. Und er kommt zu dem Schluss, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, dass es ihm jemals gelänge, zu einer Stufe zu gelangen, auf der „er sich um nichts für den eigenen Nutzen sorgt, sondern allein für den Nutzen des Schöpfers“.
Und es stellt sich die Frage: Was ist die Wahrheit? Das heißt, ob er sich irrt; ob es also doch eine Möglichkeit gibt, zu einem Zustand zu gelangen, in dem alle seine Handlungen um des Himmels willen sind, oder nicht. Das heißt, ob die Überwindung doch nützt – ob also der Mensch doch die Kraft hat, aus eigener Kraft alle seine Handlungen um des Himmels willen zu vollbringen.
Die Antwort ist, wie es geschrieben steht: „Wir haben keinen König außer Dir.“ Denn in uns ist keine Kraft der Überwindung, sodass wir es auf uns nehmen könnten und dass Du uns zum König würdest. Und wir würden Dir dienen, allein wegen der Bedeutung des Königs. Und für uns selbst täten wir keine Handlung, sondern allein das, woraus Dir Wohlgefallen erwächst. Diese Kraft kannst nur Du uns geben, nämlich die zweite Natur, die das „Verlangen zu geben“ ist.
Daher sagt man zuerst: „Unser Vater, unser König, wir haben vor Dir gesündigt.“ Das heißt, der Mensch kann nicht sagen „Wir haben keinen König außer Dir“, nämlich dass nur der Schöpfer diese Kraft geben kann. Und woher weiß der Mensch, dass es nicht in seiner Macht liegt? Daher muss der Mensch zuerst alles tun, was in seiner Hand liegt, wie es geschrieben steht: „Alles, was deine Hand und deine Kraft zu tun vermag, das tue.“
Und dann gelangt der Mensch zu einem Zustand, in dem er spürt, wie weit er vom Schöpfer entfernt ist. Das heißt, dass es nicht in seiner Macht liegt, irgendetwas zum Wohl des Schöpfers zu tun. Dann spürt der Mensch: Obwohl er Tora und Mizwot einhält, wird er dennoch ein „Sünder“ genannt, weil er sieht, dass er nicht um des Himmels willen arbeitet. Daher muss der Mensch zuerst sagen: „Unser Vater, unser König, wir haben vor Dir gesündigt“, obwohl er Tora und Mizwot einhält. Und dennoch spürt er, dass er ein Sünder ist, weil er nichts um des Himmels willen tut.
Danach sagt er mit vollem Munde: „Unser Vater, unser König, wir haben keinen König außer Dir.“ Das heißt, dass nur der Schöpfer helfen kann, dass Er uns zum König werde, sodass wir aus dem Grund dienen können, dass man dem König dient. Und das ist sein Lohn: dass ihm die Würde zuteilwird, dem König zu dienen. Das heißt, dass es nur dann in seiner Macht liegt, alles um des Himmels willen zu tun.
Das heißt: Wenn der Schöpfer ihm diese Kraft nicht gibt, zu spüren, dass wir einen großen König haben, so ist keine Kraft in seiner Hand, um des Himmels willen zu tun. Denn der Körper wendet ein: „Was hast du davon, dass du dem Schöpfer gibst?“ Das heißt, solange das Verlangen zu empfangen herrscht, hat der Mensch keinerlei Rat, wie oben gesagt. Denn manchmal zweifelt er am Früheren, das heißt, er sagt, er sehe nun, dass er umsonst gearbeitet und nichts gewonnen habe von der Mühe, die er aufgewendet hat. Und nun sieht er wahrhaftig, dass seine ganze Mühe vergeblich war.
Daher gibt nur der Schöpfer es ihm, wenn der Schöpfer ihm hilft und ihm das Verlangen zu geben gibt und er spürt, dass er einen großen König hat, wie oben gesagt. Und das ist es, was geschrieben steht: „Unser Vater, unser König, wir haben keinen König außer Dir.“ Nämlich: Nur Du kannst uns geben, dass wir spüren, dass wir einen großen König haben und es sich lohnt, für Ihn zu arbeiten, um Ihm Wohlgefallen zu bereiten.
