1991/23 Was bedeutet die Reinigung der Asche einer Kuh in der Arbeit?
Rashi erläutert den Vers „Das ist die Satzung der Tora“ mit folgenden Worten: „Weil der Satan und die Völker der Welt Israel verhöhnen und sagen: ‚Was soll diese Mizwa, und welchen Sinn hat sie?‘, steht darüber geschrieben: ‚Eine Satzung, ein Erlass ist sie vor Mir; du hast keine Erlaubnis, darüber zu grübeln.‘ ‚Und sie sollen zu dir nehmen‘ – für immer wird sie nach deinem Namen genannt. ‚Eine rote Kuh‘ – ein Gleichnis vom Sohn einer Magd, der den Palast des Königs beschmutzte. Da sagten sie: Es komme seine Mutter und wische den Kot weg. So komme die Kuh und sühne für das Kalb.“
Wir müssen verstehen, was uns die Verbrennung der Kuh, deren Asche reinigt, in der Arbeit andeuten will. Ebenso müssen wir verstehen, was es bedeutet, jenen eine Antwort zu geben, die fragen, welchen Sinn die rote Kuh hat. Denn nach dem Lauf der Welt gibt man dem, der eine Frage stellt, eine Antwort, die sich im Herzen des Fragenden festigt. Hier nun fragt er, welchen Sinn die Kuh hat, und die Antwort lautet: eine Satzung, ein Erlass. Festigt sich diese Antwort denn im Herzen? Und außerdem müssen wir verstehen: Zunächst sagt er, es sei eine Satzung, und danach gibt er ein Gleichnis über die Kuh – „die Mutter komme und reinige ihren Sohn“. Dann gibt es also doch einen Sinn, nämlich dass die Mutter ihren Sohn reinigt.
All dies müssen wir auf dem Weg der Arbeit verstehen. Bekanntlich ist das Schöpfungsziel, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Deshalb erschuf der Schöpfer in den Geschöpfen ein Verlangen und eine Sehnsucht, Genuss zu empfangen. Doch damit das Gute und der Genuss, die die Geschöpfe empfangen, beim Empfangen des Genusses keine Scham hervorrufen – und wenn sie sich schämten, wäre der Genuss nicht vollkommen –, wurde eine Korrektur geschaffen: Der Mensch soll das Gute und den Genuss nicht zu seinem eigenen Vorteil empfangen, also nicht, um sich am Geschenk des Königs zu erfreuen, sondern umgekehrt: Der Schöpfer soll sich daran erfreuen, dass man Seinen Willen tut und Genuss von Ihm empfängt. Da der Schöpfer Seinen Geschöpfen Gutes tun will, befolgt der Mensch also das Gebot des Schöpfers; andernfalls, von seinem eigenen Genuss her, hätte der Mensch auf den Genuss verzichtet. Somit gibt es hier keine Scham, denn alles, was er tut, geschieht um des Himmels willen und nicht zu seinem eigenen Vorteil.
Mein Vater und Lehrer gab jedoch noch eine weitere Erklärung, warum man alles um zu geben tun muss. Von Natur aus hat der Mensch, wenn er in guter Stimmung ist und das Leben genießt, kein Bedürfnis, Kräfte aufzuwenden und mehr zu erlangen, als er hat, sofern ihm der Besitz, den er hat, volle Befriedigung schenkt. Da nun spirituelle Genüsse dem Menschen Befriedigung schenken – ja selbst die kleinste Stufe in der Spiritualität schenkt mehr Befriedigung als alle körperlichen Genüsse –, würde sich der Mensch demnach mit Wenigem zufriedengeben und hätte kein Bedürfnis, das NaRaNChaY seiner Seele zu erlangen. Anders ist es, wenn der Mensch um zu geben arbeitet, das heißt, wenn seine ganze Arbeit nur darauf gerichtet ist, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Wenn der Mensch dann eine Stufe in der Spiritualität erlangt und diesen Genuss annimmt, weil der Schöpfer sich daran erfreut, kann er nicht sagen: „Herr der Welt, ich will keine höhere Stufe als die, die ich habe; denn da alle Genüsse, die ich empfange, nur dazu da sind, dass ich Dich erfreuen will, habe ich Dir schon viel Genuss bereitet und will Dir nicht zu viel Genuss bereiten. Was ich Dir gegeben habe, genügt schon, und mehr will ich Dir nicht geben.“
Und wir müssen wissen: Wenn der Mensch um zu geben empfängt, dann empfängt er jedes Mal einen größeren Genuss daran, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Also kann der Mensch nicht sagen: „Ich will nicht mehr Genüsse empfangen, denn ich gebe mich mit Wenigem zufrieden.“ Dadurch also, dass der Mensch zum Vorteil des Schöpfers arbeitet, ist er jedes Mal gezwungen, eine größere Stufe zu empfangen, weil er dem Schöpfer nicht sagen kann: „Ich habe Dir schon viele Genüsse gegeben und kann Dir nicht mehr geben.“ Das ist der Grund, warum man um zu geben arbeiten muss.
