1991/35 Was bedeutet der Begriff „Kundschafter“ in der Arbeit?
Der Heilige Sohar (Schlach, Blatt 28, im Sulam [Leiterkommentar zum Sohar] Punkt 82) sagt mit folgenden Worten: „Rabbi Yossi sagte: ‚Sie fassten den Entschluss, über alles schlechten Ruf zu verbreiten. Was bedeutet ‚über alles‘? Das heißt: über das Land und über den Schöpfer.‘ Rabbi Yizchak sagte: ‚Über das Land – das ist verständlich. Über den Schöpfer aber – woher entnehmen wir das?‘ Er antwortete ihm: ‚Das geht aus dem Vers hervor: ‚Doch das Volk ist stark‘, dessen Bedeutung ist: Wer kann etwas gegen sie ausrichten, denn das Volk ist stark? Das heißt, sogar der Schöpfer kann nichts gegen sie ausrichten. So verbreiteten sie über den Schöpfer schlechten Ruf.‘“ – so weit seine Worte.
Man muss verstehen, wie man in der Arbeit so etwas über den Schöpfer sagen kann, sprechen wir doch von Menschen, die sich dem Schöpfer nähern wollen. Wie kann man sagen, dass sie nicht glauben, dass der Schöpfer allmächtig ist? Und im Heiligen Sohar (Blatt 22, im Sulam Punkt 63) heißt es mit folgenden Worten: „‚Und sie kehrten vom Auskundschaften des Landes zurück.‘ ‚Und sie kehrten zurück‘ bedeutet, dass sie zur Seite des Bösen zurückkehrten und vom Weg der Wahrheit abwichen, indem sie sagten: ‚Was haben wir davon gehabt? Bis heute haben wir nichts Gutes in der Welt gesehen. Wir haben uns in der Tora abgemüht, und das Haus ist leer. Und wer wird jener Welt gewürdigt werden? Besser wäre es für uns gewesen, wir hätten uns nicht so abgemüht. Wir haben uns doch abgemüht und gelernt, um den Teil jener Welt zu kennen. Gut ist jene Höhere Welt, wie wir aus der Tora wissen, aber wer kann ihrer gewürdigt werden?‘“
Ebenso ist zu verstehen, worin die Sünde der Kundschafter besteht, wenn sie sagten, dass zwar alles wahr ist, nur: Wer kann ihrer gewürdigt werden? Das heißt, sie sagten, dass sie des Guten nicht würdig sind, wie geschrieben steht: „Gut ist jene Höhere Welt, wie wir aus der Tora wissen, aber wer kann ihrer gewürdigt werden?“ Warum also ist die Sünde dann so groß?
Im Midrash Rabba (Schlach 16,7) heißt es mit folgenden Worten: „Rabbi Jehoschua sagt: ‚Wem glichen die Kundschafter? Einem König, der für seinen Sohn eine schöne Frau aus guter und wohlhabender Familie bestimmte. Der König sagte zu seinem Sohn: ‚Eine schöne Frau aus guter und wohlhabender Familie.‘ Der Sohn antwortete: ‚Ich werde hingehen und sie ansehen‘, denn er glaubte seinem Vater nicht. Sogleich fiel die Sache dem Vater schwer und verdross ihn. Der Vater sagte: ‚Was soll ich tun? Wenn ich zu ihm sage: ‚Ich zeige sie dir jetzt nicht‘, wird er sagen, sie sei hässlich gewesen, deshalb habe ich sie nicht zeigen wollen.‘ Zuletzt sagte er zu ihm: ‚Sieh sie an; doch weil du mir nicht geglaubt hast, schwöre ich: Du wirst sie nicht in deinem Haus sehen, sondern deinem Sohn gebe ich sie.‘‘“
Und das ist schwer zu verstehen, denn es scheint, dass der Schöpfer das Land zeigte, weil es gut ist; doch die Kundschafter sahen das gute Land nicht, denn sie sagten, sie hätten dort nichts Gutes gesehen, sondern nur Schlechtes, indem sie sagten, es sei „ein Land, das seine Bewohner verschlingt“. Wenn das so ist, was bedeutet dann das Gleichnis vom Königssohn?