Und nach dem Gesagten lässt sich erklären, was im Sohar steht (Haasinu, Blatt 93, Punkt 210), und dies sind seine Worte: „Glücklich sein Anteil – wer den König anruft und Ihn anzurufen weiß, wie es sich gebührt. Wenn er aber ruft und nicht weiß, wen er gerufen hat, so entfernt Sich der Schöpfer von ihm, denn es steht geschrieben: ‚Nahe ist der Ewige allen, die Ihn anrufen.‘ Wem ist Er nahe? Er fuhr fort und sagte: ‚Allen, die Ihn in Wahrheit anrufen.‘ Und gibt es denn jemanden, der in Lüge ruft? Rabbi Aba sagte: ‚Ja, das ist derjenige, der ruft und nicht weiß, wen er ruft.‘ Denn es steht geschrieben: ‚Allen, die Ihn in Wahrheit anrufen.‘ Was ist ‚in Wahrheit‘? Das ist ‚mit dem Siegel des Ringes des Königs‘.“
Und man muss verstehen, was er mit „Wahrheit“ und „Lüge“ sagt: dass nur auf den gehört wird, der „in Wahrheit“ ruft. Er fragt, was „in Wahrheit“ ist. Und man muss wissen, was „in Lüge“ ist, das heißt, was es bedeutet, dass der Mensch den Schöpfer in Lüge anruft, im Sinne der spirituellen Arbeit.
Im Sulam (Einführung in das Buch Sohar, Punkt 175) führt er dort den Midrasch unserer Weisen an, und dies sind seine Worte: „Zur Zeit der Erschaffung der Welt, als Er zu den Engeln sagte ‚Lasst uns den Menschen in unserem Bilde machen‘, da sagte Chessed (Gnade): ‚Er werde erschaffen, denn er erweist Wohltaten.‘ Emet (Wahrheit) sagte: ‚Er werde nicht erschaffen, denn er ist ganz Lüge.‘ Was tat der Schöpfer? Er nahm die Wahrheit und warf sie zur Erde, wie geschrieben steht: ‚Und Er warf die Wahrheit zur Erde.‘ Erklärung: Denn die Worte unserer Weisen sind bekannt: ‚Stets befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch wenn nicht um ihretwillen (lo liShma), denn aus dem Nicht-um-ihretwillen kommt er zum Um-ihretwillen (liShma).‘ Denn aufgrund seiner Niedrigkeit ist es dem Menschen unmöglich, sich gleich zu Beginn mit Seinen Mizwot zu befassen, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Daher ist er gezwungen, sich zuerst mit den Mizwot nicht um ihretwillen zu befassen, also aus eigenem Nutzen. Doch trotz alledem zieht er bei der Ausführung der Mizwot Fülle der Heiligkeit herab. Durch die Fülle, die er herabzieht, wird er schließlich dazu kommen, sich mit den Mizwot um ihretwillen zu befassen. Und das ist es, was die Wahrheit gegen die Erschaffung des Menschen einwandte, als sie sagte, er sei ganz Lüge.“
Und nach dem Gesagten sehen wir, dass „Wahrheit“ das Um-ihretwillen genannt wird, nämlich zum Nutzen des Schöpfers, und „Lüge“ das Nicht-um-ihretwillen, nämlich zum eigenen Nutzen. Und damit lässt sich erklären, was der Sohar sagt: „Nahe ist der Ewige allen, die Ihn in Wahrheit anrufen.“ Bekanntlich bedeutet die Sache von „fern und nah“ im Spirituellen, dass die Gleichheit der Form „nah“ und die Verschiedenheit der Form „fern“ genannt wird.
Es zeigt sich: Der Mensch, der zur Stufe der Wahrheit gelangen will – das heißt, der zu einem Zustand kommt, in dem er spürt, dass er, wenn der Schöpfer ihm nicht hilft, zur Stufe des Um-des-Himmels-willen zu gelangen, von sich aus keinerlei Aussicht hat, dass es ihm jemals möglich wäre, zur Stufe des Um-ihretwillen zu gelangen, nämlich alles nur um des Himmels willen zu tun –, dann ruft er den Schöpfer an, dass Er ihm helfe und ihm das Maß der Wahrheit gebe, das „um des Himmels willen“ genannt wird.
Das heißt, er bittet, dass der Schöpfer ihm das Maß der Wahrheit gebe, das „Gleichheit der Form“ genannt wird. Diesem Menschen ist der Schöpfer nahe. Das heißt, er will in Gleichheit der Form mit dem Schöpfer sein, was „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ genannt wird. Das wird so genannt, dass der Schöpfer jenen nahe ist, die nahe sein wollen, was die Stufe der „Gleichheit der Form“ genannt wird.
