<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->

Brief 17

5. Schwat 5716 (18. Januar 19561)

Frieden und alles Gute für immer meinem Freund, der an die Bande meines Herzens gebunden ist …

Als Antwort auf deinen Brief vom 14. Tewet 5716: Bis jetzt hatte ich wegen der Vorbereitungen für die Hochzeit meiner Tochter keine Zeit, dir auf diesen Brief zu antworten.

Nun zur ersten Frage: Warum segnete unser Vater Jakob die Söhne durch einen Engel?

In den Schriften des ARI wird erklärt, dass NaRaN der Gerechten das Innere der drei Welten Brija, Yezira und Assija sind. Der Ursprung der Seelen liegt in der Welt Brija; die Stufe Ruach geht aus der Welt Yezira hervor und Nefesh aus der Welt Assija. Alle Gaben gehen von der Welt Azilut aus, die so bezeichnet wird: „Er, Sein Leben und Sein Wesen sind in ihnen eins.“

In der Welt Azilut gliedern sich die dortigen zehn Sefirot in drei Kategorien: 1) Keter, 2) Chochma und Bina, 3) Seir Anpin und Malchut.

Sie gelten als Wurzel, also Keter; als Mochin, also Chochma und Bina; und als Empfänger der Mochin, also Seir Anpin und Malchut. Letztere werden männlich und weiblich, Israel und Lea, Jakob und Rachel genannt. SoN empfangen die Mochin für die Seelen der Gerechten, die das Innere der drei Welten BYA sind, wie oben erläutert.

Der Engel Matat bewirkt und übermittelt die obere Fülle. Siehe im Sohar (Wochenabschnitt WaYeze, Blatt 36; im Sulam, Punkt 71): Dort steht, dass der Engel Matat „Herrscher der Welt“ genannt wird und dass sein Name dem Namen seines Herrn gleicht. Einmal wird er mit dem Namen HaWaYaH bezeichnet und ein anderes Mal mit dem Namen Shadai, denn er vollzieht zwei Handlungen:

1) Er empfängt die Stufe Chochma und gibt sie an BYA weiter. Dann wird er mit dem Namen Shadai bezeichnet, gemäß dem Geheimnis: „Der zu Seiner Welt ‚Genug‘ sagte: Sie solle sich nicht weiter ausbreiten.“2 Dies bezieht sich auf die Fülle von Chochma, für die eine Einschränkung (Zimzum) bestand, damit die Stufe Chochma nicht in den Gefäßen des Verlangens zu empfangen aufgenommen wird. Deshalb zog der Emanator den linken Fuß des Buchstabens Taw wieder nach oben. Daher ist der Fuß des Taw dick: Er zog den linken Fuß nach oben, damit er nicht in die Klipot (Schalen) leuchtet (siehe „Vorwort zum Buch Sohar“, Blatt 26; im Sulam, Punkt 23).

2) Die zweite Stufe des Engels Matat besteht darin, dass er auch Chassadim (Gnaden) besitzt, die er den Unteren geben kann. Dann gleicht sein Name dem Namen seines Herrn, der Stufe HaWaYaH, und Matat wird im Namen seines Herrn, HaWaYaH, vervollständigt.

Als Jakob die Söhne segnete, musste er den Segen gemäß der Ordnung der Stufen herabziehen, bis die Fülle zu den Unteren gelangte. Daher zog er die Fülle für die Söhne bis zum Engel Matat herab, und von Matat aus sollte sie an die Söhne weitergegeben werden. Deshalb segnete Jakob die Söhne durch den Engel Matat, der die Fülle von der Welt Azilut an NaRaN der Gerechten und an die drei Welten BYA gibt und weiterleitet. Darum sagte er: „Der Engel, der mich erlöst, er segne …“3

Damit wirst du deine zweite Frage zu „Mein Name ist in ihm“ verstehen. Nach den Worten des Ramban ist Mein Name mit ihm gemeinsam.4 Du hast gefragt: Was bedeutet dann „sein Name gleicht dem Namen seines Herrn“? Schließlich haben wir keine Erlangung in Seinem Wesen (Azmuto), sondern nur in dem, was offenbart wird.

Die Erklärung lautet: Ein „gemeinsamer Name“ bedeutet, dass jeder Name, wie bekannt, auf eine Erlangung hinweist. Denn was wir nicht erlangen, bestimmen wir nicht mit einem Namen. Jede spirituelle Erlangung besteht nur dann, wenn zwischen dem Erlangten und dem Erlangenden eine Verbindung besteht. Diese heißt „gemeinsam“, weil das Erlangte und der Erlangende gemeinsam daran beteiligt sind. Dann kann man sagen, dass sich an der Fülle ein Name, eine Form und eine bestimmte Begrenzung offenbaren. Bei einem Erlangenden ohne etwas Erlangtes kann man dagegen weder von Form noch von Begrenzung sprechen; darauf trifft keinerlei Erlangung zu. Dies gilt als: „Kein Gedanke erfasst Ihn überhaupt“, und als Wesen ohne Materie (siehe „Einleitung in das Buch Sohar, Blatt 50, Punkt 12).