Und es gibt noch eine Erklärung, warum man um zu geben arbeiten muss – wegen der Verschiedenheit der Form. Denn im Spirituellen wird die Gleichheit der Form Vereinigung und Anhaftung (Dwekut) genannt, während die Verschiedenheit der Form Entfernung und Trennung bewirkt. Und da das Wichtigste, wonach der Mensch in seinem Leben streben soll, das Anhaften an Ihm ist – denn der Mensch soll sich vorstellen, dass es nichts Wichtigeres auf der Welt gibt, als im Palast des Königs zu sein –, gelangt er durch die Gleichheit der Form, wie unsere Weisen über das Anhaften an Seinen Eigenschaften sagten: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“, in den Palast des Königs und wird jedes Mal gewürdigt, mit dem König zu sprechen.
Somit gibt es im Allgemeinen drei Gründe, warum wir zum Vorteil des Schöpfers und nicht zu unserem eigenen Vorteil arbeiten müssen. Darüber steht geschrieben: „Gepriesen sei unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat.“ Scheinbar müssen wir verstehen: Warum danken wir dem Schöpfer dafür, dass Er uns zu Seiner Ehre und nicht zu unserer Ehre erschaffen hat? Die Vernunft verlangt doch, dass alle Geschöpfe Ihn gepriesen hätten, wenn Er sie zu ihrer eigenen Ehre erschaffen hätte. Der Vers aber sagt, dass wir Ihm dafür danken müssen, dass Er uns zu Seiner Ehre erschaffen hat. Welchen Gewinn haben wir davon?
Die Antwort ist wie oben: Wir müssen wissen, dass der Schöpfer es nicht nötig hat, dass wir Ihm etwas geben. Das ganze Schöpfungsziel ist allein um der Geschöpfe willen, wie geschrieben steht: „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Und damit die Geschöpfe das Gute empfangen können, gibt es die drei oben genannten Gründe, die verhindern können, dass das Schöpfungsziel zu seiner Vollkommenheit gelangt:
1) wegen der Scham;
2) damit sich der Mensch nicht mit Wenigem zufriedengibt, sondern jeder das NaRaNChaY seiner Seele erlangt;
3) wegen der Anhaftung, die die Gleichheit der Form ist.
Deshalb muss der Mensch um zu geben arbeiten, nach dem Vorbild des Schöpfers. Daraus folgt: Der Schöpfer hat uns erschaffen und uns die Tora und die Mizwot gegeben, durch die wir dazu gelangen können, alles so zu tun, dass es zur Ehre des Schöpfers geschieht. Wenn wir Ihn also dafür preisen, dass Er uns zu Seiner Ehre erschaffen hat, so ist das so zu verstehen, dass Er uns angeleitet und uns die Mittel gegeben hat, mit denen wir zu Seiner Ehre arbeiten können. Dadurch können wir das Schöpfungsziel erreichen, das „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt wird. Und das geht nach dem, was unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sprach: Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das sind die Mittel, durch die wir dazu gelangen können, alles zu Seiner Ehre zu tun. Deshalb danken wir Ihm dafür und sagen: „Gepriesen sei unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat.“
Und damit der Mensch zu Taten um zu geben gelangen kann, also Taten nicht zu seinem eigenen Vorteil verrichtet, wurde uns eine Arbeit im Mocha (Verstand) und im Liba (Herz) gegeben. „Mocha“ bedeutet, dass der Mensch über das hinausgehen soll, wozu ihn Verstand und Vernunft verpflichten; das nennt man „über dem Verstand“. Das heißt, er glaubt, obwohl sein Verstand und seine Vernunft dem nicht zustimmen, was der Mensch tun will. Mit anderen Worten: Uns wurde das Gebot des Glaubens über dem Verstand gegeben, das heißt, dem, wozu uns der Verstand verpflichtet, hören wir nicht zu. Und den Glauben, den zu glauben uns geboten wurde – nämlich das, was die Tora sagt –, den setzen wir wohl in die Tat um. Und wir sagen: Der Glaube steht in der Wichtigkeit höher, und der Verstand, wozu uns die Vernunft verpflichtet, steht in der Wichtigkeit niedriger; und gewiss muss man auf den hören, der wichtiger ist. Das nennt man Glaube über dem Verstand.
