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409. Über Leiden – 2

„Israel ist heilig.“ Er hat, will aber nicht; er will, hat aber nicht.1 Will er nicht um des Gebens willen handeln, hat er Tora und Mizwot sowie Ehrfurcht vor dem Himmel. Will er um des Gebens willen handeln, hat er weder Tora und Mizwot noch Ehrfurcht vor dem Himmel. Nicht um des Gebens willen handeln zu wollen, gilt als der Zustand: „Die ganze Welt sagt dir: ‚Du bist ein Gerechter.‘“2 Wer dagegen um des Gebens willen handeln will, befindet sich im Zustand: „Sei in deinen eigenen Augen wie ein Frevler.“

„Erhebt das Haupt der ganzen Gemeinde der Kinder Israels nach ihren Familien … nach der Zahl der Namen, alle männlichen Personen, Kopf für Kopf.“3 Rashi erklärt: „Ein Beka [ein halber Schekel] pro Kopf.“ Und: „So ist der Weg der Tora … Führe ein Leben voller Leiden und mühe dich in der Tora“4 usw. Was sind Leiden aus Liebe? Solche, die nicht zur Annullierung des Tora-Studiums führen.5 „Glücklich ist der Mann, den der Ewige züchtigt.“6 „Wen der Ewige liebt, den weist Er zurecht.“7

Wir müssen verstehen: Wozu brauche ich diese Leiden? Warum heißt es gerade: „Wen der Ewige liebt, den weist Er zurecht“? Was bedeutet: „Glücklich ist der Mann, den der Ewige züchtigt“? Und welche Leiden gibt es auf der Welt, die nicht zur Annullierung des Tora-Studiums führen? Schließlich hindern Leiden den Menschen daran, sich in der Tora zu bemühen. Was deutet zudem das Wort Beka an, das mit Beki’a (Spaltung) verwandt ist und sich auf den Kopf bezieht?

Bekanntlich ist das ganze Kli (Gefäß), das Genuss empfängt, die Sehnsucht – der Mangel an einer Sache. Gemeint ist eine Sache, nach der ein Mensch ein starkes Verlangen hat. Je stärker sein Verlangen danach ist, desto größer ist seine Sehnsucht. Ob das Verlangen klein oder groß ist, bemisst sich an den Leiden, die er empfindet, wenn er die Sache nicht erlangt.

Wie in der „Einführung in Talmud Esser haSefirot“8 erklärt wird, bedeutet Tora liShma: um des Lebens willen, das der Mensch in der Tora findet. Denn wenn er das Gesicht des Schöpfers in der Tora findet, findet er darin auch das Leben, wie geschrieben steht: „Denn im Licht des Angesichts des Königs ist Leben.“9

Wenn ein Mensch also Tora lernt und darin kein Leben findet, leidet er darunter. Damit ist gemeint: „Führe ein Leben voller Leiden.“ Er soll also darunter leiden, dass er das Licht des Angesichts des Schöpfers nicht findet. Dennoch hört er nicht auf, Tora zu lernen. Deshalb heißt es: „Und mühe dich in der Tora“, obwohl du Ihn nicht findest.

Je mehr er Tora lernt und dabei darauf ausgerichtet ist, Ihn zu finden, desto mehr nehmen folglich seine Leiden zu. Erreicht seine Anstrengung ein bestimmtes Maß, gilt: „Du hast dich bemüht“, dann: „Du hast gefunden“, wie dort erklärt wird. Gemeint ist, dass er das Licht des Angesichts des Königs in der Tora findet.

Durch die Leiden bildet sich in ihm somit das wahre Verlangen, das Licht des Angesichts des Königs zu empfangen, denn darin liegt Leben. Dies wird „Leiden aus Liebe“ genannt, bei denen es keine Annullierung des Tora-Studiums gibt. Denn je mehr er sich mit der Tora befasst, desto mehr nehmen seine Leiden zu.

Bei diesen Leiden kommt es also zu keiner Annullierung des Tora-Studiums, denn die Leiden entstehen gerade in dem Menschen, der Tora lernt. Wenn er keine Tora hat, hat er folglich auch keine Leiden. Wie gesagt, werden diese „Leiden aus Liebe“ genannt, weil sie das Tora-Studium nicht annullieren.

Darauf bezieht sich die Aussage: „Wen der Ewige liebt, den weist Er zurecht.“ Denn nicht jeder Mensch wird dessen würdig, darunter zu leiden, dass er den Schöpfer in der Tora nicht findet. Deshalb heißt es: „Glücklich ist der Mann, den der Ewige züchtigt.“

Der Mensch muss diese Leiden erwerben, damit in ihm ein wahres Verlangen und eine echte Sehnsucht entstehen. Denn gerade im wahren Verlangen wird der Leidenszustand sichtbar. Der Mensch hat nämlich kein anderes Kli, mit dem er den Genuss erlangen kann, als dieses Verlangen.

Mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam, erklärte den Ausdruck „ein Beka pro Kopf“ als Hinweis auf fremde Gedanken. Wenn dem Menschen ein fremder Gedanke in den Kopf fällt, verursacht dieser dort ein Beka, eine Spaltung. Erinnert sich der Mensch an all diese Spaltungen und leidet darunter, so wird bei jeder Spaltung ein heiliger Name enthüllt.

So lässt sich „die Zahl der Namen“ erklären: „Nach dem Leiden richtet sich der Lohn.“10 Die Zahl der Namen entspricht also der Zahl der Spaltungen, an die der Mensch sich erinnert und unter denen er leidet. Durch sie wird man dessen würdig, dass es heißt: „Erhebt das Haupt der Kinder Israels.“

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Traktat Chullin 7b. ↩

  2. Traktat Nida 30b. ↩

  3. 4. Mose 1:2. ↩

  4. Pirkei Awot 6:4. ↩

  5. Traktat Berachot 5a. ↩

  6. Psalm 94:12. ↩

  7. Sprüche 3:12. ↩

  8. Talmud Esser haSefirot, Punkte 96–97. ↩

  9. Sprüche 16:15. ↩

  10. Pirkei Awot 5:23. ↩