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436. Drei Gebete – 1

Juli 1978

„Doch drei werden Gebet genannt: ‚Ein Gebet von Moses, dem Mann Gottes‘ – ein Gebet, dem bei keinem anderen Menschen etwas gleichkommt; ‚ein Gebet von David‘ – ein Gebet, dem bei keinem anderen König etwas gleichkommt; und das Gebet eines Armen – das ist ein Gebet. Welches dieser drei Gebete ist das wichtigste? Man muss sagen: das Gebet eines Armen. Dieses Gebet kommt vor dem Gebet von Moses, vor dem Gebet von David und vor allen übrigen Gebeten der Welt.“

Der Sohar fragt: „Warum ist das so? Weil der Arme gebrochenen Herzens ist. Es steht geschrieben: ‚Der Ewige ist denen nahe, die gebrochenen Herzens sind.‘ Der Arme streitet ständig mit dem Schöpfer, und der Schöpfer hört ihm aufmerksam zu und vernimmt seine Worte. Denn wenn der Arme betet, öffnet er alle Fenster des Himmels. Alle übrigen Gebete, die nach oben aufsteigen, hält dieser Arme mit dem gebrochenen Herzen zurück, wie geschrieben steht: ‚Ein Gebet des Armen, wenn er einhüllt (ya’atof).‘

„Es hätte heißen müssen: ‚wenn er sich einhüllt (yit’atef)‘. Was bedeutet also ‚wenn er einhüllt (ya’atof)‘? Die Erklärung lautet: Er bewirkt eine Verzögerung; er hält alle Gebete der Welt auf, sodass sie nicht eintreten, bevor sein Gebet eingetreten ist. Atufa bedeutet ‚Verzögerung‘, wie in den Worten: ‚Die Spätgeborenen (haAtufim) aber gehörten Laban‘.“1

Wir haben also das Gebet von Moses, das Gebet von David, die übrigen Gebete und das Gebet eines Armen. Worin unterscheiden sie sich? Welche Bedeutung hat es, dass der Arme mit dem Schöpfer streitet? Was bedeutet, dass er die anderen Gebete aufhält? Es klingt, als gäbe es eine Warteschlange, in der einer nach dem anderen kommt. Oder herrscht etwa vor Ihm ein Durcheinander?

1) Worin unterscheiden sich das Gebet von Moses, das Gebet von David, die übrigen Gebete und das Gebet eines Armen?

2) Welche besondere Stellung hat der Arme dadurch, dass er mit dem Schöpfer streitet?

3) Was bedeutet, dass er alle Gebete aufhält, bis sein Gebet angenommen wird? Es klingt, als müsse man sich, während der Arme betet, ausschließlich mit ihm befassen und könne in dieser Zeit die Gebete der übrigen Menschen nicht beantworten.

Gebet wird als „Arbeit im Herzen“ bezeichnet, also als Mangel, den das Herz empfindet. Manchmal spürt ein Mensch, dass ihm Tora fehlt, die der Eigenschaft von Moses entspricht. Manchmal spürt er, dass ihm die Eigenschaft des Messias fehlt. Er sorgt sich also darum, dass die Erlösung noch nicht zu ganz Israel gekommen ist; dies wird als die Eigenschaft von David, dem messianischen König, bezeichnet. Ebenso verhält es sich mit den übrigen Gebeten: Jeder betet entsprechend dem, was er empfindet.

Es gibt jedoch ein Gebet, bei dem der Mensch empfindet, dass er gar nichts hat und tatsächlich einem Tier gleicht. Er besitzt weder Glauben noch Ehrfurcht vor dem Himmel, obwohl dies die ganze Grundlage des Judentums ist. Deshalb streitet er mit dem Schöpfer: Warum hat Er ihn als Menschen erschaffen? Der Mensch legt also vor sich selbst Rechenschaft ab und sorgt sich voller Schmerz um seinen Zustand. Er sieht, dass ihm nichts fehlt außer dem, was seinem eigenen Nutzen dient, und dass er kein Empfinden für den anderen hat, außer wenn es um seinen eigenen Nutzen geht.

Darüber beklagt er sich gleichsam beim Schöpfer: Warum hat Er ihn als Menschen erschaffen, mit Verstand und Herz, die der Welt einen Nutzen bringen sollten? Beide jedoch, Verstand und Herz, sind nur mit seinem eigenen Nutzen beschäftigt. Und wenn Er ihn als Menschen erschaffen hat, warum empfindet er dann nicht die Existenz des Schöpfers?

Er will glauben, doch sein Herz ist abgestumpft, und sein Glaube vermittelt ihm keinerlei Empfindung, durch die er erkennen und spüren könnte, wie unsere Weisen sagten: „Wisse, vor wem du stehst.“ Wenn er mit Menschen spricht, ja sogar mit Vieh, Tieren oder Vögeln, empfindet er, dass er mit jemandem spricht. Wenn er jedoch mit dem Schöpfer spricht oder die Tora des Schöpfers lernt, empfindet er die Existenz des Schöpfers nicht.

Daraus folgt, dass er nichts hat, denn ihm fehlt die eigentliche Grundlage: der Glaube an den Schöpfer. Daher kann er seine Absicht nicht darauf ausrichten, um zu geben. Er empfindet die Größe des Schöpfers nicht so, dass es sich für ihn lohnen würde, sich selbst und seinen ganzen Besitz vor dem Schöpfer zu annullieren.

Ständig beklagt er sich und streitet: Warum verbirgt Sich der Schöpfer vor ihm, sodass er Ihn nicht empfindet? Und ständig beklagt er sich: Warum hat der Schöpfer ihn verlassen? Das heißt, warum gibt der Schöpfer ihm Raum zu sagen, der Schöpfer habe ihn erschaffen und ihn anschließend sich selbst überlassen?

Danach gelangt er in den Zustand der Geburt, also in seinen eigenen Herrschaftsbereich. Das ist die Zeit, in der ein Mensch empfindet, dass er in der Welt eine vom Schöpfer getrennte Wirklichkeit ist und unter eigener Herrschaft steht. Er muss glauben, dass der Schöpfer ihm ganz nahe ist, doch dieser Glaube ruht nicht auf ihm. Dann klagt er: Warum hat der Schöpfer es so eingerichtet, dass ihm die Kraft des Glaubens fehlt, mit der er glauben könnte, dass der Schöpfer an seiner Seite steht? So steht geschrieben: „Denn das Wort ist dir sehr nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun.“

Bevor der Mensch auf dieses Gebet des Armen eine Antwort erhalten hat, kann man daher nicht sagen, dass der Schöpfer ihm auf das Gebet von Moses antwortet, das der Eigenschaft der Tora entspricht. Denn noch fehlt ihm der Glaube, die erste Grundlage. Ebenso wenig kann sein Gebet um Erlösung erhört werden, und dasselbe gilt für die übrigen Gebete, solange ihm die Grundlage fehlt, dass der Schöpfer überhaupt ein Gebet hört. Deshalb kann kein Gebet angenommen werden, solange das Gebet des Armen noch nicht erhört wurde.

Das bedeutet, dass es alle Gebete aufhält. Gemeint ist nur eines: Kein Gebet wird angenommen, bevor sein Gebet angenommen wurde, denn dieses ist die Grundlage. Danach kann ihm auch in den übrigen Dingen geholfen werden.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Sohar, Balak, Sulam, S. 71. ↩