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Rabash, Brief 54
18. März, 1961, Bnei Brak
Frieden und Wohlergehen für meinen Freund...
Ich wollte Dich wissen lassen, dass ich die fünf Blätter Deines Buches erhalten habe und sie mir gefallen.
Während der Woche habe ich eine Interpretation dessen gegeben, was im Sohar (Tazria, Kap. 9) gesagt wird: "Rabbi Acha sagte: Der Schöpfer entscheidet über einen Tropfen (Samen), ob es ein Junge oder ein Mädchen sein wird. Aber Du sagst, wenn eine Frau zuerst befruchtet, wird sie einen Sohn gebären. Rabbi Yosi sagte: "Aber natürlich unterscheidet der Schöpfer zwischen einem männlichen und einem weiblichen Tropfen, und nachdem er ihn unterschieden hat, entscheidet er darüber, ob es ein Junge oder ein Mädchen sein wird.
Mein Vater und Lehrer erklärt in dem Kommentar "Sulam": "Wir haben gelernt, dass die Frau, die zuerst befruchtet, einen Jungen gebären wird. Rabbi Acha sagte, dass wir gelernt haben, dass der Schöpfer über einen Samentropfen entscheidet, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, und du sagst, dass die Frau, die zuerst schwanger wird, einen Jungen gebären wird, in diesem Fall ist keine Entscheidung des Schöpfers erforderlich. Aber Rabbi Yosi entgegnete, dass der Schöpfer sicherlich zwischen einem männlichen und einem weiblichen Tropfen unterscheidet, und da Er unterscheidet, hat Er bestimmt, ob es ein Junge oder ein Mädchen sein wird."
Und er erklärt: "An der Schaffung des Menschen sind drei beteiligt: der Schöpfer, der Vater und die Mutter. Der Vater gibt das Weiße in ihm, die Mutter gibt das Rote in ihm und der Schöpfer gibt die Seele. Wenn der Tropfen männlich ist, gibt der Schöpfer die männliche Seele, und wenn er weiblich ist, gibt der Schöpfer die weibliche Seele. Wenn also die Frau zuerst befruchtet hat, war der Tropfen am Ende noch nicht männlich, es sei denn, der Schöpfer hat ihm eine männliche Seele gegeben. Und diese Unterscheidung, die der Schöpfer bezüglich des Tropfens macht – ob er einer männlichen oder einer weiblichen Seele würdig ist – wird als seine Entscheidung betrachtet, und würde er keine Unterscheidung treffen und eine männliche Seele schicken, wäre der Tropfen schließlich nicht männlich geworden."
Um dies im Zusammenhang mit der spirituellen Arbeit zu verstehen, können wir es folgendermaßen erklären: Jede Geburt kann entweder mit der Geburt eines Männlichen oder Weiblichen enden. Der Mann (sachar) ist die Kraft des Gebens im Mensch, und die Frau (nukva) ist die Kraft des Empfangens, d.h. wenn der Mensch selbst genießen will und alle seine Sorgen nur seinem eigenen Vergnügen gelten. Aber durch diese beiden Kräfte hat er die Aufgabe zu wählen, ob er das Gute wählt, d.h. um des Schöpfers willen arbeitet, und ob er das Böse, also die Erfüllung seiner eigenen Begierden, hasst.
Empfängnis ist wie die Aussaat eines Samens in den Boden, der noch keine Früchte trägt, und erst wenn dieser Same im Boden verfault und verrottet, bringt er Früchte hervor. Deshalb bedeutet “Empfängnis” in der spirituellen Arbeit das, was sich selbst auflöst, und das wird Empfängnis genannt.
So lässt sich das oben Gesagte verstehen. Wenn die Frau zuerst befruchtet, bedeutet das, dass der Anfang eines Gedankens darauf gerichtet waren, die Kraft des Empfangens zum Genuss um ihrer selbst willen aufzuheben, – daher "gebiert sie einen Sohn", das bedeutet, dass aus der Aufhebung der Kraft des Empfangens die Kraft des Gebens entsteht, und dann richtet sich das Verlangen des Menschen darauf, dem Schöpfer Freude zu bereiten.
Und wenn der Mann zuerst befruchtet, bedeutet das, dass der erste Gedanke war, wie er die Kraft des Gebens in sich selbst aufheben kann, und dann wird natürlich "ein Mädchen geboren werden". Dann ist die Handlung, die aus diesem Gedanken geboren wird, ein Empfangen – nur um die eigenen Begierden zu befriedigen.
Und das erklärt, dass der Schöpfer den Samentropfen prüft, das heißt, ob der Gedanke der Absicht um des Schöpfers willen war, oder zu seinem eigenen Vergnügen. Wenn es sachar ist, ein Junge, mit anderen Worten, wenn es in sich selbst die Kraft des Empfangens aufgehoben hat, bedeutet das, dass "die Frau, die zuerst empfangen hat, einen Jungen gebären wird", und dann entscheidet der Schöpfer über den Samen, dass ein Junge geboren wird. Der Punkt ist, dass nur der Schöpfer die Wahrheit erkennen und wissen kann – ob die Absicht des Menschen im Namen des Schöpfers gerichtet war. Und dann gibt der Schöpfer ihm eine männliche Seele, wie es die Weisen sagen: "Demjenigen, der die Tora um des Schöpfers willen (lishma) ausführt, werden die Geheimnisse der Tora offenbart", d.h. der Schöpfer offenbart ihm die Geheimnisse der Tora.
Und wenn er “weiblich" ist, d.h. wenn er die Kraft des Gebens verweigert hat, was als männlich bezeichnet wird, dann wird ein Mädchen geboren werden. Mit anderen Worten, die Handlungen, die in ihm geboren werden, geschehen nur zu seinem eigenen Vergnügen, und dann hilft ihm der Schöpfer nicht von oben, und es geschieht gemäß dem Sprichwort: "Dem, der kommt, um sich zu verunreinigen – dem wird der Weg geöffnet".
Folglich ist das, was der Schöpfer prüft und entscheidet, das, was tatsächlich getan wird, denn nur der Schöpfer kennt die Wahrheit, und der Mensch kann sich selbst täuschen und denken, dass alle seine Absichten dem Wohl des Schöpfers dienen. Aber wenn der Schöpfer ihn näher heranzieht und ihm Verständnis für die Seele der Tora gibt, dann weiß er, dass ein Junge geboren wurde und seine Handlungen zum Wohle des Schöpfers erfolgten, und dann wird er würdig, die Geheimnisse der Tora zu enthüllen und wird wie eine stärkende Quelle, und dann wird ihm die Ehre zuteil, wahre Vollkommenheit zu erreichen.
Ich beende meinen Brief mit guten Wünschen zu den fröhlichen und hellen Feiertagen.
Von deinem Freund, der dir und deiner Familie für immer das Beste wünscht
Baruch Shalom Halevi Ashlag