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414. Das Gesindel in ihrer Mitte begehrte eine Begierde

„Das Gesindel in ihrer Mitte begehrte eine Begierde … unsere Augen sehen nichts als das Manna.“1

Es ist zu fragen:

1) Was bedeutet „begehrte“? Eine Begierde ohne nähere Bestimmung? Es hätte heißen müssen: „begehrte Fleisch.“

2) In welchem Zusammenhang steht die Bitte um Fleisch damit, dass sie Fisch aßen?

3) Was bedeutet der Ausdruck „umsonst“?

4) Sie beklagten sich doch nicht über die aufgezählten Arten, sondern nur über das Fleisch. Wozu wurden all diese Arten dann aufgezählt?

5) Rashi2 erklärt: „Hatten sie denn kein Fleisch? Vielmehr suchten sie einen Vorwand.“ Dazu ist zu verstehen: Wer einen Vorwand sucht, bittet gewöhnlich nicht um etwas, das man ihm sofort geben kann – nämlich um Fleisch, das ihnen zur Verfügung stand.

Um all dies zu erklären, betrachten wir zunächst, welche Kategorien bei Menschen gelten, die eine Übertretung begehen: „aus Trotz“ und „aus Begierde“. Dazwischen gibt es eine mittlere Kategorie: Obwohl der Mensch keine Begierde verspürt, sucht er nach Arzneien und Hilfsmitteln, die in ihm Begierde wecken, damit er Genuss empfindet.

Von „aus Begierde essen“ spricht man, wenn ein Mensch seinen Trieb nicht bezwingen kann, weil ihn die Begierde stachelt. In der mittleren Kategorie sucht er dagegen erst nach einer Begierde, damit er genießen kann. Das ist schlimmer als bei jemandem, der bereits Begierde verspürt.

„Aus Trotz“ bedeutet dagegen: Selbst wenn jemand keinerlei Begierde verspürt, tut er es, um zu erzürnen. So sagten unsere Weisen über König Amon, der Geschlechtsverkehr mit seiner Mutter hatte. Man fragte ihn: „Welchen Genuss hast du an der Quelle, aus der du hervorgegangen bist?“ Er antwortete: „Ich tue es nur, um meinen Schöpfer zu erzürnen.“3

Nun lassen sich die obigen Worte „begehrte eine Begierde“ so erklären: Sie suchten nach Dingen, die in ihnen Begierde wecken würden, wie in der erwähnten mittleren Kategorie. Sie hatten zwar Fleisch, aber keine Begierde. In Ägypten dagegen gab es scharfe Speisen, die in ihnen die Begierde zu essen weckten.

Und deshalb heißt es „Fische umsonst“.4 Das bedeutet: Selbst wenn sie umsonst waren, ja selbst wenn man sie wegwarf, weil sie schon nicht mehr gut waren, konnten sie sogar das noch essen. Denn Knoblauch und Zwiebeln weckten in ihnen eine so starke Begierde, dass sie alles essen konnten. Anders ist es jetzt: „Unsere Augen sehen nichts als das Manna“ (Jessod haTora, Rabbi Baruch von Kossow).

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 4. Mose 11:4–6. ↩

  2. Rashi, Kommentar zu 4. Mose 11:4. ↩

  3. Babylonischer Talmud, Sanhedrin 103b. ↩

  4. 4. Mose 11:5. ↩