1991/31 Was bedeutet es in der Arbeit, dass die Wohltätigkeit für die Armen den Heiligen Namen bewirkt?
Es heißt (BeChukotai 7 und im Sulam [Leiterkommentar zum Sohar], Punkt 20), und dies sind seine Worte: „‚Und Ich werde euch Regen geben zur rechten Zeit‘ – das bedeutet, dass jeder Einzelne seine Kraft über euch gibt. Wer sind sie? Es ist eben jene Korrektur, die ihr vollbracht habt: die Vereinigung jenes Heiligen Namens, nämlich die Vereinigung von Gesetz [Chok] und Recht [Mishpat], die euch geben werden. Und ‚haltet den Weg des Ewigen, um Gerechtigkeit und Recht zu üben‘. Da nun geschrieben steht ‚und haltet den Weg des Ewigen‘, warum muss dann noch geschrieben werden ‚um Gerechtigkeit und Recht zu üben‘? Und er antwortet: Wer die Wege der Tora bewahrt, der übt gleichsam Gerechtigkeit und Recht. Und was ist Gerechtigkeit und Recht? Das ist der Schöpfer. Rabbi Shimon weinte und sagte: Wehe den Menschen, die die Herrlichkeit ihres Herrn nicht kennen und nicht beachten! Denn wer bewirkt täglich den Heiligen Namen? Wisse: derjenige, der den Armen Almosen gibt. Wer diese Erweckung von unten vollzieht, also Almosen gibt, hat gewiss den Heiligen Namen in Vollkommenheit bewirkt. So, wie er es unten tut, so wird es oben erweckt.“ – So weit seine Worte.
Welchen Zusammenhang haben die Almosen mit „der Vereinigung von Gerechtigkeit und Recht“? Und welchen Zusammenhang haben Gerechtigkeit und Recht mit dem Bewirken des Heiligen Namens? Auch dies ist zu klären: Was bedeutet es, dass der Mensch den Heiligen Namen bewirkt? Wir verstehen es doch so, dass der Heilige Name den Menschen gemacht hat und nicht der Mensch den Heiligen Namen.
Legen wir dies auf dem Weg der Arbeit aus: Was soll es uns lehren? Bekanntlich besteht das Wesentliche unserer Arbeit in Tora und Mizwot darin, dass wir fähig werden, das Gute und das Wohlgefühl zu empfangen, das in Seinem Gedanken liegt, den Geschöpfen zu geben. Die ganze Hemmung liegt darin, dass wir nicht die Kelim haben, um die Fülle zu empfangen, die vom Gebenden zu den Geschöpfen kommt. Dazu müssen die Geschöpfe die Gleichheit der Form erlangen, die „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ genannt wird. Das bedeutet, dass auch die Geschöpfe Gefäße des Gebens haben sollen wie der Gebende.
Nimmt der Mensch daher das Königtum des Himmels auf sich, so fragt der Körper: Was hast du davon, das Königtum des Himmels anzunehmen? Dazu sagten unsere Weisen (Pessachim 50): „Stets befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch wenn es lo liShma (nicht um ihretwillen) geschieht, denn aus dem lo liShma gelangt man zum liShma.“ Im Sohar steht, dass es eine Ehrfurcht gibt, bei der man Tora und Mizwot hält, um Lohn in dieser Welt und in der kommenden Welt zu erhalten. Die wesentliche Ehrfurcht aber ist „weil Er groß und herrschend ist“ – also nicht, um Belohnung zu empfangen, sondern weil er es als Vorrecht empfindet, einem großen König zu dienen – und deshalb will er Tora und Mizwot halten.
Obwohl der Mensch begreift, wie bedeutend es ist, dem König zu dienen, ist der Körper doch mit einer Natur erschaffen, die nur an dem Freude findet, was ihm selbst nützt. Einem anderen aber zu dienen, damit dieser Genuss hat – und gerade daran Freude zu finden, dass der andere Genuss von seiner Arbeit hat –, das kann der Körper nicht begreifen. Mit anderen Worten: Es liegt nicht in der Natur, dass ein Arbeiter, dessen Arbeit dem Hausherrn große Freude bereitet, zu ihm sagt: Ich will nicht, dass du mich bezahlst; es genügt mir, dass du Freude daran hast, dass ich dir die Geräte in Ordnung gebracht habe, über deren Zerbrechen du betrübt warst. Jetzt, da sie in Ordnung sind, hast du Freude daran – und ich will für meine Arbeit keinerlei Lohn. Das ist wider die Natur. Im Gegenteil: Wenn du Freude an meiner Arbeit hast, müsstest du mir mehr zahlen, als ich für meine Arbeit verlangt habe.