Und um das Obige zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, was wir lernen: dass zwei Dinge vor uns liegen:
1) Gutes und Genuss zu empfangen – das ist das Schöpfungsziel.
2) Wie man das Gute und den Genuss erlangt. Denn wir sehen: Obwohl alle einer Meinung sind, dass man Gutes und Genuss empfangen soll, erlangt der Mensch ohne Anstrengung nichts. Und die Anstrengung besteht darin, dass wir dem Hausherrn eine Bezahlung geben müssen, damit er bereit ist, uns zu geben, was wir wollen. In der Arbeit heißt das „Verlangen zu geben“, denn nur in Gefäßen des Gebens kann man die Fülle der Heiligkeit empfangen. Das ist es, was wir gelernt haben: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin Ich“ – dass alles auf Geben ausgerichtet sein muss.
Und bevor der Mensch die Gefäße des Gebens erlangt, liegt er unter dem Zimzum (Einschränkung) und der Verhüllung, die über die Höhere Vorsehung gelegt wurden, sodass der Mensch die Wahrheit nicht sehen kann. Das heißt, der Mensch sieht in Seiner Vorsehung nicht, wie Er mit den Geschöpfen in einer Führung des Guten und Gutestuns verfährt – wie mein Vater und Lehrer [Baal Sulam] (angeführt im Buch „Shamati“, im Artikel „Glaube an seinen Rav“) zu dem sagte, was geschrieben steht: „Augen haben sie und sehen nicht“: dass der Mensch im Glauben an seinen Rav an das glauben muss, was der Rav [Lehrer] uns als Ordnung der Arbeit auf der rechten Linie eingerichtet hat. Dann muss der Mensch sich vorstellen, als wäre er bereits des vollkommenen Glaubens an den Schöpfer gewürdigt worden und hätte in seinen Gliedern bereits die Empfindung, dass der Schöpfer die ganze Welt in der Weise des Guten und Gutestuns führt – das heißt, dass die ganze Welt von Ihm nur Gutes empfängt.
Und obwohl er, wenn er auf sich selbst blickt, sieht, dass er nackt ist und an allem Mangel leidet, muss er darüber sagen: „Augen haben sie und sehen nicht“ – wobei „sie“ bedeutet: Solange der Mensch sich im öffentlichen Bereich [wörtlich: im Bereich der Vielen] befindet, der „sie“ genannt wird, „sehen sie nicht“ die Wahrheit. Und was ist der öffentliche Bereich? Es sind zwei Verlangen.
Das heißt, der Mensch hat ein Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen, und das ist ein anderes Verlangen als das Verlangen des Schöpfers, denn Sein Verlangen ist es, zu geben, während das Verlangen des Menschen nur dem eigenen Nutzen gilt. Wenn der Mensch deshalb daran geht, das zu prüfen, was der Schöpfer uns gibt, dann sieht er nur Leid und Qualen, weil es in der Welt zwei Verlangen gibt.
Wenn der Mensch also dem Schöpfer Dank sagen und sprechen muss „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“, um Lob und Dank dafür darzubringen, dass der Schöpfer uns eine Welt voll alles Guten gegeben hat, und er jetzt das Gegenteil sieht, dann muss der Mensch sich anstrengen und über den Verstand gehen und sagen, dass alles, was er sieht, nicht die Wahrheit ist, und glauben, was geschrieben steht: „Augen haben sie und sehen nicht“ die Wahrheit, wie oben.
