437. Das Hohepriestertum
Der heilige Sohar erklärt, warum Pinchas das Hohepriestertum zugesprochen werden musste, wie geschrieben steht: „weil er für seinen Gott eiferte.“ Denn jeder Priester, der einen Menschen getötet hat, ist für immer vom Priestertum ausgeschlossen, da er seine Stufe zweifellos untauglich gemacht hat.
Der Sulam (Leiter-Kommentar) erklärt, dass das Priestertum Chessed (Gnade) ist und die Tötung eines Menschen dessen Gegenteil. Da Pinchas Simri und Kosbi getötet hatte, war er nach dem Gesetz nicht mehr zum Priestertum zugelassen. Weil er jedoch für den Schöpfer eiferte, musste ihm und seinen Nachkommen das ewige Priestertum neu verliehen werden.1
Wir müssen verstehen: Wenn ein Priester die Stufe von Chessed verkörpert, weil er sich mit den Opfern befasst und für jeden Einzelnen aus Israel Vergebung erwirkt – denn alle Sünden gehen aus den Gefäßen des Empfangens hervor –, dann verfügt der Priester, der die Eigenschaft von Chessed besitzt und dessen ganzes Anliegen das Geben ist, über die Kraft, eine Annäherung herbeizuführen. Diese wird „Angleichung der Form“ genannt: Der Sünder erwirbt durch die Opferhandlungen die Eigenschaft von Chessed. Anders ist es, wenn ein Priester einen Menschen tötet. Denn jede Tötung geschieht gerade dadurch, dass ein Mensch sich an jemandem rächen will, der ihm Leid zufügt.
Außerdem ist der Tod das Gegenteil des Lebens. Heiligkeit (Kedusha) wird „Leben“ genannt. Wenn ein Mensch eine Handlung vollzieht, die dem Leben entgegengesetzt ist, haftet er an der Klipa (Schale) an. Wie kann er dann den Sünder der Heiligkeit näherbringen, die als Leben gilt?
Da der Mensch alle Opfer zur Vergebung allein dazu darbringt, am Leben allen Lebens anzuhaften, also zur Angleichung der Form zu gelangen, müssen wir verstehen: Warum wurde Pinchas später das Priestertum verliehen, weil er für den Schöpfer eiferte, obwohl doch die Eigenschaft von Chessed bei ihm beschädigt worden war?
Dies ist so zu erklären: Als Pinchas für den Schöpfer eiferte, wusste er, dass er Priester werden sollte, denn er war der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters. Die Bedeutung des Priesters ist sehr groß. Wir sehen schon daran, dass der Priester im Allerheiligsten seine Absicht auf den Gottesnamen richten kann, was keinem anderen Menschen möglich ist.
Dies entspricht der Vereinigung von AShaN: Olam (Welt), Shana (Jahr) und Nefesh (Seele). Bekanntlich bezeichnet „Welt“ den Ort, und zwar gerade den Ort des Allerheiligsten. „Jahr“ bezeichnet die Zeit, und zwar gerade Jom Kippur (den Versöhnungstag). „Seele“ bezeichnet den Hohepriester. Nur durch die Vereinigung von Olam, Shana und Nefesh konnte er seine Absicht auf den ausdrücklichen Gottesnamen richten. Darüber hinaus besitzt der Hohepriester noch viele weitere Vorzüge.
Als Pinchas sah, was in Israel geschah, handelte er in der Eigenschaft von Chessed, der Eigenschaft des Priesters. Seine gesamte Absicht war nur auf das Geben gerichtet, obwohl er wusste, dass er sein Priestertum verlieren würde. Auch sein körperliches Leben war in Gefahr. Dennoch vollzog er eine Handlung des Gebens zum Wohl der Allgemeinheit, damit sie aus der damaligen Gefahr gerettet wurde.
Daraus folgt, dass er sich damals gerade mit Handlungen des Gebens und nicht des Empfangens befasste. Deshalb wurde ihm das Priestertum zurückgegeben. Denn die Tötung war keine Handlung, die dem Leben allen Lebens entgegengesetzt war. Vielmehr sollten durch diese Handlung von Chessed alle sehen und von ihm lernen, am Leben allen Lebens anzuhaften. Das bedeutet: „weil er für seinen Gott eiferte.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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S. 7, Punkt 21. ↩