Und auch beim Glauben sind drei Unterscheidungen zu treffen:
1) Es ist zum Beispiel so, dass ein Mensch seinem Freund tausend Dollar gibt, und der Mensch nimmt sie an und glaubt gewiss: Da dieser Mensch mein Freund und ein ordentlicher Mensch ist, sind dort gewiss tausend Dollar, wenn er mir die genannte Summe gibt, und ich brauche nicht nachzuzählen. Das nennt man Glauben, der unter dem Verstand ist. Das heißt: Er glaubt ihm, weil der Verstand dem nicht widerspricht, was er glaubt; es gibt also keinen Widerspruch zwischen dem, was er glaubt, und dem Verstand. Somit ist bei ihm der Glaube unter dem Verstand, und der Verstand ist wichtiger. Das heißt, er glaubt ihm, weil der Verstand nicht widerspricht. Stünde es aber im Widerspruch zum Verstand, würde er gewiss nicht glauben. Und das nennt man noch nicht Glaube über dem Verstand.
2) Er sagte ihm: Hier hast du tausend Dollar. Und der Empfänger ging und zählte sie dreimal und sah, dass dort dieselbe Summe war, und er sagt zum Geber: Ich glaube dir, dass hier dieselbe Summe ist, wie du sagst. Dieser Glaube gilt gewiss nicht als Glaube.
3) Er zählte die tausend Dollar dreimal und sah, dass dort ein Dollar fehlte, und er sagt zum Geber: Ich glaube dir, dass hier tausend Dollar sind. Hier nun sagen Verstand und Vernunft, dass ein Mangel besteht, er aber sagt, dass er glaubt. Somit nennt man das wahrhaft „über dem Verstand“. Dass der Mensch jedoch den Glauben über dem Verstand erfüllen kann – das heißt zu sagen: Ich hebe meinen Verstand auf, und dass ich dreimal gezählt habe, ist nicht wichtig, sondern ich glaube im Glauben über dem Verstand, also wie oben, dass der Glaube in der Wichtigkeit höher steht als der Verstand –, das ist eine schwere Arbeit.
Und dadurch verstehen wir, dass der Glaube an den Schöpfer, den der Mensch haben und für den er seinen Verstand annullieren muss gegenüber dem, was ihm der Verstand sagt – dass also dadurch, dass er sagt, sein Verstand solle annulliert sein wie der Staub der Erde, das heißt nichtig wie der Staub des Bodens –, dass dies bedeutet, dass der Mensch seinen Verstand annulliert vor dem Verstand der Tora. Und das nennt man die Arbeit des Mocha.
Und ebenso gibt es eine Arbeit, die man Liba nennt. Denn das Herz wird Verlangen genannt. Da der Mensch mit der Natur des Verlangens erschaffen wurde, zu seinem eigenen Vorteil zu empfangen – das heißt, dass der Mensch sich an seinem Leben erfreut –, und wenn man ihm sagt, er müsse zum Vorteil des Schöpfers arbeiten, so ist dies doch gegen die Natur, und wozu braucht man das? Es ist wie oben: Der Mensch muss alles zum Vorteil des Schöpfers tun, und zwar aus den drei oben genannten Gründen. Deshalb ist dies eine besondere Arbeit: Dadurch, dass der Mensch weiß, dass er deshalb alles zu seinem eigenen Vorteil tun will, weil er mit der Natur des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, geboren wurde, ist er gezwungen, seine Arbeit in zwei Weisen aufzuteilen. 1) Im Mocha muss der Mensch darauf achten, wie es um seinen Zustand im Glauben bestellt ist. Doch im Glauben kann der Mensch um zu empfangen arbeiten, um Lohn zu erhalten – das heißt, er hält Tora und Mizwot ein, weil er dafür später Lohn empfängt, sodass es ihm zum eigenen Vorteil gereicht –, und dann bleibt er ohnehin in der Trennung.
