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Brief 77

B“H, Sonntag, Wochenabschnitt Ki Tissa, 16. Adar I 5733 (18. Februar 1973), hier in Bnei Brak

An meinen Freund …

Deinen Brief habe ich zusammen mit 18 usw. erhalten. Was die Gemeinschaft betrifft, so ist bekannt: „Wie im Wasser das Angesicht dem Angesicht entspricht“ usw. Das heißt: Wenn der Mensch seine eigene Niedrigkeit empfindet, dann deshalb, weil er die Größe des Schöpfers empfindet. Denn es ist der Lauf der Welt: Was man einem anderen gibt, fällt sehr gering aus, wenn dieser von geringem Rang ist.

Wenn man daher Spenden sammelt, sucht man gewöhnlich angesehene Menschen von hohem Rang. Denn nach der Bedeutung des Empfängers bemisst sich auch das, was man ihm gibt. Wenn der Mensch dem Schöpfer geben will, kommt deshalb der Böse Trieb (Jezer haRa) und führt ihm den Zustand „Shechina [göttliche Gegenwart] im Staub“ vor Augen. Das bedeutet: Was man gibt, reicht aus; mehr braucht man nicht zu geben.

Bei jemandem hingegen, der für seine Arbeit eine Gegenleistung erhalten will, ist es umgekehrt. Er misst dem Gebenden große Bedeutung bei und sagt sich: „Er ist gewiss gut, tut Gutes und ist barmherzig.“ Alle guten Eigenschaften schreibt er dem Gebenden zu, weil er möchte, dass Er ihm alles Gute schenkt.

Bei all jenen, deren Arbeit auf einer Gegenleistung beruht, spielt es daher keine Rolle, ob diese Gegenleistung materiell oder spirituell ist – ob der Mensch sie sich also als etwas Spirituelles vorstellt. Entscheidend ist nur, dass sie eine Gegenleistung und ein Ersatz für seine Arbeit darstellt. Dann kann er den Gebenden schon mit ein wenig Nachdenken und Anstrengung als bedeutend und kostbar ansehen.

Auf dem Weg meines Vaters und Lehrers hingegen besteht die ganze Grundlage darin, dass der Mensch darum bitten muss, dass all sein Denken und Wollen ausschließlich dem Schöpfer zugutekommt. Dann entsteht sofort das Bild der Niedrigkeit, das „Shechina im Staub“ genannt wird. Deshalb darf man sich von den Abstiegen nicht beirren lassen, denn Groschen für Groschen fügt sich zu einer großen Summe.

Das ist so, wie wir gelernt haben: „Im Spirituellen gibt es keine Abwesenheit.“ Vielmehr zieht sich etwas nur vorübergehend zurück, damit Raum bleibt, in der Arbeit voranzuschreiten. Denn jeder Augenblick, den man für die Heiligkeit klärt, geht bereits in den Bereich der Heiligkeit ein. Der Mensch steigt nur ab, um weitere Funken der Heiligkeit zu klären.

Doch für den Menschen gibt es einen Rat: Er sollte nicht warten, bis man ihn von seiner Stufe herabsetzt, sodass er erst dann, wenn er seine Niedrigkeit spürt, wieder aufsteigt. Dieser Aufstieg gilt als Klärung eines Teils für die Heiligkeit. Vielmehr steigt er von sich aus hinab, hebt andere Funken empor und bringt sie in den Bereich der Heiligkeit.

So sagten unsere Weisen: „Was ich noch nicht verloren habe, suche ich“ (Traktat Schabbat 152). Das heißt: Noch ehe ich meinen gegenwärtigen Zustand verliere, beginne ich zu suchen. Ebenso sagte mein Vater und Lehrer über König David, der sprach: „Ich wecke die Morgenröte.“ Unsere Weisen deuteten: „Ich wecke die Morgenröte; nicht die Morgenröte weckt mich.“

Die eigentliche Wachsamkeit ist daher während des Aufstiegs nötig und nicht während des Abstiegs. Beim Aufstieg muss man die Eigenschaft der Ehrfurcht heranziehen, damit wir, Gott bewahre, nicht nach außen verstoßen werden. Nach alledem aber bleibt uns nichts, als zum König zu schreien und Ihn zu bitten, Sich ein für alle Mal über uns zu erbarmen.

Damit will ich meinen Brief beenden, denn ich bin es nicht gewohnt, Briefe zu schreiben.

Baruch Shalom HaLevi

Sohn meines Vaters und Lehrers Baal HaSulam

korrigiert, EY, Buchfassung, final, 16.09.2026