Von hier aus lässt sich verstehen, wie der Mensch die Kraft findet, um des Himmels willen zu arbeiten, ohne jede Gegenleistung:
Der erste Zustand: Der Mensch will Tora und Mizwot halten, damit sie ihm das Heilmittel bringen, von dem es heißt „das Licht in ihr korrigiert ihn“. Durch ihre Wunderkraft erlangt er die zweite Natur, die „Verlangen zu geben“ genannt wird. Dann wird er fähig sein, dem König ohne jeden Lohn zu dienen, und sein ganzer Lohn wird darin bestehen, dass er dem König Wohlgefallen bereitet. Diese Zeit, in der er Tora und Mizwot hält, um das Verlangen zu geben zu erlangen, wird im Sohar „613 Ejtin“ (Ratschläge) genannt.
Der zweite Zustand tritt ein, nachdem er das Verlangen zu geben bereits erlangt hat. Dann empfängt er das Gute und das Wohlgefühl, die sich in den 613 Mizwot finden, welche im Sohar „613 Pkudin (Hinterlegungen)“ genannt werden. Das bedeutet, wie im Sulam geschrieben steht: „dort befinden sich das Gute und das Wohlgefühl als Hinterlegung“.
Daher soll die Arbeit des Menschen, wenn er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt, im Aspekt von „Almosen für die Armen“ geschehen. Bekanntlich wird Malchut in der Sprache des Sohar „arm und dürftig“ genannt. Das ist so auszulegen, dass man keinerlei Gegenleistung empfangen will. Es gleicht dem, dass man einem Armen Almosen gibt, ohne die geringste Gegenleistung von ihm zu erbitten – nicht einmal seinen Dank. Denn wahre Almosen werden „verhülltes Geben“ genannt, was bedeutet, dass er nicht sieht, wem er gibt. Daher gab man die Almosen, ohne dass der Arme dafür dankte.
Hier nimmt der Mensch das Joch des Königtums des Himmels über dem Verstand auf sich, ohne zu hoffen, dass der Schöpfer ihm dafür dankt. Da fragt der Körper: Wozu nimmst du das Joch von Tora und Mizwot auf dich? Will der Mensch in diesem Zustand Tora und Mizwot ohne jede Gegenleistung halten, so ist er auf den Schöpfer angewiesen: Er muss ihm die Kraft geben, die Frage des Körpers zu überwinden und die heilige Arbeit in Freude zu verrichten.
Gerade wenn der Mensch arbeitet, um zu einer Arbeit zu gelangen, die in heiliger Reinheit steht und der kein Unrat beigemengt ist, bedarf er der Hilfe des Schöpfers. Jedes Mal, wenn er das Joch des Königtums des Himmels von neuem auf sich nehmen will, steht ihm eine neue Arbeit bevor. Und er muss den Worten des heiligen ARI glauben, der sagt, dass „an jedem einzelnen Tag neue Aspekte von dem korrigiert werden, was in die Klipot (Schalen) gefallen ist. Und kein Tag gleicht dem anderen, und kein Augenblick gleicht dem anderen.“
Daher korrigiert jedes neue Auf-sich-Nehmen des Königtums des Himmels neue Aspekte für die Heiligkeit. Wenn der Mensch daher das Königtum des Himmels von neuem auf sich nehmen will, fragt der Körper: Was wirst du davon haben, dass du zum Nutzen des Schöpfers arbeitest? Es gibt keinen anderen Rat, als den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm die Kraft des Glaubens über dem Verstand des Körpers gibt. In den Worten unserer Weisen heißt das: „Ohne die Hilfe des Schöpfers könnte er es nicht überwinden.“
Nach dem Gesagten lässt sich unsere Frage auslegen: Wie hängt die Erklärung des Sohar mit dem zusammen, was geschrieben steht – „und haltet den Weg des Ewigen“ –, und warum muss dann noch stehen „um Gerechtigkeit und Recht zu üben“? Er antwortet: „Wer die Wege der Tora bewahrt, der übt gleichsam Gerechtigkeit und Recht.“ Die Antwort lautet, wie gesagt: Der Mensch hat nicht die Kraft, das Königtum des Himmels über dem Verstand des Körpers anzunehmen – außer durch die Wunderkraft von Tora und Mizwot, die der Weg des Schöpfers sind, also die Wege der Tora. Durch sie wird er würdig, den Armen Almosen zu geben, weil „das Licht in der Tora ihn korrigiert“, und dadurch wird er würdig, „Gerechtigkeit und Recht zu üben“.