Anders verhält es sich mit jenen Menschen, die den Schöpfer in Lüge anrufen, das heißt, die wollen, dass der Schöpfer ihnen auf der Stufe des Nicht-um-ihretwillen helfe, was „Verschiedenheit der Form“ genannt wird. Es zeigt sich, dass der Schöpfer ihnen fern ist, weil sie sich dem Schöpfer nicht nähern wollen, was Anhaftung (Dwekut), „Gleichheit der Form“, genannt wird. Und das ist es, was er sagt, dass „die Wahrheit der Ring des Königs genannt wird“, was die Stufe der Wahrheit ist. Das heißt, dass das Königtum des Himmels, das sie auf sich nehmen, auf der Stufe der Wahrheit ist, nämlich um des Himmels willen.
Doch der Mensch muss zuerst ein Kli (Gefäß) für dieses Licht bereiten, das „Verlangen zu geben“ genannt wird. Denn „Kli“ wird als Bedürfnis bezeichnet. Das heißt, der Mensch ruft den Schöpfer nicht um Hilfe an, bevor er die Arbeit des Gebens begonnen hat und sieht, dass er dies auf keinerlei Weise aus eigener Kraft erlangen kann. Dann bittet der Mensch um Hilfe von oben, dass man ihm helfe.
Daher kommt der Mensch, nachdem er alles getan hat, was in seiner Macht liegt, und sieht, dass er keinerlei Möglichkeit hat, dieses Verlangen zu erlangen, zu der Erkenntnis, dass es niemanden gibt, der ihm helfen kann, außer dem Schöpfer. Dann sagt der Mensch: „Unser Vater, unser König, wir haben keinen König.“ Das heißt, wie oben gesagt, dass es keinerlei Wirklichkeit gibt, in der wir Glauben an einen König hätten, dem wir dienen könnten auf der Stufe „weil Er groß ist und herrscht“, außer Dir, nämlich dass nur der Schöpfer ihm helfen kann.
Und dort im Sohar erklärt er, dass der Ring des Königs „Mittellinie“ genannt wird, und die Mittellinie wird „Wahrheit“ genannt. Das heißt, dass keine Linie für sich allein Vollkommenheit hat. Und das lässt sich anhand eines Gleichnisses verstehen. Zwei Menschen bereiteten ein Mahl für die Gemeinde zu: Der eine bereitete Fleisch, Fisch und andere Dinge zu, der andere bereitete nur Gewürze, Salz, Essig und dergleichen zu. Und schließlich entstand ein Streit zwischen ihnen. Da sagte jeder von ihnen, er werde die Gemeinde zu sich rufen und ihr das Mahl geben. Nun aber: Wenn der, der versprochen hatte, nur Gewürze zu geben, ihnen die Gewürze zu essen gibt, nämlich Essig zu trinken und Salz zu essen und dergleichen – wer kann das essen? Und der andere, der Fleisch, Fisch und andere Dinge zu essen gab – wer aber kann Fleisch und Fisch ohne Salz und dergleichen essen? Und da die Menschen weder beim einen noch beim anderen essen konnten, war er gezwungen, Frieden zwischen ihnen zu schließen, und sie vermischten die Speise mit den Gewürzen, und aus beiden entstand ein gutes Mahl.
Ebenso befindet sich der Mensch, wenn er beginnt, im Nicht-um-ihretwillen zu wandeln, in einem Zustand der Vollkommenheit. Und das wird „eine Linie“ genannt. Doch in der Zeit, in der er zur linken Linie übergeht, das heißt beginnt, Kritik an der Ordnung seiner Arbeit zu üben – nämlich mit welcher Absicht er arbeitet, das heißt, welchen Lohn er als Gegenwert für seine Arbeit will –, dann schmeckt er einen bitteren Geschmack.
Das heißt, er sieht, dass es nicht in Ordnung ist mit ihm. Denn er sieht, dass es nicht in seiner Macht liegt, irgendetwas zum Nutzen des Schöpfers zu tun. Es zeigt sich also, dass dann keine Linie für sich allein Vollkommenheit hat. Denn die Vollkommenheit der rechten Linie rührt nur daher, dass er sich an seinem Anteil freut. Das heißt, er sagt, ihm sei eine große Würde zuteilgeworden, weil er ein wenig Halt im Spirituellen hat, auch wenn dies Nicht-um-ihretwillen ist. Doch von der Seite der Handlung her hat er etwas, indem er die Mizwot des Schöpfers einhält, obwohl der Glaube an den Schöpfer nur ein teilweiser Glaube ist (wie es in der Einführung in Talmud Esser haSefirot, Punkt 14, geschrieben steht). Doch auch dieser Teil ist ihm wichtig.