So zeigt sich: Alle Arbeit und Anstrengung, die der Mensch aufbringen muss, dienen dazu, das Verlangen zu geben zu erlangen, denn nur dann ist der Mensch in der Lage zu sehen, wie der Schöpfer eine Welt voll alles Guten erschuf – in solchem Maße, dass unsere Weisen sagten: „Es gab vor Ihm keine Freude wie an dem Tag, an dem Himmel und Erde erschaffen wurden.“ Und das liegt daran, dass beim Schöpfer keine Frage der Zeit gilt. Deshalb sah Er sogleich die Vollkommenheit der Schöpfung in ihrem Ende der Korrektur, denn das Schöpfungsziel war, wie geschrieben steht, „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“; und bei Ihm sind Vergangenheit und Zukunft alle gleich vor Ihm, und so sah Er damals bereits das Gute und den Genuss, den die Geschöpfe empfangen.
Doch sobald der Mensch zu arbeiten beginnt, um das Verlangen zu geben zu erlangen, beginnt die Ordnung der Aufstiege und Abstiege. Denn in jeder Sache gibt es Dinge, für die gilt: „Was dem einen gut ist, ist dem anderen schlecht“. Vielmehr muss alles ausgewogen sein. Und deshalb gibt es viele Male, in denen der Mensch nicht den Mittelweg wahrt, der zwischen beiden liegt, sondern sich mehr zur einen Seite neigt als zur anderen, und so verdirbt er alles.
Und es ist bekannt, dass der Mensch in der Arbeit des Gebens auf zwei Linien gehen muss, die „rechts und links“ genannt werden. Denn „rechts“ heißt Vollkommenheit, und „links“ bezeichnet in der Arbeit den Weg, der einer Korrektur bedarf. Und deshalb haben wir in der Arbeit zwei Ordnungen:
1) Lieder und Lobpreisungen – das gehört zum Zustand der Vollkommenheit. Das heißt, wenn der Mensch mit der Führung des Schöpfers zufrieden ist, mit der Art, wie Er mit dem Menschen verfährt, dann sagt der Mensch dem Schöpfer Dank für das Gute, das der Schöpfer ihm gibt.
2) Gebet und Bitte – das gehört gerade in die Zeit, da der Mensch sieht, dass er Mängel hat, und der Mensch will, dass der Schöpfer seine Mängel füllt. Dann bittet der Mensch den Schöpfer, dass Er ihm sein Begehren erfüllt. Doch da diese einander entgegengesetzt sind – das heißt: Wenn der Mensch dem Schöpfer Dank sagt, und gewiss muss der Mensch, wenn er Dank sagt, sich bemühen, dem Schöpfer großen Dank zu sagen, denn der Dank ist nach der Größe des Guten zu bemessen, das der Schöpfer ihm gegeben hat – so obliegt es dem Menschen, sich die Größe und Bedeutung dieser Sache vorzustellen. Das heißt, der Mensch sagt, dass ihm dieses Gute, das der Schöpfer ihm gegeben hat, nicht zusteht.
Wenn das so ist, wie kann er danach sagen, dass er Mängel hat? Denn gewiss muss ein Gebet aus der Tiefe des Herzens kommen, das heißt, er muss seinen Mangel in allen seinen Gliedern spüren, sonst kommt das Gebet nicht aus der Tiefe des Herzens. Wie kann man also, nachdem man dem Schöpfer wegen der Fülle des Guten, das man empfangen hat, Dank gesagt hat, anschließend sagen, dass man Mängel hat, und beten und weinen, dass der Schöpfer seine Wünsche erfüllt?
Deshalb verursachen diese zwei Dinge Abstiege und Aufstiege, weil das eine das andere annulliert. Doch man muss verstehen, weshalb man beide braucht, warum nicht Gebet oder Dank allein genügen, sondern man beide braucht. Nur weil beides nicht zur selben Zeit an ein und derselben Sache bestehen kann, ordnen wir das eine nach dem anderen an.
Das heißt: Zuerst sagen wir dem Schöpfer Dank dafür, dass Er uns aus allen Völkern erwählt hat – obwohl wir niedrig und geringen Wertes sind gegenüber Seiner Größe, hat Er uns doch aus allen Völkern erwählt. Darauf bezieht sich, was unsere Weisen sagten: „Immer ordne der Mensch das Lob des Schöpfers und bete danach.“ Wenn der Mensch also dem Schöpfer Dank sagt, weil der Schöpfer ihm Gutes tut – das heißt, gewiss hat der Schöpfer ihm alles gegeben, was er braucht –, wie ist dann danach noch Raum, für seine Bedürfnisse zu beten, die ihm fehlen, sodass das Gebet aus der Tiefe des Herzens kommt?
