Brief 3
Mit der Hilfe des Schöpfers, zum Wochenabschnitt WaYechi (Und Jakob lebte), 8. Tewet 5715 (2. Januar 1955), hier in der heiligen Stadt Tel Aviv
An meine treuen Freunde …
Ich habe den von … unterzeichneten Brief gelesen und mich sehr darüber gefreut, dass ihr die Arbeit an der Liebe zu den Freunden auf euch genommen habt. Die erste Frage kann ich nicht schriftlich beantworten, weil es sich um Dinge handelt, die mündlich weitergegeben werden und nicht niedergeschrieben werden sollten.
Zu deiner zweiten Frage schreibe ich dir eine Lehre auf, die ich von meinem Vater und Lehrer (Baal HaSulam) hörte: „Mensch und Tier rettest Du, Ewiger.“ Unsere Weisen erklärten: „Dies sind Menschen, die klug an Verstand sind und sich wie Tiere stellen.“ Du aber schreibst mir, dass es erstrebenswert ist, tatsächlich ein Tier zu sein! Vielmehr ist es eure Aufgabe, auf den Wegen der Tora und der Weisheit zu gehen und aus dem Glanz der oberen Lieblichkeit die Süße des wonnevollen Genusses am Oberen Licht herabzuziehen. Doch dies soll den „Hirten von Abrahams Vieh“ entsprechen und nicht den „Hirten von Lots Vieh“. Dem Verständigen genügt dies.
Diese Dinge werdet ihr anhand dessen verstehen, was ich gestern beim dritten Mahl vor unseren Freunden über den Vers sagte: „Ich werde mit dir nach Ägypten hinabziehen, und Ich werde dich auch wieder hinaufführen“ … Ebenso heißt es: „Und Er sprach: ‚Ich werde mit dir sein. Und dies sei dir das Zeichen, dass Ich dich gesandt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten führst, werdet ihr Gott an diesem Berg dienen.‘“ Welche Verbindung besteht zwischen „Ich werde sein“ (Ehyeh), „Ich“ (Anochi) und dem Berg (Har)?
Im Buch Die Buchstaben des Rabbi Akiwa steht unter dem Buchstaben Hej: „‚Ich werde sein, der Ich sein werde‘ (Ehyeh Asher Ehyeh), sprach der Schöpfer. Mit der Eigenschaft des Guten erschuf Ich die Welt, mit der Eigenschaft des Guten führe Ich sie, und künftig werde Ich sie mit der Eigenschaft des Guten erneuern. Eine andere Deutung: ‚Ich werde sein, der Ich sein werde‘, sprach der Schöpfer. Mit der Eigenschaft des Glaubens erschuf Ich die Welt, mit der Eigenschaft des Glaubens führe Ich sie, und mit der Eigenschaft des Glaubens werde Ich sie künftig erneuern.“ Man muss verstehen, welchen Bezug der Vers „Ich werde sein, der Ich sein werde“ zur Eigenschaft des Guten und zur Eigenschaft des Glaubens hat. Unsere Weisen deuteten den Vers „Ich werde sein, der Ich sein werde“ so: „Ich werde in dieser Bedrängnis sein, wie Ich bei ihnen in der Knechtschaft unter den übrigen Königreichen sein werde.“
Um all dies zu verstehen, muss man wissen: Wenn ein Mensch beginnt, Tora und Mizwot auf der Linie von liShma einzuhalten, fühlt er, dass er sich in einer Bedrängnis befindet, die „Ägypten“ heißt. Der König von Ägypten fragt nämlich ständig: „Wer ist der Ewige, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“ Dann beginnen die Anstrengungen des Verstandes: Die Gedanken geraten in Siwugim de Hakaa (Paarungen durch Schlag), die auf seinen Verstand einschlagen. Manchmal meint der Mensch, dass all diese fremden Gedanken nur Kundschafter sind, die einzig gekommen sind, „um die Blöße des Landes zu sehen“, also lediglich durch die Öffnungen zu spähen, und dass diese Gedanken keinerlei Verbindung zur Arbeit für den Schöpfer haben. Ein anderes Mal denkt er: „Wir sind redlich, die Söhne eines einzigen Mannes.“ Das heißt, all unsere Gedanken sind einzig darauf gerichtet, dem einen Schöpfer anzuhaften; und wir stärken uns und überwinden alle Gedanken von „Wer ist der Ewige, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“ und „Was soll euch dieser Dienst?“ Dies wird als das „Exil in Ägypten“ bezeichnet.