Das ist es, was er sagt: Dadurch, dass „sie den Weg des Ewigen halten“, gelangen sie zur Stufe „übt Gerechtigkeit und Recht“. Doch was sind „Gerechtigkeit und Recht“ – was ist jene Vereinigung, von der der Sohar sagt, sie werde „den Heiligen Namen bewirken“ genannt? Anders gefragt: Was bedeutet es, dass der Mensch durch das Geben von Almosen den Heiligen Namen bewirkt?
Wie gesagt: Bei „Gerechtigkeit und Recht“ wird der Schöpfer „Recht“ genannt und Malchut „Gerechtigkeit“. Sie ist das Maß des Gerichts, über das ein Urteil verhängt wurde, denn Malchut heißt „Kli“ – das Gefäß, das die Fülle vom Schöpfer empfängt. Über dem empfangenden Gefäß, das um des Empfangens willen empfängt, geschahen ein Zimzum (Einschränkung) und eine Verhüllung. Es wurde ein Gericht verhängt: Dieses Gefäß darf nicht so gebraucht werden, wie es ist – wegen der Verschiedenheit der Form zwischen dem Empfangenden, „Malchut“ genannt, und dem Gebenden, „der Schöpfer“ genannt. Daraus folgt: Oben besteht eine Trennung, und die Fülle kann sich wegen der Verschiedenheit der Form nicht zu den Geschöpfen ausbreiten.
Deshalb geschah eine Korrektur: Die Unteren geben „Almosen für die Armen“. Und auf der Ebene der Arbeit – dass sie das Joch des Königtums des Himmels ohne jede Gegenleistung auf sich nehmen, sondern so, wie man den Armen Almosen gibt und dafür keinerlei Gegenleistung empfangen will –, dann bewirkt jeder Einzelne in der Wurzel seiner Seele oben in Malchut, dass auch sie nur um des Gebens willen ist. Damit bewirken sie die „Vereinigung des Schöpfers und Seiner Shechina“. Denn dadurch, dass der Mensch alles um des Gebens willen tut, werden vom Schöpfer Almosen, die „Recht“ genannt werden, zu Malchut herabgezogen. Malchut, die „Gerechtigkeit“ heißt, wird nun durch die Fülle, die sie empfängt, „Wohltätigkeit“ genannt – nach dem, was sie vom Schöpfer empfängt.
Geben die Unteren Malchut Almosen, so gibt auch der Schöpfer Malchut Almosen, und Malchut empfängt den Namen „Wohltätigkeit“. Das ist es, was er sagt: „Und wer einem Armen Almosen gibt, der bewirkt oben den Heiligen Namen, vollkommen, wie es sich gebührt, das heißt, dass er sie mit dem Schöpfer verbindet, der ihr alles gibt; gewiss ist es, als hätte er den Heiligen Namen in Vollkommenheit bewirkt. So, wie er es unten tut, so wird es oben erweckt.“
Das Königtum des Himmels wird, wie erwähnt, „arm“ genannt, weil es den Geschöpfen nichts zu geben hat. Kommen die Geschöpfe mit Gefäßen des Empfangens zu ihr, so ist sie arm und dürftig: Sie bewirken in Malchut den Aspekt des Empfangens, der in ihrer Beschaffenheit liegt, und das schafft eine Trennung zwischen Malchut und dem Schöpfer, der der Gebende ist. Daher ist der Name nicht vollkommen, denn im Aspekt des Namens wird der Schöpfer „der Gute, der Gutes tut“ genannt. Da sie in der Wurzel ihrer Seele den Aspekt des Empfangens bewirken, der in Malchut liegt, über dem Aspekt des Empfangens aber ein Zimzum der Fülle geschah, bewirken sie, dass sich die Fülle nicht zu den Unteren ausbreitet.