Und die Antwort ist: Einerseits muss der Mensch in der Zeit der Arbeit Lebenskraft empfangen. Denn wenn der Mensch nichts hat, wovon er leben kann, ist sein Sinn nicht gefestigt, und es liegt nicht in seiner Hand, Tora und Mizwot zu erfüllen, so wie alles geordnet sein soll, wie geschrieben steht: „Und diese Worte, die Ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein, und du sollst sie deinen Söhnen einschärfen und von ihnen sprechen, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst.“ Es gibt also eine vollständige Ordnung im Erfüllen von Tora und Mizwot. Und wenn der Mensch in seinem Sinn nicht gefestigt ist, kann seine Arbeit nicht nach der Ordnung verlaufen, wie sie sein soll. Wenn der Mensch deshalb das Lob des Schöpfers ordnet und sich, so weit möglich, die Größe und Bedeutung des Schöpfers vorstellt, kann der Mensch daraus Lebenskraft empfangen und die Bedeutung des Schöpfers spüren – dass der Schöpfer ihm einen Gedanken und ein Verlangen gab, zu Ihm zu sprechen. Und daraus muss der Mensch eine Erweiterung des Verstandes empfangen.
Denn der Mensch muss sich vorstellen, in welch erhabener Stimmung er wäre, wenn irgendein Großer der Generation, den die ganze Welt lobt, ihm die Erlaubnis gäbe, zu ihm zu sprechen – in welch erhabener Stimmung er dann wäre. Denn in der Zeit, da er diesen Genuss hätte, mit ihm sprechen zu können, würde er nicht spüren, dass ihm irgendetwas in der Welt fehlt. Denn der Genuss, den der Mensch in größerem Maß als gewöhnlich spürt, lässt den Menschen all seine Sorgen vergessen, und sein ganzer Körper ist dem Genuss hingegeben, den er jetzt empfängt. Das heißt: Wenn er im Augenblick des Empfangens des Genusses in seinem Kopf Raum hat, an etwas anderes zu denken als an den Genuss, den er jetzt empfängt, dann ist das ein Zeichen, dass dieser Genuss, den er jetzt empfängt, nicht vollkommen ist.
Wenn der Mensch sich deshalb vorstellt, dass der Schöpfer ihm die Erlaubnis gab, mit Ihm zu sprechen, ist nicht wichtig, worüber er spricht, sondern die Bedeutung, dass er die Gelegenheit hat, mit dem Schöpfer zu sprechen – daraus muss der Mensch Freude und Genuss empfangen, dass ihm ein solches Vorrecht zuteilwird. So zeigt sich: Die Arbeit der rechten Linie besteht darin, dass der Mensch glauben muss, dass er mit dem Schöpfer spricht, und ihm fehlt jetzt nichts.
Doch der Mensch muss wissen, dass bei jeder Sache, die vom Glauben abhängt, der Körper dieser Arbeit nicht zustimmt. Und das vor allem, weil diese Arbeit eine Arbeit der Korrektur ist. Und gegen jede Sache, die zur Korrektur gehört, gibt es einen Widerstand des Körpers. Und das rührt von der Seite des Zerbrechens der Gefäße her, das in der Welt der Nekudim geschah. Deshalb gibt es darin viel Arbeit.
