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421. Über die Kundschafter

Shlach 5739 [Juni 1979]

„Wenn alle Einwohner der Stadt einen Tora-Gelehrten lieben, dann deshalb, weil er sie in Angelegenheiten des Himmels nicht zurechtweist.“1

Wenn der Körper eines Menschen seinen eigenen Tora-Gelehrten achtet – wenn ihm also wichtig ist, dass er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt –, dann deshalb, weil dieser ihn in Angelegenheiten des Himmels nicht zurechtweist. Sein Tora-Gelehrter sagt dem Körper nämlich nicht, dass man arbeiten muss, um zu geben.

Denn wenn der Tora-Gelehrte ihm sagt, dass alle seine Handlungen mit der Absicht geschehen müssen, nicht dem eigenen Nutzen zu dienen, dann hassen die Einwohner der Stadt – also der Körper, die „kleine Stadt“2 – den Tora-Gelehrten. Denn wenn er dem Körper, also dem Verlangen zu empfangen, sagt, dass er nicht zum eigenen Nutzen arbeiten soll, widersetzt dieser sich.

Wenn also der eigene Körper eines Menschen mit dessen Arbeit einverstanden ist, ist das ein Zeichen dafür, dass er nicht auf dem Weg der Wahrheit geht. Wenn er dann sieht, dass der Körper nicht einverstanden ist und einwendet: „Was soll euch dieser Dienst?“3, lautet die Antwort: „Was verlangt der Ewige, dein Gott, von dir? Nur Mich zu fürchten.“4 Dann braucht der Mensch den Schöpfer, damit Er ihm hilft, sodass er auf dem Weg der Wahrheit gehen kann. Und wenn er das wahre Gebet spricht, gilt: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“5

Der Sohar sagt, dass man ihm von oben eine Seele gibt; dadurch erhält er die Kraft, auf dem Weg der Wahrheit zu gehen. So werden seine Kelim (Gefäße) tauglich, und er kann damit belohnt werden, dass die Seele des Schöpfers in seinem Inneren leuchtet. Nur dadurch kann man diesen Weg gehen. Wenn er dagegen den Weg der Tora und der Mizwot geht und der Körper ihm keine Hindernisse bereitet, braucht er die Seele des Schöpfers von oben nicht zu erlangen.

„‚Lauter Männer‘6 – das heißt, sie alle waren Gerechte und Anführer Israels. Doch sie gaben sich selbst einen schlechten Rat. Sie sagten: ‚Wenn Israel in das Land einzieht, werden wir als Anführer abgesetzt, und Moses wird andere Männer ernennen.‘.“

Daher stellt sich die Frage: Wenn sie Gerechte waren, weshalb gaben sie sich dann einen schlechten Rat? Wie an mehreren Stellen erklärt wird, aß Israel während der Wüstenwanderung Brot vom Himmel. Dies entspricht den „verdeckten Chassadim (Gnaden)“. Wenn sie die Anführer sind, geben sie der Allgemeinheit [die Kraft], auf dem geraden Weg zu gehen.

Das Land Israel jedoch entspricht Malchut und damit den „offenbarten Chassadim“. Darum sind sie nicht in der Lage, Anführer zu sein. Moses wird Anführer ernennen, die zu den offenbarten Chassadim gehören. Da offenbarte Chassadim in Gefäßen des Empfangens empfangen werden, heißt es, dass sie keinerlei Möglichkeit haben werden, zu empfangen, um zu geben. Deshalb hielten sie den Weg, Gefäße des Empfangens zu benutzen, für gefährlich.

Dies wird „üble Nachrede“ genannt: Sie sagten die Wahrheit. Worin bestand dann ihre Sünde? Sie hätten nur glauben müssen, dass es dem Menschen zwar von Natur aus unmöglich ist, zu empfangen, um zu geben, der Schöpfer ihnen jedoch helfen kann, dies zu erlangen. Innerhalb des Verstandes sagten die Kundschafter also die Wahrheit. Was ihnen fehlte, war [der Glaube] über dem Verstand, dass der Schöpfer ihnen helfen kann, dies zu erlangen.

Deshalb ist üble Nachrede so schwerwiegend, obwohl sie wahr ist: Sie geht auf die Wurzel der Kundschafter zurück. Wenn ein Mensch nicht auf dem Weg der Wahrheit gehen kann, rührt das immer daher, dass er nicht über dem Verstand gehen kann.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Talmud, Ketubot 105b. ↩

  2. Prediger 9:14. ↩

  3. 2. Mose 12:26. ↩

  4. 5. Mose 10:12. ↩

  5. Talmud, Schabbat 104a. ↩

  6. 4. Mose 13:3. ↩