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390. Die Stufe Itkafia und die Stufe Itapcha

„Und sie sollen Mir eine Hebegabe nehmen: Von jedem Menschen, dessen Herz ihn dazu bewegt, sollt ihr Meine Hebegabe nehmen.“1 Rashi erklärt2: „Mir“ bedeutet „für Meinen Namen“. „Dessen Herz ihn dazu bewegt“, erklärt Rashi, bezeichnet eine freiwillige Gabe und guten Willen.

Folgendes ist zu verstehen:

1) „Nehmen“ bedeutet, etwas gegen den Willen zu nehmen. „Dessen Herz ihn dazu bewegt“ bezeichnet dagegen guten Willen. Das steht also im Widerspruch zu „sie sollen nehmen“.

2) Warum steht dort „Meine Hebegabe“? Das klingt, als wäre sie bereits die Hebegabe des Schöpfers. Es hätte heißen müssen: „Von dem, dessen Herz ihn dazu bewegt, sollt ihr eine Hebegabe nehmen.“ Was bedeutet also „Meine Hebegabe“?

3) Was bedeutet „für Meinen Namen“?

4) Außerdem ist die bekannte Frage zu dem Vers zu klären: „An jedem Ort, an dem Ich Meinen Namen erwähnen werde.“ Es hätte heißen müssen: „an dem du Meinen Namen erwähnen wirst.“3

Der Sinn ist, dass es zwei Stufen gibt: Itkafia (Bezwingung gegen den eigenen Willen) und Itapcha (Umwandlung). Dazu passt die Aussage unserer Weisen in Awot de-Rabbi Natan4: „Wer ist ein Held? Wer seinen Feind zu seinem Freund macht.“

Als „Held“ gilt, wer seinen Bösen Trieb (Jezer haRa) bezwingt. Dies wird die Stufe Itkafia genannt, weil es gegen seinen Willen geschieht. Das ist der Sinn von „sie sollen nehmen“: gegen den eigenen Willen. Danach wird zugesichert, dass ihr zu Itapcha gelangt, sodass der Feind zum Freund wird.

Das bedeuten die Worte „von jedem Menschen, dessen Herz ihn dazu bewegt“: Danach wird er guten Willen haben. Dazu erklärte mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam, eine Aussage im Sohar5: „Wenn einer geboren wird, gibt man ihm eine Nefesh (Seele) von der Seite eines reinen Tieres.“ Das bedeutet, dass seine tierische Seele einwilligen wird, auf den Wegen des Schöpfers zu gehen.

Baal HaSulam sagte: Wenn ein Mensch geboren wird und in die Heiligkeit (Kedusha) eintritt, zeigt sich dies daran, dass er einer Nefesh von der Seite eines reinen Tieres würdig geworden ist. Seine tierische Seele stimmt bereits zu, auf den Wegen des Schöpfers zu gehen. Dies wird Itapcha genannt. Es ergibt sich, dass der Mensch zunächst gegen seinen Willen nehmen muss, obwohl sein Körper nicht zustimmt, auf dem Weg der Wahrheit zu gehen, der „Mir – für Meinen Namen“ heißt.

Wenn man dem Menschen sagt, er muss einen Weg gehen, auf dem alles um des Himmels willen geschieht, widersetzt sich der Körper. Später wird er jedoch des Zustands „dessen Herz ihn dazu bewegt“ würdig, das heißt, der Körper wird zustimmen. So sind die Worte zu verstehen: „dessen Herz ihn dazu bewegt, sollt ihr Meine Hebegabe nehmen.“ Was anfangs im Zustand „sollt ihr Meine Hebegabe nehmen“, also um des Himmels willen, geschah, wird später zum Zustand „dessen Herz ihn dazu bewegt“ und geschieht aus gutem Willen.

Rashis Erklärung „Mir – für Meinen Namen“ bedeutet: In Wahrheit hat der Mensch dem Schöpfer nichts zu geben. So steht geschrieben: „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“6 Der Mensch kann dem Schöpfer nur seine Absicht geben; sie heißt „für Meinen Namen“. Mehr hat er Ihm nicht zu geben. Denn dem Schöpfer fehlt nichts, das man Ihm geben könnte; alles, was man Ihm gibt, ist allein die Absicht.

Auch die Absicht um des Himmels willen dient nicht dem Schöpfer, sondern dem Menschen. Dadurch wird der Mensch alle Genüsse empfangen, ohne dass daraus das Brot der Schande (Nahama deKisufa) entsteht. Denn durch die Angleichung der Form gelangt er aus dem Zustand des Empfangenden in den des Gebenden. Dann kann er alle Genüsse empfangen.

Dies wird „für Meinen Namen“ genannt. Wenn der Schöpfer sagen kann, dass dieser Ort „Mein Name“ ist, weil der Mensch gesagt hat, dass er nichts zum eigenen Nutzen will, sondern alles für den Schöpfer, dann kann der Schöpfer dort Seinen Namen erwähnen, denn der Mensch hat seinen eigenen Herrschaftsbereich annulliert und den Ort für Seinen Namen bereitet.

Dann gilt: „Ich werde zu dir kommen und dich segnen.“7 Nun kann der Segen des Schöpfers dorthin kommen – all das, womit der Schöpfer Seinen Geschöpfen Gutes tun will.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 2. Mose 25:2. ↩

  2. Rashi zu 2. Mose 25:2. ↩

  3. 2. Mose 20:24 (hebräische Verszählung: 20:21). ↩

  4. Awot de-Rabbi Natan. ↩

  5. Sohar; im Quelltext ohne nähere Stellenangabe. ↩

  6. Ijob 35:7. ↩

  7. 2. Mose 20:24 (hebräische Verszählung: 20:21). ↩