Und über die Arbeit der rechten Linie, die der Mensch geringzuschätzen beginnt, weil er anfängt, auf der Linie zu arbeiten, die der rechten entgegengesetzt ist, nämlich der linken Linie, sagte mein Vater und Lehrer: Die Arbeit der rechten Linie ist eine Arbeit der Vollkommenheit und der Wahrheit – das heißt, der Mensch muss glauben, dass der Schöpfer groß und bedeutend ist und der Mensch im äußersten Maße niedrig ist; so sind beide wahr. Auf dieser Linie ist es schwer zu gehen, und der Körper widersetzt sich. Und er sagte: Denn der Mensch im Zustand der rechten Linie heißt „gesegnet“, da er „mit seinem Anteil zufrieden“ ist, wie oben, und ihm nichts fehlt. Dann ist der Mensch geeignet, Fülle von oben zu empfangen, gemäß „der Gesegnete haftet am Gesegneten an“; denn in diesem Zustand hat er Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer. Deshalb ist der Mensch gerade in diesem Zustand geeignet, eine Stufe aufzusteigen.
Doch man muss auch auf der linken Linie gehen, die der Weg ist, auf dem der Mensch sieht, welche Mängel es zu korrigieren gibt. Das heißt: Auf der rechten Linie besteht die Arbeit einzig und allein darin, sich die Größe des Schöpfers vorzustellen und an die Größe und Bedeutung des Schöpfers zu glauben. Die linke Linie aber besteht gerade darin, auf den Menschen selbst zu blicken und die Mängel zu sehen, die in ihm sind, um sich selbst zu korrigieren, sodass kein Mangel in ihm bleibt. Und der hauptsächliche Mangel, den der Mensch sehen muss, ist das Böse, das in ihm ist – das heißt: Was ist die hauptsächliche Wurzel des Bösen, die man finden muss? Das bedeutet: Man muss danach suchen, um sie zu finden.
Gewiss weiß jeder Mensch, dass Böses in ihm ist. Doch die Sache ist die: Man muss wissen, was die Wurzel des Bösen ist, die den Menschen daran hindert, geeignet zu sein, das Gute zu empfangen, das es in der Welt gibt. Denn die Welt wurde zu einem bestimmten Zweck erschaffen, und über den Zweck der Erschaffung der Welt sagten sie, er liegt darin, dass „Sein Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Und da der Mensch in der Welt Qualen erleidet und fragt, warum es unseren Augen so erscheint, muss der Mensch im Glauben an die Weisen glauben, die sagten, dass der Mensch wissen muss, dass eine Korrektur am Schöpfungsziel vorgenommen wurde, und das geschah, damit es beim Empfangen der Fülle keine Scham gebe. Und das kann nur sein, wenn beim Empfangen der Fülle das Empfangen auf Geben ausgerichtet ist; dann gibt es keinen Raum für Scham.
Deshalb gelangt der Mensch nur dann – wenn er im Glauben an die Weisen glaubt, dass man Gefäße des Gebens erlangen muss, weil man sonst das Gute nicht empfangen kann, das die Geschöpfe empfangen sollen – zu der Erkenntnis, dass alles Böse allein das Verlangen ist, zum eigenen Nutzen zu empfangen. Und der Mensch muss alle Handlungen vollziehen, die es in der Welt gibt, um dieses Verlangen auszumerzen und an seiner Stelle das Verlangen zu geben zu empfangen, das „zweite Natur“ genannt wird. Und dann wird er des Guten und des Genusses gewürdigt, der im Schöpfungsgedanken war.
Und aus dem Gesagten geht hervor, dass man auf zwei Weisen arbeiten muss:
1) Auf dem Weg der rechten Linie – das ist die Zeit, in der der Mensch so arbeitet, dass er spürt, dass er Vollkommenheit hat. Und er ist mit seinem Zustand zufrieden, und damit kann er dem Schöpfer Dank sagen. Und dann ist es die Zeit, in der er von oben Fülle empfangen kann, um in den Stufen der Heiligkeit voranzuschreiten. Doch obwohl es dann die Zeit ist, von oben Fülle zu empfangen, fehlt ihm nichts – das heißt, er hat keine Gefäße, um die Fülle zu empfangen –, deshalb muss er zur zweiten Linie übergehen, die als die Ebene „links“ gilt.