Deshalb gibt es noch eine besondere Arbeit, die man Liba nennt, und das ist die Liebe zum Nächsten. Und wenn er allein an der Liebe zum Nächsten arbeitet, bleibt er ebenfalls außerhalb der Heiligkeit, weil die Liebe zum Nächsten nicht das Schöpfungsziel ist. Denn das Schöpfungsziel ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, das heißt, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss vom Schöpfer empfangen müssen. Und wenn sie keinen Glauben haben, wie können sie dann etwas vom Schöpfer empfangen, solange sie keinen Glauben an den Schöpfer haben? Deshalb muss die Arbeit in zwei Weisen geschehen.
Mein Vater und Lehrer sagte jedoch: Dass wir im Glauben gehen müssen und der Schöpfer es uns nicht gibt, Ihm im Wissen zu dienen, hat ebenfalls den Grund, dass die Arbeit nicht zum eigenen Vorteil geschieht. Denn würde der Schöpfer sich den Geschöpfen offenbaren und bräuchten sie keinen Glauben, dann gäbe es keinerlei Möglichkeit, dass der Mensch fähig wäre, etwas zum Vorteil des Schöpfers zu tun. Und der Mensch kann an den körperlichen Genüssen sehen, wie schwer es ist, diese Genüsse nur um zu geben zu empfangen; und erst recht bei den spirituellen Genüssen – wo ein spiritueller Genuss selbst auf einer kleinen Stufe mehr Genuss enthält als die körperlichen Genüsse – wird er gewiss nicht um zu geben empfangen können. Deshalb gibt es eine Arbeit in zweierlei:
1) im Mocha;
2) im Liba.
Und nach dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt haben: Was bedeutet die Reinigung der Asche der Kuh in der Arbeit? Unsere Weisen sagten, weil der Satan und die Völker der Welt Israel verhöhnen und sagen: „Was soll diese Mizwa?“, und die Antwort ist, dass darüber geschrieben steht: eine Satzung. Und wir fragten: Was ist das für eine Antwort, die sich im Herzen festigen kann? Sie stellen doch Fragen – warum es so ist –, und die Vernunft verlangt, dass man eine Antwort gibt, damit der Fragende versteht, warum, und worin die Antwort besteht. Man sagt ihnen: „Eine Satzung, ein Erlass ist sie vor Mir; du hast keine Erlaubnis, darüber zu grübeln.“ Doch in Wahrheit ist es wie oben: Die Ordnung der Arbeit ist, dass man die Arbeit im Mocha beginnen muss, das heißt, den Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen. Wenn deshalb die Völker nicht fragen, was diese Mizwa soll, sondern er schlicht die Stufe des Glaubens auf sich nimmt, indem er über dem Verstand glaubt, dann gilt das als Glaube der ersten Art, von dem wir oben sprachen – nämlich vergleichbar mit dem Menschen, dem man tausend Dollar gab, und er glaubt ihm, dass die Summe in Ordnung ist, und zählt sie nicht nach.
