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372. Und es geschah an diesem Tag

4. Chanukka 5732 [16. Dezember 1971]

Im Sohar, Abschnitt Wajeschew, heißt es: „Und es geschah an diesem Tag, dass er ins Haus kam, um seine Arbeit zu verrichten“ … „Und es geschah an diesem Tag – an dem Tag, an dem der Böse Trieb (Jezer haRa) die Welt beherrscht … Wann ist das? An dem Tag, an dem ein Mensch kommt, um wegen seiner Verfehlungen Umkehr (Teshuwa) zu vollziehen, oder um sich mit der Tora zu beschäftigen und die Hinterlegungen (Pkudin) der Tora auszuführen.“1

Im Gebet Nishmat sagen wir: „Den Hilferuf der Armen hörst Du, auf den Schrei des Bedürftigen achtest Du und rettest. Wer ist Dir gleich, und wer kann mit Dir verglichen werden?“ Auf den ersten Blick muss man fragen, warum gerade das Gebet des Armen und des Bedürftigen gemeint ist. Offenbar gelten der Hilferuf und der Schrei dem, was danach steht: „Wer ist Dir gleich, und wer ist Dir ebenbürtig?“ Wie aber kann ein Mensch überhaupt daran denken, dem Schöpfer ähnlich zu werden?

Man kann dies so erklären: Es gibt drei Arten der Arbeit für den Schöpfer, und bei jeder von ihnen wirken der böse und der Gute Trieb.

1) Er erfüllt Tora und Mizwot mit der Absicht lo liShma, etwa damit man ihn „Rabbi“ nennt. Dann besteht seine Absicht darin, für seine Arbeit eine Gegenleistung zu erhalten: Die Geschöpfe sollen ihn für seine Mühe in Tora und Mizwot bezahlen.

Daraus folgt, dass er nicht arbeitet, damit der Schöpfer ihn entlohnt, sondern damit die Menschen ihn entlohnen. Deshalb arbeitet er öffentlich: Die Menschen sollen sehen, dass er für sie arbeitet, und ihn dafür bezahlen. Würde er dagegen im Verborgenen handeln, wer würde ihn dann entlohnen?

2) Er arbeitet liShma, das heißt, der Schöpfer soll ihn entlohnen und ihm das Gute dieser Welt oder der Kommenden Welt geben. Dann arbeitet er im Verborgenen, damit die Menschen seine Arbeit nicht sehen. Auf diese Weise verhindert er, dass die Äußeren – also Menschen von außen – Herrschaft über ihn erlangen, wenn sie seine Arbeit sehen.

Denn dadurch gerät er unter die Herrschaft der Äußeren, das heißt, dass er von den Menschen Lohn für seine Arbeit fordert. Er aber möchte, dass der Schöpfer ihn entlohnt. Dies heißt liShma, weil er will, dass der Schöpfer ihm seinen Lohn zahlt. Folglich arbeitet er für den Schöpfer.

Wer hingegen von den Geschöpfen entlohnt werden will, arbeitet nicht für den Schöpfer, sondern nur für die Geschöpfe. Das zeigt sich daran, dass er von ihnen Lohn für seine Mühe verlangt. Dies heißt lo liShma. Bei liShma dagegen arbeitet er für den Schöpfer. Dann will er nicht von den Geschöpfen entlohnt werden, sondern allein vom Schöpfer.

3) Er arbeitet ohne die Absicht, eine Belohnung zu empfangen. Dann erlangt der Böse Trieb die Herrschaft und fragt: „Was bedeutet euch dieser Dienst?“ Dies heißt „die Frage des Frevlers“, denn darauf gibt es keine Antwort.

Denn bei lo liShma hat der Böse Trieb keine Herrschaft, weil der Mensch ihm antworten kann: Die Geschöpfe werden ihm eine Gegenleistung geben und ihn entlohnen. Auch dem Bösen Trieb der zweiten Art, bei der man liShma arbeitet, kann der Mensch antworten: Der Schöpfer wird ihm eine Gegenleistung geben und ihn entlohnen.

Anders ist es beim Bösen Trieb der dritten Art, bei der man ohne die Absicht arbeitet, eine Belohnung zu empfangen. Wenn er fragt: „Was bedeutet euch dieser Dienst?“, gibt es darauf keine Antwort. Deshalb hat er nur dann Herrschaft.

Daher sagt der heilige Sohar: Wann ist der Tag, an dem der Böse Trieb herrscht? Gerade dann, wenn der Mensch Umkehr vollziehen, also zu seinem Ursprung zurückkehren will. Denn so wie unser Ursprung nur den Geschöpfen gibt, müssen auch wir allein dem Schöpfer geben. Das ist mit den Worten gemeint, sich mit der Tora zu beschäftigen und die Mizwot der Tora zu erfüllen.

Auch dies lässt sich entsprechend dem oben Gesagten erklären: Er möchte sich mit der Tora beschäftigen, damit er die Mizwot der Tora erfüllen kann. Dies entspricht dem Ausspruch unserer Weisen: „Groß ist das Studium, denn es führt zum Handeln.“2

Denn wenn ein Mensch ohne die Absicht arbeiten will, eine Belohnung zu empfangen, herrscht das Böse über ihn, sodass er die Mizwot der Tora nicht erfüllen kann. Dazu heißt es: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Durch die Beschäftigung mit der Tora kann er also dazu gelangen, die Mizwot zu erfüllen, ohne die Absicht, eine Belohnung zu empfangen.

Das ist der „Hilferuf der Armen und der Schrei des Bedürftigen“. Was wollen sie? „Wer ist Dir gleich, und wer ist Dir ebenbürtig?“ Sie wollen die Angleichung der Form erreichen: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“

Sie werden arm und bedürftig genannt, nämlich arm an Verstand. Denn wenn der Böse Trieb fragt, was dieser Dienst bedeutet, können sie ihm nichts antworten. Bei den beiden vorherigen Arten dagegen weiß der Mensch kraft seines Verstands, was er ihm antworten kann. Deshalb heißen sie gerade dann arm und bedürftig, und nur dann herrscht der Böse Trieb.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Sohar, Abschnitt Wajeschew, Punkt 69. ↩

  2. Talmud, Kiddushin 40b. ↩