Anders ist es, wenn die Geschöpfe Almosen geben, also ihre Handlungen um des Gebens willen ausführen: Dann bewirken sie in der Wurzel ihrer Seele den Aspekt des Verlangens zu geben, sie bewirken oben den Aspekt der Gleichheit der Form, und die Fülle fließt den Geschöpfen zu. Dadurch wird den Unteren der Name „der Gute, der Gutes tut“ offenbart. Und das wird „dass sie den Heiligen Namen in Vollkommenheit bewirken“ genannt. Alles hängt also daran, dass sie ihre Handlungen auf das Geben ausrichten. Für den Menschen gibt es demnach zwei Zustände:
1. Zu Beginn der Arbeit, wo man im Aspekt von lo liShma (nicht um ihretwillen) beginnen muss: Alles, was der Mensch tut, geschieht, um Lohn in dieser Welt und in der kommenden Welt zu empfangen. Dann wird der Schöpfer bei ihm „König der Völker“ genannt, wie geschrieben steht: „Wer sollte Dich nicht fürchten, König der Völker!“
Auf der Ebene der Arbeit ist das so auszulegen: Solange der Mensch zum Nutzen seiner selbst arbeitet, ist er im Aspekt der Völker und hat den Aspekt Israel noch nicht erreicht, in dem seine Handlungen Jashar-El (direkt zum Schöpfer) wären. Er dient also einem König, der „König der Völker“ heißt. Welche Vorstellung von der Größe des Königs aber kann ein Mensch haben, der im Aspekt der Völker steht – auch wenn er Ehrfurcht hat, wie geschrieben steht: „Wer sollte Dich nicht fürchten, König der Völker“?
Man muss wissen, dass dies eine sehr wichtige Sache ist: Jede Berührung, die der Mensch mit dem Schöpfer hat, ist sehr wichtig. Arbeitet er daher um Lohn, so darf man diese Arbeiten nicht geringschätzen. Aber gewiss gibt es eine größere Stufe als die Stufe „König der Völker“. Wird der Mensch des Aspekts „Israel“ gewürdigt, so hat er auf dieser Stufe ein größeres Verständnis von der Größe des Schöpfers – so sehr, dass er Freude daran findet, einem großen König zu dienen, und keinerlei Gegenleistung für seine Arbeit mehr braucht.
Zur Sache des Glaubens um des Himmels willen ist auszulegen, was unsere Weisen sagten (Midrasch Tanchuma, Blatt 235b), und dies sind ihre Worte: „‚Und wenn dein Bruder verarmt und seine Hand sinkt‘ – das ist es, was die Schrift sagt: ‚Beraube nicht den Geringen, weil er gering ist.‘ Was bedeutet ‚Beraube nicht den Geringen‘? Gibt es denn einen Menschen, der die Geringen beraubt? Und was raubt man ihm, da er doch gar nichts hat? Vielmehr: Wenn du es gewohnt warst, ihn zu versorgen, dich dann aber abwandtest und sagtest: ‚Wie lange soll ich noch für diesen aufkommen?‘, und du es unterlässt, ihm zu geben – wenn du so handelst, so wisse, dass du ihn beraubst. Das ist ‚Beraube nicht den Geringen, weil er gering ist‘.“
Daraus ist auszulegen: Die Sache der Almosen für die Armen bezieht sich auf Malchut, die „arm und dürftig“ genannt wird, weil sie dem Menschen nichts zurückzugeben hat. Der Mensch arbeitet um des Himmels willen und will keinerlei Gegenleistung. Mitten in der Arbeit aber kommen ihm manchmal Gedanken: Da er doch immer um des Himmels willen arbeite und keinerlei Gegenleistung wolle, werde er gewiss einer höheren Stufe gewürdigt – er werde also mehr Geschmack an Tora und Arbeit empfangen. Er habe das Seine ja bereits getan: Er sagt, dass er das Königtum des Himmels ohne jede Gegenleistung annimmt und nicht einmal Geschmack an Tora und Mizwot als Lohn für seine Arbeit empfängt. Wenn nun seine Absicht bereits um des Himmels willen ist, was „Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer“ genannt wird, hätte er doch in seiner Arbeit Leben spüren müssen. Doch er sieht keinerlei Fortschritt in der Arbeit, und deshalb will er diese Arbeit des Gebens beenden und stattdessen wie die ganze Allgemeinheit arbeiten, also um Lohn zu empfangen.
