410. Selbstliebe und Liebe zum Schöpfer
Es gibt Selbstliebe und es gibt Liebe zum Schöpfer. Dazwischen liegt die Liebe zum Nächsten. Durch die Liebe zum Nächsten gelangt man zur Liebe zum Schöpfer. So sagte Rabbi Akiwa: „‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst1‘ ist eine große Regel der Tora.“
Ebenso sagte Hillel der Ältere zu einem Übergetretenen, der ihn bat: „Lehre mich die ganze Tora, während ich auf einem Bein stehe.“ Er antwortete ihm: „Was dir verhasst ist, das tue deinem Freund nicht an; das Übrige – geh und lerne.“2 Denn durch die Liebe zum Nächsten gelangt man zur Liebe zum Schöpfer. Dann werden einem die ganze Tora und die ganze Weisheit ins Herz gegeben.
Wie geschrieben steht: „Der Schöpfer sagte zu Israel: ‚Bei eurem Leben, die ganze Weisheit und die ganze Tora sind eine einfache Sache. Jeder, der Mir Ehrfurcht entgegenbringt und die Worte der Tora ausführt, trägt die ganze Weisheit und die ganze Tora in seinem Herzen.‘“3 Wie im Sulam, dem Leiter-Kommentar, erklärt wird, ist mit Ehrfurcht die Sorge gemeint, dass der Mensch dem Schöpfer womöglich nicht geben kann; denn wer liebt, möchte Ihm geben.
Wer daher Liebe zum Schöpfer besitzt, möchte geben. Dies wird Anhaftung (Dwekut) genannt, wie es heißt: „Und Ihm anzuhaften.“4 Dadurch übergibt ihm der Schöpfer Tora und Weisheit. So zeigt sich, dass Hillel den Übergetretenen auf einem Bein lehrte: Durch die Liebe zum Nächsten gelangt er zur Stufe der Liebe zum Schöpfer und wird dann der Tora und der Weisheit würdig.
Wenn man der Tora des Schöpfers würdig wird – also dessen, was „Tora aus dem Mund des Schöpfers“ heißt –, erkennt man, dass sie vollkommen ist und keinerlei Mangel aufweist.
„Sinai5“ – weil Hass (Sina) auf die Völker der Welt herabkam – ist ein Zeichen der Tora.
„In Deine Hand lege ich meinen Geist.“6
„Bindet das Fest7“ (Isru Chag) ist mit „Zirkel“ (Mechuga) verwandt. „Mit Stricken“ (baAwotim) bedeutet Awiut (Grobheit), wie mein Vater und Lehrer erklärte. „Bis zu den Hörnern“ bezeichnet Malchut (Königtum). „Des Altars“ bezeichnet Malchut – nämlich Malchut de Malchut. Der Mensch muss also um die vollständige Erlösung beten, die Malchut de Malchut ist.
„Das Gebet der Vielen“ bedeutet: für die Vielen. „Im Verdienst“ bedeutet: im Verdienst dessen, dass der Mensch für die Vielen beten kann.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026