363. Vier Engel
Miketz 5740 [Dezember 1979]
Im heiligen Sohar, dem Hauptwerk der Kabbala, heißt es: Es gab vier Könige, und was der eine erbat, erbat der andere nicht. David sagte: „Ich werde meine Feinde verfolgen und sie einholen; ich werde nicht zurückkehren, bis ich sie vernichtet habe.“
Asa fürchtete sich mehr … Er wollte seine Feinde verfolgen, aber nicht gegen sie kämpfen; der Schöpfer sollte sie töten.
Auch Joschafat bat und sagte: „Ich kann sie weder verfolgen noch töten. Stattdessen werde ich lobsingen, und Du wirst sie töten.“ Und der Schöpfer tat dies für ihn.
Auch Hiskia, der König von Juda, sagte: „Ich kann weder lobsingen noch sie verfolgen noch Krieg führen …“ Was steht geschrieben? „Und es geschah in jener Nacht … da schlug Er im Lager Assyriens zu.“ Hiskija saß zu Hause, und der Schöpfer tötete sie.1
Daraus sehen wir, dass ein Mensch nicht sagen kann, dass ihm von Geburt an die Fähigkeiten und die Kraft zur Überwindung fehlen, um den Kampf gegen seine Feinde zu gewinnen.
Selbst wenn er überhaupt keine Kraft hat – weder Krieg zu führen wie David, noch die Feinde zu verfolgen wie Asa, noch zu lobsingen wie Joschafat –, sondern wie Hiskija zu Hause sitzt und nichts tut, muss er den Schöpfer nur bitten, und dann hilft ihm der Schöpfer.
Das bedeutet: Man braucht nur ein Verlangen, doch dieses muss stark sein. Ein starkes Verlangen lässt keinen Raum dafür, dass andere Verlangen in den Körper eintreten. Der Mensch folgt die ganze Zeit diesem einen Verlangen, und dann hilft ihm der Schöpfer.
Ist das Verlangen, den Kampf gegen den Bösen Trieb (Jezer haRa) zu gewinnen, jedoch nicht stark und lässt es anderen Verlangen Raum, in den Körper einzutreten, dann ist das Gebet des Menschen an den Schöpfer nicht vollständig; denn dieses Verlangen ist sein Gebet.
Dies gleicht einer Geschichte, die man über einen Chassid (frommen Anhänger) erzählt. Er kam zu seinem Rebbe (seinem geistigen Lehrer), der als Wundertäter bekannt war, und bat ihn um seinen Segen, damit er seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Da er Schuhmacher war, segnete ihn der Rebbe mit Erfolg im Schuhmacherhandwerk.
Als der Chassid nach Hause kam, sagten seine Freunde zu ihm: „Du siehst doch, dass du als Schuhmacher keinen Erfolg hast. Wir sehen, dass das Tischlerhandwerk ein gutes Gewerbe ist. Lerne es und werde Tischler.“ Doch auch nachdem er sich seinem neuen Beruf zugewandt hatte, konnte er seinen Lebensunterhalt nicht verdienen.
Daraufhin fuhr er erneut zu dem Gerechten (Zaddik) und erzählte ihm, dass er jetzt Tischler ist, damit aber keinen Lebensunterhalt verdient. Der Gerechte segnete ihn mit Erfolg im Tischlerhandwerk. Als er nach Hause kam, sagten seine Freunde zu ihm: „Du siehst doch, dass du mit der Tischlerei nichts verdienst. Im Klempnerhandwerk hingegen lässt sich gut verdienen. Lerne dieses Handwerk und werde Klempner.“
Einige Zeit verging, doch auch als Klempner hatte er keinen Erfolg. Wieder fuhr er zu dem Gerechten und sagte ihm, dass er keinen Lebensunterhalt verdient. Da segnete ihn der Gerechte erneut mit Erfolg. Als er nach Hause kam, sagten seine Freunde zu ihm: „Jetzt arbeiten alle als Elektriker, und alle haben Erfolg. Deshalb solltest du diesen Beruf erlernen.“
Doch wie zuvor sah er auch diesmal keinen Segen in seiner Arbeit. Wieder fuhr er zu dem Gerechten und fragte ihn: „Warum sehen alle, die der Gerechte segnet, einen Segen und haben Erfolg mit ihrem Lebensunterhalt? Die Segnungen des Rebbes erfüllen sich – nur bei mir nicht.“
Der Gerechte bat ihn, am nächsten Tag wiederzukommen, da er die Sache erst prüfen musste; dann wollte er ihm antworten. Als er am nächsten Tag kam, sagte der Gerechte zu ihm: „Hör zu, mein Sohn. Als ich dich mit Erfolg im Schuhmacherhandwerk segnete, kam ein Engel, der dir diesen Erfolg bringen wollte. Er fragte alle Einwohner der Stadt, wo der Schuhmacher Soundso wohnt. Alle antworteten ihm, in dieser Stadt gibt es keinen Schuhmacher mit diesem Namen. Deshalb kehrte der Engel mit dem Segen und dem Erfolg nach oben zurück.“
„Danach segnete ich dich mit Erfolg im Tischlerhandwerk. Ein Engel kam, den Erfolg in der Hand, um ihn dir zu übergeben, und fragte alle Einwohner der Stadt, wo der Tischler Soundso wohnt. Alle antworteten ihm, in dieser Stadt gibt es keinen solchen Tischler. Da kehrte der Engel nach oben zurück. Zwar gab es hier einen Menschen mit dem genannten Namen, doch er war kein Tischler, sondern Klempner. Und so ging es weiter: Jedes Mal kehrte der Engel nach oben zurück, nachdem er den Mann mit diesem Namen nicht in dem jeweiligen Handwerk gefunden hatte.“
Dann sagte der Gerechte zu ihm: „Was kann ich für dich tun, wenn du jedes Mal einer anderen Arbeit nachgehst? Deshalb helfen meine Segnungen nicht. Du kannst die Hilfe für deinen Mangel nicht empfangen, weil du jedes Mal einen anderen Mangel hast.“
Die Auslegung des Gleichnisses lautet: Wenn ein Mensch zum Schöpfer betet und ihm als Antwort auf sein Gebet Hilfe gesandt wird, hat er, wenn die Hilfe unten ankommt, bereits ein anderes Verlangen und einen anderen Mangel. Hat er dagegen ein starkes Verlangen, das kein anderes Verlangen in den Körper eintreten lässt, kann er die Hilfe für die Gebete und Bitten empfangen, die er an den Schöpfer richtet.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sulam, Leiter-Kommentar zum Sohar, Punkt 121. ↩