Dies ist die Bedeutung von „sein Name“: Was wir durch den Engel Matat erlangen, gleicht dem Namen seines Herrn, der ebenfalls nur eine Offenbarung bezeichnet. Das heißt, Matat gibt die Stufe SoN weiter. Sie sind die Empfänger der Mochin von Azilut, wo es zwei Stufen gibt, Chochma und Bina, die sich den Unteren in Form von Chassadim und Chochma offenbaren.

Wenn Matat die Stufe Chochma weitergibt, wird der Name seines Herrn Shadai genannt; wenn er auch die Stufe Chassadim weitergibt, ist der Name seines Herrn HaWaYaH, wie oben erläutert. Dann wird der Engel Matat „der Älteste seines Hauses, der über alles herrscht, was er hat“ genannt. Denn der Engel Matat ist der Herrscher der Welt und regiert die Welt: Durch ihn wird die Fülle zu den Welten BYA herabgezogen, in denen NaRaN der Gerechten eingeschlossen sind.

Dies ist die Bedeutung von „Mein Name ist in ihm5. Dass Matat die Namen weitergibt, die in ihm wirken, bezieht sich auf die Form der Fülle. Sie umfasst zwei Formen, Chochma und Chassadim, wie oben erläutert. Diese Namen wirken in Matat entsprechend dem Maß des Namens seines Herrn, den er herabzieht.

Und nun zu deiner dritten Frage: Warum geht die heilige Tora so ausführlich darauf ein, dass Ephraim vor Manasse gestellt wurde? Dies lässt sich nach dem Grundsatz (Klal) erklären, den wir für die Arbeit für den Schöpfer haben: Der Mensch muss das Ziel immer vor Augen haben und wissen, was seine Aufgabe im Leben ist und zu welchem Endpunkt er gelangen muss, damit er sagen kann, dass er bereits „zur Ruhe und zum Erbbesitz“6 gelangt ist.

Nur wenn das Endziel offen vor seinen Augen liegt, kann der Mensch sich mit allen Mitteln darauf vorbereiten und die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte einsetzen. Andernfalls weiß er nicht, wie er seine Kräfte und Schutzmaßnahmen ins Gleichgewicht bringen soll.

Die wahren Mittel sind nötig, damit er sich auf Wegen voller Gefahren schützen kann. Denn er kennt nicht die ganze Kraft des Feindes, der ihm auflauert, wenn er nicht weiß, wer der wahre Feind ist, den er bezwingen muss. Wenn man daher über die Ordnung der Arbeit zu sprechen beginnt und darüber, wie der Mensch in der Arbeit Segen haben kann, muss das Ziel an erster Stelle stehen.

Bekanntlich beginnt man, wenn man die Wege der Arbeit beschreitet, beim Leichten und geht zum Schweren über. Zuerst lernt und tut man, was am leichtesten zu verstehen und auszuführen ist; danach kommt das etwas Schwierigere und so weiter. Wenn man sich schließlich an die Wege des Kampfes mit dem Trieb gewöhnt und darin Erfahrung gesammelt hat, geht man zu den härtesten Angriffen über.

Daraus folgt, dass wir zwei Dinge haben, von denen eines dem anderen vorangestellt werden muss. Josef meinte, man solle vor allem in der richtigen Reihenfolge über die Wege der Arbeit sprechen, also vom Leichten zum Schweren. Jakob dagegen meinte, man müsse zuallererst über das Ziel sprechen.

Entwürfe und Ergänzungen zu diesem Brief:

1. Und nun zu deiner dritten Frage: Warum geht die heilige Tora so ausführlich darauf ein, dass Ephraim vor Manasse gestellt wurde?

Bekanntlich hängt es von der Wichtigkeit einer Sache ab, ob sie einer anderen vorangestellt wird. Bei der Arbeit für den Schöpfer muss man daher wissen, worin die Wichtigkeit liegt, das heißt, man muss den Schwerpunkt auf den Kern des Ziels legen.

… Im Sohar (Wochenabschnitt WaYechi, Blatt 14; im Sulam, Punkt 41) steht, dass es zwei große und bedeutende Herrscher gibt. Der eine Herrscher gehört zur Stufe Ephraim; seine Eigenschaft besteht darin, Israel im Exil zu erhalten, damit es sich dort vermehrt. Der zweite Herrscher gehört zur Stufe Manasse; seine Eigenschaft besteht deshalb darin, Israel im Exil vergessen zu lassen.