2) Das ist der Weg der linken Linie, durch die Prüfung, die der Mensch an sich selbst vollzieht. Wie oben: Die rechte Linie heißt, dass der Mensch nur auf den Schöpfer blickt – das heißt, das Maß der Größe des Schöpfers zu verstehen und zu begreifen –, und nicht auf sich selbst, um zu sehen, was ihm fehlt, sondern auf das zu blicken, was er hat, das heißt, was der Schöpfer ihm gegeben hat, und dafür dem Schöpfer Dank zu sagen.
Der Weg der linken Linie aber besteht darin, auf sich selbst zu blicken: wie viel Böses er hat und was das Böse ist, das in ihm ist, und sich zu bemühen, dies zu korrigieren. Und dann beginnt die Sache der Kundschafter, die über das Land schlechten Ruf verbreiteten – wobei mit „Land“ das Königtum des Himmels gemeint ist –, indem sie sagten, dass diese Sache des Königtums des Himmels nichts für sie ist.
Und nach dem Gesagten lässt sich auslegen, was geschrieben steht: „Rabbi Yossi sagte: ‚Sie fassten den Entschluss, über alles schlechten Ruf zu verbreiten. Was bedeutet über alles? Das heißt: über das Land und über den Schöpfer.‘“ Und das geht aus dem hervor, was geschrieben steht: „Doch dieses Volk ist stark“, was bedeutet: Wer kann etwas gegen sie ausrichten? Das heißt, sogar der Schöpfer kann nichts gegen sie ausrichten. So verbreiteten sie über den Schöpfer schlechten Ruf.
Denn sie sagten: Da wir von Natur aus dazu geboren sind, alles zum eigenen Nutzen zu tun – wie ist es da möglich, das Joch des Königtums des Himmels mit der Ausrichtung zum Nutzen des Schöpfers auf sich zu nehmen, das heißt, alles auf Geben ausgerichtet zu tun? Wir haben doch viele Male mit dieser Arbeit begonnen und nach unserer Meinung alles getan, was in unserer Macht stand; und nicht nur, dass der Schöpfer uns nicht half, im Geben auch nur ein wenig voranzukommen, sondern wir gingen sogar rückwärts. Somit müssen wir feststellen, dass auch der Schöpfer uns nicht helfen kann, aus der Herrschaft des Verlangens zu empfangen herauszukommen; sonst hätten wir uns ein wenig vorwärtsbewegen müssen. Vielmehr ist nach all der Anstrengung, die wir aufgewendet haben, um das Verlangen zu geben zu erlangen, nach unserer Meinung alles ins Leere gegangen. Wenn das so ist, befinden wir uns in einem Zustand, in dem wir weder die materielle noch die spirituelle Welt haben.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Indem sie sagten: ‚Was haben wir davon gehabt? Bis heute haben wir nichts Gutes in der Welt gesehen. Wir haben uns in der Tora abgemüht, und das Haus ist leer. Und wer wird jener Welt gewürdigt werden?‘“ Das ist wie oben: Sie sahen, dass sie in der Arbeit nicht vorankamen. Und worin bestand die Sünde? Sie hätten an den Schöpfer glauben müssen, dass all diese Abstiege, die sie in der Arbeit spüren, nicht daher rühren, dass sie nicht vorankommen, sondern dass jedes Mal, wenn der Mensch sieht, dass er fern vom Ziel ist, es dazu dient, dass ihm ein wahrhaftiges Bedürfnis nach Seiner Erlösung offenbart wird. Und das Bedürfnis heißt „Gefäß, um die Erfüllung zu empfangen“. Doch was fehlte ihnen dort, sodass sie nicht weitermachen konnten und vom Schlachtfeld fliehen wollten? Es war der Mangel der rechten Linie.
Und mit der rechten Linie verhält es sich wie bereits dargelegt: Der Mensch muss in der Zeit der Arbeit Lebenskraft empfangen. Und Lebenskraft empfängt man gerade vom Zustand der Vollkommenheit, und das kann man gerade dann erlangen, wenn der Mensch nicht auf sich selbst blickt, sondern auf den Schöpfer, und die ganze Anstrengung allein darin besteht, an die Größe des Schöpfers zu denken und nicht an sich selbst – das heißt, an irgendeinen Fortschritt, den er in der Arbeit erworben hat. Vielmehr soll er daran denken, welch ein Vorrecht er darin hat, dass er irgendeine Berührung mit dem Verlangen des Schöpfers hat.