Anders verhält es sich mit der linken Linie, auf der er sieht, dass er voller Mängel ist und einen bitteren Geschmack in seinem Leben verspürt – das ist wie ein Gewürz, das man gibt, um die Speise zu versüßen. Doch ein Gewürz ohne Speise ist keine Speise. Es zeigt sich also, dass keine Linie für sich allein Vollkommenheit hat. Doch wenn man die beiden Linien gebraucht, die rechte und die linke, so gelangt man daraus zur Mittellinie.
Das heißt, der Schöpfer gibt die Seele, wie unsere Weisen sagten: „Drei Partner sind im Menschen: sein Vater, seine Mutter und der Schöpfer.“ Der Vater wird „Rechts“ genannt. Er gibt das Weiße. „Weiß“ bedeutet, dass dort keinerlei Mangel ist. Die Mutter wird „linke Linie“ genannt. Sie gibt das Rote, das „Mängel“ genannt wird. Und aus den beiden zusammen kann dann die Mittellinie hervorgehen, von der man sagt, dass der Schöpfer die Seele gibt. Und dann tritt die Stufe „Mensch“ hervor.
Und man muss wissen: In der Zeit, in der der Mensch zur linken Linie übergeht und zu sehen beginnt, wie weit er von der Stufe des Verlangens zu geben entfernt und nur in Selbstliebe versunken ist, und seine Mängel in einem Ausmaß sieht, von dem er nie geträumt hätte, dass er so weit von der Arbeit um des Himmels willen entfernt sein könnte, und er zu denken beginnt, dass gewiss fremde Gedanken von der Seite der Sitra Achra (der anderen Seite) zu ihm kommen, die ihm jene Gedanken und Verlangen eingeben, die nicht zu einem Menschen passen, der ein Diener des Schöpfers sein will, ja die nicht einmal zu einem einfachen Menschen passen, der kein Mensch der Arbeit ist – dann muss der Mensch sich durch den Glauben an die Weisen überwinden und glauben, dass all diese Gedanken von oben kommen, wie es im Artikel „Andere Götter“ angeführt wird. Das heißt, dass der Schöpfer sie dem Menschen schickt. Doch man soll nicht denken, dass dies neue Gedanken und Verlangen seien, die vorher nicht im Menschen waren, sondern erst jetzt gekommen wären.
Dem ist nicht so. Vielmehr waren sie schon vorher im Körper des Menschen, ohne jede Offenbarung, weil nichts ohne Bedarf geschaffen wird. Sondern jetzt, in der Zeit, in der der Mensch auf den Wegen der Wahrheit gehen will und sich selbst korrigieren will, da offenbart man ihm von oben, was er in seinem Körper hat und was nach außen nicht erkennbar ist. Und jetzt, in der Zeit, in der der Mensch sich selbst korrigieren will, offenbart man ihm diese Gedanken, damit er weiß, was zu korrigieren ist.
Und um dies zu verstehen, lohnt es sich, in das Buch Pri Chacham (Teil 2, Blatt 11) zu schauen, und dies sind seine Worte: „In Wahrheit gestehe ich, dass du darin recht hattest, dass ich jene Schmerzen, die du fühlst, gar nicht empfinde. Im Gegenteil, ich frohlocke und freue mich über jene Verderbnisse, die offenbar und enthüllt sind. Wohl aber klage und betrübe ich mich sehr über die Verderbnisse, die noch nicht enthüllt wurden. Und wenn sie sich jetzt enthüllt haben, so besteht kein Zweifel, dass sie auch von Anfang an da waren, nur dass sie verborgen waren. Daher freue ich mich, wenn sie aus ihren Löchern hervorkommen, und so weiter. Und ich erinnere mich, dass ich Ähnliches mit dir hatte am ersten Tag von Rosh HaShana (Neujahrsfest) im Jahr 5681, bei unserer Rückkehr aus dem Hause A.M., von der Kidusch-Feier (Heiligung). Du erzähltest mir von sehr betrüblichen Erwägungen, die du am Morgen im Gebetbuch während des Gebets gesehen hattest (er war der Vorbeter des Morgengebets). Und ich wurde dir gegenüber von großer Freude erfüllt. Und du fragtest mich: Was bewirkt diese Freude? Ich sagte dir, ebenfalls wie oben, dass bei der Offenbarung der begrabenen Frevler – obwohl sie noch nicht völlig bezwungen sind – ihre Offenbarung selbst dennoch als große Erlösung gilt, was die Heiligkeit des Tages bewirkte.“
Daher soll man nicht erschüttert sein von dem, was der Mensch spürt, dass er einen Abstieg erlitten habe, als hätte man ihn von oben hinabgeworfen. Im Gegenteil, der Mensch muss dann glauben, dass der Schöpfer Sich um ihn kümmert und ihn leitet, sodass er fähig wird, zur Anhaftung an Ihn zu gelangen, wie es geschrieben steht: „Und an Ihm zu haften.“
Und dann gelangt der Mensch zu einem Zustand, in dem er spürt, dass er ein Sünder ist. Das heißt, bevor er die Arbeit des Gebens begann, hatte er gedacht, ihm fehle die Vollkommenheit, aber im Allgemeinen sei er in Ordnung, weil er die Niedrigkeit der übrigen Menschen sah, während er selbst, Gott sei Dank, nicht schlimm sei. Doch jetzt sieht er, dass er schlechter ist als alle. Das heißt, niemand hat solche Gedanken und Verlangen.