Anders ist es, wenn sie kommen und fragen, was diese Mizwa soll und welchen Sinn sie hat: Das gleicht dem Glauben der dritten Art, von dem wir oben sprachen – nämlich dass er sie zählte und seine Summe einen Mangel aufweist, er aber dem Geber über dem Verstand glaubt, das heißt, er hebt seinen Verstand und seine Vernunft gegenüber dem Geber auf. Das nennt man Glaube über dem Verstand. Deshalb sind es gerade die Völker der Welt, die im Körper des Menschen sind und fragen, was diese Mizwa soll und welchen Sinn sie hat. Der Körper empfindet doch keinen Sinn in dem, was gegen Vernunft und Verstand ist. Somit ist die wahre und richtige Antwort, dem Körper zu entgegnen, dass er glaubt, diese Fragen seien ihm von oben gesandt worden, damit er nun einen Ort habe, das Gebot des Glaubens über dem Verstand zu erfüllen. Deshalb ist die richtige Antwort gerade aus dem Grund einer Satzung und eines Erlasses, und es ist verboten, dem Körper dann vernunftgemäße Begründungen zu geben, warum er zum Vorteil des Königs arbeiten will. Somit kann er gerade durch die Antwort der Satzung und des Erlasses in der Arbeit für den Schöpfer voranschreiten. Obwohl er sieht, dass er die Einwände der Völker der Welt nicht überwinden kann, muss er auch darüber über dem Verstand glauben: Dass er nicht überwinden kann, liegt nicht daran, dass er schwach im Charakter ist und deshalb nicht überwinden kann, sondern man will es von oben so, dass es ihm nicht möglich sei zu überwinden.
Und der Grund ist wie oben: Gerade dadurch, dass er nicht überwinden kann, erhält er nun eine Gelegenheit zum Gebet, dass der Schöpfer ihm helfen möge, damit er überwinden kann. Und der Gewinn daraus ist: Gerade durch die Hilfe von oben gibt es einen Ort, das NaRaNChaY seiner Seele zu erlangen. Denn jedes Mal, wenn er Hilfe empfängt, geschieht es dadurch, dass er ein Leuchten von oben empfängt. Somit hat er nun eine Gelegenheit, die Gadlut (Erwachsensein) der Seele zu erlangen, aus der Kraft seines Bedürfnisses, dass der Schöpfer ihm hilft. Und bekanntlich sagt der Sohar, dass Seine Hilfe darin besteht, dass man ihm von oben eine Seele gibt. Deshalb muss der Mensch achtsam sein: Wenn der Körper kommt und fragt, weshalb du dich in Tora und Mizwot anstrengen sollst – du siehst doch, dass du nun keinen Sinn in ihnen findest –, so soll der Mensch nicht auf Auswege sinnen, um Antworten auf dem Weg der Vernunft zu geben, sondern dem Körper entgegnen: Jetzt danke ich dir dafür, dass du mit diesen Einwänden zu mir kommst. Denn ich sage: Vom Verstand her hast du recht; das heißt, von der Vernunft her müsste ich jetzt im Zustand des „Sitze und tue nichts“ sein. Doch ich arbeite über dem Verstand. Und obwohl du mich nicht überwinden lässt, will ich gerade jetzt überwinden, so weit ich kann. Deshalb erbitte ich die Hilfe des Schöpfers, damit ich dich überwinden kann. Und gewiss ist jetzt die wichtigste Gelegenheit, durch die ich es erreichen kann, in die Heiligkeit einzutreten und alles um zu geben zu tun. Somit ist die Antwort „Eine Satzung, ein Erlass ist sie vor Mir“ die wahre Antwort, damit der Mensch in der Arbeit voranschreitet und zu beständigem Glauben gelangt, dass der Schöpfer ihm hilft, Mocha und Liba zu erlangen.
Und nach dem Gesagten können wir erklären, was wir gefragt haben: Einerseits sagt er, die Kuh sei eine Satzung ohne Sinn, und danach geben unsere Weisen einen Sinn dafür an, durch das Gleichnis vom „Sohn einer Magd, der den Palast des Königs beschmutzte. Da sagten sie: Es komme seine Mutter und wische den Kot weg. So komme die Kuh und sühne für das Kalb.“ Demnach geben sie also doch einen Sinn für die rote Kuh an. Und die Antwort ist: Dass die Mutter kommt und reinigt, ist gerade die Antwort, dass die rote Kuh eine Satzung ohne Sinn ist. Und die Erklärung der Sache ist: Die Sünde des Kalbes war so, wie es im Sohar geschrieben steht (Einführung in das Buch Sohar, Seite 23, dort im Sulam, Punkt 14), mit folgenden Worten: „Und jene, die sich am Kalb versündigten, sagten über dieses Geheimnis: ‚Das sind deine Götter, Israel‘, denn sie schädigten diese Einkleidung, und die Fülle ging hinaus zu fremden Göttern.“ Die Erklärung ist, dass sie das Licht von Chochma ohne die Einkleidung von Chassadim empfangen wollten; das heißt, sie wollten die Einkleidung von Chassadim nicht annehmen, die als Glaube über dem Verstand bezeichnet wird.