Das heißt: In der Zeit, da er irgendeine Mizwa tut oder irgendeinen Segen spricht und dergleichen, muss der Mensch sagen: Ich freue mich darüber, dass ich glaube, dass ich das Verlangen des Schöpfers tue, indem ich Seine Mizwot erfülle. Obwohl ich verstehe, dass man die Mizwot des Königs mit größerer Bedeutung erfüllen müsste, als ich dem Tun der Mizwot beimesse, liegt es doch nicht in meiner Hand, die Bedeutung der Handlung zu bemessen, auch wenn die Handlung nicht vollkommen ist. Aber ich freue mich darüber, dass der Schöpfer mir ein Verlangen und ein Begehren gab, etwas im Erfüllen von Tora und Mizwot zu tun, auch wenn diese Handlungen nicht so bedeutend sind. Doch mir ist auch das wichtig, dass ich jetzt Raum habe zu sagen, dass ich das Verlangen des Schöpfers tue.
Und daraus muss der Mensch Lebenskraft und Freude empfangen, weil es wahr ist, dass der Schöpfer groß ist. Deshalb ist es sehr wichtig, wenn der Mensch ein Verlangen hat, etwas in der Arbeit zu tun. Und der Mensch muss glauben, dass es auch dann, wenn der Mensch Handlungen auf dem Weg des Zwanges tut, ebenfalls wichtig ist, weil es von der Seite der Handlung her nichts hinzuzufügen gibt und die Handlung das Ihre wirkt.
Da die Kundschafter also auch auf der rechten Linie nicht gingen, wollten sie vom Schlachtfeld fliehen und sagten, dass auch der Schöpfer ihnen nicht helfen kann. Das heißt, sie verstanden, dass der Schöpfer sie auf dem Weg nahebringen muss, den sie verstehen, nicht auf dem Weg, zu dem die Tora uns verpflichtet, wie geschrieben steht, dass es „zwei Schriftstellen gibt, die einander widersprechen, bis die dritte Schriftstelle kommt und zwischen ihnen entscheidet“. Deshalb sahen die Kundschafter, die abwichen, um auf der linken Linie zu gehen, und die rechte verließen, dass sie nicht gehen und das Erbe des Landes erben konnten. Und all das rührte daher, dass sie nicht den richtigen Weg gingen, wie Moses ihn ihnen eingerichtet hatte.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Einem König, der für seinen Sohn eine Frau bestimmte und sagte: ‚Ich zeige sie dir, (doch) ich schwöre: Du wirst sie nicht in deinem Haus sehen, sondern deinem Sohn gebe ich sie.‘“ Und wir fragten: Die Kundschafter sahen doch nicht, dass sie schön und aus guter und wohlhabender Familie ist? Und das lässt sich auf dem Weg der Arbeit auslegen: „Vater und Sohn“ sind „Ursache und Wirkung“ – die Gegenwart heißt „Vater“ und die Zukunft heißt „Sohn“. Und im Geistigen bedeutet „Sehen“ Erlangen. Und da sie nicht den richtigen Weg gingen, konnten sie sie deshalb nicht „in deinem Haus“ sehen, das heißt im Zustand, in dem sie sich in den Gefäßen des Empfangens befinden. Sondern „deinem Sohn“, das heißt: nachdem ihr Teshuwa (Umkehr) getan habt, das heißt, nachdem ihr gewürdigt werdet, Gefäße des Gebens zu empfangen, dann könnt ihr all die guten Vorzüge sehen, die im Erbe des Landes liegen, das der Schöpfer unseren Vätern verheißen hat.
korrOp, EY, 27.07.2026, 01:26 Uhr, Ver3