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Brief 49

Mit Hilfe des Schöpfers, 11. Elul 5719 (14. September 1959), hier in Bnei Brak, möge der Schöpfer es schützen

Frieden und alles Gute für immer an meinen Freund …

Schon lange habe ich keinen Brief von dir erhalten … Bei mir gibt es nichts Neues, und ich hoffe, dass der Schöpfer uns in allem Guten helfen wird.

Wir müssen den Midrash zu dem Vers verstehen, den wir im Achtzehngebet an Rosh HaShana sprechen: „Und der Ewige der Heerscharen wird durch Recht erhöht, und der heilige Gott wird durch Gerechtigkeit (Zedaka) geheiligt.“1 Dort heißt es: „Der Schöpfer sprach zu Israel: ‚Meine Söhne, bei eurem Leben: Dadurch, dass ihr das Recht wahrt, werde Ich erhöht. Woher wissen wir das? Denn es heißt: ‚Und der Ewige der Heerscharen wird durch Recht erhöht.‘ Dadurch, dass ihr Mich durch Recht erhöht, gebe auch Ich Almosen und lasse Meine Heiligkeit unter euch wohnen. Woher wissen wir das? Denn es heißt: ‚Und der heilige Gott wird durch Gerechtigkeit geheiligt.‘2

Wir müssen verstehen: 1) Ist Er etwa – wenn man so sagen darf – unten, sodass man Ihn erhöhen muss? 2) Ist Recht etwas Greifbares, sodass man damit etwas erhöhen kann? 3) Wenn der Schöpfer Almosen geben will, weshalb benötigt Er dann den Aspekt des Rechts? Kann Er denn ohne Recht keine Almosen geben und die Heiligkeit nicht wohnen lassen?

Dies ist im Sinne der ethischen Lehre über die Arbeit für den Schöpfer zu erklären. Der Mensch besteht aus zwei Aspekten: dem Bösen Trieb (Jezer haRa) und dem Guten Trieb (Jezer haTov). Damit es kein „Brot der Scham“ gibt, wurde dem Menschen die Arbeit in Tora und Mizwot gegeben. Indem der Mensch das Gute wählt und das Böse verwirft, wird er würdig, Seine Gaben ohne jede Scham zu empfangen.

Demnach ist der Mensch der Richter und muss urteilen und entscheiden, wer recht hat. Der Böse Trieb behauptet: „Alles gehört mir.“ Das heißt, der ganze Körper gehört ihm; der Mensch soll sich nur um den Nutzen des Bösen Triebs kümmern und nur dafür handeln. Ebenso behauptet der Gute Trieb: „Alles gehört mir.“ Das heißt, der ganze Körper gehört ihm; der Mensch soll sich nur um den Nutzen des Guten Triebs kümmern und nur dafür handeln.

Wenn der Mensch Recht sprechen und das Gute wählen will, stellt sich die Frage, warum er das Gute wählen und sagen soll, dass der Gute Trieb recht hat. Man kann nicht sagen, er solle dies tun, um in der Kommenden Welt Lohn zu empfangen, denn unsere Weisen sagten: „Seid nicht wie Knechte, die ihrem Herrn dienen, um Lohn zu empfangen.“3 Vielmehr muss der Mensch das Gute wegen der Größe des Schöpfers wählen. So schreibt der heilige Sohar, dass man für den Schöpfer arbeiten muss, „weil Er groß ist und herrscht“4 und „alle Welten erfüllt und alle Welten umgibt“5. Die wesentliche Grundlage seiner Arbeit ist also die Erhabenheit des Schöpfers.

Daraus folgt: Wenn der Mensch Recht spricht, muss er sich mit der Erhabenheit des Schöpfers befassen. Somit wird der Schöpfer durch das Recht erhöht. Nachdem der Mensch das Gute gewählt hat – nicht um des Lohnes willen –, kann der Schöpfer ihm all Seine Gaben geben, ohne dass daraus „Brot der Scham“ entsteht. Dann lässt der Schöpfer Seine Heiligkeit wohnen, das heißt, Er lässt ihn die Heiligkeit empfinden. All diese Gaben gelten als Almosen, die der Schöpfer gegeben hat. Da der Mensch nicht um des Lohnes willen arbeitet, werden die Gaben des Schöpfers nun Almosen genannt.

Möge der Schöpfer uns helfen, würdig zu werden, die Heiligkeit zu empfinden, und mögen sich an uns die oben genannten Worte des Midrash erfüllen.

Ich segne euch mit einer guten Einschreibung und Besiegelung.

Von deinem Freund, der dir und deiner Familie alles Gute wünscht

Baruch Shalom HaLevi Ashlag

korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026


  1. Jesaja 5,16. 

  2. Devarim Rabba 5,7. 

  3. Sprüche der Väter (Awot), Kapitel 1, Mishna 3. 

  4. Sohar, Einführung, Punkt 191. 

  5. Sohar, Pinchas, Punkt 226.