Darauf antwortet die Schrift: „Beraube nicht den Geringen, weil er gering ist.“ Der Midrasch fragt: „Gibt es denn einen Menschen, der die Geringen beraubt? Und was raubt man ihm, da er doch gar nichts hat? Vielmehr: Wenn du es gewohnt warst, ihn zu versorgen, dich dann aber abwandtest und sagtest: ‚Wie lange soll ich noch für diesen aufkommen?‘, und du es unterlässt, ihm zu geben – so wisse, dass du ihn beraubst.“
Die Schrift warnt uns also: Der Mensch soll nicht sagen: Ich habe schon viel an der Absicht gearbeitet, um zum Geben zu gelangen, und ich habe nicht „das Gute und das Wohlgefühl“ erlangt, das man erlangen sollte, wenn man an der Absicht des Gebens arbeitet, die im Aspekt „Almosen für die Armen“ steht. Auch wurde mir versprochen, dass ich trotz allem das Licht erlangen werde, das „Kraft“ genannt wird, sodass ich alles um des Gebens willen tun kann. Dieses Licht offenbart sich, wenn der Mensch Tora und Mizwot im Aspekt der „613 Ratschläge“ hält, um zu den Gefäßen des Gebens zu gelangen; es heißt „das Licht zur Vervollständigung der Kelim“ und befähigt dazu, sich mit den Kelim um des Gebens willen zu befassen. Auch diese Kraft hat er nicht erlangt, obwohl er sich die ganze Zeit, da er sich mit Tora und Mizwot befasste, mit dieser Absicht befasst hat. Da sagt der Mensch: Ich habe dir schon viel Mühe gegeben und nichts erworben, deshalb will ich diese Arbeit beenden.
Das ist es, was er sagt: „und du sagtest: Wie lange soll ich noch für diesen aufkommen?“ – also: Ich habe dir schon viel gegeben und dafür keinen Fortschritt im Spirituellen empfangen. Da sagt der Mensch: Wie lange muss ich im Aspekt „Almosen für die Armen“ arbeiten? Deshalb will der Mensch dann vom Kampfplatz fliehen und zurück zur Arbeit im Aspekt der Allgemeinheit kehren, wo er damals im Aspekt „Wer sollte Dich nicht fürchten, König der Völker“ arbeitete. Denn wie gesagt: Arbeitet der Mensch beim Halten von Tora und Mizwot zum Nutzen der Eigenliebe, so bleibt kein Raum, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Dann heißt der König, dessen Tora und Mizwot der Mensch hält, „König der Völker“ und nicht „König Israels“, denn der Mensch ist dann nicht im Aspekt „Israel“, sondern im Aspekt „Völker“.
Davor warnt die Schrift: „Fliehe nicht vom Kampfplatz – beraube nicht den Geringen, weil er gering ist.“ Das ist so auszulegen: „Beraube nicht den Geringen“ – entziehe ihm nicht die Almosen, die du gibst, also das Annehmen des Königtums des Himmels ohne Gegenleistung. Denn obwohl du behauptest, dass du ihm schon viele Almosen gegeben hast, sollst du wissen, dass das nicht stimmt. „Weil er gering ist“ bedeutet: Solange du denkst, dass Malchut, die arm ist, dir etwas geben müsste, sagst du bereits nicht mehr, dass sie dürftig ist. Verlangt der Mensch von Malchut eine Gegenleistung, so beschädigt er damit schon den Namen von Malchut, die „arm und dürftig“ genannt wird – eben weil er etwas von ihr verlangt.
Vielmehr muss der Mensch zum Schöpfer beten, dass Er ihm die Kraft gibt, zufrieden und in Freude zu sein darüber, dass er für Malchut arbeiten kann – auch wenn sie sich verbirgt und ihm keinerlei Annäherung zeigt –, und dass er in der Arbeit einen Geschmack empfindet, als träte er eben erst von neuem ein. Er hat also nichts vorzubringen, wovon er sagen könnte: Diesen Geschmack empfange ich, und um seinetwillen arbeite ich und mühe mich beim Annehmen des Königtums des Himmels.
Mit anderen Worten: Er hat keinerlei Stütze und Grundlage, um sagen zu können: „Deshalb befasse ich mich mit Tora und Mizwot.“ Das nennt man „die Erde an das Nichts hängen“, und das ist ganz und gar „über dem Verstand“. Obwohl dies alles gegen die Natur des Körpers geht, betet er eben deshalb zum Schöpfer, dass Er ihm diese Kraft gibt. Und das ist es, was geschrieben steht: „Beraube nicht den Geringen, weil er gering ist“ – dass der Mensch immer das Verlangen haben soll zu bleiben, das Königtum des Himmels auf sich zu nehmen, und seine Grundlage ist „weil er gering ist“, wie oben gesagt.
