412. Das Gelübde eines Nasiräers, sich dem Ewigen zu weihen
Nasso 5739 [Juni 1979]
„Das Gelübde eines Nasiräers, sich dem Ewigen zu weihen.“1 Rashi erklärt, „dem Ewigen“ bedeute „um des Himmels willen“. Die Kommentatoren erläutern, dass er sich nicht deshalb des Weins enthält, weil dieser seiner Gesundheit schadet oder ihn betrunken macht und ihm dadurch Demütigungen einbringt. Vielmehr versteht er, dass er sich dadurch dem Schöpfer nähert. Hier gilt das Gesetz der Unreinheit. Denn dann heißt es: „Die früheren Tage verfallen.“2 Er kehrt zum Anfang zurück und muss seine Arbeit von Neuem beginnen.
Erklärung: Wein weist auf überflüssige Genüsse hin. Gemeint ist dabei nicht unbedingt nur Wein. Im Sinne der ethischen Lehre steht Wein vielmehr für das, was der Mensch über das Notwendige hinaus genießt. Wenn er sich dessen enthält, stellt sich die Frage, aus welchem Grund er auf solche Genüsse verzichten und sich mit wenig begnügen will: weil er auf eine größere Gegenleistung, auf Ehre oder Ähnliches hofft, oder sogar, weil er hofft, dadurch in der Kommenden Welt belohnt zu werden.
Selbst aus all diesen Gründen fällt es dem Menschen noch schwer, auf überflüssige Genüsse zu verzichten. Dennoch tritt die Unreinheit – also der Abstieg von seiner Stufe – nicht so häufig ein, weil seine Arbeit auf Belohnung beruht.
Anders ist es, wenn er um des Himmels willen handelt. Dann tritt die Unreinheit – der Abstieg von seiner Stufe – häufiger ein. Wenn er fällt, also unrein wird, kommt die Unreinheit manchmal plötzlich, wie geschrieben steht: „Wenn aber ganz plötzlich jemand neben ihm stirbt und dadurch das Haupt des Nasiräers unrein wird“3 und so weiter.
Das geschieht häufig, weil sich der Körper der Wahrheit widersetzt. Denn er kann nicht verstehen, wie man arbeitet, ohne die Absicht, eine Belohnung zu empfangen. Dann ergeht das Gebot, dass der Mensch seine Arbeit von Neuem beginnen muss. Er darf also nicht von der Stelle an rechnen, an der er aufgehört hat. Denn dies zeigt, dass er das Joch des Königtums des Himmels noch nicht auf die richtige Weise auf sich genommen hat. Deshalb muss er von Neuem beginnen und das Joch des Königtums des Himmels erneut auf sich nehmen. Darüber steht geschrieben: „Die früheren Tage verfallen.“4
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026