Ehyeh bezeichnet den Zustand „über dich hinaus“, also den Zustand über dem Verstand. Diese Zeit heißt: „Ich werde mit dir nach Ägypten hinabziehen.“ Denn „Ich bin der Ewige, dein Gott“ – das Joch des Glaubens – befindet sich bei ihm durch das Exil in Ägypten in einem Zustand des Abstiegs. Will man den Körper beruhigen und ihm im Rahmen des Verlangens zu empfangen Lohn versprechen, sagt man ihm: „Und Ich werde dich auch wieder hinaufführen.“ Das bedeutet: Auch danach wirst du im Zustand Anochi, also im Zustand des Glaubens, bleiben.
Das ist „der Ich sein werde“ (Asher Ehyeh): Auch später wird er im Zustand Ehyeh bleiben. Denn auch dann gilt: „Wenn du das Volk aus Ägypten führst, werdet ihr Gott an diesem Berg dienen.“ „Berg“ (Har) ist sprachlich mit „Grübeleien“ (Hirhurim) verbunden. Auch danach wird alles auf dem Fundament des Berges errichtet sein, im Sinne von „wie Berge, die an einem Haar hängen“, und von „Er hängt die Erde über dem Nichts auf“.
Doch wenn man danach die Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer erlangt, wird aus Blima („Nichts“) bli ma („ohne Was“), denn es gibt keinen Raum mehr, in dem das „Was“ erwachen könnte. Dann wird aus „Ehyeh Asher“ der Zustand „Mit der Eigenschaft des Guten erschuf Ich“ und so weiter. Und wenn man empfindet, dass Er ganz und gar gut ist, versteht man bereits: „Mit der Eigenschaft des Glaubens erschuf Ich die Welt“ und so weiter.
Dies erklärt den Vers: „Mein Herz strömt über von einem guten Wort.“ Mein Vater und Lehrer erklärte: Das Strömen geschieht nur im Herzen, das heißt, vom Herzen zum Mund wird es nicht offenbart. Der Mund steht für den Verstand, denn er offenbart die Meinung und die Gedanken des Menschen. Das Herz hingegen bedeutet nur, etwas im Herzen aufzunehmen; dies besteht zunächst nur als Kraft. Wenn der Mensch diese Kraft auf sich nimmt, wird er eines guten Wortes würdig und empfindet, dass es auf der Welt nichts Besseres gibt als den Glauben. Dann kann er bereits sagen: „Meine Werke gelten dem König“, das heißt: geben und nicht empfangen. Dadurch wird er des Zustands „Meine Zunge ist der Griffel eines gewandten Schreibers“ würdig – des Zustands von Moses, unserem Lehrer, Friede sei mit ihm.
Dies bedeutet: „Ich werde mit dir nach Ägypten hinabziehen.“ Während des Exils sieht man, dass nichts schlimmer und niedriger ist als der Zustand Anochi. Wenn man aber dessen würdig wird, sieht man, dass er der Zustand „Ich werde dich auch wieder hinaufführen“ ist, denn alle Aufstiege bestehen einzig im Zustand Anochi. Das ist „Ich werde sein, der Ich sein werde“ (Ehyeh Asher Ehyeh): Zuerst war dies für ihn eine Bedrängnis, jetzt aber ist es für ihn das Gute. Dies ist die Bedeutung von: „Eine Zeit der Bedrängnis ist es für Jakob, doch aus ihr wird er gerettet werden“, denn alle Rettungen geschehen einzig im Zustand Anochi.
Ich schließe meinen Brief mit dem Wunsch, dass wir würdig werden, das Joch des Königtums des Himmels im Zustand Anochi auf uns zu nehmen.
korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026