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Brief 22

Mit Hilfe des Schöpfers, Sonntag des Wochenabschnitts WaEtchanan 57161, Manchester

An meinen lieben Freund …

Ich habe deinen Brief erhalten, in dem du mir mitteilst, dass du Zeiten des Schwarzen und Zeiten des Weißen hast.

Wisse, mein Freund: So sind die Wege der Tora. Es heißt: „Ein Leben voller Leiden sollst du führen.“2 Es gibt drei Arten des Lebens:

1. Das Leben der Frevler wird als Tod bezeichnet;

2. Das Leben derer, die auf den Wegen des Schöpfers gehen, wird als ein Leben voller Leiden bezeichnet;

3. Das Leben der Gerechten, also derer, die bereits des Aspekts der Tora würdig wurden: Sie kosten wahres Leben, wie unsere Weisen sagten: „Wer Tora liShma (um des Gebens willen) lernt, für den ist die ganze Welt lohnenswert.“3

Wenn du also schreibst, dass du ein Leben voller Leiden hast, ist das ein Zeichen dafür, dass du auf den Wegen der Tora gehst. Das heißt, du hast Schwarz und Weiß, denn so wird die Tora geschrieben: schwarz auf weiß. Doch du musst danach streben, schwarzes Feuer auf weißem Feuer zu haben, das heißt, alles, was du empfindest, soll wie loderndes Feuer sein.

Was deine Bitte betrifft, ich möge dir eine Ordnung der Arbeit aufschreiben, so wisse: Sobald du mit der Arbeit beginnst, wird dir alles in den Sinn kommen, was du von mir und aus dem Mund meines Vaters und Lehrers (Baal HaSulam) gehört hast. Dass du es vergisst, ist zu deinem Besten; denn erst während der Arbeit offenbaren sich dir aus der Tora die Dinge, die du brauchst. Dennoch werde ich dir einige Dinge aufschreiben.

Sobald ein Mensch die Augen öffnet, kennt er bereits die Gewohnheit: Er nimmt ein Buch, spricht die Segenssprüche oder sagt „Mode Ani“ [„Ich danke“]4.

Der Mensch braucht vor jeder Sache eine Vorbereitung. Das heißt, er darf nicht aus Gewohnheit handeln. Wenn er Mode Ani zu sagen beginnt, muss er wissen, was ihn verpflichtet, so zu sprechen: Ist es die Prägung aus seiner Kindheit, oder liegt darin eine Sache von eigenständiger Bedeutung, weshalb er „Ich danke“ sagen muss? „Zustimmen“ sagt man dort, wo es einen Streit gibt, wie unsere Weisen fragten: „Wem stimmt Rabbi Yehoshua zu?“ (Ketubot 16)5. Gerade wenn es Schwarz gibt, kann vom Aspekt des Weißen die Rede sein. Dann musst du den wahren Grund erkennen: Wer verpflichtet dich?

Am besten ist es für dich, ganz klar zu wissen, was dich verpflichtet, also was der Grund dafür ist, eine vollkommene Arbeit zu verrichten: Du hast aus dem Mund meines Vaters und Lehrers (Baal HaSulam) gehört, dass man auf den Wegen des Glaubens gehen und glauben muss, dass der Schöpfer das Gebet hört und dass der Schöpfer nach den Gebeten der Gerechten verlangt – also derer, die gerecht sein wollen, es aber wegen des Bösen in ihrem Innern nicht können und darum bitten, dass der Schöpfer ihnen Hilfe von oben sendet.

Unsere Weisen sagten: „Wenn der Schöpfer ihm nicht hilft, kann er ihn nicht überwinden“6, und: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“7 Und im heiligen Sohar steht: „Womit? Mit einer heiligen Seele.“8

Denn der Schöpfer will, dass wir die Tora empfangen. Deshalb müssen wir in uns einen Mangel an der Tora empfinden. Von oben gibt man nämlich keinen Luxus, sondern nur das Notwendige, weil der Mensch nur beim Notwendigen das wahre Bedürfnis empfindet (denn es gibt kein [Licht] ohne Kli [Gefäß], das heißt ohne Verlangen; und vertiefe dich darin). Beim Luxus hingegen empfindet der Mensch keinen Mangel, durch den er den Schöpfer brauchen würde.

Der wesentliche Gewinn besteht darin, dass der Mensch den Schöpfer braucht, das heißt den Geber der Tora. Wenn ein Mensch seine Niedrigkeit empfindet, führt dies daher dazu, dass er den Schöpfer braucht. Wer dagegen meint, er könne sich selbst helfen und brauche den Schöpfer nicht, befindet sich in Trennung.

Das Wichtigste ist, dass wir der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer würdig werden müssen; denn darin liegt von unserer Seite das Ziel der Korrektur, sobald der Mensch beginnt, an den Schöpfer zu glauben. Das ist das Wesentliche und der ganze Maßstab dafür, ob ein Mensch auf dem wahren Weg geht. Wenn er seinen wahren Zustand erkennt, muss er „Ich danke“ sagen, obwohl sein äußerer Verstand keinen Grund sieht, „Ich danke“ zu sagen usw. – und das genügt dem Verstehenden.

