391. Der Schöpfer prüfte Ijob nicht
Samstagabend nach dem Schabbat Tezawe, 5732 [26. Februar 1972]
„Rabbi Shimon sagte: ‚Der Schöpfer prüfte Ijob nicht und stellte ihn nicht auf die Probe, wie Er die übrigen Gerechten prüfte. Denn über ihn steht nicht geschrieben: „Und Gott prüfte Ijob“ … Auch wurde ihm nicht gesagt, dass er geben soll; vielmehr wurde er durch das Urteil des Schöpfers in die Hand des Anklägers übergeben.‘.“1
Wir müssen den Unterschied zwischen Ijob, der zu den „Frommen der Völker der Welt“ gezählt wird, und Israel verstehen. Bei Ijob sehen wir, dass der Schöpfer ihn nicht prüfte; Abraham dagegen prüfte Er sehr wohl.
Wir sehen hier, dass es eine Handlung und eine Absicht gibt und dass beide Gegenstand einer Prüfung sein können. Abraham wurde sowohl in der Handlung als auch in der Absicht geprüft: ob seine Arbeit für den Schöpfer in Freude geschah, ob er sich also darüber freute, jetzt den Willen des Schöpfers zu tun. Ijob hingegen wurde nur in der Absicht und nicht in der Handlung geprüft. Denn hinsichtlich der Handlung bedeutet dies, dass der Schöpfer weiß, dass er der Prüfung gewiss nicht standhalten kann. Deshalb wurde er nur in der Absicht geprüft.
(Ebenso müssen wir dasselbe sagen: Wenn man nicht geben will und glaubt, dass alles unter der Führung des Schöpfers steht, muss man seinen Erschaffer rechtfertigen und darf die Liebe zum Schöpfer nicht dadurch beeinträchtigen, dass ihm etliche Dinge fehlen, von denen der Mensch meint, dass sie für ihn notwendig sind. Das heißt …2 er erhält von Ihm nicht, was er braucht. Oder ihm zu geben, was dem Menschen notwendig ist.)
Darin liegt der Unterschied zwischen den Frommen der Völker der Welt und den Gerechten. Denn diese beiden Stufen bestehen im Menschen. Bevor der Mensch zum Aspekt der Stufe Israel wird – in dem Sinne, dass der Mensch eine kleine Welt ist –, gibt es in ihm den Aspekt der Völker der Welt und der Frommen der Völker der Welt sowie den Aspekt Israel.
Wenn der Mensch beginnt, auf den Wegen des Schöpfers zu gehen, wird er zu den „Frommen der Völker der Welt“ gezählt. Dann betreffen seine Prüfungen nur die Absicht und nicht die Handlung. Denn in Bezug auf die Handlung wird ihm keine Prüfung auferlegt, sondern nur in Bezug auf die Absicht.
Es gilt nämlich die Regel, dass jeder Mensch dem Schöpfer vorhält, dass Er ihm nicht gibt, was er verlangt. Der Mensch meint, dass der Schöpfer ihm alles geben muss, was er braucht, wie geschrieben steht: „Sein Erbarmen gilt all Seinen Werken“, und es ist die Art des Guten, Gutes zu tun. Daher erscheint ihm alles, was ihm seiner Meinung nach fehlt, so, als hätte er es besessen und der Schöpfer hätte es ihm weggenommen.
Die Handlung liegt somit nicht in seiner Verfügung. Man kann also nicht sagen, dass ihm die Prüfung auferlegt ist, die Handlung nicht auszuführen, denn dazu wurde ihm von vornherein keine Möglichkeit gegeben.
Was die Prüfung betrifft, ist es so, als hätte er die Dinge besessen, die er jetzt verlangt, und man hätte sie ihm weggenommen. In der Prüfung bleibt ihm nur die Absicht. Man muss also sagen, dass alles, was der Schöpfer tut, zum Guten ist, und dass man in Freude und Liebe sein soll, als hätte der Schöpfer ihm alles gegeben, was er verlangt. Das wird „Prüfung der Absicht“ genannt. So war es bei Ijob: Er wurde nur in der Absicht geprüft – ob er das Urteil rechtfertigen kann.
Wenn der Mensch dagegen den Aspekt Israel erlangt, wird er auch in der Handlung geprüft. Ihm werden alle guten Dinge gegeben, und er selbst muss bereit sein, alles zurückzugeben und nur so viel zu empfangen, wie er mit Sicherheit ausschließlich um des Gebens willen empfangen kann.
So ist es auch an Purim. Mein Vater und Lehrer sagte, dass die Megilla (Schriftrolle) bedeutet, dass damals eine Zeit der Offenbarung war. Darüber sagte Haman, dass man den Weg des Wissens gehen muss. Das ist die Bedeutung von: „Und die Gesetze des Königs befolgen sie nicht.“ Mordechai hingegen vertrat die Auffassung, dass die Offenbarung nur kommt, damit man der Prüfung standhält und die Verhüllung auf sich nimmt. Dies ist die Prüfung in der Handlung.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026