Dort wird erklärt, dass es zwei Arten von Dinim (Urteilen) gibt: Die eine sind Dinim aus der Barmherzigkeit, die Malchut in Bina genannt werden; die andere stammt aus Malchut in Malchut und wird Dinim aus Malchut genannt. Weiter wird erklärt, dass jeder Herrscher beide Stufen in sich einschließt.

… Weiter wird dort erklärt, dass der Herrscher von Manasse die Stufe der Barmherzigkeit und des Urteils in der Barmherzigkeit umfasst, während der Herrscher von Ephraim Barmherzigkeit und Urteil im Urteil umfasst, das Malchut genannt wird.

Daraus folgt, dass Jakob sie segnete, damit die Stufe des Urteils versüßt würde und dadurch die Erlösung käme. Die Ordnung der Arbeit verläuft nämlich zuerst in der Barmherzigkeit und danach im Urteil. Bekanntlich gibt es vier Stufen: 1) empfangen, um zu empfangen, 2) geben, um zu empfangen, 3) geben, um zu geben, 4) empfangen, um zu geben.

Die ersten beiden Stufen entsprechen nicht wirklich dem Weg der Tora. Die Tora liShma (um des Gebens willen) beginnt vielmehr mit dem Geben, um zu geben; dies wird die Eigenschaft der Barmherzigkeit genannt. Die zweite Stufe der Tora liShma heißt empfangen, um zu geben; dies wird die Eigenschaft des Urteils genannt.

Deshalb wollte Josef, dass Jakob sie nach der Ordnung der Arbeit segnete: zuerst die Eigenschaft der Barmherzigkeit, Manasse genannt, und danach die Stufe Ephraim, die Eigenschaft des Urteils genannt wird. Jakob aber segnete nach der Ordnung der Wichtigkeit. Die vollständige Korrektur besteht nämlich darin, dass die Eigenschaft des Urteils korrigiert wird; dies heißt: „Die Finsternis wird wie Licht leuchten.“ Jakobs Ansicht war: Obwohl man die Arbeit in der Eigenschaft der Barmherzigkeit beginnt, muss das Ziel offen vor dem Menschen liegen – der Zweck besteht darin, zum Ende der Korrektur (Gmar Tikun) zu gelangen. Danach beginnt er in der richtigen Reihenfolge zu arbeiten, also in der Eigenschaft der Barmherzigkeit.

2. Engel – die Shechina (göttliche Gegenwart) wird Engel genannt, gemäß dem Vers: „Siehe, Ich sende einen Engel vor dir her.“7 Sie wird Engel genannt, weil die Shechina durch Matat wirkt. Dies gilt während des Exils. In der Zeit der Erlösung ist er dagegen in Anhaftung (Dwekut) mit dem König, der Seir Anpin genannt wird (Wochenabschnitt WaYechi, Blatt 18, Punkt 53, 24).

3. Siehe im Wochenabschnitt WaYeze (Blatt 36; im Sulam, Punkt 71), wo erklärt wird, was in den Tikkunim (Tikkun 70, Blatt 119)8 über den Vers „Die Lebewesen liefen hin und her“9 steht: „Hin – das ist Nuriel; her – das ist Matat.“ Im Sulam wird erklärt, dass „hin“ Chochma und „her“ Chassadim bezeichnet. Nachdem er bereits Chochma besitzt, geht er, um Chassadim zu empfangen. So besitzt er die Vollkommenheit von Chochma und Chassadim gemeinsam. Deshalb wird Matat „Herrscher der Welt“ genannt, denn in ihm liegt die Vollkommenheit für die Unteren in den drei Welten BYA. Dort befinden sich NaRaN der Gerechten, die das Innere von BYA genannt werden.

Dies ist die Bedeutung von „der Älteste seines Hauses, der über alles herrscht, was er hat“10: Er besitzt Chochma und Chassadim. Wenn er mit dem Namen Shadai über die Welt herrscht, entspricht dies der ersten Stufe von „her“, also der Sefira Chochma, der Linken, und dies ist das Geheimnis des Namens Shadai. Danach steigt er nach oben. Das ist die zweite Stufe von „her“: Er kehrt zum Namen HaWaYaH zurück, dem Geheimnis von Chassadim, und wird mit dem Namen seines Herrn, HaWaYaH, bezeichnet.

korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026


  1. Jüdisches Datum: 5. Shevat 5716. 

  2. Siehe Traktat Chagiga, 12:1. 

  3. Bereschit 48:16. 

  4. Schmot 23:21, Kommentar des Ramban. 

  5. Schmot 23:21: „Hüte dich vor ihm und höre auf seine Stimme, widersetze dich ihm nicht, denn er wird eure Vergehen nicht vergeben; denn Mein Name ist in ihm.“ 

  6. Dvarim 12:9. 

  7. Schmot 23:20. 

  8. Tikkunei Sohar 121:2. 

  9. Yechezkel 1:14. 

  10. Bereschit 24:2.