Was die vier Stunden betrifft, über die wir gesprochen haben: Du musst sie einhalten und die Arbeit folgendermaßen ordnen:

1. Das Exil der Shechina (der göttlichen Gegenwart), das heißt „die Shechina im Staub“: Jeder sieht die Lenkung in Verhüllung, und für niemanden ist erkennbar, dass der Schöpfer Gutes tut. Der Schöpfer Selbst hat diese Verhüllung bewirkt, damit Tora und Mizwot wie Staub schmecken – einzig, um dem Menschen Raum für die Wahl zu geben.

Denn nur dort, wo eine Wahl möglich ist, gibt es Glauben. Wo jedoch Wissen herrscht, das heißt eine offenbare Lenkung, gibt es keinen Raum für die Wahl, also für den Aspekt des Glaubens. Daraus folgt, dass der Mensch all dies verursacht hat. Denn bevor er des Aspekts des Glaubens – des vollkommenen Glaubens – würdig wird, muss ihm die heilige Shechina wie Staub erscheinen. Darüber muss er betrübt sein. Darin liegt die Bedeutung von: „Ist er würdig, gibt er sich selbst [zur Seite des Verdienstes] den Ausschlag.“9 Und das genügt dem Verstehenden.

2. Ob dies wahr ist: Besteht das Ziel des Menschen wirklich allein im Nutzen für den Schöpfer, sodass er ohne dieses Ziel nicht in der Welt sein und nur für sich selbst leben will? Er soll seinen wahren Zustand ohne jeden Kompromiss prüfen und nur die Wahrheit sehen. Wenn er erkennt, dass der Körper die Rechnung aufstellt, es lohne sich, für sich selbst zu leben, also sich selbst Genuss zu bereiten, dann gibt es Raum für ein Gebet zum Schöpfer. Denn dann erkennt er seine eigene Niedrigkeit. Und das genügt dem Verstehenden.

3. Sich mit Worten der Tora beschäftigen. Dies soll gerade im Aspekt der Vollkommenheit geschehen, wie mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte: „Der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten an.“10

Wenn man sich mit der Tora beschäftigt, muss man daher Leuchten heranziehen; dann ist die Zeit der Vollkommenheit. Denn wir müssen glauben, was unsere Weisen sagten: „Von Mattana nach Nachaliël.“11 Die Tora wird als Geschenk (Mattana) bezeichnet. Dass dem Menschen gegeben wird, auch nur einen Augenblick am Tag zu lernen, zu beten und Mizwot zu erfüllen, ist ebenfalls ein Geschenk des Schöpfers.

Denn es gibt mehrere Milliarden Menschen auf der Welt, denen der Schöpfer nicht die Gelegenheit gegeben hat, auch nur einen Augenblick im Jahr an Ihn zu denken. Deshalb muss man während der Beschäftigung mit der Tora in Freude sein; denn nur durch Freude wird man würdig, das Leuchten der Tora heranzuziehen. Und das genügt dem Verstehenden.

Auch die Tora sollst du in zwei Zeiten einteilen:

1. einfaches Lernen, wie man lernt, um die einfache Bedeutung der Sache zu verstehen;

2. versuche, dich so eingehend wie möglich damit zu befassen, damit der Schöpfer dir hilft, die Innerlichkeit der Dinge zu verstehen. Indem du dich in die Sache vertiefst, um sie zu verstehen, bereitest du dir Kelim, in denen du die Innerlichkeit empfangen kannst. Auf dieselbe Weise sollst du auch das Gebet einteilen …

Möge der Schöpfer unsere Augen erleuchten, und mögen wir der Tora des Schöpfers würdig werden – wie man aus der Knechtschaft zur Erlösung gelangt.

Dein Freund, Baruch Shalom HaLevi

Sohn meines Vaters und Lehrers Baal HaSulam

korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026


  1. Nach dem gregorianischen Kalender: 7. Juli 1956. 

  2. Traktat Awot 6,4. 

  3. Traktat Awot 6,1. 

  4. Gebet, das unmittelbar nach dem Erwachen gesprochen wird. 

  5. Traktat Ketubot 16a. 

  6. Traktat Kidushin 30b. 

  7. Traktat Schabbat 104a. 

  8. Sohar, Noach, Punkt 63. 

  9. Siehe Traktat Kidushin 40b. Rabbi Elazar, Sohn des Rabbi Shimon, sagt: Weil die Welt nach der Mehrheit gerichtet wird und der Mensch nach der Mehrheit gerichtet wird, ist der glücklich zu preisen, der eine Mizwa erfüllt hat, denn er hat sich selbst und die ganze Welt auf die Waagschale des Verdienstes geneigt. 

  10. BeReshit Raba 59,9. 

  11. Bemidbar (4. Buch Mose) 21,19.