Deshalb kommt darüber das Gebot der roten Kuh, das ganz und gar Satzung und Erlass ist, das ganz und gar über dem Verstand ist. Diese Kuh wird Mutter genannt, und sie korrigiert die Sünde dadurch, dass man nicht im Glauben über dem Verstand gehen wollte; dadurch wird die Sünde korrigiert. Somit hat die rote Kuh in sich selbst keinen Sinn, sondern im Gegenteil: Da die rote Kuh ganz und gar über dem Verstand ist, korrigiert dies das, was man bei der Sünde des Kalbes wollte, nämlich dass alles innerhalb des Verstandes sein solle, als sie sagten: „Das sind deine Götter, Israel.“ Somit ist die ganze Sache der roten Kuh ganz und gar über dem Verstand, was auf die Sache des Glaubens hinweist, der die Unreinen reinigt. Denn die Unreinheit kommt aus dem Verlangen, zum eigenen Vorteil zu empfangen, und die Korrektur, um aus dem Verlangen zu empfangen herauszutreten, besteht darin, die Arbeit des Glaubens über dem Verstand anzunehmen. Dann erbittet der Mensch Hilfe vom Schöpfer, und dadurch tritt er aus der Herrschaft des Verlangens zu empfangen heraus. Denn das nennt man den Auszug aus Ägypten, dass nur der Schöpfer selbst, in Seiner Ehre und in Seinem Wesen, sie aus Ägypten führte, wie geschrieben steht: „Ich und kein Bote.“
Somit ist die Erklärung der roten Kuh, deren Asche reinigt: Die Asche weist auf etwas hin, das annulliert wurde. Ebenso bleibt nach der Verbrennung der Kuh nur Asche übrig, was auf Aufhebung hindeutet. Das heißt: Nachdem der Mensch seinen Verstand und sein Verlangen vor dem Willen des Schöpfers annulliert hat, wird er des Willens des Schöpfers gewürdigt, und der Wille des Schöpfers ist das Verlangen zu geben. Und wenn der Mensch das Verlangen zu geben hat, dann wird dieser Mensch „ein reiner Mensch“ genannt. Denn er tut dann nichts anderes, als nur das, woraus seinem Schöpfer Wohlgefallen entsteht.
Und nach dem Gesagten lässt sich erklären, was geschrieben steht (im Jozer zum Wochenabschnitt der Kuh): „die Unreinen zu reinigen, die Reinen zu verunreinigen durch den Spruch des Heiligen“. Und wir müssen verstehen, wie es zwei Gegensätze in ein und derselben Sache geben kann. Auf dem Weg der Arbeit lässt es sich so erklären: Wenn der Mensch beginnt, sich vorzubereiten, den Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen, wird er sofort unrein. Das heißt: Bevor er diese Arbeit begann, sondern um Lohn zu empfangen arbeitete, fühlte er sich als Gerechter; das heißt, er sah, dass er Tora und Mizwot hält, und fand an sich keinerlei Makel. Deshalb wusste er, dass er ein reiner Mensch ist und keine Unreinheit empfängt, und er sorgte sich nur um andere, die nicht auf dem Weg des Schöpfers gehen, und wollte ihnen den Glauben vermitteln, sie aber wollten nicht hören. Anders war es, dass er von sich selbst wusste, er habe ein Maß an Glauben, um es an mehrere Menschen zu verteilen, wenn sie nur empfangen wollten.
Doch wenn er die Arbeit des Gebens und des Glaubens an den Schöpfer über dem Verstand beginnt, dann sieht er die Wahrheit, dass er in Selbstliebe versunken ist und ihm der Glaube fehlt. Somit wird er jetzt unrein; das nennt man „die Reinen zu verunreinigen“. Und danach wird er gewürdigt, „die Unreinen zu reinigen“.
korrOp, EY, 03.08.2026, 03:51 Uhr, Ver4