Und die Antwort ist, wie oben gesagt: Damit es in der Macht des Menschen liegt, eine vollkommene Sache zu empfangen, ist es nötig, dass er einen vollkommenen Mangel hat. Daher offenbart man ihm von oben jedes Mal seine Mängel, die im Körper des Menschen verborgen waren. Es zeigt sich demnach, dass der Mensch sagen muss, der Schöpfer erweise ihm eine Wohltat, indem Er ihm seine Mängel offenbart – genau so, wie Er ihm die Füllung gibt, „denn es gibt keine Füllung ohne Mangel“.
Und damit lässt sich erklären, was geschrieben steht (Psalm 89): „Die Gnaden des Ewigen will ich ewig besingen, von Geschlecht zu Geschlecht will ich Deine Treue verkünden mit meinem Mund.“ Und man muss verstehen, was „ewig will ich besingen“ bedeutet. Und wie kann man den Schöpfer besingen in der Zeit, in der der Mensch sieht, dass er voller Mängel ist und sein Herz nicht ganz beim Schöpfer ist und er spürt, dass er vom Schöpfer entfernt ist und manchmal sogar aus dem Kampf fliehen will? Wie kann er sagen, dass dies die Gnaden des Schöpfers sind, und dem Schöpfer darüber ein Lied singen?
Und nach dem Gesagten muss der Mensch sagen: Dass er sich im niedrigsten Zustand befindet, rührt nicht daher, dass er jetzt schlechter geworden ist. Vielmehr offenbart man ihm jetzt, da er sich selbst korrigieren will, sodass alle seine Handlungen um des Himmels willen seien, von oben seinen wahren Zustand, das, was sich in seinem Körper befindet. Bis jetzt war es verborgen und nach außen nicht sichtbar. Und jetzt hat der Schöpfer es offenbart, wie oben im Buch Pri Chacham angeführt.
Und dazu sagt der Mensch, dass es eine Wohltat ist, dass der Schöpfer ihm das Schlechte in ihm offenbart hat, damit er die Wahrheit erkenne und es in seiner Macht liege, vom Schöpfer in einem wahren Gebet zu erbitten. Es zeigt sich, dass der Mensch einerseits jetzt sieht, dass er vom Schöpfer entfernt ist, und andererseits muss der Mensch sagen, dass der Schöpfer ihm nahe ist und Sich um ihn kümmert und ihm die Mängel zeigt. Daher muss er sagen, dass sie Wohltaten sind.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Gnaden des Ewigen will ich ewig besingen.“ Das heißt, einerseits hat er Freude und singt darüber ein Lied. Und andererseits sieht er, dass er Umkehr (Teshuwa) tun muss. Das heißt, dass er den Schöpfer bitten muss, dass Er ihn nahebringe und ihm das Verlangen zu geben gebe, das eine zweite Natur ist.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Und von Geschlecht zu Geschlecht will ich Deine Treue verkünden.“ Die Sache von „Geschlecht zu Geschlecht“ ist, dass es in der Mitte eine Unterbrechung gibt, was die Sache der Auf- und Abstiege ist. Denn „Geschlecht“ wird als das Positive bezeichnet, und die Unterbrechung ist das Negative. Doch gerade dadurch offenbart sich das Licht des Glaubens.
korrOp, EY, 25.07.2026, 05:27 Uhr, Ver3