387. Über einen redlichen und einen unredlichen Richter
Mishpatim 5741 [Januar 1981]
Baal HaTurim [ein Kommentator der Tora] erklärt den Ausspruch: „Der Abschnitt über die Richter steht nicht ohne Grund neben dem Abschnitt über den Altar. Dies soll dir sagen: Wenn jemand einen redlichen Richter einsetzt, ist es, als hätte er einen Altar gebaut.“ Er leitet dies aus den Worten unserer Weisen ab: „Wenn jemand einen unredlichen Richter einsetzt, ist es, als hätte er neben dem Altar eine Opferstätte errichtet.“1 Daraus folgt: Wenn jemand einen redlichen Richter einsetzt, ist es, als hätte er einen Altar gebaut.
Um seine Worte zu verstehen, müssen wir erklären, was ein Altar und was ein Richter ist, warum ein unredlicher Richter dem Pflanzen einer Aschera (Kultpfahl einer fremden Gottheit) beim Altar gleicht und was eine Aschera ist.
Mit dem Begriff „Richter“ verhält es sich so, wie unsere Weisen sagten: „Kein Unheil kommt in die Welt, außer wegen der Richter Israels.“2 Man muss fragen: Gibt es denn keine größeren Frevler als die Richter Israels, sodass ihretwegen Unheil über die Welt kommt?
Vielmehr verhält es sich so, wie wir schon mehrfach den Vers erklärt haben: „Richter und Aufseher sollst du dir in all deinen Toren einsetzen.“ Bei allem, was ein Mensch erwägt – ob es sich lohnt, eine Handlung auszuführen oder nicht –, hat er Richter: Gedanken und Ansichten, die zur einen oder zur anderen Seite neigen.
Diese heißen „Richter Israels“. In jedem Menschen gibt es Richter, die jede Sache danach beurteilen, ob sie sich lohnt. Ist es ein redlicher Richter, gilt dies als das Bauen eines Altars. Im heiligen Sohar wird der Altar Malchut genannt, denn Malchut steht für etwas Beständiges.
Und damit ist gemeint, dass der Mensch dadurch den Bösen Trieb (Jezer haRa) opfert, wie unsere Weisen sagten: „Wer leben will, muss sich selbst abtöten.“ Ebenso heißt es: „Die Tora hat nur in dem Bestand, der sich um ihretwillen selbst abtötet.“ Denn bevor ein Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt, gilt er als „Nichtjude“, und es ist verboten, Götzendiener die Tora zu lehren. Wie mein Vater und Lehrer sagte, bedeutet „verboten“ überall, dass etwas unmöglich ist, selbst wenn man es will.
Ist jemand also ein redlicher Richter, ist es, als hätte er einen Altar gebaut. Ist er dagegen ein unredlicher Richter, ist es, als hätte er eine Aschera gepflanzt – einen Götzendienst beim Altar. Mit anderen Worten: Wo er einen Altar bauen sollte, errichtet er Götzendienst und behauptet, dies sei ein Altar.
Das Wort Aschera kommt vom Wort Osher (Glück). Wenn sich ein Mensch durch seine Arbeit mit Tora und Mizwot (Gebote) glücklich fühlt, sind Körper und Verstand sich einig, dass diese Arbeit sich lohnt. Stimmt der Verstand jedoch nicht zu, ist der Mensch unfähig, über dem Verstand zu handeln. Deshalb nennt man dies Götzendienst in Gestalt der Aschera.
Ein Altar dagegen erfordert, das Joch des Königtums des Himmels über dem Verstand auf sich zu nehmen. Dies heißt „redlicher Richter“: Er kann entscheiden, dass man über dem Verstand gehen muss, und sein äußerer Verstand gibt nicht den Ausschlag. Ein „unredlicher Richter“ hingegen meint, alles müsse seiner eigenen Vernunft folgen – also innerhalb des Verstandes geschehen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026