So sagte es Baal HaSulam zu dem, was geschrieben steht (im Lied „Eine tüchtige Frau“): „Trügerisch ist die Anmut und nichtig die Schönheit; eine Frau, die den Ewigen fürchtet, sie soll gepriesen werden.“ Er sagte: Nimmt der Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich, so hat das Königtum des Himmels manchmal Anmut, und manchmal empfindet er Schönheit an ihm. Dazu sagt die Schrift: Alles ist Trug. Denn die ganze Grundlage, auf der er sein Königtum des Himmels aufbaut, steht im Aspekt des Trugs.
Vielmehr muss die „Frau“, also das Königtum des Himmels, das der Mensch auf sich nimmt, aus dem Grund der Gottesfurcht geschehen. Seine Ehrfurcht soll so sein, wie der Sohar schreibt: „Das Wesen der Ehrfurcht ist, weil Er groß und herrschend ist“ (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 185 und im Sulam, Punkt 191), und dies sind ihre Worte: „Die Ehrfurcht, die das Wesentliche ist, besteht darin, dass der Mensch sich vor seinem Herrn fürchtet, weil Er groß und herrschend ist, das Wesentliche und die Wurzel aller Welten, und alles gilt vor Ihm als nichts; und er richte sein Verlangen auf jenen Ort.“
Daraus ergibt sich: Das Wesentliche ist das Gebet. Der Mensch muss zum Schöpfer beten, dass Er ihm die nötige Kraft für alles gibt, was die Arbeit betrifft, sei es in der Tora oder im Gebet. Daher soll der Mensch den Schöpfer bitten, dass Er ihm ein Bedürfnis gibt, also ein Verlangen nach der Arbeit. Denn manchmal kommt der Mensch in einen Zustand, in dem er nach nichts mehr verlangt. Er sieht nichts vor seinen Augen, das gut genug wäre, sich danach zu sehnen – nichts, was ihm Lebendigkeit brächte und ihm das Bedürfnis gäbe, sich um seine Erlangung zu mühen. So bleibt er ohne jedes Verlangen, von dem er sagen könnte: Dafür lohnt es sich, sich zu mühen. Und eben das sieht er nicht.
Dann muss er den Schöpfer bitten, dass Er ihm überhaupt ein Verlangen nach irgendetwas gibt – nach etwas, das ihm Verlangen nach der Arbeit weckt. Gemäß dem Verständnis des Menschen wird seine Bitte sein, dass der Schöpfer ihn etwas sehen lässt, das ihm Freude und Genuss bringt. Das geht in die Richtung dessen, was unsere Weisen sagten: „Das Auge sieht, und das Herz begehrt.“ Das heißt: Wenn der Schöpfer ihn etwas sehen lässt, wofür es sich zu arbeiten lohnt, dann wird das Begehren im Herzen ihn dazu bringen, Ratschläge zu ersinnen, wie er die Sache erlangt. Das Gebet, das der Mensch jetzt betet, dient also nur dem Bedürfnis nach einem Verlangen, das „Kli“ genannt wird.
Das erste Gebet, das der Mensch beten muss, gilt einem Verlangen und einem Mangel: dass der Schöpfer ihm die Kraft gebe, um einen Mangel zu bitten – damit die Erfüllung, wenn er sie erlangt, die Vollkommenheit des Menschen ausfüllt. Der Schöpfer tut ihm kund, welche Vollkommenheit er erreichen soll, damit er weiß, was ihm in Wahrheit fehlt. Dahin, zu wissen, was ihm fehlt, gelangt er durch die Tora: durch die Wunderkraft der Tora, von der es heißt „das Licht in ihr korrigiert ihn“ – die Tora tut ihm kund, was ihm fehlt.
Doch der Mensch muss dies von der Tora fordern: dass die Tora ihn dazu anleitet, die Wahrheit zu erlangen. Ebenso muss er die Verbindung zwischen sich und der Tora finden – er will die Verbindung kennen, die er mit der Tora hat. Und das nennt man bereits „Gebet“. Denn dadurch verbindet er sich schon während des Lernens der Tora mit dem Schöpfer: Während er sich mit der Tora befasst, bittet er Ihn, die Verbindung der Tora mit dem Menschen zu verstehen, der die Tora lernt. Und nachdem er gebetet hat, dass der Schöpfer ihm den Mangel gibt, muss er bitten, dass der Schöpfer ihm die Erfüllung des Mangels gibt, das heißt, dass er gewürdigt wird, zur Stufe der Vollkommenheit des Menschen zu gelangen.
korrOp, EY, 10.08.2026, 02:50 Uhr, Ver3