<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->

Brief 50

Mit Hilfe des Schöpfers, 21. Kislew 57201 (22. Dezember 1959), hier in Bnei Brak

Friede und alles Gute auf ewig meinem Freund …

Die Kommentatoren fragten zu dem Vers: „Und Jakob fürchtete sich sehr, und ihm wurde angst.“2 Der Schöpfer hatte ihm doch in der Schau der Leiter verheißen, ihn überall zu behüten, wohin er gehen würde, wie geschrieben steht: „Und siehe, Ich bin mit dir und werde dich behüten, wohin du auch gehst.“3 Warum musste er dann beten: „Rette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus“4?

Der heilige Sohar (WaYishlach, Punkt 70) erläutert die Worte der Engel an Jakob: „Auch zieht er dir entgegen, und vierhundert Mann sind bei ihm.“5 Er fragt: „Warum sagten sie ihm all dies?“ Und er antwortet: „Weil der Schöpfer stets die Gebete der Gerechten begehrt und Sich mit ihren Gebeten schmückt.“ Das heißt, der Schöpfer verlangt nach dem Gebet der Gerechten.6

Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) erklärte, weshalb der Schöpfer den Geschöpfen nicht ohne Gebet alles Gute gibt, sondern will, dass sie Ihn bitten; dann wird Er ihnen geben. Es ist doch bekannt, dass die Kuh noch mehr säugen will, als das Kalb saugen will. Doch es gilt der Grundsatz: Es gibt kein Licht ohne ein Gefäß (Kli). Als Kli wird der Aspekt des Verlangens bezeichnet. Denn im Spirituellen gibt es keinen Zwang: Man kann an etwas, wonach man kein Verlangen hat, keinen Geschmack des Genusses empfinden. Das Empfinden des Genusses hängt hauptsächlich vom Maß des Verlangens und der Sehnsucht danach ab. Deshalb gibt der Schöpfer nur, wenn die Geschöpfe Verlangen und Sehnsucht haben.

Das Verlangen des Menschen nimmt gerade durch das Gebet Gestalt an. Denn wenn der Mensch einen Mangel empfindet, beginnt er zu beten. Dadurch wächst sein Gebet und wird stärker, bis es das Maß erreicht, das ihn befähigt, die obere Gabe zu empfangen. Deshalb „verlangt der Schöpfer nach dem Gebet der Gerechten“; denn nur dadurch können sie Seine Fülle empfangen.

Es ist bekannt, dass wir in Seiner Fülle immer zwei Aspekte unterscheiden: 1. Umgebendes Licht (Or Makif), 2. Inneres Licht (Or Pnimi). Umgebendes Licht bedeutet das, was der Mensch künftig empfangen wird, während er jetzt noch nicht geeignet ist, diese Gabe zu empfangen. Inneres Licht bedeutet das, was der Mensch in der Gegenwart empfängt; das heißt, die Fülle gelangt in sein Inneres.

Wie wir oben sagten, muss allem, was man empfängt, ein Gebet vorausgehen, damit ein Kli für den Empfang der Gabe vorhanden ist. Daraus folgt: Selbst nachdem der Schöpfer ihm in der Schau der Leiter etwas verheißen hatte, galt dies als Umgebendes Licht. Als er jedoch Esau begegnete und in der Gegenwart Rettung brauchte, musste er beten und das Verlangen enthüllen, das als Kli für die Rettung gilt, denn ohne Kli kann man nicht empfangen. Dies wird Inneres Licht genannt. Die Verheißung wird nämlich Umgebendes Licht genannt; wenn die Verheißung aber verwirklicht werden soll, ist ein Gebet nötig, und dies wird Inneres Licht genannt. Denn Umgebendes Licht ist eine Erweckung von oben (Itaruta deLeila), und Inneres Licht ist eine Erweckung von unten (Itaruta deLetata).

Mit dem Segen der Tora und der Freundschaft

Baruch Shalom HaLevi Ashlag

korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026


  1. Hebräisches Datum: 21. Kislew 5720. 

  2. 1. Mose 32,8. 

  3. 1. Mose 28,15. 

  4. 1. Mose 32,12. 

  5. 1. Mose 32,7. 

  6. Traktat Yevamot 64a.